Sic i^^
ßubmtg Simot^eu^ "S^ä^^txn tf. ©pittle^'^
f tt m m 1 1 1 dK SS f r f e.
^Oerauögegeben
von
Ä a r I 5® . d d? t e r.
Siebter Sanb.
©tuttcjart unb ^übincjen,
in t)ev ::j, @. eotta'fc^ert 95ud)^annun3.
18 3 5,
übet
Stf)eol03ie, :^trcf)engefcl)id[}te
unt) :^ti'cl)enrccl;t
Jp c r a u ß g c g e 5 c u
^ a r l 5B d d; t e r.
©rjlter 93anb.
Stuttgart imb ZnhinQcn,
in ber :5. @, ^fitt(i'f(!f)cn P3ucl)^anMunä»
18 3 5,
SSnvtic t)eö ^ctau^^t^ni.
S){e Sluögabe bcr tritt cn Lieferung, m\d)t ber Dorlie*
gcnbc 33ant) fc^licgt, ijl o^ne ©cfeulb Deö ^^crau^gcber^, rolc^
u»o5l 3U feinem leb^aftefien ^^ebauern, üer^&gert werben. 2Bic
öuö bem S^itelblatt ber ^mi erjlen S3anbe bicfer Lieferung
erf{ct)tlicl) i\i, ftiib biefelben fc^on feit einer fRdf)t t>on3öbren
gebrucft. ^^inbernijfe öuf 6eitc ber ^[Jerlagö^anblung , bie
5um Xbeil in ben, litcrdrifcfeen Unternebmungen crnflerer 2lrt
unb t>ou grbgcrem Umfang fo ungünjiigen, ^dtcxdQm^^n^
3um Xbeil in anberen ^ßerbaltniffcn, bie Jier nic^t ndbcr cr^
brterr werben fonncn, ibren ©runb bitten unb bie bem Un^
ter^eidjneten fruber ^u befeitigen bei bem bejUen 5öiöen nicftt
moglid) war, bcmmtcn bie 33eenbigung tiefer Lieferung, fo
wie te^ ganzen Unternebmenö, wclc^c6 jebod) nun obne ölle
Unterbrechung unb rafc^ feinem (2d)Iug ^ugefubrt werben foll,
Snbem ber Untcrieid)ncte we^n biefer fpdten Sbfung
feine« ^erfpredjen«, bie 9^acpfid)t beö «putijfumö in 2Infpruc&
ju nebmen b^t, ft'ebt er jTc^ veranlagt, binft'c^tlict) be« ^lan«
feiner ©ammlung noc^ ein red)tfcrtigenbe« ©ort beizufügen.
(5ö ftnb über hai Unternebmen felbf! unb bie 5lrt feiner
Sluöfu^rung in bcn fritifc^en JBldttern fowobl, ölö in 5prit>at^
VI
augerunjjcn, bcm Xpcröuögcber beijlittimenbe Urt^eifc In hctvad)U
Iid)cr $ail ^ugefommcn. ^in^ig bie ©ttmme eineö SRecenfcn^
teil bcr cr(len Lieferung i« ber ^olL Stt.gcit. Dom 3. 1829,
(erg.53L 9?ro. 22 unb ^uuUM. 9^ro, 54) mad)t ^imn
eine aiu^ua^me unb eö ii?irb ^ler bem Herausgeber in ^tnei
^e3{ebungen ber SÖortrurf eineö luijttjccfmdflgen «Berfö^rcn^
gemad)t, (Einmal foü berfelbe mmlid) ubcl baraii getban
babcn , blejenigeu ©cOrifteu In feine SttuSgabe auf^uncbmen,
welcbe nad) bem ©d)eiben 6plttler'ö t»om litcrnrifdjen
©cfeauplö^e, t)on 3n?d anberen ©ele^rten „in ber ©runblögc
,,febr t)en)omtanbigt unb Den 53erdnberungen ber ^dt öugc^
„pagt, in neuen SIufTagen berauögegcbcn trorben fei;en."
3n)eitenö trirb »ermigr, bog nicbt, fiatt ber ^Trennung ber
grbgeren t>on ben fleineren 6d;rifren, alle ^u einem unb bem*
felben gacfee geborigen, obnc ^üd\id)t auf ben Umfang, In
ununterbrod)ener golge gegeben jrerben, fo ba^ jeber Sefer,
ebne tm „fe^r bcfd)n?erltd)cn Q3allaf!" ber übrigen @d)rifren
mitnehmen ^u muffen, „biejenige ^>artic biefcr fd;d^baren 0?e^
,,Iiquien abgefonbert erbalten fonnc, bk gerabe für i^n vouixf
„f4)enöTOertb unb untcrridjtenb fei)?"
S5en crjlen ^onvurf belangenb, fo ift ^uDorberf! bic
53orauSfe6ung beö S^ecenfenten, aU fci) bic ©runblagc
jener ^wei ©cbriften, auf bie er anfpielt, ber Äirc^cngc»
^d)id)tc unb ber europdifd)en ©taatengefcb lebte,
burd; ibre fpdteren Herausgeber geräubert n^orben, nicbt rieb*
tig, 23eibc SSerfc ftnb nicbt nur In ibrer ©runblage, fonberu
öucft In Ibrer Sluefü^rung gan^ bie felben geblieben; eS i(i
an bem ©pittlir'fcbcn %cxh burd;auö nicbtö t)erdnbcrt
tDorben unb bk gebad)ten Herausgeber b^ben nur bic ®e*
fd;ic^te bcS fur3en 3*^ifc^cnraunKS feit ber leisten, t)on bem
rii
53erfajfcr felbf! beforgtcn, Sluflage Stn^ugeffigt, ujä« öHcr*
bing« im '^ommtt M ^rfc^cincn^ ber ^rflercn für ba9
^ublifum t)on $lBert5 war, nun aber, ta fcitbem wieber eine
greife t?on in6alt6fd;ii?ercn fja^reu Derfloflren- ijl, fc^on m6)t
mif)v feinen $md erfüllt. Ucberbieg ijl ber Umfang jener^
t>on ben 53erfa(]eru and) burc^ dugere Unterfc^cibung^ieic^ert
fenntlic^ gemad)fen, gortfe^ungen fejr unbebeutenb, unb fo
terbienfllic^ fte gewig an fid) jtnb, fo barf ber Herausgeber
boc^ jtc^ ber Hoffnung überladen, ta^ fein greunb beö
@pittler'fc{)cn ©eniuö — unb für 2lnbere fann ja eine
(Sammlung feiner 3Ser!e nid)t benimmt fe^n — barum,
weil biefe im 53er6altnig ^u ben J^auptwerfen fejr unwefent*
Itd)e Jut^aten feblen, mit bem 9lecenfcnten jene för „^Sallall"
Ultcn werbe. Wod;)U ftd) aber aud) Jierin ber Herausgeber
täufc^en — foHten barum, weil su jenen beibcn 6d)rif^
ten Sortfegungen erfcfeienen, bie grbgcren ©cöriftcn übcr^
Jaupt in bem $lane auSgefc^loiJen werben, wdbrenb bei ber
wurtembergifc^en ©efc6i*te, hä ber (^efc&i*te
ber bdnifc^en SRet)olution biefer Umftanb nicfet eintrat
unb wd^renb auf ber anbern ©eite fogar, t>on ben, allcrbingS
«ic^t erheblichen Bußi^m , auS bem D^ac^laffe beS 53erfaflferS
Sur curopdifd;en @taatengefd?ic^te abgcfefeen, a«r ©^^
f4)ic^te bes fanonifd)cn 9^ed)tS fe^r bebeutcnbe, unter
2Inbcren öon einem S!}?eijier volt ©aöi'guj? mit groger 2lner!en^
Kung aufgenommene ")<^rgdn3ungen, wdjrenb ferner ^u ber Ja n^
♦) SSergl. ©efcfeic^te beS römifcften ^cä)U im m. Ol. 2. aiuScj.
2. 95b. ©. 287 ff- — S)er ^evau^gekr Umi^t biefen %nU\^ ju«
gleid), um auf eine baUi^il (©. 295 9iote e.) gegebene 93erid)*
ticjung einc^ 23erfe()en^ , ba^ fd)on bei bem .Original ud) ein;
b Wi(i), aufmerl^fam ju mad)en. 2)ie ^ote am ®d)lu0 bed
VIII
nHcrifc^en ©cfc6tc|)tc (2?8anbe) fejr bicic Jaiibfct^rifilic^e
Jufäge, ttjelcfee t)aß 23uc^ ju einer neuen t)ermeJ)rten unb üer^
bc(]*crten Slu^gabc mad)en, gegeben werben fonnten? — IlJer
gn^ecf ber ©ömmlung ijl, it>te ben Unterictcl;neten bebunfr,
tn ber 53prrebtjum 1. S3anbe !Iar genug dngebeutet werben;
fd)on t>or i&m hattt eö Weltmann tn einer 2Ieugcrung ge*
tl)an, hk ber jperöu^geber ft'cf) um fo weniger üerfagen fann,
Jier wlfber^ugeben , aU fte eö i|I , bic in ihm hie erfte '^ttc
^Uj fernem Unternehmen erwecft ^au ,,6pittler'ö ^d)rif*
tm'^ fagt biefer gci|lreid)e ^piftorifer „finb nod) nic^t gefam?
,,melt;. unb t>ii fleinern gerat^en in i^rer ^^'rl^rcuung fdjon in
,,^ergeffen&ett. greilid) fonnen fte grogtcntr)eiI^, i^rcn bcf
,,fonbern ^wecfen unb i\)vcx ©eljleöflrt i\ad) , inbcm fte Scfer
„Don reid)fren gefd)i(ttnd)en ^cnntniffen unb öngeflrengrcr
„©eubt^eit im Scfen t)crlangen, !einer öllgemeinen WUifc üon
„Sefcrn ^ufctgen. ^etl fie aber Doli finb Don einem
^^cigcntHt^iHc^en ®ei|I in einem Vortrag, ben
„tx ficj) felbj! gcfcböffen f)at, foll mön fie bnrum,
,Mxc übrigen ^Öor^uge ungerechnet, ali ein 92a^
„tionalgut bc trotzten, unb ölö ein folc^e^ in ^h
„^ut jufammen 1} alten» ^ir finb wobr^afrig nod) nic^t
„xcidi) an bergleid)cn Ü^ationölgütern , wie Diele ^>oföunen
,,ijber originelle bcurfd)e jlopfe wir leiber boren muffen."
Unbcbingt IRedjt mügte ber ^pernu^geber feinem Sieccn^
fenten geben binfid;tlid) beö ^weiten ^^unftö, wenn il;m
wirflid) ber öbfurbe (I'infaU gefommen wäre, beir Umfang
ber ©cbriften an ficö al^ ben logifc^en ^'int^eilung^grunb
§. 14 be^ 2. ill)ei(ö ber (^cf(i)i(btc bed fanonifc^en D^eitt^ ([C-
bort ncitttlicb su §. ig, fo wie bic am ©chluf; bH §, 16 ein:
Aenicfte ju §. 18.
IX
für eine folcfec ©ömmlung ^u betrac()ten. (Einern S^cxaw^Qt»
ber int»cg, bcm ber S^ecciifcnt auöbrucflld; haß SIiierFenntiiig
gicbr, bog er öuf eine^löetfe, „ble i5m fclbft (Jtre möcbe/' in
ber (Einleitung ^um 1, 33anbe bic Jerborftcd^cnben üterdrifd;en
^•igcntf)umlid)!eiteu ©pittler'ö trejfeiib ^u eiitmicfclu ge^
n?ngt ()abe, bürfte bcrfelbe bod) tro^l aud) ^ufrauen, baß er
o^ne bringenbcn Öruub ein ^riii^ip, haß fo nal;c lag unb
beflfcn ^^efolgung in 5{nfc[)ung ber Flclncvn ©d;riften Don ijim
fclbfl öngcFünbigt luorbcn, namlid? haß ^u bcmfclben %ad)
©cbcrcnbe auc^ ^ufammen^ufteKen, nid)t jjcrlaflTen ^ahcix wuxhe.
SB or in jener notöigcnbe ©runb bejlanben, f)attc ber ^lecenj^
fent fd)on ^mei 3^^)^"^ i>or ^'rf(teinung feiner ^ritt! auö ber
2ijbing. frit. geirfdjr. für 9fled)teaM'(fcnfd)aft (^b. 5, i?cft 3,
©♦ 511) erfe^cn fonnen. Qß \\i fein anberer, nlö weil bic
früheren "Serleger einzelner größerer Sd)rificn bem JJcrau^ge^
ber hd beren ^icberöbbrucf ^ur 25ebingung niad)ten, bog bie*
felben nur in un getrennter ^oIqc abgegeben irerben» SSoIItc
man nun benjenigen Sefern, a^cld)e ffd) ntd)t hie ganje ©amm?
lung anfd)affen m ödsten, bcnnod; bcn ^cffl^ ber fleincren, ^u
einem ^ad) gef)ürigen (^d}riften moglid) mad}en, fo blieb
n\d)tß anbere^ ijbrig, a\ß biefe ©diriften ton ben größeren
5U trennen unb (te in einzelnen Ülbt^eilungen, nad) ben gad}ern
georbnet, abzugeben, ^ieg war »on 2lnföng an hk 2Ibficf)t
ber ^erlage^anblung unb hcß Xperau^gebcr^; waß Seöterer
^ur (Steuer ber SBabr^eit bemerfen mug, fo gerne er gu6)
bem Slecenfcnten bic unfcfeulbige greube, a\ß ob ,,er erft ben?
„fclben auf hm ©ebanfeu geleitet ^abe, bie ficincrcn 6c()rif?
ten aud) einzeln ^u üerfaufen" (bergL beffen letztere, oben
citirte SIcugerung) laflfen moc&te. iJag aber bie ficincreu
!ircl)enred)tlid;cn unb f irc^engefc^icl)tlid)en Slböanb^
lungen in eine Qlbt^eilung Dernjiefen worben, waß nod) wdf
fci' QctaMt tt?irb, — bieg glaubt ber Herausgeber gegen ^en*
ner beö 3u()altö jener ©pittler'fc^cn (Schriften nic^t erjl
rechtfertigen ^u muffen; fo vok au6) t)on bem 9lecenfcnten
ble 23crccl)t{gung beö €r(?eren, bie europaifc^c ©taatcnge?
^d)id)tt in feine (Sammlung aufzunehmen, treil ©pittler
im S* i807 „ton jebem ferneren 2lntf;eil an bem 23ud?e ftc&
„loSgefagt" l)abc, voo\)l nur im ©c^jer^e be^trcffelt njorben t(!,
Sebenfaüö mug ber Unterzeid)nete furd)ten, ta^ baö ^ublifum
t>k Oleugtcrbc bcö 3^ccenfcnten, feine Legitimation jur ©ac^e
nd^er gu erfaf)ren, nid)t t{;eilen mochte; er if! aber mit 53er*
gnugen bereit, bie SScIege bafur, ba^ jeneö Soöfagen feineö^
itegö auf eine (^effion beö Iiterdrifd)en ^igent^umsrec^tS ge*
gangen, fo n?ie ta^ ber »?)crau^gebcr nid)t o^ne ^SoriDiflfen
beö 53crlegcrö ge^anbelt, für ben ber Skcenfent eine fo ^artt
S!{)cilnabme ^cigt, privatim mit^ut^cilen,
I^cr Unter^cid)nete irenbct ftd) nad) biefer (^rbrterung,
mit ber er, o5ne eine früher gegebene Bn^ctQC, feine Sefer ge*
Jti^ t)erfd)ont ^abcn »rurbe, ju bem 3n^alte beS t)orIiegenbe»
25anbe^, ber ^ugleid) aud) ben erfien S!()eil ber t>crmi festen
für S^eologie, ^ird)engefd)ic&tc unb ^irdjcnrec^t
gehörigen ©c^riften bilhct ß'ö jTnb hk^ (auger einer fRdU
tonSRecenftonen, i?on benen eine 2lu6n?ö()I fpdter folgen tt?irb)
bie früheren 2Irbciten ©pittler'S, meijl auS bcr^eit t)on
bem SSeginn feiner literdrifd)en Saufba^n biö ^um ^'rfcf^eineii
feiner erflen größeren ©d)rift, bie Speere müä^tc , ber ^tr«
c^engefc^ic&tc (1782). 53on ben f cd; 3 c^n 21b6anblungen
biefeö 23anbe6 faüen nur bie fünf legten tn bie, t)on ba an
beginnenbe, ^mitc ^eriobe feiner fcfcriftftcllerifc^en S^^dtigfeit,
Dag aud) in biefen Slrbeiten beS ange^enben 6c^rift*
jleUerö tic Crtgentbumlid)feiten feiner geifiigen ^erfonnct)feit,
»oic fic fpdter in t>oKcm ©lan^c fic^ entnjicfelte , fc^on 5er#
XI
vortraten, i(l längfl önerfannt; cß i(l namentlich ti^ojl feine,
in ber nic&t fein ubcrn)legenber Xrieb nnb fein ön^ge^eic^ne*
tci S:a(ent ^i\v gorfc^ung in JeUem ZidjU fid) geigte. Um
übrtgenön?öö burcl)fte im e* i n feinen für bie5BitTenfd)aft ge*
Wonnen njurbe, ndjer aucö, nur ßu^ubentcn, müßte ftd) ber
Herausgeber in ün i§m grogentf^eilö frcmbeS ©ebiet trogen,
^'r befd)rdn!t ftd) ba^er, n^ie billig, öuf einige n?enige, me^r
bie dugere @efc^ic()te einzelner 2Ib^anblungen betveffenbe,
. 3ur ölb^anblung Dir. V. sunac^jl ij! s« t)crgleid)en,
wa^ ber ^erfaffer über biefelbe in feiner ©efd)ict)re beS fa?
nonifdjen 9\ect)tö (§, 62, in ben fdmmtlidjen UBerfen 23b. 1.
@. 214) beric^tigenb bemcrft.
Ueber hk ^b^anblungen Dir. VI. unb Dor^üglid) YU.
Jat fid) ebenfalls ©pittler felbft in einem ^Briefe t)om
25. See. 1776, n3eld;en 5[)ieufel in einer, njo^l bcix irenig*
(len Sefern ^ur $anb liegentren ©d)rift (^i|lcrif*c unb litc^
rarifc^e Unterhaltungen, (Coburg 1818. @. 264) mitt^eilt, auf
eine fo d;arafterit'tifd)e Slöeife gedugcrt,, t)a^ ber Herausgeber
ben S'rfferen burd) einen SluS^ug cin-en r^ienfl ^u er\reifen
glaubt. „<^c^eint 3l)»cn bcnn" fd)vcTbt er an DJIeufel, für
bejjen ^dt\d)xiit er jene $Huffd^e eingcfenbct ^atte, „meine
Prüfung ber 9\unbifd)cn Sp\)potl)z\c ^u heftig ober nid}t bo#
fumentirt genug? SegtereS bin icö niir am trenigllcn ben?upt,
unb auf ben gall beS Eingriffs ifr mein ^üd)er t)oü ber tref^
fenbften «Pfeile. €rftcrcS fonntc Dicfi.eid)t n?iber meinen SBil*
len gefd)c^en fei)n; td) irürbe @ie in biefemS^Ü bitUn, harte
^•pit^eten, üluSbrücfe u. f. tv. j^inn^i'g^ujlreidjen ; eS iü mir
bei ber ganzen ©ac^e um ^i(lDrifd)e Söabr^eit ^n t^un. 3c^
tt?önfd)te alfo gar nid)t, H^rrn 9\unbi! ben geringften 53erbrug
gu erttjcdfen* Ölber treitlduftg mug id) mid) iregen meiner
Slpologic bca ^leruS im mittlern gcitaircr erflarcn. S>a ic^^
5icr (hl (?ijüttitigcn) feine ©eele bcn 2(uffa^ tjor^er lefcn laf*
fen fomitc; fo fann c^ n^irflid) fcijn, tag id) nic^t genug
Jiftorifc^e 25eifpiele J^in^ninQtc, it>ic'^ jcbem leicht gejt, ber
in ber öoUen Sntuitton f«^ncö ®cgen|Iönbc6 örbeitet, ha^ er
2i)?ittclfd^e übcrfpriiigt, bie ber Jöltblütiae Sefer öermigL
SBenn'ö ölfo bieg öllein ijl, wai i^m fc^It, fo bitf id) ©ie,
t6n mir balb niüglld)il ^urudP ^u fd)tcfen ; id) voiü fo fircng
bofumentircn, aU ber fd)drfrte Prüfer nur terlöngcn fönn;
Diellcic^t öuc^ einige SdBe ölebönn mc^r öuefu^ren, ta^ eö
ftc&rbar tnö 5(ugc fallen foK. 0lo(^ finb'ö nic^t 20 3a&rc,
bog man einen ^iftorifer geflcinigt f)atte, ber fic^ unterfiön^
ben, t>om 9)u^cn ber Äreu^juge ju fpred)en. Se^t I)aben'^
gelehrte Slfabemiei? ^ur ^reigfrage gcmad;L 3d) i)ahc in
meinem 2Iuffa^ gar nid)t beireifen n?oUen, bag ön bem^Ieru^
be6 mittlern Jcitalterö gar nic^tö, aU ©ute^, genjefen fep.
3d) fcnnc bie ©d)urfai ju tro^l! ^Hber bie grage war: S}at
biefe^ ^tterngc3ud)re gar nid)t^ genügt? unb, trenn^^ ge^
iiu^t i)at, waß Ijat e^ genügt? Unfere ©efc^icbtfd;reiber jinb
fiber biefen ^^unft alle toll Deflamation ; icö erinnere micj)
nic^t, bei irgenb einem gcicfen ju ^aben, bag er öucb bie
53ort&eiIe beö ^Urui gezeigt ^dtte. ©o ifi auc^ bie grage
nid)t: ob wir unö njiebcr bcn ^leruö M mittlem 3*^i^^^ffi^^
njünfd)en foUen, iteil er genügt l)atl I5aö trdre ungefd&r
eben fo, aU ob man ftc^ ben Informator, ber un^ ba^5IQ5(S
lehrte, lieber ^urucf n^ünfcfjen trollte, treil er gut 21 35 €
lehren fonnte. ^'ö ift im ben gan^ uneingefc^ranften Dcfla*
mationen gegen ben ^Icruö fe^r biel 53enred)felung unferer
fetten mit jenen; unb für unferc ^dtcn i(l freilicl) ber ganjc
Unwille gegen t>m fat^olifc^cn ^leruö DoDFonimen gerecht.
©0 wie ber Untrille ubi?r bie Äinb^magb i?oUfommen gercc()t
XIII
ifi, mm\ fte ben Sungltng, ben S[)?ann eben fo bejanbelt,
\m ta^ ^inb, Slber t)a^ Äinb mug üubifc^ be&anbclt mr^
bcn; fo aiic^ jene ^dteii ber DflatioiiaUi^'nrivtcfi'lung — mein
©Ott! trie ha unfcre Joc^gele^rteu ^H)i(ofopbt'n unb Si^colOi«
gen fo übel angefommcu voäxcnl ^afebom iai 2Infaugö J)if
Rauptet, man muflfe bei ba* €'r3lc()uug bem ^inbe niemals
uubebiiigten ©e[;ürfam öuflcgen, o^nc i§m ©ruiib unb Urfctd^e
cineö jeben 25efeM6 ^u feigen: er nimmt ober je^t, bei mej?
rem Erfahrungen, feine bamnlige S3e&cmptung ^urücf, unb
erfennt, ba^ eö eine gcit lang burd; eine 2{rt bltnber Slutoris:
tat geleitet n?erben müjTe, S^neö mittlere Zeitalter inar geit
ber Äinb^eit unb bcr S3ubenjlrcid)e ; folglich mugtc anti) In
jenem Zeitalter ba6 ?0?enfc&engefcbIeci)t eine gleiche (Jr^ie^ung
geniegen» (Sd;icfen 6ie mir nur meinen 2(uffa^ it)ieber 3u^
rucf; icö will t>a6 allc6 beutltcfe genug (einlegen; bcnn c$
fe^lt mir gar nid;t an SSeireifcn, 3ct) fd)ränfe mid) blog
ein^ um- nic^t eine Slb^anblung ^n fc^reiben, bei n^elcber ber
^opf achtmal grbger, aU ber ©d;n?an3, i|!- E^ foll i^m
aber je^t fe&r gut geholfen werben, gur jebe 25e^auptung
will ifi) wenigpcnö ein Dufeenb ftiftorifcö bofumentirte gafta
beife^en." — OBie frii&e fc(?on biefc acbt l#orifcbß 2luf*
fajfung einer ber merfwi^rbiglten (Jrfc()einungcn ber Söclt?
gefd)id)tel
Die 2lb§anblung 9lro. XI. ij! btefelbe, t)on weld)er au^
2lnlag be^ unterfd)0benen Calendarium archigymnasii Bo-
noniensis, ü. ©aöigni) C<^. a. £). ^^1.3. @. 12) bemerft:
„in Deutfcblanb i)at ftcfe ©pittler in einer anonymen ^h
„^anbfmig ba6 53erbienff ber q)rufung unb 5Biberlegung 5U
„einer Jeit erworben, wo fejr namhafte @d)rift(Ieller nic^t
„wagten, an ber Olec^tfeeit ber Urfunbe ju zweifeln/' @ie
erfcbieu mit ber, bie «ßermut^ung ber Urjebcrfd;aft öoti bem
XIV
WJöJmi söcrfajTer öbrenfcnbcn , (^^ijfre ,,^ . , . /' xtie fein
grcunb ^pugo, nlö ^Belcg, tt?tc fefer ©pitticr fic& gcfd;cut,
tie perf5nllcl)cn SBcx^äUi\i]\c ^u belcibigen, unö cx^a^U {<B^itU
ler ton ^ecrcn unb ^ugo, ^erL 1812, ©. 56) öuö
bcm ©runbe, rreil ^u\l ipenniug ?5o^nicr in bcr gan^
5en Unterfuc^ung fein ©egner getrefen, unb bcr ^o&n t)on
biefem, bcr bamaligc angefc^ene ^rofcjTor in ©brtingcn, bieg
übel nehmen founte. 3"bcß ifi Jiebci ber feine pfpdjologifc^e
SBin! ©oltmann'ö Qeitgcnoffen 58b. VI. ©. 87) nid)t
3U übcrfe&cn: ,,bag 23cforgnifl*e bcr 5Irt im ©runbe bei ..
/,©pittler'n iDcniger mit einer ijbertriebcncn gurd)tfömfeir, J*
„aU mit bem SÖergnugen gufammen^iengen/ ^Jcr^altniflfe be?
„x^d^iut 5U Jöben, bie S3eforgni0 einflogen fhinten, unb ta^
„er lieber bicfe feftDielt, aU jencö 53crgnugen einbugre/' i
3u feinem grogcn 55eböucrn luar ber jjerauögebcr bei *
9Ir. Xiy. nic^r im ©taube, bie Don bem 53crff.jTer in ber
©5ttingifd)en fBo^ktat bcr 5BijTenfcbaften ben 20. ^aiu 1786
unter bem ^itd »Spicilegium histoiioe antiquioris Novi
»Testamenti« tcriefcne 2lb()anblung felb(l öuf^ufi'nben. 3n
,ber 53orrebe ^um VIII. S5anbe bcr (So^ictatefcbriften (©.XI.)
t(! berfelben in bcr ^^ronif tc^ geböd)ten Sa^reö mit bem
S3cifagc »(Servatur Volumini IX.)« ermahnt; öllein webcr
tiefer, nod) ein folgenbcr 23anb enthalt fie. dlad) einer bem
,§eröu^gcber t)pn bem nun verewigten (^ci.^w^ü^ffRatit
^ic^Jorn in (5)5ttingcn mitgct^eiltcn 53ermut^ung, fcfeeinen
flng(ind;e ©eelcn öuö ©orge, bag wenn bie ©cferiften bcd
fJl* Z. fo fpdfc ^ubli^irdt erlangt r;dtten, bieg bem ^anon
M 9l» Z* ©efal)r bringen mbc^te, ben 53erfaffer veranlagt
gu Jaben, bk 21b^anblung ^u unterbriicfcn. ^6ne ^racifel
fonnen in unfern Sagen fold)c SSeforgnifle nidJt mejr anfc^la^
gen unb fo fud;tc ber iperauögcber bk 2ucFe trenigpenö burc&
xr
bie 2Iufna5«ie bcr ^Injeigc in ben ©5tt. ©cl. 5I113., in iveld)er
ou^ ©pittler'^ gcber bie ©ruub^uge beö 9ön3en ©an^^
fdncr Unterfud)un9 initgetjeilt ftnb, einigermaßen ju ergangen»
S3ßi ber XV. ^Ib^anblung ifl ju t>er9lcid)en, waö über
bic O^lc^tung berfelben ^lancf (in bem/ ber fünften, burd)
ijn bcforgten ^luflage ber ^ircl)en<@efc^ic^tc beigefügten ^ü\f
fa^e ,,uber ©pittler aU Jpijiorifer" ©. 24 unb 25) er<f
wdjnt.
2)ie XVI., mit ber borfle^enben im engflen ^wf^wimen*
Jang jle^cnbe, Sibfanblung glanbte ber ^perau^gcbcr eben beg*
Jalb auf fie unmittelbar folgen laffen su müfifen, obgleich i^v,
nacö ber fon(! befolgten cöronologifd)en £)rbnung, eine fpdtere
©teile gebührt Jdtte,
2luf (Irenge ^orreftjeit be6 £)ruc!^ Jat ber Herausgeber,
n?ie er jtd; fc^meid;elt nid)t o^ne Erfolg, ein Hauptaugenmerk
gerichtet; bennod) i(l in ber Ueberfcftrift ber VI. 2ib&anblung
(©♦ 194) ber ärgerliche SJrudPfe^ler „SKecötö(Ianbfc()aft" flait
9lcict5(!anbfc^aft hd ber ^urd;iid)t überleben tüorben»
Äarl Södcöter.
3nMltö '- Slnjeige-
Seite
I. Dissertaiio theologica de spurio nsu paedagogico religioiiis
naturalis. 1775 1
II. Uekr llrBfpeniev'jJ £el)re tjon ber l^reieinigfeit. 1776. • 48
III. itritifd)e Uuterfudiung beö fec()^5ic)jlen £aobicenifif)en ^a*
nönl 1777 66
IV. ^vitifd^e Unferfuc^ung ber ©arbicenifd)eii (Sd)lü(fe. 1777. 126
V. ^ntbecfimg be^ wrtl;rert SSerffliTer^ bev Q(ngilramnfrd)en
Äapitet. 1777. 181
VI. ^rüfiuiii einer ^i)pott)ere ber 9?imbifiten ^reiefd^rift t)on
ber 9\'eid)6|1anbfd)aft ber 33tfdii)fe unb Qlebte. 1777. . 191
VII. 93on einer g-inbdanjlalt ju Wer im fiebenten 3al)rl)un*
bert, nebfl SÖenad)tunc(en über W 25ort()eiIe, V\t ber ^le=
ru^ bem mittlem Seitalter brad)te. 1777. • . .209
VIII. ^iilovifdie^Mnmerfungen über 33amber9^ ©renttion. 1778. 25o
IX. SÖeiträge jwr @efd)id)te ©ratian'ö unb feinet 2)ecret^. 1778. 247
X. Disseriatio academica de usii versionis Alexandrinae apud ,
Josepluiin. 1779. 274
XI. (^i^^\&)it be^ ^\M)^ im ^Hbenbmni)!. 1780. . . .505
XII. Historia critica Clironici Eiisebiam. 1784. . . .401
XIII. 93orrebe sum i\\\{txi 3;f)eile von Sßald)'^ Entwurf einer
Doüftänbiiieu ^iilorie ber Äei;ereien. 1785. . . . 437
XTV. lieber Ik ^ublfjität ber J8üd)er beö ^euen 3:etlamentö
in ben brei erileu 3al)rl)unberteii ber d)riillid)en .Rird)c.
1786 . . . .412
XV. ^i\6.M)ii ber Sunbnmentat'Oefei^e ber beutfd^en Bat^o*
(ifd)en i\ird)c im 93eil)cdtni!J %\\x(i römifc^en @tui)l. 1787. 446
XVI. 9iüd) einSBort über bie ^(cceptaticn ber Saeler @d)lüiTe,
fllö SuHbnmcntni - (foncorbat ber beutfc^en .Äird)e mit
bem rinii{fd)en ©tul)I. 1789 505
I. DISSERTATIO THEOLOGICA
DE SPURIO USU P^DAGOGICO RELIGIONIS NATU-
RALIS. (PRiESIDE X F. REU S So TUBINGAE
17 7 5.
Cum novis emendandae doctrinae publicae consiliis no-
stra aetate omnia agitari videamus^ tum nullurfi est^ qüod
rriajorem rebus christianorum mutationem inferre yideatur^
quam cujus auctor nuperrime iterum extitit Cel. Base-
Dovius. *) Ea est^ ita ille conqueritur^ tristissima seculi
nostri indoleS;, tit plurimi eorum^ qui lautiori fortünarum
statu vel splendidiori yitae genere usi librorum nostra
aetate prodeuntium lectiani indulgent^ vel plane rejiciant
religionem christianam^ vel suo loco relinquant, ut rem
aliquam^ de cujus nee veritate nee falsitate satis constet.
Vix tertium quemque Humii alicujus Yoltariiye illecebris
haud irretitum superesse, nee paucos hos ipsos diu per-
*) in praef. libri : 5?ermdc&tni^ für hie ©ettJtffen. i. Äöeit
3)c|faU/. 1^74. et in epistola ad Jojiannqm Turicensemy
ejusdem libri parti secundae praefixa. Ipse non est pri-
mus hujus consilii aucfor. BIbL ^heol. britannicae Vol. f.
et. II. Angli cujusdam, (Williams) scriptum exstat: SScr=
fuct)e über hen otfetttltdjen ©Dttesbieuil, |patriDtiömu^ unb
(JntipÜrfc ber Äirc^ß;ttDerkifcr.l|tt9, in quo idem illud propo-
nilur,, talesque cogitationes Gel, Moro jam suborlas ess«
memoratur» ,
severaturos, nisi genio seculi longe lateque serpenti ce-
lerrlme et fortissime resislatur: infelicissimam hanc con-
taglonem natam esse ex ignorantia rel. nat. : animi im-
jwortalitatem judicemque post hanc vitam imminentem
paucissimis persuaderi: efflorescere jam fructus neglectae
olim solidae institutionls : rationi^ justis exercltationibus
praeparatae, nunquam superstructam esse religionem: im-
butos illos avitis opinionibus et tandem in virulenta no-
strae aetatis scripta delapsos nihil certi tenuisse^ quo se
ab eonim pericuHs tueri potmssent: adultis nee otium
nee vires nee animum suppetere^ ut Hbrorum accurate
scriptonim lectione proficere possint: ita ruere oinnia in
pejus, et patres hos mox vitiosiorem progeniem daturos.
Frustra repeti et auribus inculcari religionem revelatam:
a naturali initium esse capiendum, hanc solide demon-
strandam et ad animos hominum admovendain esse: ec-
clesiam aliquam constituendam ^ quae cum propagandae
soll naturali religioni destinata sit^ ab omnibus cujusque
professionis hominibus coli possit; hac una ratione suffla-
minari posse pestem graviori subinde calamitate minan-
tem, et hominibus^ ad naturalis religionis sensum revoca-
ti», christianam doctrinam multo facilius et suavius se
insinuaturam esse.
Dignissimum accurato examine consilium^ *) cum de
re gravissima^ de Salute hominum optime promovenda,
agatur, nee eonim modo interest, qui gubernaculis re-
rump. assidentes nutu suo vel evertere illud vel stabilire
*) Acerbius exagitavit potius , quam excussit hoc consilium
auctor anonymus: @ine(5 5Inl)alttttcrö Soöfagwng »on bem
SSermdc^tnip für hie ©enjijfen. 2lri Uix ^errn ^rof. ^a-
possunt^ sed omnium quoqne, «juibus piiLlica religlonis
institutio demandata est, ut quid^ dato sibi ad instituen-
dum tarn depravato coetu, maxime urgendum sit, explo-
ratum habeant, ne vel novitatis vel anticjuitatis studio
saluti illius promovendae desint.
duaestionem de qua agitur probe yelim obseryarl:
non enim sermo est de methodo emendandi unum ali-
quem hominem, quicum solus colloquaris, et quem amica
institutione ab erroribus avocare studeas. Q.ms neget ad
ingenium talis hominis methodum et posse et debere ac-
commodarij fieri quam saepissime, ut per naturalem re-
ligionem ad revelatam adducatur. Licet enim, si cum
uno homine agas, abditissimos errorum illius recessus
investigari, qui et ortum et vim suam saepius ex singu-
lari hominis ingenio repetunt: vel expugnandi igitur
illi, vel intacto, si liceat, vulnere ab eo auspiceris, unde
miriimum resistentiae est timendiun. Q.uin si qua nie-
thodus minus succedere videatur , facile eam migrare,
variisque periculis institutis optimam tandem invenire
licet. Longe autem alia est ratio, cum integrum aliquem
coetum doctrina instituendum , diversissimosque et animi
et judicii errores, qui singulis insident, una oratione
corrigendos susceperis. Q.uis integri alicujus coetus
doctor hac provincia ita defungatur, ut ad singulorum
indolem eo modo se demittat, quem facillime patitur
amica unius hominis institutio.
Est igitur hujus loci quaestio maxime ardua, num
ea sit religionis naturalis, quae ratiociniis Cognoscitur,
ad animos hominum efficacia, ut plane corruptos illos et
ab omni religionis sensu alienos flelicius revocare possit,
quam si norma publicae institutionis Scriptura sacra ser-
vetur, et christianae fidei praecepta inculcentur. Grassari
et naturalis et revelatae religionis contemlum vel certe
ignorantiam concedit CI. Basedovius. Non ea igitur
quaestio est^ utrum hominibus ad natiir. rel. maxime
procliviLus, et a christiana alienissimis felicius haec sta-
tim possit subjici, an^ illa primum accuratissime tradita,
quasi sublimioris generis doctrina tandem bene praepara-
tis proponi debeat. Q.uo enim animo et naturalis religi-
onis institutionem accepturi sint ii_, qiii Humii Voltariive
scriptis sunt innutriti^ facile perspiciet^ cui scripta horum
impietatis praeceptorum sunt cognita. Primum igitur
examinabimus^ an, si yel largissime omnia concedamus,
ea sitconsiliibujus ratio, ut qualicunque spe felicis even-
tus effici possit: *> tum investigabimus methodum Christi
et Apostolorum, qua usi sunt in corrigendis hominibus,
nostrae aetatis soboli haud dissimilibus : d e i n d e ipsam
rel. nat. cum rel. revelata conferamus, ut appareat, utra
earum hominem fortius ad pietatem impellat, et ejicien-
dis tum erroribus tum animi vitiis longe valentiorem se
promittat.
§. I.
AJ sanandos igitur et uniendos tot dissentientium
animos singularis aliqua ecclesia constituatur, solius natu-
ralis religionis conservatrix. Huic omnes, quomodocuil-
que a se invicem discedant, Christidnos Conjüngi posse
sperat Basedovius. Neque vero in spe hac longe incer-
tissima arcem consilii positam esse existimo: imquamne
♦) h. WErtMANNi diss. do veris damnis utilitalis imaginariae
in rebus religionis (Tub. 1771.) maxime in demonstratione
contra MaHisiym, scriptorem R. C. versatur.
enlrn homo christianu?, qui omnia bona a Deo per Chri-
stum in ipsuin deriyanda profitetur, qui, quantum in ipso
est virium, promoyendae Salr. opt. gloriae conseprare
tenetur, unquamne talls coetui se jungat, in quo altum
de Christo ejusque heneficiis silentium. Nee non variao
Christianorum dlsciplinae in ipsis saepe religlonis natu-
ralis praeceptis dissentiunt: num hominem, supralapsario-
rum hypothesi addictum, unius cum eo fidei prafessione
jungi putas, qui ahsolutum Dei de hominum felicitate
decretum ipsis naturalihus de Deo ideis repugnare con-
tendit. Ai'ianorum Socini&norumque longe aha est re-
ligio naturalis; quam quao consueto systemate supponitur.
Sit igitur potius nova haec ecclesia seminarium ali-
quod, quo ad amplectendam religionem Christ, homines
illi ab omni religion© alieni praeparentur : sit asyhim,
quo eonfugiant ii, quibus nondum persuasum est de re-
ritate rel. Christ, vel qui eam describunt religionem
christianam^ qualem omnium coetuum christianonun nulr
lus adhuc comprobat. At jam primai lis erit;, quibusnam
dogmatibus contineatur noya novae hujus ecclesiae doc-
trma,. Cum enim n^Q in natu^r^ religione christianae
fidei adversarii consentiant, *) et quisque, prout ratio
ilUus valet, nunc conlrahat illius limites^ nunc propaget:
quemnam judicem constitues, qui definiatj quaßnam sint
eae doctrinae, quibus propagandis et conservandis nova
haec ecclesia destinetur? PugnAbunt alii;, ne inimorta^^-
*) Dfssensum principum Deislarum in primis rcHg. nat. fun-
tlamcnlis aculissinie cxposuit Rovstapt LeUr«s sur l'etat
present du CJiristianisiny elq. (Londr^s 1768.) p. iß5
— 300.
tcttem animorum, duLiam adhuc^ ut ipsis videtur, disoip;
linis, ad regendam vitam pertinentibus^ fundamenti loco
substernasj alii vero excipient, languere sine Piis incita-
meatis virtutem, justitiam bonitatemye Dei ita demum
vindicari, neque rem tot argumentis munitam aJ)squo
gravi culpa posthaberi posse» Argumenta officionjm ^lii
ab attributis Dei optime repetenda ducent, refutabunt eos,
<jui baec c[uasi . remotiora ab intelligentia nostra parum
in animis hominum efficere putai^t^ pietatemqi;ie coöinjiQ-
dis^ quae secum fert^ rectissime commendari asserunt.
Q.uis igitur dissentientium arbiter? Placuit forte aliis
opinio^ non nasci hominem pravis animi inclinationibus
corraptum_, sed exemplis eorum^ quos a prima juventute
videt^ ' ' seductum communi calamitate abripi. Num vero
cum illis stüdia animosque conjungere poterunt^ ' qui hp-
ininem, ex origine sua peccati labe infectum, affirmant,
et laudes illas integrioris humanae naturae ut noxias
aestimandaeque verae virtuti periculosas rejiciunt. Q.uae
-eorum erit religio nat. qui iii christiana nihil doceri
voluerünt, cujus existendi mödum ratio non perspiciat?
Apparet definiendum esse aliquod doctrinarum systema,
quod doctrinas huic ecclesiae proprias complectatur. Ita
vero revolvimur, unde tantis laboribus nos eluctatos pu-
tavimus. duam- plurimi depravatum multisque vel falsis
vel minus nec^ssariis praecept?« bppressum systema con-
querentur^ neque jungi se posse coetui^ qui ad J)ropa-
gandas conservandasque doctrinas illas omnium sociorum
animos viresque deposcat. Nascunlur itaque cadem dis-
sidia, distrahetur etiam naturalis religionis ccclesia in
diversas disciplinas^ et dum homine^ erunt ii^ qui in
haec sentenliarum divortia abeunt, coctus isli minores
alieniori animo erga se mutuo erunt affecti. *) Q.uid,
quanam auctoritate jiibebuntur homines in societatem ali-
quam coire, qua junctis animis statutisque publicis pie-
tatis exercitiis et cognitlo Dei promoveatur , et cultus
ilHus certis ritibus administretur. Humana sane summo-
rum in civitate magistratuum , et propositis commodis,
quae ex hac animorum studiorumque conjunctione in
singulos redundant, voluntates hominum impellentur. Ita
vero vim conscientiis injugte illatam clamabunt^ suam
cuique constare debere in rebus religionis libertatem,
et qui quemque sui certe ipsius conunodi rationibus
ductum iri sperant, valde in eo falluntur, quod ex
suo sensu etiam alios judicaturos esse arbitrantur. INon
enim deerunt, quibus vel omne publicum religionis ex-
ercitium disp licet, vel certe illius, quod constitutum est,
ea ratio esse videtur, ut conjuncta cum eo utilitas gra-
vioribus incommcdis opprimatur. Sufficiat bis demon-
strasse aeternis homines discordiis agitari, et ad extrema
quaevis in rebus sacris delabi, nisi divina auctoritate
regantur. Sua igitur natura nunquam florentius exsurget
institutum Basedovianiun: alit enim secum mortifenun
vulnus, divina auctoritate non munitur^ humanae impa-
tientes sunt, qui christianorum.-coetu excesserunt, quod
pleniorum judicandi libertatem desiderabant. Humana
*) Ne iniquus videar, noio ominari, qufmnam animum ha-
bituri sint novae hujus Eccl. cives erga EccI. Christ.
Triste cerle in eo praesagium, quod Dcislarum plurimi
in iis ipsis libris, quibus tolerantiae commendatione suam
causam agunt, injustissimis criminationibus rel. christianam
oppugnant. v. S. R. D. D. Fabri diss. de foptibus, ex
quibus toierantia dissenlicnlium in religionc recentius duci
seiet, p. 68. 69. 71.
igltur ratio domlnetur, qua cum quisque maxime pollere
sibi videbitur, et callidiores qulque certatim alios in suas
partes pertrahere studebunt_, unde concordia lila aflfulgeat^
cujus gfatia totum institutiun tentabatur, et^ si Utes illae^
inter christianos agltatae, promorendae animorum sa-
luti tot obstacula injiciant, quaenam erunt noyae hujus
ecclesiae fata^ et quos successus habebit conatus ille,
hominis ad verum pietatis sensum reducendi? Longis-
sime^ quod facile largior^ abest a mente viri Cel.^ iit ipsi
Christ, rellg. qualecunque detrimentum afferat : se 1 ea est
totius consilii indoles, ut ruinam grarissrniam calamita-
temque omnlbus, quibus adhuc oppugnabatur^ adrersariis
nocentiorem illi minetur. Ingenii perspicacioris laudes
in eo quaerentur, si quis novae huic ecclesiae civem se
adjunxerit: quid enim majori specie blanditur, quam
opinionibus, tot seculorum consensu assertis^ assensum
suum denegare. Q.uam plurimos alliciet illa famae cupi-
ditas, et labori scrutandae religionis christianae veritatis
facile supersedebunt, cum negotiorum hujus ritae mole
obrutis tantum otii paucis suppetat, quantum ad jtlstum
gravisslmae rei examen opus est, cumque antea ad tuen-
dum viri honesti nomen, jubentibus forte legibus, hoc
illudve publicum religionis christ. exercitium interdum
susciperent> animoque doctrina all qua publice proposita
illaberetur, quae reluctantU^us prlmmn et invitis intima
animi recluderet, nunc satis honeste ab omnibus ehr.
rellg. exercitiis remoti eandem illam brevi penitus obli-
viscentur. Quanto numero ad novam hanc ecclesiam
affluent, si quis princeps^ si quis magnae auctorita-
üs vir illi nomen addixerit? Excipis, nunquam eos,
qui tarn cito abripiantur, vere christianos fuisse, si
9
jam igitur publice profiteantur^ quod adhuc silentio
premiint^ nullius yeri ciyis jacturam fecisso ecclesiam
christianam. Verum erepta nunc illig propior occa-
sio X^hristum Deumque, qualis revera est, cognoscendi,
et quanta erit vis exempli patrum in liberos, quanta
prüden tiorum in eos, qui per omnem vltam ab alio-
rum ore pendent. Platonicis enim speculationibus pas-
cuntur, qui eam bominibus lucem praeferri posse existi-
mant, ut nemo vel certe paucissimi tantum rudiores^
nisi accurato examine instituto religioni alicui se addi-
cant. Quot putas a naturali religione ad cbristianam
progressturos , si libero eorum arbitrio tota res relinqua-
tur, Multis quidem ex partibus intimis animi humani
desideriis non respondet rel. nat.^ et memoria yitae minus
pie transactae, conjuncta cum seria divinae sanctitatis
meditatione , ardentissimum nobis votum extorquet , ut
Dens solenni declaratione certos nos reddat, quid de pec-
catis statuere velit, quorum poenitentia prohdolor nimis
sero tangimur. Q.uotus autem quisque eorum, qui sola
rel. nat. imbuuntur, tarn alte secunJ descendet, plenam
divinae sanctitatis notioniBm imis medullis infixam tenebit,
neque solatio, quod bonitas Dei ostendit, animum demul-
cebit labis suae probe conscium, Facilius sentimus, quam
insufficiens sit ad consolandum homiriem religio naturalis,
cum, perceptis fidei christ. doctrinis, 'nobiscuni reputamüs,
quantimi nobis decederet, si omnium eorum, quae Bi; im-
mediata Dei revelatione baüsimu3> nibil ad nos perve-
nisset: sed hominem id tantum tenentem, qüantüm ra-
tione assequi potuit, nisi acerrima ingenii acie polleat,
nee attentione ad intima animi sui desideria unquam sibi
desit, raro satis graviter illa commovebunt. duanta obli-
10
vione tandem breyi tempore opprimentur primariae rel.
Chr. doctrinae? Cum jam prima adhuc juventute homi-
nes illis imLuantur, cmn controversiae^ de gravissimis
earum agitatae^ attentionem hominum nunquam non
acuere videantur, >et in omnium manibus versetur liber
ille^ aquo totps se penderß Chris tiatii declarant : in acer-
rimis rel. Chr. adrersariis ea ignorantia deprehenditur,
ut^ nunc cum larvis .pugnent, nunc ne ipsas quidem
historias S. S. satis accurate legisse videantur. Haud
doctiores sunt^ qui imperitis hisce magistris applaudunt.
Q.uanta igitur nocte tum demuni opprimemur, cmn cog-
nitione rel. Chr. satis honesti homines carere ppterunt.
Q.uid si eadem primarium institutionis puerilis caput am-
plius haud , r^putabitur ? Num vero pater. aUquis, qui
noyae huic. ßpcl. se addixlt, summo studio ,id urgebit^ ne
(iesitüliis vera plenaque: rel. Chr. notitia: et quam pauci
ea adulti discent^ quae juvenili aetate non perceperunt?
Q.uo(;lsi igitur onmia felicissime succedent, naturalis qui-
dem reügio ab interitu vindicabitur, hominesque a crassi-
oribji^s yitiis avocabit^ sed gloria Christi^, quae est vera
Dei gloria;, abscurabitur potps^ quam ut illuslrandae
ilUus.pccasio praeparetu^'. Supposui^ i^on satisfactum esse
scopp auctoris hujus consilii^ si quain plurimos ad vivam
rel. nat. cognitionem addv^xerit^ sed , hac praeparatione
exercitatis rejigionem ehr. eo certius et celerius persua-
dere velle. Si enim nos^ quibus cognitxun est mandatum
Dei de jpromulgando per omnes terrae Chri, evangelio,
satis bene de hominum salute nos meritps putcmus, cum
nat. rel. eorum animis fuerit inculcata : tum turpissimae
prga Deum inobcdientiae rei ipsis etiam illis, quoruin salu-
fem promovisse videmur; graviler deessemus.
11
§.2.
Maximum in dijudicanda quaestione proposita mo-
mentum habebit accurate perspecta Chr. et App. metbodus,
qua in docendis et emendandis suae aetatis Hominibus usi
sunt. Fuerunt enim seculi illius, quod vixeruntj mores
gimillimi illis^ quibus nostram aetatem infectam accusat
Basedovius. Pbarisaei, externa pietatis specie ad yulgi
opinionem commendati, traditionibus suis^ quarum obser-
yatione summam religionis ponebant^ veram legis Mo-
saicae animam oppresserunt^ postbabita animi sanctitate
externorimi actuum censores egerunt^ et prima rel. nat.
praecepta^ vel calumnia legis Mosaicae vel obtenta. tradi-
tionum siMrum auctoritate^ peryerterunt. Secuta e^t doc-
tores illos maxima Judaeor^ multitudo; et quos discipulos
e9nim institutio formayerit, ipsius Jesu effatis constat.
Sadducaei ^ sulp lata animorum imjnortalitate vel vitae po^t
brevem hanc ^ceuj^ cpntinuatione^ quomodo incorruptam
9I integram rel. nat. docere pptuerunt ? Inyaluerat prae-
terea apud plurimos deploranda rerum diyinaruna igno-
rantia : uniG,e . ad excutiendam Rorncinorum servitutem
ptenti; maximum hoc a Messia suQ benefickun exspecta-
runt; et^ quae de animorum emendatione , ab eo suscipi-
enda^ prophetae celebrarant^ quasi viliora neglexisse vi-
dentur. Hosce ifxter homineaviersabatur Jesus, nee par
triam tantummo^o religionem natiyo splendori vindicatam
illis praedicare, sqd novam cqnjclere voluit^ quae tot^
dignitate personae suae niteretur. Vindici et interpreti
legis patriae faciles aures praebuissent, et si solum docto-
rem egisset, tulissent forte ardentissimum illius zelum;
at^ quod contemtus hie homO;, nee Pharisaeorum nep
Sadducaeorum pai'tibus se addicenS; ca auctoritatC; quan\
12
nemo vetenim prophetarum sibi sumserat^ praecepta ipsis
propöneret, Messiae nomine propriique Dei filli honore
so salutari pateretur^ id* spem ipsorum suavissimam adeo
eyerterat; ut nee splendidissima dignitatis J. C. argumenta
perclperent. Videamus igitur^ nuin' praejudicatis gentis
suae opinionibus J)arcens doctrlnam de dignitate personaö
suae prlmo plane siluerit, et tum demüm, cum animos
eonim vlndicata rellgione patria praeparasset sibique con-
ciliasset^ talem^ qualis reyera erat^ se ostenderit. Atqui
capessitis statim muneris prophetici initlis non vltam modo
emendari publico ' praeconio jubet^ sed et ad praesentem
Messiam attendi. cMatth. IV. I'^.y Longioris illius
(Matlli. y. VI. Vif.) orationis;, qua et discipulos et reli-
quum populum circumfüsum a pharisaicis praeceptis om-
nem vitam corrumpentibus reyocat^ neryus quasi unicus
est dogma illud Jiidaels rfeprobatissimum d^ dignitate per-
sonae J. C. Ex hob' virti ^öfficiorum töpeHt/ Cquae eriirti
alii prophetae üt Jelioyae mandata promul^arunt^ ea ipso
suo nomine edixit)^ solatium in calamitatibus^ auctoritate
legislatoria calvunnias legis consultorum refutat^ decre-
törium de hominibiis Judicium sibi cdmmissum docet^
eosque täntiim^ qui sibi prbbati fueriiit, aeterna felicitate
perfruituros. Prirrio paschate^ quo suscepta doctoris pro-
Vincia Solymam adiit^ plürimis adhuc sine dubio ignotus,
coram omni populo et'maxime coram illis, quorum in-
di^nationem divino atdoi'e pro templi sanctitate provoca-
verat/ilKuS se filium asserit, cujus templum esse noverani.
(Jo. IL' i3 — l60 Colloquium cum Nicodemo cJo. III.)
et (iüin Samaritide (Jo. IV.) nori memorabo. Ille enim
äi\4nairr' Jesu mlssionem ipse professus ad ea audienda,
■quibus* in illo senhone gloria J. C. plenius illustratur,
15
promtiofem animum attulisse videhir: haec vero docilita-
tls fiuclum percepisse^ cum plane aliena ab immiti odio^.
quo mutuo exardescerent Judaei et Samai'itani^ instilutio-
nem hominis Judaei avidissima exciperet. Nee dicam^
quod totius institutionis, qua discipulos imbuit ^ Caput
fuerit doctrina de persona sua^ quod proposita sua mit-
tentis auctoritale adversus omnia pericula eos confirmavit^
(Mallh. X. i3. l4- l5. 19. Marc. VI. 11. Luc. IX. 5.)
quod coram maxima hominum turba (Luc. XII. j.) in-
gruentibus calamitatibus iis se affbre promiserit cLuc.
XII. II. 12.) Satis enim ad haec omnia praeparati
possent videri discipuli. At quomodo Jesus Judaeos cor-
rigit sanatione Sabbato facta gravissime ofFensos? (Jo. V.
16.) Si quod unquam tempus fiiisset celandi ea^ quibus
acerbiores irae non potuenmt non provocari^ certe hoc
fuit^ quo parum jam abessent Judaei ab odio capitali. Et
quam parata fuisset defensio in vera praecepti sabbatici
explicatione ? Sed eam illis actionis suae rationem allegat^
qua gravius adjiuc quam ipsa re exarserunt^ ipsum quippe
patris nunquam non benefici filium non posse ab illius
similitudine desciscere» Acerbius adhuc illi commoti; sed
indoli veritatis tam impatienti adeo nihil concessit Jesus^
ut gravissime jam potius sibi vindicaret intimam cum
patre conjunctionem_, excitationem mortuorum sua vi aeque
ac Dei patris peragendam, parem" cum Deo patre honorem,
Judicium sibi soli in omnes commissum, ut si vel plenam
filii Dei notionem haud tenerent, ex documentis proposi-
lis majestatem suam non possent non agnoscere. Peccata
paralytico remittentem, ut temerarium juris divini rapto-
rem; accusant legis periti; (Matth. IX, Marc. II. Luc. V.)
14
qüas vero criminatlones confirmando tantum ea^, quibus
öfFendebantur, refutat. Plane huic consonat historla mu-
lieris peccatricis : cLuc. VII. 48. 49. 5o.) cumque Signum
slbi expeterent pharisaeorum aliqul^ negarit illud^ majo-
remque et Jona et Salomone se declaravit. CMatth. XII.
38- 41» 42.) Festo scenopegiae circumfusus turbis^ qua-
rum multi nullam fidem dictis suis adhibuerunt, peren-
nantis aquae fontem se praedicat^ et credentibus in ipsum
larglssima Sp. S. dona promittit. (Job. VIII. 52 — 58.)
Q.uin cum liberrimam et plane ingenuam declarationem,
num Sit Cbristus^ ardentissime efflagitant^ non id ipsum
lantum affirmat, sed intime se patri conjunctum^ vitae
aeternae largitorem et inyictum credentium vindicem pro-
fitetur. (Job. X. 24. 25- 28- 29. 3o.) Contemnunt illi,
et respuunt^ quidquid a Jesu ipsis praecipitur. Edoctus
itaque^ quam pertinaci animo Judaei obsequium ipsi de-
negarent^ dum dignitatem personae suae assereret^ nunc
ita asserit^ ut yel poenas minetur tantae pertinaciae ultri-
ces, neque id ea tantum ratione, qua et alii propbetae
mala quaevis genti suae sunt ominati^ sed ipsum fore
judicem adjungit^ cujus sententia damnentur: (Luc. VII.
24. Matth. XXIV. 30-) prophetarum quidem sanguine
dudum poUutam esse terram ^ tardum fuisse ad vindictam
Deum^ sed ruituram nunc eam in illos ineyitabilem^ cum
nee filio parcituri sint omnibus propbetis majori. | (Matth.
XXI. 38. 42. Marc. XII. 6. 7. 10. Luc. XX. i3. U- I7-)
nee a nunciis manus temperarent in ipsorum salutem
missis. (Matth. XXIII. 34 — 38.) Primum igitur et ulti-
mum institutionis Jesu Christi caput erat doclrina de dig-
nitate personae suae. Q.uidquid irarum eo commoverit,
quantumcimque obstare yidebatur successui muneris sui.
15
silentio eam opprimi non est passus. Videtur quidem eam
interdum celavisse^ cum;, perpetrato aliquo sanationis mi-
raculo^ illius promulgatione homines interdiceret;, inge-
nuam Petri professionem (Matth. XVI. 20-) efferri nollet;,
et magnificam gloriae suae in monte Tabor manifestatio-
nam^ facta demum resurrectione , praedicari juberet.
(Matth. XVII. 9.) Neque vero praejudicatis populi opini-
onibus parcens id fecit^ sed abusum hujus doctrinae cavens^
ab ipsis non minus discipulis, quam ab imperitiori populo
timendum. Alte enim adhuc utrisque insederat falsa
opinio de terrenis opibus Messiae^ qulbus gentem suam^
tot calamitatibus exercitatam^ tandem aliquando omnium
populorum dominam sit constituturus. Miracula quidem
populo placuerant^ deposcebat sibi quotidie nora^ non
modo^ quod noviun semper illis beneficium continebatur^
sed ad certiorem subinde spem afFerebant^ maximimi illud,
liberationem populi a jugo Romano^ breri esse secuturum.
Ita animis ad seditionem procliribus flamma admota vide-
batur^ et a vera regni divini notione longius recedebant.
Discipulos nee repetita praedictio de passionibus et mörte
Messiae adyersus consuetam illam öpinionera confirmave-
rat; num igitur^ nondum effuso Spir. S._, satis recte illis
credi potuisset testimonium de magnifica gloriae Jesu
Christi manifestatione perhibendum ? Viderat praeterea
Jesus animum multorum^ veritatem vel clarissimis indiciis
manifestatam^ destinato consilio reprobantium^ viderat lieyi-
tatem aliorum^ per breve tantum tempus^ dum res mira-
culose gestas recenti memoria tenerent, partibus Suis
fidelium: et horum et illorum culpa eo gravius augeba-
tur, quo plura doctrinae propositae argumenta acciperentj
plane tandem occalluisset animus eorum, ut nee clariorem
16
lucem; qua; resuscitatione ex mortuis facta^ tota illius per-
sona ostendebatur, lubenter admisissent. Ipsam igltiir
doctrinam, de dignitate personae suae, ringentibus licet
illis; nunquam non asseruit^ sed argumenta quaedam^
quorum vim^ opinionijjus bominum nondum fr actis ^ nunc
eludi yideral^ opportuniori tempori seryayit.
§. 3.
Methodum Jesu Christi bactenus obsei'vatam fideliter
expresserunt Apostob, quorum exemplo eo fortius refuta-
tatur consiUum recenS propositum^ cum ilbs res fuerit
cum bominibuS; adeo ab omni bumanitate delapsis^ ut
nostra aetas, si cum ilHs comparetur^ sine mjuria non
possit ilbs simillima judicari. Q.uod ad Judaeos quidem
altinet; magnam laboris partem ipse Jesus occupasse vide-
batur, messemque laetissimam praeparasse^ cum semina,
quae bic illic institutione sua jecerat^ facili labore essent
excitanda. Sed adeo corruptum fuerat* totum gentis Ju-
daicae corpus, ut irritata potius^ quam sanata illius vulnera
viderentur. Q.uis sibi sumserit, Judaeis, terreno tantum
splendori toto animo inbiantibus ^ Messiam cruci affixum
persuadere ? Huc accessit^ quod primatum populi maxime
intererat; ne atrocissimi sceleris rei demonstrarentur. Q.ua
igitur spe Jesum illum Messiam Dominumque a Deo con-
stitutum prima statim oratione praedicare poterant^ idque
primum in ea ipsa civitate^ quae testis erat mortis illius
cruentaC; et in qua maxime valuit sacerdotum pötentia.
At nullis vindiciis rel. nat. sibi viam parant^ nibil prae
fantur; ut Judaeos, pietatem bominis alicujus ex fatis
hujus vitae metientes^ et majorum exeinplis et raliociniis
rectiora edoceant; sed; licet omnia conspirarent in ,oppri-
17
menda veritate;, prima statim oratlone sine omni inrolucro
integram illam aperuerunt. Per omnes synagogaS;, quas
poslea adierant, liic primus eoinim sermo, neque celant^
eorum consilio;, quibus summa reip. sacrae Judaicae inni-
tatuF;, supplicio addictum esse Jesum. Mirum quidem
videri non posset^ primo statim cum Judaeis coUoquio
Messiae mentionem injectam fuisse: hujus enim recorda-
tionem unice amarunt^ hunc ardentissime exspectarunt : at
quo Qarior Judaeis fuit illa Messiae imagO;, eo gravius acci-
dere debuit^, si oblata tandem illa exspectationi ipsorum
non respondit;, eoque magis cavendum videbatur^ ne minus
praeparatis intempestiye illa subjiceretur. Goncedam de-
nique aliquatenus dissimilem esse rationem Jud^eorum
illius temporis nostraeque aetatis hominumi ad öreduli-
tatem potius illos propensos fuisse^ quam-, ad scepticis-
mum cayillandi liliidine nutritum^ auctoritate librorum Y.
T. commode illos potuisse refutari: tum certe nibil ex-
ceptionis supererit^ si eadem methodo et in convertendis
gentibus usos esse App. appareat. Duo tantum exempla
habemuS;, quibus ad solos falsorum Deorum <)ultores Pauli
oratio pertiijuit. Alterum est Lystrensimn (Act. XIV. i50
alterum Atbeniensium (Act XVII. i6.) nee nihil huc facit
ejusdemsermo coram Feiice et Drusilla Habitus. (Act. XXIV.
250 Homini enim Romano^ quij moribus sui seculi plane
imbutuS;, oblata peccandi impunitate totum se vitiis de-
derat^ fidem in Christum ex cpntemta Judaeorum gente
ortum praedicat^ judicemque^ yitae hujus rationes aliquando
deposcentem, tam graviter ob oculos sistit^, ut commotus
ille^ excitata sui conscientia, Pauli praeceptis se quasi
eriperet. At methodus^ in uno homine commovendo feli-
citer adhibita;, multis tan ti haud facienda posset ;^aderi^ ut
@pittler'^ fdmmtl. ^erfe VIII. m* 2
18
in eo norma esset ^ quo modo totus aliquis coehis optime
commoveretur. Lystrensis orationis brevis tantum parti-
cula exstat, ardentissiini affeclus documentum , quo Paulus
et Barnabaa. populum, ad sacra ipsis facienda ruentem,
quam celerrime avocare conabantur. Neque vero ita
illum compellant^ uti philosophus saniora de Deo sentiens^
populum^ tanta superstitione oppressum^ compellasset.
Q.uis enim dicat^ Deum, coeli terraeque creatorem, per
plura secula populis^ libidines suas sectantibus^ minus
providum se demonstrasse, nisi totam divinae providentiae
historiam^ qua circa educationem generis humani yersatur,
ex immediata revelatione haustam teneat? Q.uis pbilosophus t
poljtheismum antiquitäte sua superbienlem ita refutabit?
Omniuni autem notatu dignissima est Pauli ad Athe-
nienses oratio. Concione hie utebatur^ quae philosophicis
disputationibus assueta, nee tarnen tenebris crassissimae
superstitionis emersa, accuratanl dialectici alicujus demon-
strationem poscere videbatur. Fervebat forum Epicuri
Zenonisque sectatoribuS;, qui populo, Deorum templa Fre-
quentante^ prudentiores se jactitarunt^ cum nullam hu jus
terrae cur am illis relinquerent^ Omnibus vel coeco fato
ordinatis vel castl accidentibus. Q.uaenam igitur ratio-
cinia Paulus opponit huic hominum generi^, arg-utiis se
ipsos veritate defraudantium ? Summa capita historiae
div. provid. circa genus humanum exponit, a primis illius
initiis per varias vicissitudines ad ultimam uäque scenam
decurrit^ singulare momentiim epochae illiüsy quam ipsi
viverentj gravissime declarat^ metamque omnibus propo-
sitam asserit^ ut viro illi^ quem Deus resuscitatione ex
mortuis facta judicem constituerit ^ aliquando probentur.
Ita vero videri posset apostolus ad eos horaines verba
19
facturus, (pii nihil dubitarent de ipsa proyidentia, certe
in eo accjuiescerent^ si eam nude assereret. Nihil hie
demonstrationis ex natura Dei, *) nulla refutatio argutia-
ruiUy (juibus Uli doctrinam hanc vel turbare vel eyertere
conabantur: sed brevi delineatam historiae illius imaffi-
nem proponit, quasi animos hominum, si eam modo in-
tuerentur, multo fortius impelli et ab omnibus impiis
opinionibus liberari piAasset: nee ipsi sufficit docere;, et
hene et male factis statutain esse mercedem^ sed judicis
personam et argumentum auctoritatis illius a Deo exhi-
bittmi designat. Q.uodsi Paulus ; probe perspecto Atheni-
ensium ingenio, oratione, quae solis ratiociniis niteretur,
parum effici exstimavitj si nihil timuit philosophorum
cayillationes, quorum opinionibus nihil minus convenit,
quam resurrectio mortuorumj si hominibus, ad quos hi-
storiae illius ;, quam adumbrat, forte obscurus tantum ru-
mor dimanavit, yeritates ex reyelatione haustas recte ad-
I
') Qui maxime sub initium hujus orationls Paulum, solis ra-
tiociniis nixum, contra Philosophos disputare existimant,
haud meminisse videntur, id, in quo summa rei versaba-
tur, veram Dei notionem historice tantum ab eo indicari,
nee contra perversas philosophorum opiniones argumen-
tando asseri. Supposita hac vcra Dei notione multa om-
nino ratiociniis inde elicit, quae Atheniensium superstitio-
nem arguuntr Idne vero esset Philosophi disputantis,
eorum, ex quo reliqua omnia pendent, demonslrationem
supponere, cum bene nosset, negari illa ab iis, quos con-
vmcendos suscepit. Dicis epitomen tantum oratlonis Pau-
linae axstare : quae breviter nos consignata habeamus, ea
ab App. uberius additisque ratiociniis illustrata esse. Con-
cedam, quae precario petis : tum vero eodem jure et ea,
quae de temporibus ignorantiae et de persona I. C. attu-
lit, luculenlius declarasse Apostolus supponitur, Stal igitur
sentenlia,tin ipsa gentium laslitufione primis sfatim sermo-
nibus App. ea adiniscuisse , quae ad Christ, rel pertinent*
20
movil, quid nos, quibus eadeiii (juidem hominum perver-
sitas obsistit, nee vero priini de i e alicjua hactenus incog-
nita verba facimus , quid no8 melhoduiti, quam Paulus
suo exemplo praeivit, felici eventu mutari posse arbi-
tremur ?
Forte autem priinls tantum rel. Christ, temporibus
consultum videbatur^ propositis iis, quae ex revelatione
cognoscuntur^ homines ad pietatem adducere : constituenda
tum erant novae religionis fundamenta^ Apostoli, quibus
id muneris datum fuit^ ut per omnes terr*s eam propa-
garent, hac sua provincia maxime defungi roluerunt :
confirmata jam longeque propagata rel. Christ., cum tem-
poris rationibus nos jam non prohibeamur, ut ad iudolem
hominum, quantum fieri polest, nos demittamus, num
recte insistemus exemplo App. Timotheum certe suo
exemplo insistere jussit Paulus, (i. Tim. 111. 16.) Cum
enim illi, Ephesinae Ecclesiae doctori, ingruentibus malis
ecclesiae intestinis facile animus potuisset dejici, ut rel
ipse dubitaret de doctrinis tot hominum studio oppugna-
tis, vel certe experientia se eddctum putare posset, quam
darum in animis hominmn pietas illis excitetur; confir-
mat eum Ap. et hortatur, ut illis, tanquam immoto fun-
damento, confidat, et, quantumcunque grassetur vel doc-
trinae vel morum impietas, magnam illis vim ad pielatem
excitandam et alendam inesse secum statuat. Q.uae ipsi
docenda commisßrit, aliis ad docendum idoneis aeque in-
culcari juhet, (2. Tim. II. 2.) per Deum perque ventu-
rum judiceni Christum adjurat, (2. Tim. IV. 1.) ne, stu-
diis hominum veritatis impatientium velüicaturus, eo se
commoveri patiatur, ut doclrinam, quamvis invisam, re-
missiori ardorc proponeret.
21
Optanduin certe, ut placuisset auctori hujus consilii
demonstrare, cur quao ab App. minus consentanea judi-
cabatur methodus, nostrae potius aetati congruere existi-
met. Excultam quidem fortissimisque argrunentis rec«n-
tiorum studio roboratam esse religionem natur. haud
diffiteor: nonne autem iis, quae no3 rakiocinando cogno-
vimus, Apostolos impertire potuisset Spiritus S., si optime
illis bomines commoveri vidisset? Num nostrae aetatis
homlnes subactiori hig-enio esse arbitremur quam Atbeni-
enses ? Gtuid proferunt, quam easdem veterum pbiloso-
pborum, nunc Stoicorum, nunc Epicureorum opiniones,
novo interdum fuco neo tamcn speciosiori^ ornatas. Ne-
tpie omnes, qui nostra aetate rebgionem rel impugnant
vel animo rejiciunt, acutiori ingenio valent^ ut ratiociniis
celerrime convinci posse videantur. At miraculis prae-
sentibus *) confirmatam esse ab App. doctrinam excipiet:
*) Iai(jue judlcanl, qui fellcitatem aelalis App. qua Deus rel.
ehr. veritalem praesentibus miraculis asseruil , ita txtol-
lunt, Ol in ipsum Deum, quod cadem fidei argumenta
noslrae aetati haud indulgeat, oliquam grössanlis infideiita-
tis culpam conjicere haud vercantur. Primis rerum Chri-
slianarum initlis uno vel plurihus quibusdam miracuh's doc-
trinam confirmari, hi illive homines viderunt: gravissime
omnino animi commoti, cum res ipsa oculis esset subjecta :
nonne vero nos integram divcrsissimi generis miraculorum
seriem illis argumentis historicis munitam habemus , ut,
quod ad eorum certiludinem , idem sit , ac si nos ipsi
testes oculati fuissemus. Quodsi ehim ea, quibus hislorica
mirnculor. veritas nilitur, iridubitatam coruin fidem haud
confirmant, tum plane nihil rei historica^ potest demonstrari.
Sensus quidem nostros haud adeo feriunt miracula lilleris
consignata , quam cum ipsis oculis essent subjecta: verum
nee conlemlioris vitae babitus, quo in I. C. et App. illius
aetatis homines adeo ofFendebanlur , spectatores nos Deus.
22
nonne'vero eaedem artes malignae^ cpiibus nostra aetate
miracula J. G. et App. impugnantur, primis statim re-
rum Christianarum initiis sunt excogitatae: neo tandem
doctrinanj; in Areopago propositam, miraculis Paulus con-
firmavit Cum eadem igitur nostrae aetati? ratio sit,
quae fuit App., quo jure, si vel minus perspecta nobis
fuerit methodi hujus praestantia, ab eorum exemplo dis-
cedamus? Verum ne soli quidem Apostdorum exemplo
innitimur, sed ex interjori tarn naturalis cjuam rerelatae
religionis ratione *> justissimal* argumenta depromi pos-
sunt, quae mutationem illam promorendae religioni plane
non proficuam fbre demonstrant.
$.4.
Si vel optime constituta supponatur religio naturalis
81 acutissimonim ingeniorum studiis excolatur, vix deci-
esse voluit, nee illis praejadicatis opinionibas detinemnr,
quibus prima rerum Christianar. aetate multorum animis
fides excussa est. Quanta tandem in eo felicitas , quod
muItJs virorura docissimor. laboribus totum rel. Christ,
systema eam in lucera vindicatum habeamus, ut ipsi rati-
oni, quemtum illius iml>eciiLitas patitur, quam ciarissimum
appareat.
*') IVescio qnombdo seqq. Cel. Basedovii verba novo , qaod
dedit, consiiio ita conciliari queant, nt non infaustos illius
successus ipse fuerit ominatus. SSermdc^tni^. 2, ^t. p. 122»
■Der ©laube an ^rop&eten imb ^mbcxtHUv i(t M Idc^»
tefle gj?ittel ben ©lauten t)er natilrliclje« Oieligto« aui^ü-
breiten un&j« unterl)alten. p. 121. ©er @Iaube ber Ijeilfa:
men 2ßal)r&Viteti, welche wir bcü SnnDalt tex natürltdjen
öieligioti nennen, wirb in einem SSolE am leic^tcflen befannr,
gediftet/ ausgebreitet unb unterhalten burcb geglaubte 2Bune
bert^aten unb ^ropbcten be(J ^ihoM, ober burc^ folcfee £er):
rer, welche er^dblen unb behaupten, ba^ eljemaliJ folcbe itoun;
bertl}dter unb <prop!)cten geipefen fiub.
23
mu9 quiscjue^ quanquam nontJum animo alienus, rel rim
ratiociniornm assequetur, vel si eam perceperit, tarn gra-
viter ge aßectum sentiet, ut suayissimis libidinihus resi-
stens omnes vitae actiones ad ea conformet. Cluis philo-
sophus doctrinam de providentia ita explicatam proponere
audeat, ut non modo illius consensus cum libertate ho-
minis patescat; sed et vividam Dei justissimi et benignis-
simi memoriam excitet? Alienum ye^'O si quis tandem
animum attulerit^ infinitae disputationis semina sparget,
ut, quamvis ipsas illas veritates evertere nequeat, certe
tot terminis et distinctionibus immergantur, ut nullam in
animis vim exserere possint. Iniquissimos autem quosque
religionis adversarios eupponere licebit, qui in noya hac
ecclesia md Chr. rel. erunt praeparandi, cum non solum
homo diyinas veritatea natura aversetur, sed et illi im-
piorum librörum lectione ab omni religione multo -adhuc
alieniores sint redditi, et consuetudine planissima quaeque
detorquendi fere omnem veritatis sensum «miserint. Hisce
igitur hominibus obscurior per se et parum efficax rel.
nat. tradatur, providentiae rationes demonslrentur, omni-
buS; quae yel integri cujusque rationem perturbant, diibiis,
maligne satis ab iis cumulatis respondeatur , eaque omnia
tanta vi, ut missis, quae unice amant, vitiis vitae sanctiori
serio studeant. Constabit novae hujus ecclesiae coetus et
peritiorum et imperitiorum multitudine, pluriuin, ne sci-
entiariun quidem subtilitate exercitatormn , numero, quin
nisi omnia nos fallant, magna puerorum caterya augebi-
tur: quis enim pater vestigiis suis filium insistere non
jubebit? Cum vix adultis, iisque meditatione subactiori-
bus ingeniis, vix aequioribus rerum arbitris a peritissimo
quoque magistro religio naturalis persuaderi possit, quid
24
ii proficient, quorum nee animi acies nee eonfirmatior
aetas tani subtilem doetninam admittit?
Q^uid tandem decedek propagandae huic religioni et
ad omnium hominum aniinos accommodandae , quod solis
doctrinis et praeceptis contineatuFj nee cornplectatnr hi-
storias, quibus illa tancpiam ipsls oculis subjici possent?
Quolidiano has usu desuini posse dicis: quot vero calum-
niis exempla evertuntur^ quae ad illustrandas div. proyid.
rationes vel demonstrandain alicujus actionis bonestatem
ex nostro usu desuniimus ? Patet qviidem omnis bisto-
riae profanae penus^ scd de bis quoque^ quae ex eo peti
possunt;, aHis aHa judicantur. Si qua bistoria pubHcae
religionis institutioni^ maxime cum parum faeiles animi
afferantur, morum et vitae exempla suppeditet^ debet ea
esse ab ipso Deo probata. At quantujn vel boc uno de-
ficiente efficacia rel. nat. imminuitur? Ut taceam^ multo
altius in omnium animos exempla deseendere quam prac-
cepta^ et nervosa brevitate uno saepe illo plurima prae-
cepta exprimi: difficillimae doctrinae boc involucro, re-
motis Omnibus controversiis , ti'aduntur, et uaicum boc
est institutionis medium , quod simul et prudentiorum at-
tentionem exeitat, et imperitiorum captui est accommoda-
tum. Q.uis doetrinarum praeceptorumque meditationem
eodom animi vigore diu persequatur^ quin tandem illa ut
ti'ita satisque pervulgata minus eum commoveant, vel in
eas quaestiones incidat^ quae nibil inserviunt emendandis
animi moribuS;, sed solam cognoscendi libidinem irritant.
Verum cum praecepta et exempla teneamus mutuo sibi
respondentia, cum aninms minimarum quarumque in bis
circumstantiarum observatione detinetuF;, non modo multo
facilior multoque suavior erit ipsa praecepti meditatio,
25
sed longius etiaiii aberit ab infrugiferis speculationibus,
quae inlellectum quidem acuunt;, volunlatem plane otio-
sarn relincjiiunt. Imperitiorum autem captul tantum non
iiieptarn esse eam religionem; cpae meris doctrinis prae-
ceptisque absolvitur^ facile potest intelligi. Q.uis pueri
animuin, quem ea tanlum fermnt_, qnae sensibus subjici-
untiii';, abstractas aliquas ideas inculcando vel longas ar-
gTimentationum series nectendo ita commovebit^ ut intimo
obligationis suae erga Deum sensu afficiatur. Suavior
aliqua peccandi occasio oblata^ violentior animi aestus^
torpor ille^ quo in peragendis maxime officiis opprimi-
mur, ratiociniis optime perceptis nos dejicit, sed exempli
memoria j quod a Deo vel probatum vel reprehensum
novimuS; multo facilius animo se suggerit^ et si frequenti
contemplatione antea tritum fuerit^ tanta vi percellit; ut,
si quid hominem a peccato avocare valeat, certe hoc
valeat. Atqiii dicent^ multis exercitationibus animos ho-
minum ita acui debere^ ut solis ratiociniis nee exemplo-
rum auctoritate regantur. Q.uis vero majorem hominum
multitudinem eo perduci posso existimet, praesertim cum
negotiis hujus vitae obruti iis modo rationem exerceant,
quae ad illa recte peragenda pertinent: et dum eo per-
fectionis pervenerint^ sustentanda certe eorum imbecillitas
ne contracto peccandi habitu luctae multo difficilioris pe-
riculo subjiciantur.
Apparet ex bis omnibus religionem naturalem^ qua
ratiociniis cognoscitur^ paucissimis tantum hominibus et
acutissimis et animo alieno haud afFectis ita persuaderi
possO;, ut ad certam vitae rectius instituendae sententiam
compellantur : nee vero coetui hominum tarn diversae
26
indolls, nee ratiociniis exercitatorum, necIiLerum a prae-
judicatis opinionibus animum afferentium.
Videamus quantum praestet hulc religioni natural!
sola Instoriae, quae in S.S. continetur, enarratio: quanto
certiorem et foecundiorem , quanto accommodatiorem ad
omnium hominum indolem religionis cognitlonem illa
pariat. Nee divinam auctoritatem, nee theopneustiam ho.
iTim liLrorum mihi posco, sed id modo illis trihui yelim,
quod cuique alii lihro trihuitur, ut ex consuetis fidei
historicae legibus judicentur, et quae tanquam res gestas
narrant^ nisi interna rei contradictio solide demonstrari
possit^ ut idoneis testibus credantur. Nee singulis factis
dnsistam: dimittam^ si quis hoc illudre minus percipere
posse videatur, modo remotiori librorum aetati^ et mori-
bus eonim hominum, quos describunt, a nostris adeo
discedentibus_ id concedatur, quod cuique et antiquo et
diversae patriae scriptori concedendum erit. Sejungantur
illa tanquam minus perspicua et ad id attendatur, quod
per omnem librorum seriem tanquam Caput rei elucescit.
Nee ullam per me Dei notitiam babeat; quin ipsam Illius
existentiam neget, qui ad eas legendas accedit. Unum
hoc mihi posco , ne impossibilem esse Dei existentiam,
demonstrandum suscipiatj si quis eo usque fuerit pro-
gressus, solis omnino ratiociniis poterit convinci: quid
quid enim aliorum argumentorum afleras, id semper in-
geminabit, nihil, quod internam contradiclionem involvat,
quanquam speciosissimis rationibus confirmatum, accipi
posse. At nee ipse Cl. Basedovius eam hominum nostrao
aetatis impietatem supponit, cmn in demonstratione exi-
stentiae Dei C^Jcrttldcf^tlliß i. Z^* p. 42.) vcritatem notio-
ii
27
nis Dei tancjuam indubilatam accipiat; nee ullls argumen-
tis vindicet
§. 5.
Accedat igitur talis homo ad legendas S. S. histo-
rias^ et Mosis primo scripta eyolvat. Quae de moribus
primae hominum aetatis consignata legit^ tarn accurate
consentiunt omnibus iis, quao sola per se ratio suspica-
tur, et alionim^ qiii hominem adhuc rudern descripserunt,
testium fide ita confirmantur; ut externis^ <juae Kbrorum
auctoritatem assenint, argumentis gravissimum hoc inter-
num accedatj cum ne solertissimus quidem impostor in
describendis tarn remotae aetatiä hominibus nunqtiam sui
oblihis esse potuerit. *) Videbit autem^ si vel qualem-
cunque ettentionem attulerit^ eum, ad quem in hoc librp
omnia referantur, qui fere solus agat^ cujus historicum
Moses re ipsa se profiteatur, Deum esse, nee aliquas
modo illius actiones describi, sed totum ahquod actionum
systema optima sibl congruens, et^ omnibus perfeetissime
coordinatis, per plurium seculorum seriem se porri-
gens. Q.uodsi igitur aliqua his lihris veritas inest, nisi
omnia, quae singula fidem cujusque alius scriptoris satis
asserunt, conjuncta hie fallent, gra\dssime confirmata est
Dei existentia. Confirmata est ea ratione, qua cujusque
hominis existentiamMemonstramus. Alexandrum, Caesa-
rem extitisse credimus, quia res gestas eorum memoriae
*) Authentiam liLror. Mosis, sine operoso cruditionis appa-
ratu, acutissime his argumentis ita evicit ill. auctor libelli
(«riefe über bic ^JJofaifc^ett @ci)nften unb VöilofoPtiie.
aSraunfc^ttJeig i7?2.) ut nihil planius, nihil cerlius in re
historica demonstrari possit.
28
p oditas habemus. Dei res gestas Cef. Werenfelsii Sylloge
Dissertat. Theolog-. p. 217. etc.) nee per brere tanhim
lempus^ sed per longisslmam annorum seriem gestas a
scriptore^ si quis unquam, fide dignissimo accurate hie
axpositas intuemur. Q.uls igitur easdem illas fidei histo-
ricae leges^ quibus in quacunque alia hlstorica demon-
slratione utimur^ sine ullo praetextu migrare ausil?
Panim vero est nosse, qnod Deus sit: omne in eo
potius momentum ponitur^ ut scias, qualis ille sit, quali
animo erga genus humanuni afFectus, quid ab eo nobis
sperandum, quid timendum sit.
Optime animi cujusque indoles actionibus suis expri-
mitur. Si quis verissimam, quantum licet, hominis ali-
cujus imaginem tibi sistat, si probitatem, si justitiam et
quasque alias illius virtutes multis verbis commendet,
multo minus commoveberis, quam si plures hominis
illius actiones tibi exponat, tibique ipsi sentiendum exlii-
beat, quam praeclara ex illis indoles clucescat. Atqui
Deum agentem ostendamus iis, qui nee summas illius
perfectiones agnoscunl, nee intimo earum sensu afficiun-
turj curamque paternam demonstremus , qua genus hu-
manuni sensim sensimque educavit, ad imbecillltatem cu-
jusque aetatis se demisit, largioris subinde cognitionis
mensura homines instruxit, et per plurima secula variis
praeparationibus, systematico nexu se invicem sequentibus,
gravissimae illi manifestationi praeluserit, quae, quidquid
audacissima ratio sperare ausit, longissime superat Cujus
alienior adhuc animus a rel. Chr., legat primum historias |
sacras ut historiam cordis humani, varioruraque Dei con- *
siliorimi, quibus perversitatem illius, ex vario seculi genio
varie se exserentem, corrigere et ingenuo pietatis sensu
I
29
liomines imbuere voluit. Q.uanta indulgentia primis iiii-
inani generis aetatlbus^ cum maxime adliuc rebus aspecta-
biliLus homines tenerentur^ ad hanc eorum imbecillitaleiu
Deus se accommodaverit : saepissime illis apparuit^ ea tan-
tum praecepit^ quae viribus et cognitioni eorum consen-
lanea noverat, bona bujus vitae^ «juibus praecipue delec-
labantur^ ut incitamenta pietatis proposuit, poenasque sae-
pius exegit indoli eorum Gonrenientissimas. Ad altiora
sensim perduxit^ continua exemplorum serie in ipso quam-
^K invisibili, et ad auxilium, ut videbatur;, saepius tardiori
fiduciam collocare^ et postbabitis bujus terrae opibus ad
ea^ quae post banc vitam largienda promisit bona, eniti
eos docuit. ' Singulis justitiae bonitatisque divinae docu-
mentis primum immorari nolim, sed ad totum bistoriae
corpus, ad totam consiliormn divinorum seriem, uti per
plura secula excurrit, attendi velim- Q.uis non intimo
amore Dei gravissimique malorum judicis timore afiicia-
tur, cum a primis mundi initiis per aliquot millennia
Deum sibi semper consentientem yideat : idem ille teiier-
rimus pater, qui salutem hominum excitandis illis ad pie-
tatem nunquam non promovere cupit, idem ille largissi-
mus bonorum remunerator et malorum vindex acerrimus.
Demonstra cuicunque bomini argumentis exquisitissimis,
quanto odio Deus sanctissimus peccatum non possit non
babere, quam miseri sint ii, quibus Dei ira incumbat:
tanta vi certe animum non commovebis, quam cum in-
fausta impiorum fata, ab ipso Deo illis immissa, per totam
Dei historiam uno optutu ante oculos ponas. Variis co-
loribus impietas ab hominibus ornaturj nee parimi saepe
in eo laboris, dum tandem scapbam scapbam esse apertissime
doceri possit. In kistoria autem Dei, cum multiformem
50
liominum perversitatem gravissimamque Dei ultionem ex-
ponat, quae sceleribus quamvis artificiose excusatls non
perpercitj plana sunt haec omnia et perspicua. Natura
homines pravis inclinationibus corniptos, nee ignorantia
tantum rerum dlvinarum laborare, sed ipso animo a Deo
alienos esse, quomodo luculentius probetur, quam toto
historiae Israeliticae tenore? Gtuid fiduciam in Deo for-
tius alat, quam recordatio multiplicium illorum casuum,
quibus per omne illud tempus, de quo historia Dei scripta
exstat, in summa säepius rerum desperatione nunquam
tandem suis auxilio defuit. Q.uidquid ratio valet in doc-
trina de providentla, id omne tandem huc redit, ut illius
existentiam demonstret, veram notionem vindicet, et, quan-
lum licet, a dubiis tueatur. Verum qui historiam divinae
proyidentiae (ea autem est sacra historia) ante oculos
propositam habet, non modo animum a dubiis illis libe-
riorem servabit, sed et diversos agendi modos rationesque
pernoscet, quibus illa gravissimas saepius res ad felicissi-
mum eventum perduxit. Q.uantum autem id conferat ad
Tßcte percipiendam proyidentiae doctrinam, quantum animi
tranquillitas eo promoveatur, facile quisque intelligit.
Ita efficacissime demonstratls Dei attributis facile etiam
hominibus vitae futurae veritas persuadebitur. Redeunt
enim in demonstrationibus, quibus ratio hanc veritatem
confirmat, omnia tandem ad argumenta moralia, quae cum
historia Dei longa clarissima exhibeat, et perfectissimmn
systema documentorum »amoris divini erga homines pro-
ponat, quidni ipsam futurae doctrinam corroborare dica-.
tur? Q.uin ea est pluribus in casibus diyinaagendi ratio,
ut in illa certissimnm sit vitae futurae £ß*gumentum. Q^uis
enim existimet, Deum, fidelissimum suorum vindicem.
31
defiilsse Abeli fi*atris impietale oppresso et Henocho sanc-
tissimo siiao aetalis viro inimicum se demonstrasse. v. Jll.
Michaelis Syntagma commentationum. Goettingae^ ^1^9*
pag. 97. Q.uanto igitur accommodatiora haec sunt om-
nium hominum captui, quanto altius in omnium animos
descendunt^ omnique excusatlonum effugio homines pro-
hibent: tanto felicioris erentus exspectatione, si vel veris-
sime seculi nostri imaginem Gel. Basedoviüs expresserit,
nunquam ab historia Sacra discedemus. Neque yero solam
relig. nat., sed et ipsa gravissima rel. ehr. dogmata cer-
tissime demonstrat^ et ad animos hominum efficacissime
admovet sola historiae N. T. contemplatio. Per me pri-
mum plura apostolis non triLuas^ quam cuique alii scrip-
tori historico: concedam quoque suspicionem^ quam vis in
illis iniquissimam^ discipulis^ magistri historiam narranti-
bus^ haud satis recte credi posse: adeo omnia conspirant
in confirmandis primariis eventibus, quibus reritas reL
ehr. innititur^ ut nisi omnes historicae demonstrationis
leges adversarii evertere audeant^ nihil dtüjitationis moyeri
possit. Accipiamus primum ea tantum^ quae vel acerrimi rel.
ehr. adversarii^ *) quibus nee occasio nee animns nee vires
recte judicandi defuerunt^ tanquam indubitata largiuntur:
Extitisse quippe quendam hominem Jesum^ Messiae honores
sibi yindieantem: illustribus illum miraculis inclaruisse:
propagata post ejus mortem doctrina^ maximae hominum
multitudini Apostolos persuasisse, resuscitatum a Deo vi-
vere hunc Jesum^ eosdemque^ vel morte suscepta^ redivivi
iöius diVTOTtTocg se tulisse. Adjungamus his ea^ in quibus
•) Talmud, Celsus, Julianus. t). Sepe«^ SBa^r^« hct ^^rijll.
(Hdtgton^ 2, QJudg, p. 238, 2C.
clarissime adparet^ Apostolos^ si vel minus integra fuerit
eorum fides, plane non potulsse fallere. *) Ex plurimis
illis^ (juae huc facile afferre possim^ unum modo indicabo,
quod vel solum invicto pollet robore. Jesum, vi divina
ex mortiiis resuscitatum ^ summo in omnia regimine frui,
non ipsi modo coram acerrimis Domini sui hostibus fre-
quentissimis miraculis demonstrant^ sedy sola manuum
impositione^ (juam plurimis aliis miraculosas quoque vires
conferunt. Q.uodsi igitur, quamvis invita veritate^ conce-
dere ausim^ tantam horniniun multitudinem^ quanta fuit
primorum Chris tianonmi^ praestigiis^ ne accuratissimo
quidem hostium examine detegendis^ falli potuisse : id certe
plane contradictorium est^ Apostolos sola vi sua effecisse^ ut
ii; quibus manum imposuerunt^ persuasissimum haberent; lo-
qui se linguis incognitis;, posse aegrotis Sanitätern reddere
etc. Consensisse vero hos omneS;, quibus miraculosa Sp.
S. dona sunt collata, in stabiliendis App. fraudibus, sus-
cepisse potius quasque calamitates^ quam ut fraudfes ipsis
probe cognitasj, nee quid commodi allaturas detexissent,
ne levissima quidem veritatis specie dici potest. Gluanta
tandem fiducia Galatas^ perversis doctoribus abripi se pas^
SOS; propositp hoc argumento reprehendit Paulus , cGal.
ÜI. 2.. 3.) quanto animo Corinthiis;, qui auctpritatem ip-
sius apostolicam defugere videbantur^ abusum herum do-
norum exprobrat. (i.Ep. XII. XIII.) Si quid certi in re
hi5t9rijca afFerri potest ^ vel nondum assumta divina App^
auctoritate;, certissima est J. G. historia^ ab illis memoriaöf
prodita :,- et, si ei integritas sua constat^ nullo modo com-
moveri possunt religionis christ. fundamenta. Nihil adhuc
*) RousTAN lellres pag, 6i. etc.
33
supposui, quam ne quis omnefri fidem historicam tollat,
et ne res ^estas eo modo, quo quaecunque aliae, confir-
matas temere in dubium vocet.^ Enim vero tarn invictis
argumentis iiitltur divina librorüm S. S. auctoritas^ ut
eodem certe robore^ quo quaeque naturalis rel. veritas,
demonstrari possit. Inhaerebo hio solis N. T. libris, nee
prinium soUicitüs de iiiodo> ijuö in conscribendis illis
Deus auctoribus eorum adfuerit, id tenebo, doctrinam,
quam ii, quos Deus ipse testimonio suo fide dignissimos
perhibuit> Cef. Magnif. Dn. Canc. Diss. do recta ratione
modoque diyinam S. S. originem et auctoritatem probandi
§. 12.) memoriae prodlderunt> nostra fide dignissimam
esse, duodsi igitur doctrina apostolorum religioni natu-
ralis solis ratiociniis cognoscendae ^ postponenda erit, non
in eo ratio esse potest^, quod minus certe de illiuS veritate
constare possit^ sed quod animos höminum rudes adhuc
rerumque divinarum ignaroS minus graviter commöveat.
At yideamus^ quantum in exeitandis hominum animis
primam ipsa rel. nat. _, ex Apostolorum scriptis hausta,
ei praestetj quae solis ratiociniis cognoscitur, tum vero^
quantae Dei perfectiones ex opere redemtionis a J. C.
susceptae, quae primarium rel. ehr. capufc constituit^
elucescant.
§. 6.
Dabo primum certissime sola ratione cognosci
posse^ quae^ ex quo per ehr. rel. rationi lux affulsit^ phi-
losophi syStematis fuis inseruerunt: tum certe Omnibus
illis^ accedente Dei auctoritate legislatoria, maximum pon-
dus additur. Sola haec repetita promulgatio^ ratio solen-
nisj qua homines praeceptis illis Deus impertiyit^ tot in-
stituta divina s quibus omni modo ad animos illa ädtnavii^
©plttler^ frtttimtl. mtU yiH. m. 3
34
iisque ad omniuin aetahim inemoriani propag-andls pro-
spexit, zelum Dei in exigendis illls urgenliorem eamcjuß
praeceptorum gravitatem declarant, quae omnem aniini
levitatem plane inexcusabilem reddit. Q.uantum ille com-
movebifur, qui non modo internas officiorum rationes
cognoscit^ sed et Deum ipsum id unlce agentem videt^
ne illa levius] präetörmissa negliganturj ea tanquam glo-
riam nomini suo debitam deposcentem^ quae vel hac sola
rationCj quod naturae slnt consentanea^ ipsi peragenda
essent Multa^ quae in rel. nat.^ ratiocinüs cognita, con-
silii vim tantummodo habere videntur, arctissima nos ob-
ligatlone compellunt, cum Deus legislatoria auctoritate
illa sanxit. Q.uibus quaeso machinis hominem adiges ad
castitatis Studium, qui mala quaeyis ex impuro vitae ge-
nere nata haud diffitetur, sed ea, quam percepturus sit,
voluptate superari contendat Rationi enim maxime con-
sentaneum jactitabit, proposito aliquo extantiori bono ma-
love minoii posterius hoc haud timere. Verum propo-
sito expresso Dei mandato omnes eorum argutiae cadunt,
quos vel maximis doloribus voluptatem aliquam emisse
haud poeniteat, non enim illorum erit arbitrii, quamnam
partem velint eligere: obediendvim Deo actionima nostra-
nun Domino ac judici.
«. 7-
Q.UO uberior est rei alicujus expositio, quo accura-
tius etiam specialiores illius determinationes afferuntur,
eo majori efficacia animis se insinuat. At, si vel ratio
summam alicujus dogmatis demonstrare sciat, tum nun-
quam adjuncta illius, circumstanlias eas, quibus momen-
lum rei maxime declaratur, hominisque attentio aeuilur,
ea foecunditale enarrabit, quam si fontem totius demon-
55
strationis ipsam S. S. habuerit, cum non modo nullum
sit fei. nat. dogma, qnod non ex histönia Dei plurimum
lucis accipiat, nexucjue suo cimi rel. Christ, docti'inis op-
time illustretur: sed et, quas forte specialiores dogmatis
alicujus rationes conjectura assequi horimus, contra ad-
versarioS maxime morosiores demonstrare nesciamuS.
Q.uod cum plurimum obsit efficaciae rel. nat. ;, si vel
unum modo hominem instituendum habeas, fere omnem
illam exstringuit, si tötum aliquem coetum animo alieno
afi'ectum;, libidinum excusationes quaesiturum^ vera animi
pietate imbuenduui susceperis.
§. 8.
Neque vero secundo tarn lauta est rel. nat con-
ditio;, ut ea omnia, cpiae Philosophia religione christiana
adjuta cognovit, invicta certitudine contra adversarium
acriorem pössint probari. Multa enim observationibus
qüotidiano vitae cursu petitis nituntur, adeocjue largam
concertatiönum materiam praebent, quibus homines Hu-
mio Voltarioye alicui innutriti ab omni effugio intercludi
nequeunt. Ita saepius nunc argumenta dogmatum nunc
ipsa dogmata evertuntur. Aliqua utriusque exempla af-
ferre iuvabit. Vitae futurae necessitatem inter alia eo
quoque asserimus, quod in hac terra actionibus hominum
haud consentiant illorum fata, cimi oppresso pio saepis-
sime triumphet legum divinarum humanarumque con-
temtor. Q.uid vero si illi excipient, neo de pietate nee
de majori minorive hominis alicujus impietate recte statui
posse : multa quae nobis molestissima videantur^ aliis haud
aeque gravia incumbere, impium tortore suo, quem intus
gerit, saepissime adeo exeruciari, ut in ipsa vita poeua
ei data esse yideatur: externa igitur specie haec orimia
a
58 . ^
judicari, inicjuas tandem et injurias in summiim omniuni
bonorum largitorem esse comparationes illas, quibus ali-
um alio deterius babitUm ostendimus, suam cujusquß fe-
licitatem recto animi habitu nee qualiumcunque bonorum
abundantia contineri. Hoc illove argumento erepto ipsum
<juidem dogma non evertitur^ sed in re tarn gravi^ quam
est vitae futurae -veritas, quae plurlbus diversae indolis
hominibus persuadenda est, ipsa argumentorum multiiud
haud parum momenti affert. Cluam invictum autem ro
bur buic argnmento conciliatur^ si exempla App. J. C^
afFeras^ quos et Deo carissimos et in bac terra miserrime
vexatos fuisse^ extra controyersiam positum est. Hosne
eum Dei favorem in hac terra expertos quisquam asserat,!-
quem et pietas eorum et augustae Dei promissiones spe-
rare sinunt?
Solis ratiociniis nunquam evinci posSe arbitror^ eas
quoque preces Deo probari, quibus vel bona nobis expe-
timus vel mala deprecamur. Nonne enim is demum toto
animo in benignitate Dei omniscii acquiescere yidetur^ qui
silentio se invölvens totam vitae seriem ita ei ordinan-
dam relinquit^ ut ne precibus quidem animi vota eflfundat.
Diffidentiae aliquid subesse videretur, si filius^ qui omnes
res suas patri optime cognitas esse novit, urgentibus ip-
sum rebus adversis auxilium expeteret. Est certe solius
indulgentiae paternae, si imbecillitati filii generöse id de-r
dit, ut animi desideria, ipsi licet optime cognita, quocun-,
quo tempore enarret: decessit enim summo jure suo> quo
ipsum silentium tanquam documenhim consiunmatissuni
obsequii poscere potuisset. Ille autem, qui solis ratioci-
niis suis sapere audet, unde certissime cognoscat, ad im-
becillitatem nostram Deiun adeo se demisisse? unde tan-
37
dem discal maximum illud^ Deuin non id permisisse tan-
tu/n^ sed in eo, quod per se est maximum beneficiimi,
partem alicpam cultus sui posuisse? Q.uam inefficax igi-
tur ea religio, qaae non^ prima slatim iTistitutione certis-
sime id homini perfuadere potest, ii> quo est suavissimum
pietalis exercitium et dulcissima^ quam ardentissime expe-
tit^ aenimnarum medicina. Eodem modo^ qtiod ad sta-
tiim nostrum post mortem attinet^ incertos nos relinquit
religio naturalis^ solis ratiociniis cognita^ oppressaeque
virtuti vix qualecunque afFert adjumentum. Largiar^ im-
mortalitatem animoi*um firmissimis argrmientis posse de-
monstrari^ iisque qui adeo obbrutuerunt;, ut nonnisi cor-
poris poenam timere videantur^ id quoque ostendi^ has
ipsas poenas a potentissimo omnium malorum vindice
post hanc vitam exercitum iri: quis verO sola ratione^
nullis S. S. praesidiis adjutus demonstrandum suscipiat^
vitae hujus terminis statum nostrum praeparatorium ab-
soK-i ? Q.uid acrius ab impiet^te hominem avocabit^ quam
si paucos tantum bos dies ciurandae animi saluli datos
esse audiat? Q.uin illius etiam, qui pietati totum se as-
serit^ plurimimi interesse arbitror^ ut nibil dubitet^ quin
idem et periculorum qui vitae hujus finis sit futurus.
Q.UO ille animo erit affectus, qui ad molestias longe ma-
jores hie tantum se praeparari suspicetur? Fiduciam qui-
dem in Deo Fidelissimo collocabit, qui serius eitius tandem
ad metam ipsum sit perducturus. At quantum ad animi
tranquillitatem refert^ vel remotiorem illam adhuc putare
vel cogitationibus quasi jam praesens brabeum arripere?
Ne in republica quidem eodem loco haberi posse
eos, quorun» religio solis ratiociniis nilatur;, quo reliqui
cives, qui S. S. veritatem agnoscunt, sdte ex eo asseiit
58
m. Michaelis, CiO^ofaifc&eö SRec^t 5. X^l pag. 210) qnod
sola ratio tantam juramenti sanctitatem demonstrare ne-
queat, quam quae S. S. declarahir.
§• 9-
8i cu; vero haec omnia miniis gravia esse videantur,
perte in eo summum momentum positum est, quod ho-
nestos quidem viros virtutisque forte etiam amantes rel.
nat., ratiociniis cognospenda, fingamus, nequaquam autem
pios. Pietas enim et religio est Dei caussa aliquid facere
frequentissima autem officiorum demonstratio in nat. rel.
ab eo pendebit, quod sint naturae consentanea. Q.uodnam
vero pietatis exercitium in eo erit, si hanc illamve actio-
nem susceperis, quod commodis tuis apprime illam inser-
vituram cognoveris? Gluoties tandem difficilius ab ea yir-
tutis umbra, quae sine Deo fingitur, quam ab ipsis cras- •
sioi-ibus vitiis ad yeram pietatem homines compelluntur ?
Eo grayius id timendum erit, cum ratio sola eam peccati
atrocitatem^ quam duce S. S. agnoscit, et maxime reatum
illius erga Deum legislatorem nunquam tam vivide de-
monstrare possit;» ne justo levius homines de peccatis sen-
tire auderent
€lua igitur spe dimitti poterit. S. S. auctoritas, cum, f
si vel solam religionem naturalem, prout in ea contine-
tur, proposueris, longe foecundior illa longeque plenior
et ad pietatem homines ^acrius incitet, et verae animorum *
Iranquillitati, si qua unquam sine notitia Chi'isli locum
habere possit, multo certiua consulat.
§. 10.
Multo autem omnium efficacissime nos commoveat
necesse est contemplatio operis redemlionia a J. C. suscepti,
I
39
in quo uno, cum centrum totius Christ, jrel. constituat,
summae Dei perfectiones ^ tenerrimus amor erga homines,
summa sanctitatis demonstratio, ita elucescunt, ut nemo^
qui serio illud cogitarerit^ Deum, omni calamitati nostrae
benignissime opitulantem, arclentissimo amore complecti
nequeat. Triplex fuit illa calamitas^ quam peccatum nobis
attulit: violata legum dirinarum auctoritasJ ignorantia
rerum divinarum: vires animi adeo corruptae;, ut^, si vel
bomun probent, deterius sequantur. Videamus paucis
sigillatim^ quantum sit amoris divini in ipSO modo^ quo
singula per J. C. sunt sublata. Refutandae illi personao
J. C. descriptloni^ quam Gel. Basedovius C^ermacfctnij^
2. %\), pag. 289.) instituit^, eo facilius hie supersedere Hce-
bit, cum dudum sit demonstratum^ salvis legibus herme-
neuticis salvaque S. S. auctoritate illam non posse defendi.
Non est hujus loci communem hujus articuli doctrinam
assererC;, sed docere, quantum ea illustrandis perfectionibua
divinis tollendaeque hominum miseriae inservierit.
Reatum, quem totum genus humanum peccando con-
traxerat;, quantum ea, SuB.qua jacemus, nocte judicare in-
tegrum est, vel sola remissionis declaratione Deus abolere
potuisset, vel ut legum suarum auctoritas sanctissimumque
onmis mali odium demonstretur, constituta piaculari aliqua
victima expiare. Hanc enim sojam liberandorum hominum
rationem fuisse, ut poena ab ipsis luenda in altero aliquo
exerceatur, solis ratiociniis vix pleno poterit ostendi , cum
bonitatem Dei plerumque ex suo ingenio sibi ratio fingat.
Justitiam Dei priori illa ratione gravissime assertam
fuisse, ne ipsi quidem adversarii negant; inepte enim ob-
jicitur, injustum fuisse, pro peccatoribus sanctissimum poe-
nas daturum, cum et omnium temporum populorumque
40
consuetudini id consentiat, et poena hie solummodo con-
sideretiir ut legum majestatis vindicatio. Veinim bonita-
tem sine piaculo aliquo constitutp luculentius demonstran-
dam fuisse contendunt. Quanquam enim benlgnissimum
Dei amorem in eo agnoscant;, quod salro peccatore pec-
jcati poenas exegerit : illustriorem tarnen illum arbitranhir,
ne in piaculo quidem rigorem legum exercere. Summ am
ilKus^ cui imposita est 3 dignitatem non urgebo; ne locus
sit exceptioni;, constituto Dei decreto exercendae in victima
aliqua justitiae suae, hanc solam fuisse eam^ quae totius
humani generis viccs sustinere potuerit, Ponamus igitur
sine piaculo aliquo omnibus iis^ qui peccatorum poeniten-
tia tangerentur^ yitaeque sanctitati serio studerent^ remis-
sionem gratuitam per prophetas miraculis a Deo probatos
annimciari : tum fides Deo omnino habenda esset;, et in
sola illa declaratione acquiescendum. Verum perpendant
quaeso^ quantae id fidei esset, homine imprimis peccato-
rum suorum sensu compuncto, persuasissimum habere,
Deiun justissimum, sanctissimum omnis mali osorem, te-
mere conculcatis Omnibus legibus suis, proterve rejectis
per longum tempus omnibus pietatis adjumentis, vexatis
per immania scelera amicis illius, dum animum tandem
videat horum omnium poenitentem sanctitatisque cupidum,
nihil plane poenarmn esse exacturum. Q.uis vitae tarn
impie peractae sibi conscius non recordetur, Deum sibi in-
dulgentissimum eorum quoque patrem esse, quos ipse
omni malo suaque ex parte irreparabili affecit, leges, qui-
bus Salus universi nititur, constitutis poenarum exemplis
tuendas? Q.uid putemus, benignius consuluisse huio ho-
mini Deum, cum sola promissione sua eum acquiescere
jussisset, an vero cum reali documento ostendit, his om-
41
nibus modo perfectissimo esse sjitigfactum. Cum certissi-
mis S, S, argnmentls nobis constet, hominem Jesum cum
Xoycü ita conjunctum^ ut unus essetj, fulsse illum^ qul poe-
nas nostras suscepit: non divinae tantum promissioni ob-
secuti credimuS;, sed ipsi rationi persuadetur^ statutum esse
hoc modo tale poenarum exemplum^ quod majestatem Dei
aeque asserat, ac si totum genus humanuni commeritas
poenas dedisset. Fac Redemtorem nostrum sociniano sensu^
fac ariano Daum fuisse;, et fiducia reatus plane aboUti
longe difficilius animo inhaerebit, Deus cum hominibus,
quantum eorum imbecillitas pätitur^ ita agit^ ijt non solum
fidem eorum deposcat;, sed et rerum ratione's ita illis ex-
ponat, ut^ quae captu illorum sunt altiora, eo lubentiori
animo admittant. Gluis tandem sibi persuadeat; haud minus
vivido atrocitatis ^peccatorum sensu homines omnes afFec-
os fuisse^ si nullo piaculo oblato toti humano generi gra-
tuitam remissionem Deus spopondisset, quam cum ne filio
quidem parceret, ut justissimum se demonstret mali vindi-
cem? Gluodnam luculentius amoris sui documentum
exhibere potuit, quam quod tarn tremenda justitiae suae
demonstratione homines a peccato ayocavit?
Redemtoris provincia, a J. C. suscepta, consummata
videri potuisset, si solutis loco hominum poenis dirino re-
gimini admotus efficaci auxilio beneficia parta, hominibus
actu fruenda, contulisset. Nuncios enim illius, quod pro
hominibus gessit, divinaeque voluntatis interpretes Apo-
stolos dedisset 5 quorum fidem nemo veritatis sincere stu-
«liosus in dubium vocare potuisset, cum^ praesentissima vi
Sp. S. ipsos regi^ miraculis maxime illustribus demonstra-
trent. Verum nee Apostolis sine multis tergiversationibus
42
fidem haberi et antiquiori aeta^e et maxime recentiori ri-
demus, Ecqiiis rero est^ qui;, cpiae Jesus dixit, ipsa ipsius
Dei verba esse neget ? Q.uidc[uid igitur de ratione et 11-
mitibus theopneystiae App. disputetuP;, quomodocunque,
vel certissime demonstrato alicpio propheta^, scepticisrnuirt
suum homines ornent^ nihil hio dubitationis superest^ cum
ipse unigenitus Dei filius^ praeter quem nemo Patrem
vidit^ consilia liberi örbitrii divini circa salutem nostram
nobis proposuit. Atqui nullum est gravius aliquod rel.
Christ, dogma^ quod non ipsis Opt. Servatoris efFatis possit
probari. Si solos igltur Christi sermones accurate ab
App. consignatos haud negaverls ^ summa rel. ehr. capita
profitearis necesse est. Q.uo vero animo ipsum Del filium^
doctrinas et praecepta nobis tradentem^ audiamus? (Ebr.
II. 3.) Q.ui nondum ad omnem pietatis sensum occalluit^
intime commotus sentiet^ quanti Deus aestimet genus hu-
manrun^ et quam gravia sint ea praecepta, quibus tarn
augusta ratione nos impertivit, quam sereras igltur poe-
nas daturi, in quibus ad pietatem excitandis omnis Dei la-
borirrihis fuerit.
Omnia taadem, quae ad commovendos confirmandos-
que hominum animos vel acutisslma ratio afferre possit;,
longissime id superat, quod idem ille Jesus ;, qui poenas
nostras persolvit, et areana Dei consilia hominibus ipse
apeniit, divinum in omnia regimen nunc exerceat, eorum-
que, qui ipsi se asserunt, saluti et internis et externls
auxiliis efficacissime se prospecturum promiserit. Homo
sola ratione adjutus, quamvis enixis viribus sanctltall stu-
deat, divinae majestatls sensu ita percellitur, ut nunqtiam
cuin plena animi fiducia eum accedere audeat. Q.uo autem
animi vigore Jesum oompellabit Christianus, ipsum gra-
43
vissimis olim periculis exercitatum , a^eoque tenerrima af-
affectum niisericordia ? (Ebr. II. 18.) Sola naturae simili-
tiidoj qua ipsi jungimur, animum nobis addit; quod vero
eodem ille studio decurrebat, quod nobis emetiendum est,
id plane confirmatiori pectore ab errore aliquo hie redibit,
quanto minus propensum illius in se animum dubitabit,
cum tanto pretio a Rege suo se emtum sciat;, cum ipsa Do-
mini sui gloria poscat, ne opus redemtionis tanto labore
fiusceptum fructu destitui patiatur. Ipsa judicii decretorii
scena quanto minus ei terribilis videbitur, ciun illum ei
praeesse noverit^ qui tenerrimi amoris docmnentum
ipsi exhibuit. Q.uam magnifica tandem^ omnemque rationis
exspectationem superantia sunt ea, quoriun spem post
hanc vitam nobis offert Chr. religio. Exstincta tandem
omni peccatorum labe (Phil. I. 6.) intime Christo con-
jancti non animum modo laetissima voluptate satiabimus,
sed corpore, anima sanctificata dignissimo, induti ex omni
parte consummmatam felicitatem pereipiemus.
Q.uis igitur sibi persuadeat, arocari homines posse
rel. nat. ab impietate, si pravitas eorum inralescens for-
tissima christ. rel. argumenta respuit, si Deum videre no-
lunt longe amicius longeque splendidius se manifestantem,
et imbecillitati eorum tenerrime consultunun? Paene
nullam quidem vim saepissime exserunt hae veritates, sed
levi animo praetermissae, nee satis serio expensae. *) Quae
autem veritas, nisi animo expensa, animum commovebit?
Si vero tandem excitata fuerit hominum attentio, quidni ea
*) Cur incitamenta S. S. non plus efficaciae habeant inier
Christianos v. Wercnfelsii Sylloge Diss. Theolog. pag.
355 — £72.
44
illis subjicies, quae praesentissime et efficacissirae ad pieta-
tem illos impellunt?
§. II.
Exposuimus igltur primo, solam relig. revelatae
historiam, si vel plane nihil doctrinae illi aclmisceatur,
multo celerius multoque fortius liomini religionem persua-
dere, qfuam series ratio ciniorum, quibus* natura Dei nc-
straqiie ab eo dependentia demonstretur: tum compa-
ravimus relig. nat. , quatenus S. S. exstat^ cum ea, quae
sola ratione nititur^ nee ullo jure S. S. dimittl posse osten-
dimus: dein ex modo redemtionis a J. C. peractae^ quod
primarium est rel. clirist. dogma^ summas Dei perfectiones
tarn accommodate ad hominum imbecillitatem atque ino-
piam, tamque clara luce refulgentes vidimus^ ut sola ho-
minum attentio esset excitanda. Superest omnium longe
gravissimimi argumentum , quod omnem spem j quam no-
vum hoc consilium afferat; penitus evertit
Acutissimum et eloquentissimum quemque vel solidis-
simis argumentis^ nisi animi perversitatem Deus ipse
frangat, nemini relig. veritates ita persuadere posse, ut
rera animi emendatio sinceros pietatis fructus spondeat,
id et clarissimis S. S. testimoniis et cujusque, qui se ip-
sum haud nescit , experientia declaratur. Assequeris qui-
dem, ut nihil habeat homo, quod al,iqua vcritatis specie
^ossit opponere, convictum se sentiet, sed discedet obsti-
nato animo in alia quaevis ruiturus. Redeunt itaquo tan-
dem omnia ad potentissimum Dei ipsius auxiliiun.
Facile quidem primum largior, per ea quoque , quae
ex intuitu naturae et ratiociniis cognoscuntur , Dcum in
animis l^ominum yini s\iam emendatriceni exserere. Huic
enira fundamento innititur argumentatio PauU quae cRoin.
45 '
I. ig. 20.) gentibus, Deo gloriam suani haud tribuentibus^
oinnem excusationem praecidit: nee ils_, qui specialiori re-
velatione carent, benig nlssimii3 omnlum hominum pater
auxilio suo deerit. Sed longe alla certe eonim est ratio^
quibus nihil ehr. rel, innotuit^ aha eorrnn, qui sola animi
levitate vel praejudicatis opinionibus^ accuratiori examine
haud exploratis, largissima cognoscendae veritatis occasione
oblata, christianam religionem abjiciunt Q.uis vero sibi
persuadeat; dar! posse aliquem^ qui in tanta copia vindi-
ciarum ehr. rel. aceurate scriptarum^ eum quisque suis
ipse oculis S. Scripturam legere possit^ quoad summa rel.
ehr. capita in eam incidat dubitationem ^ qua non possit
emergi? Sint ei niulta in bis ipsis haud satii certa^ nun-
quam^ si serio veritatis studio ducatur^ adeo dubia vide-
buntur, ut non divina yeritas eerte ut verisimilior ipsi
appareat. Q.uisque autem ex recto conscientiae dietamine
tenetur eam sententiam sequi ^ quae quam proxime a veri-
tate ipsi abesse videtur. Q.uid igitur quam animi levitas
et patrocinium impietati quaesitum a Christ, rel. homines
avertat? Eosne vero^ qui oblatam elarissimam lucem eon-
temserunt^ eadem bonitate Deus juvabit^ qua gentes juvat,
quibus sola illa Dei cognoscendi ratio superest? Summo
jure de eo dubitari posse ^ vel morosior adversarius conee-
det. Proposita igitur ex una parte, gravissima Dei decla-
ratione, se ipsum veritatibus christ. rel. Spiritu suo intime
conjunetum fore; €x altera autem, opinione haud certis-
sima, iis;, qui rel. christ. ipsis praedicatam contemnunt,'
per nat. rel. veritates efficacem se Deum demonstraturum,
quis in re gravissima, eum de aeterna plurimorum homi-
num Salute agatur, eertis incerta praeferre ausit?
Est autem seeundo longe fortior vis illa divina,
46
qua religio christiaaa animatur^ quam quae est naturali
religioni conjuncta. Largissima enim illa et efficacissima
Sp. S. vis, *) qua Deus ipse immediate praesens intiinas
hominis vires gratioso influxu suo animat, semper ut arc-
lissime unita cum praeconio Apostolorum describltur^ gen-
tes autem^ quibus nihil praeter rel. natur. innotuit, quasi
proprio arbitrio a Deo relictae perhibentur. (Act. XIV.
16.) Num vero proprio arbitrio relictae potuissent dici^ si
veritates ratiociniis cognitas eadem efficacia animis eorum
Spiritus S. admovisset^ qua eos propositis ehr. rel. doctri-
nis^commovit? Quid igitur sperandum^ perversitatem ho-
minum ehr. rel. repudiantium, naturalis religionis ratio-
ciniis vinci posse?
Servemus itaque S. Scripturam omnis religionis in-
Stitutionis fundamentum et normam: qui veritatem cla-
rissime, quantum in nobis est^ propositam non adniittunt,
suo periculo non admittuntj nee ipsi nos lucem ä Deo
nobis beuignissime concessam removeamus.
*) Magnif. Dni Canc. Diss. de^ grätia Sp. S. applicalrice in
opusc. theol. Tom. il. p. 21*
VENERABILI ET DOCTISSIMO
DISSERTATIONIS AUCTORI S. P, D.
P R A E S E S.
Dissertalionem banc TVAM, anteqUam praelum subiret^
diligenter et attente perlustrare^ mihi, occupationibus va-
rii g^neris impllcato^ non licuit Cognitnm vero prorsus
et exploratum liaLebam, ab ingenio TVO, omni dlscipli-
narum ad hanc^ quam tractandam suscepisti^ causam per-
tinentium genere exculto, et ab illis^ quibus divina be-
nignitas TE Instnixit, animi dotibus proficisci non posse
nisi quod praeclarum esset et eximium. Det TIBI Deu9
optimus Maximus Vitam Viresque^ ut et summe Reverend!
Parentis vota et meam quoque spem explere possis. Ita
enim et orbis literati decus fies^ et Ecclesia fructuS ex TE
percipiet exoptatos!
48
IL
©reietniäfeit ^0*
Der j?auptfag, iroriu vC?r. Urifpergcr öott bcn gcit?bjn^
lld)en boctmatifd;en Gegriffen abgebt/ ijl folgciibcr : Die
^cr^dltnitTc aiDifd^cu bcn brcien ©ubjcftcn in bcr ©ott(;cit,
welche bie <od)xi\t burd) zeugen ^ S^^eugt n?crbcn, m\i> au^^
Qct)m, öuöbrucft, ftub ofonomifcfec 53er(;altnij]'c, unb feine
ivcfcntlid^ not^iT^enbigc; cö fi'nb fold;e, in ivelc&c ftd) bie
©ubjcfte in ber ©ott^cit frciirillig gefegt ^aben, weil cö
tjtellcic^t bie dlatiw ber einmal bcfd;lofl'cncn Offenbarung
erforberte, @d)on üor ©runblegung ber ©clt fonnen ftc
biefe ^Öcr^dltnifife crn)dl;lt Jaben, bag alfo ber ©prucfe Wid^*
5, I. feine gen?o^n(icbe ^rfldrung unb feinen ganzen 9lac^^
brucf be^dft 2IIfo auc^ Dor ber !D?enfc() Werbung fonntc ber
gogoö ben 9^amen ©o^n ©ottcö fuhren, n?eil er fc()on ba^
malö gegen ^m ^Bater in jeneö beflimmte ^erfidltnig ftc^
gefegt ^attc, ha^ ber dugern Offenbarungen tvegen notf;^
njenbig n?ar: benn auc^ fcbon im alten ^e(!ament gcfct^a*
*) Olu^ ber peitfc&rift: „Oieütfton ber tcutfd^en ^itteratur."
5J?annöeim 1776. ®tM i.
49
i)m burcO il)n bte mciftcu ^2Infpvac(?cu uub ^Jer^anblungcn
©Dttcö mit ben 9}^cnfcl)en.
I)aö ift nun /bie berufene jpppotjefc, über ber man aü^
bem ^^crfalfer fcl)on, ireig nict)t ira5, gemöd;t f)at. Die
(Gegner beö getDo^nüc^eii $lef)rbcgriff^ i)aUn Qiia\xd)^t, t>a^
nun aud) wiebcrum ein benfenber ^opf auftrete, ber bie
^ibcrfprucfee bef- fogenaiinten 2it&anaftanifniu6 aufbecfc, fic^)
burd; taufenb Krümmungen 5U {)elfen fuct)e, unb enblic^)
bemfclben bod) einen t5btlid;en ^tog gebe, 5Inbere rocl)en
fogar <Spurcn beö ©abcUianifmu^; unb eine britte ^ar-
t^ei, frdlicö unter allen tk blobejt^, rief niut^^ig alle X^eo^
logen ^ur Unterfud)ung auf, aU ob ^a i?on mi^ nid)t traö
bie O^ebe trarc, ganj neue Se^rformen gcbilbet, aufgc()eitert
rcorbcn waren, njoran fd;on fo t>iele 3a()rbunberte fo i^icle
benfenbc unb ind)t benhnbe Kopfe gearbeitet Ijaben.
D}?an trete boc& nd^er Jin^u, unb lajfe ben Urlfpergeri^
fd;cn ?ßcrbienilen ©cred)tigfcit ti^iberfa&ren, ta^ ftc ireber
buict) unDcrftdnbigcö Sob gefd)dnbet, nod; burd) fe3erfücl)ti^
gen Xabcl entftellt nocrben. ^*ö ijt gar nid;t tjon ?Öerdnbe-
rung unfcrö 2c[;rbegriffcö t?on ber Dreieinigfcit t)k 3^'be.
Ar. U. glaubt oon ganzem vSpcrjen, t>a^ in bem ein3igen
Ü)ott Drei i^ubjefte fepen: ber ©treit Ol über eine einzige
DK^bcnbcftimmung, über einen einzigen Paragraphen unfern
€ompcubium^, ber angenommen ober ueritJorfen n?erben
!ann, ol;ne Dag ttk Se^re felbjl im minbeflen untergraben
ivirb,
?D^an l;at tcn «Bort^eil grog gerühmt, ^m biefe J?t)po^
t{)efe in ben ©treitigfeiten mit ben fubtilern 5lrianern |)abeu
würbe: wir werben in ber golge feöen, ob man ^u fold)en
d'rwartungen berechtiget ift, 3d; wunfd;te aber nicl)t, bag
meine Sefer bei Unterfuc^ung ber Urlf^nn-gerifc^en ^ppot^efe
6vittl?r'ö f« mmtl. Sßerfe. VIII.' 33^. 4
50
bicfcn 9lu^cti t>or 8C«gen Jdttcn. 9lld;tö Jiiibcrt mc^r öm
faltblutigcn gorfc^cn nad; SBafjrJcit, al6 a^cmi mv m\^
fc()on ^um t)orau6 oorftcllcii, fo uiib fo üc^c ftd) bod) nod)
ein ©egncr 5urcd;t bringen; 5unad)jl foUc cö o^ne bieg nie»
malbarum ^u tfjun fei;n, öuf alU^ antnjovtcn ju ifonnen, waö
jeber fpt^ftnbtge ^opf einn?irft, fonbern i>i^lme6r um eine
unum(Ioglid)e ©rianbung unferer Uebev^eugung. 9Bir fon»
nen unb foden bei biefev beruhiget ft'i;n, ob volv andi nic^t
ätt^ 3n)eifcl befriebigcub aujTofen f'onnen: wcv tvurbe je in
einer ©ac^c geit)ig lücrbcn, trenn feine (^en?ig&eit erjl bat)on
«bringe? 5[Rüd)ten meine Scfcr bie grage gan^ i>ergeiTen:
ob fic^ bic getr5^nlid;e ^J^einung ober bie Urlfpergerifd;e
5?i;potbefe U\ä)tcx t?ertjeibigcn laflfe? €'ö fommt nun cin^
^tg barauf an: waß fögt un^ bie 23ibel? 3n üie^ren i?on
ber 3lrt, mt t)k gegentüdrtige , i\i o[;nebieß bk %a^li(i)Uit
einer ^ptjpot&efc nid)t6 ireniger, aU ein ^f)avatux i^rer
9iid)tigfeir,
^perr U. felb(! fc()eint feine S'p\)^otic\c für neu ju f;ar#
ttn, t)ielleid)t trei[ fte niemcmb fo umftdnblic^, fo au^ ben
erflcn ©runbfd^en Jerau^ bcit)iefcn l)at, aU er. ®ai5 ein
groger §Ü?ann fagt^ i(l nid;t jebem t)om 53dI! ^u n^ieberbo*
(cn erlaubt: ^^m, ber jtc() in alle feine Sbeen fo anfd^auenb
6ineinbenft, ber tüirflid; einen großen S^beil immerbin felbfl
erftnbet, ober wenigj!cn6 bic gelefene ftd) fo ju eigen mad)r,
t)a^ er unter feiner ^cbitation nun nid;t me^r unterfd;ci*
ben fann, ob er biefen ©eöanfcn irgenbnjo gelefen, ober
nun baö erilemal au^ fic^ felbj! bcrau^genommen f)abc,
ibm fei) e^ erlaubt, 5U glauben, ha^ \^a6 carmina non
prius audila fei;en: aber bic, fo nur ©tein unb ^a\l f)cvf
beifubren, bic nur üom 2Bonnegefubl einer eigen burc^ge*
\)a6)tm 3l)cc bejaubcrt werben, follen eö burd;au^ nicl?t
51
nad)rufcn. Sd^tcren alfo jur 93cfcr;n!ng, bag c6 a priori
aujTcrft unöcrflanbig if!, ju glöubcn, bag in einer 9}?ateric,
an ivcld^cr fid) ber ©d;arffinn aller ©d;o(apifer^ unb nad)
tf)nen bcr Steig fo i?icfer anbern ^^f^eologen geübt Jat, nod;
eine bDgniatifd)e ^pvpot^efe übrig fepn fonne, ttteld)e nid)t
fd;ou einmal aufge(rellt morben: unb foUte benn bie ©e=
fc^nd)tc bc6 (Streite ^n)ifd)en ^itringa unb 9toelliuö fo un*
bcfannt fcpn? SBc i gm a nn feat fon?ol;l in feiner Äird;cngc=
\d)id)H burd) braud;barc Slu^jüge benfclben inö i)ollfom^
menfte !^id)t gefegt, al^ and) in feinen afabemifc^en ©cl)e=
biafmcn ein v^ragmatifdjcs Urt^eil barüber gefdlln ^an
fie^t in bcr ^nmerfung, ^) ha^ Dioclliuö faf! auf eben bem
^CQC 3U feiner Ätjpot&efe gefommcn, wk ^perr U. ^kn
crfcnut aber aud) ben 9lad)t&eil, n3eld;er barau^ entftel;t,
irenn man bd feinen bogmatifd)en S5eftimmungen nid)t ein^^
faltig auf \)k 2Bal)rl)eit fieE)t, fonbcrn immer polemifd)c
©citenblicfc t^ut, ob"nid)t burc& biefe^ unb jeneö ein @eg*
ncr e^cr getronncn trcrben fonnte.
Dod) ipcrr U» mag nun 53organger gehabt Jaben, ober
nid)t, i?icllcid)t trar eö unfern Reiten aufbcl;alten, hu bamalö
öeibrdngte 3Öaf;r^eit (benn SJitringa behielt ben ^Ia§)
♦) Si proprie sumendae sinl voces illae, palris, filii, genera-
lionis, quo modo patrem solum, verum et summum Deum
esse, filium non nisi factum et minorem Deum, rcfutari
solide possint, non video. Dis3. theol. de generatione filii
Dei. p. 39. Unb tvteber p. 62. Ego videns eo redire cum
Arianis disputalionem , ut vel illis concedamus , Christum
factum Deum esse , vcl de "ipso negemus , generationem
proprie diclam, h. e. productionem ex non-existentiJbus,
non aliler iudicare potui , quam voces istas improprie in-
teJIigi debere. ^Beißmantlö UrtÖCll Oierilber ifl: persuasum
habemus, ab impu^lentiac crimine non posse absolvi Roel-
lium. Sched. acad. p, 42.
Ol
biirc^ S^nlfc unfertr geläuterten, eregeti^djcn unt> p()iIpfoj)bi'
fiten ^^enntntjTc öufö licuc öiiö ?id)t ju pellen. Sd) iDerbc
mid) bloö aufba^^l^croattniO cinfd)ranfen^ tt?elc()e^ burc^^eugcn
unb gezeugt werben auegebrucft mvh : benn \>ic einzige
©teile, wo bem ^eiligen ©eift ein.^luöge^en üom ^aux ^\u
gefdjrteben wirb, ift ^u bunfel, aU bag man t>iele6 b^rauf
bauen konnte, unb biejenigen, l^k einen bloö bfonomifcljcn
Slu^gang annehmen, Jaben ben ^wfömmen^ang ber ganzen
9^ebe für ftd>
-^ * *
©o^u ©otteö ift nac() bem <Sprad)gebraud) ber ©d;rift
in feiner oUgemeinflen 25ebaitung berjenige, bem fid) ©Ott
in Sergletd)ung mit anbern ^^'nfd)en nd&cr ünb unmitteH
barer offenbaret» Sßie ein 53ater burc^ ben ©o^n feine
S5efe^re an hk übrige gamilie ergeben lagt, wie biefer ben
nd4)(!en ^ütvitt ^t, wie er oft bie iSteüe bc^ ^aterö ber«^
tritt; fo Idßt'^ ftc() aud) in ©otteö O^egierung er!ennen,
wer fein @obn i(I. S^egwegen waren ^k Sfvaeliten im aU
ten Xeftament ©o^ne ©otte^, unb unter i^nen wieberum m
einem öor^üglid^eren ^erjtanbe if)re Obrigfeiten unb Könige.
Sc fähiger aud) einer t>on biefen ^u ben göttlichen S5elcf>'
rungcn war, je genauer er hü ©otte^ 23orfd)riften blieb, je
mejr ©ott feinen ©illen burd) i^n an t>k übrigen bringen
laflfen fonnte ; in befto i?or3uglid}crcm 53er(!aube war er
(5o^n ©otteö. @o t>erfprid;t Scfoüab bem ©alomo gan^'
befouber^ : 3c^ will bein ^ater fepn, unb bu follt mein
©obn fci)n. ^a im neuen Slejtament jener Unterfd)ieb auf*
gehoben i\t, ba^ ficfe @ott bloö gewijfen 2{u^erfobrnen of*
fcnbaret, fonbern fein, ©cljt allen ?[)?cnfd)en gleicl) nabc i)t,
fo ftnb alle (^^riften @5&ne ©otteö; unb weil i^re ^'rfennt-
nig wnt beutlid;er, weit geijltger i(l, aU bic ^rfenntniffe.
00
aad) bcv groficn ^diinev im alten ^cftament, fo finb fte
and) in DoUFominncrcm ©cnug Der ^int)fd;afr6rec^tc.
3um ^üt)ue gebort 5Ic^ul{ct)fcit mir t)cm ^atcr. 3ni
aifcii ^Icftamcut wav o\t bM dnt Qcm^z diiperc ^inrei^
ä)ci\b: fo Reißen im 62jleii ^^falmeu bie 3fröelitifc^eii
Obrigfcitcn @Hue QJotteö, <Bhf)uc t>e0 ^llcrl>üd)(!en,
fclbjlaud; iioc^ ba, wo i^rc Ungcrcd^tiöfcitcu bcftröft werben,
mii fie mm einmal biejcnigen a^aren, bm'd} tveld}c ®ott
feine ©erid;te ()alren lieg, Oveprdfentanten ®orte^ niiJ»
ter ben 3'fraeHten.
^ei ber 3ottlid)en Sln^fu^rung au^ ^*9V)pfen wirb 3frael
ba^ erflemal erjlgebovner ^o^n ©ottc6 genannt, weil
biep ber SInfang jener q)eriobe war, ba fiel) ©Ott ttiit bie*
fem SSqU «Kein in bie genauefte ^erbinbnng einließ, binge^«
gen bei ben anbein 91ationen bie gelten ber Unwiffenjeit
einbrac(?en. 3m neuen Xefiöment i(x ber S^egviff t>iel t>olls
fommencr, unb bem \x>eit angemeffener, \\>a^ wix i)on ©ot=
te^ ^peiligfeit ivijjen. 2Bir finb <Eül)nc ©otte^, trenn wiv
Jeilig, irenn tuir oollf'ommen finb, \m e0 nnfer 53ater im
i^immel i\i.
91un alle biefe öerfd)iebene 23e^ie§ungen, nad) ttjeld}en
ein ^enfd) hie Benennung @oJn ©otte^ üerbienen fann,
vereinigen ftd; im t>olIfommenjIen ^erftdnbe hd 3^fu^ ^iM*
(tu^, (rr i(l nid)t nur Sxeprdfentant ber ©ott()eit, er iji
fic^tbarer ©Ott, burd) i[;n gel)en alle ©naben;=^ntfd}lieflfun^
gen ©otte6, alle ^ffenbarungjen an hie 3}?cnfd;en/ er ifi im
@d;ooge M ^ater6, alfo in ber innigfleu ^Bereinigung, er
l^at einen gutritt (bod; biefe^ Sßort ij! bi^r ^id s« fd)n?ad))
hen ai\d) ha€ twllfommenftc ©efd;bpf nic^t iat, nod} I}aben
fann. ^'r allein ijt fo t>oll!ommen, fo beilig, wie ber 53a^
ui i(l. SßoijDn alfo 3}?enfclpen nur elcnbe ©d;attenbilber
64
ftnb baS ijl er im Urbilb. Sntmcr eine unenWic^c ^tltan^
^wifd^cn i^m unb jenen; ober bod) Qle^nlic^fcit, unb boc|>
xoixh immer nod) ber ndm(id)c S5e9viff ton jeugen unb Don
(Boi)n feijn bcibcf;a(rcn. 3il]^tcburd) ober bcr ©d)vift»S3ej
griff erfd)opft? !5}?ad)t fte nid;t einen «)efentlid)cn Unter*
fd)ieb jn?ifct?cn «nfercr @o{)nfc&aft unb bcr ^o^nfc^aft \>^^
(Singeboljrnen ?
€6rtftu5 i|! (55otte5 eigenfler eojti. (9xom. 8, 32.)
©Ott tjl fein eigenfter ^ater. (3o&. 5, 18.) ^t i(i ©o^n,
n?ie fonit fein ^'ngel unb fein 9}^eufd) ©ottcö (go^n i|t,
nicf)t nur beut ©rabe nad) t)on biefcn J?crfd^ieben, fonbern
öuf , eine gan^ eigene 2Irt. S3ei biefen i(! ber S3egrtff tro*
pifc^, hei i^m allein nid;t: benn ©Ott i|I fein 53ater, tt)ie
er fonfl feinet Sßefcnö 53ater genannt njerbcn fönn. I5ar=
auf \)a^ er ©ojn ijl, beruht fein groger ^or^ug Dor allen
GJefcfeopfen : fie alle ftnb gefcl)affen, er ifl ber ©e^eugte, unb
Beugung, wenn biefeö Sffiort Don i^m gebrandet rcirb, ifl
nacl) ber eigenen S'rfldrung ber ^eiligen ©d;rift ^[l^itt^eilung
ber urfprönglict)en !i!eben^quelle: benn trie bcr ?3atcr l)at
ba§ Seben in if)m felber, fo Ijat er oud; bem ©o^n gegeben,
5U ^aUn t)a§ ^thm in i^m fclber. ^ai\ fann biefcn 6pruc^
nicfet ttjo^l öon ber menfcf^lic^en 9]atur (El;rifti t>er|Tel)en,
benn biefe erhielt ijrc urfprunglidje Scbcnöfraft lüdot burcö
tia^ ^cbm beö SQaUxß, fonbern burd; bic perf5nlid;c 53er=
einigung mit bem Sogo^.
SBcnn \iic (^rfldrung bc^ ^errn U. wa^r fei;n foUte,
fo t)erl5re baö 23ein?ort eigen ben ganzen 5^ad)brncf, ber
tjm nac& bem gried)ifd)en 6prßd)gebraud)e gel/ort. (2d
untcrfc^)iebcn bit ©riccfeen ben angenommenen ©o^n \>on
bem p^Vfifd; erzeugten, fo ben ira^r^öftig naturlicl^en 53ater
Dou bem> ber blöd burc^ ©ojltjjaten ein Siecht auf biefcn
55
9Zaracn be!am. Uiib wa^ ifl bcr !^ogo6 tiöc^ i^enn U. (5v=
Üarung anber^, nl^ angenommener <So6n? 9}?an fefee t)cn
gall: jTOci ?[)?cnf(t)cu Don t>ünig gleicher SBurbe unD 2ln^
fc^eii begeben ftc^ um gctvijTcr 5lbftd)tcn xvWim in ein fol?
d)eö 53er6alrnig gegen einander, bag bcr eine bcm önbern
finblid)cn ^jcbovfam IcijTe, Don t§m fict) leiten laflfc, baö
^'ommunifationa^SBcrf^eug fct;, it)obur4) bicfcr in einer ge?
tDtffen @pl)dre tDurFt. 53cr tvivb ftd) ^u bent ^luebrucf be*
red)tigct galten, biefer fct; ein natiivlicber (Sojn i?on jenem?
S5leibf nicl)t immer eine j';)i;pcrbc[ im ^lüihi'ud , befonberö
noct), wenn er im ©egenfat^ mir anbern, hü n?clcl)en öUeö
obige nur im geringern (l)rab ifl, naturlicl)er @obn genannt
wirb? Unb idj fann micl) nid)t uberreben, bag befonber^
in ber ©teile 9i5m. 8., wo e^ efgentlid)^bftd}t be^ ^po^
flelö i(!/ hie (^roge ber ^erfon 3efu^ €&riflu6, unb fein
^er^dltnig gegen ben 55ater ^u geigen, irgenb ein Ji;perbo3
lifd)er 2Iui?bru(f [tatt finbe^ t>cn man nid)t nad) feiner gan^
jcn @d)drfe ne&men barf.
X>lc natiirlid)e 2Ibftammung ober ein gerüiflTc^ ^crfjdlt?
tiiß bcr (^Tiften^ tjt offenbar baejenige^ ti^oran man auerjl
ben!r, wenn man hie S35rter 53ater unb ©o^n in i^rev ci^
gentlidbcn ^ebcutung nef;men uMll; unb tt?arum foltten mid)
alfo ©c^ttiierigfeiten ahijalun, ben ®ortcn bcr Sßibel ijreti
ganzen 9^ac^bvu(f ^u laflen? ^an fubftituire einmal im
obigen (gprnd) ^att ber 5Borte ^auli, ben 53egrijf be5 i?rn.
tt. wie matt, wie fraftlo^ wirb ber @cl)lug bcjTelben fei)n!
Ucberbaupt fd}eint e6 mir Derwcgen, Jvcnn ©Ott t>on ftc&
fagt, er t)cibc einen eigenen <^ol}n , fo gerafcc^u beffimmcn
3u wollen, wie ha^ genommen werben müfe. 5Sa6 bod)
©Ott eigen Ijnt, ha^ muß er in einem ©inne Ijahcn, ben
wir nic^t crratl;en tonnen, H alle unfere ,^enntniffe bloße
56
5l5jTrö!tioncn üon finnlicbcn ^eqcnftdnben fiub, unb er t?oii
öllem bcm, x\>a^ cigcntltd) ^ur igp^ave uiiferö ©IfTcn^ ge-
bort, n{d)tö fo cigcutlid) fi'd; auftreibt. ?[Ran mad)t ^tvar
foIc()e Scrtlmmungcn fo gencral, öI^ nur moglid), aud) bat
S^m U. bie feinigen in bcr grogtcn Olllgcmcinjeit öu^ge^
brücft; ba cntfte^r nun not^tt?enbig bcr ®d)abcn, bog, fte
öuf mand;e anbcrc begriffe eben fo gut pafen, aU öuf bie,
für tDeld;e fte eigcutfid) crfunbcn irorben finb. (^o fd)eint
aud)J?r. U. 5luögef;en unb gezeugt it» erben einerlei 3U fci)n :
benn beibe^ f;eigt, ein t>orbergef)enbe^ ^er^dltnig tjcrlafcn,
unb ftd) nac^ geitJiflTen Umftdnben in ein mnc^ fc^en»
3c^ bin überzeugt, bng fte feiner 5Ibfid;t nad) Derfd)ieben
fei)n foUen: aber bk 'iichc, in einer .<Sad)e 5U bcftimmen,
bic für un6 gar nic^t tan^n, unb jeneö S5cftreben nad) c'u
nem red)t allgemeinen Sluebrucf, um anberc iSd)n)ierigfeitcn
bei (BüU ju fd)affen, ba^ verleitete ben ^Berfajfer, t)on fei^
ner ©enauigfeit abzuweichen,
2)er erfte gefjler feinet ganzen ge^rgcbdube^ ijt, ha^ er
glaubt, fcf)on <Juö ber 9^arur eine^ ^rdbifate bcftimmcn ^u
fbnncn, ob c6 ofonomifd) ober wcfentlid) notl;i))enbig fej>
©efc^t, feine i)on allen ben ^rdbtfaten, hk xmv in bcr
©(trift iahnt, fz'^m irefcntlid) not^trcnbig, ©Ott ^ättc aber
befd)loflren, unö wirflic^ einige bcr letztem ^u offenbaren,
fo mügte er biefeö auf eine unfern S5cgriffen gemdgc 2Irt
t^un, er mugte in menfd)licfeer 6prad)e rcbcn; unb wo ftnb
in unfern (Sprachen hk Sluebrud'c, welche bcu gottüd^en
25ingen fo üoUfommen entfprdd)en, bag wir nic^t immer
not^ig bdtten, in (Sjebanfen halb biefc^ balb jene^ ju treu*
neu, weil fie fonjl ber s^ollfornnKu^cit bct^ bM^ft»-'» ^Befcnö
nid)t wüvbig genug waren»
?!}?it eben bem ©runbc nun, mit bem ieljt Äcrr U.
57
\i\i ^vabiFatc ^cugcn, gezeugt werben, u, f. f. für bfono*
ttiifclje crfidrt, irürbe er e^ aucl) jenen ftrcitig niad)en Ihwf
nen, bog ftetDcfcntlid; notftwenbige fet)en, befonber^ nod?,
wenn mc^w bit^u nimmt, bfl(5 bie ©pracl)e ber ^ibel i^rer
2Ibficl}t nad) eine populäre @prad)e fcv)n foUte, beren 53er*
bienfl nid)t in metapöi;fifc^cn ©enauigfciten, fonbern in ei^
ner öügcmeinen gaglid;fcit bellest. Sffienn nun ©Ott \\\
einer foIct)en ^prac^e \>\z wcfcntlid; notf)n)enbigen ^erjdlt^
«iflfe offenbaren wollte, woburd; ftd) in i^m, bem ^'in^igen,
brei ©ubjefte unterfd}eiben: wie fonntc er anber^, ölö folcl)c
SÖortc gebraud)en , \i\i W '^<k6:jZ nict)t nad) t^rer ganzen
Sßurbe au^brucften? ^ö mug alfo burd)au6 einzig öu6 ber
^eiligen <Sc()rift bc(timmt werben, wa6 ^rdbifate t)on ber
einen, ober ber önberrt 2lrt fetten; xi^o^^ nun biefen ©Ott fo
3ufct)reibt, bog cö i^m Dor ©runbicgung ber Sßelt jufommt,
böö fonnen feine ofonomifc^e ^rdbifate fe^n. SSenn ftc^
fein 3^itP""ft benfen lagt, \iOi ber £ogo6 nid)t @o§n ©otte^
war, (^perr U: gibt biefe^ ^u nöd) W\^* V, i,) fo war
er @obn, c6e nod) ©Ott bcfc^log, ftd) ^u offenbaren, ober
SBelten i\\ fd;affen: er ift e^ alfo nid)t er(t auö ©elegenjeit
biefcr £)ffenbarungen ©otte^ geworben ; c6 ift ölfo fein ^xh
bifat, "^(x^ auf ©cl^opfung unb Kreaturen eine ^Se^tejung
i^at, fonbern ein wefentlid; notf;wenblge6.
Die beilige @d)rift fagt ^war fcbr bduffg, ©Ott ^lO^t
un6 fcl)on t>or ©runblegung ber 2Sett in ^brijlo erwählet:
ober fie will unfehlbar bierburd) nidjtö anber6, ßlö biefe^
fagen: "^xi bem erftcn ©ebanfen eine 2Bclt ^u fd;affen, unb
\ii\ bem er(!en ^Itcf feiner 2mwijTcnbeit über \iQi% sQer^altcn
ber fDtenfcpen, '^'xz er bert)or5urufen befe^lofTen Jatte, fügte
ber ß:wigc ©ebanfen be^ gricbene über unö. 6cl)on '^ol^'
mal^, '^Oi er biefe ^elt nocfe nid)t anö ?ic^t gerufen, über;
68
fd;attte er t)Ctt ünftigen Verfall bcö mcnfcfelid;cn ®cfd)Icc^t^,
uiit) in SRucfjTd^t ciuf (55vlflum befd)(o9 cr^ diejenigen ju
retten, bic an if)n glauben würben»
@o fonnte ^au[u6 bie ^ntfcf}ficßung ©ottcö, ?U?enfd}cn
5u beglucfcn, gar VDol)i öor Der n?irnid)ett ©d;opfung fe^cn,
bamit er feinen 0)taubigen bcn ©cbanfen benähme, aH ob
©Ott burd? t)ic Zi\i beö £eufel(5 um feine 2lbfi'd;ten gcfom*
mcn trare, in ber golgc aber, um »tsenigflenö einen 2;i;eil
berfelben ^u erre{d)en, enblid) jene ^efeeligung^ ^2lnftalten
in feinem ©of)n gemad)t Jabe.
^aö (tnb alfo SKat(;fd;(üflfe ©ottc^, hd bcnen man ftcl)
tn öUweg benf cn fann, ha^ er fte fd)on t)or öUer Sßelt
^d)opfung gefagt iabc: ober tüenn t?on gegriffen ^er^alt^
«iflfen bie 3tebe i|l, in benen bie brei ©ubjcfte in bem ein*
5igcn (3ott t>or aller ©elt Einfang geflanben fei;cn: fo fc^eint
bie 9latur ber (^ac^e ^u erforbern, ha^ man fid; biefelbe
M not^wcnbigc ^Scr^altniflTe Dorftellc.
SBenn wh enblid) and) j)errn U. jugcben wollten, \ia^
cö nid)t unmöglich) fei;, öu6 ber blogen DZatur ber ^rdbi?
fate SU bcjlimmen, ob fi'e ofonomifd) fe«en, ober nid;t? fo
ijH boc^ noc() bie gragc über bie (5)ultig!eit ber ©runbc, t)lt
er hti feiner gegenwartigen ^:utfd;cibung anfubrt.
^j^oljn laiJe fid) nid}t bcnfen, o^ne ben ^öegriff ber
Untert^anigfeit unb Unterwurftgfeit: werbe alfo bem 2cgo^
eine Unterwurftgfeit 5ugcfd;rieben, fo müflTc ta^ bloö eine
t)on i^m felbj! übernommene fcpn, benn wegen feiner mit
bem S3ater gleich gbttlid;cn D^atur unb SBurbc lafifc (id)
jene nid)t al^ not^wenbtg benfen/*"
2Iuf biefem Slbwege battc id) einen im 5lbt^trabiren fo
^chhtcn ^opf al6 j^errn U. gewig nicl>t befurd)tet an^u»
trejfen, bcfonberö M er ben .^aupieinwurf unberührt laßt.
59
bcn tttön feit €Iarfc*ö ^dun mit fo Diclcnj ©c^cine öuö bcr
«Benennung <^o5n 3icjcit will ipcvr U. beruft fid; öuf beit
eigenen Slu^fpvud) ©otte^, tcr fein «Bolf beftrofe, weil eö
if}m bic ^-^rc nid)t gebe, fo tjm, al^ ^ater, gebufirc.
©DÜte ober in biefen 5Sortcn mcljr liegen, aU eine 23eru^
fung ®otte6 öuf.bie ©o^ItI;öten, bie er ben Sfraeliten mit
Dateilic^er Xreue betviefen b^be: er f)aU fte er5ogen, m\^
ii)xcv gepfleget, ii?ic man eincö ^iubcö pflege: ein ^inb
werbe bod) and) gegen biefe, wcld;c ibm fo ijiele^ ©utc er^
mifen, banfbav fei)n, aber bei i^neu erwarte er e6 lang«
ftenö bergebcu^. Dae! ^iub iff alfo bem 23ater Siebe unb
Unterwürftgfeit fdjulbig, nid)t weil er e6 erzeugt ^at, fon^
bevn weil er eö mit fo tJieler ^\ii)c gebilbct, unb für feine
gan^e ©lucffeligfeit geforgt iat
9}2an fe^e bcn gall, wir famen auf bie 5IBelt, bagwir
iinö of)ne einige ^?ülfe fowojl bem ^cib, aU ber «Seele nad)
entwickeln fonnten, bag unfere Altern ganj feine (Sorge
für unö baben bürften, fonbern, wie ber Strang feine Gier,
un^ ^wmQUQtcni wer würbe nun in biefcm galle glauSen,
bcncn, tii ibn erzeugt baben, G'bvfurd;t unb ^ichc fcl)ulbig ^u
fet)n?> G'ö würbe ^war (Eltern unb ^inbcr geben, aber jie«
tK5 53erbaltnig M ©eborfam^ unb ber Unterwürfigkeit
würbe gan^licl) aufboren; ^um bcutlicben 25eweife, ba^ Ui^f
tercö gar feine ^?auptbeftimmung hti bem Sßort Sobn ifl,
3a, id) glaube hiz mcijlen fD^oralijIen auf meiner Seite ju
baben, wenn id) bcbaupte, ba^ biejcnigen feinen gegrünbe=
ten ^nfprucö auf ben ©eborfam il^rer ilinber macben fon«
nen, weldje t)on Sugenb auf Slnbern hie Sorge überlaffen
baben, biefelben ^u bilben. Gine 9}?utter, ber t^it ^'brtg^
feit baö ^inb gleicl) bei ber ©eburt jinwegnimmt, unb in
einem 6jfentlic{)en jjaufc t>erforgt, — welc^jen SInfprud)
60
!ann fic in folgcnbcn 3«§ren auf bcu ©ejorfam bicfes Äiu>
t>c^ t()UU?
Sßcim nun Der 2ogo$ @o^n ©otteö genannt mxh, fo
foUcn Don felbfl alte Diebenbegriffe Jiniveg, bic bei unö crf!
baburcl) f;in3ugc!ommen ftnb, bag xvir md)t€ aU 6H««
um unö fi'I)cn^ bic in i^rcm erjlen l^ulflofen gujtanbc bie
Sorgfalt anbcver not^ig r;atten, ^'r fann ©o^n ©otteö
fepn, o!)ne^ bag feiner mit bcm 53ater t?5lltg gleichen Wla^
jtefldt baburd) etit)a0 benommen trurbe.
(S(ar!e, bcr fd)arfitnn{g(le ©egner be^ getro^nlicljcn 2e[)r*
begrijf^ bon bcr :t)reicin{gfelt, mad)t e^ ^ur ©runblage fcl^
neö verfeinerten SIrianifmuö, bap ber Sogo^ nicl;t Se^oDal^
fet)n fonnc, tveil i^m bie @elb(lurfprunglid;feit fef)fe: bcnu
aU @o^n be^ 53aterö Jabe er ben ©runb feiner ßviftcnj
ntc^t in jTd) fclb|l, fonbern in bem SQaUx*
Unfere ^^ifofop^ie I;at eö freilid; ^um Äarafter hei
t)ollfommenjtcn SScfen^ gcroa[;(r, bng e^ in fid) allein ben
©runb feinee 2)afei;nö l)abcn folle. 3d) will nid;t mut^«
ma^m, ob nid)t biefer ^anon hd fünftigen genauem Un*
terfuc^ungen ber erfreu metap^vfM'd^cn ©runbfdge fold)e ^e^
jümmungen tefommen f'onnte, hk un6 leid;ter mad}ten, bie?
felbe auf hU Se^re Don ber Dreieinigkeit an^uivenben. (Eine
notfjwenbige SßirFung eincö norf)n?enbigen ^^rincip^ ifl bcd)
gettjig eben fo not^n^enbig, aU ha^ ^rinciv^ fclbfr: follte
cö nun nid)t genug fet)n/ beriefen ju baben, \>a^ ber !^ogoö
ein chm fo not^wenblgc^ 5föcfen fct?, aU ber ^ater; unb
fann bcnn aud) je Don bem ebe[|len ©efd)opfe gcfagt wcx^
ben, bag e6 von ©ott !raft einer pbi;fifd;en Dlotljwenbigfeit
hervorgebracht irorben fet;, baß ber S3egriff biefe^ ©efd;üpfc^
Sum töcgriffe (3otUi gc()brc? ^cl^t alfo nid)t fc^on biefcö
(51
m\^u]c bcn ^ogoö ober öllc^ ^•nl)Iicf)c ^inwcg/ bog, fobalb
©Ott \va\\ notJa\nibig aiid) er fei;n mu{5tc?
^od) e^ fct) einmal unfern Ül}?etap^»fifcrn erlaubt, baß
fte il)rc 9\egcl, fo wie pc biefelbe gegmircirtig bcjlimmt Ja>
bcn, and) auf bie geoffenbartc Se^re tjon ©Ott ann?enben.
92ocö iaUix t>k ^larflaner nic^t gewonnen.
(5in (Sojn &at, wie ^larfe fclbfl gefielet, im 53ater
ntd)t eigentlicf) ben ©runb feiner ^Tiften^, fonbern burd) ben
53ater f;at feine (E'rijrenj blo^ gcwiffe SSejlimmungen be!om^
men. 9]id;t d'viflcn^ überhaupt ^at er t)om ^öater, fon?
bern bloß biefe ^•xifren^» Sllfo it>dre ber Sogo^ eben fo
felbjturfprunglicfc, w?ie ber 53ater; nur erhielte fein Dafct)n
burd) hm SQam geirijfe 23eftimmungen, \vdd)c un^ ©ort
nic&t faglicl)er offenbaren fonnte, alo unter bem 53er^altnig
cineö S^ater^ ^um ©ojnc,
3cf) fonnte foirol ben ^tüdUU M bk 2Intn?ort noc^
a^eiter entmidfeln, aber tocil ^err U* nid)t auf biefcn Qiuf
ivurf c,chai\t 6at, fo gejbrt bie SBeanttrortung befl*elben ei?
gcntlid; \nd}t Jie^er, unb tver 5^eru^igung über bcnfelbcn
fud)t, i(l ennreber ^u gelehrt, ober 5U ungelel;rt, al^ bag
tbm nur mit ein paar Linien 2lntn?ort gebicnt n^dre.
2Bir Jaben nodf) bie gragc ^u unterfud?en übrig: ob
man benn wurHid) in ben (5treitig!eiten mit ben feinern
2lviancrn groge ?Sort6eilc öon ber Urlfpcrgerifc^en ^Jppotfiefe
ju er\t)arten \)abc'^ (^^ i(I wabr, bie mcijien i)ahen bamit
angefangen, gegen unfere ^eijxe ^u argumentiren: aber im
©runbe iioaren baö immer nur ^D^incn, hie fte fpringen laf?
fen iDolIten, um ben 6a^ gu wiberlegen, bag in bem ein?
jigen ©Ott brei Subjefte fe^en. I5a^ tj! ber cigentlictjp
knoten, unb fo lange biefer feftgefnüpft bleibt, fo lang ijl
feine ^pojfnung, bog für unfere Sejrc ein ©egner n?erbe ge?
62
tronncn w?cvbcn. Unb mxh i^nen nid;t immer nod; fcte
2Iu^fluct)t offen fxcljcii, baß bei ber ©otti)cit bic gcnaueffe
Uebereinflimmuug ber inncrn unb duflferu 5Berf;dltntiyc fepu
mulfc, baß c^ in bem imicvn 53er^dltmg be^ Sogoö 3um
^ater feinen ©runb böben muffe, tvanim jTd) jener in r^ic^
fe^ ^erf)dltnig ber Unterwürfigkeit gefeilt ^abe. ^ielletd)t
wollte ©Ott, ireil er un5 eben jene innere 5ßer{)d(tniflfe nid}t
offenbaren fonnte, ^renigflenö burd) ^Offenbarung biefer auf;
fern ^u ernennen geben, t)a^ eigcntlid) ber 53ater alleö in
öUcm fc9. 2(n ©egenexceptionen, neuen gragen, gefd;drfte«
ven (Einwürfen wirb e6 gewig niemals in einer fo(d;en Sc^re
fehlen, wenn man fid; nicl}t fe(t entfd)ließt, einmal bei ei?
nem gewiffen ^un!t freien ^u bleiben: befonbcrö ta t^eolo?
gifc^e 6treitigfciten großtent^eilö ein gelb für ben S'brgei^
füib, unb obne aufrid}tige SSa^rbeiteliebe geful;rt werben.
^a^ fonnten wir antworten, wenn ein Gegner unfere
€rception auf un^ felbil ^urucfbre^en wollte, unb bebaupten,
t^a^ uberl)aupt bic gan3e Sebrc t)on ber ©ott^eit beö Sogo^
bfonomifd) fei) ; miß Ijabt fie frcilicl) auf t>aß allernad)brücf=
lid)jlc unb im gottlid)fren ©lan^c müflfen bargeftellt werben,
weil wir nac^ ber ^eranf^altung @otte6 burd) i^n 3um
SeJoDab fommen follten?
^•in ^onig, ber feinen erjlen ^inifter ^u rcbcUifc^en
Unrert^anen fd)icft, follte,cr nicl)t alö ^mci^ i^re^ ncui?er*
fprod)cnen ©cjorfamö forbern fonnen, tia^ fie biefem hi^
auf eine gewijfc ^Vriobe alle t)ic S'Jrc crweifen follen, t)it
feiner eigenen 5!}taieftat gebührt? 25ir werben biefer S3c^
bauptung cntgegenfeBen, ba^ ber Sogo^ (So. i.) fd;on Dor
bau ölnfang aller Kreaturen ©ott beige, alfo nic^t in $öc^
itebung auf ©efct>üpfe biefen Olamen fübtc: allein ^?err U.
nimmt an, 6fonomifd;c ^rdbif'ate fdnbcn ßud; ijor bem 2ln*
65
föiig bcr Dinge (latt; er {>atte (tc^ olfo fd)on ^um SSorau«
fclbft gctinrtrortct. Die @cl)rift bringt abcrjfo unauf^crlid)
üwt) unter bcn V)erfc^icbenftcu 2Iu6brucfen öuf bie 2(ncrfen?
nung bcr ©ott&eit 3efuö (S()ri(lu6, baö i(!@ecle tf>re6 göiu
^eii ©ijftcmö; überall iuirb (äl)xi\in^ ^amc gerühmt, feine
^^re erjoftt, t)U ffdrFjUen SSciveggrünbc ^ur (5)otteöfurd;t öuö
bcmfelbcn hergeleitet, e^ ift beinahe fein einziger 2luöbrucf
t?om 3cl)0üa& gebrandet, ber ind;t and) hd tf;m öorfdme.
Die 2lntit)ort ber Gegner roirb fcijn: (goUte jener ^5^
ttig md)t ibcix fo eifrig auf bic Slnerfennung ber l;od)fJen
5Qurbe feinet fjjjiniftcra bringe» fonnen, M ob'ö feine cu
gene ^erfou wdre? ^r xviü ^tvar nid)t jebcm, ber fiel) tu
biefcn Soften einbringen vo'ül, bie ^•f;rc bejfelbcn lajfen, er
eifert auf ^a^ an^altenbjle bagegen, ha^ niemanb öuiJcr er
aüdn ali ^bntg ernannt irerbe: aber fonnte man benn
feine fbniglic^e Sßurbe auf eine reellere Sßeife önerfennen,
M vocnw man feinen erjleii ^^inijler auf feinen S3efe§l aU
^onig annimmt?
(So fonnte bic gan^e Sejrc Don ber ©ott^eit be^ Sogoö
auf eine üfonomifd;e 2(rt öorgcftellt «werben; it>ir irurben
un^ aber burd) \)k Urlfpergerifd;en ©runbfd^c eine gdn^lid)c
5Biberlegung oft beinahe unmoglid? mad)en, unb flatt beö
fleincn ^I^ort^eil^, ben wir ^u erhalten hofften, an ben tt?ic^^
tigftcu Oxtcii unfern ©egncrn freien $lag mad)cn.
3d) bin iDcit entfernt, allc^ biefe^ ^perrn U. al^ ^on#
fecjuenjen auf3uburbcn, fo wenig alö er biejenigen ^^cologen
für ©uborbinatianer crfidrcn wirb, «)eld;e in bem D^^amen
@Oi)n (^otteä ein not^wcnbigcö innere^ 5}erl;dltni]s aueges
brücft fi'nben. 9^ur glaube id) berechtiget ^u fei)n, ^u bitten,
bic ^ortf;ciIe, welche au5 biefer neuen ^pijpotjefe entfprins
gen follen, al^ feinen (E'mpfeljtlung^grunb für biefelbe anju*
64
geben. Db öa^u freiließ) eine geirtffc ©attung üon acuten
ju bereben fcpu ivirt», bie immer btc O^ren f!u^f, uieiui fi'e
t>oit einer neuen Icidjtern ^öitberlegungö ? Wlct^o^c \)hxct, M^
weig id) nid)U 2)ie guten Seure noiffcn meiften^ t)on bcn
alten Slntnjorten nicl)t^, t)U man Idngjt ben ©egncrn cnt*
gegen fe^te: n?ie t)l i)on ^inbern ta^ p^ilofop^ifclK nil ad-
mirari ^u forbcrn? '^k f5nncn biefeö neue Icicf)tcre enblid)
nccb begreifen, md e^ i^ncn fteben unb ^tvan^igmal üorge^
fduet wirb; ftc empftnbcn'^, ba^ eö in i&rem ^opf anfangt,
ein bigd;en ^u tagen, unb rufen benn bd biefer Ddmme=
rung: 2lm bellen S:>mmd j^ebe ie^t tit 6onnc, biöf/cr fet)
cimmcrifd)e §in|!crnig öuf bcm ^'rbfreife gelegen. Wit
U)eld)em d'rbarmen mug auf folc()e Sdrmer berjcnige bcrab*
feben, ireld^cr ©eine unb ®clel)rfam!eit genug J^atU, fold}e ^e^
jümmungen nad) feiner Ueber^eugung ^u berichtigen, aber
äud) ©abrbcit^liebe genug, bm Einfluß biefef ^erbeflfcruni?
gen auf6 ©an,3c genau abzutragen.
^?crr U. i)atf um feine 5[)ieinuug red)t fur^ auöbrucfen
5U fbnncn, einige neue ^unjtn^orter gcfd;affen, unb t>cn
einer ^löefen^? unb Offenbarung^ * Dreieintgfeit ge*
fprod)cn. 3d> glaube auf bk ^'mpflnbung einca jeben Se^
fer6 micf? berufen ^u bürfen, t)a^ t)k gan^e 5Sorftcllung bcf-
felben baburd; gar nic^t^ an Dcur(id)feit geironncn, fonbern
Dielmebr ©clcgenbcit ^u uirenblid; fielen SOlipi^erftdubnitKn
gegeben fet). ^ö wirb biefcn ilunfrn?ortern balb geben, trie
e^ i)on jebcr ^a^ @vt)icffal aller berfelbcn n?ar. Uufcre emfig
fammclnbe ^^beologen itjerben fte entn?eber polemice ober
thetice ini ^ompcnbium fegen: ber crjle t^erftunb'iS nod),
\va^ bamit gemeint war, benn er ^attc bie Urlfpergerifd;c
(öd)xi\t i\od) felbjl gelefen; ber anbere Ht eö bloö Dom @a?
gen feinet Sebrerö tn bcn Kollegien, empfangt c^ alfo fc^^on
66
i\\d)t mein (^anj lauter; ein britter, t)cm eSfeln i^cjrcr iüd)t
gcfagt Jat/ rdt^ auö ber ^rpmologfe, unÖ man fanu immer
ein^ gegen ^nnbevt n?etten, tag üon nun an biefe ^unjl*
werter unter ber SSebeutung <jebraud)t luerben, rodd)t t^nen
ber le^tcrc angebid)tet i)at I^iefeö ifl ber natürlicl?|le 5[3eg,
5um ^e^er bei allen nacbfolgenben Sa^r^unberten gemacljt
^u tverben, ^cin Kenner ber ^trc^engefcl)icl)te tüirb S5et*
fpiele 3um S5eit>eife verlangen. Unb tvenn ftc^ aud) ^err U*
nid)t ffird)ten wollte, bei einer neuen öluögabc be5 ©djluf»
felburgö in bem feilten 2:^eil ftd) verewiget ^u fcben ; fo
follte er ^d) boc^ nid)t t>k grei^eit genommen Jaben, in tu
ner Se^re/ bh obnebieö burd) aufgebaufte ^unjlwbrter t}a^
©cfpotte ber geinbc unb bie ^reu^fd^ule ber benfenben ^bpfe
geworben i(t, noc^ neue ^u er(tnnen, unb baö (ogar obne
alle ^lotbwenbigfeit. Wit wie t>iel traurigen 6d}icffalcn
wdrc nid;t bie c^iriftlii^e ^irdje t>erfc^ont geblieben, wenn
jebc ^art^ei, i^rc 50^einung immerhin o&ne öUe Äunffwbrter
in ber populdrcjlen (Sprad)c gefagt, ober nur ba ganj fpar^
fam einige erwd^lt bdtte, wo man ofne biefelben einem gc>
fdl)ilid)en (Gegner bie le^te 2Iu6fluc()t unmoglict) t^ätU ab*
fc^neiben fonnen. 2lbcr bag allc^ bem 5ltbanaf{ud auf ber
breiten ©trage nad)laufen mugte, unb \ia^ fein S3eifpiel auf
uufer Zeitalter nod) wi^t genug pvaftifd;e ^Bivfungen ju
1:}Cibn\ fd)eintl
epittler'd fammtl. müe. Vfil, m.
66
III.
i^rttifd^e Unterfuci&ung t)eö fec^jißften SaoM^
cenifd^en ßanon§* 35remen 1777.
OS 0 V r e b e*
^an \)(it feit einiger geit öng^föugen, bie gcugnifl'c
ber ^ird;ent?dter, tt)elc^c in ber ©cfd)id)re unfcrö bi6Iifd;cn
^anonö bi^&cr gebraud)t Vüorben jtnb, fonjo^t fritifd) öIö
exegctifcb genauer ^u prüfen» $Sefonbera f)at S^cxv ©eneral^
fupcrintcnbent ^nittel, unb nad; if;m ^?crr 5}?crfel, einige
(Stellen ber Äird)enDdter, bie getto^nlicb bei bem ^enjeig
für bie 2lpofali)pfe öngefu^rt n?erben, nad; i^rcm wahren
©inne forgfdltiger ^u cntnjidfcln gcfu($tt 53ielleicbt bient
biefe (Scbrift bö^u, du geugniß, t^a^ man getro^nlicb auö
hm ©cbluflfcn ber Saobicenifcben ©pnobe genommen f)at, in
feinem unöerfdlfcl)ten SBertJe ^u geigen. D^icbt nur in ben
©treitig!eiten über tik 3lpo]fah;pfe, fonbcrn tor^uglidS) aud)
in ben (5treitig!eiten mit ber fat&oIifd)en ^ircbc, wirb biefe^
Saobicenifcbe 3c"3"^ß Jduftg öugefüjrt: um fo öu^gcbreitc^
tcr i(I ölfo ber 9Zul^cn, ber ftd) Don einer fiitifd;en S3crid;ti?
gung beffelben entarten lagt, Sollte bie (5cfd;ic^rc unfcrö
bib(ifd)en (^«non^ burcb i>k\cn Q3erfud) einiget Siebt gemin-
wm, fo gebührt ber 2)an! ber gropmut^igen S33ercit«?illia
67
feit, voomit \)kv iebctn grcmbcn t)cr freie ©ebraud) einer
mit mc^r aU Von\Qlid)m ^ojleu öefammelten $8i6IiotJe!
gcflattet wii'b. T)ci' 53atcr unfcrö S^mn Sefu d^rijlt fegnc
cud; bicfen geringen $5eitrög ^u Öluffldrung bcr ^löajr^citl
©üttingcu, ben 6. (September 1776,
§. I.
^iDifc&en bie berühmte ^ird;ent)erfammliin3 ton ©ar^
bifa im S^Ijr 34-7 '") «nb bic i^ou (^onjTöntinopel im 3ö^r
38i fallt eine ©v"«?^^ 5« Saobicea in ^brygifit/ t>on bcr
möu nod) eine ^iemlid^c ^DZcnge ^d}Iu(fe Jat« G)cfcfeid)tc
unb 3<^itred)nung biefcr ^ird)eni)erfammlun9 ftnb dugcrjt un-
gctvig. 25öroniu^ fegt ftc noc^ t)or bie 92icdnifd)e, unb
wenn freilid) feiner ^DZeinung ind)t^ entgegen ftunbe, M
baj5 bie ^H^otinianer im fiebenten Q.auon beffclben fd)Dn t)or*
fommen, fo njdre biefer gtreifel gering, «?eil nod; nid;t
öu^gemac^t i|I, ob md)t ber DIame ^^otinianer gufag einer
fpdtern jjanb fc» *"'•'). 2Iber man barf nur bic <Sd)Iijffc
fe(b|l anfeben, um fid; 511 überzeugen, ta^ ftc M^ SBerf
cinc^ fpdtern gcitaltcrö ftnb. (I'inc Sirene, bic nod) faum
cr(l ben fd)red'(ic&|1en 53crfolgungen entrijfen Sorben, unb
•^) Siefe^ Sabr fe^en bie 35aIIerini in ibrrr ^bf)anhl, de anii-
quis canonum collectionibus in tem britteu »tbetl i&rer
Mü^Siahe ber 2öerfe £eo &e^ Oropeu. @. 21. ^err ^onfiflos
rialratl) SSalcb fe^t in ber @efd)iitte. ber ^ird)ent)erfamms
luugen, @. 175 baö 3al)r 344, xmb seigt ©. 178, bap ba6
%\{)x biefer 23erfammlung eine ber Dielen ©treitfragen fep,
bie hei biefer Spnobe meljr atö leicht bei irgenb einer an=
bern erregt werben.
**) f. ^^erru ^onfiflorialratl) ^aW^ ©efcbidjte ber ^irc^eim.
©. 2J4. Ölnm. 2,
68
bk qUiö) m6) üluf^brung bicfer äugerlfcl;cn «Bcvfofgungcu
t)Dn f;cftpgen inncrlid;eii Unrufjcn jcrriittct trurbc, ftat nid)t
2lltcr unb nti^t 9}Zugc genug um foldjc ^oli^cianftalteu ^u
machen, aU in ben ©c|)lu|Tcn biefcö ^onciliumö enthalten
ftnb. dlodi) einen tHeKeid)t fldrfcrn 95ea^eig gegen bie Wlc'u
nung be^ ^aroniu^ enthalt bie Ucbcvfcl)vift biefer (äoiKÜmu
fd)(uge. ^ ©owo^l im gried)ifcten !Ierr, aU in öKen alten
Uebcrfc^ungen ^ci^t e^; bie 6i;nobe fcj) Q£\)aiUi\ trorben
5U Saobtcea im ^acatianifd;en ^^&n;gien. ^u ben Reiten beö
9itcanifd;en ^oncilium^ n^ar ^^v^gien nod) nid)t get^eilt:
fclb(! nocj) 3u ben geiten be5 förbifd)cn (Sonciliumö gab e^
«UV ein ^"»^vi^gien "■); alfo fann bie (aobicenifd;e ©i;nobc
nici;t jenfeitö beö 3a^rö 344 ober 347 faden. Unter allen
t)m t)erfcbtebenen 9}?cinungen fe^t eö bod) feine junger, aU
\n baö 3«6r 38i : benn fotrol in btn grted;ifc^en (Jvem^
plarien, al6 in bcr 3fiborfd;en unt) Dioni)fffd}en Ueberfe^ung
liefen bie Saobiccnifd)en @d)lü(fe i?or ben Defreten bc6 Son*
fiantinopolit. (^oncil. 2Bai5 man i>on ber ©efd)id;fe biefer
^ird)ent)erfammlung trijfen tüill, berul;t ein3ig auf iO^utf)?
magungen. ©Dbefroir''''0 f^»^ ^0? »i ©ratian^ I5efret ^^'^j
ein ^f}eobofiu6 al6 ^JerfalTcr bicfcr @d;lafirc angegeben irirb,
unb er glaubte eine.2te6nlid)feit ^wifd^cn ben £aobicenifd)cn
@cl)luflren uub ben ^ÖJdnungen eineö gcrt)iffen !il)CDbDJTu!?,
beffen ^l)ilo(torg gebenft, ii?a&r3unel;men; überbieg cr^dl^It
and) 5)}j)iIüftorg tvirflid) Don biefem h;bifd)en ^ifd;of 2:{)co?
*) gj?an mu|j l)ier nirf)t nad) bem ^emWidiin X(xt ber ^on=
cilien = Qiuööaben ober ber 2öerfe be^ Jpilrtriui^ iirrl)eilen:
i>it ^allerint i)aben ibn (1. c. 6. 18 §. 5.) feljr glucfUc^
«w^ einer alten ueronifcfcen ^anbfcfcrift DerbciJert.
**) In dissertalionibus Philostorgü hislor. EccJes. subjunclis.
pag 025. 526.
***) C. II. disf. 16.
69
bofi'uö, baß er eine ©ijnobc 5«fammcn6crufi:u i)ah? miöcfa^r
um ha6 Sa^r 363; unb \)iXQUid)t man unfre ?aobiccnlfd)cu
(E)d;Iufft' nüt bcmjcnigcn, wa^ ber ©egenflanb biefev <5«nobe
qciiH'fcu fc«n foU, fo Ift bie 2Ic6nI{cl)?c{t untaugban ^agi '*)
fcl}dnt ©obefrot)'^ 3}?cituing bci^ufrimmen, ober ^iircmont*'''*Ö
jtügt fid) bavan, bagcine .^ird)cm)crfammlung, bereit @d)f^flfc
Dou ber Si'n'd)c fo allgemctü angenommen ttjorbcn, au^ la«'/'
ter arianifd)gc|tnnten 25ifd;&fcn bcflanbcn ^ci\)üi foIT; (^egeu
eine ^egebenBeit, bie bod) fo Diele ®a^rfe{)einlicl)fe{t I)at,
0(6 biefc, follte man feinen Ü5runb au5 ber ^octmatif nel>
men: unb e6 n?arc fiberbieg nic^t ba6 einzige 33eifpiel, ha§
bic ^ird)c fü(d)e @d)litflre öngenommcn, itiefdjc auf foge^'
nannten fet2erifct)en (Soncilie» gefaßt trorben* ?!^arfa ^'^'"")
fet^t ha€ Saobicenifcöc (Soneitium in \^a4 3a jr 365; benu
er glaubt, ber '^rief be§ .^aifcr 53alentinian^ fammt bcnJ-
(E)i;nobalfd)rcibcn ber 3llm*ifc()en 'Si)nobe'bei;m vH^eoboref''''^"''''"')
fei) an bic ^dter ^u £aobicca. gc4nd>ret g-c\Tefcn: ober öu§
ber Ueberfd)rift f) bti faiferlid^n ©c()rcibenä folgt md)t
tiot^iDenbig, i)a^ b'u 35if4)ofe, an bie e^ ^md)Ut voar/-^k}^
fmnmelt>'. gemefen feven. ©onberbar wau '^$, warn
man öu^ ber Ungcivipeit ber' -@efd)ic|)te tiefet €on*
cilium^ einen iSinwurf gegen -feinc^ SBid)t(gfcit mad;eu
ttJoUte* 53Dn .be« tt?id)ti9flen ^gejben^eiten ber erpen
d)riftlid;en ^ird)c vtjiffett " iijic ibfeg; tk- S^fultate: nicfet^
t>on \>m ftufen\t)ctfen ^cr^aubhmgen, nid;t6 t)on bcu
*) a. a. 3i4.
**) Tom* VI. les Aricns art. 109 et not gS-
***) De Concordia Sacerdotü et imperii ' PFartCÖf 1708*
pag. 2i5.
♦***) Hist. Eccl. L. ly. c. 8.
t) Episcopis Dioecesis Asianae , Phrygiae , Carophrygiae, Pa-
catianae.
70
töorSercitungcn^ tt?ic eine ©ad;c md) unb nacf) cntjlanbcu
ijT. ©clbfl i?ou Der 9f^icdnifcf)cn ©J)nobe f;öt man feine
öit^fu^rlid)e bieten: bie ?0?enfc&en mußten ev(I buvd) üiclc
^•rfa^rungen belehrt werben, \vk gegen ^k ^wjeifelfuc^t unb
€^ifanc ber O^ac^wclt fein fi'd^ereö fDiittcl fet), aU bie ge»
nauc ^uf3eid;nun3 öUer s^erjanblungen. 25er Ic^te ^önon
bicfer fo bunfeln laobicenifc^icn @i)nobe Jat fidj hd ben
neuem (^trettigfeiten über b^^n CEanon 6efonberö nicrhrur=
big gemad;t. €'r entljdit chi 23er3eid;nig ber fanonifd;en
23ud)er M Citren unb dienen S!e(ltament^» 2)er SSert^eibiger
beS 2!ribentinifd)en ^oncilium^ öcrmigt in bem crjlern ba^
5öud) Subito, Sobiaa, ha^ 23ud; ber SBciä^eit, (gprad) unb
bic S?ud)er ber 5p|acca6äer: im ^er5eicl)nig ber 6d)riften
beö neuen ^^eflament^ fcfilt bie Offenbarung So^anni^.
ipier ift ber neun unb funf^igftc unb fed)3igftc ^anon, wu
man fie in hm gett)b()nlict>cn ^u^gaben finbet. Scr neun
unb fünfzig jle mug hd einer genauen Unterfud;ung ba^u
genommen iverben, weil er ben ©inn hc^ fect)3igrtcn bc^
(timmr.
, Can. 69. On ov Sst iSiCvriKovq '^a.'hfxovq Ksysr^oct €v
r7l skkXtjUIx ovSs cxkxvOvi'^x ßißXiOi akXcc fjLQyy. rx
— -60. 0(7« Set ßißXicc avocyivCü(THed'!;ii ttj; iCoiXoiioct; ^;a-
dTJKT];, yS,VE<Tj:i XOO'JJ.OUf €^C$Oq AtyVTTTCV , ksVlTiKOv,
apiS'fioi, SsVTepoyofiiOv y Jrjaov tov Na^»?/, KpiTOCf,
pov^y sSrjpy ßxaiXeiuy 'jrpcvTij xcq Sevrepoc, rpiTi]
xcii rerapTTj , TrccpocXenro/aevcc Trpcorov Hocf ^svrepovy
KaSpcc irpöorov v.cu hevTepovy ßißXog ^fxXfiuv pv,
•rCcxpOlfJLiCU ^xXoflCüVOqy SKKX7}(TiX?7]g y OCOr/JLX CC<T/U.XTCCVy
licßy SuSsKXTl'poCpTJTOV, IcTa/a^, IsfEfltOCq XOU BxpoVX)
dpTjvoi xcu EXiioXccf le^exTjiX, Axvi7]X. Tx re T7]Q
71
Hoctif7j4 Siad'TjHTjc TUVTX. EvocyysXict TECa-ccpec* Xcxtx
fiöLT^aiOV, HXTOi fioi^iioy, xotra KovnctV y Xtxrct locavyrjv
'TTpcc^sig airo^oXcüy. Ein^oXccf nad'oXixa^ ^' locntüßs
ymxy Wbt^qv SvO;, loavyov rpetg^ lovSiz jniat. ^ifi"
'SoXccj YIolvXov Sejiarsr&cipeQ, Tipog pu/xocing fiia, 'Trpog,
HOpivd'iag Svo, TrpOqyOiXeCTCCq /J.l2(f TTpOC s(p8'TC8q fllXy
TTpo:; (piXiTnciding fiioL, Trpog %oXo7(jcf.si-q J^^^^? frpog
(decTdocXovmetq 6vo, vpog Eßpouovg fiioc^ tcpog Ti/xo-
d'SQv SvOy Trpog T^rov fiioc^ kcu irpo:; (^iXtj^ovoc fiia,
d'i^ öicbt ^wav tidU in 9vicd()ifd)en \5cittt>fcl}viftcn, tjeils
in bcn 6ammliingcn einiger befonbcr^ fpatern 9rlccl;ifc&ett
^anonijten, aiic^ bei 53er0!etc^ün9 b'er SfibDi'W^" lieber^
fc^ung, einige ev0^icl)cÖ5rtrianten;' bod; ijl ba^ einftim*
nilge ^Vugnlg bcr glaubwürblgften ^2önbfct;riften'unb ©anuii^
langen bc(!dnMg für' ben Ztxt [o, tck id) t&n Jter ou^
SSeberibgt (^pnobifon öbgefcl)nc15en l^öbe, ^at 'cv5eblld;e
53ariantcn ^u fei;n fifletricn/'Jaben H^ geictcn bcr 53ev^
ii>erjTicl)felt fc^oil an fidj: iuib niinbcr crbälidie trarc l^ici*
befto tt)cniger bcv 9}iu^e luertb sn Ja'mmcin, ba üon ber
Slut^cnticitat be^ ganzen ^er5eid)n{ffe6 bic Diebe ijT»
^^ ift nnfrrcitig, b(^g hü 25ifd)Dfe bcr SöDbicenifdjcn
©i^nobe 5unad)il Jler bIo@ bicjenige $Bud;cr bcfttmmen n?oU^
tctt,- n)cld)e m6)t 5ffcntlid) in ber(5)entcml)i*- foHtcn tjorgcle^
fcn tpcrbcn ="0/ nic^t nur, ivcil mit bcm größten ^ec^t bicfc
^vod (Sanonc^ aU 3ufammenW"9*^»b httvc\d)tü a^crben, fon^
bern öud; it>clt fic, n?cnn je t>a^ @d)riftcnt>cr3cid)nig im
*) J^errn (Janjl. Oieupcn^ 53ertl)eibi3«ng bex Ofenbrtruna 3«>'
^anni^. @. ii5, ii6. 465. 406.
72
fed()^tcj|lcn Q.a\m\ ad)t ij*!, nad) bcn glaubtDurbi^jIcu ^eugen
nur einen au^niad;en. 3» Sfibove Ucbcrfc^un^ i(l er bei
ben ^'xcmpfaricn, bie ijn ^öbcn, mit bem t)Ov^ergel;enbcn in
einen jufannnengejogcm gervanb*)^ £)iafonuö 5u (Sar^
tjago, im fecl^ften 3a()r6unbert, citirt in feinem breuiario
nui- neun unb fünfzig: ^Ijotiuö in feinem Olomofanon
iat andi) nur fo Diele: mehrere gried;ifcl)e ^anbfcfeviften,
njenn fte je biefe^ ^Öer^eic^nig ber fauonifd}en S8ud)er Hf
ben, Jaben e^ aU einen Sln^ang beö Sq. ^anou6. Um nur
ein S3eifpiel |u geben, fo liejl hei Lambecius ber 44.. Codex
nur 59 ü!aobicenifcf)e 6d;lüße, unb er befc^reibt if)n : Mem-
branaceus, porvetustus, eleg£ins et optimae nolae — ab
Augerio ßusbekio, vi ipse solita propriae manus sub-
scriptione testatur^ olim comparatus ConstantinopoH.
53on avabifdjen ©ammlungcn, \ik nur neun unb fünfzig
£aobicenifc(?e @ct)luffc iabm, bemerkt Slgemann folgenbe:
T. I. pag. 6i(> n. <2, nnb n?a&rfd)ein(ic^ gebort aud) n. 3.
Jie^er. Eod. lom. pag. 63o. n. 76, Tom. If. pag. 507.
n. 36, 3<^ fonnte kid)t ^k ^ii^ajl biefer ^cu^cu noc^ um
Diele Derme^ren: \)k (^ad)c i(! ,aber fo getüig, bog fclbfl
55eDcribge, ungead^tet er ba^ Säer^eic^nig aU einen befon^
bern (Eamu abbrucfen lieg, ben;noc^ in ber ^orreoe ^um
erffen !^6eil feinet ©Dnobifon gar gerne gejre^t, bag ber
59. unb 60. (5anon eigentlid; nur einen ciudmad;en. 2IIfo
ber wahvc @inn biefeö (5anon, ber fo fefir öuf ber SSemer=
fung feinet ^n^ammmiawQß mit bem Dorge^enben beruht,
fonnte xüd^t Diel (Ireitig fepn: ober be)lo n?ic^tigcr ijl i)k
gröge, ob fid) Jierau^ etwaö Don ben ©efinnungen ber Sao?
*) V. lustelli bfbl. jur. Canon T. f. p. 455. coli, tabula har-
moHj'ca Ferrandi et Cresconii opud eund. pag. 490.
73
Mccnifd^cn ^dter in ^(nfejung ber ^leopneujTie bcr 2Ipo!art)pfe
mit ©en?ig()eit fc^liegen laiJe. Die ^•ntfc&eibuiig magatravöu^?
fallen, mt fie njiü, fo i(I ein ^cugnlg auö ber letztem ^pdlftc be6
t>iemu Sa^rjunbcrtö öicl ^u jung: bod; tüdd;(! ijm burd)
mönd)c Umildnbe tt?icbcr öuf bcv cinbcrn ©eitc ein folc^e^
Slnfc&cu au, bag e^ nid;t gan^ o^ue ©civic|)t ^u fet)u fct>cinn
©(ctc& ba^ er(Ie ^oncitium, t)on bem wir ein ^Ser^eid)?
«ig ber fanonifc()cn S3öd}er f^ben, cntfdjeibet ölfo gegen bie
2Ipo]^ah;pfe. ©olltc man je irgenbttjo ben wahren ®ert(>
biefcö i^ud)6 gekannt Jöbcn, fo tvax'^ In Äleinafien. 6e(bjlt
für bie ^ird;e ju Saobicea war eS, öud) Mog ö($ l^iflori^
fcf)e^ ©cn!mal Setradjtet, dugcrfl ttjid;ttg. Unb gerabe au^
benea ©egenbcn, wo man ^a^ $5ud) am beflen foUte ge-
fannt Jaben, t>erfammeln jtc^ ^ifcf)ofe, unb fegen eö mit
anbcrn öpo!ri)pf;ifd)en ^pfatmen, bereu ^erfaffer nid)t^ wcf
niger aU \^mx ©otte^ ©ei|! belebt ttjaren, toHig in eine
^lajTc, Sßenn man aud^ augicbt,; bag biefe^ ^irc^engefeg
burd) d)i(iaflifd)e Svrt^umcr, \>k noc^ ba^umal J&trrf(^ren,
veranlagt njorben, ungead;tet fid> frcilid) biefe ^ßorau^fe^ung
nid)t leidet biftorifcl) bctvcifen liege: fo fonnte boc^ n?o^l
ta$, iDaö Jier blog für eine einzige ^rot^inj befd)loffcn.
tt?urbe, nic^t öu^ gleicher Urfac^e ein gan^eö Sa^r^unbert.
i^ernac^ jum allgemeinen ^ircl)en9cfcg atmad)t tt>erben.
I)aö ^oncilium ju (^b^^Ic^bon ^at bie £aobiccnifd)en
©cl)lüjTe bejidtigt: Jatte man benu aud) nod) in ber Wm
be^ fünften 3a^r§unbert6 fo fe^r Uifad)e, ^ot ^^iliaftifc^e«
^u^fd)n?cifungen fic() ^\x fordeten, baf, man not^ig fanb, igt
nic^t nur au^ ben Äird;eft einer ^rouin^, fonbcrn auö allen
^ird;en M romifc^eniKeid)^ bie 2lpofali>pfc jn t>crbannen?
74
Sufliniöii bekräftigt md)t nur überhaupt bic @c^)Iöflfc ber
vier bfumenifd^en ©pnobeit, ber 9^icdnifc()en, ^on(!antino^
:politanifc&en, (^p^c\i^d)m unb ß[;a(ccbonifd)en, fonbcrn er
benennt öu^brucflic^ in feiner Konfirmation awd) baejenigc '-%
\M^ üon biefen ©pnoben blol bekräftigt irorben. Suftinian
'^at hcmwad) hk 2aDDicenifd;en (Sd[)Inpe .ancrfannt, öner^
fannt, ha^ and) nod) ^u feinen ^^iten bic ^pDrah;pfe fo voif
lÜQ für bk Gemeine fep, aU ^k öpofri)pf)ifd)en ^^falmen.
Der fed)5i9|!e 2aobicentfd;c €anon i(! ölfo md)t bloß (Sd;[ug
einer q)artifuIar^@9nobe, fonberu er i(t öf^ ©timmc ber
^iYd)t burd) beinahe jtDci gan^c ^a^x^nn^cxU ön^ufc^cn»
vlöenn c^ aud) tJoUfommen gen^ig ivdre, bag tk 5}erfamm?
lung mciften^ öuö Qlrianern beftanben I;dttc, fo dnbert i)ki
feö ntd}ta in ber ^;)auptfad)e, nöd)bem biefer ©d;hig von
iiad;fofgenbett bfumenifd^en €onciIien angenommen worben,
«ngcaclE)tet fid) freilid) gar^fiic&t begreifen laßt, irarum btc
SIrianer bie Slpofalppfe tjor^ugfid) t)on bcm öffentlichen (B^f
hxmdo ber (55emeine follten au6gefd;Ioffen iahnu (So \:uk
©c&anerigleitcn jTnb mit biefem Saobicentfd;en'(3anon i>er^
fntipft/ felfbtTauc^ alöbann, foenn man bie gcnnbejle ^"r!Uv
xmxQ befTelben annimmt* man fe^t ^war imtner nrit gutem
©runbe bie t)erfd)iebnen begriffe be^ Sßort^ fanonifd; bcn?
felben entgegen, unb ber ^reteflant, ber nid)t an (Eoncilicn^
entfcl>eibungen gcbunben t(I,-fonbern ttjciß/ baß- feine C^nt^
fcl)eibung^n- Mnorbcntlid;er urtb unrid)t{ger gemeiniglich (tnb,
allj bicfe/ oJilft fiel) um fo letd;ter auö allem ijtnauö: «ber
boclü bleifet immer noc^ ctn?ö6 übrig, ba^i.mau binn?egge^
rdumt \i?önf*te. ga(! jebcr^ ber \ik Kir€()engi:fd)id)tc cnvaa
'"") Nöu. i3i» c. I. Qe77ri^ojj,ev tcc^iv vofxuv sTsx^iv
Tifq CCyJ8Q £}tKX7](7ia?lH8g KCCVOVOc:;, TÜZ VTTO TCVV ctyiCüv
75
aulfu^rüd; öbgcjanbelt Jat, gebcnft M ber .^aobicetiifcftc«
©puobe öud; unfern €anon^: aber meiftena gcbcnfcn fte
bejTcIbcn bloß, obcv i\i t)U ^xt, wk fie bcix Jicrauö ent(!c=
l^eubeu ^^^t^if^^ S" bcautn?ortcu fud;cn, ganj un^urcid^cnb»
53or5uglid) ntcrfa^ürbi^ fd)icn mir bic Slumcvfung hc^ hc^
rühmten ^üU^ IDftanber^, bte €Iiaö ßljingcr, fo tüic über^
Jaiipt ötle Ofiaubrifd)c (Jrlautcruncjcu bcr Canonum, feinem
Codex '•') beibrucfcn lieg, @ie ijt fofgenbc: Observan-
dum quod in recitatlone liLrorum Ganonicorum Sacrae
Scripturae, quae in Ecclesia auctoritatem habere de-
bent, non recitentur libri Maccabaebrum, et recte qui-
dem. In eo autem erratum est, quod epistolam lacobi
et Judae et posteriores duas loannis inter Canonica
scripta numerant, quae scripta non longe post Aposto-
lorum tempora non pro scriptis Canonicis babita sunt.
Epistola ad Ebraeos vtile certe scriptum est, sed non
esse ab Apostolo Paulo compositum, Stylus arguit. Recte
autem omissa Apocalypsis, Ea enim non est loannis
Apostoli, sed cuiusdam loannis :.TbeQlogi, et multa
habet adeo obscura et perplexa, vt non nmlti dextre in
eins lectione versari queant.
S)fianber tvollte bcmnöc^ npc^ me( nte^rcre ''<©d}riftßii
auö bem (lanon (jct^an tinflfcn, aU nur bic 2(po!ali)pfc, imb
\)a^ yvtbcit, baa bic Saobiccnifd)e @t)nobc burc^ ii)t @tilt,<
fd;ttjet^eu gegen bicfc 3a fallen fd;einet,.. nimmt cv wlxUid)
in einem treit jlrengern 53crftanbc, aU nhtii^i^,^^ fd;cint
alfo bocö voo\)l einer fritifcfeen Unterführung tvertj J« fct)n,
xoaß für einen daimi cigentlid;.bic Si^obicenifcöe 55atcr feft^
gefegt r^aben: ob überhaupt baö-gan^c ^cracic{)nig ad)t
*) Wittebergae. 1614. 4- pag. iSz.
76
ober etwa t)cr(Iömmc(t \i\), ober ob nic^ Cftanticr^ ^öernui?
iljung autrejfcn folltc, tag noc^ mehrere <5d)riftcn feipcggc^
(Irid;eu ju ircrt)cii tJcrMcntcn, al5 nur bic ^ofal^pfe.
§• 4.
^ic Beuge«, \^cxm ©timme Jier entfd)eibenb i|T, finb
t)ierfa($:
i) ©riec^ifc^c ^?anbfd)rifteu, trelc^e bie ^oncirtenfc^Iufe
gan^ uub in unöcrdnberter £;rbnung liefern.
2) Diejenigen ©«mmler unter ben ©riecl)en, wcld^e bic
Soncilienfc^lujfe nac^ einer gen)ifl"cn fi)ftematifd)en
£)rbnung gefammclt Jaben.
3) Ueberfe^ungen, unb ^wav öor^ugHc^ rötcinifd)c.
4) I^iejenigcn ©cftriftileder unter bcn Söteinern, n?e[d;c
nacf) bcm ^eifpiel ber (^riec{)en bic ^oncilienfd^IüjTe
unter gettjijfe. locos communes ^ufammengeftcllt
Jaben.
^bbrcütationen bcr Kanonen, beren c^ in ber griecöi=
fcf)eu unb lateinifc^cn ,^trct)e me&rere gab, ftnb bei biefe^ /-
Unterfud)nng ganjroinbrauc^bar: bcnn • c5 ifl^^ fciik gofgc,
^a^, wenn fte ben fed^^igjlen (Janoii nid)r f;ciben, ber 5}er=
faffer bcifelbcn i^w xmfiidS) iii feiner ^anbfd)vift nic^t ge-
funben ^abe; er fann i^n al6 ÜIn()ang bc^ nc«n unb fünf»
^igjten danouö gcfunbcu ^abnx: unb a(6 ^In^ng founte i[)n
ein SIbbrcöiator gat iTDofil Jinweglaffen. €bcn fo njcnig
bient ber* 0lomofänon be^ ^ioüü6 ^ixt (Sntfd;cibung , xvcd
er bie (Soncilicnfcblüffe blo^ önicigt, unb nid>t ivoi^t(ici) an*»
fübrt. ^f)Dtiu6 bot ^ttjar nur neun unb fünfzig Saobiconi*
fd)c «Sdjiüfi'c: aber^umJbn gcbrauc(?en ju f&nnen, foKten
wir evft wiflTcn, wie fein neun unb funfiigiTer ^anon gc*
Jcipcu ^abc, ^nd) unter bC4i f^jlcniatifc^cn <gammlcrn ber
77
^oiici(iei]fd)Iu(fe fnib mk unbraudt)bar. @ie f)aUn fid; oft
nict)t begnügt, bIo3 bie £)rt)iutng bcr ^oncllienfd;Iuj]e ^u
ücranbcrn, fonbcrn bie SSorte mcjjrcrcr (^anoneö ^ufammeii
gcfdjmüljcn, btc CJucUe nid;t ön9C3eicjt, au5 ber fie cincit
€anou genommen ^abcn: unb bod) ift bcr €anon oft fo
tranöformirt, ha^ man oI)ne ^n^eigc M ©d)rift(Iellerö
faum mit einiger ©cirigf)eit bie £2uclle auffud;cn fanju
9k^d? fommt im mittlem $ütaiux bie groge (Sc^ttierigfcit
fin^u, ba^ man crft gcncalogtfd; untcrfud)en mug, wie m
@d)riftftcllrr ben anbcrn gepluubcvt iabc, unb ttjie ber ^lün^
berer lieber i?on einem anbern geplönbert tDorbcn. ©o
fd)ricb 33urfarb, S5ifd)of ^u ©ormö, im eilftcn 3ö^rf;unbert
bcn SKegino, bn\ Qlnfcgtfu^ unb bü^ ^enebictuö Zmu am:
nennt aber nic^t hk £^ucl(cn, n^orau^ er gefd)üpft ^at, fou^
bcrn t^ut, aU ob er bie (2onciIien unb ^irc^enödter felbft
ijor fid) gc:^abt {idtte: ja, um oft ein ©efe^ burcb einen
bcruf)mten Dramen ^u empfehlen, fd)reibt er einer ^ird)cn^
tjcrfammtung, ober einem rümifd)en 33ifc{)ofe ^u, roaß bloö
ein gragmcnt au6 einem Capltulare ift ^'').
Unb auö eben biefem 33ur!arb ^at (^xaticitt einen gro^
gen ^^eit feiner Sammlung genommen. @o flog ber ©trom
immer trüber, je entfernterer er üon ber Ouclle ftog: unb
unter bcm ganzen gvogen Jpaufen t>oit ^anoni(!en, bie ba^
mittlere peitalter gehabt (jat, barf man nic&t benf'en, einen
*) Balleriniorum diss. de anliqufs Canonum collect. P. IV.
c. 12. pag. 294. iiub bcr bafelbj!; angefiUjrte 33aluje in ber
^"orrebe ju Die^ino'^ ©ammlung. ^ar5()eim t)ertl)eiMgt ben
JBurfiub. Concil. T. I. pag. 14, gj?an follte aber aii^ fn-
ner elenbeit 2Sertl)etbiaung beinahe fc^Uepen, er Oabe bie ei-
flentltclje @tarfe be^ ^:Bünvurf^/ ben iöaluse bem Q3urfarb
utiu1)t, gar uicl)t gefapt.
78
onautreffcn, bcr fic^ burc{) ein fritifd) geübte^ SUugc gegen
l)ic geiler feiner Vorgänger gcjTc^ert Jattc
I. ®rte(i;ifd[;e S^anb^djxifun ^ wddjc bie ßoncinen?
fd;Iuffe ^an^ mxb In uni^eraubcrter Orbnuttg liefern*
Unter benjcnigen, mldi)c griecfjifc^e (Sammlungen ber
ölten ^irc&engefe^e herausgegeben ^ahm, jtnb jwei ber be?
ru&mtej!cn: SBil^elm SSet^eribge ^0 unb (^^riftopj 3u(Iel^
Iu6 --). dTfterer gab in feinem ©i;nobifon nlc^t nur bie
(^onci(ienfd;Iuflfc fclbj! JcrauS, fonbcrn er lieferte aud) au?
gicid) bic ©lojfen beS ^alfamon, gonaraö unb 2lri(lenuS:
benn su eben ber ßcit, t)a im ^ccibent burc^ ©ratianö
©ammlung baöjcnige, voa^ man bamals fanonifc^eö 9lec()t
5ief3, er(^ rcd)t allgemein ausgebreitet «ourbc/ j!unb im
Orient eine ÜD^enge ©lofatoren auf, unter n?eld;en 23alfa:
mon öom größten ^nfe&en unb \>on ber größten ©ele^rfam«
!eit njar. 2116 ^atriard) t)on 2Int{od;icn, M 9lat^gcber
beS ^aifcrS unb als ix>a6rfd)einlid;er ^^anbibat beS ^onftauj;
tinopDlitanifd)en @tu&ls erw»ecfte er hk 2lufmerffam!eit aller
(^anouifien feiner ^cit, ^ommentarien über ©cfcge, t>on
einem fold)cn 5}Zannc gcfd;rtcben, hkibm feiten bloße ^om?
mentaricn: baS ^nfe^en iJreS 53crfa(fcrS, unb t)er beftdn*
bige ©ebraud), bcn man befonberS ju MidUn beS SI}?anneS
t?on benfelben mad;t, crl;ebt fie balb ^u einem Sü^ittelbing
*) Synodicon , s. pandectae canonum. S. S. aposlolorum et
conciliorum Hec non canonicarum S. S. Patrum epistola-
rum, Oxonii. 1672. 2. Voll. Sie l)ier gelieferten ^oncilien-
fdjlüiJe öel)en bis inS neunte 3al)rl)iinöert.
**) Bibliothcca juris canonici ex schcdis Christo. Juslelli
edita ab Henr. Juslello et Wilii. Voello. Paris. i66i.
79
3irifc()cn ©cfc^ unb bloßem Kommentar, unb tiefet t>orsÜ9=
üd) nod) 3U Reiten, wo n?a5rc ©clc^amfeit feiten, tiiib
gret&cit im 2)cnfcn ^uc^ft unbekannt war» (^Un biefeö
©lücf wiberfu&r ben ©loflfeu beö ^alfamon» 25a(b fc&ricb
man (td) feinen anbcrn (Sober mejr ab, a(5 einen SSalfa?
monfc&cn: unb fo n^uvbcn nacö unb nac^ alle altere unglof?
ftrte üerbrangt. ^ajcr (inb in 23tbliot6efen, bic fon|t bur^
9J?anufcriptenfammlungen fcl}r bcrul)mt jTnb, fa(I m6)t§/ aU
S3alfamonfc^e Codices, 3n 25anbini S3erie{df)nig ber ^anb=
;d;riftcn ber f9^ßbiceifd)en 25ibIiotJc! ftnb Tom. I, pag, 5»
♦ 397. lauter gloffirte Codices, SSeöeribge Jat hd ber
Slu^gabe feinet ^vjnobifon brei ^?anbfd)riftcn •") gebrandet,
aber alle brei ton gletd)er 2lrt; er felbjl fc^t tuk dltefle ber
fclben hl bie Ic^tere ^pdlfte be^ brei^cjnten S^JrJunbert^:
fte Jaben alle bicfen fedb^igften ^anon Qt^aU; tt?enig|lenö
ijt t)on feinem eine 53ariante bemerft* Slber biefe fed)ö
^panbfc^riften, jene brei in 25anbini*ö sger^eic^ntg, unb biefe
brei, tt?c(d;e^et)eribge gcbraud)t Jat, gelten im ©runbeboc^
nur für eine ^?anbfcl)rift au^ bcm jtijblften 3<^^r6unbert:
benn alle fedje (tnb Kopien t?on SBalfamon^ ^?anbfd?rift,
unb fic fonncn alfo alle gegen bie i?iel frühem $tüQin au^
tf
dt felbiT: befdjreibt fie in ber ^Sorrebe folgenbermaa^en : ve-
tus admodum et completum Ccommentariorum Balsamonis)
exemplar, quod quadringentis circiter abhinc annis ele-
ganli manu exaratum. Duobus aliis eorundem scholio-
rum codd. MSS. vsi , Aetoniensi et Amerbachiano. Codex
iste Amerbacliianus cum Bodlejano plerumque conuenit,
etiam vbi Parisiensis editio ab vtroque discrepat. Idem
de Codice Aetoniensi dicendum. ©t'lbfl fd)On blt beflrttt^
tiqe genaue Uebereinftimmuna hicfet brei ^anbfcbriften, unö
ibre gemeinfc^aftlicbe Ulbiveic^uns üon ber parifer 5lu^3abe
tc^ 3o^ann ^ittu^ beweipt genugfam, wie lüenig man fte
alö bret verfc^tebenc ^cnmi selten laffe» fonue.
80
bem fcd)iTt'n unb fuScntcn ^a^v^unbcrt in gar feinen «Sc-
tmd)t fommcn, befonbcr^ ba ^panbfc^riften au5 ben Reiten
bei* ©loATatorcn unb <Bi)oÜa\icn immer ctwa^ Dcrbacljtig
ftnb, trenn bti einer ©teile gcftritten wirb, ob (tc nic^t
gufa^ fei;n m5d}te, unb i§r geugnig ungleich) me6r ©afir^
fd;einlid;rcit j)at, wenn ftß ben 3«f^^ verwerfen, öle irenn
fte benfclben önne^men. ^omva^ mcid)t in berülnmcrfung,
t)k er bei biefem ^anon Jöt, Dermutblid) gegen feinen WiU
Uu, ben ganzen (ianon üerbdc&tig. ^r bcmerft, bag biefer
^atölog ber canonifc()cn SBud)er M 51. unb 91. 2^. öuf ben
85. canonem apostolicum feine SSe^ie^ung Jöbe; bocb büvfte
man ftd) nicbt trunbern, bag in biefem Clementis consli-
tutiones beigefugt fei)en, irclc^e bocf) in bem £aobicenifd;en
feMen: bcnn synodus sexla Ijahc biefe, a(^ i)OU ^e^ern
t)evfdlfd)t, üervnorfen. Sin fonberbarer ©cbanfe, bag bic
Urfacfee, n^arum eine geiriffc ©c^rift im l^aobicerilfc^en (äa^
non nid)t fie^t, barin liegen foU, weil biefc 6d)rift im 3ajr
68o t)on einer @^nobe verworfen worbcn. ©ollte ^c^nara^
etwa (Spuren gehabt f)aUn, ba^ man in hnx @d)luffen ber
dltcjlen ^ird)cni)erfammlungen nad) bem ©utbunfen fpdtc:
rer Reiten wirnid) folc^e ^erdnberungen gewagt ^abt ? (iine
^ermutf)ung, voobnvd) t>a^ 5Infc6en nnferS Saobicenifc^en
€anon6 ^bd)fl ungewiß, unb ^u einem fiebern S3ewctfe gan^
unbraud)bar würbe. ?9?erfwürbtg ifl eö immer/bag biefer
Saobicenifcbe €anon bem 85. 2lpü(tolif($ßn Sanon in allem
fo gan^ d^nlid; i(!, auger, bag er biefc a. 68o. verworfene
@d)rift ^inwegldgt. . 5?ierau5 erhellt aber and), wie wid;tig
unä ein $enQt fe^^n müßte, ber diter wdrc, aU Synodus
sexta: Ui ii)m mügtc eö )id) übcr^eugcnb geigen, ob tic^c
©tniobe auf unfern (Sanon wirHiclj einen ßiinflug gehabt
\iaht, oUx ttid}t.
81
§. 6.
9^acf) Scöeribge i\i bcfout)crß bicjeuigc Sammlung
merftrurbig, voddjc ^jcluridp Suftclluö unb Sßilf^clm SBhüii^
ncbft nocl) auberu jum dltcjlcu ^ird)ßnrec^t Qcfjürigcu @d)vif^
ten in t)em crimen ^l^cil t)cr ^iblior^ef be^ fanomfd)en
9^cc^tö herausgegeben ^aben. €I;rifIop& 3«ff^ll/ öuS befeu
i'2anbfd;rifteit obige ^rod ©cle^rte M^ SÖerf Verausgaben,
glaubte felbit, t)a^ er Denjenigen (Sober (jcrauSgebc, ber fd;e«
auf ber oUgcmeinen ^ird)enüerfammlung ^u (S^alcebon ge^
braud;t wjorben. ©onbcrbar ijl, t)a^ biefer falfcfec Jffia&n
mit bem ftd) ^ii^cü fo fe^r tdufd)te, einen fo allgemeinen
(Blauben ftnben fonnte, t)ix biJc^ er felbil iix ber 5Jorrebc
feincö -BttU lic «prdnü^en angegeben fyatu, lüorauS man
feinen Srrt^um {idtte it>aVrneVmen fbnnen. 25ic Sammlung,
tt?clc^e 3up^tt Verausgab, \fi^x\iäjt4 mmQCt^.jiU t)iv Co-
dex canonum, aus n}eld)em auf ber (^I;aIcebonifd)en 6tj^
tiobe einigt Canories üorgclefen 'ttjurben: Suftell iät and)
feinen (^pber t?or fid) gehabt, auS melc^em er feine ^amm^
lung fo, wie (te i|l, Verausgegeben Vdtte, fonbcrn nac^ bev
tt)illfö5rndjcn''i?i)potI)efc, bie 'er einmal gcfagt Vötte/'bat er
fdnc ,.§anbfd;rift tranSfprmirt. UeberVaupt ^eigt (ic^ au^
ber 2i«eft»ot^>.n)eIc^e-%^ber 5lnmertog *^) auS t>er 29alleri^
*) Tota collectio ac numerorum distributio (codicis canonum
Edclesiae universae) hülli velüsjo codici innixa a Jiistelli
ingenio compacla fufl. Id satis aperte fatetur in epistola
ad lacobum Leschaseriuiii editioni praefixa , vbi postquam
scripsii: Omnibus, quas reperire potuiV'Graeöis lat'misque
editis et manu exaratis canonum collectioni'bus collatis et
inter se comparalis, nullam inueni illa antiquiorein, cui
jam inde ab initio lilulus fuit: Codex sieu corpus Cano-
num , "quÄm latinam ex Dion^ysii Exigui inlfe.rpretatione
etiamnum habemus: addit, se, vthanc pristinae luci re-
©pittler^ö famratU SBerfe'vilI. 23&. 6'
82
nifc^cn Ölb^anMung angeführt If?, t»te bei »eitern tucf)t bic
gehörige Xreiic unb Unpartjeindjfclt bei ^crauigcbung bicfcr
Sammlung bctriefeii trorben fei)» 3u(Ie(I legte bei feiner
Slu^göbe ben Xext beö Sojann ■^itiuö jum (?)runbe, bcn ic^
stitueret non solum latmam, sed et graecam cogitasse
primunl graecum ex editione Titii producere et ad
MSS. Codices emendare. At cum depreliendisset , hanc
editionem Titii continere mulla, quae non erant in ^nli-
quiöri graeca collectione, qua vsus est Dionysius Exiguus,
eam tandem hujus restitationis 'ralionem antea incompcr-
tam se tenuisse affirmat, quam laudatus Leschaserius indi-
cauerat in consullatione a. 1607. Qujus fragmentum idem
Justellus inseruit. Ratio aütem ab hoc iudicata eo päucis
referlur, vt in Codice describantur c^nones cirum sjno-
dorumj. quas Dionysius in suo Graeco 'Gofiic©-,reperil, et
eodem ordine ita referanlur, continuata nee. inlerrupla
numerörum serie , vi nümeri in Chalcedoneriii designati
iisdem canonibus piane cöwgruant. Qül .^utem lianc me-
thodum in suo Codice con^pingendo $e,cutu& e.$t j nuUum
profecto exemplum cum hac, sua collectione inüenit, sed
tum editis tum MSS' collectionibtis irt sia'bsiJium'- aiisüitis
eum, quem antiquum üniyersae EccI. Codicei» (iredidit,
suo marte composuit atque emendauil. Hinc i^y7»obis so-
los Codices Zonarae et Balsamonis ac Titii ediKöhem lec.
tionum caussa laudauit. vid. Ballerinior. dissertätJd'^e in-
tiquis Canonum CoUectionibus. P. J. ,C. L pag* j9.r .5^^ , j
Ex Baluzii praefalione ad opuscula P. de Marcä (Pa-
ris 1681.) a. n. 10 — i3. iidem sequentia: Cum viri cla-
rissimi Guilielmus VoeNus et Henricus Justellus, Chri-
stophori filius, prior Theologus Parisiensis, alter Caluiniani
dogmatis sectator, cohstitulssenl;, in unum coi-pus völligere
varios Codices canonum eccicsiasticorum olim a Titio cdi-
torum, et illis addere eliam aliquos nondum editos, inpri-
mis vcro quandam collectionem latinam , quam habebanl
in vctustissimo codice MS. Chrislophori Juslclji j et Marca
tum Tolosae habitans intellexisset, eam editionem maturari,
ratus , id quod res erat, suppressum fortassis iri canones
Sardicenses (quos, cum stalim sequerentur post ISicaenos,
Cliristophorus adhuc juuenla caJlidus cultro re§ecuerat et
83
fogfcicb ud^cr bcfdjreibcii lücrbc: er Derglic^, weil i§m tiefe
2(uögabe an mehreren £)rreii fe^ler^aft fd;{en, mehrere ge?
ötucfte unb ungebrucfte (Jremplaricn , öerbcjfcrte \inb 6e?
ttierfte Derfc^icbcuc 2efcarteiu S3ei imferm €anou, bcn er
ad caicem libri re/ecerat) ca de re scripsit ad virum su-
pen'llustrem Pelrum Scgnierium Galliarum Cancellarium,
orans cum, ut publicatione horum Hbrorum supersedere-
tttt*, donec ipse Luletiae esset. Eo cum Marca peruenis-
set nono Kalendas Oclobris )66o. ac typograpbus urgeret
emissionem operis jam perfecti , Voellus et Juslellus non
aliter id a Cancellario obtinere potuerunt, quam si Mar-
cae ralionem redderent operae suae. Igitur non multo
post ad eum venerunt, et cum illis, qui huper mortuus
est, Ludouicus Henricus Fayus Espessacus Abbas S* Petri
Viennensis, in cujus aedibus habilabal Vdelltis. Primo res
acta est magna contentione, Voello et Justello frendenti-
btis et Cdtttendentibus, duo vetera foÜa membranacea,
quae ad caicem codicis reiecta erant, in quibus conline-
banlur aliqua fragmenta canonum Särdicensium, non per-
tinere ad hunc codicem, praesertim cum foliä qüinque
defieri manifestum esset post Canönes Nicaenos , et illic
duo tandem reperirentur. Sedata tandem illa perturba-
tione, cum constitisset , haec duo folia cjusdem magni-
tudinis esse cum celeris, ejusdem arttiqüitatis , ejusdem
marginis, ejusdöm scripturae , ac numeratis et collalis
cum edilione Biniana anni 1638 lirieis, et, vt ita di-
cam, vocabulis^ quibus opus erat ad supplenda haec qüin-
que folia, quae deerant, ex subscriptionibus sjnodi JNi-
caenae et ex canonibus Sardicensibus, luce clarius patuis-
cet, duo illa folia reliqua ex quinque recisis reponi debcire
consequenter post Concilium ISicaenum, praesertim cum
Marca fidem faceret, itä Si^bi olim dictum a Cbristophoro,
qui fassus fuerat, se adhuc jüuenem illa resecuisse impetu
polius quani raliones inter cos conu^it, vt haec frag-
menta edercntur, et vt sequcns praefÄlio , quam Marcd
8ua manu scripsit, in fronte voluminis poneretur.
,,Monendus est lecior, amanuCnsis oscitanlia, ex cujus
apographo ad fidem MS. Codicis exprfesso editio islhaec
confecta est, accidisse, vt Canones Sardicensis Coiicilii suo
84
aSbrucfen Ueg, wie er gewS^nlid) nUvaU (tcjt, benterft er
feine 53ariante; foUtc er in öKen feinen 5pant)fd?riften toi:»
lig gleid) geffanben ^ahm, ober fe^tc er, wie eö an önbern
£)rtcn ßefcfca^, au$ ben ^?anbfc^riften , hk er üor fid) Jatte,
loco id est post canones ISicaenos positi non fuerint.
Quod^ ediloribus curam imposuit recensendae edilionis , et
iterum cum MSS, conferendae, attcntis vt omissionem il-
lam restiluerent, adiectis hie in fronte collectionis canoni-
bus Sardicensibus , qui 'supersunt in eo codice , vbi post
subscriptiones rsicaeni concilii et anle Gangrenses canones
folia quaedam desunt, quae vetustate perierunt: duo ta-
rnen supersunt, incipiunlque a canone Sardicensi XIV. vna
cum sequenlibus vsque ad XlX. quos bona fide hie reprae-
sentare editor voluerat.''
Aliler tarnen euenit. Pfam cum euasissent ex ea tem-
pestate, aliam viam Marca inscio inierunt componendae
hujus controuersiae , et fragmenta illa canonum Sardicen-
sium reposuerunt post iN^icaenos addita praefatione, id se
ratione potius fecisse, quam vllo judicio aut necessitate ex
veteri libro petita. Monuerunt ergo , maximam partem
canonum Sardicensium cum postrema parte subscriptio-
num Concilii Nicaeni injuria temporum periisse. Mox
addunt: ,,Quac tamen supersunt Concilii Sardicensis frag-
menta, post ]Nicacnam synodum collocauimus. Auctorem
namque hujusce editionis non dignitatem Conciliorum, sed
or^Jinem temporis secutum fuisse in sua colleclione , vero-
simile est" Rem totam referunt ad verisimilitudinem,
cum tamen eis et dictum et ostensum sit, ea folia, in quibus
postrema pars subscriptionum Concilii IVicaeni, et non-
nuUi canones Sardicenses continebanlur, posita olim fuisse
post sj^nodum ISicaenam in codice manuscripto, indeque
auulsa a Christophoro adhuc iuuene, ne Calholici ex eo
libro vetustissimo praescriberent aduersus haerelicos pro
dignilate et aucloritate horum canonum. Dicere debue-
rant juxta pacta et conuenta^ canones illos locis suis prae-
termissos fuisse et nunc reponi. ISe quis vero putare pos-
sit, me totam hanc historiam gratis comminisci, et nullum
illius vestigium exslare, primum omnes scirejvolo, me
huic omni concertationi et examini interfuisse , penes me
85
einen Sext ^ufammeu, ojnc ^u bcmcrfen, öuö wcld)cv S^Cii\\)f
fc&nft jeDcr Zi)c'd bicfc^ Sem0 genommen fet)? SBa^ voa^
vcn eö für gcbrucfte unb ungcbiucfte ^remplartcn^ ouö bc^
«en er feine 55artanten na^m? Ueber öKe biefe gr^gen
laßt un^ Sujlell t)oüig tu bcr Unraiffenjeit, unb boc^ lagt
iiä) o^ne Befltmmte Slntttjort auf biefe gragen ber SBert^
feiner Scfeavt ind)t cntfdjeiben. @ie fann för unö unterbcg
feine anbre Sluftoritdt ^abcn, M t)U £efeört beö Johann
S:itiuö, (te «)irb ölfo «ud) mit biefcr (!c^cn ober fallen:
bcnn ^k ipanbfd)riften bc^ 3^"^^*^^ ""^ 23alfamün, n?elcfcc
in ben ^Inmcrfungen bfterö angeführt werben, fonnen ojnc^
t>k^ ind)t entfd)ciben.
habere praefatiuneulam supra descriplam, et Marcam
istfus rei mentionem fecisse in lilteris, quas tum per allam
occasionem dedit ad Papam Alexandrum VII. et ad Lucam
Holstenium. Describam autem ejus verba ex ea , quae est
ad Alexandrum. ,,JusteIlus pater, Caluinianae quoque
haereseos sectator, codicem canonum Ecclesiae universae
olim publicauerat, omissis de industria sardicensis concilii
canonibus Romani Pontificis potestatem diserte asserenti-
bus, ac si judicio Ecclesiae universae a corpore canonum
rescissi essent. Eadem fraude filius canonum collectionem
latinam e codice vetustissiino his nongentis annis non
scriplo (leg. conscriplo) ante meum in hanc Parisiensem
ciuitatcm aduentum praelo submiserat. Slatim comperto
ab ea abesse Sardicenses canones, quos sciebam, a Justello
patre ex ipso canone resectos quidem, sed ad ejusdem vo-
luininis calcem folia reiecta, non destiti, quoad tam regiae
potestatis comminationibus quam humanissimis precibus
post Canones JNicaenos juxla fidem MS. codicis Sardicensi-
Lus in editione locus suus reslitueretur , ne hac diligentia
praetermissa triumpharent haerelici spretam non solum a
graecis, sed etiam a lalinis , et praecipue ab Ecclesia Cal-
licana canonum illorum auctoritatem.
86
Sodann Zitini, Slfc()of ju ^caüx, '"0 f^^"^ S" ^oitou
in ber S3i6I{ot5ef ber Canonicorum be6 JeiL ^pllartuö eine
Sammlung ^o\x Kanonen, ttjorin bie Canones apostolici,
unb bic ©cl)Iuj]*c bcr altern ©tjnoben enthalten tuaren, unb
bm er ju ^ariö i54o» A* Jerauö göb. (Sliaö i^^inger lieg
i6i4 3U ©ittcnberg 'einen SIbbrucf baüon mad)en, öerglic^
bömit eine ^panOfcörifr, bic i(im «5t>fc()cl au6 ber ^(ugfpurger
tSibliotbcf t>erfct)affte, unb fc^te unter einigen SSeranberun*-
gen bie lateinifcöe Ueberfe^ung bei, welche man in ben ge?
ri)55nnc()cn €onciltenau0gaben Jat. fD^an foKte fajl glauben,
feine Slugfpurgifc^e ^?anbfd)rift i)aht mit bem (E'rempfar beö
Xitiuö i;)ollig übcreinge(!immt, njeil man nirgenb^ ^ßartan*
ten bemerkt fi'nbet; ober follten fie fon|! ein unglücflid^eö
@d;icffa( erlitten J^ben, baß \k blog auf ben Zitd be^
23uc^ö unb nid)t in baö fdud) felb(l gekommen? ©efegt
aber and^, tolv njugten einige 53arianteu, fo würben fie unö
n?o6l fcf)tt)erlicö öiel nü^en, weil ireber ^itiuö ixod) ^bin*
ger bie geringjte 23efd;reibung bon ibrer gebraud;ten jpanb^
fdjrift geben. SSenn cö richtig ifl, ba^ (Sbinger6 augfpur?
gifc^e ^?önbfd)rift mit ber ^?anbfd;rift be^ Zitiu^ wjirflicö
fo puu!tlid? genau ubereinge|ttmmt b^ben foUte, fo bitten
wir bisi' einen ^iiiQm für bic 2Ied)tbeit unfcrö ^ancn6:
aber belbe ^anbfd;riften red)ne id) wegen i^rer tjolligftcn
®kid)\)dt blo^ für einen, unb ^war einen foId)en, Don bcf^
fen (^(aubnjürbigfcit wir üon feiner ^c'iH ber t>erjTd)crt finb»
25ci eben bicfcm 33ifd)of So&ötin ^^itiue biclt itc^ su Zvi^
beut wafjrenb ber bafigen ^ivd)enücrfammlung Gentianus
Hervetus auf, unb übcrfe^te ben Dlomofanon be^ ^^b^^li"^
*) f. Doujat praenot. canon, L. III. C. 7. §. 16.
87
uub eine ©ammluiig ton ^oncilienfd}lufl*cn unt) Sluöfprü;?
d)Ctt bcr ^ird?eni?dtcr. 2(u6 j^crüctö 53orrct)e lagt jtd) gor
«icl)t fcOltcßen, bag er ble udmlid)e ^;)anbfc^rift babei jum
©runbc gelegt ^obe, njeld)e ^itiu^ i54o herausgegeben:
fonberu eö erhellt bM fo i)iel, baß ber S3ifd;of ben 515*
brucf bicfcr Ucberfct^mig ueranflaltet l)ahi. Jpcröet^ ^^anb^
fc^rift b^tte bie (^ommcntarieu ober ©(offen beS $5aIfamon:
Slitiuö feine ober fcfteint fte- \nd)t gehabt ju J^ben. ^?er#
i>etS Ausgabe geborte alfo üielmcbr unter obige ^Salfawon*
fcfee Sluegabcn, aU f)kl}it: id; f)aht jte ober blog um be^
fajH allgemeinen genealogifc^)en gebiert willen \)k^ix gefegt
ttjcil man fic^ burd) bie ^orrcbe bc6 S5uc^bflnblerö bei ber
$avifcr Slusgabc (1620, fol.) verleiten lagt, fte für eine
Ueberfe^ung beö obigen 2!itifd}en €ober ju Jaltcn. ^'ben
bicfc Q)avifcr ^ni^ahc i(! dn 5i}?ei(Ierftu(f einer gegen oUc
SKegefn ber ^ritif beforgtcn 2luSgabe. (^in (Jrcmplar mit
25alfamon6 €pmmentarien würbe ^um ©runbe gelegt» Die
Uebcrfd^ung beö ^botiuSfd)cn D^omofanon würbe t^üU
aus j^cvoetS Ueberfc^ung genommen, tbeilS an^ einer Ueber^
fel^ung, bie 2lgi)lduS ^u 23afel i56i. JerdtuSgegeben. SO^an
fupplivte eine J';)anbfd;rift auS bcr öubern, mad)te md) \>on
einigen (Tvcerpten auS ber ^atifanifd;en SSibliotbeE ©ebraucl),
uub t)on bcn ?)apieren bcS ^rdfib* j^arlap, X^od) hdla^ni
fid; bie. S3ud;[}dubler in ber 53orrebe, bag jte fein (Jrcmplar
Jdtten bcfommcn fonncn, t)a^ gan^ fo ijollflanbig gcttjefen
wdrc, aU J?en?etd ttebcrfei^ung , aU ob ein €'remplar be(Io
DoUfommcncr wdre, je mcbr eß aitbdlt, uub aU ob. mit
einer foldjcn ^Imc^ahc Dlui^cn gefcfeafft würbe, wo auö t>cn
Derfd)icbcn|tcn ^5anbfd)riften ein Zat ^ufammcn gefegt wirb,
obne ^a^ man bemer!tc, wober jeber Z^dl biefeS 2!eneS
genommen fei). 25iefe Zü^aU iat ben fec&^igffcn Saobice*
88
ntfc^en €anon: aber mx f&nncn nicbt wiffcn, öu5 welcher
^anbfc^rift jic i^n genommen Jat, i?cvmut^Iic^ an^ einer
55alfamünfc&cn; benn c6 jtnb mehrere t>on t>iefcr 2Irt babci
gebraucht worbcn: unb ba bte ^?erau6gcbcr fo fc&r auf eine
j>crmcinte SÖollfldnöigfeit fa(>en, fo tvaren für fie bic ^aU
famonfd;e ^;>anbfd;riften t>k allcn?ortreff(icl)flen. vSei ber
grage t>on ber 2(cd)t^eit «nfer^ (^anou6 fönn alfo biefe 2In^^
QaU gar nid)t^ entfd^clbcn: fte ijl ^u unfrttifc^ Deranfraltct,
unb ftc ^at fid} t)or3Ögnd; nad) ^paubfdjriften gerid)tct, bie
55d)jlen0 au6 bem ^njplften, brci^c^nten 3a|)r()unbcrt fi'nb.
$8iö^cr t)on ben ^?anbfd)rlfren, bie voiv gcbrucft ^abcn:
jc^t öou einigen, t)k nod) blo^ ^panbfdjriftcn ffnb, unb bi6^
Jer bei 2(u6gaben noc^? nicf)t bcnu^t iijorbcn. 3^re 2In3ö{it
i|^ fe^r geringe, n?eil t^ciU wenige 9}?anufcriptcnfataIogen
auf eine genaue S5efd;reibung ber ^?anbfcf)riften fid) einlaf^^
fen, t^eilö aucö ein groger Zf)dl ber ^?anbf($riften bloß
23alfamonfc()e ^anbfc^riften ii'nb,
§. 8,
5D?att^au^ ©retfer, ein fe^r eifriger Sngoljlabtifcfcer
Sefuite, fud?te bie Se^re feiner ^ird)c unter anbrem auc^ in
Slnfe^ung i^reö angenommenen ^anon^ ^u uerr^eibigcm
^an na&m gegen benfelbcn gcwo^nlid) and) einen ^'inn^urf
auö unfrcm Saobiccnifc^en (^anon; biefen ^u bcanmorten
fu^vt unter anberm ©retfer *) eine fe^r alte J?anbfd)rift
an, in ber t)a^ gan^c 53er3eid)nt(3 nic^t jleben fo0. ^r gicbt
feine S5efd)reibung t>on ber ^?anbfd;rift, ober fon(! irgcnb
einige ^enn^eidjen, worauf man auf ifer öllter fd)fiej5en
fonnte. (Jö wdre biefeä um fo mcjr ^u trfinfd;en gewcfcn.
*) Operum Tom- VIII. pag. 56.
89
tüül ^ad)v\d)tm, t)ie nur gefd)tt)ittb in poIeinifd)ett '5rBfic^=
ten aufammeti^eralft werben, feiten üollfommcn gewiß ober
»oUfcmmen genau ftnb» ^od} flüd)tigcr i|! ble' SInaeige tu
ner anbcrn Xpanbfdjvift, wmn unfer €anon' gleichfalls fcfi?
len foll, bk in 3o5«nn ©regovie*! '") posthumis jlejt (5r
gebcnfr, nad)bem er, tor^er gefagt iatü, tag bicfer Saobice*
nifd^e ^anon in fe^r alten $anbfd;riften fejle, beö ©retfe^
rifd;cn 9}?anufcript^, unb fe^t Ui, t)(i^ er felbj! a\x6) ein
folc^e^ au ^?auö 6efi^e.
SOohif^ ^ad)xid)t in feinen textibus Bibliorum origi-
nalibus pag. 647. würbe för unö nocf) bie braud)barjle
fet)n, wenn wir öon ben J?anbfd)riften ber $Soblejianifcl)cn
Sibliüt^ef eben folct)e ^Sefd/reibungen Jdtten, al^ ^anbini
»on ber 9??ebiceifctcn geliefert Jat. ^r terftd^ert, bag er in
einem fe^r alten 23aroccianifd[)en ^ober, ber mit n,
3eic^net iji, fe^le. 3« einem anbern alten S3aroccianifcöen
€ober n. i85. Der md) bem SSoblejanifc^en !)}?anufcripten^
»craeid^nig nur jteben unb funfaig (Sanonel ^at, jle&t ^wav
baö 53eraeid)nig ber f'anonifd)cn S3ud;er, aber Weber aU le^#
ter ^anon, noc() t)ereinigt mit bem legten (^anon, fonbern
nad) einem aiemlid; leergelagnen ü^aumc glei4)fam blog ein
»erbad)tiger Sln^ang» €*ine S3aroccianifc()e Xpanbfc^rift n»
i58. l)at a^ar t)a^ ^eraeicfenig al^ t)ollfommen ac^t: aber
gcrabe biefe ^?anbfd)rift i|l unter öKen breien bd weitem bie
jungjle. I5iefe ^ad)vid)t ift bejio fd)d^barer, \:}a man f)kx
glcidjfam eine genealogifc()e 9lad;ricbt öor ftc^ iat, vok hk*
fer (5anon nac^ unb nac& \\d) eingefd;lic()en Jaben fbnnt^:
ftc würbe ticlleid)t a« einer t>ollfDmmenen (I-ntfc[)cibung al^
lein Jinreid;enb fei;n, wenn wir t>on biefen ^anbfcf^riften
•) London. 1664. 4 pag- 6^.
§9
me^r wogten, aU., waB unö ^obi? b(tt>on gcfagt Jat. ©o
^tcl ergiebr ftc^ bocö tx»o^l (licrau^ alö SKefuItat, bag felbf!,
wenn mir Jciue anbere (^'titfc&cibung^grünbc Ratten, ^ al^ bic
3i-|cc^ifc()cu ^?aiibfc()vift.en bct (Sammlungen t)on ^oncilien?
fd;Iu|Ten, immer boc^ me^.r S[Öa&rfcI;eiiilid;!eit fep gegen bie
Slccfet&eit unfera ^aobtcenifd^en^^anon^, ale für biefelbe.
IL ©ammter unter ben ©ried^en, w>cH;e bte ßonci^
KieitfctytÄjfet iiad) emer gemiffen ft;ftematifd;cn Ovbnuug
geliefert IjaUrt.
^an Ut t)or^uglic& brei, Sodann t>on 2Intiod;{en,
^^Dtiuö, 9}?att5, S3löjlarea ^"% Se^terc ^trci finb unö un?
brauchbar: benn ^botiuö fu^rt bie (^oncilienfcl)Iuflre md)t
vohxtlid) an, fonbern citirt fiV blog '-'") unb ^Slaftareö ijl ^u
jung; er ifl öuö bem mer^eftnten Sa^rbunbert, unb feine
SIrbeit voax entttjeber febr fluchtig, ober ftnb unfere ^u^a«
Ben fe^r mangelb^ft. ^ia\iaxcß fögt, ber' Söbbiccnifc^e ^a*
«on fe^ t)b(Iig eben berfelbe, ,aU ber 85. STpofloIifd^e ^anon,
öuger/bag bie ^Sriefe'unb'^'ont'titutionen bc6 (^(cmenö i'nu
njeggelöflfen 1fet;en: aber ber Saobicenifd)e (Sanon vocii n\d)t^
Don bcn brei ^ud)ern ber 5D?accabder, hk bod) in feinem
Slpoftolifc^en (^anon jteben: bingegen febft bem ?8Iajlcireö
in feinem 5KpofloIifd;en (Eanon bic ®efc{){cf)tc ber SIpofrcL
3obann ton 5lntiod)ien ijl alfo allein nocf) übrig, i^einc
*) Bevereg. Synodic. Tom II P. 3.
**) Jpier i(t allein Don bem ^iomofanon bed ^öotiu^ tit Oiebe:
bcnn fein synlagma canonum ifl nocl) tticbt gebrufft, unb
man muß ^id) t\o^ mit ben "Diacfert^teu bebelfen, bie Lam-
})eccius tu feinen ^ommcntiutenL. VI. unb L. MII. gicbt.
91
©ammlung jlcjt in SufIcUö ^ibl. Tom. IL unb ©. 600.
^at er njirflid) unfern Xaobiccnifd?en (^önon, ober o^ne baö
53cr^cid)niß bcr 23udber. 2)iefcr gcuge i|l nacl) allem ^Scj;
trac()t augcrjl merfrcürbig. Sodann lebte in ber Wim beö
fed;ftcn 3abr&unbertö. ^'iner ber 9efd;icfteftcn ^anoniilen
feiner ^cit (It n?ar -erjl ^bi?o!at 3U (^onflantino^el (Scho-
lasticus), trat al^bann in ben geiftltcl)en ©tanb, it>urbe 5U=
crft ^re^bi)tcr au 2Intiod)ien, unb SIpofrifiariuö ; cnblid) be?
jlieg er im ^a^v 564 ^^n €on|lantinopoIitönifd)en ©tu^L
©tarb 578 ^0-
modo M ^reöbptcr ^u 2lntiod)ien möchte er eine
©ammlung »on Kanonen nad) ben fOiaterien, wo er t)k
€anoncö immer trortlic^ genau anführt; man mug ftd; hu^
feö bcfto forgfditiger merfen, um biefe ©ammlung t)on fei^
nem anbern SfBerfe, bem momotation, ^u unterfdjeiöen, wo
bie (^anone^ me^r bloö angezeigt al5 auögebvücft finb.
3n biefer ©ammlung nun jfe^t unfer Saobicenifc^cr
€anon ojne bflö ^IJer^eic^nig ber canonifcljen ^ud)er. ^tteö
t)ereinigt ffd), um biefen Jungen red;t wicf)tig ju machen»
©ein Filter; voa^ foUen ?8aIfamonfd)e ^anbfd)riften Vodt}=
ftcnö auö bem (5nbe be6 aroolften S^Jr^unbert^ gegen einen
fo glaubrrurbigen $c\XQtn au^ ber SQiitte be^ fed)ften S^^r^
Junbert^ bcnjeifcn? ©eine übrige (^Jele^rfamfeit unb ber
gutritt ju ben ^irc&cnard)it>en, ben er nad) ben SIemtern,
bie er befag, unftreitig ))ahm konnte, liegen i^n wdt md)^
rere ©ubfiDien benu^en, aU alle nacfjfolgenbc ©animier
Ratten.
Olbge^ur^t Jat er unfern €anon nic^t: bcnn eö ijl
*) V. Doujat. praenot. canon. (Paris 1697. 4-) ^-^ ^^^' ^' ^^'
pag 418.
92
fon|l nic&t feine 2Irt; er liefert (tc ötte 90113. 53erltümmelt
]^at er i^n auc^ nicf)t etn?a auö befoubern togmatifc^en 216^
ftci)ten: beim Qlcido ©♦ 601. ful;rt er bcn fünf unb öd^t^ig?
jien^apoflolifc^en (Sanon ein, bcnjenigen, mit n)c[d)em h-aft
ber 58cmcrfung nad)fofgenber ©d)oIia(len unfer 2aobicenifc{)er
€anon öuf ha^ 53otlfommen(te ubereinftimmte. 2lber ml*
leic&f mac^jtc t>a^ ^^er^eic^nig bcr fanonifd)en 25ücl)er in
feiner ^pönbfd)rift einen befonbern ^anon ou^? @o ^dtte er
alfo bod; voo^l irgcnbnpo in feiner ©ammlung bicfen befon?
bern ^anon: unb voix l^aben oben gefc^en, bag hie ^mei
Canones^ Xi)d(^c in ben gen?o5nIid)en 5(u6gaben, aU ber Sqjic
nnb 6o(Ie, getrennt jt'nb, eigentlich jufammen nur einen
au^mad;en.
Sodann i|! w)a5rfcf)einltc^ ber crjte, ber bie Canones
tiad; bcn Ü[)?arevien orbnetc: bcnn bie t)ermcinte ältere @amm^
lung beö ^^eoboritö beruht bloö ouf einer f(jlfd)en Ucbcr*
fd)rift eine^ MS. in ber !5niglid)cn vSibliotJef 3U ^ariö^^'O«
©ollte nnfer (Eanon nicf)t äcj)t fct;n, fo iat ira^rfcbcin?
lid) biefe^ 3ufammenfd)reiben ber Canonum nac^ ben ?Q?a?
tcricn Diel 5U feiner ^'rifien^ beigetragen, (i^ tcav fcjr leid;t,
ben ^uäbrucf fanonifdje 58ücl)er im 59ften €anon fo 5U üer^
j!eben, baö ^ier biejenige 23i^c5)er gemeint fev)en, it>cld;c man
fc^on önber^a^o irgenb in ben ^irdS)en?Canonibus bejtimmt
iahe* Die Canones Apostolici a^aren hie etn5tgen Der*
meintlicl) altern ^ird;en'Canones, hie ein fold)e^ 5>3er3eid;nip
enthielten : ülfo fupplirte man ben Saobtccnifct)en ou^ bicfen,
unb biefer ©eban!e fiel immer bejlo leidjtcr ein, je mel;r
man ben apoftolifc^en €anon bei bem Jüaobiccnifc^cn gleic|)^
*) Doujat praenot. Can. L. III. c. 9. pag. 421 • coli. Balleri-
nior. diss. de ant. can. collect. P. I. c 2. pag. i5.
93
fam in bcr 5?a^e ^attc. $at ober biöfe 5!}?atfricnorbnun3
t»cr Canonum tt?irflicj) ctwa^ ba^u beigetragen, bog bcr
Saobicenifc&cn (gijnobe biefe^ SJer^eic^nig ber !anoit{fd)en
25üd)cr ön9ebid)tet würbe, fo mug eö un^ bcjlo öngcne^mcr
fcpii, bei bem jenigen, ber fte ^ucrj! anfing, feine (Spnr bie^
feö untergefd)obnen €anonö ^u ft'nben.
III. Ueberfeluttgen, unb p>ox . ^s>tixx^M) lateuttfd^e«.;
(5ö giebt, auger ben latetnifc&en Ucberfei^uttgien b'eiro
Saobicenifdjen @d)Iüflre, ft)rifc^e, arabifd)e unb dt^iopifd&fe*"
(^alrnort in feinem i?ortreffIid)en 55uc()' uonber5(rt, bie €ört=~^
cilien ^u ftubieren, beruft ftcf)*)be!25efd)reibung-^^cf^'
morgenfdnbifd)en Uebcrfc^ungen 5au|5tfad)lic^ öuf t>k ^a^^-
richten, bie 2Ibt SRen:a"ubot in ber befannten peTpetuile de lä'
foi (Tom. V, I. ^. c/2. pag. 646. 647. etc) QkbtJ ^'^<t
SHenaubot nacl) ©alrnon^ S3cricl)t'(piag. '277.) befonbcr^' aö"^'
Seigt, rcortn biefe Ucberfc^ungen, unl) tur^uglid^) bie arof^'
bifc^e, t)om griec^ifc^en. 2!ert .abgeJ^cn^: fo Mrben ftc^ üietteid;!
einige wichtige Sntfd;eil5ung^grunbe^ier ^eigen^ 2Beil ,i(ft;
aber Mi 23ud) felbft ^u erbälten nic{)t fo glucflit:^ tt^ar/'jfior^
fann id; !cinc.9Zad)rid;r baüon, geben: ic^ Faun auc^, mi|^
fagen, ob^ man nic^i bei.bcm ©cbrauc^ ton 3tenaubot^ Dlacfe.^
ric{)ten Urfaclje I)at, ber 2Ibjtd;t beö SSud^ö eingeben! ju fei)n,
worin fie j^c^en, ^Kan f)at ftcfe in ben bamaligen ^treF
tigfciten beibcrfeit^ bittereiöorwürfe ber Unel&rlic()feit gehidd)t»
Da fid) aber Sf^cnaubot grogtent^eil^ , auf 9}^anufcrtpte be?
ruft, i?on benen er fclb^t fagt, in wdd)cn ?SibIiot^efcn fte
anzutreffen fe^en/ fo fotttc tno§l biefel nid;t ju befürct)ten
*) ^tW&f 1755. 8. pag. 275.
94
fcijm Uebrigeu^ W^maniid^ fe^r ^u 5"tcn, bicfcn mer^
genldnbtfd)cu ©ammfungen feinen öU^ugrogeti sjöcrt^ Wu
jtttegcrt i ffe (tVib iiac& 9?enaubotö eignet 25emcrfung bfrerö
corrigiVt unb t>crbefferf tijorben; fold^e t)erkflFerte (Sammlungen
fbniicii- nur feiten r&c&tige 3^"9cn etncr g^nj unt)ßrfdlfd;ten
©teile fei)n» ^?ag ober 2"iebe" ju ben Lateinern Jat bfterö
öuc^ au ber ^rt ber 5lorre!tion ba6 ©einige beigetragen: fc^r
t>iel wicbtiger miigten alfo biejenige 5?anbfc^riften fet?n,
welche- -alter jtnb/ al:^^ bW/'^eftige Sluöbrnc^ ber Slrennung
a-VVifc^cn- ben -.Lateinern unb ©riechen, bejfen erj^c (5poc{)c
tn^ neunte 3al;r^unbert^ unb feine jtveite inö ctlfte 3^^r^
Junbert fallt» iJoüjat: in feinen praenotionibus canonicis
gebenft auc^ ^meier arabifd)en Ueberfe^ungen: t>on ber einen
giebt er aber gar fei n^, um|Idnblid)e 9]ad)rid)t: mib bic
92ad)rid)t> bic er oon ber mit^mx gjebt, i^, tcic man in ber
5ynAiier!.un$ fiefctf),. I^bffc^affen,^ 0ar feine 2lufmerf^.
famfcit.p^rbifnt: b^n;i i^rj, Scfcart iat biceinmütjige ^titt^
m^j-fllcr; glaubmür])igfti^ beugen gegen fic^,
i(bijgo§antt< ©regöorieogetrenlt in .feinen pqsthumis p. 85,
chur l'^roccianifd[)cn)''J?ttlibfd)rift!.tioii b«t ■ ^oblcjanifdjcn
SS'ibUot^ef/TOelc^e eine ardbifd)cUeberfe^uhg t'er !üaobicenifd)cii
@d)lujfe enthalte, unb ftatt bcö ^cr3eid;ni(fc^. ber fanonifc^cn
S5ud)er bloß eine ^nmtrfimg Jö^e^ ^^«»^ «"ter ben -^ocXfjLovq
*) Duae hujus Concilü.rcperiunlur in regia Bibliotheca ver-
siones Arabicae : in quarum altera, quae Iranslala dicitur,
vt a Gl. V. Claud. Gapellano JDoctore Sorbonico acccpi,
inter veteris tcstamenti libros , qui rccensentup vitimo ca-
none, ü connumerantur, quorum auclorilalem scclariijio-
ruin tertiporum in diibiüin reuocant, Judilli puta, Macca-
baeorum, Tobiae, Sapientiae, Ecclesiasticus. L. II- c. lo.
pag. 300-
9 a
Cödicem losephi. ' 5Ba^rfd)ci'nIid) if! eö Wt tfdnind;c; auö
5ev 23ci>eribge feine avahi\d)t nicatufc&c (Schlöffe tin erflcii
2:bmu^ fctnc^ (Si)nöbt!ön fl6b'ru!m lieg;; ö«^ fc'ed)IujTe
bcr bvei nadyfötgcn'oen 6fumenifc^cn €oucI(!c1t1 ^^■^Be^crib'ö^
5iclt t)iefcn SotfJP^/ cihW ■'STf^WftbVitiifdien $r'fej!er/ fofViil
9^af)i^'fe^k^'^öftr'l3^8 ^if^cbt''^^^ föt btä^^er^
föffer ber tießcvfffeunj felbj! /'ober öu^ feiner önbern Ur^
(bcf)c, öf^ lictf'eV jelnÄt 0t(Jhteh %öf' bertV (Jc^erj^nt^/' €m
fc^wdd;er^ritnb, ba nrtd) ' iKenaubot^ S3'ctitcr!uh0 tiefer
9toe öud) Bloß btii ^t'ft^er bef^^itiibfö&vifr'aW^eTgen fonnVe,
liiiti ratfiV 'fonf! Itir^^citfe^ tiiii^e fe^uven^ ^^otf bief^fei Üebetfe^ei
äöfep^ 'öMifft^ iö'i ' 'ein ' paar"^ X?a'nbf($rtfreh ber foniö'(id)en
?Sibr, '^li '^aff'^j'unb' fönjt etnigr önbere ton biefcr UWcvf
fe^u"iiä/bie' Weliiät?ciU'-1h''bar '3^Dlfte'''3öJr5unber^ gef)5i'cn,
öffo ^tverSö^Jrr/iiiiWrt/Wfr f^^^^^^ agvjptifc^e ^ric|!er
3ofep5 , dd^ feiit^f^fott^e^tiÜeßef fe^^y '^'^^^^ ;3* ' W^tbe
ölio bbti ^^iftflW'jeuöe^t ^aif feiWeii"^ Wd^rdu* ^ttiji^i^^ ha
fein 5UItei''unij-fc^in''^ttii5rti^''^to5^ it^^^^ 'ijübefünimt
jiiiib» "^^(^'"(ifeör' W btn tatciiiffcf^en 'ÜetrVr'fc^uilgeWf %d 'wir
tfeie'it 'öftere'' 3^«öW' pbei^-'Mbiif/'ihfcr foIc^e/bie^'BejT'o 'cnt-
jclS)eibenM'' fiW;^^lfi^\t0c tüir'^^^flbl'ßri '^ui^rer* ifnt(fd)eif
Öiitcti^d)iifiä'#?nr"" ■
' «Öbnt'3ien''iltTe(!ett'-äffed)ifc&ert €oncitiert^ Uttc
ttthtt tn ber löteinifc&en Älrd^e ^befanntermaaßen brd "^ani
ijcvfd^icbene'Uiiberr^r^iirtgent'lri "ber $Sancrintfd)en ^bjanbfiing
i\\ btcfe 53erfd>ieben^c{t, unb '^ine'Mtifcfec (?5efdji-cfere" bfefer
bVct berfd)iebnen Ueberfcl^ungertöuS ^Öatifönifc^'irnninb ©ie^
ricnfd;eu $anbfd;rtften (o tiivitliiS^ ött^'clttanbei-gefegt/ tag
96
alleö,- tPö^ 6t^Jer etwa irgeub noc^ einigen ^^cifel erwecfen
fonnte: ob ea nidS?t bloö beftgurirte ^?ant)fc5)riften einer unb
eben berfelben Ueberfe^uug fetjcn, üollig imvo^cxäixmt ijl.
Unter biefen trei uerWiebenen lateinifd;en Ueberfegungen ijl
J>te evfle uttb altcjle bic fogenannte prlsca: ttjal;rfd;cinlict) ijl
jte bftlb nacö ^ß« Reiten bcö (JI)^lcebonifd)en Concilü gemacht
korben, unb ibr^erfaflfer W;cint ein Staliener ge^efcn iu
fe^n. 3n Sujtcllö «öibl.iottef bc6 fanouifc^en .a^c'd)t6 Uxjx
(te juerfl pmvi^,- a.^er ijpjl) .fejr. unri4)tig wit^ mangel&afu,
im brittcii.'s^fait ober be.r. ^Ä(lerinif*en Siu^gabe, ber SBerfe
£eo be^ Ötpgejx ftellt ji'c^^o^fpmmen Iritifcf?^ berichtigt» ^iefe,
pris^a würbe einer ber n?]*tigften^ugen fei)n, trenn iv.tr
|[e bei. be« ^^^^if^,^^f^}^,r^^^^
ijania^^^,, -A^I? biefe ^Uc|ic^ft''^^ g«tp^cl},Cn5"rbß,,^^WHg;eil^ 1^^
!gaobicenifc()en ^anp^ß^,^,m^]fpA^^^^ ^n<ä)t. fp, aögem?i.^ ,t^i_^
ben Codicem Ecclesiae c^ü[g,ß\wt^jifim.^ ^ 9^^^i^? jf^^ ' '^^'^^'
f^b,.fiei-ber Ueberfe^er-^jn {eigner- J?anbfcf)rift nicl?t. Sujtcll
glaubte, fejne j^aiVt^fcl^tft.tjOnT b.cr,prisca fcQ^^üivbpÜl.opmen,^
weil iic, t?[e ajpl5tcyp)^jl^gööi: _ni*^ >^
^?er,au^^cb^r,,'6e^^auptft^^^ nf^l^if- ^ ^"^^^ ^ ^^^^ 'A^"" •^"öM
tnagt^i>^,^^5^tatter t>^fJjDr(;|it !. gegangen, f^^n, worauf b|^^
ülaobicenkdK Gaaone,3. gftfto^iben:, bic,.?5aller|nt aUr.U^^n
burd) sBergreicl)ung anbcrcr ^?önbfc{)riften a.uö^b^p^ ?3atif^^^^
außer aUem 3n?eifet gefegt, bag jte niemals in ber prisca
gewefen fe^cn. -^^ ""/
;2llfi>,.e4^.ea ber ,ttHC&^gjI^lv3<;U9n^ff^^:.J5^^:?^^,;)^^^ ^^"
^icantfd;cn, ©arbicenfifd)en, ^angreufifdKn Canonibus bröu^
c&en Jüuntcn,,ge^t un^^^^icr ^gaijj.öerlQrcn., 9bd} jt'nb ,(^(fo^
iwei auberc Uebcrfe^unften.,,^brig, bie I)ioni)(vic^;C mib. f^j
genaniue Sftborfc&e. ß%;MWu^^^ befonbfr^ gebanbct^j
werben, weil eö ni^ifog^i^ entf4)ieben i(l, ab |c för,pb«
97
QCQm Me 2Ic(^tJcit unfcrö €önon^ flimmcn. ^(fo aucrjl uo»
t>iv Dioni)ftfcben.
§» 12.
^toni)(tuö bcr kleine, ber befonberö burcf) feine Serec^v
tiung be^ ©eburtöjajrö Sefu bevü^mt worbeu ijt, lebte ^u
fRom in ber erjlern Jpdifte beö fcd)j!en Sö^vjunbert^ , öffo
ungefähr ein ^^itgenofe be^ (Jonflantinopolitönlfdjen ^atxU
orc^eu So&önn, t?on beflfen ^ammrung ic& oben gcrebet tabe ;
nur waxX)ioni)^ Won öc^t S^J^re tobt ba So^^nn ^atriörc^
würbe: btnn er flörb um t>ai> S^Jt 556. (iagiobor ''0 ruf;mt
ijn äU einen im (5)ried)ifd)en unb Satcinifd;en öoUfommen
gcfc^icften ^OZann, ber befonbcr^ im Uebcrfcgen eine ganj
t)oriÜ9ltd)e ©tdrfe {latte, unb bcötregen aud; mcjrcreö au6
bem (^ried;ifd)en in^ £atcinifd)e überfe^te. 2luf gufprec^en
beö ^;öifd)of^ @tepl}an öon ©afone übernahm er eine lieber^
fe^ung ber 9ried;ifd?en ^ird)en*€önonen, befonberö bd bic
prisca^ beren er au^brücflid) gebcnft, fc^r t>ent>irrt unb buns
fei war. €r ^attc bei feiner Ucberfc^ung mehrere öticd)ifd)c
Codices t)or ftc^: bcnn er er^d^It felbft, baß er bte €^al*
cebonifc^cn (Sc^lüfTc in bem einen ^rcmpfar ntd}t gefunbcn
Ja6e, mib fte beöwegen auö einem aubcrn fupplirt. Dioni)^
fen^ Ucbcvfcgung würbe in ber 9lümifd;en ^irc&e balb all*
gemein gangbar: eine allgemein gangbare Sammlung Don
^irc^engefe^cn bleibt, wie leid): 5u erac&ten, nicjt lang ojne
gufd^e, t^eilö fold)e, hit fid) jeber sSejtgcr ^u feiner ipanb^
fc^rift machte, tjeil^ aud) folc&e, bic t>on bem bamalige»
©efe^gcber ber Äirc^e gemad)t würben.
3n einem ^fdl^ifcl)ett €obex-, ber im 53ati!an x\t (n.
*) De diuinis lectionibus. cap. 25. v. Ballerin. diss. P. III,
pag. 164.
©pittlerö fammtl. QScrfe Vill. 25b. 7
98
5770/ J^^ ^^^ ^^^ gleidjfam baö crfle (Eonce^t Mefer
2)iont)fifc&en ©ammfung, baö ^eigt. eine 2lbfc{)rlft ble t?on
allen nacJ)fol9enben Slu^gaben, welcl)e unjlreitig ben deuten
2)iont)fiu6 liefern, fejr n?cit abgejit, unb bod; fo 6efd)öffen
ift, bag man in if;r not^wenbig bic ©runblage cvfcnnen muß,
burd; beren ^Seröollfommnung Dioui)^ feine abreite, je^t gc*
Wü&nlid) unter feinem S^^amen befannte Sammlung ^u (lanb
brachte. 3« t)er S5allertnifcl)en 5lb^anblung '') i(! fe^r ge^
nau bcmerft, worin biefeö erjle ^oncept i?on ber 6amm*
lung abgebe, Uz voiv gebrudft Jaben: aber in Slnfe^ung ber
Saobicenifc^cn ©d>lufl*e gicbt fie hinm Untcrfd}icb an; id)
uermut^e alfo billig, M^ biefc eben fo in bcm erjlen Ent-
wurf ber Dionvftfc^en Sammlung gcftanben finb, n?ie in
bell heutigen ^u6gaben beö 5^iont)fiu^. Dod; ivenn wir
anc^ ber fritifd)en ©cnauigfeit ber $Sallerini nid)t trauen
wollten, fo 6aben wir no6) einen anbern ^^"Ö^"/ ^^^ ^io=
n\)fenö Sammlung gebraud)t ^at, eje ^. Sad)axia^ 5>erdn*
berungcn in berfelben vorgenommen, unb jpabrian ober iu
genb ein anbrer ^apjl: ^u^a^t gemad;t iatu. ^refconiu^,
ein 2Ifrifanifd)er 23ifc()of, ber au (I'nbe beö jiebenten ^a^t^mu
bcrtö lebte, orbnete bie Diont;ftfd;e Sammlung nad; ben ?D^a*
terien : feine Sammlung ijlt gan^ 25ioni)fen^ Sammlung, nur
t)a^ bic Ganones anberö gejicllt ftnb : er liefert aber ben neun
unb funfaigffen Saobicenifd;en €anon gerabe mit eben ben Sßor^
ten,'"0 wie wir ijn noä) l;eut^utag in Dionj)fenö Sammt
lung böben. 5ßenn id) t)on beutigen Dloni)ftfd)en Sluögai»
hcn rebe, fo meine id) bloö hcvoaf)xU Slu^gabcn M Codi-
*) P. III. C. I. §. 5. pag. 171— 175.
**) V. Justelli bibl, jur. Canon veteris. T. I append. pag*. 82.
col. b.
99
eis canonum^ bcn ^a)>jl jpa&riöu ^axUi bem (SJrogai fd)enftc.
^-^ ift auögcmac^t, bag bicfc i^abrianeifc^e ©ömmlung nid;t5
anberö ivar, aU ein etwa^ öcraiiberter Dioni)|iu^, unb baß
eö aud) ntd;t ba^ epitome canonum beim (5ani(tu^ *0 iji,
aud) iiid)t biejenige ©ammlung , n?e(d)e ber ^apjt an ben
«5tfd)of^n3iUarmn t>on 5Q2e^ gefcijicft ^aben foll. fl}?an Jat
öon btefer ^abrianeifd;cn ©ömmlung tollfommcn ääi)U unb
glaubnjürbigc 5Hbbrücfe; mit biefen (timmt ^refconiuö boUigjI
übcrfin; beibc Jaben t>a^ 2}er5eid)nig ber fanonifd)en 5Bud)er
nicfct: eö ift mir alfo genug, Jierauö beriefen ^u Jaben,
\ia^ cö nicbt erft ein Einfall fpdtercr Reiten ijT, biefc^ 53er^
aeid)nig binwcg^ulaffen, unb \ia^ unter mand)erlei 53eranbe=
rungen, bie mit biefer (Sammlung t?orgcnommen irurben,
njenigftenö bi* auf 5?aDrian6 I. Reiten fic ftd) in Slnfefiung
unfcre^(^ahon^t)ülIig gleid)fürmig geblieben«; 3« nad)foIgen*
bcn Reiten ift eö bisweilen burd; ben unterjldnbigen gleig ber
5lbfd)reiber, ire(d;e !r)iont)ftfd)e ^;>anbfc^riften auö Sfiborfc^en
Derbeflhertcn, {lin^u gcfommcn, wie überhaupt burd) t)k 53cr^
mengung bicfcr beiben Uebevfe^ungen nod) mejr 53crttjirrung
an0evid)tet tDoiben ifr. ^oö) ift alfo übrig , bog id) ^eigc,
wie bctt)dbrtc ^bbru^e ber Jpabrianeifd;en ©ammlung ^a^
53eraeid;nig voixtiid) nicfet f)abcn. Die erjlc Slu^gabe biefer
©ammlung ijl t)on Sodann 2Benbelilcin ^u ^ain^ i525.
Sr legte brei i^anbfcbviftcn babci ^um @runbe: Jnjei ber^
fclbc waren dd)t Jpabriancifd), im britten fanbcn fic^) fofcf)c
gufdge ^"")/ bic einen fpdter Dcrmejrten €ober Derrat^en,
j. S3. 3^ei S5riefe Don ^^rill. an ben 9lc(!oriu^, unter bem
*) I.eclion antiq. T. ». pag, 266.
**) @. 5öenbel|leirt^ 5>orreDeii in t>fr iroeiten ^U^oeif*en 5lu^s
»abe. @. 89. 117. 188. irr.
100
i)lamen bcö (J'^^ejtnifd^en (Soncilii; eine ?3orrcbc ju bcn ©avbu
ccnjTfcl)en Kanonen ; ein Xraftat de primatu Romanae
Ecclesiae, gröuj ^it^ou lieg biefc ^lu^göbe mit einigen
gufd^en t>erme6rt ju ?)ariö 1609. trieber öbbrucfen, unter
bem ^itel: Codex Canonum vetus Ecclesiae Romanae.
^'r Derglic^ eine alte ^panbfc^rift t)on ^cauüöi^, hk ben
3tt>ci erllern 5öenbeljleinifd)en MIq gleid? unb ölfo dd)t
j^abrianeifc^ au fe^n fd;eint»
3n bcr britten Sluögabe *), bte ^itjou 06er ntd;t we^r
erlebte, finb tjtclme^r neue ^u^ä^^, aU fritifd;e ^Seric^tigun;
gen ^iniUQdomnmu Dicfe Slitögabe nun liefert ben neun
unb funftigllen ^anon, o^nc ben Katalog ber fanonifd)cn
SSucfter, aber mit ber ^nmerfung: Est in quibusdam ex-
emplaribus Laodicensis concilii, vt et in Graecorum
nomocanone additur^ index librorum veteris et noui
testamenti^ qui pro Canonibus legendi recipiendique
sunt
X)a id) rocber tu 5[BenbeIjleintfd)e, ttod) bie-er(!erc ^i»
t^oeifd&e ^u6gabc ^u fc^en befommcn fonnte, fo muß id)
mid) bloß mit SÖermut^ungen Jier bereifen, ob biefe 2In^
merfung fd;on in einer t)on bicfcn gcjlanbcn^ ober erft in
ber britten Sluögabc f;inaugefommcn fci;. ©enbcljlein Jatte
nur brei ^?anbfc^riftcn t>or ftd): id) ijcrmut^e, ha^, vomn
er bö6 53craeid)nig in ^wei berfelben gefunben Httc, er cö
gewig eingerückt ^ahtn ttjörbe; unb fanb er e^ nur in ei=
*) Codex Canonum vetus Ecclesiae Romanae a Francisco
Pithoeo ad veteres manuscriptos Codices rcslilutus et notis
illustratus. Accedunt Petri Pithoei miscellanea ecclesia-
stica , Abbonis Floriacensis Äpologeticus et Epislolae , et
formulae antiquae Alsaticae. Ex Bibliotheca illustrissimi
D. D. Claudii le Peletier. Paris i687.
101
»er, fo foniitc er nicfet in quibusdam fd;rcibcn. ^itjou
ücrglic^ bei feiner erjlen ^iu^gabe Jfluptfac^lic^ eine JpanN
fd)rift t>on ^cöuüaiö; tt?a^rfd;einlic^ fommt bie SInmerfung
ölfo and} inö)t Don bicfer ^er. Jpingcgen bie Herausgeber
ter jtt)circn ^it&oeifd)en (Sbition, Jatten eine ^anbfc^rift '^')
t)or jtcl[), bie t?ou ^itjou mit allerjanb 53arianten unb 5Ber^
niutjungen bcrcid)ert tt)ar: i|l alfo obige Slnmcrfung crjl
au^ bicfem bei bcr Dritten 2IuSgabe gebrauchten ^Mt6oeifd)cn
^oba% fo i(l gcmip, bag njcber hu S[öenbel(!einifc()en ipanb*
fc&rtften, noc^ jene i^anbfd^rift Don Beauvais ba^ 53cr3cid;^
nig ber fanonifd;cn 23ucöer gehabt ^at. ©cm öUcö bicfeö
3U fcjr 53ermut5uug ijl, bcn fonnen bk t?om ^* ^ar^I^eim
bei feiner Qluögabe beö 2)ioni;ftuö gcbraud)ten Hanbfd)riften
ganj auger allen ^miU^ fc^^en. 3«^ crflen Zf)di bcr (5on^
cilien ^cutfd;lanba lieg ^ar^^eim hk 6amm(ung be6 X)ior
ui;fiu$ abbrud'en, unb bcbiente fic^ baWi breicr (SoInifcf)er
$anbfd)riften *'"0 : ößc brei finb ad)t ^abriauifd): benn jte
l^aben feinen ber $n\ä% ii?oburd; fic& fpatcrc Codices fcnn#
bar raad;cn; ber erjle berfclben i(l unftreitig ein gcitgenofle
^arlö be6 ©vogen. ^eine biefcr brei ^anbfdjriften ^at baö
^er^eid)nig ber fanonifd)en SSuc^er: eö ij! alfo gercig, ^u
\)m Reiten ^abrianö unb ^arlö be6 ©rogen jlunb biefe^
S^erjcic^nig noc& nid;t in Dioni)fena ©ammlung. ^ar^^
*) In perscrutandis et euoluendis Bibliotheqae Collegii Treco-
pithocani manuscriplls occurrit non ricinus venerandae
vetustatis codex canonum Eccl- Rom. insignibus nolis nee
iion leclionibus variis ac restllulionibus a Pitlioco illuslra-
lus , quae qaidem nostram editionem excitarunt. ©. Me
^arifer ^eraucJgekr von 1687 in ber SSorrebe.
**) 5m ?0?anurcriptenüerKicf)nip bed (Jölnif^en etiftö/ ba^ ^.
.^ariöeim 1759 Oerau^öab, f!ub ik mit CXV, CXVI unb
r.xvil be^ic^uet.
102
^eim ^at ^voax fonjl tuebcr d^xli^Uit *) noc^ Sa&igfcit **0
genug ju einem ^ritüuö: aber feine ^^rfic^feit \)atu Wx
feinen fonberltc^en SReij ^ur 53erfu5rung ; bann trenn er feiner
^irc^e ^atte fd;meid)e(n trollen, Jatte er lieber noc^ in bem
^Serjeicl^nig ber 23üc()er beö alten Zc^amu\H jene ^aar
©c^rifrcn ^incingefc^t, bic ber eifrige (5at6oli!e üermigt, cU
ba^ gan^e ^Jcr^eic^nig fintreggclaffen. Unb große fritifc^e
gdfiigfeit trirb aud; nid)t erforbevt, um in brei ^anbfc^rif*
tm ein fo grogc^ @tucf nid;t ^u übcrfc^cn,
dm 3^uge, iric I)ioni;6, bunft mid) fejr entfd;eibenb
ju fet;n, ga(! au einer ^t'it jle^en in ber 9}?orge» #• unb
Slbcnbldnbifc^en ^irc^e jirei flJ^dnncr auf, bie, i>erfc(>en mit
ber nbt^igen @efd)icflic^!eit unb mit allen ertrunfd}ten @ub*
ffbien, eine Sammlung t>on (^oncilienfc^luffcn möd}en: unb
feiner la^ in (einen ^anbf4jriften ba^ Saobiccnifd;e SBcx--
jetd^niß ber fanonifc^en 23ud;er. Dag Dion^6 fe^r genau
unb forgfdltig getuefen, feine unterfd;obenc ©tucfe in feine
©ammlung aufzunehmen, betreigt feine Slnmerfung in 2(n^
fe^ung Der apojlolifd;en (Sanoneö ^^^^, bie er gleic^fam mit
einer ^rotej!ation in feine ©ammlung aufnahm, ©arum
foU man il;n aber hd unferm 2aoblccnifdjen ^anon nid)t
für gleich genau unb forgfdltig galten? Da i He ''•-='"-) fc^reibt
cö einer SSetrögerei beö 2)iont)(tuö 3U, ta^ biefcS ^Jerjeid)^
•) f. mnbe ^prei^fc^rift üon btt OJeidjöflanbfc^aft ber S5tfc^6fe
imb 3lebte. @. 60. ainni. h.
**) ßrnejT;i neue tI)eoIog. . 93ibl. befonberä in ber Olecenflon ber
imei erflt'nx 93anbe ber ^ariöcimifcfeen Sammlung.
*"*) Canones, qui dicuntur apostolorum, de graeco translulimus,
quibus quia plurimi conscnsum non praebuere Facilem,
hoc ipsum vestram noluimus ignorare sanctitatem.
♦**•) De usu patrum (Genevae i655. 4.) pag '2.
105
nig bei i&m fcjit. €"r glaubt, 2)ioin;ftu3 \}aht \ia& SBcn
5cid?nig mit gfciß ^iiitrcggcIalTcii, weil einige ^üd)cr barin
fehlen, bie ^. 3iuioccn3 I. tu einem ©4)reibcn •') ön bcn
SSifd^of Doii 21f)ouloufc (Erfuperiuö fd)on ju Einfang beö
fünften 3^I)v^unt)cvtö aU fönonifd) crfannt {)atte. ^r eifert
bei bicfer (l)c(e3cn&cit febr bcftig gegen bie fo frube 5ier?
fdlfc^ungen felbft ber (5oncillenfd}Iuffe : luib ^eiUier '""^')
nimmt gau} rrillig an, ^ct^ cbtge Urföd;c \t»irflid; hie \x>a\)n
fep. Qv fd)cint aU ©eborfam gegen bit pdpft{id)e 53erovb--
numj an^ufcbcn, tvaö ^ailte 53erfdlfd)ung fd)i(t. 3(t ba^
gaftum gewiß. Dag Dioni)3 njirflid) dltcrc (5onciIienfd)Iuflc
nad) jungern pdpftlid)en 53erovbnungcn üerbefifcrte , obn« ir*
genb bie geringfle Qln^cigc bai^on ju tbun, fo fd)eint ber
?3ortvurf beö crftcrn i^olltommen gegrmibet* 2lbev wa^ für
einen ©runb b^t bcnn X)ai{U ^u feiner ^^ermutbung? ©anj
feinen, aU md er glaubt, ha^ 53er3eid)niß muffe ai\ö) im ■
Sioni)ftuö (leben, weit eö nad; ben geiv5bnlid)en ^onclfien^
aiuögaben im griec&if4)en Zat (lebt. 25ioni)ö bebauptet
fonft burd) feine gan^e ©ammlung bi»burct) t>m SÄubm beö
tollfommen ebrlicljen unb etnf{d)töi)oüen Äenner^: aud)
^agiobor giebt ibm biefe^ 3^"9"i0* ""^ ^" ^^^ erftern
^pdlfte beö fed)ilen 3^brb«n^crtö tvar ber romifc^e ©tubl
nod) nicfet vbmifc^er jpof, e^ irar nod) nid}t bie ^^^it ^«^
^feuboijibore '""•••■)/ unb it>enn man aud; gegen alten 3"föm?
*) V. Codiccm canonum ecciesiasticorum et conslitutionum
sedls ^postolicae Tom. III. Opp. Leonis Magni. pag. 182 —
187. edit. Baller.
**) Histoire des auleurs sacres. T. IV. pag. 734.
***) Qlber bie nocb frühere bekannte @er*id)te ber @örbird)ett
Äird)enfci:IuiT</ bte ^ofimuö in fanem ©treit mit ben 5lfn
!autrn für 'Tdcam^'^c roolltc auQefe^en n)iö"en? — (lin
104
fömmcnjang Der ©cfd)id)te glöuben rooUU, baß Dionp«
ttjirflid) m fo gefdjttjorncr Qln^dnger beö romifd)en 55ifd)of^
geircfen, unb bag man fic^ fcJ)on fo fröje folc(;e wiafüjr^
lld)e S3erbcjTerungcn erlaubt Jabe, fo Jattc ja Dioni)^ feiner
2lbftd)t n?eir gemdger gejaubelt, wenn er biejcnigeu 25üd)er,
welche ^iDar Smiocenj in feinem @c{)reiben, aber ber Sflobi^
cenifd;c (^anon nict)t f)at, in ben lel^teru Jineingcfegt bdttc:
fo wdre alöbenn Sunocen^^ Ganon buvd) eine^ ber dIteRen
(^oucilieu befrdrigt worben. ^Betrüger Janbcin ^war md)t
immer fi^frematifd) : aber njcnn Diont)ö in bie (5Iafle ber
S3etrugcr geborte, fo wdre er fein S3etrüger gemeiner 2(rt,
fonbern ein foId)er, ber feinen 25etrug mit genugfamer @e^
(ebrfamfeit ^ü becfcn voü^U: unb würbe in biefcm galle ein
fold)er feine £)uellen fo genau unb umftdnblid; angeben, aU
2)iont)^ getf;an bat? (55 ijl alfo getnig, nid)t nur, ba^
X)ionv)ö ba^ Saobicenifc^e 53er3eid)nig ber fanonifc^en 5Sü^
c^er in feiner ©ammtung gar nic^t ^atu, fonbern auc^,
bag er jte in ben griecbifd)en ^?anbfd)riften, m^ bcnen er
ntalifl ter ^aU göttj undbnücb: bier ein 95ifcbof, ber jw
SBebauptung beö Olnfeben^ feined (BtnW gerabe je^t ge:
fcöiüinb ein alte^ Äirdjengefefe b^ben wqüU; Dort ein gelebr=
ter ^ritifud, ber obne irgenb eine 2ibfid)t, DIo^ gebeten Don
einem ^reunbe, eine ©ammhing yon Äircbengcfe^en macbt.
Sroeiten^ t(l nocb gar nid>t erliefen, o& ^^^fi»""^ «i*t oieU
meftr ber 33etrogene, alö ber Q3etrüger mar. ^ie SBaüerini
baben in ber oft angefübrtcn Olbbanblung ©. 59. ic- mit tm
njicbtigflen ©rünbcn bargetfjan, ba^ bie ©arbicenftfcben ^ir:
c^enrct)Iü|Te mit ben Snicänifcbcn ebmalt^, gani in einem ^u--
fammenl)ange, obne Unterfcl)ieb, gefdjriebe« werben ftnb. (5^
lapt ftcb mvtlid} aucb fonil bie große jjuoerfic^t uicfjt begreif
fen, womit ber rumtfcDe 95ifcbof ba6 Oiefultat ber genaueflen
Unterfucbuugcn unb b^ ©efanbfc^aften ber 2lfrifaner abge:
wartet bat.
105
fiberfc^te, nic^t gefunben. S^atU i^u öud^ ©efdUtg feit gcgm
ben rbmifc^en ©tu^l ^u einer fold^cn ^Setrugerei verleiten thn^
tjen, fo war genoig Sojann ton Slntioc^tcn berfclbcn nic^t
öuögefegt, unb bei bcn bepänbigen ^wif^iö^eiten jn)ifcf)en
bem orientalifc^en unb occibentalifc()en ^atxiaxd)m irar gc^
tt)ig ju erroartcn, bag, iijenn ber laobicenifc^e €anon cttt)ö5
tiöc^t&eiligeö für t>k Spo^dt beö rbmifc^en ©tuJU enthielte,
niemanb forgfditiger ijn bemerfen würbe, aU tln ©rieche,
öl^ ein SSlaixn, ber felbj! ^önbibat beö donftantinopoüta-^
nifc{)en (^tujl^ trör, SoJannö tjon Slntioc^ien unb ^ioni)^
fen^ Sammlung gejcn fonj! in mand;em i?on einönbcr ob:
öud; fann ber eine ben önbern nid^t t>or Slugen gehabt ^a*
ben; benn ftc fc^rieben fö(! ju gleicher $du Sojann Jat
85 apo(!oIifc^e ^arioneö, unb biefe najm er, trenn man
«?enig(len^ auß feinem ©tiUfcf)n)eigen fc{)Iiegen barf, eben fo
an, wie t>u übrigen allgemein aU a^t erfannte (^oncilien^
fc^Iuffe. S)ionpö najm nur fünfzig an, unb biefe Jalb un=
gern: er »erjelt eö nic^t, ha^ fte t?on öielen in Zweifel ge?
3ogen Würben: er lagt fte nic^t, wie bie übrigen €oncilien*
fct^Iüffe, in einer JöJIcnreiJe fortlaufen, fonbern er fe^t jie
gan^ tjereinjelt Dorau^, @elb(! in SInfeJung ber SÖ?atcria#
lien, bie fte famntelten, bac()ten biefe hübe ^idnner ganj
»erfc^iebcn : i\x alfo nid;t t)ic Uebereinjiimmung ijrer 3^«3^
niffe Jicr befto wichtiger?
€Je ic^ aufJ5re, t)on ber 2){ont)fifd)en Ucberfe^ung ^u
rebctt, mug icb nod) breier J?anbfd[)riften gebenfen , wotjou
unö ^\ 2Imort im jweiten ^f;cil feinet Iuris canonici =^)
') Ulm irsr. 4.
106
t^ßirö SrbbrucPe, t^cil^ Sfit^^uge geliefert ^aU (5o mcl jtc^
öu3 Der fd)it»anfenljeii S5efc^veibung l)eö ^erouögeberö urtjcis
Icn lagt, fo i(t ble i?ant)fd?rift, ii?eld;ß gan^ abgebrucft trurbe,
öuö ber 5öibliot^ef be6 23at)rifd)en ^(ofter^ ^^icmfce.
2lmort fe^t ijr 2llter in baö fiebentc 3a§r^unbevt; aber ein
fo r;oJe^ 5I(ter i|l gegen ölle 5Bar;rfd;e{nlic^feit; ba fte öUc
ble 3"f<i^2 "«b (J*infc()altungen ()öt, tüoran ^öbrlaneifd;c
Codices {'ennbar finb, fo ijl fi'e ]^ü($(I üermut^lid; bloö eine
(^opie beö Codex canonum, ben ^nxi bcr ©roge t)om
^ap(I ^^abrian befam, ^?err 2Imort nimmt für le^tere
S3egebenf)eit H^ 3a6r 8o5 an: er fonnte alfo, feiner cige?
nen (^^ronologie nac^, hk 5?anbfd)rift nid)t fvuf)er fc^en,
öl^ in hai erfte sBIcrtcl beö neunten Sa^r^unbert^. 5[Benn
aber auc& ^arl gicid) auf feinem erjlen gug nad; 9iom im
3al;r 77 A, wie eö nid;t unwajrfc^cinlid) i(I, Dom ^?abrian
ben Codex canonum empfangen i^at, fo tat bod;
Slmort feine ^?anbfd)rift immer no(^ um ein ^a^x^untm
3u alt gefd)d^t. 3n Slnfe^ung ber Iaobicenifd;cn (Bd)lü(fe
flimmt bicfe ^;>anbf(^rift mit ben oben angeführten ©cnbeU
fteinifd)en unb ^par^6eittiifd)en X?anbfd}rifren üoUfommen
uberein: fte I;at ben neun unb funf^igjlen (5anon o^ne haß
53er3eic^nig ber fanonifd;en Q3uc()er. 3luö ben ivoci anbern
^anbfd)riften, t>ic 5lmort auö bem S3av)rifc^en ^loper Dieße
erlieft, finb bloö ^'rcerptc geliefert. Unter anbern ^xcerp=
ten ijl unter n. 6. gicic&fam aU ein Supplement ^u bem
^biemfeefc^en (5ober, folgenbeö ^fr5eicf)nig ber fanontfd)cn
23ud}cr abgcbrucft: Quae oporleat legi et in aulhoritate
recipi, haec sunt: Genesis mundi. Exodos Aegypti.
Leuiticum. Numeri. Deuteronomium. Jesu INave.
Judicum. Ruth. Regum libri (juatuor. Paralypoine
non. Id est, ab relictorum libri duo. Hesdras Libri
107
IV. Liber Psalmorum GL. Prouerbia Salomonis.
Cantica Canticorum. Ecclesiastes. Job. Hester. XII.
Prophetae id est, Osee. Arnos. Jobel. Abdias. Jonas.
Micheas. Naum. Abacuc. Sophonias. Aggeus. Za-
cbarias. Malacbias.
Item Esaias. Heremias. Ezecbiel. Daniel.
Noui Testament!. Euangeliorum IV. Secundum
Mattbaeum. Secundum Marcum. Secundum Lucam*
Secundum Joannem. Actus Apostolorum Catholici.
Epistolae VII» Jacobi I. Petri I. et II. et III. Joannis
II. Judae I. Kpistolas Pauli XIV. Ad Romanos. Ad
Corinthios I. et II. Ad Galatas. Ad Titum. Ad Phi-
Ijpp. Ad Gel. Ad Thessalo. I. et II. Ad Timotheum
1. et II. Ad Epb. Ad Pbilemonem. Ad Hebraeos.
^' Apocalypsin.
@cI;on ber bloge 2In5(i(f bicfe^ 5}er^cic^nifl*eö giebt
©toff genug ju ÄrtttB unb ^u fritifd;cn ^ermut^ungen:
ober erjl noc^ ein paar SSorte Don hm i?a nbfc&vtf ten felbf!.
©ie fi'nb nid;tö tt^eniger, ol6 Dioni)fifc^e ^?aubfd;riften; bcmi
fic enthalten mk Sfiborfc^e ©tüdfe: jTe muffen, (ober vocf
«igjtcn^ eine bcrfclben, benn ^err 2Imort fagt nie, ob er
ein @tu(f in bd\im ^panbfd;riften, ober nur in einer gefun*
ben \)abc,) fi'e müflfen fe^r unorbentlic^ gcfc{)rieben fe^n.
3. 53. 5}or ben ^djlujfen M berühmten Sf^icdnifcfeen Gon-
cilli fommen \xq6) (5c^)Iüfe eine^ anbcrn ^Jltcanifc^en, SSei
ber 53crgleic^ung ftnbet mön, t)a^ eö b(o§ bie ©arbtcen(ifd)en
(int), unb n?cnn eö aud; rid)tig fei;n follte, ha^ man cimaU
hU 9licdnifcben unb (Sarbiccnfifd)cn ©d;Iufe in einer ununter^
brod)encn fRd^c fortgcfc&rieben, unb alfo le^tere mit Un
crftcrn fe^r leicht vermengt njerbcn konnten, fo ^at man
bod; fein SSeifpiel einer genauen Äanbfc^rift, wcldpe hit
108
©arbtccnftfc^iu (Scl)luffe t>or ben OTicdnifc^^cu fc^te. klugen
bem, bag alfo bicfe Codices (ober bicfer €obcr, wtü man
immer i« bcr Ungcwig^ctt ijl, ob ^?err 5lmort jwei ober
einen fc>or fi'd) gehabt bot) außcrbem, baß jte trabrfc^ctnlic^
feine 2)ioni)fifd;c, fonbern Sftborfd^e, ober t>iellcid;t am
iDabrfc^einIid)j!en burc^ 3ftborfd}c $ü\ä^i unb 5ßerbc|Terun^
gen t>erberbtc ^ionpftfd^e ^anbfc^riftcn finb, i(! ijv 5öertb
wegen 5}?angel ber ©enöuigfeit beö 5(bfd)rciberö, wegen ber
^feubobefretalen, bk jte enthalten, fejr gering. Um biefc
S)iegefcf)en ^?anbfd)riften ^u empfehlen, fagt S^m STmovt in
ber ^öorrebc jum ^weiten ^b^il feinet juris canonici, bag
pe alleö cntbalten, wöö Seo IV. noc^ im neunten S^brbu"*
bert (im 3abr 85o) aU Z^dk M romifd;^canonifd;cn
dicd}t^ er^d^lt iaU: alöbenn mtb bie befannte ©teile ou6
bem Defrete abgebrucft C. I. hist. 20. '"0 ^^^^' nian foUte
fa(l Dermut^en/ ^?err fämoxt ^abz fie gcdnbert, hi^ ftc ibm
rec^t gepaßt, ©tatt Canones Aposlolorum, fe^t er, cä-
nones, qui dicuntur, Aposlolorum ; unb unter ben 9la^
mcn ber romifc^en Sifdjofe lagt er bcn @v)lt>cftcr biuwcg.
2)a6 söer^eid)nig ber fanonifd^cn S3ud)cr felbrt jtcbt burc^
ade gebier binburc^, woburd; eö cntweber tom @d}reibcr
beö Codex, ober t?on bemjenigcn, tt)eld)em wir \>k €opie
^u bicfem SlbbvucP ^u banFen b^bcn, entjlellt würbe ^ bcr gc*
*) 9U(b Der qSobmerfcben «Hu^ööbe ifl bie «teile folgenbe: pui-
bus' autem in omnibus ecclesiasticis vtimur judiciis , sunt
canones Aposlolorum, Nicaenorum, Ancyranorum, Neocae-
sariensium , Laodicensium , Constantlnop. Ephesin- Ohalc«-
donensium, Sardlcensium, Africancnsium, Carlhaglnensium,
et cum illis regulae praesulum Romanoruin, Sylvestri, Si-
ricii, Innocenlii, Zosimi etc. 2)ie ©teile bat jiDar niebrerc ^Vari-
anten, aber feine etn5 ige, ivoburd) bie^I>erdnbcrung, weicht Jperr
5lmort mit bem Xert Dornabm, einiflermapen üertbeibist wtX',
ben fonnte. '^
1Ü9
w5jnlid;en Sfi^orfdjen Ucbcrfe^ung fo t>olI!ommen glcid?,
t)ag man gar nid)t ^»ciii'cln fönn, tt?o&cr biefer gufa^ ge*
fommeiu 9iur ein iScifptcl: paralypomenon id est aL
reliclorum, üoUig fo, ttjie nac() ber S3alkrinif4)en Slu^gabe
ber Sfiborfc^e Zcxt Jeijfcn ntug.
Ucbrigenö aber i\t bal ?ßcrjcid)nig doü ber^offcnbarjten
gejlcr: Esdras IV. fo ^at unter allen Dom Clueenel unb
ben ^allcrini tjerglic^cnen y?anbfd;riften feine einzige. Sm
gen?6^nlicbctt 2cvt beö Spbovu^ unb im 9riecbifci[)en flehen
jwct 25üc^cr t?on ^fra: ^k t?on ben Ballerini öerglic^cnen
^ahm gar feine ^a^U Actus Apostolorum Catholici,
Epistolae VII. offenbar jlatt Actus Apostolorum Catholi-
cae Epistolae VII. X>ic Briefe bc^ ^etru6 unb ^ojanne^
finb \id}thav t)ern)ed;felt. ^ndj bcr 23rief an bte ^-p^efer,
unb ber 55rtcf an ben ^ituö Jaben i^re $ld6e t)ertaufd)t.
SBaö baß ©ferneren hti Apocalypsiu U\)Ci\Utt foll, i(l bei
^errn ülmort^ Wolligem (5tiIIfd)iüeigen unm5glic^ ^u erra*
tjen. @tunb eö fo tn ber ^anbfc^rift, ober foU e^ einen
gufa^ i>on ^errn Qlmort bebeuten ? Segtere 53ermmbung
wirb baburcfc febr bej^drft, weil ^err 2Imort oft feine eigenen
©loflen aU ^arentjefen in bie Canones eingeröcft ^au
25Iog um ber 23olirtdnbig!cit willen böbe id) biefer
.^anbfc&riftcn ^in gebac^t, unb blo^ beöwegen hei ben Ufy
tern mid) fo lan^c aufgehalten, um tbeilö t)ic (Sorglojtgfeit
3U aeigen, mit wcld)er folc^c (Sammlungen oft abgebrucft
werben, tbeil^ an einem 23cifpiel ^u bcweifen, wie bie öer*
meinten ^ionijfifdje J?anbfd)riftcn , bie haß ^cr^eicbnig bcr
fanonifd)en SSuc^er baben foUcn, bloß burd) einen Sfibor^
fd)en 3wfö^ bereichert worben finb. 3clb fomme jc^t ju
bemjenigen ^tuQCix, bcjfen dc^te^ ^cüQixi^ am fd)wer(!en ^u
bellimmen ijl, — sw Sfibor^ Ueberfe^ung. ?3ielleic6t i(l
110
eine gcrtöue ®cfc&lc|)te tiefer Ueberfefeung , ojnc welche t>a€
^eugnig berfdben gar nid)t beurtjeitr werben fann, irenig^
Ueno allen meinen Sefern nid)t gleid) gegenwärtig, bag id)
jte alfo mit 9^ugen t>orauö Riefen barf.
<5c()on im fünften unb fed)|Ien Sa^rjunbcrt finbet man
man tfieil^ auf fpanifd;en, t^ciU auf gallifd)cn ^oncirien
fjolc^e Canones angeführt, bie weber au0 ber prisca, noc^
auö ber DiDn9ftfd)cn Ueberfc^ung genommen finb '"0* ^"cö
machte in ber WitU bcö fed)jlen 3<J6i^&unbertö ein ^iafonu^
ju (^artjago, gufgentiu^ gcrranbu^, eine abbreuiationem
canonum, unb alle feine (Soncilicnfc^luflTe najm er offene
bar auö einer ganj anbern Ueberfel^ung, al^.auö beibcn obi^
gen: nur bie ^&a(cebonifd)en ©cfelufe nal^m er au6 ber
prisca. 2Ilfo um eben hk ^üt, t)a I)ioni;ö ^u 9iom feine
Sammlung unternahm, ex'iftirte auger ber prisca, auf Vu
er ftcfy; beruft, fc{)on geraume ^dt in Qlfrifa, ©panien,
©allien, unb t)ielleid)t auc& Stauen, noc^ eine anbere i^m
tüa^rfc^einlic^ uubefannte (Sammlung, din gcmeinfd)aftlii=
lid)eö (5d)icffal aller bicfer dlteftcn (Sammlungen if! ed, baj
fie nid)t gleich anfangt fo waren, wie (Tc auf unfcr ^ütaU
*) ^, ben britten (Jation bet im 3a^r 439 unter beut SJorfi^
be^ 33, ^ilartuö yon 3lrle^ gel)altenen (Spnobe ju Oiiei-
5luc^ in bem 3iften (?anon ber im 3öl)r 5ir ge^flltnen ^ö^
nobe SU (?paon fomttlt ber 3lU<^brucf ancyritani canones
üor. (Jitt 2lu9bruce, ber 3fiborö Ueberfe^ung upllfommen
djarafteriftifc^ men i(l: benn in ber prisca ^eipt e^ immer
Ancyrenses, unb beim 5)ionoÖ Ancyrnni. SSergl. Ballerln-
diss. P. II. C. n. §. 2. pag. 70.
111
UV gefomnten (tnt); fonbern mit bem gortgang t)er ^a^xc
würben fie, oft Jauptfac^licf) nacb ber SÖerfc^iebcn^eit ber
2anbcr, n^o^in jte famcn, mit mUn 3"f^^^« bereichert.
Äeinc biefer ©cimmluiigen aber fcfteint mehrere 53erdnberun*
gen erlitten 5U ^aben, aU biefe. Q^ ift ein nterfrcurbig
groger Unterfd)ieb jirifd;en fpanifd^en unb gallifc&cn, ober
wenn man lieber will, franjofifc^en X?anbfcbriften: and)
lagt fic^ bei biefcn bcibcn 2lrten t>on jpanbfd)riften ber-
ftufcuwelfe ^üvoad)^ bcrfclbcn periobenweife bejlimmen. ©ine
biefer öerme^rtern (Sammlungen, beren neuejteö ©tudP ^it
©c^lüfe ber üierten 2!oIebifd)en ©pnobe t>om S^Jjr 633
waren, würbe öon bem berühmten Sftbor, S3ifc()of t)on @e^
mlicn, entweber felbil ueranflaltct, ober wenigjten^ unter fei#
ilcr ^uftoritdt. 2)er fe^r gemeinen 9}?einung, ha^ baö erjlere
rid)tig fet?, fann man'^ jufc^reiben, \ia^ jener befannte SBe?
tröger, ber ad)t ganzer 3ö|)rbunbertc Jinburd) ganj (Europa
auf t)a^ abfd)eulic^(te tdufd)te, biefe fpanifc&e ©ammlung
in fein Sögenmagaain aufnahm.
3fiborfc()c Ueberfe^ung (jeigt alfo weber eine folcbc, bic
ber berühmte 3fibor felbft verfertigte, nod^ eine folc|)e, bic
bc« «Pfeuboifiboru^ SSer! i(i[* S5cibe fanben fie Idngfienö
fc^on in altern Sammlungen; aber weil jtc^ biefe Ueber*
fe^ung 5auptfdd)licf) burd) ?)feuboiftborn ausbreitete, fo hi*
!am jie Sfiborö 9Zamen. Die 25enennung ift frcilid^ nnbe^
quem, aber fd)wer ju dnbern, md fte allgemein angenom^
men ifl; iä) werbe fic alfo heihc^aittn muffen, ^feuboiftbor
war tin ©ejlfranfc, unb bebiente ftc^ alfo, to'u man aud)
auö ber ?ßergleid;ung felbft jtejt, gallifd;er ^?anbfd)rift€n.
9^un ftnb bie gallifd^en $anbfc()riften biefer Sammlung
tbeils t)OÜ wilt!üjrlic6 üerbeflerter Sefearten, t^eils b^ben fte
mehrere '^n^al^i unb ^ofumente, aU in ben fpanif^eit
112
^jönbfc^rlftcn (!ejcn: unb q)feuboi(Tbor legte hti feiner ©amm:
limg nic^t obige gum ©runbe, in ber bie üicrtc 21oleber
(öt)nobe ha^ U^te ©t&cf war, fonbcrn eine t>iel t>crme6rtcre,
worin fogar noc^ eine (^^nobe gu ^^raga t>om S^^r 675
flunb. 2)er wa^re Sfitsor jlarb 636, unb bicfer S5etrüger
lagt i^n xxodi) ©cfelüflc x>om Sajr 676 in feine «Sammlung
cinrucPen: »ar er feined S3etrug6 fo iid;er, ober toav man
bamal^ gewohnt, folc()e öermejrte Sammlungen immer nod;
unter bem alten 9*Zamen fortzuführen?
5me unfere ^oncilienfammler Jaben t>k 3ftborfd)e Ue^
berfe^ung ber 2aobtcenifd)en ©d;Iujfe auö ber (Sammlung
beö q)feuboifiboru^ genommen: unb t>a biefcr baö S^ergeid;^
niß ber fanonifd)en 25uc^er, aU einen Slnjang be6 neun
unb funf^igiicn (Sanonö/ ^at, fo Jaben fie eö alle nac^ge^
fcl)rieben, ojne bie geringf^e Sln^eige, H^ irgenb eine ^2<*"^^
fc^rift ber Sfiborfcben Ueberfe^ung anbere gefcarten })ab^.
@e(b(l JDlanlt, bej]"en Sammlung feine Vorgänger fonjt in
manchem 5Betrac|)te fo mit jurucf lagt, felbft bicfer ^at xvct
ber ÖueöneB Slrbeit, noc^ bie t>on ben 23allertni gefam*
mclte «Barianten benu^t; unb bocj) i\i ber le^tern fritifc^e
5luögabe beö codicis canonum ecclesiasticorum;, im bxitUn
XJeil ber ÖBcvfe 2eo beö dJrogen, gwei Sa^re Dor bem erften
SSanb ber ^anftfc^en (^oncilicn I)erau0gc!ommcn. Die biö^
ber allgemein angenommene unb ganj gewbbnlic^e Sefeart
ber 3fiborfd)en Ueberfe^ung ift alfo au^ einer gallifcfeen
J^anbfcferift, bie, burc^ i>iele will!ül)rlic^) gewdblte 2cfearteu
mt^cüt, bie unb ba n?id)tige ^ufdge t>on ben 2lbfd)reibern
befommen \)au ^feuboifibor lebte tt)abrfc{)einlic& ju Slnfang
beö neunten Sabrbunbertö: man fc^t ibn md) bem 3abr
829, weil er einige ©d)(üjfc ber «parifer ©i)nobe bicfe«
3abr^ wbrtlicj) in feiner Sammlung f)au Stammt alfo
115
bie gcw56nllc6c Scfcart au^ t)cm ^feubolftboruö, fo jlömmt
jic öu^ einer ^?anbfd;rift bcö neunten 3<Jjr&unbcrtö, weld^e
^opic cineö ^obcr ijl, ber burd) mannigfaltige gufd^e
cntjlellt war. 5[öic foU alfo bicfe gcn)bl;nlid;e Sefeött mU
fc^eiben fonnen? ^nttrebcr bleibt'^ ungenjig, tvaö bie äd)tt
£efeaft ber unt)erfdlfd)ten 3ftborfcf)en Uebcrfel^ung fe^, ober
niuflfcn wir anbere ^ni^cn Jaben, al^ hloi baö ^remptar
beö ^feuboiftboruö.
Durcfe bie SSemü^ungen beö ^p, Que^net^ unb feiner
9let>iforen, ber tBallerini, f)ahm mv nod) ein ^aar fejr
wtd)tige geugnilfc erhalten, Welche ber wahren 3fiborfd)en
£efcart i?iclleic()t ün größere^ Sic^t geben. ^U einen 2In*
5ang ^u ben Sßerfen 2eo beö ©rogen f)at £^ue^nel einen
codex canonum ecclesiasticorum abbrucfen laflfen/ ber
ganj gewig weber 2)ion)[)fen6 ncd) 3fibov^ (Sammlung
t|l. 3^iefc (Sammlung if! 5j)j-itj(jtunternel;men eineö 50^ans
«e^ h\ Pallien; benn eje fRom feine ©efct^e unb @amm^
(ungen ber SBelt aufbrang, war feine gefc^lid; auftOi'
rijtrtc allgemeine (Sammlung, fonbcrn jeber fd;ricb für
ftc^ ah, fammelte för ficj). X^k 5i}?enge ber i^erfc^icbe^'
nen (Sammlungen, bie man feit fur^em nad) unb nac^
entbecft \)at, beweist biefeö genugfam, 3n biefer gallifd)cn
^ritjatfammlung, bie aber boci) fe^r hdkht gewefcn fc«n
mag, weil man mehrere fe^r gute 5lbfd;riftcn berfelben fanb,
jie^en aud) bie £aobicenifc5)en (Sd)luffe. Queönel f)at bii^
feiner 2lulgabe nur jwei ^anbfc^riften gcbabt: eine erhielt
er t?on IDx'fort burc^ feinen greunb (^buarb 25erttarb, bie
anbere, Ui weitem t>or3uglid)ere, war eine t&uaneifd[)e. £>ic
^allerini Ratten nic&t nur M6 ©lu(J, ton ^ki\ eine 5?anb*
©pittler^ fdmmtl. 2Serfe VIII. m. 8
114
fc|)rift tiefer ©ammtung ju bcJommcn, ber fte btinait ein
töufcubjidjrige^ 2ittcr beilegen, fonbcfn fie t?erglici)en au:^ in
benjenigcrt (^tucfeii, njelcfee bicfe ©ammlung mit anbern
gemein f)at, ein pöar alte itaUeniWe ©ommfungen. ^c^n
ftejt in ber SluiUevfung, wie fie nac^ 5}er9lcid)un9 öttcr bie*^
fer ^?anbfcf)riften entfc^ieben Jöben ''0* ^b burcfe biefe
J?anbfi?riften unb burc^ t>k ^«tfc&eibün^ fold;er 5lenner,
aU biefe Vorüber unjireitig gcirefeit ftnb, bie wa^re Sftbor^
fc^e Sefeart gan^ auger ^xm^d gefegt n?erbe, ergicbt fic^)
t>ielleic^t au6 folgenbcm :
i) SBcnn nid)t nur bi^ njienerifd)en , fonbern aucl; \:)U
t{iöaneifd)en unb orfovbifd)en J?anbfd;rifteu baö 53crjcid)ni^ ber
fanonifc^en ^udjer Ratten, fo trare baniit nur fo üiel be?
wiefen, t>a^ ün 9)?(inn, ber ungefähr im ftefeenten Sß&rjuu^
bert in ©allien einen codex canonum ecclesiasticorum
iid) fammelte, biefeö 5Ser^eic{)niß in feiner 5panbfcl)rift gelci»
fen ober eingerückt iahe* Slber nod) gar nicfet ij! ern?iefcn,
bag bie Sefcart, tt?elc^e biefcr ^am\ in feinem Zext\)attc, ad)tt
3fiborifct)e Sefeart fci). Die ^allerini geben fon|l mit gu?
rem ©runbe ben gaUifd)en ^anbfc^riften gar nicl)t baö beftc
*) Quesnellus omisit sequentein catalogum scnpturarum, hanc-
que notationem »ubiecil. In aliis versiohibüs, (scribendum
fucrat in vulgatis editionibus Isid.) et etiam in graeco se-
quilur catalogus librorum veleris et noui töstamenti, qui
deest in vtroque MS. codice, nimirum in Thuaneo et
Oxoniensi hujus collectionis , quos ipse consuluit. At eum
reperimus in praestantissimo Cod. Vind. ejusdem collectio-
nis, «c praelerea in duobus aliis Valic. i342 el V'eron. 55.
qui Isidorianam versionem similiter exhibent. Hinc iste
catalogus ab auctore bujus interpretationis omissus non
fuit, ac proinde duo illi Codices, Tbuan. et Oxon. qui La
odicenos canones ex eadem versione sumserunt, dum hoc
catalogo carcnt, iinperf'ecti sunt, pag- 442. not. 4Ö>
115
^eugnig: 6icr foU Me Scfeart eincö gölltfc&cn Codex für
ben irojrcn 3fibörfd)cn Slert entfc&ciben. 9lun ftnt> ober
bcr oxforbfc()e unb t^uaneifc^c €ober bem ^^"Ö"^? ^^^ «'i^^
nerlfd)en ^utvibcr: id) will gern ^ü^^hcn, bog ber orforbfc^e
t)on feiner fonbernd)ctt 2Iu!toritat fet) : ober ben tjuöneifd)en
loben bie 25allerini felbj! aU bewahrt '"O* ?3icücicf)t Jot
ber ewige 5Siberfprod)^geij! gegen Queönef, ben fte oft ttroa^
unbillig äußern, 5U bem Urt^eil einiget beigetragen, bag fte
ten t)on i^nen t>erglid)enen wienerifc^en (^ober, fo wie fa(t
bejldnbig, alfo öud) bt^f/ ^or^iejem
2. Dodb aud) ^wei fe&r ölte ttalianifd)e ©öntmlungen
fiimmen für t)k 25eibebaltung bei ?3er^eici&nifi*eö ber fano*
nifcben S5fid()er.
Um t>on ibrem geugnig mit Gcwigf)eit urtbeilen ^u
fbnncn, mug man bie übrige SSefc^affenbeit biefer ^;anb^
fd)riften it^ijTcn»
X)k ?3cronefifd)e ifJ nic^tl weniger, ol^ €opie einer
gewiflen alten ^panbfdjrift, fonbern ein, wie a\i€ allem er^
bellt, bod^i^ unwiffenber, Diafonuö, ^b^obofiu^, fe^te aixS
mebrcren Codicibus unb Sammlungen, bie er \>ov \iö)
batte, einen Codex ^ufammen, nabm jt(^ tlc ^xci^cit ju
terbeflfern: unb tia unter allen t>erglicl)enen Codicibus biefer
einzige bie 5lpofali)pfe in bal ^^Jer^eic^nig ber fanonifcben
25udS)er fe^te, fo fann man fcfeon auf \)k !ritifc()e ©enauig^»
feit beö Manuel fcbliegcn ^-''O»
*) Praef. ad codicem canon. ecclesiasticor. pag. io*~antiquior
et probae notae codex.
**) 2>er Olbfc&retber be^ Codex ober ber SSerfaiTer biefer ©amnts
lung giebt alle biefe data in bec ©c^lupanmerfuns feinet
116
(5r, ber jtc6 (b ttjiüfu&rlic^e 53erbc(fcrmigeu erlaubte,
öl« Jicr ble 3"ff^""9 ^^^^^ ^Ipofafppfe ift, fann ti^of;! nod)
weit Ieid;ter eine ö)Iof[e, bie i^m erlauterub fc^icu, in ^m
Zcxt eingerückt Jaben» ^d) glaube nicl)t, bag eö ^uerft
feine ©loffe mar: er traf ftc t)ieUeid)t fdjon in einer feiner
^?anbfd)riften an, aber aU ®(ojfe, nic()t aU ^ert. 23ei ei*
nem (5ober, ber bloge 5lbfd)rift eine^ anbcrn Codicis
i(t, fann bie Uniriflren6cit beö (^opiflen tioajrer 53ort^eil
feijn; aber «jenn ber 5ibfct)reiber hei aller feiner Unn?iffen^
^eit bennoc^ t>m ^ritifcr mad)en tuill, er(t Derbeffert, e^e er
ah\d)xcihr, fo ijl t}Ct^ gcugnig feiner ^?anbfcl;rift nicf)t me^r
Jeugnig einer altern UrFunbe, bii er tjor fid; l)attc, fonbern
t^re gan^e ßJlaubwurbigfeit griinbet (td) auf t)ii ©efc^kf*
lic^feit beö B^ü^^n, Daö 5[)eroneftf4)e 5iJ?anufcri))t fommt
alfo 6ier in feinen 23etracf)t. S[Bid)tiger fcf)eint tua^ ^ati*
fanifc&e. ' I)a bie 23allerini bemfelben bie wienerifd^c
^anbfd)rift beftdnbig tjorjiejen, fo tjermutje ic^, \)a^ fie
codex felbjl an: Hec de mendosis exemplaribus transtuli
tandem, et quaedam quidem qua . . . , bn vt voiuit tarnen
vt potuit (supple et corrige , quamuis non vt volui tarnen
vi potui) recorrexit. Quedam autem tacito pretermisi re
... (f. reliqua) Domini arbitrio derelinqüens. Qui legis
ore . . , catore (leg. ora pro me peccatore) sit d n abeas
red .... ilimus omnium dia .... Theodosius indignus
. . . Conus fecit. Haec postrema verba sie supplenda j
humiilimus omnium diaconorum Theodosius indignus Dia-
conus fecit. Verba de mendosis exemplaribus transtuli,
Theodosium merum exscriptorem non vero ejus versionis,
quae in ipso tantum codice inuenitur, auctorem innuunt.
Ballerinior. diss. pag. isg.
lidem in Cod. can ccclesiast. p. 44a. not. 56.^ In MS
Veron. 55. additur Apocalypsis Joannis. Hie concludi de-
bet ea non ecclesiasticus. Explicit.
H7
«ja&rfdjclnüd) nic^t ön biefer i^r 2lftcr Jtnrcid)c *'), alfo
febctjten^ in M^ neunte 3^5v6u»^cj^t gejore. 3m neunten
3ai)r5unbert tvar, tücnigftcn^ ^u S'nbe ber crften ^dlftc bef^
felbcn, Sfi'bor^ Sammlung fc^on fe^r öuögebreitet: benn
baö berühmte ©d;reibcn beö % DZicoIauö I. an bic fran^b^
(tfc&cn 33ifc^5fc ij! t>om 3a&r 863 : fotttc ölfo nid)t t)iellcicf)t
ein 3fiborfcl;ea (Jremplar (Jinftug gehabt ^abcn? Unb wenn
tiefe ?ßa[;rfcöcinlic^!eit öuc^ nic^t fo gar grog fei;n foUte, fo
iiub iibcrjaupt ^taUani^djc jpanbfc^viften Bei treitem nicl;t
bicjenigen, bercn gcugnig eine 3ftborfd;c Sefeövt cntfd;cibcn
fann.
3fiborö Uebcrfe^ung jlömmt it>ajrfd)einlid), tjrem crften
Urfprung nacl), öu6 Spanien; ftc Um alfo cnt^eber burd;
gallifd^e, ober burd) afrifanifd;c J?anbfd)riften nad) 3talien.
^am fte burd; gaüifdjc ba^in, fo ift i^r 3«^w9"i§ ^on gici?
c^cr 2(rt mit ben gallifd;en : fam ftc burd) afrifanifd;c, fo
Um fic njo^l fct)tDerltd) üor bem fec^^ten 3^Wwubcvt ba&in:
benn foUtc fi'e fonjt I^loni;^ gar ntd)t gcfannt Jabcn? Unb
i|l fi'e crjl nad) Diont)fen^ '^tit ta1)iix gekommen, fo ijl fic,
burc^ bie grogerc ^uftoritdt be^ Diont)fiuö erftidPt, niemat
empor gcfommen. ^?dtten ivir eine fpanifc^e J?anbfc()rift
t>on bcr 2Irt, tüie bicfc t)atifanifd)e tjl, fo tT)urbe jic ent;^
fc^eibenb fei)n, befonber^ wenn i^r 5I(ter über 3ftbor6 '^dUn
]^inauöretct)cn follte» I5ag biefe batüanifc^c ^panbfc^rift aber
0 (Bic i\t iitJar P.li.c,?, pag. i36. etc. weitlduftig tiaä^ i^rem
ganzen Sn^ölt gefctjUbert : aber e^ ijl feine 33eflimmun3
if)reö Sllter^ baWif fonbern bie 3$allerini berufen fid) llo^
auf «DTootfaucon^ Urtßeil, ber it)n Bibl. bibl. p. i5i. ele-
ganlissimum et antiquissimum nennt. 5H?a^ fie fonfl S« 35c;
(Kimmung feinet 2Ilter^ öUÖ Ughelll Ilaliae Sacra. T. IIT.
€ol, 592. beibringen^ i(l blofe ^ermut^ung.
118
eine Sopie eine^ fpanifd}cn ^obex* fet?n foKte, ijl gcwig beiti?
jenigen nict)t glaublid), ber ^k ©efd)ici)te bcr Sluebreitung
fol^cr früfecn ^Irc(;en9efß^e fennt. 25od) bei allen tiefen
©rünbcn, bte mir M^ 3^"9"^6 ^^^ t?ati!anifd)en Codex
5U fc^wdc^en fc^einen, getraue ic|) mir bod) noc^ nicfet i)bl?
lig, 5u entfdjeiben: wir l&aben ^u it>enig data, ^u wenig
t)erglid?ene Codices. Den ^allcrini i|! einer ber md)^
tig|!en, ber öeroneftfcfee n. 58. Jier gan^ unbrauchbar, weil
er t>om fed)^ae^nten (ianon an üerflümmelt ift: ^ö mug
ftc() seigen, wenn einj! mehrere fritifc(;e Sorgfalt auf S5e*
ric()tigung bcr ^oncilicnfc^lulTc unb auf iperöorfucftung ber
Sammlungen alter Canonum gewcnbet wirb^ ob fid) bie
©rünbe för ober wiber bk ^ut^enticltdt biefer ©teile ber
3fiborfd)cn Ucberfc^ung Jdufen. @o Diel i(l unterbeg ge*
wig, ^a^ ficj) weit leld;ter begreifen lagt, wk bicfeö ^m
aeic^nig §ineinge!ommen^ aU, vok ea berauögcfallen fei)n
foUte. Slöelc^er Ueberfe^er, welcher Slbfc^reiber follte wo^l
in fo Jo^em (^rabe nac^ldgig fei;n, unb ein fo groge^ ©tucf
finweglaffcn : ober ^atte er Su(!, untreu ju fci)n, unb t)k
£aobicenifd)en (Sc()lufl'e, weil fte mit feiner I^ogmatilf nid}t
ubcreinfamen, ^u t>erdnbern, fo iat ber ©c^reibcr bcö »ero?
neftfc^en Codex am bejlen gcwugr, tok er fiel) ^ier Jelfeii
follte. €'in fo grogcö ©tucf t)on einer fo alten ^S^nobc
Jinwegjut&un, war ^u gewalttbdtig: man fam weit leid)ter
5u feiner ^bftc()t, wenn man ^ii^äiic unb «öerduberungen
mad)te. ^pingegen fiejt baö ganae ^öer^eid^nig einer ©loffe
Dollfommen gleich : balb fd;rieb man bicfe ©loflc beö neun
tinb funf^igften (^anonö mit bem (Sanon felbjl in einem
fort: unb ein nacfefolgenber ^erbeffcrer l^at öollenb« ^wei
Canones barau^ gemad)t.
119
§. i6.
IV. ®d)rift(!cllcv imtct beu fiatcinerit ^ n^etd^e tiad) bem
Setf:p[e( ber @vied)Ctt bte (5ottci(tenfd)ruffe imtct: ^e^
ivijfe locos Communes jufammeugejlctlt IjaUn.
^ö gi^bt ein g^n^e^ ipccr foId)ci' ©d)riftrtctlcr: öbei*
nur wenige, Diellcid)t nur ein einziger t(l f&r m\6 Jier
braucl)bör. ^''.nmöl fallen alle bicjenigen Jinineg, bic Dtoni>
fenö Sammlung gebraucht baben; cö i\t Won oben ent^
|d)ieDen, bog X5ioni;6 baö ^Ser^eic^nig ber !anonifd;en 23u5
d;er in feiner j?aubfcl)rift gett>ig nid)t gelefen l^at: wo^n ölfo
eine unnbtjigc ?9Zenge ^cugen, bic ber (Sadbe fein neueö
ßid}t geben? Ucbcrbieg fd;ricb im mittlem ^^if^^^fk^t" einer
ben önbern nid;t feiten fo getreu ab, bag gan3e (Bd)a(ivm
folc^er ^anonijlen oft faum einen tucfetigen 3^"9^" öuö?
mact)en würben.
3 weitend fallen öUe biejenigen aU unbraud)bar Jinweg,
vot\d)c nic^t nur t)k Drbnung ber Canones, fonbern öucl) ibrc
©ubjlan} gednbcrt ^ahm , je^t burd; €*inröcfung i^rer
^rfldrungcn erweitert, je^t nad) belieben abgeformt. 2)iefc
2lrt Don fanonifd)en (Sammlungen würbe febr frube, fd;on
im achten 3abvbunbert, allgemein. Der 53erfaffer ber cc-
lectio Hibernensis hd X:)a(i)ZX\) ''0 unb 9)?artenc ^'"'^^
ber ungefdbr in ber er|len ^pdlftc t>e^ Ci6;)\m Sabrbunbertö
lebte, tf)ut filb|l baö ©efldnbnig: Synodorum exempla-
riorum innumerositatem conspiciens breuem pla-
namque ac consonam de ingenti silua scriptorum in
*) T. I. Spicil. ed. nou. pag» 492.
*•) T. IV. anecdotorum. pag. 2. ßallefiniorum diss. P. IV.
C. VII. §. ,.
1*20
rnius voluminls textum expositionem digeasi plura ad-
dens, piura minuens^ plura eodem tramite dige-
rens, plura sensu ad sensum neglecto verborum
tramite afterens. ^Ut ^iUQCU DOU biefcr 3Irt ftnb
hü biefer llnterfuc{)utig ganj uimü^e. 9?od) ij? nur ein
ein3l9er übrig, t)cr itjeber :i)ioin;fenö Ueberfcguncj öbgefdjrie*
ben, i\dd) \)k Canones fo tvillfü^rlid) gediikrt bat —
!Diartin, $8ifcl)of i?on ^röga in (Spanien, dr Uhtt in ber
Icgtern S^äifU be^ fcc^ften Sal^rjiinbertö. So^^ann l^on 2In^
tiod;ien ift noc^ i?ollfommcn fein ^dt^nioffc , unb an6)
2)tont;^ ber kleine, 3U SRom. 2Iuf einer ^ilgrim^rcife md)
bem IDrient lernte er griec&ifd; unb anbrc SSifiTenfd^aften, für
it>eld;e in ben SIbenbIdnbern bamale noc& fein SRaum n?ar.
S5ei ber 9lücffunft in fein S3arcrlaub fönt er unter anbern^
wie fd;Icd;t unb umjerftdnblid; bic get)j5^nlid;e Uebcrfc^ung
ber gried)ifcöen ^irc()engefc^e fep, unb n?ie fte burct) 2lbfcl)reibcr
Derdnbevt unb t>evberbt n^orben. ^r machte fid; alfo an eine
^erbefifcrung bcrfelben nad) bcm ®riecbifd;en: unb um biefc
^ird)cngefe^e 3um ©cbrauc^ red;t bequem 3U machen, orbncte
er (te unter gcnjijfe ^auptüajTcn ^ufammen. ipicrauö cut^
f!unb coUectio LXXXIV canonum seu capitulorum,
jjm crften ^bnle berfelben'"') fontmt unfer (5anon t)or, aber
obne baö ^er^cidjnig ber fönonifd)en (Sd)riftcn. „Non opor-
tet psalmos compositos et vulgares in Ecclesia dicere:
neque libros, qui sunt extra canonem^ legere nisi solos
canonicos veteris et noui testamenti/^ ^wax fc^t ?Oiartiu
hü feinem (^anon, njo^er er i&n genommen ^abc: aber man
f[e&t burcfegdngig, bag er Saobicenifd)e ^d)Iüflrc gcbabt iat,
unb ift nict)t biefeö njorttic^ genau unfer !üaobiccnifd;er €anon,
*) Justellibibl. jur. can. vet. T. I. append pag. 19. 6. Übrigen^
bic ^erict)tigung in Der @cfd). ^c^ fancn. Oicc^t^ ©. 201.
121
ober t)on \y>d6)cx anbern ^ir(^cnt?crfömmlung i(l unö ein
fo t>oUfommeu gleicher ^d)Iug &e!önnt? 9}?avtiii l^atte
Sftborö Ueberfc^uog Dor fiel); bog bicfe bamal^ in @pa?
nicn allgcmeiu gangbar gewefen , lagt ficfe gar uic^t
5tt?cifeln: aber, t>a ftc fc^on fo fruje burd) 2lbfd;rei*
ber, fclb(t in ©panien, t>erbcrbt unb t>eranbert n?orbcn, mug
unö &eut ^n ZaQC bei bcnen o^nebieg nic^t Jinreic^enben
i^ubfibien in SScflimmung ber ad)tm Sltborfc^en Scfeart bcflo
fd)uc^terner mad;cn. d'ntweber fanb Wlaxtin in feinem Sft*
borfd;en Zm baö 9}gj.5eid)nig ber !anonifd;en SSücfeer, ober
fanb er e^ nid)r. 3m legtern gall Jdtten voix einen fefr
wid^tigen ^cugen für bic ad)tc Sftborfc^c Sefart, ober genauer^
einen fe^r n?id;tigcn Jeugen, bog auc^ im 3fttorfd)en %txt
ba^ 53er3eid;nig ber fanDnifd;en 23uci[)er Juf«^ fpötcrer Reiten
fep: ober fanb er eö in feinem Sfibor, (!ric^ e^ aber i'invoiQ,
njeif er eö nad; feiner griec()ifc&en ^;>anbfcf)rift, t)it e6 nic^t
enthielt, für undcfjt anfejen mugte« ^nttrcber beweigt alfo
•!0?artinö ^Muftoritdt allein fiir bem griecl)ifcl)en Zcxt, ober
für hcn griec^ifdjen unb i|iborifc()en Zcxt ^ugleid;. 5Bel^
d)ii t)on Mt)m man ftc^) voä^lt, fo ijl ^g^artin^ 2lu^
torirnt, t^ereinigt mit ber 5lu!toritdt be6 Diom;fiu6 unb
Soljann^ Don 2Intiod)ien eine ganj unidugbar entfc^cibenbc
2lufroritdt. Dlod) ein gall trdre möglich, bag 50?artin o^nc
genugfame Sluftoritdt griect)lfc&er Codices \)a^ ^Ser^eidjnig
ber fanonifcfeen 25üd;cr Jinweggelaffen Jdtte, (So gab eö
aber alfo bocf) fd;on bamalö aud) in (Spanien folcf)e griec&ifd}c
5?anbfd)riften , bie t^a^ «öer^eicl^nig nidj)t Jatten, unb ta
5}?artin in ber 5lbftd)t fd)rieb, bic alten griecl)ifd}en ^ir^
cl)cngcfe{^e allgemein t)erftdnblid)er ^u machen, fo nuigtc
er, fallö er hai> ^Ser^eicbnig enttveber in feinem Sf^bor, ober
in feinem gricc{?ifc{?en Zm fanb, immer jum 53orauö geneigt
122
fci)n, böjf^Ibß beijube^alrcu; Dann vok tjl ber €anon bc«
(limmter unb Dciftanblic&er mit ober ojne bcn Katalog bcv
!anonifc^cn ^ud;cr? <Sc5r untt>a^rfd)cin(id) iftö bcmnac^,
H^ er o^nc genugfamc 5Iuftoritdt jn 6aben, o^ue burd) bie
Sluftoritdtcn, bie er Dor ftd; i)atu, gleidbfnm gezwungen ^u
werben, bö6 S3er^eid)niß ber fauoiufc^cn 55üd)er {jinn^oggelaf»
fcn feöben foUte. Unb einen ^ifct)of üon -^xag^a im fcd)ilen
3af)r&unbert, trirb man feiner foId)en 21n&önglid)feit an hk
2Iu6|>rücbc be6 romifd^en 33ifd)of^ befd)ulbi(jen , baß er auö
2Id}tung für biefclbe foIc()C alte Äirc()engefe^e gednbert bdtte.
§. 17-
5iIfo S^efultat ber ganzen Unterfud)ung : 5led)ter Sao*
bicenifd)er ^anon ij! biefcö ©c^riften:^cr3etd)ni6 gewig
nid)t, fe^r a(te gried)ifd)c ^anbfd)riftcn tjcrwerfen c^/ brei
Üj^anncr, ^u im fed;6ten ^a^r^unbert, beinahe ^u gleicher
3eit, in gan^ t)erfd)i ebenen Sdnbern bk ^irc^engcfc^e fam*
mclten , fanben eß nid)t in ibren ^anbfcbriften, 5)ie 3fi*
borfdje Ueberfegung, befonberö wenn man bei Unterfud)ung
ibreö ^^^Ö^iiT^^ ^^" 9)?artin Don 53raga ^u 5;)ulfe nimmt,
i(! mebr gegen bie 2Ied?rbeit biefe6 ^cr3cid;ni(Te^, aH für
biefelbe. Unb unter ben beftdnbigen, ewig umbilbenben 53er^
dnberungen , tk man befonber^ im mittlem Seitalter mit
ben ^ird;engefcl^en mad)te, unb bie eben fo gewobnlid) im
Orient aU im Dccibent waren , fonnte gar (eid)t ein fold)er
undc^ter ^i\\aii bin^ufommen. Um fo Ieid)tcr, wenn man hc>
benft, ba^ bie Saobicenifd)en 6c&Iüfl*e erft geraume 3^it nad?
ben(5(;aIcebonifd;en@d;(uj]enin ben allgemein gangbaren €ober
ber Ä'ird)engcfcl^e gefommen '"0. ^Babrfc^einlid) nid)t im
*) einen T^cmvS bienon f. oben §. ii, ber feine vpDiae©tarfe
erfl burd) bie ?J3ereinigunfi mit ben übrigen gleichen ^Udi-
ricbten Der Q3allerini erljült.
123
IDccibcnt, fonbern im£)ricnt fc^Iicfe jt^ biefcr^ufa^S»*« ^»"ff«"^
mal ein. Die Sluftoritat ber öpo|loIifc&en ^auoncö voax bü
bell Orientalen früher unb großer, ölö Ui ben Sibenbldnbern.
^od) Dioni)! ^at nur fünfzig berfclben öngcnommen, ölfo
gcrabe benjenigen öud) nicfet öngcnommen, auf njetd&en ftc^
nad) bcr 25emerfun9 9ricd)ifd)er ©c^oliajlen unfer Saobiceni^
fc^eö 53eraeid)nig be^og. Slßo bic 2(uftoritdt biefcr a)>o^olu
fd;en ^anone^ fo groß war, mugf i€ rcixfüd) fe^r Uid)t fepn,
ber Saobiccnifc^cn @i)nobc einen fo(d)en 93egriff beö Sßortö
„fanonifc^^^ 3U unterfd;ieben, aU ob unter fanontfd)en^ud)ern,
bie im5lpo)1olifc|)en($anonbej!imnuen,;iUtjerjlc^en fe^en. ^i\^
ber niorgeHldnbifd;en ^ird)e Um biefer neue SaobiceniWe
^anon traj^rfcfeeinlicft 3ucr(I in bic fpanifdS)e. Die fpanifd)C
^irc^e Jat überhaupt mand;eö früher ton ben 9}?orgentdnbern
angenommen, öI^ bie übrigen occibentalifcfeen ^ird)en : (^ou?
flaut '"0 bat 6iet)on ein S3cifpiel ön bem conjTantinopolitani^
fd}cn (Epmbolon gegeben, ba^ fd;on in bcm crjlen (^anon ber
brittcn 2!olcber ^t)\\oht für alle fpanifc^jc ^ird)cn t>erbinblid)
gemad^t würbe, hü ben übrigen 2lbenbldnbcrn aber erf! fpdter
allgemeine^ ülnfe^en befam«
Da in ber 3pborifcfeen Ueberfe^ung bie canones aposto-
lorum nid)t angenommen finb, nicfet einmal jene fünfzig, t>it
Diont)^in feine Sammlung aufgenommen Jatte; fo Jaben t>U
©panier nicfet erfl fcib(! ben £aobicenifcl)en €anon aui bem
2lpo(Iolifc&en fupplirt, fonbern jie Ratten eine griec^ifcbe S^an'Of
fd)rift, ttjo biefeö fd)on gefd;e5en war. (£d;werlid) aber ijt
biefer ^ufal^ alter, aH auö ber Ic^tern ^?dlftc be^ (i'ebenten
Sa^rbunbert^ , benn alle ^^ugcn öuö bem fec^^ten 3a§rbun^
bert füib nod) gegen bcnfclbcn: iO^artin t>on S3raga lebte nod)
um ba^ 3abr 672: unb bag gcrabc ^a^ Q5ud) ^iweggelafffn,
*) Praefat. ad T. I. Epp. Rom. Ponlificum. n. iSg.
124
ha^ t>ort ber bcfanntcn fed^^rcn ©i;nobe bcmorfcn Wüxbc,
fd;cint a\va€ me^ir, aU bfogcr ^wf^^^l 3" fc9".
Der Saobicenifd)c (laiiou Jat a(fo nlc^t mcjr 2lu!toritat
aU bei* fuiif unb ad^r^igilc 2lpo|ToItfd)c, bcnn er ijl bloß
eine t>crdnbcrtc 2(u%abe bejTclbeu: üon wdd) geringem 2(u»
feften ober eben biefer apoftolifd^e (^ancn fei), ij^ I)ier !Üd)t
ber ^rt 511 beweifeii. ©0 J^icl ober erhellt- au6 bem dd)teu
©tucf M 2aobicentfd)en (Eanonö gaii^ getrig, ha^ man ju
ben 3<^iten biefer @i;iiobe Doii bcn fanonifdjen ^ud;evu
beö eilten unb neuen Zi^amcwt^f aU ton einer tollig hcf
fannten <^ad)c, fprac&. ©enn bic £aobicenifcl)en 53dter nicl?t
für öUgemein befannt önna^men, nja6 für @d}riften !ano^
nifd; fei;n, wie tE)orid;t unbejltimmt mxc i^r @d)litf»
§. 18.
(5inen traurigen $8egriff ton bem fritifd)en SöertJ al^
ler unfrer allgemeinen ^oncilienfammlungen, mug unö biefe
genauere Untcrfud)ung beö öoflen £aobicenifd)en (Sanon^ ma-
4)en. Wlan ^at mit ber ncuejien 5}knftfd)en ©ammlung fec^ö?
5c^en 3luögaben ton allgemeinen (Soncilien^ ©ammlun^
gen, unb o^ne baöjenigc, ita^ 23aluie, ^artenc u. a. noc^ ha
fonberö aU (Supplemente nad)gctvagen l)aben, ^ttblf ton
terfd)iebenen (^elel;rtcn beforgtc (Sammlungen.
Unb in allen bicfcn ijl fein 2öin! gegeben, ber un3
irgenb ^u ber ^ermut^ung bringt n fonnte, t)a^ biefer £ao?
biccnifd)e (5anon undd)t fei;. 31^ eö aber aud) in bm ^xä\t
tcn eineö einzigen ^anneö, ttiid) unb awan^ig Solianten
fritifd; ^u berid)tigcn? (5in QBer! mehrerer Sa^rc itdvc
cö fiir eine (Kongregation be^ i). '»OZauru^, befonberö ta nod)
fo tiele ganj unbenu^tc ^?anbfd)riften in ben ^^ibliot^cfcn
terborgen liegen. Äird)engeograptie unb ^ird)engefc^)id)tc
125
lind; if;rcra ganzen Umfange ivurbcn Riebet unenblid? gc=
binnen, unb unfre ©trcitigfcitcii mit ter romifcften ^ird^e,
bci-bcncn cö fo oft auf ble Sefcart ober 5IutJeuticitdt ciiie^
(5auon6 anfommt,* irürben ml aufgeÜärter unb genauer
feiDn. $\i bcbauern ijl, t)a^ ttjenn audj) Jic unb ba in neu^
ern SSBerfen einige <>ltc Idngj!5ergebrad)te 5i}?einungen beric^s
tigt jtnb, biefe 25eridjtigungen oft fo ^pät in bie aUgemei«
gangbaren @df)rlften, in @t)(lcme unb ^ompenbicn eingerückt
werben. Slllein nad) ben S'ntbecfungen, bie in ber oft an»
geführten SSaUerinifcfeen Dijfertation öemad)t ftnb, würbe
t>k Q)efc^id)te be^ dttejlen !anonifd)en fRtd)t6 eine ganj ön*
bere (3t^alt befommen, aU <te gew&Jnlicf) ^t; befonber^
wdre ju wünfc^en, ^a^ alle^ t)a^ DZeue, tt?aö in SInfeJung
ber 3fiborfc()en Ueberfe^ung in berfelben gezeigt ijl, i^dge^
mein befannt wdre.
126
IV.
^ntifd^c Untcrfuc&ung 5er ©arbieenjtfdf^eit
t)ie Öefdbid^te ber ©arbicenftfd)cn @t)ni3be unb i^rcr
©d)(ufl"e \\l in ber gönnen ^ird)en3cfd)tc^tc unb in bem dtreni
fanotiiWcu Siecht tJDii ber grbgren SSic&rigfett. gafi jcbcr
^ertjeibiger ber grei^eiten ber fran^oftfdben^^irc^e, jcber, ber
jur 2Ibfid)t f)attc, bcn jtufennjeifeu Sßadjet^um bee rt)m{fd;e«
^ominatö ju jelgen, fommentirt über biefelben, unb fucfct bem
Einwurf aü^i\xmid)m, n?eld)cn bic ^urialijlen getro^nlic^ öuö
bem vierten unb ftebenten ^anon'«'*) biefcr@i)nobe Jerne^men.
*) 2luö s))?eitfer« ©efc^ic^t^forfc^er Xf)^il 4. ^«tte 1^77.
**) ®ie SBorte, bie I)ier ImptfWid) tntere§iren, ffnb folgende:
9lUÖ bem britten Nation: Quodsi aliquis Episcopus adjudi-
catus fuerit in aliqua caussa, et putaverit bonam caussam
se habere, et petierit ut iterum Judicium renovetur; si
placet Omnibus , ut sanctissimi Apostoli Petri memoriam
honoremus, scribalur vel ab bis qui examinarunt Judi-
cium, vel ab Episcopis qui in proxima provincia moran-
tur, Romano Episcopo; et si judicaverit, innovandum esse
Judicium, renovetur et det judices. Si vero probaverit
lalem caussam esse, ut ea non rcfricentur, quae acta sunt ;
quae decreverit Romanus Episcopus, confirmata erunt. Si
hoc ergo Omnibus placet, staluatur. Synodus respondit:
Placet.
127
gfi^Ibar jlöv! ifl frciltd) bicfcr (Jinirurf für jebcn, bcr 5lu!to^
ritiU bcr ^oncilicn öiinimmt ; unb bod) ^af ^ etiraö mit ber
5?icrarc^ic be^ i^iertcu 3a6rf;unbert^ fc^r n>lberfpred)cnbc^, bag
bcr 25ifcl)of DDti 3fiom in Dingen, bic nic()t in feiner ?)romn|
t)Dr3ingen , 9tid)ter fet)n foKc, ^o^ war bamalö ba^ ains^
Can. ly. Gaudentius Episcopus dixit; Addendum, si placet,
huic sententiae, quam plenam sanctilatis protulistis, ut, cum
aliquis Episcopus depositus fuerit eorum Episcoporum ju-
dicio, qui in vicinis locis commorantur , et proclamaverit
agendum sibi negotium in urbe Roma, alter Episcopus in
ejus cathedra post appellationem ejus^ qui videtur esse de-
positus, omnino non ordinetur, nisi caussa fuerit in judi-
cio Episcopi Romani determinata.
Can. VIJ. Osius Episcopus dixit : Placuit autem , ut si Epis-
copus accusatus fuerit et judicaverint congregati Epis-
copi regionis ipsius , et de gradu suo dejecerint eum sl
appellasse videatur, qui dejectus est, et confugerit ad bea-
tissimum Urbis Episcopum, et voluerit se audiri ; si juslum
putaverit ut renovetur axamen, scribere bis Episcopis digne-
tur, qui in finitima et propinqua provincia sunt, ut ipsi
diligenter omnia exquirant, et juxta fidem veritatis defini-
ant. Quodsi is qui rogat iterum causam suam audiri, de-
precatione sua moverit Episcopum Romanae Ecclesiae, ut
ex lalere suo presbyterum mittat , erit in ejus potestatd
Episcopi quid velit et quid aestimet ; et si decreverit mittendos
esse, qui praesentes cum Episcopis judicent, habentes ejus ^uc-
toritatem, a quo destinati sunt, erit in suo aibitrio. Si
vero crediderit sufficere Episcopos provinciales, utnegotio
terminum imponant, faciet quod sapientissimo consilio suo
judicaverit.
eö mxc bei ben farbicenfifc^en ©a^ungen fe^r i5b<;rflüflfig ge^
wefen, ben grtec^ifdjen Zext ^erjufe^en, bean l)6cfcjt nj»I)rf(^etn=
üdi) i(t ber lateinifdje fo gut Original, aU ber griec^ifc^. 9ii=
d)ex (Histor. Conc. gener. p. 47), I)atte alfo ntc^t füllen hie
Ueberfe^ung be^ ©rattan ^eroetö brauchen, fonbern fte lieber
au^ ber «Sammlung be^ 2)ion9ftu^ nehmen. 2)er tot, fo
wie er I)ier abgebrucft i|t, i(t au^ ber fcgeaannten pHwa, luie
fie \>o\\ ben iöallerini im britten 'iU^ül ber 2Berfe *eo bei
©ro^en DoUflanbig Ijerau^gegeben mürbe.
128
fe^en bcr9)i'Ot>inciaI:€oiictIien in feiner t)t>IIigen ©tdvfe: nod;
war ieber 53ifc^of fo gut aU ber andere ; jebcr ^atropolitan
i?on bem önbern unabhängig, unb ber Jüd;|Ic 9iicl;terftu()l, a\x
ben niön ftc^ ti^cnben i^onntc, njar— bie ©encralfi;ni?^e. $!dgt
ft* ie etivaö ^ij^oriW beiticifen, fo ij!'^ biefe6; unb bocfe un*
gefd^r jwan^ig ^a^xt tiad^ ber großen nicdnifdjen ©pnobc ,
tiad) ber (Si)nobe, burc^ beren (5d;Iuffe'"') obige 8d^e red)t
t>oll!ommen befrdftigt würben , foll auf ber farbicenfifd)en 58er#
fammlung ein ©d[?Iug feflg^e^t «jorben fei;n , ber \ia^ gan^c
arijio!ratifc|)e ^irc()cmDtegiment in eine SKonard)ie bern?an»
belte.'"^0 ^"* ^^"" wir nac^ benjenigeu SSegeSen^citen
urtjeilen, vreld;e jtd& nad) ben farbicenftfc^en ©d)IujTen ju»
trugen, fo ftnb fie hü weirem nid;t fo befc^affen, ha^ man
glauben f 5nnte , ber 3nl;alt biefcr ©d^Iufe fet) wirHidJ) in
Sluöubung , gebrad)t worben. Qlocö im fünften unbfec^^ten
Sabrjunbert war ha^ ^Regiment ber .^ird)e me^r arijIoFra^
tifc^ aU monard)ifc^, unb ber S3ifd)of ^u 9lom war blo§
t>a^, wo^u if)n gebroniuö je^t gern wieber mad)m n\hd)tc.
SßJaren benn alfo bie farbicenfifc^^en ©c{)Iufle feine ©c^Iuffc
einer allgemeinen Äirc^ent)erfammlung? unb bod; flehen jTc
hl bctt' dlteften unb bewd^rte(!en codicibus canonum: ober
terftunb man ftc bamal^ gan^ anber^, aU fie t)on ben (5u<^
riali(I«t crHdrt werben woKen? 2öeil biefeö nid)t bie
*) Can. 4. 5. 6. 7. nad) bem ®riecfeifcfcen.
**) 3c^ J««n^ ^iß mancherlei Srflärungöarten biefer wic^tigett
farbicenfifcben ©c^IüfiTe Ufit tuo^l: tcb ^«Ue aber, ivaö id?
I^ier fage, nicbt fomo^l für ben unmittelbaren @inu, al^ für
eine not&iüenbige Jolge berfelben. S^ ifl aud? nac^ ber ge-
Ünbeflen ©rfldrung immer bic(e^ Qemh ba^ bur* bUfe
@*Iuflre bem römifc^en S8if*of fo viel eingeräumt worbew,
al^ mit einer poUfornmenen iUriflofratie unmöglicb befielen
(onnte.
129
^Hauptfragen jTnb/ auf bic id) mld) ^ler cinlaficn luitt, fo
hitticih id) nur bic t)crfd;tct)encn 5Iuön?cge, itjieman ftd) gc*
gen bicfcn dinirurf 5u Reifen fud)t. Einmal behauptet man,
ba^ farbtccnfifd)c (^onciltum fci; fein ©eneralconciHum Qtvocf
fen, alfo aud) nid;t allgemein »erbinblrc^: eine 53crfamms
lung bcr 5Sifc^5fe etlicher ^proüin^en !5nne bk $Sifc()6fc anbei»
rer ^roöiu^cn nid;t t)erbinben* 2lber babei hUibt immer
bod) nod; bic gro^c ®d)it?terigfeit, ta^ fid) fo früjc md)
bcr nicdnifc^en ©t)nobe, bcren ©d^lujTe für alle d)riftndjc
^ivd)cn bei r6mifd;en tRcid)^ ein ©runbgefc^ ttjaren, ba9
iid) Q5ifd)6fe einiger ^roDin^en unterftanben Jaben, ©cljlufe
fejliufe^en, mld)t obigen entgegen it»aren. Unb foUte man
roo^l üon einer 53erfammlung mehrerer ^Ifdjofe ernjartcn,
bag fie fid) einem, ber bi^^er bloß i&rc^ gleid)en n?ar, ber
wie jTc gcrid)tet werben fonnte, freiwillig aU ijrem oberften
Sfiid;ter unterwerfen würben? f9?an fagtj weitend, biefc
farbicenfifcfcen @c<)lufle fcijcn blog prot)iforifd; gewefen, blog
für t>a^ ^ebürfnig jener Reiten, ha ber i?on bcn 2lrianern
fa fejr bebrangte ÜItl;anäfiuö auf feine anbere 2lrt gerettet
werben fonnte, al^ ba0 man bk Berufung auf ein entfcfeciben^
be6 Urtjeilbe« romifc^en ^ifd^ofö gcfegmdgig machte. diid)cv
in feiner Q5efd)id)tc ber ©encraleoncilien ^at biefc 5pf^cinung
weitlduftig ücrtjeibigt, unb aud^ ^?err 5?oriv*0 ^at fid; für
biefclbe erfldrt. Sollte aber md)t burc^ biefc Diftinftion
5wifd>cn proi^iforifc^en unb fortbaurenben ©ijnobalfd^Iufen
öller fid;erer ©cbraucl) ber ^oncilien^ Kanonen aufgehoben
werben? ©ibt'ö einen gcwiffen (Sfcarafrer, biejenige Cano-
nes, wel^e nur protiforifc^ fet)n follten, i^on ben anbern, tk
*) In concordatis natlonis germ. integfis^ tariiä ädclitamenti*
illuslratis. T. IL pag. aS. T. III. pag. 129 — i32.
6pittler*^ fammtl. Serfe. Vfil. m* 9
130
4itf flüc fuiiftigc ^aiv^mx'ocrU gcmad;t trurbcn, 3a nntcr^
((Reiben? Die 5ßater bcr ^arbiccnfifdjc» <gj)nobe brücfcu
pd) gattj o\)\K alle Sinfc^vduhing öu5: if^'ö alfo ntcljt fe^r
njillfüf)rHd; cregcfirr, roenn wir cinfd)ran!en? Uiiftreirig ijT,
baß biefe (£d}lüj|e burd) bic bamal6 gcfd&rlid?e Soge bcr
Umjidnbe bc6 2lt^anaftu^ veranlagt tt>urbcii: aber i(! beim
ölleö nur prot>lforifc^ , \va^ fold}c 3»btt>ibuali?cranlapngeii
J)Citttl @o tt?urben jtd) bic n:id)tigjleu bcr alten ^ird)ens
gefc^c ^intiJcgrdumcn iaffciu Die britte 2lrt, bicfce ^^d^
nomcn ju crfldrcn, ij^ ^wav mcincö ^•rad)ten§ bie n?al)rc|!e^
aber wegen mancher bcfd;wcrlid)en bDgmarifd;en golgerun^
gen för einen ^atftolücn hk unbraud)baifte. ^iTcan fagt
gcrabe^u, c^ voav (I&ifane bcr farbiccnfifdjen ^ödter, auf
^ojUen ber ganzen ^irc^ent)crfajj'ung, auf Soften aller biö.-
^erigen Sivd)engcfc§e i^ren Slt^anafüi^ 5U retten. Daö
pc&er|!e ^ittd voat, t)m S3ifd)of ^u 9iom, t>on beffen djc*
wogen^eit für bie 5It&anafi:anifd}c «Partei fie aum t)or^u6
t)er(tcf)ert waren, burd) S<^ßK^""9 cincö neuen 5llrd;enge*
fc^eö 5um oberfren 9^icl)tcr ^u mad)cn. ^cöer unb £)rtl;o^
boK waren über bie !9?oralitdt bcr SD^ittel, woburct) jTe i^rc
Slbjtcbten au^^ufubren füc!)ten, febr oft gar nic&t be!ümmcrt,
unb aud) bie auf ^oncllien t)erfammelten ^dter b^ben ber
©efcf)id}te mancl)e ibrcr i!Kcnfd)lid;!citen aufiu^eidbnen f)i\u
terlafifcn. ^d) übcrlafe anbern bicfc (Sad)e genauer au^^
cinanberjufc^en, unb cr5rterc einige anbere gragen, welcljc
ta^ farbiccnfifcl)c €oncilium betreffen, unb ha jTe hUf)^v
febr (Ireitig waren, jet^t burd) Äülfe neuer ©ubfibtcn Diel»
leicl)t gan^ außer ^voü\d gcfcßt werben fbnncn. (Jinc 2luf*
fldrung, t>k um fo wichtiger wdre, ha fte über mcrfwürbigc
^erioben ber Äirc^engefcfeic^tc ein große« £ictt verbreiten
fbnnte.
131
T)k cr(!e grö^e t(i: Ööo^cr t)cr Unterfd){eb stutfc^cn bcrt
fart)icenftfd)en ©c^luflien, l)ie wir in ber prisca, in
Sftborö unD I)lont)fen6 ©ammlung Iateinifc() I)aben,
bon benjenigen, ttjeldK in Beveregii pandectis (Tom.
L pag. 482.) unt) in bcn gcttjb^nlic^cn (^onciüenfanim*
lungen 9riccl)ifcf) nb^ebrudft finb? ©ollen (te nac^
einanber forrlgirt ircrbcn? tk lateinifc^c md) ?3or^
fcl;rift ber grtcd^ifc^en, ober umgeFe^rt?
53{e zweite: S}on welcher 2(uftoritdt irar baö farbicenfifc|)e
^oncilium; ungefdbr it>ie ba^ nicdnifd;e, ober hü wzu
tem ntd)t fo önfcftnitcj)? 5Ö3aö lagt <td) mit 1)i^oxu
fc^er ©ett)ig&cit t)on bem Slnfeljen feinet ©c^lüffe nad^
ben t)erfd){ebenen Verloben ber ^ird;en9cfc^id)te unb
nacfe ben i)erfcf)iebencn Sdnbevn fagen? Wlit biefer
Srage ift
bie britte öuf^ genauejic öerbunben, 5Sd§ ijt bie ftjöjrd
23efc6affenjcit beä ©treit^ ber öfrifönifd)en 5ßdter mit
ben romtfc^cn 25ifd;üfen Joftmuö ttnb (^dlefHn? 5Bie
trar'ö m&glic^/ tia^ üon blefcn ein paar farbiccnftfdjc
©d)lufl'c für nicdnifdjc gcljalten ttjcrben konnten?
1. QSom Unterfd)ieb jn^ifd^en bett grted^ifd^ett imt^
Iateitttfd[)ett, farbicenfifdl^en @d;(uffen, unb i^etcf^e
t>on Betben Ortginal fepen*
£)ie 9tied)ifc6crt farblcenftfd;en ©erlöge finbeti fidS
ftid)t nur in S5et)eribge'ö ^anbeften *••)/ ^^ f^^ *wit ^^^<
Ccfeolien beö ?Salfamon> 3onara5 unb ^ri(!enu^ abgebrüht
*) Vol. I. pag. 48**
152
finb, fonbcvn and) in bcr ©ömmlunö, bic S3ifc^of Zil'm^
ju ^ariö i54o in 4* f)iva\l^ab, unb (5{)ingcr 3U Söittcn*
bcrg 1614 iDJcbcr obbrucfcn lieg. 2Iud) Sodann Don Sin*
tlod)icit^ bcr 3u S'nbe bcö fed[)^tcn Söferjunbcrt^ ^atriarc^)
t)Ou ^onftautinopel würbe, trug bicfclbe in feine (Sammlung
ein, t}k man in ber 3u(!ellifd)en ^ibliotjel bc6 fanonifcl^cn
9lec()t^ Tom. IL pag. 6o3 ftnbet. 5[ödre jiatt bc6 minber
braucf)baren Olomofanon beö ^f;otiu^ ©ammlung, bie
nocf) alö !)}?anufcript in ber !aiferlid;en Söibliot^e! ^u 2Bicn
liegt, gebrudt, fo l^dttcn tt>ir einen neuen wid^tigen ^cixQm
3u SSe(!immung ber Sefcartcn ber gried&ifc^en ©arbiccnfifd;en
canonum. gatcinifc^ ^üt man fie boppclt: einmal in ben
gewb^nlid^en €oncilienfammlungen. ^on biefen ift Jier
gar nic^t bie grage; fte finb Ueberfegung au5 bem ©riecht?
fdjen, aud; ber bloße 2lugenfdj)cin giebf^. SIber cUn t)on
biefen gel;en jene fe^r ah, bie man in ber fogenannten
prisca, in Sftborö unb £)ionpfenö '"0 ©«mmlung finbet,
Durd; öUe Varianten ]^inburc{), bie man 5tt)ifd)cn biefen
brei le^tcrn antrifft, ftejt man bocb beutlid), bag fte nur
eine unb eben biefelbe Urfunbe Jaben, aber eine Urfunbe,
bie cinjlimmig t>on ber griecl)ifc^en abgebt, unb ^roax nid;t
nur etwa in einigen Slu^brticfen ober t>ntd) dinrucfung t>on
^arap^rafcn, ober einiger ^ejtimmungen, fon^ern mit einem
fo njid;tigcn Unterfd)ieb, t)a^ bie gried)ifd)e Urfunbc brei
canones nid)t ^at, n?eld)e in ber latcinifc^en jtejen; ^inge*
gen fehlen im Sateinifct)en jwei canones, bie im ©ried;i«
*) 2)a^ fonjl bie Ueberferjungcn ober genauer bie Irtteinifdjen
Urfunbeu, midie in biefen brei (SamnUunflen enttialtett
ftnb, bei ben übrigen ^onctlienrcfelüflfen fel;r uon einanbet
abje&en, unb offenbar alö brei febr ücrfd)iebene Quellen fidj
Setgen, barf i^ al6 befannt uoraui^fe^en.
153
fd)cn |!cjßn, 3Iud) öcr Untcrfc^ieb, ttjori» bie gricc^lfc^e
unb (ateinifd;c Urfunbe in einigen ©cntcn^en ober ©oncu
Don einanber abtrcid;en, fd)cint eine bejlimmte 2lbftd)t 311
i)abcn. 5Qaö 1(1 £)riginal? ©oll bie 9ric(^ifd;c ober bie
latcinifdje Urfunbc forrigirt werben? ^ejr mißlich, bei
iiH'ld;er.tJon l^eiben man eö öerfucfeen wollte.
^ic gried)ifd)e Urhtnbc {at immer öu^ ber ganzen
©cfd)id;tc felb(I fe^r üielc ^ermut^ung^grünbe für ftd;:
Diele ber 53ater Wören ©riedjen, fte befretirten alfo auc^
gried)ifcl&t einige ber @d)Iuflre, bie man in ber gried)ifd)en
Urfunfe f)at, (can. 18 unb 19) betreffen blog eine ^u
X^cAfalonic^ jlreitige 55ifd)ofön?a6l ; foUtcn biefe t^a, wo ftc
bauptfdd)lid) gültig fev)n mugten, allgemein üerflanben mer#
ben, fo mußten fte griec^ifc^ fe))n* Unb menn man annej*
men wollte, ha^ ©riccbifd)e fe» tk Ueberfegung, unb H6
Sateinifd)e t)a^ £)riginal, fo mugte man öune^men, H^
biefe Ueberfe^ung fcbon im fünften S^^r^unbert gcmöcbt
worben fei;, benn Sojann Don 2lntiod;ien bat bie gricd;ifd)
farbicenfifd)en ©d)lujfe in feiner i^ammlung, unb ^mar ojnc
irgenb einige (^pur, ha^ er fte nic^t fd)on fo gefunben Jabe.
Dioni;^ i\\ ber ^Jorrebe ^u feinem codex canonum
fagt, bag er bie farbieenfifd;en ©djlüjfc nid;t Jabe gviedjifd)
ftitben fbnnen, unb \ia^ er alfo bipg bie gefunbene lateini^
fd;c Urfunbe eingeräcft ^ahc» 3lu^ biefcm ^cuQin^ M
S)ioni)fiu^ glaubt §Kid;er ^'0 fejr beutlid; ^u erweifcn, ba^
fie alfo bamal^ uoc^ Qax md)t griec^ifd) eri|lirt Ijdtten, unb
*) HIstor. Concilior. generalium T. I, pag. 98. ed. Colon.
a683. 8.
154
TOO^l erjt t)Ou ^§ottu5 öu3 ©efegciiljctt fcincö 9Zomo!önpn5
fibcrfe^t ttjorbe» fcpcn. Dicfcr mut^ige sßert^eibiger ber
örijlo!ratifd;eu grei^eit t)er ^irclK, ^n-tc fic^ bicemal in fei>
neu beibcn SBevmutöungcn, bcnn Sodann üon 5lutioc^)icn
ijl brei 3a&r()unberte alter aU ^^otiuö, «üb ^^otlu^ 6at
nlc^t mcl;r aU 3o^aiui: auc& !aun überhaupt I)lpnj)fen^
3eugnig nid)t cntfcteibciib fe»ii, beim nja6 er nid}t finbcu
fonntc, ba^ f)at fein ^cirgcnoflTe in ^onjlanttnopcl Q^\)ahu
©0 fle^t a(fQ,,bic SßJage gleidjfam mitteirinne: aufi)eiben
©eitcn aU^, bcivdf;rtc uub tt)td;ti(jc geugen- Die ^örnnt''
lung bcr canones^ wdd^c in bcr prisca enthalten ijl, fallt
6üd;ft n?iU;rfd)cin(td; in^ fünfte 3af;r()unbcrt: bic unter Sfi^
bpr6 Dramen befönnte ©animfung i\i ntd;t \>iel iünger, unb
olf fd;on £)ioni;^ bloß al^ ^rii^atmann feinen codex fam?
meltc, fo ftcf;t man bod) an^ ber ganzen ^'ntfie^ungögc»
fd;id;te bc^'dbcn, baß e^ jjm nid)t ön Ji;irci.d;enbcn ^?ülf^^
mittcln gcfe()lt ^nbe. ^uf ber anbcrn ©eitc-tpirb bie 3lut^cn>
tidtät ber gried;ifd}c^i Urfunbc t^eilö burd) walKfd;einlic^e
53ermurjungcn, i^eilö feurd) bajS ^eugnig 3o{)<J"»ö uon Qiiu
tioc^icn befrdftigt^^^^,J3frr €onfiftorialrat5i 2Bald}, fdlt ,iH
feiner @efcbici[)te ber «fiirc^cnöevfammlungen @. 179. QInm. 3.
t>k latcinifd)e UiFunbc für Uebcrfe^ung unb bie griec^ifc^c
füi;,b<;.§ original: barauö aber laßt ft'd) nod; nid;t cntfcl)eiben,
ob er b^n ^riginaltextt auö ber Ucberfe^ung, ober bie Uebcr^
fe^ung auö bem priginalteAt Derbcflfert tpijTen tt)ill. 2)pd)
fc^cint er nie^r für t)a€ (elftere geneigt ju feijn, »eil er. bic
5lu6gabe bc^ ^Bcücribgc entpftel^lt, unb in feiner Slujcige ber
canones blog md) bcr griecJjifd)en Urfunbe fiel) rid)tet,
©0 t^eilten fic^ alfo aud; biö^er bk 5Keinungcn berjcnigen
SOidnner, hk md) i^ren ausgebreiteten unb tiefen (5infid;ten
tn bic gan^c (^onciliengefd^ic^tc t>or^üglid)c 2lufmcrffam!cit
135
»■
Diene». fRid)cx i^ cntfd)cit)cub für tie lateinifcl^c Urfunbe,
fluci) Dupiii aici)t jtc oor: %alä) bleibt bei bcm griecbi*
fcbeu Zcxu
§. 3.
(Jine meinet SßiflTcn^ ganj neue SScrmut^ung f^ahtn
bie 23aUeriiii in i(>rer i?ortrCjf(icbcn 2IbI;anblung i?ou ben al*
tcn ©ammluiigcn bei* canones: unb eö i)l wivüic^ 3«
rcunbern, bag man nicl)t früher barauf geratjcn ifl, ba
rd} biefclbe alle @d;ancvigfcitcn öuf eine fejr lcid}te unb
htürltc^c Seife gehoben \rerben. (^oiro^l Die griedjifd^e
al§ latctnifd;c Uvfunbe, fagen fi'e, t|I £)ri3inal; erftere ijt
s?on bcn farbicenftfd^en ?Öatcrn nac^ bem ^ebürfnig tict
orienialifd)cn ^ird)e, lel^tcrc wad) ben ^ebörfuijt'en ber occi^
bentalifd;cn ^ird;c cingerid^tet werben 'O^ ^Birllid) ^Ci^t
ftc^ ciiic^ aui biefer angenommenen jpppot^efe ber Unter.*
fd)ieb 3itifd)en ber lateinifc^en unb griec^ifc^en Uvfunbc öoßc
fommen crfldren: benn ber i8» unb 19. ^anon, tvelc^c in
crRercr fcl)len, betreffen blog bie golgen einer 5U S^&efifalo*
nicö frrcitigen 33ifd)of^n?a6l, alfo eine SQ?aterie, trelc^e f&r bie
morgenldnbtfcbe 5lird)en bei tvcitcm me^r n?{d)tig i(t, aU
für bie abenb[dnbifd}e. X)ci^ rtd/terlid;e ^nfcljen, ttjelc^e^
bie gried;ifd)e UrFunbe im fcd)^ten unb ijier^c^nten €anon
bem ^OK'tropolitan jufd^reibt, i|! in ber lateinifd)cn Urfunbe
ber ^ros?incialfi)nobc beigelegt: benn ^u hcii Reiten ber far^
*) 3)ie SBallertni be^nen il)re QSetmut&ung auc^ auf ile top*
pelte sjnodica aixi , njooon bie lateintfite in ben ^ragmen«
ten be^ ^ilariuö, bie grieitifcl)e in Der anDern "^Ipologie M
Qltöanafiuö ftebt. ^rjlere fi'nbet man aucb bei ber alten lo*
teinifdjen Uelierfe^ung ber farbicenfifc^en (gcfelüiJe, welche bie
33aHerini auö einer fel)r alten »eronefifcben .^anbfc^rift int
britteu i^eil ber WictU £?o beöOropen abbrurfen liefen.
136
bicenjtfd;en ©pnofee galt ^war im Orient ba€ ^(nfc^en bcr
'^Qtxo^oütaiu , ober im £)ecibent war eine nod) bei weitem
allgemeinere unt) au^gebreitetcrc 2(ri(lofratie, ©aritm ber
10. m\^ 12. danon beim 3fit)or in ber gricd;ifcfecn Urfunbe
fehlen, lagt fic& |irar nid)t au6 bem bloßen 3nl;alt berfel^
ben fefecn, bcnn bicfer ift fo allgemein, ta^ er gar wo^l
aud; auf bic Pvienralifc^en ^ird;en pa^ni f&nnte: aber eö
fpnnen bod? bamal^ gewiffe £pFalurfac{)en gewefen fcijn, bie
wir ic^t U\ bem ?9?angcl einer rcd;t betaillirten ^ird^cnges
f(^jd;te bct bamaligen Reiten nic^t me^r wiffen, unb btcfc
£ofalurfac^en trafen t>ielleid;t bloß bie ^irc^en be^ £)ccibcnt^*
Ob ber i8. (^ai\pn beim 3j1bor, ben man unterbeg auc^ im
gri^c^ifc^en 2!ert ijermigte, wirÜid) niemals barin gepanben
fet), ober bloß burd) ^^lac^laßigfeit ber ©ammler unb 2lb^
fd)reiber herausgefallen/ ijl nod? fe^r ^weifel&aft: benn t>k
S3allerini ^aUn im britten 26cil ber Sffierfe 2eo be^ ©rogen
(©. 590 — 597.) eine febr alte lateinifclje Ueberfe^ung ber
gried)ifcl)en Urhinbi; abbrucfen laffijn, unb biefer alte Ueber*
feger la^ in feiner gried)ifd)en J?anbfcl)rift biefcn ad)t3cben^
Un (lano\u 53ielleic|)t aud), baß fi'c() bei einer funftigen
genauem ^ritif ber alten c^nones auc^ ber 10. unb 12.
3ftborfcl)e canon im griec|)ifcl)en Zcxt jtnben: fo unerwars
Ut bi? Sntbecfung be^ ad}t3cbnten war, fot>iel mebr S^o^*
«ung macfet un^ bi^fe^, enblid? aud; nod) jene auf^ufinben^
2Il^benn wdre t>5lltg alle ^uufel^eit gcl;obcn, unb e^ wdrc
5Wifd)en ber gried;tfc^en unb lateinifdjcn Urfunbe fein Un?
terfd}ieb mcbr, ton bem man nici)t bic genauefl? dicä)üu
fd[)aft geben fonnte.
I^iefe ©rünbe für bic 23allerinifc()c ijijpotbefe fi'nbcn jtc^
au^ ber bloßen 5ßergleid)ung beö Unterfd}icbö ber gried;ifd;e«
unb lateinifc^en Urfunbe : noö) ftnb einige übrig , felb)l cwi
137
tun ©cfc^ic^tc t>cr förbicenjtf($en (Sttnobe. X^k SSnjaJl bcr
öbenbldnt>ifd;cn SQaUv war, mt ^crr (5onjt(I. fRatJ) ^alö)
bcmerft, hd biefer ?3evfammlung groger, aU bie Slnsöjt
bcr £)ricnta(en: öuö 9?om, 6panicn, ©aUten, Italien, unb
ttjic jic in bem @t)nobalfd}veiben bü i?i(öriu6 unb 5Itta"öft"^
weiter angeführt iDerben, voamx mehrere ^ifd;5fc ba: ber
3wccf, auf Vüdd)cn bie ©ijnobc l^inarbeitete, n?ar — ben
£)ccibentalen bie (^ntfd^eibun^ ber at^anaftanifc^cn ©treitig^
feit in bie Ädnbe ju fpielen: unb boc& tt?ar ber ^auptfi^
ber ©treitigFeit im Orient. Die r5mifd)e ®clt trar bamal^
^\rifd;cn jnjei S^egenten get^eilt. (^onjlantiu^ regierte Elften,
©^ricn unb ^gvpten: (^onjlanj SEijrien, Stauen, ^Ifrifa,
unb bie feinem S3ruber €oniTantin entriffenen q^robin^en,
25ritannicn, (^Jaüien, Spanien, ^ctbe ^'aifer fd)vicben bie ©9^
nobe mit einanbcr auö."^) 5^un erbic^te man fic() ben galt,
iia^ ^arl ber ©r. unb Qlicep^oruö miteinanber eine (St)^
nobe au^gefd)rieben Jdtten : unb auger ber 53erfd)ieben5e{t
ber Ülamen tfl'^ gerabe ber gall, tt?ie bei bcr farbicenfif(^cn
©ijnobe — ber Äaifer be6 ^ccibent^ mit bem Äaifcr be^
C^rientö: -^ n?5rben bie ©ijnobalfc^Iufl'e blog gried;ifc^
ober Mog lateinifi^ abgcfagt trorben fetjn? SSurbc ^art
ober 9]icep5oru^ bie (Bpraö^i feiner Sdnber Jaben bcr;?
brdngen laflfen? Söar eö nicf)t beinahe not^wenbig,
ta^ bk canones in ben ©prac^en beiber 9lcid)e fomojl
lateinifd) in ber @prad)e b«6 IDecibent^, ali gviec^ifd)
*) Sie Träumereien be^ SSarontu^, ba^ ber romifcbe Sifcfeof
Suliu^ biefe ©pnobe jufttmmenbenifen ij(^he, mberlegt bin=
Uidtitnb Pagi Critica in annales Baronii ad a. 346. n. V.
3)te ^eugntffe beö 2ltl)anaftuö in feiner anbern ^ipologie, in
feinem 33rief an bie Ginjieblec, unb t(x6 eigne ^eu^uip ber
farbicenftfc^ett SSäter in i^rem ©pnobalfdjreiben , f(nb ganj
eutfc^eibenb.
158
in bcr <Sprad)e M £)vicnH a&gcfagt wörben? Die farbi=
caififc^c ©i)not)c ijl bte einzige iljvcr 2Irt ^dne bcr fibru
gen grogcn (©puobcn tüurbe ton bcn Üiegcnten ^tucicr t>er#
fd)iebcncu 9ieid;e sugleid; auiSgefdjriebcn: ouf feiner ivar ein
foId;c5 ©cmcii^e occtbenta(ifd;cr unb orieiUalifdjcr ^^dtcr.
Sliif ber grogcn 9^icd«ifd;cn luaren auö bcm ganzen £)ccibcnt
nur imi Q3cfanbtcbcö SBifd;of6 üonS^om unb S^ofiu^ S3ifd)of
t^on (Eorbuba. SScnu eö ölfo aud; Dicllcid;t M^ einzige
55eifpiel feiner, ^rt i|l, bog eine €i;nobc il)re ^d)iu\\c grie#
d)ifd) unb (atelnifc^ ^ugleid; obfagte, unb ^voax mit einem
mcrflidjen wec^fel^weifen Unterfc^ieb; fo finb aud; bic Um=
ftdnbc, unter Jreld;en biefe <Si;nobe gef;alten, ttjurbc, gan^
i)crfd;ieben i?on be-n @d;{(f faleu einer jcben anbern. 3" bem
faifcrlid;en 5ilu6fd)reiben 3ur großen e|5^cfinifd)en <Si)nobe
(im 3a[)r 43ij)-i?3ir^ 3tt)ar aud; beiber fü^öieftdten , fon?o^l
SL^eobofcnö öl^ 93afentiman^, gebßd;t: ober mc i3erfd)teben
tvai; iiid)t ha^ per^dltnig ^\rifd;en Slfccobofen unb ^aUmb
niöii Dün bc-pt p3pvl;d[tnig a^vifd;en (*on|mn^ un^ ^onflantiuö:
lik @t?upb.e ipar^od) eigcnt(id) ^^cobofeuö:5lBerf. ©oUt*
e^ nuu,,nid>t ;na4) ^Itenji be,m>, waß id) bUi>cx gezeigt ^aht,
in tofjem ©rabc^jjlp.rifijt) et?ibent fepn, bag mir ^miM Originölien
t)on ben farbiccnfifd)cn (3Jd)lüjKn, ^aben, bog meber bie latci«;
nifd)c Urfuiibc md) bcr gried/ijc^cn, nod) bic gried;ifd;c nacö
bcr (öteinifd;cn v?crl)e|]ert werben foKe, bag feine üor ber
önbcrn ^or^ug V)crbie4K;* bag ^ur ^oüftdnbigteir bei* 2Ifrcn
biefer ^tjnobe fo voo\)l bic (ateinifd}e aU gricd;ifd)e Urfunbe
gcr)üren. Die S3alfcr{nr Jöbcn Un ^mciß, ber fi'ct) für l>it
@faubtt?nrbig!eit i^rcr /pvpotiKfe felbf! awi ber ©cfd;id)te
ber ©ijnobe fii^rcn lagt, gar ntd)t gezeigt ober entmicfclt:
weil id) aber glaubte, bag bic gaujc 53ermut^ung crft Jier*
burd) me^r ©etrig^cit unb ^id)t gewinne, fo ^abc id) ijn
139
öu^gcfu^rt. 3ft nun alfo bicfc grögc toUfowmcn Berichtigt,
fo traben mv fct)ou eine wid;tige ^rdmtfl*e ju SSeönttijortung
bev önbcrn / tie ttJir je^t untevfuc&eii trollen.
gwefte S^age: SSon tvctd^^r 2(u!torUat tvar ba^ far?
biccnfifd}e Sonctlium? ungefal;r vvie baö ntcdttifd^e?
obev tei weitem nid^t fo anfcl;nttd)? S3Ja6 la^t fid;
tntt {;i|^orifci^et: @en)t^i;eit t)on bem Stufel^en fettter
©d)luffe xxady bm i^^erfd^tcbcnen gerieben ber Ätrd^cnge*
fd;id;te unb itad; bcnj)erfd){cbcneu Sdnbern fagcu?
§. 4*
Diefe gvacjc mu^ fo unpartciifd) unterfuc^t ircvben, öl^
ob fie für bie Dogmatif gar fein 3"tere|Te t)atu* Sütic ©e^
fc^id^tc i\\ buvc^ t)U bcjlanbige 9iüdftd;t öuf Dogmatt! unb
.bogmatifd)e gragcn mef;r t)erit>irrr unö mcjr öcrbre^t worbeft
öld (Eoncilicn3efd)id)te.. ^in ^^rotcil^^nt fann Mit beitt gr5gtc«
3f^cd;t fagcn,- baß e6 für i^n gar fein 3nterefle Jabe, xt>ai
öud) ba^ afiefultat feiner Unterfud)ung fei> Unb wenn auc^
t>ie farbicenfifc^en ^dter ben romifd>en ^ifc^of ju bem ge=
madjt l^dtten, tua^ er in ^fcuboifi'bor^ Dcfretalcn i^, unb
Itecnn bie farbicenftfd)c igwnobe eben ba^ Slnfe^en ge^a^t
Jdtte, olö bie nicdnifc^e : fo binbct'e i§n nid)t, tMi Mt mv*
jebn 3al)rbunberten dnc aufel;nlid}ö 5at)l Derfammelter IBi*
-fcl^üfe befcblojTen batte» 2lber ber Gat^oltfe, er fc^ t?on ber
jffrengcrn (|urlali(lem^örtei ober t>on ben ^Scrt^cibigern ber
^ird)enfrei&eiten/:5at .bei biefer Unterfud)ung enttt>eber ^u
gewinnen, ober un^nblid) mc( ^ verlieren. I5cnn, folltc
tag farbicenfifc^e ^ncilium Sluftoritat eine^' ©cneralcon^
ciliumö Ijrtben, fo lebt mU il)r exid)tcr, Dupinö, gebro^
Hiuffe. Unb finb bie farbicenfifc()cn canones nic^it^ weniger
140
M ©timmc ber ölfgemeincn Äird)c, fo i(! benjenlgcn, welche
bcr Partei bcr ^ellavmine unD ^aroniuffe folgen, eineö ip
rcr (^dvf|len ^iftorifclKu Slvgumente entiiffcn. 5IUe ©ruube
uiib ©cgcngvönbc werbe ic() nidot öufuftrcii, fonbeni imr bic
bunbigften; benn, befpnbcvö bic altern ^uriaüilen JaK'u oft
fo ungefd^tdfte ^pologi^ii unb fo ubcl paflfenbc ^rce^^tionen,
t}a^ cö nid)t ber !DZu{>e «?crtf> mdre, fte an^ufujren oDcr ju
tüiberlegen. ^on ^Öertfieibigcrn ber farDlcenftfd;cn ©»nobc
\vai)k id) blog bic iöallerini, nebil: Söaroniuö wnb S3(llar*
min» 53on if;ren ©egnern ober 5S)?avfa/ ^ic^er unb Dupin.
S^le pdrfjlen ©runbc ber erjleni ftnb ungefejr fol^enbc:
§. 5.
I« ^te farbicenfifd;c ©ijnobe Ijat alle^, wa^ man mn
einer ofumenifc^cn i^ijnobe fobern fann. 25aö 5Iu6fd)rciben,
wobiirc^ bie ^ifd)ofe ^ufammeugerufen tvurben, ergieng an
jöUe SSifc^bfc ber ^I;ri(^enjcit (ober rid)tiger be^ vomifd^en
9teid;.0: eine anfeftnlic&e ^In^af;! 5Bifd)ofe war a«9^3f"* ^^^
Sluftoritdt beö rbmifd)en 23ifd)of^ war auf bemfclben befon«»
berö t^dtig. ©oll burcfe bie €'utweid)ung einer fcftirifc&en
Partie t>on S3ifd;ofcn ein ©enerölconcilium bloß ^ur ^arti^
lular!J@pnobe werben, fo wdrc e^ ja immer in ber Gewalt
einiger unruhigen ^opfe, eine (5i?nobc ^um @cncral:f
concilium werben ^u laffen ober «id;t. S)?ag bic cufcbiaui^
fc^e ^Partei immerf)in ^u ^^ilippopel eine ©cgcnfpuobc ge^
galten l^aben : gieng'ö bi>d) auf bcm ep^eftnifd^en (^wicilium
eben fo, an bclfcn Siuftoritdt ahct nicmanb zweifelt, ungc=
ad;tct bd t>ier5ig 23ifd;ofe unter bcr ^Infu^rung So^ann'^
\)o\\ 3Inrioc()ien fclbjl in ben fOJauren Don (Jp^cfu^ eine &Cf
gcnftjnobc bieten. :
(^0 lange ni4)t bic SScgriffc üon bfumcuifc^er unb uic^t--
l'4l
üfumenifd)er (Spiiobe genauer unt) einmüt^tgcr Bcftimmt
ircrbcn, fo lönge ijl'^ t>crgebllcf) hierüber ju jireiteti. Denn
wer nid)t nur in bte öllgemeine €o«Docat{on feer S5ifd;ofc,
ober in bie ©cgcn\tjart ber patriard)alifc^en ©efanbtcn, fon.»
bcrn in bie öUgcmeine Slnna^mc bcr <^t;nobalfc()(ufi'e ben
a^ten 23egrijf eincö ©eneralconcllium^ fe^t, ber fann öUe
obige ©d^c ^ugebcn, unb bie golgerung Idugnen. 2II^benn
njirb bcr ©treit gemeiniglich bogmatifd) unb Jijlorifct): bö^
ober tvdrc ^icr ^rrccfnjibrig, golglid; trirb jtc() t>k Sßa^rjeit
am (t($erften unb fd;neKjlen ftnben, trenn untcrfud)t n^irb,
wofür man im vierten, fünften unb fed)^ten ^a1)vim\htxt
Uc farbiceuf{fd)e ©ijnobe ge^^alten \)aU: ob für eine allge*
mein Dcrbinblic&c ofumenifc^c ober für eine blo^ partüuldre?
5)3cvtf)cibigcr unb Gegner berfelben nehmen auö biefcn ^ciun
ijre ©rünbe: wir ihxm je^t noc^ allein bie erj^ercn» 5lIfo
2» Slt^anafiuö nennt in feiner anbern Sinologie t>k^
farbicenftfd^c (^oncilium Concilium magnum unb ber fRbm*
25. Sibcriu^ in eben ber @d)rfft be^ Sltjanaftu^ synodum
ex toto orLe coactam. ©oUte man glauben, tia^ gelehrte
fOZdnner, wie ^allcrini '•'), folc^c ©rünbe fic^ erfaubcn fonn^
ten. ^It^anafiud, für ben hk farbicenitfcfeen 53dter fo t>or^
tbeil^aft fprad)en, wirb bicfer ©ijnobe freiließ rujmlid^jl ge#
benfen, unb ta^ fte ben Söeifall cine6 r5mifci[)en 25ifd[)of^
^ahm werbe, baran ^at nie jemanb gezweifelt.
25ei weitem wichtiger ift, Xüa^ fd;on ^arbuin unb dow^
flaut hl ber 53orrcbc au feiner (Sammlung ber pd^ftlic^cn
©(^reiben (col 566. not c.) bemerft Jaben, t)a^ bie «öä/»
'^r ber conjlantinopolitanifc&en ©i)nobc tom Söjr 382 einen
*) V. tracl. de anliquis collectionibus et collectoribus cano-
num ad Gratianum usque. Pp. I. c. 7. pag. 5o.
140
M Stimme bcr ölfgcmeincn Ä{rd)c, fo i|! benjenigcn, tt)cld)c
bcr Partei ber 23ellarminc m\i:> 23aronluffe folgen, eineö il;«!
rcr (!dr!jlen feiftorifcOc» 5lrgumeute entviflfeu. 2IUe ©rünbc
uub ©cgcngröubc trerbe icb nic^t önfuOrcn, fonberu nur bic
bunbigften; benn, bcfpnbcv^ bic dltcrn ^uriaüften JaK'« oft
fo ungcfd^icftc 5(po(ogi^ii unb fo ü6el paflfenbe ^rccptionen,
bag eö nid)t ber ?[)Zuf)e wcxti) W)äxc, fte ön^ufujren oDcr 311
wiberlegen. ^on 53crt^eibigcrn ber förD[cenfifd;en @»nobc
i»d^(e id) blog bic Sallcrini, neb|t ^Saroniu^ unb Södlar*
miih SSoii ifjrcn ©egncrn ober 5Q?itrfa^ diiä^cx unb Dupin.
S)ie |!dr!j!en ©ruubc ber er(!cni finb ungcfejr folgenbc:
§. 5.
!♦ 25ic farbieenjifd;c ©tjnobc J^t öUc^, wä^ man Don
einer ofumenifdjen ©pnobc fobcrn fönn. Dai 2Iu^fd)rci5en,
wobiircb bic ^ifd)ofc ^ufammengevufen tt>urbcn, ergieng a\\
öllc S3if4)5fc bcr ^[;rij^en&cit (ober ricbtiger be^ romifd;cn
S^cic^.O : eine önfc6nnc()e ^lin^aljl ^ifd}6fc war zugegen : bie
5Iu!toritdt be^ rbmifcben S5ifd)of^ n?ar auf bemfelben bcfon^
berö t^dtig. @oU burcb bic €*nttvtid)ung einer fcftirifc^cn
Partie t>on 5Sifd)ofcn ein ©encralconcilium bloß jur ^arti^
fular^@i)nDbc ivcrben, fo trdrc cö ja immer in ber ©cmalt
einiger unruhigen ^opfe, eine (5i)nobc ^um ©cncraf^
concilium njcrben ^u laflfen ober nid;t, 50?ag bic cufcbiant^
fd)e ^Partei immerhin 3U ^^ilippopel eine ©egcnfi)nobc gc^
galten l^aben : gicng'ö bod) auf bcm ep^efinifdA'n (SwKiüum
eben fo, an befcn Sfuftoritdt abc^? nicmanb aweifeft, ungc^
ad)tct bü t>icr3ig 23ifd;of« unter bcr ^nfü&rung So|>ann'^
Don 2Inrio£()ien fcI6(l in bcn ÜiJ^auren i)ßn ^p^cfu^ eine &Cf
gcnftjnobc hielten.
^0 lange ni<^t bic Söcgriffc t?on ofumcnifc^cr unb uicf)t'
l'4l
ofumeiiifd;cp (Stjnobe genauer unb einmutjlgcr bcftImmC
TOcrbcH; fo lönge ift'6 t>ergeblicf) hierüber ju jlrciten. Denn
wer nid)t nur iit bie allgemeine €out>ocatton t)er S3ifd)bfc,
ober in t)ie ©egentravt ber patriör(t)alifc^en ©efanbtcn, fon^
bern in bie allgemeine Slnna^mc ber @i;nobalfcl)lüffc t^m
deuten 25egriff cineö ©eneralconcilium^ fe^t, ber !ann alle
obige ©d^c zugeben, unb bie golgerung Idugnen. ^l^benn
wirb ber ©treit gemeiniglich bogmatifd) unb ^ifforifc(): ba^
aber wdrc Jicr ^rrccfwibrig» golglid) wirb jtc() bie Sßa^rjeit
am jtd^erjlen unb fcl;nelljlcn ftnben, wenn unterfud)t wirb,
wofür man im vierten, fünften unb fec^öten SöJrJuubert
t)k farbiceuftfc^e (Sipnobe gehalten ^aUt ob für eine allge^
mein üerbinblic&e ofumenifc^e ober für eine blo^ partüuldrc?
^crtjcibiger unb ©egner berfelben nehmen au6 biefcn ^ciUn
i§re ©rünbc: wir ^bren je^t no($ allein bie cr|!ercn. Sllfo
2» SIt&anafiuö nennt in feiner anbern Slpologie \ik^
farbicenfifc^e (Eoncilium Concilium magnum unb ber 9t5m*
S3. Siberiu^ in eben ber (Sd)rfft be5 Sltjanajtu^ synodum
ex toto orbe coactam. ©ollte man glauben, H^ gelehrte
fÜidnner, wie ^allerini '-'), folc&e ©rünbe jid) erlauben fonn^
ten. ^t^anaftud, für ben bie farblcenfifcfeen S3dter fo t>or^
tbcil^aft fpracfeen, wirb biefer ©ijnobc freiließ rü6mlid)(! ge#
bcnfen, unb \)a^ fte ben SSeifall eineö rbmifc^en 25ifdS?of^
Jaben werbe, baran f^at nie jemanb gezweifelt.
23ei weitem wid)tigcr ift, xcai fci[)on ^arbuin unb (Sou^
flaut tu ber 53orrcbc ^u feiner «Sammlung ber pdpftlic^en
@4)reiben (col 566. not c) bemerft Jaben, bag Vit ^ä^
Uv ber con|lantinopolitanifc&en ©tjnobc i)om 3a^r 382 einen
*) V. tracl. de anliquis collectionibus et collectoribus cano-
num ad Gratianum usque. Pp. I. c. j, pag. 5o.
144
eine govtfc^ung t)et ^iföiiifd)cn ober für ein neucö, Don iencr
unab^dn^iöc^ €oncilium öujufc^cn feio»*^) 25cm ^apjl
Sodann I09 öUeö Uran, eine ^eja^ung bicfer gragc ^u er*
galten, bcnn ijm wdre baburc^ gleic^fam fcf)on sunt Q3orauö
feine brcifac^e ^ronc öerfid;ert gcnjefen. (^r voav ber DIöc^^
folger bc^jenigen ^ap|Ie6, beu bie :pifanifc()cn «ödtcr ern^d^It
Rotten: nun konnte ölfo ba6 co(tni^ifd;e ^oncilium if^m nid;t
entgegen fin;n, wenn e^ fid) gfeid; önfangö erüdrt ^dtte, blog
baö SBer! auö^ufü^ren, treld;c6 t)ic pifanifc^en ^Bater ange^
fangen. Denn ber tra^re ©inn biefer ^'rfldrung tndre aU^
bcnn gewefen — blog t)k Slbfe^ung ber beiben ©egcnpd^jte
©regorö unb S5enebi!t^ ^u i^oüfu^rcn, 2Iuö alUm bi^^erigcu
erhellt nun fomel, M^ eö in ber Äirc^engcfc^id;te gar feine
frembe <Bad)c ift, tvenn ^wei 53erfattimlungen , bie and) in
jiemlic^er ^eitentfcrnung bon einanber gehalten n?urbcn, aU
3ufammenl;dngenb angcfejen ti?crben, t>a^ mvUid) oft bie fpd*
ter gehaltene, biejenige, JDctc^e bloß aU gortfcgung angcfc^en
werben folle^ unter bem Flamen ber frühem, b. u berjenigen,
beren gortfel^ung fie fci)n folle, angeführt wirb: unb al^benn
t(l auc^ M^ gewig, ^vod (^oncilien, t)k ftd; xiok Einfang unb
gortfe^ung gegen einanber uer^altcn, muffen ton glcicl^er
2lu!toritdt fei)n. ©oKte t>iellcid)t je^t obige golgerung mcjr
Deutlid)feit unb me^r SBaJrfd^cinlic^J'cit Jaben, ali fie bem
crjlen Slnblicf nacö I;atte? SlBenn cö gewig ijl, ba^ bie Qllteu
bfterö (auf ^k ^engc ber ^Beifpiele lommt Jier fe&r i?iel
ön) \:>k farbicenjtfd)en ©cfelöffe aU nicdnifdje angeführt Jaben,
fo ijl groge Sßa^rfc^einlic^feit, fte Jaben ha& nicdnifc^e unb
farbicenfifd;e ^oncilium aU cincö angefejen. @a^cn (Te
0 @. ^etrn donfiflorialrat^ SQaW^ miUjim &er Äirc^enwr«
fammlungen. ®. 810.
bcibc al^ cineö an, fo muß id) jugcbcit, baß fic bcibeu auct)
glcid;c ^2Iiiftovitdt beigelegt; fo ift ein Jpauptfal^ t)cr fuvialifti^
fc()en ^>artel erliefen. 2Ilfo nun ^ur Untcvfucl)ung , ob e^
folc^c 25clfpie(c gibt, iro fcjvblcenfifd;c (gd;lujfc alö nicanifd)e
angcfuf;rt irevDen, ob biefe 25cii>ielc fo finb, bag fic bereifen,
unb ob fic für ein fo wid)tigc6 gactum in gcnugfamer ü)2enge
Da fiub. 3c^ t&citc X>k ^eifpielcin ^(aflfen, um i^ven SßevtJ
befto getvifler beurt^etlcn 3u !6nnen: t>a^ blo6 foId;c beweis
feub jTnb/bic öuö bem vierte« Vi^ neunten S^Wunbert gc^
nommen ivorben, ücrjlc!)t ficf) Don felbft.
2)ic crj'te klaffe cntl)d(t Xik ^a\o^m^t ürientanfd)cr
®i)Moben. 2)icfc finb DoUfommcn ben?eifenb, benn orien^
talifd;c @i;nobcn werben nid;t M 2(nf;dnger be6 r5mifd)cn
33ifc^of^ t>ermut^et : ' i()r 3»^"Ö»i6 ^^^^'ß Ö^Ö*^" ^^^^ ^^9"^
9^cd)te; alfo fe^r bunbig: unb ba man überhaupt im
Orient, n?o \>[t Partei beö SIriuö unb d'ufebiuö weit (Idrh'r
war, al6 bie Partei be^ Slt^anaftu^, t?on ber farbicenfifd)cn
@i;nobe gar nid;t uortbeil^aft benfen fonnte, fo würben ji0
alle Umfldnbe vereinigen, um biefc^ 3<^"9"iß ^'^^f Jjollfom^
mcn beweifenb 5u mad;en. ^parbuin, ^oujlant unb bic S3aU
Icrini glauben wirflid) ein fold}e^ 3^'"9"^ß gefunben ^u Ija^
ben. ©Icic^ \>c^^ 3al;r nad) ber berühmten antimaccbonia*
«ifcf)en ^ird)enüerfammlung famcn faft eben biefelbe ^i^
fd)ofe, weld>e auf biefer waren, nod) einmal nac^ ^onjlanti*
nopel ^ufammen. ^iel(eid;t wollte i^nen ber ^aifer 2&eobo^
baö @d)reibcn mittjeilen, woburd; fi'e ber S5ifd;of t?on Olom
ju einer allgemeinen 3"f^*"»^<^"^ii"ft »ac^) ERom einlub, unb
wenn 5U biefer r6mifd)en ©i;nobe Dcputirte im O^amen ber
orientalifd)cr ^rdlaten gejen füllten, fo fonntcn biefe freilict?
©pitrier^ fdmmtl. 5öerf^ Vlii. gst». lo
146
nic()t anberö aH auf einer @i)nol)c gemd< werben. X:k
^^evrlcl)tunc^cn biefcr ^weiten conftantinopolitanifcfeen 5ßcr*
fammlung mögen nun aber gewcfcn fet)n, i\?eld;c ftc
moUcn, fo ^at un6 X^eoborct (bist eccl. L. V. c. 9.) ein
fi:5r mdjÜQi^ @i;nobaifd)rci(>en üon berfelben aufbehalten,
au6 n?elcl)em folgenbe ^orte lieber ge:b&;Veii: De admini-
stratione autem singularum Ecclesiarum, cum yelus,
uti nostis, lex oblinuit^ tum sanctorum Patrum in Con-
cilio Nicaeno decisio, ut videlicet singularum provinci-
arum antistites unacum finitimis (modo ipsis ita visum
fuerit) Episcopis ad Ecclesiarum commodum habeanl
ordinationes. 9lun beißt ber nitdnifd}e €anon, n?e(d)er
t)on ben £)vbinationen banbelt, bIo6 fo '-O* Episcopum
oportet maxime quidem ab omnibus, qui sunt in pro-
vincia, Episcopis ordinari. Si vero boc difficile fuerit
sive urgente necessitate sive itineris longitudine, cerle
omnino tres Episcopi in unum debent congregari, ita
ut etiam ceterorum absentium consensum et sentenlias
per litteras teneant, et ita faciant Ordinationen!. Pote-
stas sane vel confirmatio pertinebit per singulas provin-
cias ad Metropolitanum.
^pingcgcn ber favbicenfifd;c Sanon, ber ])'kU^ öcbbrt,
lautet folgenbeimagen '"'^0 * Osius Episcopus dixit: Si eve-
nerit in una provincia, in qua plures sunt Episcopi or-
*) V. Codex canonum eccJesiasticorum et constitutionum se-
dis aposlolicae, in III. Tom. Opp. Leonis M. Ed. Baller.
pag. 5o.
'^f) V. cit. Tom. .tertius Opp. Leonis M. pag. 591. WO eiwc
fcf)r alte lateinifcbe lieber fei.^unß Der farD. @cl)lit|Te \tcljt. 3m
®rie*ifd)eu iflMefer (^^anon ber M^te, beim S^ionn^ m\\>
3riJ)or ber fünfte.
147
dinandi^ unum Episcopum remanere, et hie ob quan-
dam negligentiam noluerit convenire, et (consentire)
ordinalioni Episcoporum 5 plebs autem conreniens ro-
get fieri ordinalionem. Episcopi: primum oportet eurn,
qui remansit, per litteras primatis Episcopi provinclae
hoc est, metropolitani, commoneri^ <juod populus petit
sibi pastorem dari: aestimo oportere hunc exspectar^^^^
ut veniat; et cum eo fiat ordinatio. Si autem neque,
per litteras rogatus advenerit, nee scripserit : satisfiei i
populi voluntati debet, et rocandi sunt de vicina pro-
vincia Episcopi ad ordinationem Episcoporum. 53ou
Rnitimis Episcopis ftc^t alfo ind)t^ im canone Nicaeno ;
^imgcgcu im Sardicensi. ^lllfo muffen bic (^onftaiittnopolit.
^dtcr bicfcii farbiccufifd;cn (^anon bei (Eitirung cincd niaif
«ifd;cn gemeint ^aben. golgenbc (^rünbc i?erl;inbern mid;,
\>k\cv i)??etnun3 beizutreten.
1. "Sft ind)t au errccifen^ baß bie (^onftöutim ^ätcx
in il)rem ©i;nobaIfd;reiben ben (^anon, tuorauf ftc ^icU
Uli, vohvtüd) gcuöu önfüf)ven iDoüten. ÖBav e^ aber ibrc
5Ibfid;t, iijtt bloö feinem iSinnc nad) ön3ufül)ven^ fo muptcn
fte beinahe ba^ ©ort finitimis I^ineinfet^tn. Um bic
Süeifefoflcn ^u crfparen unb bem ianc^tii Sluffc^ub ber Dvf
binationen ab^ujelfen, erlaubt ber t>ierte nicdnlfd)e (^anon,
ha^ e6 funftigf)in an brei ^ifd)üfcu genug fei)n foUe, burd^
welche bic Drbination gefd)ebe* 25ag man unter bicfen breien
bie brci ndcjjjHicgcnben t>crftef)c, ergab ftc() ja au^ bem gan«»
3cn '^ii^ammaiiaiiQ , unb bcfonberö auö ben angegebene»
Urfad;en.
2. 3n bem Zitate ber (^onjtantinopolit. ^dtcr ^eij;t e<5
finitimis Episcopis: im farbicenfifd^cn dmon aber de vi-
cina provincia Episcopis. ^wd ganj t)crfd>icbene 2^ingel
U8
€^ wdrc bic {)c>d;fte 9^ad)lagi9fcit im ^itircn, ttjcnn in bcm
<S»not>alfd?rcibcn roirÜid) bcr farbicenftfdjc (Janon angeführt
fe^n foUtc. ©c^r ofr war ein Episcopus ricinae provin-
ciae nid)t6 weniger aU finitlmus, unb tnand;cr S3ifd;of
^attc gar feine onberc finitimos öIö Episcopos ejusdem
provinclae. SBenn f\d) alfo auc^ ber im @V)nobalfc^reiben
angeführte (5anon nirgenb^ fdnbe, fo fanu er boc^? fein \atf
bicenfifc^er (ianon ^cr)iu
3. Die Berufung ber 33ifc^üfe einer benad;bartcn ^ro<
öinj iur bifd)bftid)en ^rbination {lai felbft nacl) bem 3n-
5ölt be^ farbicen(tfd)en €anon^ blol in einem einzigen, ge=
wig fe^r öugetorbcntlic^en gaKe (latt. i';>ingcgen bie ^oiu
(!antino^)oL ^dter berufen ftd) al^ öuf ein alteö Idngjl
5ergebrac()te^ ^erfommen unb alö auf bie gemo^nlidK or^
bentlid)e Siegel, ha^ bie £)rbination ben benachbarten ^^i*
fd/ofen ge{)bre. Sßeld^er ^ertjeibiger ber farbicenftfc()en @i?*
nobc iat fic^ noc^ jemals unterftanben, gegen bai einmü^
t^igc ^cugnig beö Slltertbumö ^u bcf^auptcn, baß baejcnlge,
waö im 5. can. Sard. in ^nfe^ung eineö gan^ augerorbcnt*
(ic&en gall5 feftgefel^t tt>urbe, fcl)on Idngftcn^ Dörfer ©es
wojnbeit gettjefen fei)? Sffiic f bunte ber farDicenjifd;c ^auon
vetus lex I)eigen, ^a faum Siüan3ig 3a^r, e^' er gemad)t
ttjurbe, auf ber nicdnifc^en ©i)nobe fclbft nad) bem ©c=
ftdnbnig meiner Gegner t)a^ ©egcnt^eil au^gcmad;t wovfcen
war? 3d) will e^ nun gar nid}t weiter entwicfeln, weld;er
niebertrdd)tigcn ^(lüane, ober welcher bebaurenöwürbigen
Unwiffcnfreit bic (^onjlant. ^dter ftd) fct?ulbig gemac()t Jdt#
ten, wenn fte ba^ M orbentlid;c Sieget citirten, wa^ bod)
bloß ganj bcfonberc 23cftimmung für einen bod;ft augeior/
bcnt(id)cn Sali war, ß:ince i^m beiben, entweber (^tifane
ober Unwiffcnbcit, mug man bei i^nen i^wau^fe^en^ wenn
149
mau behaupten voiU, jTc Ratten ^kx bcn farbicenjifcfecn €a^
noii angeführt.
Dicfcö if! böö einzige '^cüQm^, baömön t)on einer oiu
c«talifd?cn @i;"ot)c 5U ftnben glaubte: alfo bleibt für bic
crjle ^(a^Te, tjou bereu 25eifpieleu am mcillcn (Ben3ig(>cit ^u
(soffen tüar, iiad;bcm bicfeö einzig bcigebrad)tc 3c"g"iß n)i>
berlegt irorbcu ift, gar nic^tö me^r übrig.
§. 8.
3ur ^weiten ^(afl*e rechne iä) ^^uö^ific üccibeuta(ifd)cr
©ijnobcn unb cin3elncr occibentalifct)er 53dtcr, nur burfen
ed feine romifd^cn 23ifd)üfc fc^n, (Souftant unb hk S3aUe^
rini ^) geben einige 23eifpielc für biefe klaffe. 3n ben
canonibus Synodi Romanorum ad Gallos Episcopos^ bic
©irmonb ^uerft bcrauögcgeben iat, unb xddd)c man geuici;
niglid) für ein 2Scrf beö ronufd)cn 23ifd)of5 Snnoccn^ I.
Jdir, ungeachtet ^ouftantö fO^einung wa6rfc()einlid;er ift, bag
fie bcm 23ifct)Df <Siricuö Qc\)hxm, in biefen canonibus jtnb
einige 53crorbnungcn unter bem Flamen ber 9licdnif(^cn aixf
geführt, bic bod; @arbicenfifd)e fei;n follen. 3c& ^'t>»nt|: cö
gcrabe^in zugeben, vodi ha6 ^eugnig einer r5nufd;en (^j)#
«obe, befonber^ einer ford)en, t>on tt?eld)er allc6 fp im ^oljcn
©rab ungctvig unb fd;wanfenb ifl, unmoglid; mc^r hf:\mu
fen fann, alö ba^ '^cüqiü^ cincö romifdjcn S3ifd}üfö felbj;.
5lber cö iji nid;t einmal rid;tig, bag baejenigc, xca^ in tik-^
fen canonibus al^ nicdnifd; freist, nid}t eben fo gut au$ t>m
nicdnifd)en aU farbicenftfd)cn @d;(üffen hergeleitet wer-
ben !&nnc. Um ber Äür^c willen, unb mil f)'m bod; bic
*) erflerer T. I. Epist. Rom. Pontlficum col. 695. 696. 2€t^--
tere in bcm obcnangefüfjrten 'irnftat de «niijjuiö can. co!
lect. pag. 57.
150
0ac6c tiic^t Dou 9lcic()cr SSIc^tigfcit i(!, fönn id) Die <BtcU
Un nic^t auöfu^rlid) ^crfc^en: fecmjcnigen aber, bcr fid) bic
^hf)t nehmen mü, bie 58crgleid;ung fclbj! ön^uftcUcn, lucrbe
ic^ ücvjldnbüd) genug fci;n, warn id) fage, baß bie (Stelle
ouö can» 5. n. i3« tteldje fid; auf can. i3, u. can. 2.
Conc. Sardic. bc^te^cn foll, mit gleid) grofjem 9\ed)t au(J
bcm zwölften lucduifd^en (beim Dioup^) hergeleitet itjerbcu
fonne. Can. 5. n, 16. foU au6 can. Sardic. i. genommen
fe^n* €'ö fommt aber bloö auf eine fe^r fd)tcf[id)e un^
uatmlidK d'vndvung ber ©teile an, fo !ann jie ftd) gar
iDo^l auf can. Nie. i5. be^ie&en '0*
5IBid)tiger aU ba6 bieb^vigc tudrc bie (Stelle beö 5?ie*
ronjjmu^ im 84-. ^i'icf an ben Dceanu6. @ie ijr fofgcnbe:
Höc in Nicaena synodo a Patribus est decretum, ne de
alia in aliam Ecclesiam Episcopus transferatur, ne vir-
ginalis pauperculae sociotate contempta, ditioris adul-
terae quaerat amplexus. 25a6 folt nun genau uberein*
flimmen mit can. Sardic. I. Osius Episcopus r^ixit:
Quanto magis mala consueludo nocentlssima est rerum
cori'uptione, ab ipsis fundamcntis eradicanda est: ul
nulli Episcopo liceat de civilale ad aliam civitatem
transferri: hujus enim caussa occasio maniffesta est,
per quam tales tentantur. Nunquam enim potest Epis-
copus reperiri , qui de majori civitate ad mihöräm
ti-ansferri sludeat. Unde apparet appetilionis flagrante
*) (JoujTant unb hie SBrtHertni fagen, im mcämidfcn (Janon fep
\>Iq6 bie SSerfe^unö ber 23ifc&6fe öerbotcn, aber oöue »veitere
(Strafe, al6 ba^ ie^er tt»tebcr ju feiner ^ird^e öcbracfct ivci'--
ben folle. 9?acl? ben biö^frigcn £efearten b^ben fie recijt:
aber iw ber alten lrtteinifd>en Ueberfei,nm^, melcDe leitete pag.
582 IC. brtben abbrudfen lafTe«/ (tebt auebrüctlid) babri; aut
si redire noluerit, xommunione piivelur.
151
modo peruri hujusmodi, et superbiae potius servire,
ut videantur majorem possidere poteslalem. 3d) laugiic
Mcfe Ucberclnftinimuiig gar \nä)t, aber fo lauge fid? eine
gleiche Ucbcrcinftimmung mit einem nicdnifdjcn (Janon fiubeii
Idßr, fo \y^ä^ ido uid)t, voa^ crjrerc bcit)cifcu folL ^?icr i(t
t>er fuuf5c()iitc nicduifd;e (ianoiu Wlctn fc^c, ob iiid;t ^?ic*
voin)mii6 bicfcn gemeint Jaben !5nnc. 3d) fc^e i^n nad)
fccr vetus interpretatio latina f)cr, mcld;e bon ben ^aU
Icriui 3ucr(t herausgegeben würbe: Quicunque nee peri-
culum nee timorem Dei habentes prae oculis, neque
eccle?iasticum canonem seientes, discedunt ab Ecclesia
sua Presbyter! vel Diacones, vel de quibus canon sla-
tuit; hujusmodi nequaquam sunt ab alia ecclesia reci-
piendi^ sed omni eos necessitate debere compelli, ut ad
proprias redeant parochias^ aut si redire noluerint,
communione privari. Si vero audet aliquis alterius cle-
ricum in sua Ecclesia promoviere, fiatre cujus fuerat
non praebente consensum, secundum canones ördinalio
ftxistat infirma.
3c^ füge bie 3fiborifd}e Ucberfe^ung nod) bei, treil bicfc
an einigen ©teilen I}icr genauer zutrifft, unb weil ftd) M^
benn and) au6 ber 5BergIeid)ung biefcr Ueberfel^ung>en geigen
fann, tia^ man nid)t gcrabe^u t)a^ Urt^cil fprecl)en barf,
biefe ober jene ©teile fei) nid)t nicdnifd), ttjeil fie ent\r>eber
nid)t im gr{ed;ifd)en Zcxt ober in einer bcr (ateinifd;en
Ueberfd^ungen nic^t i?orfommt. 9]cd; in feinem biefer aU
teilen ^oncilien ijl hk xvaijvc Sefeart Dollfommen hitifd)
getreu bcflimmt; tt^er alfo cntfcfeeiben n?ill, ob btefe unb jene
©teile Dlicanifc^ ifl ober ©arbicenftfc^ fct), follte erjl btc
lüa&rc Scfcart fefrfcl^cn. 3fiborfd;c Ueberfd^ung be^ funf^
5cf;ntcn 0]icdnifd)cn Canons : Propier multas perlurba-
15U
tiones et seditiones^ quae fieri solent, placuit omni
modo abscidi istam consuetudinem^ si, contra regulam
repertus fuerit in aliquibus partibas e civitate ad civila-
tem transire yel Episcopus vel Presbyter vel Diaconus
vel Clericus.
3ct) 9c|ieje, md)t cin^ufc&en, xoaxnm bie Uebercinflim*
mung 5tt?ifd;en bicfcm i5. €cinon unb bcn ©orten be^ $ic?
voupmuö nic^t fo qvo^ fci?n follc, bog man glöubcii Vonntc,
5?icroin;ttui6 \)aU bei feiner €itcition biefen ^anon im ©c:
bacf)tnif gel;abt. 3ni ©ebad)tnig, fage id): benn er ift
öUegirt, wie nian*^ öu3 bem ©ebdd;tniß gcirof^nlid; tl)wt:
ojne forgfditige S3cibcl;altung bcr 5Borte, o^nc t>a^ ^axat
p^vfljTren unb ©lopiren ju Dermciben. SBie e6 mit öUcn M*
Jcrigen ^eifpiclcn wav, fo ift cd öud; mit ber ©teile öuö
bem ©d)reiben ber Galla Placidia an ben ^aifer Sl^eoboftu^,
n)o jtc Don ben ©efanbten beö romifd;cn ^ifd;ofö, bie rtuf
ba^ (Soncilium giengen, fngte: quod secundum definitio-
nes Nicaeni Concilii consueti sint. 2luf ben bcfannten
fed;öten nicanifd;cn ^anon !ann Jicr gar iroljl cmgefpielt
fcj;n: eö i(I ölfo nicl)tö treniger not^ig, alö ^u ben farbicen?
ftfd;en feine 3«P^«4)t S« nehmen.
§. 9.
IDic britte ^lajTe begreift S5eifpiele, ivefct^e ani iSriefen
ber rbmifd;en SSifdjbfe genommen finb. Q:in romifd;er Ö5i*
fc5)of i(I bicr immer $mc^c in feiner eignen ©öd;c, benn ber
Sluftoritdt feineö(5tu&lö gilt'^, ob t)a^ farbicenfifd)e ^oncilium
t>on gleid;em ^Infc^en i|I <iU böö nicänifc^e, unb bog f{c
baö ^u bef}aupten immer fe()r geneigt geircfcn, f)at nie jemanb
gezweifelt. Ucbcrbicf? Traben fclbft t)ic gefd;id'teften ^crtbci^
biger bcr farbicenfifd)en ©^nobt eine ircit tt?öjrfd;einlict)crc
153
Urfact)c öngcgcBcn, voo^cx c5 fomme, baß t)OU bcn rt>nnfc()c«
$öifd)bfcn incanlfd)c unb farbiccnfifd^e ©d)lüffß bftcrö t>civ
njcc^felt trcrben^ alö bicjcnige i(x, baß man jTe für gleich?
gültig gehalten ^abc. Sft alfo aud) ba^ gactum üoüfommen
rid)tig, baß üonr6mifd)cn^ifcb6fcn bic farbiccnitfd)cn ©djlujTc
aU nicdnifd)c öngcfujrt irevbcn, ja Ratten aud) üdu bcn
S3cifpiclcn auö bcr crf!cn unb ^weiten Äfafl*e einige zugegeben
werben muffen, fo i^ boc^ bie Folgerung falfc^.
53i5^er t>on ben ©runben für bie Qlufrorität ber farbiccn^
ftfdjcn @d)(uj]'e. $Sci ben ©runben wiber biefelbc werbe ic^
mid) nid}t fo lange auf&aften, bcfonber^ ba einer ber fldrfftcn
erjl burd) Erörterung ber britten '^xaQC in fein red;te^ £icf)t
gefetzt werben fann,
§. 10.
5D?arfa (de concord. sacerd. et imp. L, 7. c. 5, n. 5.)
nimmt einen ^?aupteinwurf gegen biefe6 €oncilium bal^er,
weil e^ öom ^pilariu^ unb Epip^aniuö concilium occiden-
talium genannt werbe: alfo fei;'ö feine Q)eneralfpnDbe. 5Öenn
ftd; aud) gegen biefc SD^cinung be^ ^UxU feine cxegetifd;e
Einwürfe mad;en liegen, unb bie Erfidrungen biefer ©teilen,
weld)e üon ben S3allerini gemacht worben (tnb, weniger
S[Öabvfd;cinlic^fcit bdtten, fo folgt boc^ barau6 nicfet^ 3um
9]ad)t6cil biefer ©i)uobe, ha^ ber gr5gte 2l)eil feiner ?8äter
au^ £Jccibenti3lcn beflanb. (2o 6dtte man tk große nicduifd)c
0i)nobe mit gleidjem 9^cd;t Synodum orientalium nennen
fonnen.
2. 5[öenn bie farbicenfifc()e 6t)nobe eben ba& ift, \m^
bie nicdnifd)e, warum ffnbet man fie felbj! Ui ben Sibmcrn
nie unter bie üier große ^pauptconcilien ge^a^lt? S^Barum
wirb immer nur ba^ Dlicdnifc^c, Conftanttnopolitanifd;i:,
154
(fV^iKitiüfd^c unb Öyötcct)bhtfd)c rtngcfujrt? 6cIb|I tn bcr
professio fidei, bic jcbcr v6mifd)c ^ifd;of t>or feiner ^^r^
tinöttou öblcßcn mujltc, ftc^t fein Sßovt i^on bcr farbiccnft*
fd)en (Si;iiobc, ungead)tet alle übrige ©enerakoncilien öufgc?
3a{;It werben: imb bi^ jum €nbc bcö brci^ejnten S^^r^un^
bcrt^ war bod; biefc professio fidei (jlcid)fam ^ansleiformel
De^ romifd^en <Stu{)I^. M\o bii ^u ^nbc be^ brci^e()nrcn
3aI)rE)unbcrt'J bcit man hk farbicenjtfd)e (Si;nobc felbft ^u
9?om für leine ©eneralfi;nobe crfannt, 60 trejfenb bicfcr
Einwurf ;;« fei;n fd;e{nt, fo gibt'6 bod; einen 2(ui3iveg, il;m
3U enti^cljen, SlBic ber ©ricd}c fein quinisextum nid)t
iai)Uc, fonbcrn unter bcm vierten unb fünften fc^on mit
t>cr(tunb: fo ivurbe ha^ (Sarbicenfifd)e öud; unter bem Dli?
cdnifd}en- ücrftanben, X>ic ©eneralconcilien irurben Jaupt*
fdd;lid) hx 9^ucffid)t öuf t)ic ^e^ereien, wcld)c jte anatf^cmö^
tiftrr-en, oufge^a^^lt: mil '^ftlt ber SSann be^ D^icdnifd)en
unb ©arbicenf{fd)en nur W 5irianer traf, fo war eö nid)t
not^ig jebe^ befonber^ anjufü^rcn. 50ian beruft fid) über;
t>k^ auf ben ^, 3u|tinian, bcr a\\ mUxx Dx'tcix ^wcix nur
bic \)Ut ^eneralconcilien anfut'rt, aber bie farbicenfifcftc ^xy-
NObc bed) öeOumenicanl nemic. (Tom. VT. Concil. col,
393.) SJa^ ^eigt ttun freilid), auf ein jM^orifcfje^ gactum
ttitt einer ^?i;pott>efe öutworten, unb ^war mit einer folc&cn,
\>k Im ©runbe nid)t beflfer i\l, aU eine petilio principü.
Denn ba^ ift einmal, btc noc^ üncrwiefcnc ipauptfrage, ob
hk (5arbicenfifd;e <gv)"obc ffir einen fo(d)en 2In(}ang ber Oli*
cdnifd)en ju gölten fc^^. ^iefe 53e3riffe bon Jortfel^ung unb
€*nbi3ung einer (Si;nobe ixcid) 3tt»an3igjd^riijcm 3^^Md;cn»
*> Libcr diurnin Romanor. Pontificum. paris. 1680. 4. pa^
32, 55 — S7.
155
raunt jtiib für hai t>iertc 3al)vr)imbert ml in funftlicl); unb
n?cr tDirb barin ©riinb genug finbcn, 3n?ci (^viioben bcö#
wegen aU (5ine ^u betrachten, wdl fic fid; niit gleichem
Objeftc befd}aftigten, ober n?eil i^re @d)lüffe o^nc Untcr=^
fd)teb nad; cinanber ()tun?eggefd;rtcben tv>orben finb?
3. Dupln In fetner nouvelle Libliotheque des au-
teurs ecclesiastiques '"9 fuf}rt al6 einen ©runb gegfnble
farbicenftfc|)en ©djfuflfe an, ba{5 ftc nid;t in bcm codex
Cftnonum Ecclesiae universae flehen, beu bic ^^alccbonts*
fd;en ^ater befrdtigt l^abcn. ^^icfer groj]c ©eMrtc begel)t
Jier einen geMer, rvdd)cv t?or unb nad) i^m fo un^dljügc*
mal begangen irorben ijT, baß inan bie <Bad)t beinahe für
ganj unftreitig gewiß anna()m, ungead)tct fetbf! ta^ S3ud?>
worauf man ben 3rrtf)um fd)üpfre, ^rdmiffen genug ^n
^'ntbccfung bcr 5[3af;rbcit cntf;ielt. X)k gan3e ^ad)c i(t fur^
Mefe. Suftcll, bcr ftd) um t>a^ diteftc fanonifd;c 9lcd}t fo
«n(Terb(id) J^crbient gemad;t \)at, Qah i6io eine Sammlung
0ried}tfd;er canonum ^erauö, ton xocld}^v er bejauptcte, fte
fet) ber codex canonum, ben man anf ber d?aIcebonifd;en
©tjnobe gebraud)t ^at *"'*): benn begannt ijt, baß man in
ber t>iertcn, eilftcn unb brei^ejnten (Sefficn biefcö Concilii
gcwiflfc canones torgekfen f)at, unb baß befonberö fogar
noc^ bei einigen bcrfelben beftimmt war, bie wie tjicfjlen in
*) Paris i685. 4* Tom. II. pag. 329.
**) 3)a nad) U^ altern ^ufleU^ ^o^e bie tjerfdjiebenen einzelnen
(Sammlungen alter ^ircl)engefe^e, tuelc&e Diefer nac^ unb na*
Ijerau^ijegeben ^atte, »on feinem eoOne «nb bem «Boellu^/
nebft nod) mer)reren jum altetlen fanonifc^en med}t ßcborigen
€*riften, in ber bekannten Libliolheca juris canonici (Paris.
1661. 2. voll, in fol.) ebirt nnirben: fo crl)ielt biefer codex
canonum Ecclesiae universae bm crflcn ^Ma^ IM berfelbeu.
156
l)or jDrbnung fic im codex gca^cfen fctjn "^0* ^^^^ ^i'<Jf
c§ (td) t>oUfommcn, bog btcfe canones tu bem 3u|^cUifd;cu
codex gerabe aiid) bie ndmlld;e Dhimmcrn Ratten: c6 wav
fein ©itnber, t)a^ ftc^ cö fo traf, beim SuffcU Jat feinen
codex gör ntc^t, tvtc man t)crmut6cn foUtc, auö einer ölten
jjanbfc^rift fritifc^ getreu abbrucfen lajTcn, fonbcrn er Ut
feine ^anbfc^rift fo lang gednbert, bi6 i^m öllcd auf bic
91ac{)ric^tcn in ben Elften bcr d)aIccbonifd)en ©pnobe, unb
in mancf)en ©tucfen anä) auf bie collection Dionysü
exigui ju ^a^m fd;ien. ©o glaubte er alfo bcn codicem
Chalcedonensem wUhcx Jergejiellt ^u I;aben. 2Beil 2)ioni)(5
in ber 53orrebe ^u feiner Sammlung melbctc, er ^ahc bie
farbicenfifc^en @d}lüjTe griec^ifc^ nid)t ftnben fonnen, fq,
fd)Ioß 3"fft'K^ ölfo f)abcn jic bamale nocö iiid)t gried)ifc^
erijlirt, alfo ifr c6 bloß Ueberfe^ung fpaterer 3^'if<>'"/ ^^^
man unter biefem 9Zamcn nod) gried}ifd} (»at, alfo it>aren
bie farbtcenfifd;en 0d;lujfe ganj getrig nid;t in bem €obcr,
ber auf ber d)aIcebonifc^en i^i;nobe gebraucht ivurbe. Unb
ba er c6 mit feinen Olummern grabe fo rid;ten fonnte, ha^
bcr fec&^^etintc antiod)enifcöc ^anon ber fünf unb neun^igftc
in ber ^rbnung würbe, (al^ hm fünf unb neun^igften
fubrtc ittan i^n 5u (5f;aIcebon an) fo freute ftd;3uftell red^t
l^cr^Iic^, ha^ er bem Siatö feinet greunbeö, bee bcrü()mten
SaFob !üed)ager, mit fo großem ©lucf gefolgt, unb bie ge?
lehrte 5Bc(t mit einer fo n?id;tigcn ^'ntbccfung bcfd;enft
l^abc. Sßenn nid^t alle biefe 9Zad;vid)tcn au^ Sufttüö eigc*
*) 2ßer bie (StcUcn ^etm nöcfcfeOen mochte, xmb ni<bt gleich
eine (^Ducilienfammlung bei bcr J>anb Ijat, firtbet \ic cxcct-
pirc in Salmon traite de l'etude des conciles (Leipsic
1755. 8.) pag. 214. etc. unb iö ^pertfc^cnö ^tflorie bcs fa:
uontfd^e» Oiedjt^.
157
ner ^ovrcbc genommen xcaun, fo mügtc c^ bic gri)bftc 5}ev<
laumt)ung fd)eiuciv jn?ci ©elcjrten, mc £cd;a6er unb SujIcU
iliib, foId}e ungereimte <Bd)lü]fc beizulegen, alö bei biefem
ganzen 53erfaf)ren gemaci)t Sorben finb. 2Iu^ ben Elften bor
c^alccbonifd^^n @i)nobe erbeut gör ixid^t^ voütcx, a(5 bag iu
bem ^ober, worauf üorgelefen tvuvbe, antiod;enifc&c unb ni*
canifcl)e @cf)(uffe ftunben, unb bag t)u canones in ^iifam*
menbdngenber ^rbnung gefd;rieben irart^n, fo ta^ bcr fcd;ö=
jebntc öntiod;enifd;e aU bcr fünf unb neun^igjle ge^dbft
inirbe. ©ober fonnte nun Suftcü mit ^mi^^üt m\\in^
voai für canones bic erjtcn t)icr unb neunzig tvören? unb
\)a f{c6 bic SInjabI bcr canonum im 3uftenifd;en codex
Ecclesiae universae auf jtt^ci^unbert unb jTcben hdai\]t,
wober njugte er, wie i?icl unb was für canonei im (i^aU
ccbonifd;en codex nacf) ^bem fünf unb neun^igllen ftunben?
X)a bk ganjc @tdr!e beö Dupinfc()en ^inwurfö barauf be*»
rubt, bag bcr 3uftellifcf)e codex canonum wirflid) ta^
fe», wo^u i\)n fein jj)cvau^geber gcmad;t 3U l^aben öorgab ;
biefcr aber blog burcl) ben b«nbgreiflid;iTen ^aralogi^muö
cntflanben ijl, unb bcfonber^ bic Unzulänglichkeit bcr Ur*
fad)C/ warum Sul^ell bic farbicen(tfd;en ©c^lüflfc blog auf
2)ionv)fen5 t>ermeintlic^c Sluftcritdt Jinweglicg, genugfam
gezeigt worben : fo bewcij^ I^upinö (Einwurf gegen bic far^
biccnjtfcl)en @d)lüflc mö)t baö gcringftc. X)er Einwurf, hx
feiner wabren ©ejlalt vorgetragen, würbe fo b^gcn: Sßeil
Suflett tu \icn codex canonum, ben cr ftd) nacö feiner
^böutafte grbgtentbeilä fd^uf, unb für ben €^aIcebonifcf)en
al^bann ausgab, bic farbiccnftfcbcn @d[)Iüffe an^ bcr Urfad)e
m6)t cinrücf tc, weil Diou)?^ ber !leine (te nic^t batte grie?
d)ifd? finben fonncn : fo ftnb biefe farbicenftfd)e (Scl^lüflfc
nic^t ton ber ganzen Äird;c angenommen gewefen.
158
©0 uitftd)er ift in bcr Äird;cngcfcl)ic^tc \^k 5Iuftovirdt
bcr grüßten Männer l (£-6 ij^ traurig 3u fc^en, n?ic ölige«
mein fid} tiefer Sn't^nm Don biefem öermeintcn codice
Ecclesiae unirersae ober codice Chalcedonensi auegebrei^
tct f)at* gloren^ in feiner 2It)I)anb(iuig de origine^ arte et
auctoritate juris canonici , njeld)c im erjteiv ^(>eil feiner
5öerfe ffe^t, mad)te €"iniüurfe gegen bie 5led)t^<:it biefe^
3n|tel(tfd;en codex, bcfonber^ ttjar bcr rtD(3e ^itel beffcl:
bcn mef;reren önftojjig: ober alle i^rc (Einwurfe ntören ent«
iiöeber biege petitiones principii, ober fonjl Don geringer
25ebeutung. 91ur i)m S5allerini blieb bie ^1;re, b'ic gan^e
©ac^e nid?t allein burd; ©rifnbc,'bif aitö 3«ftellö eigner
^orrebe genommen fiub, fonbern öud; burc^ anbere, auf M*
ttfauifd;e j)anbfd)riften ftd; bc^iel^enbe 2lrgumente, in ba^
JcUfte Sic^t SU fe^en. V. Appendix ad S. Leonis M.
Opera (Venetiis l'jSj') P« i« C. i. pag» 8 — ii. X>n
iDid)tigftc (I'inttjurf gegen hk Sluftoritdt ber farbicenfifcf)cn
©d;lüfl'e bcn\l)t auf ber Unterfud;ung unfrer britten grage.
3* 5Ba§ ijt bk Yt>al)xc SQc\d)a^c\xl)dt M ©ttcitö ber
afriEatttfc{;en SSdtet: mit hm xbmx\d)m 23ifd)6fcn ^ofu
trtitö mxb SMcfiiu? ^ie war c§ mh^lid), ba^ t)ou
tiefen ein paax favbtcenfifci^c ©d}Iuffe für «icdnifd;e
ge{;aUen tverben Eomtteu?
§. II.
Urban, ^ifd)of t>on @iffa in D^umibien, cvfommunicirtc
ben ^refbv)ter ^ipmmß, weil er ircgen i?icler groben ?3er#
brechen oerflagt itjorben, unb md)t einmal red)t orbinirt
ivar. 25em dTfommunicirten trdrc tk 2l).'>pellaticn on eine
^roüin^ialft^nobc offen gepanbcn, ober an bcn «Primaten (benn
159
bcr 92amc ?9?ctropoliran ivav in Qlfrifa md)t recl)t gewoljnlicl),
un3ead;rct er and) in afvifanifcl)en (^pnoben ciiugemal i?or#
fümmt); aber t^a fein (^{)arafter mib feine, gan^e ^cbmßaxt
begannt xvav, fo Jattc er iDeniQ 5?ülfe tjon biefcn jn Joffcn.
(^r inanbtc fi'd) ölfo an ben rbmifd^en 23ifcfeof, unb oer«
langte t)on bicfcm.^c^u^ gegen feinen 25ifd;of. ID^nc crjl
Pm Sifc^of- Urban ^u ftovcn, ober o^nc jTd; n)egen ber gu*
Idgigfeit Nefcr ^ppcKation SebcnFcn ^n n\ad)cn , fd)icft
^ofimuö brei Segaren nad) ^ixi^Oi, gauftin, 23ifd)of t>on
^otentina in ber anfonitanifd)cn 'Maxf, ^Jilipp unb 21fell,
^Mod ^redIJV)terö. üluf einer (Spnobe, benn bic (5ad)c voav
i)on 33id)tig!eit, unb @ad;en öon 5Bid;tig!eit trurben ba*
nial^ immer auf ©vnobcn tcvfjanbelr, eröffnen t>k romifc^en
l^egatcn if;rcn ^2(uftrag. ^t betraf i>tcr ^uni^te. i) Die
SIpellationcn an ben romifc^en ©tu()l. 2) X)a^ unnot^igc
Steifen ber ©etitlid;en an ba^ f'aiferlid)c ^oofTager. 3) din
©ei|l[id)er, bcr fid) üon feinem 25ifd;of gefrdnft glaube, foll
fi'c^ an bcn benachbarten ^ifd)of trcnben fonnen. 4) ^if
fd;of Urban foll ba^ ©efc^el}cnc ^urucfne^mcn: wo nid^t,
fid; cntnjebcr 3U fRom ilcUm, ober foglcicl) in Slfrifa cxhmf
municirt werben. (X's war ein feiner ©riff »on S5tfc^of ^o^
fimuö, ba^ er fo ba^ ©ewiffe mit bcm Ungewijfcn, ta^
gan^ unzweifelhafte unb alte mit bem ftreitigen unb ncus
oufgcbrac()ten ju öcrmengen fud)te. Ulm ^weiten ^unlft, ber
t)orgelegt wurbe> jwcif^tc niemanb: baß jlunb gan^ un|Irci<
tig in bcr nicdnifc^en ©^nobc fclbff, freiließ aber !am auc&
in ber farbicenfifcbcn baöon öor. 5lbcr allgemeine^ €r(lau=
neu erregte bcr übrige «Bortrag ber romifc&cn Legaten. 9lad)
bcr bi^^crigen ^ird)cnbifciplin buvftc burc^au^ nicl)t an bcn
benachbarten 23ifcl)of a)>pcllirt werben, aud; wußten bic SBa*
tcY nid;t, mit weldjcm S^cdjte ^ofimuö in einer 6treirig!eit
160
tcr afiüanifd;en ^irc^c \o entfc^cibcnb urtficKcu föune. (Eie
gcftunbcn ifere ^^^cifcl. Die ©efanbten beriefen )iö) öuf ni*
canifc^e ©cl)Iu(fe. 91icdnifd;e @cl;lu|Te? 2)lc öfrüantfdjeu
S>dter ttievfren aUc, t>a^ biefer if;re Sluftoritdt cutfd)eit)eiil>
tudrc, tretl bie tiicdnifd;e 6i;nobc für öUe ^rot)tii5en be6
rbmifc^cu 3^eid;^ gunbamcntalcjefe^ iioar. X)a^ dxcm^ßlav
ber uicduifd^en (Sd;Iufl*e, hit 23ifd;Df (^dciliön ju ^art^ago,
tou bcr @pnobe felbj'^ mitgebracht fiatte, \m\) aufijefd)lagcn,
aber — hin 5Bort war t>on bemjenigen barin, tvaö bie Se*
gaten vortrugen. Dlun nod) erftauter unb wod) 3U''eifcI^after
waren bie ^dtcr: boc§ auö 2(d)tung für hm crimen ^ifd)of
be0 ^ccibentö, unb weil man t)iclleid)t bod) su §Kom ge?
nauere (Jremplaricn t)on ben nicdnifd;en (5d)lüfi'en 6^^^«
fonnte aU in Slfrifa, fo cntfd}Iicgcn fic fid; untcrbeß, h\6
5U genauerer Prüfung, bie ^ropofttion ber Legaten unter cini*
gen. (^infcferdnfungen gelten 3U laffen. Slbcr gicid) 3« 2In^
fang bcö folgenben 3^^rö wirb ein (Seneralcoucilium gc^a[?
ten, um über eine füld;c @ad;c üon allgemeinem S^tereffe,
\y)dd)c ber ganzen »^pierarc^ie mit einemmal eine anbere
gorm geben würbe, be|to rciflid;cr gemeinfd;aftlid) 3U rat^?
fc^Iagen. Die romifd;en Legaten waren felbjt noc^ 3ugegen,
bö bie (5i;nobe ben fünf unb ^wan^igften Wlai eröffnet
würbe. 3^^^^^)""^^^*^ ""^ ft'cb^c^n ^ifd;ufe nod; außer t)cn
jle^^enben Diafonen. ^i^d) ^erlcfung ber Snjtruftion ber
Legaten fam man miteinanber überein, ©efanbtc nac^ €on^
(lantinopel, 2I(eranbrien unb Qlntioc^ien 3U fd)icPen, um t)on
biefen Äird)en beglaubigte (Kopien ijrer nicdnifd;en ©cj^lüffc
3u erhalten.
S3efonberö wichtig war ta^ ^rcmplar t)on ^onftantif
nopel, weil man cö für baö £)riginal Jielt. Den rbmifc^en
53ifd;of S5onifaciuö (biefer war feit biefen ^er^anblungcu
161
t)cm 3ofimu« nac^gcfofgt) tvolltc mau bitttw, glcicbfallö ©c#
fanbte an bicfe .^ird;cn 3U Wicfcn^ bamit öUc Slvtcn öoii
?Sctru9 unmüjjlid? gcmad;t ivuvbcn. Slplariuö \rurt>e tn^
gwifc^cn tijiebcr iii bic ^ird)cngcmetnfd;aft öufgcnommcn,
ober will bod) bie Gegebenheit grogeö Sluffc^en gemocht
Jötte, unb man öuc^ bem 23ifc().of üou ©iffa einigeö SRed^t
woKtc rciberfa^ren laffen, fo iturbc ijm tjerbüten, bei ber
^irc^c i>oii ©iiffa irgcnb eine öotte6DJcnf!Iicf)c ^pönblung
5u t>erri(^ten: fonfl für etile anbere ^irc^en befam er gdnj*
lid^e Srci^cit. £)l;ne mid; iu bie ^r^d^lung bcö ^erjöltenö
ber r5nnfd)en ©efanbten ein^ulaffcn , ober in hu (^wtwid^
lung önberer, s^ar nid)t uniüic^tiger, ober bod) Jicr nid)t
gani ^rvecfmdgigcr UntjTdnbe: fo bemerke id) bloö t)cn dx^
folg ber surüdffommcnbcn ©efanbf4)afr. X)k ^wci nkanu
fd;cn (£d)Iüj7e, worauf ftd; bie gobcrung bcö romifd;en 23i<
fd;ofö grunbete, würben in be« C'rcmplarien ber Orientalin
fd)cn 5lird;cn nidjt gefunbcn.
$t3egen ba^wifdjcngefommcner politifcl)er Unruhen t>er^
50g fic& t>k @ad)c nod; nngefd(;r bi^ inö 3af>r 426, ba bk
2lfvifauer ijoni ronufd)en Gifd}of ^Meftin dn fc^r entfc^ei*
benbe^ 6cl)reiben erfjieltcn, bcn ^refbtjter SIpiariuiJ Dolllg
wicbcr&iT^ujlctlen. 2luf ber ®i;nobc, x\^dd)i t>mvcQcn iix
5Ifril'a gehalten würbe, fagte man eine 2lntwort ab, tjoH ber
nad;bvucElid;rtcn ^orftcllungen gegen ba^, x-cai \id) ^olcfiin
Sum 9^ad)t6eil ber afvi^anifd)en ^ird)c bcrau^genommcn,
u.iö bffonberö beflagte man )xd) ober bö^ gcwalttl;dtige iöc*
tragen beä romifd^en Segaten gaufflnu^: übrigen^ erffdrfen
bie Slfrifiincr, feinem -Borfabren fcl)on gefd)rieben 5U b^^ben,
bag eö hixK nicdnifd;c ©d^Iuflfe fei;en, waß man ibnen mv
ter bicfem Olamcn borgelcgr l;abc. ^piariuö gcjtunb alle
feine fcbrccflic^c ^erbred)cn, unb wxu^c ölfo auf iw'i^ t?on
epirtkr'jJ fämmrl. 2Bevfc Viii. m ^ xi
162
allen 9J^inifterialt?crrid;tmigcn (Ju^gcfd)loffcn. ©ein ©cftant):
niß mußte bcr ^'t^rc bcfifcn fct)r nad^t^cilig fcpn, t>cr (id)
feiner mit fo öielcm (Jifer angenommen ()atte.
5(uö biefcr ganzen ©cfc^ic^tc erhellt junacbfl fo tiel,
bag man bic farbicenfifc^en 6d}(uflrc in 2Ifiifa nic^t unter
bcm Q^amcn ber nicanifd)en gcfannt (jabc: aber in Slnfc«
fiung SRomö entließt bic gragc, wie war ci mbglicb, t^a^
man bort bic @d)(ujTe ber nicanifd^en unb farbiccn(tfd?fn
@i;nobi'n »erwccf^feltc ? war c^ abjid;tlic6c ' ^cnred^ölung,
ober lagt jtc^ ein ^ufall crbenfcn, au^ welchem o^nc 53er/
le^ung ber ^örc bcö r5mifd?cn 23ifd)ofö begreiflicj^ gemacht
werben fann, wie cö ctvoa jugcgangcn? 5(1 biefc grage
auegemad^t, fo wirb ftc^ mit ©cwig^cit entfd)ciben lajTen,
wa6 bon bem Slnfcjcn ber farblcenftfcf)cn @t?nobe ju ^aU
tcn i(l.
§. 12.
S3aroniu6 unb 25eKarmin, bic mön immer jueril fra^
gen muß, wenn man bei gcwiflfcn bcm romifcfecn ©tu()I
nacf^t^eiligcn ©efd;id)tcn allcr^anb {ünftlidjc ^^ipologien Icfcn
voiU, bringen mand;crlci ctcnbc Urfac&cn tor, wc[d;e t^eil^
bie 2lut&cuticitat bcr auö (^onflantinopcl unb 2IIcranbricn
naö;) Slfrifa gcfd)icftcn nicanifd;cn @d;löflfe wibcrlegcn follcn,
tfji'iH tiai ^crfa^rcn bcr vomifcfjcn ■Sifd)ofe red)tfcrtigcn.
■Bie cö gcmeiniglicf) ge^t, wenn man ein offenbar fa(fd;cö
Sactum 3U ücrt^cibigcn unternommen, bog man üom ^hcxf
glauben auf einmal auf bcn uncntfdjulbbarficn @cepticid^
mu6 berfdllt: fo ging*^ aud) bem 53erfaffcr bcr ^ird)enan?
nalen, er wagt ipi;^'iot^cfctt obnc bcn geringjtcn ^urcicfjcnbcn
bijtorifcI)cn (^ruub, er läugnct, wa^ boc& icbcm unparteii*
fd)cn Sefer bcr @cfcf)icbte ind 5lugc fpringt, er bleibt tahci
c6 feven bocfe nicdnifcl;c ©ct)lu|Te gcwcfen, \\W Jöpmuö unb
/
165
feine 9?ai^foIgcr gegen Me afrlfanifc^en 53dteT öngefujrt 5a#
ben. löcUarmin <*) gejle^t ^u, bag eö farbicen(tfcf)c (Sc^Iufie
genjcfen fcpcn, aber er fagr, wenn eö ein geiler fct), bag
ber romifdK Sbifc()of <te ölö nicdnifc^e angeführt f)ahc, fo
fct) biefcr "S^^jUx nid)t großer, alö wenn ^attiau^ (Söp.
27) ben Seremiaö jlatt beö ^acfeariöö cirire. Durc^ bic
neuere Äriti! t|! ijm ^xcav je^t btefe Snffön^ entriffen wor*
ben: aber gefegt and), ba^ fSeifpiel wdrc vcaiv, liegt nicfct
bei ber ganzen 53ergleid)ung eine offenbare pelillo principJi
3um ©runbe? (^Jerabe barübcr ijl ja ber ©treit, ob bic
nicdnifd)e unb farbicenftfd)e @t?nobe eben fo i>olIforameu
gleic()gültig gen^efen^ aU ein paat ^rop^eten. iD?an ffnbet
tioc^) mejr folc^e apoIogetifd)e ^runbc, tit alle t)on glet*
c^em ©c^Iag füib: unb e^ laflen fid) and) njirflic^ feine
beflerc Jeruorbringen, wenn man einmal ^u bcwcifen ftd)
torgenommen \)at, ha^ ber romifc^e 33ifd)of nid;t gefehlt
iahe: blüht man aber blog bahd, t)a^ fein geiler feingej^
ler abfid)tlid)er ^So^Jctt unb ^?crrfcf)fud}t fei), wie iüd)t mu
beutlic^ einige 5lat^o(ifen ni\\i ^rotcftanten ^u evfcnnen ge^
ben, fonbern ein Sc()[cr ber Ucboreilung, ber uacö allen Um*
(Idnbeii fe!)r Ieid;t begangen n?crben founte, fo i]t '^ofimu^
genugfam tcrt^eibigt, unb fo votit xdd)m w»irflic^ gegruni»
bete Jijrorifcöc 53evmut5ungen^
ffienn man hd ^eurtjeifung biefer ©acfte Feine anbcrc
©runbe iatte, aii bic \id) auö bem ganzen 53erlauf ber ©e^
id)id)tc fclbjl ergeben, fo irürbe eö ctt?ig ^ireibeutig fdjeinen,
ob gojimuö Setruger ober 23etrogner genjefen. Unbegreiflich^
*) De Romano Ponlifice L. II. c 25.
iü^
ftljeint'6 frcilid), bog irgcab jcniöiib thuix fold)eii 6trcic^
tv^gcii \olUt, n?ü ed immer taiifcnt) öCjjen einmal lua^v*
fcl;eiii(tG()er ijt, bag er mif bcm ?L>crluft feiner ganzen ^'^re
fntbccfr wcxbi, ^BoUfornmen rid;tig war ee ^um i>orauö ^u
i;)evm litten, ba^ bic QlfrÜancr bei Vorlegung cine^ nicani*
fd;eu vSvnobtjIfd^iuJi'e^, ber i^rer gan3cu sßerfafiTung mit
einemmöl bcn bolligftcu <Stog geben mugtc, in I5rcn eignen
(rvemplavien nad;fcl;cn \t>urben: Slrifrofratcn erfcnncn i\\d)t
fo leidet hie 33cfc^Ic hi\\c\\, ber auf einmal mit mi?navd)i^
fd;en goberungcn Jevi-^ortritt: unb bie biege 2Ba()rfc()ciiilict)=
feit, t>a^ bic 2lfrifaner in if)ren j?anbfd;riften nac()fe6cn
fonntcn, mußte beu ^oftniuiS t>on jeben bctrügerifd?en 53cr*
fucl?cn 5urucfgcfd;recft Daben. 25aö 2lngcbcnfeu ber nicdni^
id)tn ©tjnoDe, feit mldi)cx nod? fein Si^ljr^unbert uerftoflTen
irar, mugte in aller ©cbad;tnig getri§ immer frifd; fei;n,
t^eilö rüeil man bod; mit bcn Ölriancvn bcftdnbig nod; 5u
fdmpfen iattc, tjcilö weil fcitbem feine fü erlauchte <Spnobc
mefer gehalten itjovben, unb bic nicdnifd)cn <Scl)lü)Te gunba^
mentalgcfcg. für ha^ gan^c vbmifdK fRcid) n?aren, Slßar
alfo nid)t auc^ ol)ne ha^ 9^ad)fc^lagcn ^u Dcrmutl;cn, ha^
biefcr ober jener ber afrifanifcfeen ^I3dter fid} erinnern fonnte,
!U: feineu nicdnifc^eu ©c^luffcn nic^t bergleidKii el;mal^ ge^
Icfen ju ^aben? ?)}?an mü}5te fic^ ben ^ofimuö al^ bcii
bummjten 25etrugcr t>DrrtcUen, ircnu er bei fo ()ol>em ©rabc
ber ®a^rfd)einlid;feit, entbecft ^u rcerben, bennod; hie ^a*
^i unternommen ^dttc. SIber uod) nidjt genug: fonbern
t>a möu 3U Slom fie^t, \>a^ ©treit über ber 2lutl;enticitdt
ber t>orgelegten nicdnifd^cn <Bd)[i\^e entfielet, fo cnvartet man
nod? baö JRefuItat ber gcnauef!en Unterfuc^ungen, fold)er Un#
terfud;ungen , n)0 man ganj unfc^^lbar furd;tcn mußte eut»
beeft iw werben. €^ fd)eint gcgew alle fciftoiifct^c ©afr«
165 1,
f<tetnlicbfcit 311 fcpn, bi.ig fic^ and) bcr c^rgci^i^jitc 53ifcl)Df,
nlc^t biirc^ OUn^tücnbigfcit gcbrungen, fonbern bloß weil er
jc^t ciiic (i)elc9cn5cit bö^iifcpn glaubte, feine rcöicvMng3fud;#
rige ^rojefre au^3ufu&ren, einer faldjen üjtentlicl;en ^xo^iuw
riou auöfel^en foUtc. 2Iuf ber öubeiu (Seite juib eben fo
tiefe ©ruubc gegen beu t&mtfcl>en Sifc^of. ©efc'^t nud),
bie angeführten canones luaren dd;t gcroefcn, fo ift boc^
fowojl baiS gan^c SSetragen ber Legaten /aU ber ^u^ait i^'t
reo 2{ufrrag5 gegen alte a^iegcln ber 23il(tgfeit unb bcd SKcd}{5.
3n betbcn bcrrfdyt ein 2^on, irie bcr Zon bes Dcfpoten ifr,
ber 3u fd)vccfcii fitd)f» £)()nc M^ ihbaii nod) gol;ort tvor«
ben, foK 5lpiariu5 n)icber^ergeiTelIt werben : mit bcr grbiltcn
91ad)gicbigfeir bcr afrifanifd)cn 55ater finb bic Scgntcn nfd)t
jufricben, unb bic gercd>tefren gorbcrungen bcrfelbcn xv^lU
fen ftc nid;t gcfrattcn. X)ic 2Ifrifancr forbcrtcn bcn \bn\u
fd)en 33ifd)of ^^onifaciu^ auf, nad) i^rem S5eifpicl Qjcfan'bte
nad) (Soujlantinopcl, Slleranbrien unb 2lntiod)icn ^ju 55efid)*
rigung ber bortigen nicdnifd)cn Urfunben 3« fd)fctcu, \>ahüt
feine 5lrt beö ^etrug^ öorgcf)en fonnc, warum ()at c^ So^
nifaciu6 nid)t getOan? 2Bar er feiner (Bad)c ^um tjoräu^
fo gewig, ober fo ungewiß? ©oball> bie Kopien bcr nicd--
nifd)cn <5d)(u(fc t)on €onflantiuopcl unb 5([eranbrren augc^
fommen waren, fo fd)icftcn ftc t>'K afrifantfd>en 53dter nad)
Slonr: unb boc^ war ^Meffiu nad) bem Herflug einiger
Sa^rc nocf? einmal fo breijl, feine gorbcrung wicber^ofcn 3U
laffen, oI>ne ha^ geringflc öuf bie (^vceptten ju antworten,
wefcf)e mau feinem 53örfabrcn fo bcurftmbet 'gemad;t l)attc.
^^ muffen große Sficfen in bicfcr ganzen ©rfcfeid^tc fe»n,
btc* c6 unö unmbglicb mad)en, t>on bcr'' ganzen '3)ad)c oui
bcr bloßen (^r^a^Iung mit (5)cwiß5eit ^u urt()cilcrt. eo ütcl
fc^ctnt rid)tig ju \cm: futwcbcr war ^cftmuiV^^iiccl) terwe^
166
gencr M ^fcuboifibor ober er ntug feiner (2acf)e t)ollfom#
ntcn geroig ^u fepn geglaubt iahen: bciin fein ganjc^ 95e*
tragen ij! entrccber H^ 25etragen eineö DoUfornmen cbrli*
d)cn ^amu^, bcr im Dollen 23ctt)uj3tfei;n einer geredeten
©ac^e red>t breij! unb gerabe^u Janbelt, aber burcf? eine un#
glucPIidje 53evhiupfung ber Umjidnbe einen Srrtt>um bc#
l)a\x)ßtct: ober cö ijl baö 25etragen be^ entfd;tDflfen|Ten S5e#
trugerö. 2öiß cö möglich fep, bag fic{) ^oftmuö geirrt Ja*
ben konnte, werbe id; je^t geigen.
©c()on au^ ber ©efc()i(^tc bcr c^aIccbonifd;en ^^nobc
tat man langftenö gercufr, ha^ bic canones eljmalö in ^u«
fammenl^angcnbcr diü^f --/»»c ha$ bic @d)lu|Tc t>crfd;iebe'
ner ©tjnobcn orbentlic^) t)on einanber getrennt irorben, gleiclj«
fam aU ein ©ort in einem Jinweg gefct?ricbcn n>orbcn.
fOZan Jat bic ^eobac{)tung ^u n)eit öu^gcbe^nt, ba man bc#
Jauptete, fic treffe alle alu Codices canonum; auögcmad)t
aber ijt, bag fic auf mehrere fotDoJl gried;ifd)e öIö latcini*
fd)e ge^t. 2}on bcn erftcrn bcireifl eö gcnugfam bcr codex,
auö n?clc()cm auf bcr d)alccbünifd;en @i;nobe üorgelefen
würbet aud) bcr codex, bejTcn ftc^ bic spif{t)ifd)c 25ifcf}5fe
bei.i^rem ^djxdbm an bcn ^aifcr Sco bebicnten '"0- ^«5"
bcn Icgtcrn bcircijl c^ Dionysius, unb einigermaßen ber
codex canonum ecclesiasticorum, ber im brittcn X\)C\l bcr
SSerfe Sco beö ©rogen abgebrucPt i(l. 9}?an ftebt Jierauö
tt)ie leidjt eö möglich war, ben €anon einer @v»obc mit
bem (Sanon einer anbern 3u i?erwcct)feln, befonberö wenn
ber t)erwed)felte ^ano« glcicl^fam auf bcr ©rduie (ag, ent#
*) V. Ballerinior. tract. de ant. can. collect, pag- 36.
167
wcbcr unter bcn kiiUn bcr einen ober unter bcn crjlcn ber
flnbern ©vuobe war. ©teilt man fiö) auf bicfc 2Irt tor,
baß nicdnifcbe unb farbicenjtfc^jc ^ä)ln\{c in einem ^ufarn*
mcnftang gefct^vicbcn werben, fo war c6 fejr Icid;t, bcn bicr*
tcn, fönften farbieenftfd^cn Sanon uod) für einen nicanifc^cn
5u {lalten, befonberö ta Jpofiuö aud) auf ber ntcanifc^en
<5i)nobc eine angcfe&enc 9^Dlk fpielte, unb Jofimu^, ivic man
a\\6 feinem gaujen 23ctr03en in ber pelagianifc^en (Streitige
feit ftcf)t, genjiß nid)t ^u bcn ©c(ef;rtejlen' geborte. Da aber
iDcbcr in bcm (^ober, bcr auf ber d;aIccbonifd?en (Stjnobc
gebrandet ii?urbc, noc^ in bcm (Sober, ben Dionv)ö bei feiner
Ucberfc^ung braiidjrc, btc farbiccnftfd;cn @d)Iuflfc unmittelbar
auf bic nidiiifd;en folgten; le^tcrcr fanb fte in feiner gric*
d)ifd)en j>anbfct)rift gar nid}t, ob ftc im cvjicrn frunben,
i\)ciß man nld;t gcit)i0; baS wci^ man genjig, t>Ci^, wenn
ftc t>axin waren, fte gewig nidjt unmittelbar auf bic nicd^
nifd;en folgten: t)a älfo ^n^i fo wid)tigc Urfunbcn gegen
bicfc unmittelbare 53erbinbung bcr nicduifd;cn unb farbicen^
fifd;en canonum ^cugen, fo muß crj! ein fcfer genauer unb
toUjldubigcr ^ewci^ geführt werben, cIk wir ba»5 S^^t^MWi
annehmen f'onncn. Die ^cugen finb folgeube:
I, 3n bcr fogeuanntcn prisca fofgten bk nicdnifd)ett
unb farbtc:nftfd;en (Bd)lii^c gan^ gewiß unmittelbar aufein*
aubcr. SSflaix lajTe ftc^ burd) bcn SIbbrucf ber prisca beim
Sujlell nid)t irre mad)cn, fonbcrn öcrglcic^e bic D]ad;rid)tcn
weld)e S3alu3C in feiner 53orrebe ^u 9}2arfa'ö ficincrn üBcr*
fen n» 10—13. "0 liefert» dUn gcf;brt bic prisca fcjr
wa^rfc^cinlic^ in ba^ (Eiibe beö fünften ^a^rjunbcrtö;
0 (Srcerpirt finbet man fie ttt meiner fritifc^en Unterfut^ung
bed fecljiiöften laobicenif(^eö Sanonö.
2)ion9€, bcr tu ber erftern ip^ffte bc^ fcd)$tcn 3aürtwi'bcn3
feine Ucbcrfc^uug m\\i (Sammlung mcid)tc, fanb ft'e fd;on
t)or jtd), ^[fo fd)on im fünften Sa^r^unbcvt gab cö Codi-
ces canonum in bcv Iarcinifd)cn ^ird)c, ircld;c auf bie ni*
cam^d)t\\ <5d;Iu|Tc unmittelbar bie favbiccnfifd)en folgen
Hegen. Söa^rfd^einlid) n?urbc t>ic prjsca in Italien ge^
madot, t^eilö ftnbct man ftc am ^aufigffcn iu ita(idnifd)en
Sammlungen, tU'iU Derrat^ fid; aud; ber ^IJerfafifer bä
Ueberfe^ung be^ fcdjöten nicanifd^cn ^unonö aU einen be#
fonbern Renner ber italianifc^en ©ac^en, unb I^ionpö fanb
ffe ^u 3flom aU geii^b^nlid; gebraucht,
2. 3n ber S}iitte beö fedjeten ^abr^unbcrta fd^vicb ein
2)ia!onui^ SU ^art^ago, gufgcnriue gerraubuö, eine bre-
▼iatio canonum ecclesiaslicorum : in bicfer nun maö^t
ex ten leisten nicdnifd;en ßanoii ^um crften farbiccnftfc^en.
^r begebt ölfo umgete()rt gerabe e^en ben geiler, bai $o^u
mu^ begieng. 5)a ftd? fein gefjler nid;t Ieid}t auf eine bcf»
ferc 2(rt erfldrcn la^r, als ha^ man annimmt, entn?eber er
felbjl iahe einen codex canonum gcbabt, wo bie cano-
nes in fortlaufenber Jajlenreifjc unb ^war hk farbieenfifdKn
unmittelbar nac^ ben nicdnifd;cn gefd;rieben geirefcn, ober
fc{)on ber 2lbfd;reiber t^c^ codex, ben er Dor fid; ge()abt,
fei) burd) einen folc^en ^ober ^u biefer fe&(erf)aftcn ^btbei^
lung verleitet worbcn : fo ift e^ billig, ben gefrier beö Söi*
fd)of^ ^'^jtmu« auf gleiche 2lrt ^u crfldren. 5Sol;l ju mer«
hn ift, bag S^^ranbu^ blog eine breviatio canonum
unb feine Ueberfegung fdjrieb, fonbern er gebraud)te t>k la*
teinifct?en Ueberfegungen, bie man ^u feiner ^(it in 2Ifrifa
featte: fein S5cifpicl beweifl alfo nur für bie larcinifdjen
Codices^ unb nid)t für bie gried)ifd)en.
3. ©er eine gauie SRei^e üdu ^?anbfc()rtfte« angejetgt
16«
U\cn vom, in welchen öUcn cum {old)t unmittelbare 53crbine
tung bcr nicdnifd)eii unb farbicenfifcl)cn ©d^Iujfe ©tatt f)at,
t»cn mug id) auf bie föaücvinifd}e ^b^anblung @. 59. 60»
6i- ücmcifcn. ^loge t)]amen itiiirben bem Scfer ntd)t5
nu^cn, unb umjlanb(id)c ^efd}rcibun3, genaue S5curt6ei(ung
bcr j'?anbfd)rifrcn iDÜrbc ein gauje^ 23uc^ erforbern. (5^
wirb unnot&ig feijn, sugleid) 3U erinnern, ha^ man Ui ber
53aUcrinifrfKn 21bf;anblun3 nie Dcrgefifcn mug, bag man c5
mit, einem fc^r gclc&rten ^ertbeibigcr ber curiali(!ifd)en S^Y)*
potf)efcn ^u ti)m\ f)at. SQ^and^c ber angeführten Jeugniflfc
beiüeifen gar nidpt^, mand;ie ben?eifen ba§ nid)t, wa^ ftc
bereifen foUcn. £)aö crftcrc trifft befonber^ bei bcn ?öei«
fpielen, n?oburd} gezeigt werben foH, t>a^ ai\6) in ber gric«
d)ifd;cn ^ird)c hd ben codd. canonum eine foldjc Serbin?
bung ber nicdntfd)en unb farbiccuf{fd}en (Bd)li\f\c gcfunben
tverbe. <^k berufen fic^ auf hai> ©pnobaffc^reiben ber cou*
jlantincpoIitanifd;en ©tjnobc t^om ^a^v 382, tro farbiceu'
ftfcf)e @cl)lijiflfe M n{cdnifd;e angefuf)rt »erben. Diefe^ 5Sei*
fpiel i\i fd)on oben tt?iberlegt iDorben. gerner auf ^k ^Udi)p
ric^t be^ Olicol. (Jomnenuö ^^apabopolu^, iveldjer in feinen
praenotlonibus mystagogicis pag. 364 f^gt, baß 2^^eobor
^robromuö, bcr dltcjlc unter allen griec&ifd)en Sluölegern
bcr canonum, ber nod; fru()er lebte al« ^^otiu^, tik far««
bicenfifd;cn 6c{)Iöflfc unter bem 5?amen ber nicdnifc^cn
anfüf)re.
©0 lange hk 6c()rift bc^ ^robromu« nid}t gebrudft ifr,
unb ^xüax nacf? fejr glaubnjurbigen, offenbar unt)crdnbertcn
^?anbfd)riften gebrucft ij!, fo lange la^t ftd) nid}t mit ©c^
tt)i@6eit urt^cilen, m'd ^apabopofuö nur im Vorbeigehen
glcic^fam, biefc 3^acl5)ric^t feinen Scfcrn Jinivirft, o^nc bie
6teUen ober bie ©rette auebrucftici) an^ufüjiren. '^aix Um
170
hmd) t>aß 23eifpicl bcß q). ^cujTönt unb bcr S3allcriiü
fclbfl genugfam gctvarnt fci)u, nid)t allc^ für ^(iifu^rungcii
bcr fflrbiccnjifc^cn ©d^lüffc ^u Jaltcu, iraö gemeiniglich ba*
für gehalten wirb: ubcrbieg ijl cö bod) bcfrembeub, baß bic
93öltcrini, irclc^c fon|1 su fo biclcu t>ovrrcjflicöcn 9}?anufcripi
tcnfömmtungcu unb 95ibliot[;cFcn bcn ^ntvitt Jattcn, gcrabc
bicfcö n)id;tigjtc 3^"3"iß i" 6crid)tigcu, fonjt \rcitcr uid)tö
finbcn fonntcn. ©ollfc t)k ©d;vift bcö ^robromuö nivgcnbö
5u finbeu gctücfcn fcijh? Dbcr J'Jtten fie ©runbc, bicfcö
^cugiiif^ feiner ftrengcrn Untcrfud)ung ju untermerfen?
Sllfo öKciu latcinifc^e J^anbfc^riftcn fiub cö, in tt?eld)fn
lic nicdnifd)en unb farbiceufifd)en ©d)luflfe fo unmittelbar
mit cinanbcr t>erbunben fiub. ^ic (5)iünbc, it?obiivd) bic
S3allcrini ein gleid;e^ für bk gvicd)ifd)cn ^2flnbfd)viftcn bc*
a^cifen tvollen, fiub bei ii?eitcm ind)t binlangltd), berufen
ti)cii^ auf falfd)cn 53ovau^fc^ungen, tl^eite ftnb au3 rid^tigcu
^orauöfe^imgcn falfd)c @d}luflre gebogen, ^mn einzige dou
tax orientalifdjen Sammlungen, wcber bic fi;vifd;c, nod; ir*
genb eine bcr anbcrn, \vdd)c bic farbicenfifd)cn ©d}!!!!!«-' &ö^
Dcrhiupft ftc unmittelbar mit bcn uicanifd)en, fonbcrn fie
fi'nb mciftcnß unter bic^articuIarfi)noben.'©d)lüjTc gcjrcllt "')•
Diefcr cl)araftcrirtifd)e Unterfd)icb bcr Iatcintfd)en ^?anb*
fc^riftcn Dou jcbcn anbcrn Sammlungen muß feinen guten
©runb in bem üor^ügtid^crcn Slnfef^en 5<ibcn, ba6 bcn far#
biccnfifd;en Sd;IujTcn in bcr Iateinifd)en ^ird;c beigelegt
ttjurbc, üiclleic^t aud) sugicid; in bcr früheren 2(nna&mc bcr.»
fclbcn: unb mmx bic ©cfd)id)tc bcr Sfiborfd^en Uebcrfcl^ung
cinft burd; bcn getreuen SIbbrucf manc(?cr biöjcr noc() uubc*
*) 6. bit bei @rtlmon (traite de letude de« concües pag.
275. etc.) angcfül)rte 9(ad)rici?ten beö Otcnaubot a\i6 bcr
pcrpetuite de la foi. Tom. V. L. 9. c- 3.
171
nu^tcr ijanbfd^riftcn mcjr öufgcfidrt trerbcn irlrb, fo lagt
fic^ c^ t>icücid)t jur tJollFommenftcn ^Iftorifdjcn ^t)ibeiij brin*
gen, ba^ bicjcnigc lateinifd)c jpanbfd;rifti:n, in tvcicfccu eine
folcfec 53erbiubung bcr nicdnifd;eir unb farbicenfifcfecu 6d)lujfc
gcfunben tvirb, überbieg mei(!en5 nur italidnifc^e ^?önb*
fd;rifrcn nnb romifc^en Urfprung^ ftnb. ©djon öuö bcn
9^ad)rid)ren, bie man bind) ben gelehrten gleig bcr S5öUc»
rini erhalten f)at, erteilt fo tiel, baß uon benjenigen ^panb»
fdjriften, bie man jel^t fd}on fennf, mcljr aU ^mi Dritt^cile
ganj gctvig urfprunglid) auö Stallen ^crjiammen: alfo cu
gcntlicb ntd}t ber ganzen latetuifd)en Äird)e ©efinnung bc*
TOcifcn, foubern iod;ften6 t)k ©cj^'unung ber italtdnifci^en
^ird)f.
Sel^t wdrc alfo ölleö t)or()crclt?t ju ^-ntfdicibung bcr
wid^rigcn S^-agc: tvav hk farbiccnf{fd;c (^tjnobc ohimenifc^^
ober nicbt? roaö i\t überhaupt ton bcm SInfeJcn bcrfelbeu
^u galten? lagt ftc^ au6 ber ©cfd)td;te bcr öfrifantfd;cn
i^trcirigifcit ctx\)a^ gegen btcfelbe fd}(lcgen ober nic^t?
Dag mon Hß letztere nur nod) fragen fonntc, nur nocö
barubcr flreitenl Sßenn farbiccnfifd;c ©^nobe fo ofumenifc^,
fo tJoUgültig rrar aU ntcdnifcbc, njarum fagte €6lejlin Un
ölfrlfanern nic^t, bag fic bcr ©d)ulbigfeit su gejorcfcen ba*
burc^ nod) gar ind)t entbunben fci;cn, wenn fie beriefen
hatten, bag biefc ©c^luffe nid)t nicdnifd; fet)en? 2Barum
erwarten bie <»fri!anifcf)en 5)dter fo gcrabe ^u, bog md>ti
aU nicdnifd^e ©cblöfie fte t>erbinben fbnnten? @elb(! öu«
2Ifri!a waren mehrere auf ber farbicenfifc??en @i)nobc; alfo
felbft bei einigen bcrer Äircf)cn, hk bod; tf;rc Deputirte ^u
©arbifa gcjabt Jattc»^ galten biefc ©c^lujfe nic^t* Die
172
rtfrifanifd)en ©dtcr fonnteit bic üorgelegtcn ^c^Iuffc nic^t
mir in ben nicdnifd)en canonibus nid)t jtnbcn, ba^ ^ob ftc^
bii 21ufflarmig ber ganzen (Sac^c üou fclbji: foubcrn fic
ftMinteir^ in i^rcn ,Hircl)cnard?it)cn ober in i^ren coUectio-
nibus canonum (am 5Iu6brucf (tegt ^icr nid;t^) gar md)t
ffnbcn. T)k 23atlcrini Dcrmut^cn, fie niugten nld)t rccbt
gcfuc^t Jobcn. @e()r unwa^rfdjcinlicb. Einmal bei tincr
fo wict)tigcn @ad)c, bei einem einige 3a6rc feinburc^ baureui
ben ®treir, bei einem ©treif, auf ^e\\ man fo uiclc ,^ofren,
bie Sofien einer eigenen Scgötion mö) (5anfrantincpel unb
Slferanbrien iranbte, bem ^u Siebe einige ©tjnoben gehalten
jDurben, wo c€ nicbt ber €1)re nnb ben ^Kedjten be^ einzigen
«Bifdjof Urban^, fonbcrn ber Unabf)angigfeit bon ganj ^Ifrifa
galt. 3^^^^^ni^/ nirgend war man in 2lnf6ewa()rung ber
^i^nobalfcfelüffc forgfaltiger öle in Sifrifa. Die ^eifajTung
ber afrüanifdjen ^ird}C tcax bü weitem arifIo!rarifd)er aU
bie 53erfapng ber übrigen morgen^ unb öbenbldnb(fd)en Sir*
d)en, unb feine Sird)e, ali bic afrifanifd)e, Jartc bie ©e*
n>of)n^eit, bie ©d)fujire ber i>orf)ergctenben'(Si;noben auf jcbcr
©«nobe n^iebcr^olen ^u lajTon. ^Uii fe^c tic ^ftcn ber bc*
riUmten förr^ag{nenfifd;en ^crfammlung t?on 419. SÖJo ein
einziger ber SlrifloFraten nad) unb nad) ben 53ionard)en ^u
fpielen fud)t, t^a fonnen ©efe^e unb canones nocb unb md^
in 53ergeflren&eit gerat^en, aber gewtg ba bei iDcitcui fd;werer,
iro baß fKc(i)t, über ber Beobachtung ber ©efet^c ^u \\?ad)cn,
unt>ert^eilt bei mehreren ifl. gfeuri) •") fagt, bie Donatiftcn
hatten bic äd)tcn farbicenftfd)en ©djföflTc beifeit gefd)öffr,
unb bafür bie ©d;IüjTc ber örianifcf)en ©cgcnfnncbc ju W\f
*) Histoire ecclesiasli^jue L, XXIV. pag. 5oo. Ut ÖCtaööU^-
^ate BruxelUi 1726.
t 173
lippopel untergefc^obfu. @ü\?ip \{\, bag baö ©V)nobaIfd;rei6eii
bcr Kt^rcrii aud) nnc^ 2lfriFa gefommcn, unb ^iDar bag c5
iiici)t öii bcn ort^oborcu 53if(^of 3U ^artjago, fonbern aw
X)i\\ bouatirtifd)cn öbbrcgtrt würbe '"')• ^^^r nirgenb^ i(t bic
geringlte @v>ur, bag bic Donatrfreu W Elften ber rec^tmdßU
9€n farbicenjtfc()cn 6)pnobe ju t>crti(ge« gcfui^t Ratten: unb
gefeilt ouc^; bcnu Dtig jTc benifelbeu entgegen waren, Idugne
xd) nld)t; wie fonnt' cö i^ncn gelingen, ^a 25if4)Df Gralus
von ^arffecigo fclbft ^"^^ ber red;tmdgigen farbicenfifd)en
©wnobc bcigcwoI;nt ftattc, ba er alfo aud) felbft t>on ©ar^
^'xla \>k ©d)lü|Te mitbringen fonnte; unb fd?on lange watr
SU 58ifd)of ©ratuö ^üUxx ber bonatijtifcfee (Streit in bic
bcftigftcn glammen au^gefc^lagen, \>a^, wenn t)on ber ortfjo^
boxen 5))artei bie farbicenfffd;en @d)(ü|Tc wirflic^ einmnt
angenommen waren, fic gewig fo balb n{d)t t?erfd(fd)t ober
unterbrucft werben fonnte. 5l(fo nic^t einmal groge 5[Babr*
f*einlid;fcit, i?ielwenigcr I^iftorifdje ©ewig^eit )^at glcuri)'^
53crmut()ung, un^ead/tet fte bei weitem erträglicher ij!, aU bie
33allerinifc^e. j?6rt man ben ganzen S3erlauf bicfer G)c*
f4)ic^tc ol)nc allcö 53orurt6cil, obne irgcnb fd)on t)orI)er für
ober wiDer bie farbicenftf4)eu 8c^(ujTc Partei genommen ^u
Jabcn, fo wirb man fiel? \>ixx Jufammenbang aller biefer,
bem erften vScl)cinc nac^ ftrcirenber, SSegebcnJeiten ungefähr
*) ^errn ^enfiftorialratb 2öaW ©efc^. ber Älrdjenoerf. <B. 181.
**) Unter ben ©ubfcriptionen feblt jjuar fein 92ante, über
er fottimt auöbructiid) genannt Dor can 7. Sardic. (nacb
ter 2lbtbfilun9 besJ grieAifchen Xertf^) unb ganj geivi^ er-
I)eat aucb ffine Slnivefenbeit |u ©arbica au^ bem fünften
(5anon ber ©ijnobe/ b'\t unter feinem eignen QSorfi^ im 3abr
348 ju ^art^flgo ^ebfllren »purbf. r. Hardaio concil. T. I.
»g 685,
■
174
fo bcn!en. 951 Wof ©ratuö toax 3u ©arbifa, unb Jalf bic
©cl)ltiflrc bcr (Spnobc cnttrerfcn, er mag (le aud) mir
nad) ^art^cigo genommen t)öben: ober er mug, aU fclbll
gegenwärtig öuf ber farbiccnftifd;en <5i;nobe , feine gute Ur*
föc^en gewußt I;aben, warum er biefe 6c()Iüfl*e bcn üjfcnt*
liebe« Sammlungen ber canonum nid;t beifugte. 2)ic ui^
cdnifcf^en ©cfelujfc iawtcn ftc^ ganj rid?tig in biefen @amm*
(ungen: warum fott ©ratu5, befonberö ha \a ber 2lfri faner
in t>m farbicenftfct^en @c()lufl*en au^brucflid) gebadet wirb,
nad;Iagiger gcwcfen fetjn, aU €dcilian, weldjcr ber nicdni^
fd)en ©i;nobe bciwo^nete? SlOaö ij! billiger aU ^u fagen:
©raruö trug bie farbieenfifc^en ©d^luffe be6wegcn nicbt ein,
weil (tc nic^t waren, waö bie nicdnifd)en gewefen ftnb.
Statte man mehrere 9lact)rid)ten üon ber ^efcbaffenjeit
ber dltejtcn (^nmmlungcn ber canonum, wie, burd; wen,
auf wcflfen ^cfcf;l neue Canones in bic offcntlid^e ©amm^
lungen eingetragen worbcn, ob e^ um biefe "^dt fd;on ojfeut^
licl)c Sammlungen, ober wenigftcnö t>ffentlid)e (Jremplare
t)0u ^M'iüatfammlungen gegeben — Diele ^crmut^ungen unb
5Ba()rfd)cinIid;fcitcn 1)at man über biefe gragen, aber feine
biftortfd) bofumcntirtc 9lad)rid;ten. — Statte man biefe, fo
liegen fic^ wo^l alle Zweifel beantworten, unb wa&rfd;einltd)
würbe man bm 53ert^cibigern ber farbicenftfcl)cn ©puobc
einen ganj unaufloebaren knoten hiüpfen fbnnen.
§. 16.
Der nicdnifc&en ©t?nobe fann man alfo bie farbicenfu
fcbe nimmermehr gleich fcl^"^ ^<^"" baö -wdrc fonf! eben
fo Diel , al6 ben 23tfc^of €ble(lin einer ^iemlid^en unterieij*
üd)cn Ungcfd)icflid)Feit in ^crtbeibigung feiner fKcd)tc ho
fd;ulbigen. Sie war alfo nid;t ofumcnifd;? — 5ßic man
176
büi 29ort nehmen will, unb xva^ man )id) unter einem ge*
n?ü^nlid) fo fc^wanfenb gebraud^ten 2Iuöt)ruc^ 3u benfcn be*
liebt. 3cl) ^ctße jcbc 6t?nobe oFumcnifc^, bie burcb baö
ganjc rS)nufd;c Sf^cic^ auögcfcferieben n?urbc, ober nacf) ber
$icrard;ie fpdterer 3^itcn, tk an an alle Dicr ^atriarcteii
öuö3ef(^)ricbcu würbe: bcnn biefc hielten nrtd> cmpfangnem
2(u5fd)reibeii bcö Äaifcrö t^re ^atriarc^alfpnobcn. ^^ i(l
wunberlicö, hei blefer ganzen (Sad)c an bcu ^ap(! ^u ben»
fcn, man mußte, um bicfer 5?vpot(>efe eini^n ©c^eiu ju
geben, tjor^er olle X)ofumente unb Jijtorifc^e 9lact)ric^tcn ber
fieben crjlen 3ö&rjunberte Derbrennen. 5(uf biefen ^atriar*
c^atf^noben würben alebann I5eputirte Qcwäiit, welche im
OJamcn bicfcd ganzen ^atriarcbatö ber ©pnobe beiirojinren.
j^attc ber ^aifcr einmal eine <Si;nobe inö gan^e fRci^ an^f
gefc&ricben, fo war feiten bic gragc, ob wo^l auc^ genug
Söifc^ofe fommcn mod)ten, um bic ganjc ^irc&e ^u rcprd«'
fentiren. ^em ^aifer mußte man ge^orct^cn, unb eö fam
auc^ nid;t fo gcrabc auf eine gewijTe ga^l on, wenn nur
ein numerus ba war. Sm fünften unb folgenben 3'a^r»
l^uubertcn lagt fid) auc^ mit mehrerer ©ewig^cit Den ber
(5adi)C urtf;cilen; benn, wenn bic 2)cputtrte ton bcn Dier
grogcn Patriarchaten unb alfo aud) Don bcn Dier gro^
ßen ^atriard)aU5[>erfammruugen tia waren, fo l)atu man
bic SReprdfcntüuten ber ^irc^e bcö romifd^cn ^ddi)^. 2Bcr<
ben bie ^Begriffe einer ofumenifc^en @i)nobe fo cnttoiddt,
unb benft man fid? unter ofu^ienifcö burd)au^ nidi)H anbcxß,
alö bic cl)ri(ilid)c Äird)c beö r5mifd)en 0?eid)ö; fo i(I cö
nicfet 5U Idugnen, bic farbicenfif^c 6t)nobc war ofumenifc^e
@i)nobe. ©ie war t>on . benjenigen , ^wif(tcn welchen ftc^
ba^ romifcfec «Kcic^ t^ciltc, in alle ^promn^cn auögcfd)ricben,
au6 ben nuijlen ^roinujcn erfdjien eine jicmlidjc Sln^ajl;
176
ob fcfecu nidi)t au^ allen ^roDinjcn, unb ob fd)on bei rvci*
Um mehrere anö bem Dccibent, alö auö bcm diente tai
fragt nid)t3 ^ur <^ad)c bd. ^ilud) nac^ Slbfonbcruug bcr
Gufcbiauer waren immer bod; noc^ über neunjig ^ifd^ofe
gegenwärtig: waren wo&l mebreve auf ber (p[)cftnifct)fn
(Spnobe, nad?bem Sobann ^ifd)of j?on Sintiocfcien mit fci#
ner Partei ficb getrennt l)atul
SIber bfumcnifct^e @i;noben finb bcgwegcn nid}t im«
mer allgemein i>crbinblid)e iSv)noben. X^ic\c ^mi ^i*
griffe, welche fo ganj i)On einanber t?erfd)iebcn finb, werben
bcfldnbig t>erwed)fe[t, aU fo i^bllig gleicbgültig bebanbelr,
\)a^ man glauben foKte, i^r Unterfd)ieb, wenn je einer ta
fet;, fonne bon ganj feiner ^ic^ttgfeit fet)n.
'^aix fagt: üfumeuifd)c «gi;«oben finb untrüglich, un#
truglic^e (5v)noben finb allgcmeinüerbinblicf;. Daß ber ilircüc
beö, romifd)en fKdd}^ ein Privilegium ber Untruglic^!eit
gegeben fei), ijl wo^l fd)werli(^ ^u erweifen: man fd;reibt
auc^ biefeö 53orred)t fonjl gcmeiniglid) ber ^irdje über^au)>t
unb nid)t ber ^ircfee beö rbmifcbcn D^eicfciö 3U, folglich Fann
cö aud) nid)t auf ohimenifdje »Stjnoben paffen, wenn, man
jie in bem @inne nimmt, ben id; fo eben feftgefe^t iahe.
2lm leid)teften ftellt man fi'd) wdI;! bie (gacbe i^or, m\m
man fid) unter ber ©i^nobc einen Saubtag für geiftlid;c
©act)en benft. Die sperren beö ^anbtageö fonncn freiließ
beffimmen, ):\)a^ if^nen gutbünft, founen M6 ©efel^ cntwer*
fen, fbnnen entweber burc^ 53ertrdge ober auc^ felb|t nacö
«öcfc^affenbcit beö ebjefr^, über welc&e^ gerat^fcj^lagt wirb^
ba^ groge '^öcrrec^t ^aben, t)a^ ber ^Regent in ibre Sßcratb»
fc^lagungen fid? nid)t mengen barf: aber wenn cd nun bar?
auf ankommt, ba^ ber Entwurf bcr £anbtagöbcrrn ©cfe^
werben foH, wenn i>on feiner ^eobacfttung ober ^iierlcfeung
177
t):x ®cnug ober 53erlu(l t)er bfirgcrlic6:n Siechte öbtdnöcn
foK^ alöbcun geroig Jat ber 3fiegent aui* ein SBort Dabei ju
f|)recl)eiu ©ein (Siegel muß bem ^ntrourf aufgebrucft reiben,
wenn er biefe G)u(t{g!eit befommen foU. ^ejldtigt ber gürjl
ben (Entwurf nicf)t, fo wav ^wav Sanbtag, jinb öuc^ <Bad)m
auf bem Sanbtag auögemacl)t njorben, aber el i(! alle^ b(o^
©utad;ten; ttjer*ö t^un xoiU, tjut'^, roer'^ nic()t t^un mÜ,
Unix beöttjegen nid^t geilraft trerben, ^nö) felbf! i>on ben.»
jenigen, t)k bö^ gcfd)eiterte ©efe^ auf bem £anbtag fe§r
t>ertf)eibigt Ratten/ i)<it al^benn jeber ^ai fRcd)t nac^ feinem
©utbunfen lieber ab^uge^en» ©erabc nun fo i(l eö mit bm
ofumenifc^en ©^noben» 91id)t bie föifevlidi^e ^ü^ammmU^
rufung, ojne biefe bdtte ja o^nebieg feine üfumenifd)e 6i;nobc
jufammenfommen f&nnen; nicfet bie groge ^In^ö^I ber \>cv*
fammelren 53dter, \\\d)t hk ©cgenwört ber SBIfctofe au^ ben
t>erfd)ieben|ten ^rotjinaen — baö ölle^ macijte nocf? feine @i>
nobc för t)cn romifcben S3ürger ^ur t>erbinblicl)en ©i)nobe/
fonbern wenn ber ^aifer hk (^i;nobalfd)Iüflre ^um «Keidö^gefeij
mad)te» SlBo^er fommt t:)a^ aUgemcine große 2(nfe^cn ber ni?
cdnifd;en ©i;nobe, bag, fobalb ein ^anon berfelbcn ange^
fujrt würbe, a\U eilten, ©ejorfam 3U Icijlen? Sßarum
migfiuinten hu 5lfri!aner biefe nid;t, wie t)k farbicenftfcfee?
£>ie Urfad)e jle&t beim ^ufebiuö im Scben Sonflantin^, (c»
161 9) wo erjd^It wirb, bag ber ^aifcr ben (^cI;orfiim gegen
bie nicdnifc^en (Sc^IüflTc burcl) einen eigenen S5efel;l allen auf^
erlegt b^be* S)ie ©c^lujfe ber conftöutinopolitanifcl^en <Bp
nobe b<Jtren Ui weitem nic^t gleic^eö ©lucf: S^bßoboö fett
ibnen jwar aud) M^ 2(nfeben offcntlidjer ©efc^e gegeben
baben, aber man betrugt ftc^), wenn man glaubt, e6 b^be
biefeö auf bie canone», welche wir noc^ unter biefem 9?amett
©l^ittler^ (ammtl. mxU VIII. m* I2
178
i^abnx, feine ^JSejicJung. Sd) fc^e v>oxaue, xoa^ iö) tiad>
t)cu ©rangen meiner Slb^anblung Jier «icfet cnueifen fann,
t)i^Ö bei- 5. 6. unb 7. (^anon Cmd) ber Slbt^eilung beö ßricd;!.
fd^eii 2:ertcO undc^t jTub^ unb inä)t au biefer (E^pnobe gc*
\)hxci\ : nod? finb ölfo bicr übrig : unb hei bicfen t>icren ent?
fle^t bie gragc, ob c^ trirfid) canones ber conftontiuopoU*
tanifd)cn ©pnobc fetjen, ober t)ielleid}t nur (5*rcerpte au^
beu ^panblungeu berfelben, bie fid; t)k SQätcv gemöd^t ^abcn
mbgen. Sei; Hbc entfc^eibenbe ©runbe für t)a^ (entere, bie
iö) aber Jiev nic^t entivicfcln fann: unb id) ^ci^c blo^ t)a^
SRcfultat an, bag 2^^cobo6 Diclme^r bie 53erbömmung ber
niacebonifd)en 3n*tf;unier ^um af^eic^lgcfelj Qemad)t liabe, aH
ta^imiQC, wa^ wix unter bcm 9^amen ber conftöutinopolis
tanifc^cu canones befil^en. ^a^er Unuix and) biefe ©djluflFc
er(I md) bem d^alcebonifcfeen ^oncilio felbjl ha ben ©riedjeu
tu ijren codex canonum, unb wie lange fte in ber occi*
bcnta(ifd)en Kird)e nid;t angenommen worben, i(t bcfannt,
dlcd) ©rcgor ber große fd)reibt (L, 7. Epist. 54.) Romana
Ecclesia eosdem canones vel gesta illius Synodi (Con-
stant.) hactenus non habet, nee accepit: in hoc autem ean-
dem Synodum accepit; quod est per eum contra Mace-
donlum definitum» Öliemanb leugnet, l>a^ bie conftantinDpo«^
litanifd;e ©i;nobe eine bfumenifd^e genjefcn, unb bod) ftnb
i^re 6d;Iü(fc er^l nad; unb nad; burd; freiwilligen 5Seitritr
ber ^ird;en allgemein geworben. 5Öo(>er anber^, alö weil
©d^lüffe, t^ic burd) feinen faiferlic^en 23efebl au 9leic^^ge#
fc^en gemad)t waren, blo0 burd) freiwillige Unterwerfung
©efe^ werben fonnten? S)ie epb*^fi«ifc&c <Siniobe ()at feine
canones gemacl)t: man laffß pd; nid;t irren, ta^ einige unter
biefem Flamen bei 2iliu^ unb S3et)eribge, bei bem le^tern
Qmd)i\d) unb arabifc^ fielen: ce fiub eigentlid) nicfet^ M
179
Grcerptc 0116 ben ^panbluugcn bcr ©i;«obe.*) Wit ben
d;aIccbouifd)cn ijTö tviebcrum gcrabc wie mit bcu ntcdnifd;cn.
^aifer ?[^arcian beftdtigte bicfe (5d}Iufi'r. t)on nun ön
war im Orient gar nic^t me^r \ik grage, ob man 9ef)ord)cn
foUc ober nid)t. Da^ 3^cid)09efc^ war einmal ba. ^pinge?
gen ^u SKom macf^te man freilid) taufenb SQenbungen, unb
ba^ fonnten fte auc^ mit bem größten S^ec^t, benn ÜJJarcian
war nid;t 9^om^ ^?err. I5a in bem erjlern c6aIcebonifd;ett>
Canon bie ©d;luflre aller t)or6ergel)enben Synoben auf6 neue
bekräftigt werben, unb bie faiferlid^c 5Sej!dtigung ber c^alce*
bonifd)en ©i;uobc jegt alfo aud} bcr con(!antinopolitanifc^jen
unb anbern ^u jlatten fam, fo war eö hin SBunber, bag
ber codex canonum bcr ©riechen um fo t)iel früher Dor
0 ©a^ Me epl)ffini|'d)e ©ynobe feine canones Qima<i}t f)ale, tfl:
nidjtnur bei lyeitem geiuiiTer, al^ meine chi^c ^Sermutöung t»on
ben conflantinopol. ©cijlülTen, fonbern e^ Idpt ]i(b aud) rec^t
biflorifd? bemonflratio feigen. 5Iuc^ itjenn id) meine 2>ermutbun(i
oon ben le^tern nicl)t beljaupten rooüte, fonbern jugeben, ba^
biejenige canones, ujelcbe wir unter bem ^tarnen ber (Ion|lant.
Mm, mttiidke canones fepen, fo würbe mein geführter
55en)et^ baburcfj bo* nid)t unüoüjldnbig. @ere^t H&eobofen^
ilVflättgnng fep roirfUcö auf bie canones gegangen , fo wat
e^, wenn id) mid) fo anöbrücfen fann, eine blo^e (ian^Uih--
fldtigung. (Jö war bem Oiegenten fein re(t)ter dvnfif ba^ fie
in ©ang gebrad)t werben foQten: er tl)at e^ well eö bie (Se--
wobnMt/ baö Oiegentenanfeben fo erforberte; übrigen^ l)6rte
er bie ^))rote(lationen an, bie man bagegen mad)te, unb brang
riebt auf @et)orfam. 3)ie ?Ü?aterie jjon ber 93ffldtigung ber
©pnobalfc&lülTe burc^ bie Oiegenten erforberte eben fo, wie
bie gj?aterie von ben ^rdfibenten ber ^oncilien, eine ganj eigne
rlnlologifc^e llnterfucfeung, wenn alle SJerwirrung in biefen
^D^aterien gehoben werben foUte. ^v. (5onfi(l. SBalc^ tjat im
fünften Xbeil feiner »ortreffltdjeit ®efd)idxte ber Äe^ereien,
felbjl au^ ben (SdjicPfalen ber epOefin. ©pnobe gejetgt, war?
um (le gewip feine canones gemacht l;aben fann.
180
Um latcinifct)«] t)cmietrt rourbe. ^(fo ön beu ©cifpiclcii
bcr Dicr grogcn ^auprfpnobcn iatu i^ Q^<\Qt, mt \i)xt
6c&Iö(fe erjl burct) bic S^atiftcirung be5 S^cgcntcn, ober uieU
mcfr wenn ber 9^cgent jtc hi SKcic^^^efc^ t>crn?anbeltc , t^re
t)oltc ©ülttgfcit erhielten. X)k con(Töntinopolitanifc^c (Ev
nobc t^igt in ben ^^nobölfd^rcibcn ber 53dtcr bc6 bafigcn
Conc. t)om 3ajr 382. oecumenica synodus : unb bod^ tfl
jTe langer aU ein falbc^ S^&r^unbert t^cilö t>on @ricd)en
tidU t)on Sateinern nicbt angenommen worben: alfo muß
bic 9lot5tt>enbig!eit ber ^Innajmc eineö €oncilii iiic^jt eigene
lid; Darin, t)a9 c5 ofumenifd) ijl, feinen ®runb ^aUt\, fon*
bcrn barin, weil e6 ber ^aifer fo befohlen Jat. 91un war
bie farbicen(tfcj)e ©pnobe burd) feinen faiferHd^en ^Sefc^l
3um 9lcic|)ögrunbgcfe^ gemac()t: fet) jte alfo immerhin ofume^
ni^d) gcwcfcn, bic 5lfrifancr fonnten gc^orc^cn ober «id;t
gc^orcf^CH/ wie c^ i^nen gcfteL
181
^ntbcitimg 5eö wahren SßerfaflTerä tn 5(n^
gilramnifcl)en Kapitel *^').
5. r,
©owojl Mc @amm(cr Der ^cmxaUondütvi, 6uriü^, @ir#
monb, 55tniuö, Sabbe unb anbcrc, ül^ niic^ ^ar^Jcim ui
feiner Sammlung Der teutfd)eu €onciIien **), Jöben ciu fefic
mer!n)urbigeö Olftcnflucf unter bem Zitü capilula Angil-
ramni abbrucfen laflfen. SBcil fclbj! fctjon bcr njajre SHtcl
bc6 ©tücfö (Ireitig i(l, fo will id) ijm untcrbeg nur biefcii
^njeibeutigeu 9Zamen geben, biö ic^ unten ^k <Bcid)c genauer
unterfucJ?e. gör bie ^riti! i)t biefe^ ©töcf freilid) üon feinem
Söertjc, benn cö enthalt fajl nic^tö, alö q)feuboifibprfd;e
^>robufte: aber bc(!o n?ic&tiger i(! e^ für bie @efe^id)tc eben
beö $Sctrügerö; unbwjer tt^eiß nic&t waö für einen wichtigen
Z1)üi ber @efd)icl)tc beö mittfern Jeitalter^ bk 23egebcn{>etten
ber $fcttboiftborfd;en €rfinbung auömadjen? Die gen?o^n#
lidje 2lrt, t)k ^nt(Iebung^gcfc&id;te biefer angilrattinifcfeen (5a*
pitcl 3U er^dMen, trar bieder folgenbe. Unter bcnjenigen
©eiftlid)en, tDetc^e ^avl ber ©roge bejidnbig ^u 2Iu6vi4)tung
^♦> Tom. I. pag. 149 — 258.
182
feiner ©cfd;dfre bei fid) an feinem i)ofe Jatte, xmx ^ngiN
ramn, S3ifc(?of ober Gr3bifc|)of tjon ^e^. 3n ben @ct)(uff"cn
bei- grogen granffurter ei;not)e^'') njirb er mit lefeterm 3:itel
genannt, fo voic in ber gol.qe auc{) (^{irobegaiig mib I)rogo
benfelben bcfamen. ^r n?ar faiferlic^er ober bamal^ nodj
foniglic&er ^T^capeEan, alfo ^arln für befldnbig unentbebr.»
lief). Diefe^ 2Imt, woburcf) er nicl)t nur über feine WiU
brüber, t>k übrigen 5Sifcl;6fe, fonbern aud) felbfl über feinen
![RetropoIitan an '^ad)t fo fcl;r erhoben ivurbe, 30g ibm,
Dielleicl)t nid)t gan^ o^nc feine ©ct)ulb, grogen ^}äb au.
X)k alten ^ircl)cngefe^e gaben einen t)ortreff[icl}en «ßonranb,
\f)m red)t webe ^u rbun. d^ wav in benfelben gan^ entfd;ei«!
benb befohlen, ba^ ber23ifd)of bei feiner ©cmeinbc fid) auf««
galten foUe, unb ber unovbentlicl)e ^'fjrgei^ bcr 33ifd}üfe
gab öftere ©elegenjeit ^ur (£'rneuerung ober irenigftene ^um
neuen 2(ngebenfen biefeö ©efe^e^. 2lngilramn merfte bic
£i|l feiner ©egner, unb n?ußte tt?o^l, t>a^ Äarl um feinet*
iijiKen nid)t alle ilird;engefe^e ju ^oben treten würbe: er
fuc{)te alfo 3u 9lom ipülfe, bei bemjenigen ^^ifd;ofe, burd)
bejfen Unterftül^ung ber ^ater feinet ^onigö wobl nod) me^r
auögefübrt Jatte, alö bie ^erlel^ung eiueö ^ird;engefe^e^.
25urc& ben apoftolifdjen ^egen beglücft, ivarf biefer feinen
^bnig t)om !Ibfone, unb feilte ftd) felbjl barauf, obnc bag
jiemanb t)on bcn ©rogen ober üon ber DIation i^m wiber^
fprac^. 2l(fo wirb boc^ eben ein fold^er apo)lülifci)er ^ad)U
*) Can. 55» Dfxit enim Dominus Rex in cadem Synodo, se
a sede Apostolica, i. e. ab Hadriano Pontifice, licenliam
habuisse, ut Angilrainnum Arcli iepisc opum in suo
Palatio assidue baberet propler ulilitates cccicsiaslicas etc.
©onjl mx befanntli* ber 33ifcbof ton 9?iei fei« ?!)ietropo»
litan. cf. Sirmondi nola ad bunc canonem.
185
^pnid) öu* einem 25ifc^of, gegen bie S3cmö6iingcn feiner
Cioniprot>in3tal»S3lfcljbfe^ feinen ^put t>crftd)eru fonnen. ^ie
nun biefe (Streitigfeit 5U 8^om unterfud;t trurbe, fo foll
2lngilramn bcm tomiföen ^ifd)of Slbrion g«. feiner 53^er^
tdeibigung \>k 5lu^3ugc öuö ben ölten ^irc^engefefecn borge*
(egt Jaben, bk ncd) unter feinem Dicimen in bcn ^Dn*
cilienfammlungcn freien; ober nacl) efner önbern ^r3af)htng
gab SIbrian felbjl bcm bebrängten $Sifd;of biefe (Sammlung
alter ^ird)engefe^e, in ber ^bfid)t, «3ic man glaubt, bag
er fid) burc^ biefelbe gegen feine gcinbe beflo leidster fcl)ul^en
fbnne« 'SJlan fc^t t)k d'utlle^ung biefer (Kapitel, nad) bem-
Jeugnig einiger ber glaubtrurbig(!en ^?anbfd}viftcn berfelben,
inö S^Jr 785. X)er ganae gufammcn^ang biejer ©efctid)te *)
i(l mxtüd) fo befcfeajfen, ba$ man baburd) ben grogen ^ors
t\)di getüinnt, hk fonjl fa|I unbegreiflic(je Sluebreitung ber
pfeuboiftborfd)en ^probufte b^to gfucf(ic()cr crfldren 3U fonncn.
5öenn eö t)a^ 3nterefl*c eine^ ber erilen foniglidjen fD?ini(Ier
erforberte, biefe falfd)e SlBaare au bebitiren, m\b i^x überall
5Infcben a" t?erfd;affen, tt?enn ber ^5nig felbft gevüijTcvmagcn
baburcö a« geirinnen fd)ien, unb überhaupt bic @ad)c feine«
(^racapfanö boc^ immer aucf) feine ©ad)c ii?ar, wenn t)on
9^om au« fo gar hin 5[Bibcrfpruc^, fonbern üielme^r Untere
ftul3ung au crmarten n?ar: fo ift c« gewiß weniger a« tt?un#
*) 2Iu^er einigen rieincn 9cebenumflänbenr bte jlcb ober I)ier
tticfct erörtern lölTeu/ er^d^It buic ©efdjic^te eben fo ^orir
in feiner 5ib(}anb(un3 de appellalionibus. v. Concordata
nalionis german. inlegra varifs additamenlis illustrata.
Tom. II. pag. 147 — 149. 3)a^ 2lnton. öluguftin in feinem
^üd) de emendalione Graliani bei ber @efd)id)te be« ^fCU-
botfibor« aud) üon biefen Öfngilramnifdjen <5aptteln tueitlauf:
rig banble, ift befannt. «ffiegen ber QSermebrnngen uub iBer-
beprunaen mup man 23aluien« 3luöjji^b^ i)n\)Cih Paris. 167«.
184
bern, ha^ fic^ au einer Jcit, njo ©cfci)id)tc nub bie barauf
fic^ grünbcnbe ^ritlf Dbllig unbefannt war, eine folc^e ©amm^
lung t)oll ber Janbgvelflid^jlen S5ctvugercien ausbreitete, grci^
Ud) feigen fid) gegen alle biefe 53ermut6ungen fe^r balb groge
©cbnjierigfeiten ; fo groge ^ t)a^ \d) ber gewöhnlichen ^r^ä^f
(ung, aud^ noc^ e^e id) bic (Baä^t auf^ genauefte geprüft
^arte, boc^ nic^t beitreten fonnte»
§. 2,
^avU SJegierung mar boc|? bei weitem nic^t fo fejr bie
geit ber l|nwiffen6eit, \)a^ ftc^ ein folc^eö ^robuft, aH biefe
3(ngilramnifd)e (Kapitel ftnb, ganj bjfentlic^ Jdtte geigen
burfen, t>a^ man e5 bei ^ntfcbeibung einer fc^r tvidjtigen
©trcitigfeit ben forfc(;enben Singen fo mUv ©egner, ivelcbc
olle bw-cj) dhit> unb geinbfd^aft gegen Slngilramn boppelt
gefc^drft waren, ^ur Prüfung iätU tJorlegen fbnnen. @oU
man annehmen, \)a^ ^feuboiftbor^ Sammlung f4)on Dor ain^
gilramn fo befannt gewefcn, ^a^ biefer 3u feiner S3ert&eibi*
gung gar wo^l l;abe (J'rcerpte barauö mad)en fbnnen, fo ij^
eine fo frö^e SluSbreitung jener bctrugerifd^en (Sammlung
ganj gegen alle ©efd)id;te: unb trat SIngilramn aucrj^ mit
berfelben Jeröor, wie ift'ö m5glid;, ^a^ er gar feinen ©iber^
fprud) erlitten? ^pabcn bocb fa(! Junbert 3a^rc nad;l;cr hu
fran3bftfc&en iSifc^ofe an ber Slut^enticitdt biefer 3fiborfcl)en
2)efretalcn unb (Soncilienfd;lujTe gezweifelt, t)a D^icolau^ I.
ta€ berühmte @c()reiben beöwegen an jie ergeben lieg. Unb
bamaU waren biefe boc& fcf)on überall ausgebreitet. SSenn
biefe Kapitel wirf(id) entweder üon Slngilramn ober t?ou
^\>xian fclbfl fepn foUen, fo mügte entweber einer biefer bei^
ben fclbjl ^feuboifibor gewefen fei)n, ober müßten jie wenig*
(lenS tk crften gewefen feiju, bic biefe 2Baaren befawnt ge^
macl^t l)abcn.
185
25(jg ^Ibrian ntc^t q)fcuboijit)or gctrcfen fcp, ober öuc^
nur feine ^robuftc juerj^ befannt gcmadjt ))abc, lagt ji(^
öufba^ uber^cu9cnb(!cben)cifen: unb wer w>iU fid? überreben,
bog Sln.qilramn ber Sammlung feinen 9^anien öorgefe^t J)ätU,
wenn er burc() biefe 23etrugerei fiegen woHte? SSetröger pflegen
fiä) t>od) voo^i nietet fclbjl öuf eine fo bumme 2lrt ^u t>er*
ratzen. «Bergleic^t man enblid? ben 3njalt ber (Kapitel mit
ben Uniftdnben ber ©treitigfeit, ju beren (fntfcbeibung ftc
dienen foKten, fo mug man fic^ gewig fe^r wunbern, bei
weitem fa|l gar nid;t6 in benfelben anzutreffen, ta^ gan^
jundcfel^ 3U biefer ©treitigfeit gebbrt Jdtte. Die meijle«
Janbein batjon: wer unb vok man einen ?5ifc^of xidotm
!5nne: wer einen S5ifc^of ober irgenb einen anbcrn ©ei|!lid;en
t>er!lagen bürfe, wie man bei biefer ^fage ^u terfa^ren f^ahc:
©trafen ber falfc^en 5Jer!ldger: ober6errItd;e©ewalt ber pdpj!#
Helfen Segaren ober bie ^roi^incialfvnoben k«; aber t>on bem*
jenigen ^ )ma^ man boc^ billig ^nnäd)^ erwarten follte, t>on
ber aieftbenj ber SSifc^ofe bei ijren ©emeinben — gan^ fein
5öort. 5[öenn jtc^ 2(ngilramn einmal erlaubt Jatte, feine
©ac^c burc^ eine fol(te Kompilation untergefd;obner Äirc^en«
gefc^e iju t?ert§eibigen: fo Jdtte er gewig auc^ eine 2)e!retale
ober einen @t)nobalfd)lug erbic^tet, worin ben 25ifd)5fcn in
gcwijTcn gdllen erlaubt worben, ftc^ t)on ibren ©emeinen
auf einige Saftre ^u entfernen. SBenigflen^ ij! gewig, bag
bicfcr €anon ber ganzen Äirct)ent)erfapng nic()t mejr ent*
gegen gewefen wdre, al6 bk mei(!en unb wic^tigjlten ber fib*
rigeU/ i» 23. can. 42. ut provincialis Synodus relractetur
per Vicarios Romani Pontificis , si ipse decreverit. Unb
voa^ feil man öollenbs beim fcdj^ten Kanon ober Kapitel
benfen? war'ö mbglicl?, bag bicfcö ein Q5ifc()of t>on 9^om
im ad;ten 3«{irjunbert ober einer ber crftcn teutfd)cn fxäf
186
latcn am jjofe ^axU t>c5 ©roßcn fcfericb? Si quis aulem
putaverit, (pk^ (lub feine 5t3ortc) se a proprio ISIelropo-
litano gravari, aput Primatem Dioeceseos aut aput Con -
stantinopolitanae civitatis sedem, agat Judicium
et reliqua. ^c^ tt?eig gar nld)t, waö man feicvauf aucb nur
mit einigem 6d)cinc anttrorten fann. ^apjl SIbrian fann
biefe SBortc ganj unmbglicfe alö^irc^engcfe^e niebergcfd;riebcn
ober ausgebreitet \)ahcn : unb eben fo n>enig fonnen fic einen
teutfd?en ^rdfaten jum ^erfaflfer Jaben. 5[Öann iji je einem
berfelben eingefallen, ftc^ an ^m SSifc^of ju €onjlanrinopel
5u wenben, unb \^k i!onoIatrifd)en ©ä^rungen trehnten gcrabc
bamal^ t^k occibentalifc^e ^irc^e t)on bcr orientaIifc(;en.
§. 3.
2lngi(ramn l(! alfo gen?ig nic&t ber ^Jcrfaflfer ober (Bamm^
Ux biefer ^apitd, aud) nict)t $apj! SIbrian, fonbcrn cnt;^
ircber ^feuboiftbor felbj!, ober ein würbiger ?3orgdnger tjon
ü&m, ober auc^ dix iDurbiger 9^ad)foIger. 53ief ^ur Qi\u
fd)eibung, irem unter biefen bret ^erfoncn bic d^xc biefer
©c^riftflellerfcfeaft gebühre, irirb bie Unterfuc()ung ber t?or^
läufigen Srage beitragen, ob ^feuboifiborS (Sammlung alter
i(l aU 2(ngilramnö Kapitel, ober nid)t? ob le^tere t)ielleid)t
blog dn Siuß^ug ber erflern ftnb, ober ob erjlerc bioi eine
termei&rte unb mit Dielen 23ereid)erungeu umgearbeitete 2lu^=
gäbe ber le^tern i|l? (5tne Jierin üollig entfct)eibenbc ^eob^
ad)t\xttQ f)aUn t)u 35allerini gemad)t.") 3ni fünften ca-
pitulo Angllramni ijl ein tt)eitldufige6 2)c!ret einer erbicl)te^
tcn (S^nobe unter einem rbmifc{)en 55ifc&of gclix* angcfü&rt.
9luu fommt tu ^feuboiftborö Sammlung ein gairjcö er*
*) Tract. d« antiq canon. collect, pag. zzo«
187
t>id)tctci ^d)xc\Un ton bicfcm gcHr 1. ön bic galltfc^cii
23ifd)5fc, unt) in tiefem @d)rci6cn i(t t)on bicfcr @t)nobc,
ijrcr ^13erau(a|Tung unb ^öer^anblungen, 9^ecfecnfcbaft gegeben.
2iuc^ ill jene gan^e ^tellc^ n?tc fte in ^ngilramn^ Kapiteln
flejt, ganj unücrdiibert bem SSrief einverleibt. 3(^ ^^ ^cm*
nac() nicf^t tiel tt?af)rfcöeinlid;er, ^a^ ber ?23ricf unb alfo bie
pfeuboiftborfc^e Sammlung ^uerjl föbricivt irorben, aU bag
bcr 33etrüger einer feiner alten giftionen gleid)fam er|l noc^
^opf unb @cl)n?ani angefc()ni^clt föbe? ^pie^u fommt no(^
ba^ ^cuQtxi^ einiger vati!anifd;en ^panbfc^riften. Die ^üU
lerini ^aben fel^r forgfdltig bewerft, bag ^fcuboifibor nic()t
mit einemmal feine Sammlung fo oerme^rt ^erauö gegeben
^ahc , wie wir fie je^t bcfi^en, fonbcrn ba^ er fie curis
posterioribus überlieg. 9]un \lcl)m aber ^ngilramnS Kapitel
in ber erjlen 2luögabe gar nid;t, hingegen in ber ^weiten,
unb jnjar in einer ber dltejtcn oatüanifc&en ^?anbfd)riften,
unb in einer folc^en, bic pur 3fiborifd) ifr. Sllfo ftnb
ÖIngilramna Kapitel junger, al^ ^feuboifiborö Sammlung,
unb weil man überhaupt jte^t, M^ «pfeuboiftbor gan^ o^nc
©ebülfen gearbeitet ^at, fo i(! e6 fe^r wajrfc()einlic6, bag
er felb(!, bei SÖermeJrung feiner erjlen Slu^gabe, unter bem
betrogenen O'lamen capitulorum Angilramni t)iclleicfet ^u
einer gewiflTen 5Ibjtcbt, bit mit Slngilramn^ ^<idi)c einige
«Berwanbfcftaft gehabt ^abm mag, bic wir jegt aber nic^t
nte^r wiflfen, biefen fleinen Sfu^^ug au6 feinem grogern SBerf
gemac()t ^aU.
§. 4.
Mc$ biö^erige ^at öuf bie ^c(!immung ber wahren
Stuffcferift biefer capitulorum einen Jbc^j^ wid?tigen (Einfluß.
2)aö3eugnig ber ^;anbfc()riften i(! jwar ^ier tor^tiglic^ ent*
fd;etbcnb, aber man wirb burc^ hai bi^Jcrigc boc(? üorbcrcitef.
188
bic inncrn ©runbc ber SJor^üglid^fcir einer Jcfeart öor bcr
öiibcrn beflo beutli4)cr ein^ufe^en. X>U bei weitem beflferen
^?anbfd;riften ^) lefen folgenben Eitel : Ex Graecis et Laii-
nis canonibus et Synodis Roinanis atque decrelis prae
sulum ac principum Bomanorum haee Capitula sparsim
collecta et Aogilramno Mediomatriciae urbis Episcopo
Komae a ß. Papa Adriano tradita sub die XIH. Kalenda-
rum Octobriuin Indictione IX. quando pro sui negotii
causa agebatur. Da^ einzige ^iü^iü^ S^intmaxi, '^'^'O bcr iii
feiner ^nbfc()rift einen 9[eic()en 2^itel Jatte, wäre Jinreid^eub
genug, bie 2(ut&cnticitdt biefer Uebcrfc^rift ^u beweifen. (^in
fOiiöuerjlanb i(I'ö, ben öud)^?crr j^orix'^^^-^O ju begeben fd;cint,
wenn man au6 biefem ^litel fd;(iegcn will, baß 5lbrian
*) I. c pag. 2 »9 ffnb angefü&rt Tat. 63o. 1340. 1344. 3-91.
IC. bie UtMcn, welche Jparj&eim digressione ad See. VIII.
pag. 35 1. für bie anbere 3luffc^rift anfu&rt, bemeifen gar
nic^t^. €ineii l)oI)en SBegrijf t)Ott ben Äenntnilfcn beö ^rn,
.^arj^eim^ mu^ man <\\x6 ber ^Inmerfung befommen, quod
notas Antonii Augustini nan addiderit, cum ad Scholas
pertineant et ad crisin.
*•) ^infmar d 3?. yon üil)cim^, tvö^rfc^eutlic^ ein SeitgeMpffe be^
^feuboangilramn^J, fc^refbt in feinem 2Berfci)en gegen ben
.^^infmar 33tfcb0f ^U 2«on c. 24- De sententiis vero, quae
dicuntur ex graecis et latims canonibus atque decreti*
praesulum et ducum Romanorum collectae ab Adriano
Papa et Engelramno Melensium Episcopo dalae , quando
pro sui negoiii caussa agebatur. etc. cf. Ballerin. cifc.
pag- aig.
*♦*) €r nimmt jtrar nic^t bieienige 9Iufrrf)rift an, bie ()ier alö ac^t
angenommen lüorben i{t, aber er behauptet bocb eine apolo^
getifcbe ^:21bftc^t ber SserfaflTung biefer (Japitel. 3(1 (^^^^ »ott--
fommen bü^orif* geiin^ luad id) in 3lnfebung beö 23erf. bief*r
Äapitel gezeigt babe, fi) muffen nocb mebrere Umfldnbe in
ber vf^oririfcben erid^lung anber^ benimmt merben. cf. cit.
diss. de appellationibus pag. 148« 149« 1^2.
i8ü
bcni meiifc^cn 25ifcl;of biefc ©ömmlung gegeben tobe, um
ftc^) bcfto bejfer t^crtfteibigen 311 fonnen. Dai>on jle^t nic{)t5
tu ber SlufWrift, \\>cid)c t>on beibeu man and) aU ad)t aiu
nimmt: uub t)lc Sluffcferift i(l bocb unfvc einzige biflorifd;c
Clucllc. 2Die Äarl ber ©roffe bei feiner Slnnjefen^eit 31t
9(om t)om bajtgen 23ifci&of 2Ibrian einen cod«x canonum
erhielt, fo crbic^tete ^feuboifibor, bag aiid) ^(ngilramn ein
gleicl)ea, aber nur t>erfd;iebene5 ©cfd)enf crl;alren Jabe. Der
Söetruger mad;t e^ bier, ttie hü feiner Sammlung uberbaupt.
^•r nabm genjiflfe aUgcmcinbefannte bif^ofifc^e Umjtdnbe, biefc
erweiterte er burc^ allerbanb ^•rbid)tungcn, unb gab burc^
biefe ?3ermenguug t)on 5Babrbeit unb 3rrtbum feinen 5Se^
trugereien einen beflo beflfern 5l(njlrid^, @o legte er M feiner
betrugerifc()en ©ammlung bic n?abrc (Sammlung be^ be<»
r&bniten 3jibor6 ^um ©runbe: im hd ben (Kapiteln bebientc
er jtc^ ber aücn nod) im 2(ngebenfen fcf)webenben SSegeben*
J)tit, tia^ SIngilramn, um (Jrlaubnig su bekommen, mit $5et*
bebaltung feine« 23iötbum« bejldnbig cm fonigfid^en ^ofe
3u bleiben, felbff nac^ 9^om ju 5Ibrian gegangen. SDap
SIbrian einem !9?ann, ben er ebren wollte, eine ©ammlung
oUcr Äiri^engefe^e jum ©efc|)en! machte, ^a^ war man
fc^on an ^axli Seifpiel gcwobnt: alfo war eö nic()tö bcfrem^
benbe«, wenn eö aucft bei SIngilramn gcfd;ab.
Äcin 2?«truger war noc^ ie leid)t bei einem fo bojen
®rab ton 25ummbeit boc^) ^ugleic^) fo glöcflic^, M q)feu#
boijtbor, biefer öermutblic{)e ^erfajTer ber 5(ngilramnifd[;cn
Kapitel. @o iat fid) noc() xnd)t Uid)t ein 23etruger t)cr#
gcjfen, aU biefer, bag man glauben foKte, auc^ obnc fon^
berücke biP^ortfc^)e Äenntnifli würbe beim bloßen Sefen feiner
190
^öpitcl fcinS3ctrug öugcnblicfltd; cntbccft werben, uiib boc^,
unglaublich iftö! Sttf)r&unt)crte Ijiiiburc?) Jat'ö gcbauert, bi^
man btc fo fonnenflare Spuren cMid) gefunbcn t)at. Oben
6abc i(fy bcö fünften ^apitel^ ale cineö gan^ cntfc{)clt)enben
©runbe^ gcbacl)t, ba^ unmogltcl) iveber 5Ibrian nod) 2lngiU
vamn 53erfaflfcr biefcr Kapiteln fci)n fonnen: icl) nnig gc^
(tc^cn, bag ic^ aucf) nlct)t begreifen fann, waö fclbjl nur
bcr 33etrugcr hei biefem 2(bfd)nitt gcbacl)t Jaben mag,
ober tu tt)eld)er 2(bfid)t er biefen ^anon fe^tc: über unbeä»
greiflic^er hkibt mir boc^ noc& immer, ttjie man biefen (äa^
non jemaU lefen fonntc, obne augleicfe bie jtc^tbarfte 93e?
trüger^fpuren ^u feben. (So ftnb nod) mandje anbere, aug
benen fic^ ^^cin gefunbcr 5}erftanb berauebringen lagt: unb
manche antcrc tinbcvfpred)en ftd) febr untereinanber. ^in
fejr feiner ©riff beö ^feuboifiboruö »ar c^, feine ©amm«»
lung burd) einen folc^en ^u63ug aügcmcingangbarer unb
oUgcmeinbrauc^barerju machen: fo(d)e fur^e abgeriflfeneEdgc,
aU bicfe Kapitel grbgtentbeil^ ftnb, mußten öuc^ bem un^
gelebrtejlen ^Icricuö, bcr oft faum ^wn gerieben im 5"*
fammcnbang bcn!en fonnte, ganj angcmeflTen unb trillfom»
men feipn. Dag ber ?8ctrögcr bem Sluö^ug einen uom S^anpu
werf gan^ t)crfd;iebenen 2litel gab, ba^u ^atu er febr gute
©rünbc. ^o foUte eineö ta^ ^cuQui^ beö anbcrn be!rdf*
tigen; ber Uniriflenbe glaubt immer gerner, ira6 er in ^voci
23ud)crn bon t>erfd;i ebenem S^itel lie(l, alö wa^ nur
in einem jle^t; fo iam man bem ©d)cin nad) gleid;fam
<tu^ SKom unb an€ ©panien fejr glaubtrurbigc 3f"9^n für
t>k 2Iutbcnticität ber(Stucfc, n?omit biefer S3etüger bic ^elt
befd)cn!tc. ^in folc()e ^;)armonie jwifd)en jtvei fo weit w>n
einanber entfernten geugcn fbnnte bod) unmbglicf) ^tatt
^aben, wenn fie \}\d)t SBa^rJcit zeugten!
191
§. 6,
Olod; einiget t>on bcr n?atrfd)cinlid?cn 2Ibfid;t bcr ^cr#
fcrtiguug bicfcr (Kompilation, fo fern jTe fid) öu^ ber ©d;rift
fabil abjlratiren lagt, ^r^cbung teö rbmifc^en $Sifdjof3
!ann unmbglid; bie öKcvndcf)|le 2Ibf{d)t bcö ?ßerf, gcwefc»
fci)n, bcnn ba^in gcjen unter bicfcn ad;t3ig Kapiteln unge=
fa^r ein Jalb iDu^cnb : man fic^t öucf) nad) ber gan3en 53er*
binbung, baß bicfe blo^ aU '^imi unb nic^t aU gn^ccf ba
finb. ^ielnu'[;r gcf}t fajT aUea barauf, ben (Ilerifuö t)or allen
5inflagen beö £at;cn fieser ju jlcKen, unb befonberö bie ^tia
!(agc einc^ ^ifc^ofö fo 3Ü erfd)n)eren, bag man ^um öor^
öuö auc^ bei ber offenbar gered)tepen (Bad)t alle gcrid)tlid)c
Verfolgung aufgeben mußte. @o jle()t auc^ tk ^r^ebung
be^ romifdjcn SSifc^of^ mit ber 5lbfid)t be^ 53erfaflfer^ iu
Verbinbung, wül bod? immer ^um Dorauö ^u tjermutjeii
\va\\ bag jeber baburd) abgefcferecft werben follte, wenn bem
25ifd)of ber 5ß3eg offen (lunb, burcj) eine Slppellation an beu
romifc^en 6tu&l ben qjroaeg re^t foftbar unb langwierig
5u mad)cn.
53erriet& nid;t ber 53erfafi*er feine ganje Slbfic^t fc^)on
burcö ben einzigen ^wei unb fiebjigften (Kanon? ^raft
bcfen foll fein 33ifd?Df anber^, ali burcfe ben ^unb t)o«
iwei unb fiebrig Jcugen Derurtjcilt werben fonnen. Diefe
Jeugen foUen alle Clerici feipn; ojnc irgenb eine Snfamie;
unb muffen grau unb ^inber Jabcn. @o braucht cö gegen
t>m ^refbi)ter Dier unb öier^ig ^tuQcn k. unb bü allen \iH0
fen 3eugcn muffen immer wieber obige ^igenfd)aften gefun*
ben werben.
^aix übcrbenfe nur biefeö einzige C^efe^, weld^e gan^
uugebunbene grei Jeit , weld[)c tj&llige 53er(id)erung t>on 3«t*
punitdt aud) bei ben greulic^jten ?Öcrbred;cn ein 33ifctof ta*
192
\>üx6) ei-Jielt. 2Beld;c fein fcl)clmlfc^)e gorbcrung eö war,
t»aß t)tc 3^"9^" S^^" ^"^ ^Infccr {la&en foUtcu. (Soweit
war bicfcr S5crruger ein fc^r genauer Kenner M ge*
meinen Scbenö, bag er wo^l wugte, wie bei weitem
weniger berjcnige ^um wagen aufgelegt i(t (uub bie 9In!(age
cincö ^(ericuö war immer ein fe^r grogeö ^öageftucf), befen
6orgc uic^t nur auf feine eigne ^oljl^axtf), fonbern auf eine
hd feinem 3u befurd)tenben Unglucf üollig Julflofe gamilic
get;en mug. €*in 9}?ann, bcr grau unb Sinbcr I}at, wirb
überbieg meiflcnö burcl) gamilicnt>erbinbungen ge^inbcrt, wenn
er a\xd) allen ^Zut^ Jaben foUte, fo ctvoa^ auö^ufu&ren. SBer
mcrft nid)t noc^ taufenb anberc ^olitifcl^e ©riffe, tu unter
biefer forgfdltigen $Sc(Itmmung t>erborgen liegen? Unb nur
},vod unb ficbcn^ig fold)er ^cuQtn unb alle lauter Ö5ei(!lid;e,
(ollen Jinrcic&eub fe^nt, wenn ein $5ifcf)of uberwiefen werben
(olle: unb tJOn bem Delator I^cigt c5: aut lingua capuletur,
aut convicto Caput amputetur. Delatores autem
sunt, qui invidia produnt alios. (caplt 49«)\3c^ !6nnte ^ter
md) ber ^rbnung ber Kapitel nocl) (el^r tjiele @d;wierig#
feiten s^igen, bie burc& biefe Kapitel bemjenigen gemad;t
ftnb, ber gegen einen @ei(tlicl)en unb befonbcrö aixö) gegen
einen 25ifcbof 9fted)t fud()t: biefe einzige aber, t>k i6) bicr gezeigt
I>abe, red)tfertigt mic?) genug, warum id) tk ^pauptabftc^t
biefer ^feubo;2Ingilramnifc&cn ©ammlung (o unb niö:)t aiu
bcrd angegeben ^aU, ^i i(l nad) allem J&d)|^ waljrfc^ein^
liefe, ^feubolfibor ober ^feuboangilramn (bie 9?amen jTnb
gleicfegMtig, benn ftc ftnb ja 9lamcn ctncö 3[^anneO war
ein Sßejlfrdnfifc^er 25ifc(?of.*^) SRifulf Wör cö nic^t; bcnn.
') 3)ap er ein «Bifdjof mar, er&eHt au^ tm H^fteriöen. X^mx,
n^enn matt ettva au(^ fagen wollte, ti fönnte \»io^ ein ^t-
193
lattc du 5}?ctropoIitan bicfc falfd)e 5öaare tcrfertigt , fo
würöe er för bic ^ctropolitauc mc^r geforgt (jabcn: aber
ein ^lfd)of au6 ber main^ifd^cn Diocefc mug e^ geirefe«
fctjit, beim fd;irevfidj >i?urbe ein anbercr, 0I0 ein ttiaiii3ifd;cr
Suffraganeus , fo Diel aui ticix vSriefcn be^ S5onifaclu^,
unb bcn SSvicfen bev SIcbtiffin (^angit^ an ben 25onifaciu«
genommen faben.
@o genau lagt ftd) ungefähr ^feuboangiframn burc^
^onjcfturcn beflimmen, feinen Dramen aber irirb man ttjajr*
fdjeinlic^ nimmermehr mit ©ewig^eit erfahren. Sllfo nid&t
einmal ben SRu^m einc6 ^perojlratu^ geniegt bicfer öetrugerl
f(^6fli*9C|7nnter ßettjefen fejjn. fo Idpt Wi «u* tjon bem
aflereifrigfleu ©ettircr nicfet btnUn, 60p er blo^ für ftcb ia
bet ^tiüe , oljne irgmb einem ^kenaten ein Kompliment
babur* möcben jn JuoUen, unb ibm alfo bai SÖerf a\6 fein
ööerf ju probuciren, eine folc^e Komi^ilation ber lügenööftei
flen Urfunben ma*en fönte, ^atte alfo aucb otelleicbt ein
S3ifcbof bte §eber eine^ anbern gcbraucbt, fo gilt e^ bocb für
fein 2Berf, jveil e^ feinem @c^u$ erjl feine recbte (Jriftens
ju banfen befam. 2)ap ^feuboifibor ein 2Be(lfrönte mt,
baö b«t f*on Slonbett bemerkt; ju feinen 35eweiö0ranben
taben nocb einige febc bünbige binjugefägt bie IBaQerini tract.
dt ant. can. collect* pa^« 224,
^pitfteriJ fdmmtl. OBerfe vm. «&, 13
194
VI.
Prüfung einet J?j)potl)efe in 9lunf)ifd()en
^m$fd)rift »on i)ct 9l:ec^törtanl)fd)aft in
93ifcö6fe unt) 2let)te -'O*
Sa bic 5r6(td)t bc^ ©cfd)lc6töforfd)cr6 i)T, nic&t nur
bl^Jev uubcmerftc SScgcBen^eitci: ober ^iftorifctic S[BaJrfd;cint
lic^fciten inö Sic^t ^u jlellen unb öltgemciii befannt ^u machen,
fonbcrn öud) einzureißen, n?o nicl)t fcjl gebaut worben ijis
«nb bcn ©ert& mand)er ^iflorifd)en ^?i)potf)efe, tk t>ieUeid^
burcfe'^ 5l[tcr, Dielleicftt burd) bevüfjmte Dramen gefc^u^t,
großen $Seifall erhielt, 5cröb<jutt?urbigen : fo (lejt üiellcic^t
«ad)foIgenbc Unterfud)ung Jier nid)t ganj öm unrechten Ort.
Sin Sßibcrfprud) gegen biftorifdK ^J^pot^cfen ijT, wenn auä)
nic^t immer bie gan^e SBa^rJeit öuf feiner ©eitc fetjn follte,
bod; immer ton bem D^lu^cn, baß man ©tdrfe unb @($n3ddjc
bcr ^?t)pot&efe am genaueften fennen lernt. Denn nad; einer
leicht begrei|Tid}cn 25cfd)affen^eit unferö ©eifteö i(I Weber
berjenige, bcr bk ^ptjpotbcfe ^uerft njagtc, nocfe überhaupt
ieber, mld)cx fic^ nid;t mit ^O^u^c an jircng ^if^orifc^c
195
^cmouflrationcn gcti?üf)nt Jöt, ^u einer genauen ^prufung
nd)t 9efd;icfr, (I'igentlic^ voäx' eö freilid) (^ad)c t>ct fKamf
fenten gevüefcn, bei ber Öln^eigc bcr 9^unbifd;cn ^rcij3fd;rlft,
\vk i^v 5)ot3U9lid;c^, fo öuc^ i^re (Scl)n)dd;en ^u bcmciten,
unb ölfo bic Sunbanienta(Ji()pot^efe> öuf ireldje fid) enbltc^
oUc^ gvunbet, vcd)t ftrenge ^u untevfuc^en. Sd^ evinnere midi)
nid;t, t)a^ eö ijon irgenb einem gefd^ejen ijl: fo li?irb ölfo
f)kt feine unnu^e, 5\t)edfn)ibrige 2Irbeit unternommen.
9]ur in benjcnigen 9^eid?en^ fagt 9lunbe, entjtunben
9?cid)0tdge^ tüo bei noc^ ungcbtlbetcr ©taat^öevfapng burc^
tk 25ifd)üfe ber fatf;olifd)cn ^artjie (^oitcillen eingefübrt
unb gerattert ttjurben* €onciIienI;aIten wax blog ber fatI;o?
l\\d)tn ^ctrtjte eigen: unter ^Irianeru/ bcnn bon biefen i(l
im (5)egcnfa^ gegen bk fat^olifd;e q)art^ie ^ier eigentltd) ^it
9lcbe, irurben feine ^oncilien gehalten/ alfo konnten aud;
feine 3^eid;^tdgc hei 5Öolfern entfielen, tfit ber SIriantfd)en
6efte ^ugetjan traren. ©ie^e bie Siunbifcfce q)rei6fd)rift
©. 19* ^d^ ober bö^ €onctlienJaIten wixUido c&araftcri^
flifc^er Unterfd)ieb be^ (Sat^olict^muö unb Slrianiemu^ fei?,
foU t^eitö öu6 bem ©etft biefer betben S^eligion^partbien
fd)on sum Doraua begreiflid) fei)n, t^ciU and) burd) I)illori^
fcl)e Snbuftion benjiefen ti?erben fonnen. Der crj^ere S5e^
t\jeiö wirb @. 69. 70. folgenbermaßcn geführt: bic Sebrer
biefer ©efte waren öue bem romifd;en ^cid) ^u einer geit
bertrieben worben, too ^xcax 3anffud)t unb Sntoleranj fd;ou
genug unter hm ©eiftlicf^en Jerrfd)te, reo man aber nod) nic^t
fejr große ©c^ritte auf bem SSegc ^ur ^ierarc&ie getjan
Jatte* aufrieben i^ber Bie ftc()ere Buflucl)!, bic fie unter bcu
norbifd)en 53ülfern gefunben, lebten fie rubig ojnc befonbere
5Berbinbung untereinanber* (^in ^ifc^of Würbe nic^t für
borncjmcr alö bcr anberc gehalten. (E'ö fehlte alfo au ci*
196
nem gcmcinfd;aftltc^cn S"tcrcjfc, wcld)cd jte f)attc nl>tf;l9cii
foniicn, bic j)a^^c in ©taat^fad)cu ju mifcftcn, um mit
vereinigten Gräften fiel) empor ju fd}\ringen. ^a^ ^rioat*
intereflfc ^attc ^u folc^er 5l()fic()t nicl;t @eaMd;t genug, ter^
fc^ajfrc and) tmu önbcrc öl^ ^rit>att)ort^eilc. Um bie 5Iuö:
breitung if;i\T Se&re fann e(5 iE>nen aud; nid;t fc^r ju tl^uit
gewefcn fei;n, tvenigjlenö fiuben wir unter i^nen nidjt^ t)oa
bödin ab^ielenben ^Inftöltcn. ^U ein 2:f;eil ber l;iftorif4)eii
3nbu!tion, n5cld;e ^um 23eireiö bienen foll, gilt ©. 70:
3m 2öc(^got[)ifc^en fRcid) ift, fo lang hk 2IrianifdK ©eftc bic
Jerrfd)enbc SKeligion wör, ein ein^ige^ ^onciliiim unter So?
nig Seobigitb im 3a^r 58i' au Solebo in biefer ^b\iö)t gc^
Jalteu tijorben. 9^oc& finb ^ic unb t^a einzelne (Stellen bcr
<Prci0fd)rift, bic ^ur weitern ^ejtatigung, ^ntwitflung unb
SJert^ieibigung biefer 23enjeifc gefroren; c^ würbe ^n weit*
Iduftig fei;n, fie Jier alle ab^ufdjreiben. 3d) werbe aber bä
meinen ^vceptionen öftere SRücffi'c^^t öuf biefelbe nebmen,
unb wiinfd)te alfo febr, t>a^ meine Sefer, cbe fic weiter ge*
Jen, burcl? eine nochmalige Scfture bic gan]C SKunbifd)e ^ui^f
fc^rift fid) wicber in3 ©ebdcf^tnig a^^^wcfrufen mochten.
§. 2.
©egen ben erftern 35ewei3, weld)er an^ ber ^Scrgfct*
c^ung bc3 ©eijle^ ber fatbolifd)en S^cltgion mit bem ©ei|Tc
be5 Slrianiömu^ gebogen i\i, finb mir folgenbe ^^^^'^K^ ^"f'
gejliegen. 55ei bem vj'ntfteben ber örianifd^en (QdU, unb
noc^ mebr su ben ^dun, t>a jtcj) bcr 2(riani^mud befonber«
burc^ Q3efürberung beä Äaiferö 53alcnö =^') öuöbrcitcte, war
*) y. Chron. S. Isidori mit bin ttotötgm ^ertcbtifluttijen bei
Pagi Crilica in annales Baronä. ad a. 589. n. VIII.
197
t)ic ^Icrarc^ie bcr Älrc^c fd;on fo weit reif, aU ^um €on^
cilicn^fllten trotzig war. Scnc crjlc urfprönglid^e ©IcIc^O^it
bcv S3ifd;üfc war Idngftciiö öufgc^obcn, größere unb fleincre
©prengel abgc^ivFclt, gaii^e *$>rot?in3cn ber Sluftoritdt eine«
^ifd)of^ üor3ug[id) untergeorbnet, and) fd;on ©trettigfeiten über
bcn ©raupen bicfcr ©prengel unb über t)m ©raupen bei bcm
erfreu ^tfd}of beflTelbcn fd)ulbigcn ©e^orfamö^-^. Die oleimc,
ber ^oncilienanjTalten waren alfo cilU ba: ber ^Hriaiur fann fic
ö(fo öud) bei feiner 53erjToflr»"g öuö bem 9\ümifd)en 9\eic^
mitgenommen Jaben, unb er fjnt fte wirüid; mirgcnommcn.
(Jö lagt ftd; gar nid)t erweifen, bag bic 2lrianer hm Unters
fcl)ieb ber ^ifd;ofe, ber fc()on hei ßnt(!e^ung i^rer ©e!tc war,
fodten anfgeI)oben Jaben; el griff aiid) biefel gar nid)t in
il;re Se()rfdl^e ein: wa^S follte e^ ^inDern, jel^t feine ^r^bi*
fd/ofe ober Sf^angorbnung ber S3tfc^üfc me^r Jaben ^u wollen,
weil >er Sogoö nid)t Joc^ifter ©Ott, fonbern bloß er(!er SIeon
an ©Ott feir"""0» 9lur burd) bie ^eifpiele, \iic man au5
ber 5Ifrifanifd)en ^ird;engefd)id;tc bringt, mug man fid) nicf)t
fd)rccfen ober betrögen laffen: benn begannt ijl, bag bie
ftrd)lid;e (^inrid)tnng üon Dlumibicn unb 5}^auritanien gan^
i)erfd;ieben war üon ber (Jinrid)tung bcr übrigen ^ird;en be*.
*) 2lIIe^ bU^c^ erOeüft fc^on genugfam a\x6 Kicaen. can. 6 unl^r»
Jüo biefe I)icrard)ircöc C5-inrid)tun9 öuäbrücflic^ mos anijquui
beijjc: fie wat alfo, wie md) aui anbcrn ^iiT-orifcl)i*n Tm^s
ricf)ten erfreut, um vielem alter, al^ bie @nt(tel)uii3 beä
9Jri(ini^muö.
**) QSenn man unter neubefebrten (irianifd^cn S.'sölfern nt*t
g(eid& ^rjbifd^cfe unb ^ifcfcofe (tntriffr, fo l)at ta^S eine ganj
anbere Urfac^e/ a\6 weil fie ^rianer waren, ^lan fiel)t bie:
feö beutlicb barau^, weil ju ben Reiten, ba fai^ bie meiflen
Mfd)ofIid)en etütjk bt6 fKomifcben Drientö mit ^Irtaiierti
befe^t waren, ta€ alt« ©uborbinationöf^ftem boc^ tio* fort*
HutU.
198
gibmifc^cn 3lcicf)^. S)ißfe beibe ^roDinjeti Jetten feine 6c*
j!immtc?i}?etropolttrtnfil^e: ^er altcjle ^tfd)of n?av bcr cr|Tc,
nur fein ^Iter t>erfd)affte i^m ba^ ^^orrcd;t be^ 3^ang^, bic
SSiWüfc ölle jufammcn warm ölfo bIo6 ön^ufe^cn a(^ ^ru^
bcr einer gam{(ic, unter bcm dlt^jlen 23rubcr aU \t)rcm
Raupte vereinigt S^at alfo öuc^ nacl) (Jinfu^rung be6 ^xiaa
ni^mu^ biefc ©leld)5cit fortgeöauert, fp wav fie boc^ gcttjij5
nid)tgoIgc ber t>crdnbcrtcn SKeligionögefinnungen, fonbcvn c^
ttjar beibc^aftene altere ^'inrict)tung ''')»
Uebcrf)aupt f)at i^crr 9^unbc t>on bcm ©an^en bcr (Eow
cilienanflalten ctvoai unbillig, unb njcnn id) nid)t irre, auä)
«nbiflcrifc^ gcuvtf)ci(t. S"r fIcKt bic ©ad)e Dor, öl^ ob hcn
fatI)oIlfd)cn Sifc^ofcn nid)t6 übcr(^onciIicnf)aIten unb (Joncili^
cntaufcn genjcfcn iudre, unb bod> laßt jTd) gcrabe ba^ (Bcgen?
t^c'd beireifen, n^cber 5^etropoIitane nod) $Sifd}6fc waren mit
ten ©i)nobaIan|!aftcn i^crgnfigt. Dem ?l}?ctropolitan, bcr
gern bic ©rangen feiner 5i}?act)t ernjeitern wollte, waren fic
unüberjleiglid)c^ ^pinbcrnig: bk S^cvni (Kollegen in corpore
nahmen \id) immer cjer bic 'S\'d\)dtf mit i^rcm iperrn fO^ctro?
politan ein nacf)brucflid;c^ SBort ^u fpred;en, al^ wenn fte
»crcin^elt i^rc 9f^cd;tc Dcrt^cibigcn folltcn; hingegen Ratten
öuc() fclbj! bic S5ifd)ofe hk ©«nobc fcf)r ju furcf)ten, bcnn
jTc war i^r D?id;tcr, an weld)cn fid; jcbcr ^cbran^tc mit
befJo größerer ^^offnung cine^ gluiflid;cn d'rfolg^ wcn&en
fonntc, t>a bod) immer jeber S3ifd}of einige geinbe ober TiUf
gunjligc unter feinen 5[^itbifd;bfen Jatte. 23enn alfo webcr
taö 3«tercfl*e bc6 geringem nocft M ijornejmcrn $8ifc6of5
*) 5« früfjern Reiten fcöctnt biefc afrifanifc^e Äir^eneinri*'
t\xm öucb i» fleitt Olfien geiuefen su fepn, lueuigfteu^ lapt
fiel? fo ctmx^ fc^liepen m^ Eusebü ll. E. L. v. c. 23.
199
(Sv)uobaIauftaltcn erforderte: tvörum foll nianbie !atJolifd}cii
23ifd;6fc aU fo(cl)c CEonciIienlic()^al)er m\tf ^onciliculaufer
örtfcfeen? a^arum foU rwaxi g(au5,en, bog fi'e gegen allV i^v
eigene^ 3»tcre|Tc fülc()c 2inf!alteu bcforbert Jaben? Sffiarum
bdtte möii bie 2Ibwefcu|cit ber 23ifd)üfc öofi bew/^puoben,,
fo ftrcnge bejirafeu müflfcu ''"9, ,n?enn fcl^on für fici? bie 9lei=
gung ber ^ifd)ofc 311 (Soncilicn fo groß gcii^efen njdre? unb
fi'iibct man iiid)t häufigere ha\tlid)c ©puren i?on fingen ber.
Q3ifd;ofe ubfr t)aß bcfd)werlid;e ^oncilienreifen, über bie,
grogvii bamit t?crfnü»ften Unfoflcn/ über t)m @c()aben, ber^
öu^ iörer- langen 2{bn?cfcnl;cit t?on tl;ren ©emeinben ent^
fiünbe'"""0? Svcilld; finben ft'd) aucf) klagen über bie kngen
^J^erfdumniffc uid;t gcljaltncr (5onci(ien: aber t)a^ jtnb nic^tö
weniger aU plagen foId;er D])?diuKr, \re(d)e politifd;er ^ifeel,
j^ic^t, fonbern c^ ijt Qtb^tnüljdU ii?armer €;ifcr für bie t>cx*
fallene ^ird;en3ud;r, beren gan^e ©tdrfe, beren gan^eö Sebeti
in ber fl^igigeu @t)nobenI;aUut\g be(lunb. Da^ (^oncilien
geröbc gegen öUe if;re m'fprünglid)e 2Ibfid;ten enblic^ ntig^
hxaixdjt irorbcn finb, bag fte mciftgnö mc^tige 25dtrdge ^uc
traurigjlen ©d;t(bcrung hc^ worölifcfeen unb litcrörifdKn 3^^
(lanbö ber ©ciftlid)feit geben, bai lagt fic^ geti^ig t)on feinem
e^rltc{)en Kenner ber @efdpid)tc Idugnen: ober 9}?igbrauc&
*) 9?ian fel^e 5. SB« Concilium Constanlinop. a. 869. can. 17.
*"') 5n ten altern Reiten, 5. 35. hei ber erjlen epl)efmifcfeett
©ijnobe, i(l eö ganj 9eiü6l)nli(i), foldjc Alanen s« ^oren. Slber
aud) in fpatern. @o fagt'Oregor üon 2;ourö L. X. §. 20.
Tunc Rex — dingens epistolas — ad omnes regni sui pon-
' tifices, Tit medio mense n^no ad discutiendum in urbe
supradicia adesse deberent. . Erant autem pluviae validac,
aquae immensae, rigor intolerabilis, dissolutae'luto viae,
amnes littora excedentes- Sed praeceptiöni regiae
obsistere nequiverunt.
200
Ijcr ©ac^e i|I boc^ nid;t 2lbftc^t ber ©öc&e: unb man
muß t>on feiner 2Irt t>on 9}?euf(^eu me{ir forbcrn, aU
fte nad) ^eit unb Umjlanben fcpti f^nncii. Sene fo oft
mit unbilliger Jpeftigfcit gebranbmarfte G)cift(irf)feit bc«
mittlem ^citaltcvß, ircld;er mau ic^ ireig oft fclbjlt nid)t
tt)a6 für ireit au^fe^enbe politifd;e 2lbfid)ten beilegt, fcnnte
fte »oon ticn 9^cd)ten ber ^Regenten unb ber iveltlid}en !D?ad)t,
i?Dn bem wahren 53er5dltnige i^rcö <Stanbe^ 3um (Staat alle
jene feinbcjlimmte SBegriffc Jiaben, tt)eld)e bei un^ er(! baö
Slefultat einer burd; öiclen @c()aben gelernten ^lug^eit fmb?
Unb neben&er follte man immer and) bic grage nad) '^dt
unb Umi'ianben wo^i ertragen, ob eben baejenige *I)cr^dltni0
^\i3{fd)cn <Btaat unb ^irdje, ircld;e^ je^t nad; ben ridjtig*
jlen p[;ilofopS)ifd;en (Spekulationen feftgefe^t i^, aud) jenem
ganj t?erfd;iebenen 5[}Zcnfd)enalter angemeflfen gewefen waxtl
X)od) id) verliere mid) Jier 3U n?eit t?on meinem S'^vcd,
@en3ig ifi alfo, \>a^ man mit ber 2(rt, tt^ie J?err SKunbe
begreiflich? ju machen fud?t, tuarum unter hm SIrianern feine
€oncilien gehalten trorben, unjufrieben ju feijn Urfad;e bat:
ober biefe ©riiube a priori ftnb in einer biftorifd^en ©adjc
obnebieg immer mebr crlduternbe al^ bettjeifcnbc ©runbc:
alfo fc^cint t)a^ 5Bic{)tigfte feiner 2lrgumente ncct) übrig 3U
fet)n. ISlic!' in bie Qk^d)ld)tt fclbft, wo eö aUbann inö
2luge fpringt, ta^ ^rianer bei weitem feine ^oncilien ge*
balten \)abm in 53ergleicf)ung mit ber ortboboxfatbolifd;en
^ircljc. 60 balb le^tcrc in einem 0taat fid? auebreitete,
fo war aucf) gleid; ha^ ^"f'^ttimenlaufcn ber 55ifd;bfc, gleich
(S^nobc, gleich 53ermifd;ung ber gei|llid;en unb iveltlid)eii
^dnbel, unb wie fi'c^ biefe ^p^dnomene alle weiter cntwicfcl^
ten. 35ic Ovationen, bereu Q)efct?id)te bicr ^um ^cwei« bie#
ncn muß, ftnb 2Bc(!gotJcn, £)ftgotJeu unb SSanbalen»
201
§. 3.
3m 3a6r 472 breiteten fiel) bie ©eftgot^en unter i^rem
^onig (Zurief? in ©panicn anß, (f. bie iRunbifd^e ^xciif
fcl;vift @. 20. §. 8) (le bract;ten bie arianifct)e Se^re mit,
unb erft 589 trat SReccatcb mit feiner Dlation feierlich 5ur
ortf;oborfat&onfd}en Sircl)e ober. 3n bicfcr ganzen mc^r
aH ja&r^unbcrtlangcn SRei^e ton S^tren finbct ffd) nur
eine einzige i^on ^6nig Scoijigilb a. 581. 3U ^olcbo gcfjaltene
örianifd)e ©i;nobe. jpingcgen t)on ben !atf)olifcl)en, tk bocö
ntct)t bie Jerrfd;enbe ^art^ie waren, fiubet man in cUw
bcujcnigcn tdiibern, welche ber ^enfc^aft ber Sßcflgotfien
untcrttjorfen gen>efcn, — ficbcn €onciIien. 2l(fo ein merf*
itjürbiger ^ontraill X)k 6enfd)enbc ^ird)e I;alt feine <gi;no#
ben, l^ingegcn bei ber fatI;oIifc()en fd;cint e^ rect?t (55runb#
marime ^u fci;n, benn ftc t)alt ftcben 6t)noben, biö i^xt
(5C9nerifd;e ^ird;e nur eine (Sipnobc l)alt, unb ungeacfjtet
if;rc 9^cIigion nid;t bie EKcIigion M ^Regenten ifl, unb alfo
tvcnig Unterftu^ung t?on S^o\c ober 9lod;fict}t ern?arten barf,
fo laufen ^k S5ifd;üfe boc^^ ^ufammen, unb njiffen Srlaub^
nip v>om S^egcnten für i^re 3«fi^"^»^f"^"»ffc S» erhalten.
3d) würbe, biefen Jijlorifdjen 23cweiö fejr- gerne' gelten
laffcn, wenn id) mir folgenbe '^xveiid bagegen ^inrcic^jenb
aufjulofen wugte:
a) konnten nid)t mk unb wichtige örianifc^e (Spno*
ben in biefem 3^'it^«wf gehalten worben fcpn, unb bod; aud
Jiftorifdjen Umflanbcn bcgreiflid; gemacl)t werben, warum
i?on feiner berfelben, bie £eot>igiIbifct)e auegenommen, ta^
2Inbcn!en auf unö gefommen '\\il 33efannt i(l, mit weld/
blinbem difcr, jum unerfeyic()en 6d)aben für bie (55efc^id)tf,
lic fat()olifc()e ^ircfee fe|)r oft jebe 6pur ber 9?acferid)re»
mÄcfeer« unb fe§erifc^e« Äirc^en ijertitgtc« ^'\n fat|oIU
202
fc6er 23tfd)of, wdd)cx t>cr Oladjfolgcr ciiic^ Wiaimß war,
mad)tc fidy^ jur cr|len ^flic^r, etile 2ln(^altcn feinet ^or*
fa^rcn^ um3urroj5cn ; öllc^ wax unter hm S^auhcix feinet
J'e^erifc^cii ^orgdnger^ mtrodi)t, öllc^ mußte al\o öud) rok^
ber nmgebilbet unb jiei^t gleid;fara cr(l gt^eiligt a^evbcn,
^a^ 2lnbeniPcn bcr €onciIieii, wenn e^ nid)t außerDvbentlid)
tt?id)tlge ftnb, erhält fid) ofincbieß fc^r fcl)iver, ; unb meificn^
blog ^burd) ble 2lbfd;rift bcr canones, vomx: ik.'ni bcu
^Irc^enard^iüen l^interlegt iDorben.- 9]uu warb mit bem
S^Jr 589 btcjat^olifcl^c S^eligiou mit eiuemnwl hk Ikh*^
fc^cnbe: wirb woI)l bcr ifatf;olifc^e 5Bifd;of bie canrones bcr.
SIriancr m feinem ^ircl)enard)iüe fernerhin ö^bulbeß;Jaben?
9lid)t einmal t5on bcr £eoi?igilbifd)cn ©i^nobe I;at man bie
canones j fonberu bloj^ benientgen €anon bcrfellven. weiß
man, welct)eu ein fat&oIifd)er ©d}nft(!eller begwegen öufbe^
wabrt Utf weil auö bemfelben für. feine ^artl;ie, ein. groger
©cfeaben entflunb '"0. Unb iti>d) mu0 \d) Jinaufegcn, ba^
bicfe !i^oj)i0ilbifd;c ©pnobe erft feit 1701 in unfern ^oncili^
*) 2iae^, mß wir tjön Mefer <S»nobe tt)f(fenr.fceWt:<tttf bcr
9ia(i)rtc^t_.ber (ii)xonit ^e6 ^bt^ S^bann, von ;S3iclrtro
(v. Canisü lectiones antiquas. Ed. Basnagii. T. I. p. öSg).
5oI)ann ^attc ^^ParticuHarinferejTe/ vom ^cnig SebPi^ilb unb
von feinem @ifer für tm Qlrtanlömu^ unb gegen ben -Satbcs
Üci6mvi6 aOe^ ju fagen, W(i^,er nur roupte. Denn er felb|T:
I)atte bie tum nacbtbeilige' ^Qirningen biefe^ (Eii'erß erfabreu
(v. Dupin nouvelle bibliollieque des auteürs Ecclesiast.
Tom. V. pag. 95). 3llfo aud) felbfl ba6 Qlnbenfen ber ein=
jiöen arianifcben 6»nobc, t)on welcher ivir ai\^ tiefem grtn=
Jen Zeiträume etiva^ anffen, rodre verloren gegangen, wenn
nt*t ein erzürnter fatboIiicl}er 5lbt bur* ginf^eidjnurig einer
!)tac^ricbt berfelben an feinem «Berfolger fid) ju rndjen qc-
fud)t bdtte: ober wenn nicbt eine nadjfolgeabe fatbolifcfce Sv-
tiobe für notbig gebalten bßtt^/ biefe ©pnobe namentlicb um:
luj^Dpen.
203
cnfammlungcn ffcjt; ^attc alfo ^?crr . 3flunbe uugcfdjv \>ox
3wai]3t3 Sauren gcfd^ricbcn, fo iDurbc er gcrat^eau mit ©er*
weifung öuf bie hoä) fc&r tjollftdnbige colctifd;e ©ömmlung
Düllig geldugnct Jabcn, bag in bcm ganzen ^^Itxaixm, t>a
bic 5ßcftgotöen 2Iviancr trarcu, irgenb ,elne ©»uobe t?on beu
^ifd;5fcn bcrfclbcn gehalten tüprbcn fci> jpcrru SKuiibc*^
ga«3C 2lrt Jicr ^u fd)licßcn, ift cigentlid; a silentio scrip-
torum hergenommen; benu. ci» pofi'titjea Jeugnig Jat^ er.
nid;t öngefü^rt/ voo ein alter ©efd;id}t.fd)rctber hk Slnmer^
fn.ng fclbft gcmöd)t ^dtte, bag bei ben Slrianern fejne (Spno^
ben gehalten irprbcn fepen; wit I;pd;l^ ungetvig i|! ober
nid;t bcfonberö Ui öorliegcnben tlm|Tdnbcn baö 2(r;guraent.
t)om @tillfd;\veigeu ber ©cfd;id;tfd;veiber uub Dom 5D?anget
ber 9]ad;rid;ten; in einer ©efd)id)te, wo man ojncbicg fo
wenige, unb meiftcnt^cil^ fo öbftd;tlid) mangelhafte dUd)^
xid)tcix ^atl dlidi)t ^u gebcnfeii, wie hd weitem nicl^t forg-
fdfrig unb fritifd; genug and) nur baö wenige, b^^,maii
})at , bearbeitet, gefammctt unb geläutert worbcn 1^4
1>) (i^ ift wabr, t>on 472 hi^ 589 waren bie SSeflgo*
tben alö ^rianer in (Spanien, unb e^ mag «teinetwcgeir
jc^t einen 2(ugenblicf aud) zugegeben werben, bag in bicfem
ganzen gcitröum n«r eine arianifc^e @i;nobe unb bod; jte*
hm fat^olifdje @i)noben gewefen fe^en; vck unbillrg ift «^
bennoct), eine parallele ju ^kUn unb ^ierau^ folgern ju
wollen, bag ^oncilien unb (^cncilienanftalten nid)t inf -ari^.
anifd)e, fonbcrn allein in^ fat^olifc^e ^ircfeenfpflem i?erwebt
gewefen feijen. ^m mugte i)or^er bie grage suüerldgig
entfd)eiben: x\)k t?iel waren arianifd)c ^ifd)bfe im SSeflgo*
tjifc^en ^tid) in 55cr.gleicl)ung mit ben !atbolifc^en 23ifd)ü^.
fen, bic barin waren? benn unter ftinfaig !atJolifc()en ^ii
fcf^pfen fbnnen freiließ me^v M wod) einmal fo mU <^p
20 '4
«oben gehalten »orocn fctjn, M unter jnjön^ig Slrtöiicrn.
5Ber foUtc aber glaube», bag befonberl in \>m erjTcn S^b«
reu ber Eroberung ber @panifd)en 5prot>in3en burd; bie '^2c\if
gotbcu bic Slnjabl ber arlanifcl)cn ^ifd}ofe uicllcidjt aud)
nur bie 5?dlfte ber fat^onfd)en 25ifd)ofe geivcfcn fei;? T)od)
id) getraue mir nicl)t, bei ber großen 2)uufcUKit, \iJorin bic*
fer Z^(i{ ber ^irc{)engcfd)id;tc liegt, irgenb üvoai 5U bcftim»
tuen, unb ju einer forgfdltigern Untcrfud)ung reid?t meine
gegenn^dvtige ?Ühtge nid;t ^in, S^m tRm\hc ^ax bod; im^
mer einmal t)k 53ermutbung gegen fid): wollte er alfo fei^
neu S3emci6 t>ollfommen fuhren, fo m&ßte er wod) ben tt)lc^»
tigen ünb fd;tt)eren 6at3 ernjeifen, in n?cld)cm sßer^dltnig
hk 3iil;l ber fat6olifd;en unb arianifd)en $5ifd}6fc gegen ein»
anbcr gciücfcn fci>
c) (So fcbr c6 auffallt, wenn man t>on ficbcn !atl)oIi*
fd;en ^oncilicn f)hi't, inbeg nur ein arianifd;eö gebalten
worben, fo t>erminbert fict) bod; biefe 53cnininberung um
Dielet, wenn man hk Qln^a^l ber hd biefcn (^oncilien ver<
fammcltcn ?Sifd;ofe anfiebt, unb man mug not^wenbig auf
ben ®eban!en geratben, bie fatbolifd)e ^ird;e bßbe, nac^*
bem fte einmal bie b^^rrf^cnbc geworben, bie canones jeber
öuc^ nod) fo !leinen 53erfammlung, bie ibre ^(ixtl)k nod)
im ©taube ber Unterbrucfung gebalten, forgfdltig aufbe*
wabrt. Sllöbann mug frcilid) auf ber einen ^citc eine
große 2ln5a^l bcrau^Fommen, wenn alle« mit ber gewiffcn^
bafteftcn ©enauigfeit ^ufammengerafft wirb; b"ig<^gc" ^uf
ber anbern ©cite fbnnen obnc einen fcbr wunbcrbaren ^uiaü
unmbglid) Olac^rid^ten erwartet werben, weil alle^ ^ufam^
menfloß, un^ biefe au rauben. Ueberbicg bdtte id) febr gf#
tt)ünfd)t, bag ftc^ S^m Slunbe erfldrt bdttc, warum er hai
im 3<Jbi^ 475 ju Slrlcd gebaltenc (Soncilium ali ein folcf^ed
205
<ü\\'uf)t, ^a5 im n?cftijot6tfc()cn D?clc^ gcjaftcn wovhcw, bcnti
t)ov 476 fiiit) bic ©cjlj^ot^en tiid;t 3)ZciiIer t)on SIrIcö ge*
tvcfcu '^). SIujTcr fccr @i)iiobc 5U SIgbc (im 3ft&r 5o6)
fiub aik fünf übrige üo» ivcnigcr ^ctrdd;tlid)fcit. 5(uf bic*
fcr njavcu \>icx unb 3Wati3icj ?Sifd;üfc ^-""0, (tcbcu ^rcebpter^
unb ^roei Diafoneu aU Dcputirtc eben fo mUv •Bifd)üfc:
hingegen auf bei* ©pnobc ^u ^alcn^a unb Zokbo voaxcn
nur fcd)3: öuf bcr 3U Seviba öd)t, öuf ber ^u ©ironnc ftc-
ben, cnblicf? auf ber ju Slarragon ^djau "^aix bcbcnfc bcii
weiten Umfang be^ ®cfIgot{)ifd;cn SRcidje; man bcben!e^
baß Jicr üon einem gan3en 3^r;rl;unbcrt bk ^ctic ift, ^trar
üon einem 3abr(?unbert, ^a^ bic fat&oIifd)c ^irc{)c unter
ungläubigen ©b^r toiclmcf)r fe^erifd^eu Königen burd)gelebt
f)at, aber bei biefem allem bod) mcijlen« toleranten Siegen»
ten: unb it?irb man fid) nod) immer berechtigt galten, burc^
5))arallefen ju jeigen, wie tief ba^ (^oncilienjalten in«
©pjlem ber fatl^olifc^en Äirc^c t>erwcbt gewcfen fep, wie
wenig in« ©ijftem ber arianifc^en?
^ad) altem, wa« id) bi^Jcr gezeigt J^be, !&nnte alfo
t>k QJefd)id)te ber 5[Befigot5en nic^t ^um ?Sewei5 ber Dtun?
bifc^en Jpi^potbefe bienen. ^^oc^ mit mejrerem SRc(tt aber
unb fafl auö gleichen ©runben Iafl*en fid^ gegen t)m 25cwei«,
ber öuö bcr ©efc^icfete ber £)|igot5cn unb 53anbölen gcnom»
•) 2)cn IßettJei^ ^icoon f. in Pagi Criiica in annales Baronii.
ad a. 477. n, 20.
•*) ®a^rfd)einlid) i(t e« ein S^rucffe^er in ter fottfl fo ßc«
nauen SBaldjifcfeen ©efc^ic^tc ber Äirc^entJerfammlung rocun
eö ®. 349 öeißt, e^ fcpcn ad)tiiQ «ifcfeofe un^ Scputirtc
poa se^n anbern ocrfammelt getpefcn.
206
tticn vohh, n)ld)tlgc SinVüciibuitgcrt tttacl)cn, S^Jeobcrid),
bicfc^ 5}?u|Ter guter unb rcd}tfd)affncr ^rin^cn, n>ar ^trar
bcm 2lrl(tnt^muä ergeben, ba er Stallen feinem ftegreid;cu
2Irm untern^arf: aber felbjl nad; bem $mQm§ Fat^olifc^er
©c^riftfleller/ ttjar er ^ugleld) bcr gutigiTe S3cfd)u^er beö
^at^oüci^mua. ^'r na^m o^ne 2(itftanb fat^olifd;e ?0^uii|ter,
unb t^at biefer ^ircfec t>tel (3i\u^, ungead)tet gcrabe in feine
^ätcn mand)e geiler ber romifc()en QJrafaten fielen. SSlan
ffcllt fid? alfo bod) rao^l nic^t \>ov, l)a X^edberid) Jperr öon
Stallen warb, t^a n?avb Stallen arianifd;. ©ewig fefer um
tidjtig 1 Denn bic gau^e 53erdnbcrung war n?o^l nur biefe,
bap burd) einen (oId;en polltlfc^en 5Bcd)fel ein paar arlanifdje
S3ifd;üfe nac^ Stallen famcn. SSte t>iel l^rer gewefen finb,
lagt ftd) bei ben wenigen Unterfud)ungen, welche über bicfe
?9?aterien gemad)t woiben ft'nb, gar tud;t entfcfeeiben : aber
mit jtemlid)er ©ewig^eit lagt ft'd) tcrmut^en, M^ e^ nur
fcjr wenige gewefen feijen. @inb eö aber nur fe^r wenige
gcwcfen, fo tft leid)t begreiflid), it>arum man nid)t^ t)on
©ijnobaberfammlungen ^ort. ^od) wdre öieücidjt fogar bic
grage ob eö nur fo weit gefommen, t)a^ e^ mehrere, burd)
gewiffe bejiimmtc ©prengel regierenbe, arianifd)e 23U
fc{)ofe gab: unb gob e^ nid}t mehrere t?on biefer 2Irt, fo
Jebt ft'd) o^nebicf ha^ ^oncillen^alten t?on felbjT auf. Dag
ober bie !atJoIlfd)e ^irdje il;rc alte ©itte hcibci^altcn ^abc,
unb noc^ immer wichtigere ©trcitigfeiten öuf @t)noben cnt^
fc&iebcn, t(l fein 5[öunbcr: jtc war unter bem ©d;ut^c
fo gutiger ^Regenten, M bie £)(Igot5ifcl)en SiJZonard^en
waren, meijlcnö eben fo frei, alö unter SJegentcn gleid)er
Sieligion..
2Iu6 biefem wdre öffo fejr begreiflid;, warum man t?on
fatjolifdjcn unb iud)t tjou arlanifc^en ©pnoben Jbrt, obne
207
feine ^nfi\id)t 311 einer äJcrfcfciebenl^eit bcv Jierarc&tfd;«!
5^Zarimen Der SIrianej: unb £)rt^obox'en 3U nehmen»
5l6er dix ganje^ 3^&r^«nbert wcitm bie ör{anifrf)cit
^Banbafcn in 5Ifvifa ü}?ci|Ter; bcr Min^ lieg öftere feinen
©laiibcn eben fo na c^brucf (id; prebigen, aU Sub^uig XIV,
burc^ feine 2)ra9oncr; mit ©en?alt fc^te ffd) öffo ber Slria^
nilmu^ in ben S5eftt^ ber ^ird;en, unb bod) in bicfem gan^
Scn 3*^itf^"ni feine <2pur einer ariantfdjcn ©pnobe, Jinge*
gen fobalb ficö nur ber ^öcrfolgung^geijt be^ ^?ofe^ dn we^
nig gelegt ^atte, fo i>evfamme(ten ftd^ bie. !at&o(ifc^en S5i*
fd)6fe. ^bcr n?eld;c einlKimifd;e Ülac^ric^ten Jat man benn
tjon bcr arianifd;*t)anbalifd)cn ^irc{)e in 2lfrifa? ©ön^
feine, Sagt fic() alfo au^ bem Mangel übriggebliebener
^aä)vid)Un auc& auf ivirflic^ nid;t gehaltene 6t?noben
fd)liegen? (Sclbfl bie poIitifd;e (3c\d)id)tc ber tjanbalifd^en
a^egicrung m Slfrifa i(l mit fielen Dunfcl&eitcn bcDccft/ t^u
fi'd) nid)t auffldren laffcn, n?cil e6 an feiflorifc^en ^ofu^
menten fef;lt: n?ie i^iel mc^r alfo bleibt bk (^cfd)id;te biefer
^ird)c ^ocl)(I ungen?iß, bcfonbcrö \)a hd einem blog friege=
rifd)en ^^olfe, trie bie -öanbalen tvaren, bei einer beäpoti^
fc()en SRcgicrungeform, wo alleö t?on ben i>erdnberlid;en ©e^
finnungen ber ^Regenten abging, tüeber (Staat nod) ^irc^c
jemals einige Sa^rc Jinburcl) ^u einer tva^rcn fonfiftirenb^i
gorm !ommen fonnten* ^nd) auf bie ^urgunbifc^e ©es?
^d)id)U Vonntc id) unter gettjijfcn SSeftimmungen anwenben^
voa^ id) hü ben SBeflgot^en, S'i'tgDt&en unb 5ßanbalen cr^
innert iahe, aber id) überlade jef^t alleö weitere Sym^nrd^f
[ü^ren burcf) 5Seif)3iele einzig bem 9^ad)ben!en bcr Sefer^
ic ti mcHeic^t auc^ faltblütiger, aU id), ererben beurt^ei^
208
len f&nnen, ob \d) mid) nid&t burc^ polcmifircn Jöbe t)n\f
relflcu laflfcn^ unb burd) einen ©prung auf bö^ cntgegcngc^
fe^rc dxtvcm ber 5[öa^rf;cit bicllcic^t t)crfe^It. 34) fdjllcße
mit bcm a\umjlcn unb Jod^ac^jtung^öoUellcn 25an! gegen
^pcrrn Siunbc^ für bö^ fc^rrcic^c Vergnügen, ba5 er mir,
einem geringen Z^c'd feineö ^ublicumö, burd) feine mci*
^Icrjöfre unb p^i^ofop^ifc^ < fc^arfftnnige €nrn?icfclungcn ge?
fc^enft hat.
209
VII.
95on einer ^in&clanftalt ju Strier im jteben^
teil Sa^rlnint)ert, nebft ^etradjtungen über
Die 93ort&eile, bie bct ^leruö i)em mittlem
Seitalter brad)te ^'0-
§. I.
;Dag man in ^^eutfcblöub fcfcon im ficbcntcn cbcr öcb=
ten, t?icllcicl;t gar im fcc^etcn 3a^r{)unbcrt, gciriflTe bcftimmte
giubelanjlalren antrifft, i|t gcnjig fo \vid)tiQ, unb für hu
©efc^id)te ber Äumaniftrung ^^eutfc^Ianbö fo mcr!n?iirbig,
t)a^ bie ^öegeben^cit^ ^or^uf. ftc^ biefe ^emcrtung ftü^t,
ouöge^eid^nct ju n?erben D^rbicnt. Sn bcn actis sanctorum
im imiHix ^om be^ 3uliu6 ftcfet ©. 327 — 346 ha^ ^c^
bcn bc§ Jeif. ©oar. Unter feinen anbcrn 5Bunbern ivirb
öud) folgcnbeö cr^a'dlt @V 335. (Jbcn ba ber Jeif. Q3oar
tDcgen öicler 23efct)ulbigungcn i?or bcm ^r5bifd)of S^uftifu^
t)on 2!ricr jtd) uerantnjortet, unb ba bie Diic^ter t)on ber
Unfc^ulb beS bciligen 9}?anneö baburd) nod) nid)t gcnugfam
überzeugt n?urbcn, baß er i?or if;rcr aller 2(ugen feine 93Juljc
an einem ©onnenjIra^J auf^ieng, aU ob biefer ber fcftejic
klaget wäre, fo ereignet (ic{) folgenbe^:
*) ffluö «ö?eufcl'^ ©efc^ic^tdforfdjer. ^01.4. 1777. ©etfe
220 biö 248.
eplrtler'ö fammtl. 2?t'rfe VIII. ^3^ 14
210
Venil puer de Clero Trererorum, nomine Seob-
gisus^ portans in brachio euo infantem, Ires noc-
tes bAbentem^ qui fuit conjactatus in illa concba
marmorea ante oslium ecclesiae, siculi est con-
suetudo Treverorum, ut pauperculae feminae in-
fantes suos soleanl jactare. Haec autem erat con-
suetudo illorum^ ut quando aliquis bomo ipsos
infantes projectos, quos nutricarios vocant^ ab
illis matriculariis S» Petri enumerare videbanlur,
Episcopo ipsum infantem praesentare deberenl, et
postea Episcopi auctoritas ipsum bominem de illo
nutricario coniirmabat.
Der ?5ifd)of tjcvlöngt üon bcm f)til @oör, er fcH ^um 25e^
Vüeifc feiner Unfc()ulb ben 53(Jtcr tiefet gefundenen ^inbe«
anzeigen. Q^ic^t nur ba5 t^ut ©oar, fonbern er niöcfet nod;,
baß bö^ bi'dtäQiQt ^inb bcn 5!}?unb fel6|! öffnet, unb mit
Dcrne^mlidjer ©timmc lüdjt nur feine ÜJZutter, fonbern and)
feinen i^errn 53ater, t^cix S3ifd;of felbjt, nennt. X^a^ Wi^
rafel felbfl if! nun freilich bic 6önbgreiflid)(!e %aM, ober
berjenige, ive(d)er bajfclbc ^uerfl fc^riftlid) terfagte ober
ttiünblid) öuebreitete, muß bod; bie bitten unb ©etro^n^cif
ten ber 9}?enfd)cn, benen er böö 9}iira!el 3ufd)reibt, beobad)>
Ut l^aben, ober um gan^ ftd)er ^u fd)ließcn, ircnigilcnö 3u
ben Reiten M ?8erfafferö biefcr Scbcnebefd^reibung muffen
bie ©cnjo^njeiten öllgemein begannt gewefen fcyn, bic er
bei feiner S'r^d^fung aU fo gön^ unge^tijeifelt gewiß i?oröu^^
fe^t. 9lid;t fo gar feiten i(I eö ^wax, baß ein ^akv fein
Slroja mit Kanonen bcfd?ießt: ober barauö erhellt alöbann
bod> fo mi gcttjiß/ baß U ^u ^dUn biefe^ £l}?aler^ fd;on
Kanonen gegeben {lat.
2)cr Jeilige» QJoar lebte ungefähr hU xni Sabr 575.
211
dma' a^t Sajre tot feinem Zot^ foU flct obige ©«geben*
Jcir zugetragen Jaben. ©enn ölfo ber SJerfafifer bic @itte»
feinet 3citalterö bcm Sa^rjunbert beö JeiL ©oar^ nic^t uu#
tergefc^obcn f)at, fo waren im fßd)ötcn 3al;r^unbcrt orbent<i
licöc giubcfanilalten ju Xrier: unb ^at er fic t^m ait^
wirflicfe untcrgefc()obcn, fo tttad)t e^ faum einen Untcrfc^icb
ton einem ialhm Sa&r^unbert. Senn SlBanbelbcrt, bcr fcinft
(^r^d&Iung ton bcm billigen ©oar um ba^ ^al)v 809 fcbricb^
beruft ftc^ tahci auf vetasta unb peranli^ua exemplaria,
öuö bcnen er neben anbern ÜIad)rid)ten feinen ©toff gcnom^
men b^be. 2)ie in ben actis sanclorum abgebrucften ^?anb^
fd)riften finb «jirfUc^ alter al5 ©anbclbert,. ttjabrfd)cinlic(>
ftnb e5 alfo bicfe^ auf \mld)t er pd) berief. Sft c^ <iber
glaublich, ba§ er (le vetusta unb perantiqua nennen fonnte,
itenn.fte uid)t n)cnig(!en6 ein Sabrbunbert dtter itaren al6
fein Sluffalj? Unb wenn tiefe ^r^d^Iung a(fo ttirflid) ton
einem (5d)riftfteller öu^ ter erj^crn Jpdifte. be^ achten Sabr*
bunbert^ ift, fo burfte vtobl t>u ©ittc, :auf bic fid) feine
^r^df^lung grünbet^ feine gan^ neue, erjl ijor fur^em in
©ang gefommene (Sitte fei)n; fonjl iturbe fid) ber S3crrug^.
all^ubeutlid) unb öijcö bem uncrfabrnern aü^üii<i)tbav gqcigt
baben. 5I(fo ^iemlid; gewig i(I e^ (BitU au5 ber (entern
5?dlfte be5 ftebenten Sabrbunbcrt^, ober tielleicbt nod) ge^
«auer au^ ber 5}Zitte beffelben. Olöd; ^i« wid;tiger ^welfcl
t(l übrig, \icn id) anzeigen unb wo moglid) auflofen muß,
eje tc^ aur weitem 5inali)(irung ber 9]actri4)t fclbjl geJeM/
3Die gan^e 6acbe fott ftd) im Sajr 566 ober 667 unb
Swar unter bcm Sr^bifdjof SRuftüuö ton 2;ricr zugetragen
baben. 91m« ft?iflren alle aubcre glawbwmbige Q)cfc(?tc^tf(^rci^
212
&cr;itnt bicfc 'Jeit tvon feinem vlricrlfc()en ^r3lnfcf)of- ober
a3ifc()of IHuftüu^, fonbern auf ben 9lketiu5, tjou bcm nmn
nod) üom ^aljv 565 eine Urfunbc Jöt, laflfen jie- unmitteli
bctr ben SDkgncYif«:^ folgen, ^o fü^rt ^evr üon J)ont^eim
(hi&tor.'Trörar. diplom» T. L p» 52) ein »©ebiiit beS-'
2)enäntlu0' gortunötuö du, lüorin et ouf beit S^licctiu«^ mv-
ttiitulhax ben 9}?ö9neriftt6 folgen (dfh Unb gortunatu^ ijl
ein fc^i* glaitbtT^uvbigcr $mQ(* Ungefähr um baö Sci^f
564 "^0 föm er öuö Stallen nöd; ©allicn, n)Urbc fe^rgc*
twJüdr gr^unb br^ 53ifcl)of6 9]icctiü^, bre ^dbicf-föle bei'
>^ri&rifd?eR ^ircfedfonnten i^ms^dlfo auc^ md)t lUibeFannt
f^ijn-/ unb W%t'<iKc6 für (Tt!?;.bert.Dlad;folger feine^^ greunbcö
^h'iau gcwügt-'^u'^abhu ©ein 3^"9"iß -ill bcttiuöd) gän^
g'etvig ditcrv öI^' Ija^'geugnig be-^-'^iog rapiden beö -{^eiL
(5)6arg ;■ bcnu-^ö ijl-t)«^ 3^^'ö"'i6 ■ ^i*^^^ ^ei^ö^n'^lT»^*^/ ^ tin^
Warum foÜ ' man 9^ac^ri4)t'en ciiVe^ 2inoni;rtiu^ , "'^öil^^beffcu
Xeben^umjlduben' man nicfet bie gefingjle 9^ac()rid)r-]|aty'bäg
tnött ettt)a taraw'^'-urtbeilcn fonnte, ob' er genugfamc ©cI^<jcm^'
8cit Jatte bie' 'Iffiäl^r^cit 5U crfö|ren/trörum foll mön bicfc^
ben 91ac^ri4)teft 'eirieö- ^cl^nft^teUerö tjor^ief^en , ber, ;nöcf;
öllen feinen Seben^umjldnbeh' 3U' Urtt>cileil',^ ble'SBa^rJett ge#
tt)uft ^abe-n mug, nnb gan^ feinen ^ßort^ei! ge^öM ^öben
fünn, fte ^u ber&n-gen, ober folfclje 9löcl)rid)teh mitä-^ufdyiebcn.
Sben fo i(! in bcii gestis TreVirorum c, 87. be^ Dliccti«^
unmittelbarer 9]ac{)fo(gcr — 9}?agnerifu6. 2)icfe gesta Tre-^
virorumaber pnb ^u dnU beö neunten S'a^rjunbertö (Mt
^ont^cim 0. 26) öon einem Wlhud) ^ber^arb angefangen
tt?orben, ^od) fe^t ^?err t>on\^?ontf)eim !)in5U, bog mit
btcfem geugiug fibereinftimmc quidcjuid est venerandae
*) @. Pagi Critica in annaies Baronii ad h. a. nro. V
til5
anticfuiiAtis. ^v mac()t affo bit ric^ttgc ^emcrfttttg; • böß
SBaiibelbcvtö 3^'y9»^8 ^"^ ^^^ neunten Sa&r^unbert btcfen
ticii^ atrern tl)üU bd weitem glaubwurbigcvn ^a\Qm nic^jt
enrgcgengcfd^t iverben fonne. Denn aud) ^ben gcill onge*
nommeii, t}a^ Sßanbclbcrt bie ©öt^ eben' fo geiriß. ttJifTc»
fonnte, al^ gortunatuö .un5 öl6 bcr ^crfaflfef ber gestorum
Trevirorum, bag n. cJben fo ivenig öl^ bicfc 3»tere(fe Mf
bei ^atte, bic ^aM)cit nid?t 5« fagen: fo öevbicnen bod)
bicfe fd?on beöit)L\qen ben ^or^ug, weil fte I^icr eigentlid)
bic gofgc ber 2^ricrifcl;en 53ifd)üfe ^emcrfen trollten, olfo
bo^ gum ^au^t^wecf i^rer Slrbeit Rotten, öuf ben fte folg?
lid) alle ?[Ru^e njanbten: hingegen Ui Slöönbclbert unb bei
bem altern ^iograp^en be6 ^eiligen ^©oar, ber in ben 2lntt
tt?erpif4)en i?eil{gen«Seben abgebrncft ift, war t^a^ blog Die?»
benfadje. 9?ic^tlge 93emerfung beö 92amcu^ be^ 53ifd[)of^,
anter xt)dd)cm \id) bk ^ad)t gutrug/ tvar nicl)t jundc^ft ifer
^auptgwecf, al^ tielmebr d'r^dl^lung ber großen SBunber
i^rea X^Jeiligen. Uub ha^ jene ölte 33iograp{)en bcr j^eiligen
gn !ritifd;en Berichtigungen unb Unterfucl)ungen nicl)t gcrabe
bic gcfd)icfte(ren Seutc ivaren, Mvaix wirb vooU niemanb
gitjcifelm Zä^t ftd; alfo fein 2lnön?eg beulen, biefe beibc
,t>erfd;i ebene ^eugnijfe gu vereinigen, fo muß iä) gef!eben,
ta^ t>it ^?ont5eimifd)c 53KMnung in meinen 2Iugen noc^ im^
racr ben ^Jor^ug öerbieut, unb eö i|I ein $Ben?da bcr Un<
iiMflenbcit be6 ^?errn ^. ^para^cim^, it>cnn er, bem gelehrten
jjjont^eim gn tt)iberfpred)en , im erftcn Sontu6 feiner ^onci^
lienfammlung 0. 17. fd)retbt: inter vetöres Archiepisco-
pos Trevericos pauci tarn clare ex scriptls demonstrati
quam Rusticus hie seound.us. ^ei eben bcrfclbcn ©cU*
igcnjcit unb. auf chni berfelbcn, (BdU t)errdt{> ftd) in einem
jwar fleincn cjber ivic^tigcrt Um|lanb bte Untreue biefc^
214
€onciIicnfammIcrö. X^k ^anbfc^riff, öuf bercn 5llter cä bei
biefer ganacn ^ad)i Jauptfdc^Iicf) anfommt, beflimmni bie
2Iiitn?crpifd)cn ^Sammler blog im SlUgcmcincn burc^ folgenbe
2iuffd)rift: (S. Goaris)'Vila auctore anonymo forte 8ub-
AequalL Ex MS. Bertihiano vetustissimo ad alia MSS.
collato. 3tt)icfad) ift bic ^(i6)la^\Qhit ober Untreue, vocld)t
S^av^^cim bei ^(nfii^rung bicfcr 5Bortc bcgcjr. S'i n ma f.
ÖBae bic ölnttrcrvcr Don bem ^erfaflcr bcr £eben^bcfd}vci*
biuig fagcn, Umt er auf t>k J?anbfd;rift felbft. ^r will
ben ^bfc^rcibcr ^um üubaequali beö ^eil. ®oar5 niad)cn,
gerabe gegen bic bcftimmtef^cn SBortc feiner Urfunbc. ^wci^
ten^. Die 5(ntn3crpcr fc^en 3irctfcl^öft forte subaequali.
5Bcil Äcrr Jpcrr^K'im gefujlt {)aben mag, ha^ t^a^ forte
feinem gan3cn ^Seireiö gegen Jpont^eim bie ©tavfe nehmen
würbe, fo lagt er'6 ihixtc^, iinb fe^t Pinius detegit codii
cem Bertinianum, a subaequali anonymo scriptum,
©ewig, ti überfteigt aUcn Glauben, ta^ ftc^ ^u unfern
Reiten, hü ben rcict)en Gelegenheiten, t>k man Jaben fann,
burc^ Kollationen bic ^rcue cineö ©ammler^ au ^Jrufen,
^a^ fid) ein 9}^ann unterftanben bot, burc^ folcfee ^crfdU
fd)ungen ^u einem Eingriff öuf ^nx un(!erblid) i?erbienten
ipont&eim fi'd) ben 2Beg ^u babnen. Uebereilungen, flöc^ti»
ge6 Uebcrfeben würbe id) ea nennen, wenn bicfe^ ber cinjigc
Sali wdrc, wo J?ar3belm auf biefe 2lrt terfubr: ober M
man in hm wic^tigflcn Urfunben gleid)e, ton ibm willfubr^^
lic^ gemad;te, 53erdnberungen cntbccft, unb t>ielleid)t mit
ndd)(!em bem ^ublifum auf ba6 augcufd)cinlid;|lc burd) eine
gan^c 9f^eibe bcr treffcnbftcn ^cifpicle bcwcifen wirb: fo cr^
forbcrt c6 bic ^6rc bcr Sßabr()cit unb baö fonft migbraud)te
3«traucn be^ ^ublifumö, ta^ c^ gegen einen bloßen
©ammler billig folltc [Jabcn fbnncu, tax fe^dnbli^cn (EJa*
N . 215
raffet bcd ^c^jriftiTellcr^ ungcfcteut auf3ubccfen« ^m 5Jer#
eiiiiguug bcr ^ad)x\d)Un beö @o(jrfd;cii ^iograpjcu mit bcn
übrige« 9lac{;rid;tcu t)0« t>cr Otci^cnfolgc t>ev ^vicrifd;en
S5ifd}üfc fd^lage id) folgende 3n3ci "iQcQi oor, t>ic id) über
ga»5 bcii prüfenden Sßerfud^cu meiner Sefer uberlaflfe:
i) 55cnu bcr S5ifc()of S^ujlifu^^ bcjTeii in ber ©oar«
fc^en !lle,ben6befd?rcib«ug gebad;t i(?, ctvoa gön^ furjc 3^^^
crroa nidjt einmal ein \>o\ii$ Sa&r regiert l)ättCf fo liege
fid; '^ tro()l begreifen, warum feiner tveber in ben gesti»
TreveroruiTi; nod} in bem ©ebid;t be^ gorlunat«^ gebac^t
t(l^ Die ^ortf)eiIe m\b 9lad;t5ei(e biefer j';>v)pot{)efe fann ic^
Jier nid)t cntiuicfeln, befonber^ t>a bic ganac Untcvfuc^ung
l^ier nid;t S^an);>t\ad)c ijl.
2) Sßenn ma« önnimmt, bag ber Sbnig ©igcbert,
beflfen am (Jnbc ber £eben6befd;reibung gebac^t ijl, feine
9lac^frage wegen bem 53crbred;en beö 9iufti!u^ crft lange
^cit nadi) gcfdje^ener Z^a^ unternommen ^dtte, fo fann ber
S3ifd;of S^uftifu^, t>on bem ^ier t>k 9^ebe i|1, berjenige fev)n,
t)n\ ^pont^eim ©♦ 60. nad) bem gibiciuö unb Dor bem
Slprunculuö fe^t. Se^tere fD^einung fcl)eint mir bd weitem
t>k wa^rfd)cinlid)ere. 9lur mug man bei Unterfud;ung ber*
felben bic 53orftd)t gebraud)cn, immer me|r ben ^Siograpjen
beö ^eiligen ©oavö, wie er in ber 2(ntwerpifd)en @amm*
lung abgebrucft i(!, t?or Slugen ^n f)abm, aU bic S'r^ab'
lungen ©anbelbertö, Sencr ift in 53ergleid;ung mit le^tc/
rem offenbar Quelle. 25em ®efentlid;en meiner S3emer!ung
würbe eö nic^tö fd)aben, wenn fclb|l aud) ber 9Zame be^
S5ifd)ofö falfd) wdre, fo wenig aH fte burd) bic Unwal)rbeit
beö gan3en Facti verliert. Se^t ^ur 2Iaa(j)fumtg ber ^<idi)c
fclbft.
216
3« einer ^ert ölfo, über welche w^ gcmetnlg(ic^ mit
fo mUv ©clbjtgffdlligfeit fpottcn, vocii ba^jentgc, tpovubcr
ftd; fpotten ia^t, fo 9<xr leidet iuö Slugc fallt, unb weit
man ftd) burd) 5?orfdl^licbe ^SergcATun^ bcr '^cit unb bcr Um*
ftdnbe hm (Spott nodS) crleid;tcrt, ^u einer g^^t/ ^^^ fvcilict)
tjcrglidjen mit bcr unfrigen er(! noc^ ^eit bcr Äinb^eit unb
bcö Snt\T?icfclii6 ift, ftnbet (tc& eine bcr mcrfiDurbigjIcn ^iv
ftaltcn, trobiird) Dtcllcidjt bie ^olicci manc()cr teutfc^en ^ro*
t)tn3 (jegcntüdvtig nod) bcfd;dmt tvcrbcn fonnte. 2)a^ mag
5n?ar in jcbcm woblgcorbnctcn (Btaat fctjn, ha^, wenn au^#
gcfcl^rc ^iiibcr gefunbcn werben, bic C^brtgfeit fid) bcr 53eV''
forgung bcrfclbcn annimmt: aber ihr i(t bei weitem mcl}r.
^ ift ein ^Ma§ fcflgefegt, wo bic ^inber Eingelegt wer^
hen follcn, c6 ifl eine eigne ?llvt t)on Clerici öufgeftcllt,
welchen bic 53crforgung bicfer aufgefegten ^inber aufgetva*
gen ijl; alleö gcfd}icl)t unter obrigkeitlicher 5hiffid)t, beim
bem ^ifd;of wirb ba^ gcfunbene Äinb angezeigt, unb wollte
aud? jcmanb ein fold)e6 ^inb ^u fid) nel)mcn, unb bajTclbc
«ic^t bcr Oorge jener bcftimmten ^lerifet übcrlaffcn, fo
fonnt' e^ nid)t anberö al^ unter bcr 5lu!toritdt bcö S5ifcl)cf^
gefd)cbcn. Ob nun bicfe 2In(Ialt Jier urfpriuiglic^, ober,
weld)c^ bei weitem wa^rfd)einlic&er ifl, Jicbcr t)erpflan3t ifr,
baran liegt nid)t haß ©eringjTc» ©enug, fi'c war fc^on su
bicfer 3eit ba, unb mclleict)t nidjt gcrabe bie Safter unfrcr
53oreltern ^aben fic not^wenbig gemad;t: fonj! wcrbcir frei?
lic^ ginbel^dufer bind) fran^ofifd^e (Sitten cincö ^olU gan^
wncntbc^rlicl) : fonbern in (Staaten, wo !ein ©cwcrbc blübt,
unb 5lcferbau immer nur ben S3cmittclten ndbven !ann, weil
nur bicfer Ölecfcr «nb Soften, ben 5Icfcr ju bauen ^ bcftt^t,
wirb für bic untcrjlc klaffe bcr SDienfc(>en eine folcfee 3In#
217
jrart rcc^t not5n?enbig, roenn |te öttbcrö nid^t gan^ für bie
S3ci?olfcrung ucrlorcn Qt\)m foU« 2Bö()rfd}c{iifid; tjl WtUi*
bcn t)ic 9}?uttcr t)tcfcr2In(lalt: poIitlfcl;c 2lbfici)ten c;nvig nic^t,
beim baö poIitifd)c (Spefullrcn n?ar nod? feine (Sad)c icner
3citcii unfcrcr 53drcr. Hub bcr ^(eru« ijl e«, bcr ^(eruö
ifr c^ — beffcu 53orforgc btcfc ölnftalt anijßvtraut war.
^Jicrul&cr erlauben mir meine Scfer eine fleine ^rebißt,
§. 4.
a^ ift ^Kobetjcma, red;t wi^iQ su tl;un, fobölb ^on
bcm ^leru6 be6 mittlerit ^dtalut$ bk a^tebe i(!, in bcn^ef^
tigjlcn 3nt?eftiücn gegen bicfen gönnen, Sa^vbunbert« ^in#
burc^ Jerrfdjenbcn, ©tanb feine ?l}?eufd)cnlicbc unb bie ^lugp
^eit feinet Sabr^unbertö ^u geigen« X)a unfcre ^dtcr tor
britt^alb Junbcrt 3a()ren, burc^ SDZofe Sutbcrn geführt, öuö
Sfegwpten giengen, noc^ auf bem- 92acfen bk tiefen CRarben
feigen fonnten, hk ibnen-baö Sodf) ber get(^Iid)en ^baraonc
eingebrucft Jatte, unb immer im bangen ©d)vecfen wanbel^
Ui\, t>a^ fte boc() nid}t bcr, biejer fclbft gcfronten ^pdnptern
fo fürchterliche, Q3atifanbli§ ereile: ba war e6 fein 5Bunbcr,
ta^ eö %kb beö ©ele&rten unb Ungele^rten war — grcube
über \)aS ^erbrocljene 3oc^, bitterer, aber für jene Reiten
wabrer Sifer gegen tk 2^i?rannei bc^ ^lerul unb befonberö
be^ crften unb aUgewaltigften ^riefterö» Der 5J}^enfc&, weU
cfcer fo eben hk 5[Bivfung einer genommenen Dofiö ©c^ier^
ling in feinem 3nner(len Derfpuvt, wirb frcilicl^ in 53erwun-
fc^ungen gtgen ben ©c^ierling fein (5nbe ftnben: aber wenn
nun boc^ ber ©c^mer^ üertobt f)at, fo i(t eö bocl? finbifci),
immer bloö über (Schierling unb (Schierling flagen, unb ba^
bei md)t and) auf hcn Einfall fommen, ob nict?t ber gü--
ti^ftc ^?err ber Dlarur aud; wenn er ^nm ^IBacl;^t{ium beö
218
©c&icritngö fein ©ctcijen Q\bt, immcir tiod) gutigjicr ©ojl*
tl)atcv fct). gaft über ciu Oalb 3af;rraufent) \)nt hcv «Batcr
ber i9?cnfd;cu bc« befteii brauc&barrtcn Üf^cil feiner dllmf
fcl;enfamilie bem Jartbrucfeubeu 3oc^) be^ (Sleru^ mitcnror?
fen. ^^ne gutige 2I5fict)ten? £)r)ue ^artbeil felb|l aud; für
bic ©ciieratipucu, h'u in bicfem &a(beu 3a&rtaufeiib Icbrcn?
Söar baö 3od) nic^t au* ^ugleicö ?SJöl;(tbat? uub t)icllcid)t
war M^ Qaix^t geitalter^ ba5 mifef ©elbtlbunhl bebauerr,
feiner anbcr« ^oi)U^atüx faf)tg, a(^ fotc^er, idcIc^c gcrabc
mit biefer Portion SBermutb unb ^alle t)ermifd)t waren.
^3 n?are ©toff für ein gan^c^ S5uc&, ^u jeicjcn, weldjen
ölhro^Itbatigen (Jinfluß bic @d)tcffale jencö in unfern ^u<
gen unglü{flid}en 3<J&i^b"»berta fclbft nod) auf uufrc ^ciHn
unb auf bie Reiten unferer fpateften 9lad?!ommen ^abcn:
iä) fd)rdn!e micfe Jicr beöwcgeu blog barauf ein, bic grof
fcn ^ortbcilc ^u cntwicfeUi, welche felbft jencö ^citaltcv
einzig unb öllciu eben benjcnigcn, wcld;c wir aU bic S^ps
ranneu ibrcr ^dtm branbmarfcu, ^u banfen l)atu. 2Ibcr
nod) vorläufig bic gragc, \vdd)C mir t>ieltcid;t meine Scfer
cntgcgcnwerfen: Sßar'^ aud) 2Ibfid)t bcö (^Ieru6, jene 2Bo()U
tb^tca ju crwcifcn? wenn c6 nic^t feine 2Ibfi'd)t, foubcrn
hio^ zufällige gotgc gewefen i(!; warum jene 3nt>cfti\>en
mitbern? 3"'^ Xf)di war e6 wirHid) 2Ibfid)t^ wie wir im
weitem Verfolg fe^en werben: unb wenn wir un^ bann
ba5 flrcnge (^efclj madjcn, immer crwiefene 2Ibfid)t be«
ööobltöunö fcbcn wollen, cbe wir bic ©obltbat aU ^ot)U
tbat ernennen; wenn wir nie burd) baö gan5e 0}Zcnfc^cngef
tiJimmel ^inburd), bon bem ©uteö unb ^ofe^ auf un^ ^u?
f[iej3t, auf ben bt»fd)aucn wollen, ber @d)mcr,5 unb ^olluft,
Xraurig!cit uub 53crgnügcn an ibtcU auiTcrften €nben Der?
fnupft Jat: fo lajjt mi^ über unfcvc ^iixcn eben fo fcjr
219
ffagcn ölö über jene, bcnii bloß ber Dlanic unfcrcr 5!rci6^
Do^tc (at ftci) geändert«
§. 5.
SSJliUtavi^d) wav Me ERegicruitg^art (?^lobo»ic^ö unb
feiner erjlen Dlad^folgcr; beim fo ticl man and^ immer öon
einer i>or(>ergef)cnt)cn teutfd}ett grei^eit fprecf)eii ma^, fo war
\if^t bod^ burd; bic 9cmad;tcn Eroberungen, burc^ tat fo long
baurenbe (^ommanbo, tai einer über alle feint iOZitbrüber
wecken be6 langen ^rieg^ not^n^enbig: fcabcn mugte, hxnd)
bcn ftrengen ©e^orfam, welchen ber ^olböt bcm Sclb&errn
Iciften muß, in ben ©itten, ber I)en!ung^art unb bem gan^»
3en S5etrageii ber DIation eine fo i?6llige 53cränberung
torgegangen, t>a^ ton ber torigen Unab&dngigfcit eincö
teutfdjen SOknnea ton einem anbcrn teutfd)en 5}?ann jc^t
nid)t6 me^r übrig blieb. SKegcnt unb Unterregenten waren
nid)t5 al6 @oIbatcnf5pfe, Seute, ton 3"gf"b öuf gettobnt,
ba^ SRed)t mit ber gaujl ^u entfdjeiben, unb ton E'robe*
rung6fud?t geplagt, behielten (tc auc^ im grieben, auc^ im
betragen gegen ifjre Unterttorfene, bciv Srobcrungögeijl.
^urd) bie gcubalterfajfung würben biefe ©cftnnungen erjt
nod) rec^t fortbaurenb gemac{)t: ifere gcfa^rlicl)e Sofgen aber
ÖUC& be|!o me^r entwicfelt. 2)cr Seben^mann battc fo gut
einen militarifd)en ^opf at^ ber Sebenö^crr: nid)t obne gro'
ße6 Unglucf für ben ganzen «Staat mußten pä) biefe ^opfe
oft 3ufammen|logen, unb Mb mußte ftcfe biefe ©ä^rung
iti ben fc()recflic^(ien 2)e^poti^muö auflofcn, ofterö bloö mit
bcm gdn3lid;en 3fluin beö (Staate fid; cnbigen, ttenn nid)t
eine britte Wlctd)t ba^wifcfeen fdme, itcld)e, burd) ben ^cU
tritt balb ju bicfer ba(b ju jener ^art^ic, bem ^taat fRwhc
uuD ber <5taatötcrfatTung eine fcftc gorm gab. Dicfe britte
^art^ie ijl ber (^Icru^. Er ^at bie Wla^t ber Äbuigc butc()
9S
20
gute unb bofe Wittd (SJ^oralitdt bcr 9)?lttcl ober r|t tter
nid;t bte grage, fonöcrn t)on Dem inteubirtca imb crreid)tcii
^tib^wccf i\t bic Diebe) cnblid? ba()iii fterrtböcpimnu, bag
burcfe jte nidn alle grciUit bcö 58urgcrö miterbrucft warb,
bcr iRcgeut nid)t aH ©eneral einer 2Irmee ^anbleu fonnte,
fonbeni ficö nac^ unb md) au benjenigen S^on geiuof^ue«
ntußre, irorin cm Slegcut mit feinem SQoit fpreci?tut füll.
53enii niemanb mc^r ein 5Sorr fprec^cn, unb bem Dc^pos
Un diu vöorflcllung möd)en buvfte, fo wax c^ ber Söeicl)t»
x>ater ober bic 9ici(^5gei|llic^feit in corpore. Unb trenn
pc fid) öucf) nid)t felbji ön ben ^bnig getrauten/ fo iruj3ten
fie ben !DJiniilern haß (Bernden ^u fdjarfen, unb irenn auc^
biefer feineu ^ifc^of nidjt aU ben ^.oten cnjigcr (Seligfeit
ober 5ßerbammung önfa^, fo !amen boc() bic galle gar ^u
oft, «30 ber 3}?inijter bcr 5?ulfc beö ^ifd)of^ wiebcrum no^
tfeig ^atte: er mugte ftd) alfo fe[)r ungern mit i^m abtt>er^
fcrt» 5Bo. grei^it iix irgenb, einem ber f)i\inQm curopdifc^eii
öleic^c ift, unb ^wat grei^eit, bic ftc^ auf . alte §}ertrdgc
unb @taat6t>crfaj]rung grunbet, ha ift f{c;©erf bcö ^lerue;
unb ba hä allem Hinflug bea ^(cruä auf 9legierung unb
©taat^öerfapng hu bcjten unb größten unfcrer teutfdicn
Ötegenten öon manchen Unmenfd)Iic^feitcn nic^t konnten ^u^
rucfgebracf)t lücrben: (mc tjcrfu&r ^arl ber ©rogc mit fei*
«eu ^Sruber^fü^nen, ^ubmig mit feinem SSrubevafo^n -Sern^
6arb! vo'u mußte nic^t Ott ber ©roge oon feiner ÜJeiftlid);
feit gelenft unb geleitet treiben !) fo ift Icidjt ^u fd)lie|5cn,
n)eld;er oricnralifc^c De^potiömu^ alle unfcrc curopdifd^eu
fKcidQZ ter^ecrt Jaben irurbe, wenn v\'ui)t bicfc brittc iDiad^t
fotvofjl bic Soberungen be^ 53olfa gemdßigt, alö bic Slnnia.*
gungen ber 9?cgenten eingefd)rdnft I)dtrc» X>a^ fid? bcr
aUviii bei biefcm allem nicmalö fclbft ücrgciTcii Jabe, Iduguc
22i
fd) gar incl)t: foU man ö5cr an ?cü*r^ vrcH fic tonfuTirt
fi'nD, iibermcnfc^Iic^c gorbcrungca machen? rcer unter ailcu
bicfciv ircld^e ()ier in ^onrürfcn gegen Den (Slcruö fo njt^ig
t^un, an'irDc h\ gleid;em gallba^ (»eilige ©ra6 umfonft ge#
^utet Nbcn? . Der ireMt^^tigs (Hinflug; ;be^ ^(iru^ öuf beft
©taat bcittc nocfc lange nic()t feine öoKc üöivfung gezeigt/
nac{)bcm öuc^ tu gefiTeln beö Despotismus fd;on ^erfd^tögcii
waren ; benn je^t war wod) ha^ weit fd^njerere 2ßevf 311
öoIIeuDen^ ben ganzen aufbraufcnbcn Qjeijl bef Dlation
3ti madigen ^ ben (Sd;aben ber.cwrgen äStfe^bungcn ,fo md
nioglid; ju hemmen; benn o(;nc Öiucffe^r /einer beSpotifc()en
©eti?a(t Ratten fie -.unmoglid) mit 'dnemmal Tonnen auSge=
rottet werben; eS wax alfo anfangs genug Dlu^en gefo^afft,
njenn nur ber .@d;aben ein wenig geöemmt würbe, -^pier
t(l Urfprung unb nocö nie, gerü&mter 53ort6eil ber treuga
Dei. 5(ber i)aS allcS gieng bod)/bloS burct) religiofc $5etru^
gcreien? — @o fd)impfe benn- mit gteid)em ^ifer gegen
bie Dluma^S «nb fo J?iete anberc groge 5l}?dnner ber altern
5Belt, welche burc^ gleiche !D2afcfeiuen bem ©türm beS un*
banbigen 53olfS geboten. . 2)er raifdnnirenbe ©efc{)id}tfd)rei<:
ber foll nic^t ben SJeoIogen macf)en, fonbern Urfacf)en unb
(Erfolge fpa^cn, ftc a\xi cinanber erflarcn, unb i^m fann «5,
gleid)i?iel fet)n, ob biefer ^eibnifd)e . unb jener c&riftli(^e SRe*
ligion s« Leitung beS ©taatS mij3braud)t ^au Scner 5Sti
fcfeof, ber ben Einfall Jattc, \3k ®elt ju |>ereben, er ^abt
3u (Stiftung einer foIc|)cn treuga h\ einer göttlichen ^ffcn=
barung SSefe^I befommen *^),rtwar t>icUeid;t im ganzen tnitt*
lern Zeitalter ber grogtc SSo^ltfjdter i?on (Suropa; er t>eri'
*) eiel)e ©ie^ebertS oon ^emblourS (Jbrou:! 00m 3aßt 1032^
bei <püttern im ooHitaubigen j;flni)bucb. I. ^i), pag. 206.
222
fc^öffte wcnigjlcnö auf einige ^age bcf Söoc^e öHgctticine
©ld?criclt, bracl;te 5?önt)cl uub ©enterbe ttjiebcrum in ©ötig,
entwöhnte nac^ unb md) einen großen ^()ei[ feiner ?9Zit<»
bürger beö 9f\aubcn^, unb xctutc ta$ !ücben un^aljligcr
^erfoncn. '^Un Jat in nnfcrn 3^itcn gegen bte Slf^Ie unb
ba^ t>on ber ©eiftltd;!cit gcforberte jus asjli für Äird)en,
^Ibjfcr u. f. n?. auf baö Jefrigfle loegeaogen. ©cnn bic
Snöefriüc hei unfern ^ciUn 'flehen bleibt, fo ijt (le t>ollfoin#
tuen gcgrönbet; benn hd unferer ^'-'Utigfn, burd) bic ©cfe^c
fo genöu bcftimmtcn Slrt, ©ercc^tigfeit ^u t>crn?ö(ten, ftnb
biefe 3"P«cl}t6orter nid}t nur unnbr^ig, fonbcrn bem 2Bob(
beö ©an^en dugerft fd)dDlic|): aber man benfe fi'c^ in bic
Reiten be^ cilften, j^tjolften, brci^c^ntcn 3af;r6unbert^ I)tn*
ein, wo nod) immer, ungefähr voic unter ben Sfia^^tcn in
bcn erjlen Reiten ber ^ilbung i^re^ (Staate, gamilienracbc
unb ©clb(l^u(fe ©tatt ^attV tvp bic ©eric&t^^ofe feiten uirb
in ben ©erid^tö^ofen eine genaue ^nfü^pficQt nod) fcitner
tt)ar, wo ber ©djwdc^erc gegen bic 23ebrucfun^n beö (Btax^
fern wenig obrig!eitIid)c^?ulfe ju bojfcn ^attc: wa5 !onnte
tibd) einzige i^ulfe für ben <5d)wadien, für ben unfd)ulbig
SÖerfofgten fet)n, aU ha^ e^ gewiffe ^(dl^e gab, bercn borgen
gebene ^eiligfeit bod) I)ie unb t)a einen 9^duber, einen gc*
walttbötigcn geinb abfd;recfen fonnte? greilid) würbe burc^
eben bicfc^ jus asyli aud) mand;er (Sdjulbtge ber (5)ered)tig*
hit entzogen, (So gicng e^ atfo im ©ruubc nidjt fd}llmmff
unb nid;t beffer, aU eö über^auv't in bicfcr beften Sßclt a«
geben pflegt. 3cbe mit großen 53ort^eilcn tjerhrnpftc 6ad}c
bat aud) ibrc nad)t^eiligc (Seiten; fo lauge ober (nad;tbeili
uom 53ortbeiI, wie in gegenwärtigem galle, weit übertroffen
wirb, fo bleibt bic ^nftalt bod; nod) immer fobenewürbig.
'^an i)at tiefe, oft mcnprbfc, 53ercc^nungen gcmad^t.
223
it»ic ml ber 5Jct)Mfcning burcf) ben €&Iibat ber ©ei|IIid)!cit
unb burd? M^ ,^loftcrIebcn entzogen worbcn: niöii Jat bei
bicfcn S3creciniun9cn gegen t>u cinmütl)igc 9^ad)rici;t ber ©es
fcf)id)te öller Reiten t)orauögcfc<^f, bog jcber ^lerifcr bei Ue^
berncbmung bcö €5li6atö aufge^brt Jöbc, für gortpftöii^ung
be« menfcl;{id)en ©efc^fed^t^ ju forgeii; man Jat mcljTen^
tergeflfen, wie ftav! aud) Jier ber Ö^ei^ beö 5ßerbot^ getrirft
iahe: unb, worauf id) ^ier {>auptfdd)Iic() fe^e, man Jöt nid)t
jugleid; erwogen^ ^a^ man t^ einzig biefem gelfilid;en (^5^
libat 3U banfen Jat, bag nid)t jteutfdjianb in lauter Heine
^?errfd)aften, bloö t)om Umfang ctlidjer ©tunben, verfallen
ijl. ^in Sanb, \ia^ fo ^erftucfelt gewefen wdrc, aU Zmt\d)f
lanb bei nod; nid;t eingeführtem ^r(!geburtöred;t not^wen^
big ^erftudfett worben wdre, wenn tiic^t mancl)er ^rinj im
Älojier, mancher M ^öifcfeof abgejTorben fctjn würbe, l^dttc
unmöglich jemals ju einer bctrdcbtlic()en ©tufe Don ^cnid}-
liebfeit unb Kultur fid^ emporfd)wingen fonnen. fO?an fie^t
cö nirgenbö treffenber, alß in fleinen SReid;^jIdt)ten, \m fei^r
ftcb in einem folc^en DiminutiDu^ l^on ©taat bie alte 23ar^
barei öm fc()werften üertreiben lagt: waö würbe 2^eutfd)lanb
geworben fe^n, wenn c^ in lauter folc^c ^tucfcben verfallen
wdre? Unb wie t>ielen (Streitig!eiten würbe baburcb t>orge^
beugt, welcl?e über !$:^ei(ungen/ burcf) Siferfud)t be^ ©erin?
gern gegen ben ©rogern, be^ altern 25ruberö gegen jun*
■ gere S5ruber ober ber jungem S5rüber gegen ben altern notj^
wenbig entjlanben fet)n würben, wenn nid;t mancher ber?
felben in^ ^loper gegangen, mand)er burc^ eine ^rdlatur
Abgefertigt worben wdrel Slber fo ftnb burc& eben tk^cn
• 2öeg and) manche ^^dufer au^geftorben? Q^cvahc ha^ iil
' rccbt, bamit ftc() ^eutfc{)lanb in grogere ©tucfe Dereinigte,
unb burd? 53crminberung ber regiercnben ^bpfc auö;) mejr
24
^\t\tvad)t, olfo öitc^ tttejr 2Öir!famf cit jum ölTgcmeiiTcu
Söojl Ttiüglid? gcmac^^t tvüröc. Söa5 liegt t)cr ©dt baran,
ob'C^ «od; 2)i?na|tcn üon (^ranic^felb ober I^puailen i?ou
Ji^uvningcii gibt, ob nod) ©rafcii ton (5a:)>penberg,. $8omcncsf
bürg, 91oIf'c> Ööafungcn n. f. tt>, criftiren ober nid^tj ober
ba^ ift für baö ©o^I t?o« S:eutfcl)Ianb intcrcflfant, bng jTd?
jeöt untef bcm Olamen M ^;)er3ogt5umö ©trtentbevg Qkid)*
(am ein gau^cr ^lumpca c^maligcr ficiuer ^v^f'R^» "»b
©rafcn ücreiuigt bat^ uub.biefcr (Staötefürpcr, iu ii?cld)em
jcgt nur ein (Seift lebt, bei i^citem fcf^neller uub glucflictjer
gcbilbct werben tann, aU c^maU^ \^a iebeö ^taht uiib ^mt,
baa jel^t nur. '©lieb ijl, für jid) fclbftjianbiaer Körper \i?ar.
§, 6.
2)er bitterflc Vorwurf, ben man bem (Hkxü^ M mlttf
lm\'^ütalta'i.ma(i)t, tjl gcmeiniglid) bi.efcr, bog burd) ib»
bcr Sortgang in ben ^Siflfenfcbaften gcbinbert, SBarbarei pri*
tjifegtrt, unb t)a^ ^olt an^, interefilrten Slbficbten mutbiriT^
lig in ber UntoijTenbett crbatten.morben. Da ic!? micb bici*
einzig barauf cinfcbranfe, ju seigen., voit t)icl ber ^Icru^'
fclbjl bcn gelten genügt "babje/.bic Joir aU unglücflicfjc bc*
bauer«, fo gcbcnfc icf) b^flVtr ;grt?.Hid)i^ bag man alle ^b^
fc^riftcn bcr alten JHufteren , alle Ueberbleibfel biftorifcl^er
9lad)rid)ten au6 bem mittlem Zeitalter, alle Uvfunbcn, tuor^
öuf ba^ 5[Bobt unb bie ;33?ad)t n\<n\i)ct unferer jetzigen teut^
fd;en Staaten beruht,, «in^ig, bem gleigc be6 €Icru^ ^u ban?
fen iat: fonbern Id) mcrbe cinjjg- ^u erweifcn fucben, bag,
tücnn ber €lcru^ ind^t gemefen mdre, gan^ 3^cutfd;Ianb in
eine fiebenfad) tiefere, hü m^item unübcrminblidjcrc giiifrcr?
uig gefunfen feijn würbe, (^rftlic^ ift bicfe ^^lage in bcr
Qillgcmeinjeit, mic man fie gemcinlid; Uüvbrin§t> t?bHiti bi*-
225
(!orlfc5 iincrtriefcn, 2)cr €leru5 Jöt freillcö bcn gortgaiij
hl Den ©ijTcnfcbaftcu gc(?int)cvt: aber in feinem fc^limmcru
©inne, ai6 man 5. iö. üom (San^Icr ööolf -mit Dem gr'otjteu
iKcc^t aud) fagen fonntc/ er Jabc bcn gortgang ter $biIo#
fop&ic gcf)inbert. €5 i|t uc^mlt:^ gemeine 3Irt bcr meiftcn
Sebrcr, ba|] fic ntd)t gerne fc(ien', wenn bcr (5d)iilcr auf ib*
Ten ©c^ultcrn ftcbenb über fi'e J)ina\i€ fd)aut, er foU geröbe
nur auf bm ^unFr, nur an t>a^ ^id ^infcben, ba^ fte i\)m
gejTecft Jabcn, nur biejenigc ©attung üon SBiflTenfd^flfre»
hidvbdun, bie fie fi'cf) jum Liebling wallten. ©c^war^eSi^
ferfuc^t mit i^rem ganzen fc^redflid)cn ß)cfo(gc mugte fic^
befonbcrö in jenen rof^ern ungebilbeten ^'•'if*''" ^^^^ furd)ter#
lid;er duj|crn/ aU in unfercm Sö^fjun^crt ; unb tvetl man
fiä) nidjt fdjneller Reifen fonnte, fo t>enucbte man allc^ mit
ber Su'liglon: wer ^i'ilo^op^k, wer alte einmal beglaubigte
@cfd)id)te antajtcte, würbe aU t)errud)ter S^cligion^fcinb
auögefc()rien: aber tt)at ba^ allein bcr dUxü^ be6 mittlem
geitaltcr^? ©o wirb ber Sauf ber Sßclt bi^ an^ (5nbe bcr
5tage bleiben^ jeber webrt fic& feiner S3eftljungen fo gut er
fann, ber eine weig feine SBaffen beiJer ju i?erbergen al^
ber anbere, im ©runb ift c^ eine SKoUe, tk gcfpielt wirb.
^wciten^. 2In bcm !D?angcI beS gortgangS unb ber 5lu^>
breitung ber S[öi(fenfd)aften war thm fowo()I eigene ganlbcit
ber Zar)m, aU mut^willige ^erjinbcrung be^ (^Icruö 6d)ulD,
benn fte lichten alle ben Degen t>or3ugIid)er, mü Don gü&^
rung M Degens meftr 53ort^eil ^u ^ojfcn war, unb tc^ wei^
mäi)t, ob man boUig bcweifenbe 25eifpiele in grogcr ?0?cngc
ftnben wirb, au5 wz{ä)in erjelle, bag ber ^Icru^ bcm Sia\m
bie ©elcjrfamfcit unb tit ^ulf^mittel ^ur ©ele^rfamfcit
wirflid) entzogen \)abc. Dritten^. 2Bcr anber^ nod),
alö 05ci|I(id)!cit, \)at im mittlem 3«-'iti^^f^'f f^r Crritc^unge*
©pittkc'^ fiuuntl- iSerfc. VIH. 5Ö&. J3
226
önjlaltcn geformt? n?o finb ©d)uten jucrjl aut> auf^ i>or3U9*
licfef^e angelegt n?orbeu, aU bei ^loftern uub ^at^ebralür«^
d)cn? n?eld;er ©tanb voav c^, bcr öUciu o^ne einige ©elefer*
famfeit nid^t bcfte{>en fonnte, al€ ber clerifalifd)e? benii
tttenigften^ Icfen mugte bod) ein ^(erifuö fonncn: Jinge*»
gen ölle übrige öcrgagen and) biefe6 getrofl. ©o lauge 5lun|t
^u lefen unb ju fd^reiben unter einem ^olfc nod) übrig ijl, fo
lange ftnb hod) nod) ixidjt bie ^auptfad;Iic^ften ©ubfibien üer^
loren gegangen : unb bcrjenige ©tanb, ber fte bem 53erberben
entreißt, t>erbient ben X)ai\t feinet unb ber folgenben $iiu
alter. SÖdren ,fie aha- nicfet verloren gegangen, wenn fte
nic^t ber ^leru6 erhalten Jdtte ? ^
S!)er Unterricht, ben ber ^leru^ gab, mag nun an ben
tticij!en £)rten immerhin fc^r fd)lcd)t gcn^efen fei;n, fo a^ar
c5 bod; Unterriefet, unb er war bod; frei, unb wenigrten^
Slnfangö o^nt ^ojlen. ^an i^ ubcrbig fe^r unbillig, wenn
man tU ©d)ulen nnb ^r^ie^ung^anflalten jeneö geitalterö
nac^ unfern tjerfeinerten pdbagogifcfeen ^gegriffen abmißt:
ba^ gan^e 3<^italter war Äinbbeit, alfo möflfen aucfe alle
3(n(!alten unb 33emü6ungen be^ 3^^^^^^^^'^ Ge^jrdge ber Mn^*
l^eit an ftcb tragen.
Unb üerbiente benn ein ©tanb fo hitHxc 53orwurfe, fo
{eftige ©cfemdf;ungen, hd welc&en bie ^c^Uv beflfelben im?
ttier fiebenfad; t>crgrbgert gezeigt unb feine gute eigcnfd;aften
nie bemerft werben? thi (Btai\\> — bem wir Slnlcgung ba
ginbell^dufer, ^Jofpitdler, Sa^aretfje u. f. w. ^n banfcn ^aben:
burcfe ^c^cn <öorgfalt alfo ba^ Mm fo manchen 23urgcr^
gerettet, fo manche ©cfeanbt^at bereutet würbe! ^an red;nct
t€ 23afcbpwcn ^um wahren ?ßcrbienft, bag er mit fo Diclcr
227
iBetriebfamfelt fein gan^e^ ^^itölter in ©d^rung 3u fcßeii
Süd)t , um für 2)cflrau ungefähr eben t)a^ ju werben, ivatf
granfe, \)üxö) Eintreibung milber 93dtrdge für Stiftung
be^ SBaifen^aufe^, ber ^tabt S^aüt xoaxb. Unb bem €Ieru«
bc^ mittlem ^citalter^ folltc c5 nld^t aU 53erbienjl ange#
rec^^net werben, ha^ twxä) ijn folc^e bem ^enfd)engefd;Iec^t
nö^lic^c 3"f^itute angelegt unb erhalten worben finb? j^dttc
bie Stiftung fotc^er 3n|litute erjl tm 2Iugenblicf abwaxUn
muffen, bii in ber Seele eine^ bIo5 für graben unb Ärieg
lebenbea gurjlen biefer ©ebanfe ber ^enf(^lid)feit aufge^
(liegen wäre: fo waren fie wojl nimmermehr ju <Stanbc
gefommen. gortgang ber Kultur be^ il}?enfd)engef(^rcc6t^
fangt unter anbern wid)tigcn Umfldnben auc^ ton ber ^Ber*
binbung ber 5}?enfd;en untereinanber ab, ton ber wec&fel^*
weifen jlommunifation ber oft burc& ^lima, ^itttn unb
Slegierung^art getrennten 53&Ifer, ba^ öllc^ fo auf unb tu
cinanber wiri^t, al^ ob alle fo fc^r t>erfcf)iebene SQhiUx nur eine
©efellfd;aft auömac^ten. 3e großer t>ic (^pjdrc ber 5öerbinbun^
gen unb G)efeUfd)aften i(I, worin ber SDZenfd) Übt, bejlo me^r
(tejt, be(Io me^r fort er, bcflo me^r wirft t>on außen auf i^tt,
«nb bejlo me&r ^rdftc werben alfo in i^m felbjl f^rüorges
locft. ©rogent^eil^ fam hie SSarbarei beö mittlem JeitaU
ter^ auc^ ba^er, ha^ tic DZarionen fajl gar nic^t unter (Tc^
tjerbunben waren, unb bie geringe 23erbinbung, bie uocö
übrig blieb, Jatte man einjig bem Eleruö ^u banfen. Un>
ter bem Raupte be^ X^aiai Sama*^ in 9lom tjcretnigt^
mad)te bie burc^ alle europdifc^e £dnber 5er(!reutc ©ei(t(ic^«
licftfeit nur einen Körper, nur ein ©pjlem au^: burc^
fie Jieng alfo ber Olorben mit bem ©üben, baö b(!Iic{)i!e
unb ba5 weillic^e (Europa ^ufammen, Sdnber, welche o^ne
bicfe« bielleic(?t (mejr alö 3ßtt^u"^^'rt0 cinanber unbefannt
228
flcblicben wären. 25er 5profeIt)teneifer trieb be« €Ieru5 weit
um^er, unb biefcr ^rofcl^tencifer ^atte ötöbönu öuc^ tiefen
OZu^c», bag Golfer mit 536lfcrn öerbunben würben, Jjanb?
lung belebt, ÄemitnifTe wec^^fclcwei^ mitget^eilt, ^war feine
wiffenfc()aftlic^c Äenntniflfc, ober bod) fc^r t>iele fold)c, wo»
burd) bic '45equemlic&!eiten be^ Mcn^ beforbert würben.
9)2an lefe bie ©efc&{d)tc ber päp(i(icl?en ©efanbfc^aften an
beu S^artarifd)eu ©rogd)ön Oltai unb feinen ^riu^en
©ajuf : fo gering unb nicl)töbebeutenb auc^ ber Erfolg biefer
©cfanbfd)aften blieb, fo fic^t man bocfe, xck ungeheuer grog
für jene $dttn ein folclje« ^rojeft war, unb xoit dllein ber
^apjl mit fejr geringer Wlhi)t ^txoai unternehmen fonnte^
W03U öUe onbere curopdifd^c gurjleii «icf)t 9KutJ ober
tiic^t SScrjIanb genug (>attcm
§. 8.
91un öHc biefe unb noc^ mehrere 53ort5eiIc, aU \d) biö^
Jer gezeigt \)ahc, brad&te ber fatbolifc^e €Ierua feinem '^dv
ölter: ic^ ubcrlaffc anbern ^nx ©toff für eine eigene 2Ib#
Janbtung, ju jeigen, weld)en gropcn DZu^en nod) felbft wir
auö mand^en fo fejr tcrfpotteten 2(nj!alten eben biefcö ^(e^
ruö ^ie^en, mc wir einen grogcn S^cil unfern QBobI*
jlanbö allein bem (Sleru^ beö mittlem ^^it^lterö ^u bönfen
Ibaben: biefer Slu^fö^rung mußten erft mand)c biftorifd)c
Unterfud)ungen t?orau^gefd)icft werben, welche für meine«
gegenwärtigen (Snb^wecf ju weitläuftig ftnb.
Sem ^one unfern 3a§rjunbert« mag c^ freili* fcbr
wibcrlicö fetju/ ön ^fajfen unb 9}?bncl)öanilalten bed mit»
fern ^citalUx^ eine gute @eitc entbecfcn ^u wollen: ber
©claoentricb unb ba§ ©flaoened^o ift in einem Sabrbunbcrt,
toit im aubern; im zwölften unb t>cn ^aax nacbfolgcnbcn
229
3a5r5wnbcrtcn Jicß <« pro redemtione animae: jeljt fprlc^
man t)on nid;t^ M SSonjen. ©eil biß ^ou3en6rut t>oc^
niemals ganj ausgerottet ttjerben fann, unb öud; nur ber
geringftc Ucberrejl ta€ fc^recflid;(le Uebct für bie menfc^Iic&e
(Befellfd;(jft ijl, fo fanu ntön unferem p5iIant5ropifc{)en geit*
alter feinen (Jifcr gar wojl ^u gut gölten. SIber ber @c*
fd)id)tforfd?er foU nid)t blo6 t>k Sofung feine« Söjrjunbert«
n^icbcr^allen: fonbcr» ojnc föaterlaub unb ojne 9leligiün
fc^reiben*
230
VIII.
ißij!orifd&c Slnmerfungen über SBömbergö
Exemtion -^X
^ad) bem unglucfn^en Xobe ©röf 2IIbrcd)t'^ ton S5am#
Bcrg^ roeld)em im Sö^r 9o5. fröft fcicrlid?en Urtjcl unb
fRcd)U bcr ^opf abgefc^)(a9cn würbe, fiel ber grogtc ^^cil
feiner ©uter an ben foniglicj^en gtefuö, dm Zi)c\l berfclben
tnugtß jur (5ntfd)dbigun9 terjenigen ternjönbt werben, welche
turd) ^lbuö:)H ^Sefel^bungen bl^^er gelitten Jötten, unb tin
SJeil warb befonbcrö ber gamilie, welche 2llbre(^t fo fe()r
»erfolgt ^attt, ber götnilie $5ifcl?of 3?ubolf6 Don SBuraburg;
ttd) waten U nod) immer einige betrdd;tlic(?e ©öue, toü(i)c
Um ^onigeJaufi'elen.
^i^ 3u Dtten II. blieben biefe ®uter (Jigentjum ber
Ärone; biefer ober fc^enfte fie im S^^r 975. feinem 9]effen,
^er^og ^peinric^ ton SSatjern ^''*).
din ©o^n biefea S^dnrid)^ tvor ber in ber teutfcfeen
©efc^ic^te beö cilften Sajrjunberta berühmte Jeilige ^öifer
•) Olutf «Weufel'^ ®ef(*i*t^forfd?er. Zf}l 6. 1778. ©eite 3o
(i^ 48.
'♦) ©ie&e Mc llr!un&c a\^i fcem Original abgebrncft in ber SBam«
triflifc^en 2)eburtion n^aen $ürt(;. Cod. probat N* 1.
231
j)finric6 : öuf bicfcn Um ölfo neben bem 53ejig ber übrigen
t>dterlict)en ©uter öud? baö ^igcnt^um ber Ucberrcjle be6
S3abcnbergifct)eu (Eomitöt^.
53ielleid?t öuö blojTer gr&mmig!cit im ©efc()mödP jener
Reiten, t>icllcid;t ober öud) auö ©etviffeuötricb, ttJcil i^m bie
©djidffale beö lehren ©röf 2ilbrecl;t^, bic gon^e (§3efcl)id^te
feinet burc^ ^rjbifd)of Xpatto Don ^aini bcfbrberten 2obeö
nid)t unbc!annt fcmt fonntc, gerietb ^peinrtcfe auf bcn ©e#
banfcn, mit biefcn Uebfrre|Teu beö S5abenber9ifd;en (Somitatd
ein neu ^u errid)tenbe^ 15il3t6um ju begöben. Diefer (^i\U
njurf würbe ijor^ugtic^ ^uevfl bem ^apft eröffnet, unb nöd;«
bem er beffelben ^•inwlüigung f)atu, fo boffte er um fo t>ie(
Ui(i)tcr ben SötberjUanb ^u bcfiegen, inomit einige teutfc&c
^rdlaten, beren Sntcrefi'e tor^üglic^ bflvunter litt, i^n gleich
anfangt nb3ufcf)recfen fucfjren.
^T^bifd^of ©illigi^ t>on '^aln^ berief im ^a^v loo/^
eine ©t;nobe nac& granffurt, öuf n^elc^er \iu ©öd;e ent^
fd)ieben irerbcn foUte^^'O* ^^ erfd)icnen fed)6 unb breigig
25tfcf)bfe, öUe in ^>erfon auffer bem 23ifd)of S^dmid) ton
Söur^burg, ber blog feinen Kaplan fdjidte. @r trollte fic^
m(i)t felbft öuf eine ©i^nobe wagen, wo cr> perfonlic^ ge^
gentvdrtig, nid;t allein bem Unwillen ^;>einric^6, fonbern
oud; ben ^ubringlicfeen 53orftellungen anbrer SBifdbbfe mebr
auögcfe^t war, fonbern gab nur feinem Kaplan auf, in
feinem Flamen ^u proteftiren. 2)ie ©aue, \vM)c je^t ©uter
be« neu ^u erric^tenben S5igt^uma werben feilten, {jatten au
*) 2}on biefer ©t)nobefiel)e bie (Jrjdöluitg bei ©itntöru^; bixi
eigene (Schreiben ber ©Duobalcdter, me ei in obiger 2)ebuf=
tton au^ bim original 9?. 5. abgebrucft ifl; unb b'xe 9(a(fe<
rid>tett in gD?artin ^cffmann^ annal. Bamb. t>ei £ubemia
Scriptt. Bamberg. T. I. pag. 41.
23St
feinem ©prcngcl gc^&rt; Ui bcr ^crminberun^ fein c3 (Spreng ct<5
fonnte er alfo nic^t gleichgültig bleiben^ unb wenn e^ il;m
öuc^ njenigcr barum ju t^un gcwefen tt?are, fo Joffre er bei
Diefer (Gelegenheit öielleic^t ^r^bifc^of 3U «werben ^ unb bcn
neuen S3if(^of öon Bamberg nebjl Dem S3ifd;of uon Sict^ftabt
ju ©uffraganeen 511 bekommen. Ör wußte voo^i, t>a^ biefe Stif»
tung üiel ^u fe^r Sieblingögebanfe bc^ Äaifer^ war, aU Oög
er jTd; burc^ gemachte (Sd)tt?ierigfciten öbfd;recfen lieg, er
hoffte alfo aiiä) t)k SIbftcbt, burrf) bie Sr^bifdjoflic^c ©urbe
cntfd;abigt ^u trerbcn, be|lo (eid;rer ^u erhalten. 2lbcr ber
^apjf lieg fi'd) nic^t bcttjegcn, ben 2lbftc{)ten be^ $öifd)of^
Don 5Biir3biirg beizutreten, ber 25ifc^of t>on ^ic()ftabt wollte
nid;t ©uffraganeua t>on SBurjburg werben , unD auf einer
@miobc, wo ber €ribifd)of t)on SJ^ainj ben 53orjt^ b^tte,
war obncbieg feine Hoffnung, t>a^ SBur^burg bie erabifdjof*
liebe 5Sarbe erhalten follte»
Ungead;tet be^ ööiberfpruc^^ be(J ®fir3burgifcl?en ^a*
plan^ ftimmten alfo alle oerfammclte 53dter nad) bem 5öillen
be^ ,^atfor^, unb ber nug*?ergnugte 25if''4)of mugte fid) mit
einigen''') ©tuefen 2anb^ begnügen^ welche i()m bcr ^aifcr
obrrat, unb mugre noc^ ben SJerbrug erfafiren, ^a^ fein neuer
^ollev3e mancbc ^or^uge öor ibm erhielt.
^incr ber widjrigftcn 33orjügc^ ben 25amberg bamal^
burd? hk auf bem granffurrifd)en ^oncilium Angenommene
^ulle ^apjt SoJiJnn^ erbalten \)abci\ foU, ober 3U bem e^,
nad) anbrer Meinung, wcnigflen6 nic^t lang bcrnad) gelangte,
beflunb in ber (Exemtion t)on ben 5D?ain3ifcl)en ?0?etropolitan«
redjten, bag bcr neue 25ifct?of unter feinem öubcrn^rzbiÄ
*) Vita Henrici S« cdita « Cretsero , ap. Ludewig. !• c
P«g. »77-
fd;of, fonbcrn einzig unb unmitclbar unter bcm ^a^ßft ftcjcii
foUc.
S^ixv i5d;mlbt in feiner Diflfertatlon de praerogativis
Episcopatus et principatiis Bambergensis brucft jlC^ @«
55 fo öu5 : inier priuilegia vero et jura in Ecclesia
e^imia, quibus noruin Episcopalum Caesar condecora-
rit, primarium boc est, quod euin nulli Archiepiscopo,.
sed immediale Komanae sedi subesse et omnes Germa-
niae Episcopos antecedero roluerit. Istbanc immedieta-
tis praerogativam ut Episcopatai a Pontifice impetraret,
Fundator censum annuum centum Marcarum argenti et
ec[uum candidum phaleratum ßenedicto Vill. Papae —
est pollicitus^ quem tamen doinceps traditione Beneventi
redemit. — Hoc ad unum omnes rerum Bambergen-
sium Scriptores atque prima hujus Episcopatus fundati-
onis Diplomata unanimi ore ac sensu tradunt docentque,
Imperatorem Henricum sanctum omnibus Episcopatibus
antiquioribus praefulgentem et Arcbieplscopatibus baud
dissimilem saepe dicti Episcopatus Bambergensis erecti-
onem animo cordique ita babuisse^ ut quo amplior
Episcopatus esset honor, nee ipse aliquid ad egregium
ejus decus omisisse videri posset.
S)?artin ^pojfmann in ^ifeincn Q3am5ev3ifd)cn STnnafcu
Jdt folgcnbe 5ßorf!cllunglart. ^r rcbct (3, 54. i>on bcm
S5cfuci) bcö ^apil SScnebift^ ^u iQamUvQ, unb gcbcnft bei
bicfer ©ßlcgcn^eit bcr öom ^ap(t erneuerten ^rit>itegien.
Inde privilegia renovare aggressus beneficia et jura a
praedecessoribus suis, ut nulli arcbiepiscopo aut metro-
politano sed uni pontiHci Romano subjectus esset. Qua
de re Henricus, album et pbaleratum equum ac cente-
nas marcas argenti 5. Petro et successoribus ejus in »in-
234
gtilos annos dandas oblig-avit Inlerfuerunt et subscrip-
serunt Episcopi duo et septuaginta. Ab eo tempore
Episcopus Babebergensis in dltione 8ua par in bonore
archiepiscopo fuit, et ia comiliis imperatoriis et publl-
cis aliis imperii conventibus prlmum ab Archiepiscopis
locum obtinuit. Ipsa vero Ecclesia libera et specialis
Romanae sedis filia ideo fuit appellata, (jaod conifirma-
tio ejus et consecratio ad solum Pontificem pertinet.
Der «öolljidnbtgfcit wegen unb um mandjcv t)on felbj^
oföbann ftc5 ergeScnbcr 5Inmcr!ungett trilleti fuge id) wodi)
eine« XJieil M Paragraphen bei, worin S^cxv üon 6cIcbow
in feinem ^ompenbium bcr SRcid)^gcfd)ic^te öon ^'rrlcfjtung
bc^ $öi^töum^ $Sambcrg Janbelt, ^M^'m^ unb ©ur^burg
wiberfegten ftd; bemfclbcn (ber (5rrid)tung bcö neuen ^iß*
t^um^) anfdngticf), würben aber auf ber granffurtifd)en
^irc{)eut>erfammrung ^u iferer (Jinwidtgung bewogen. Da^
neue ^i^t^um crf)ie(t anfc^nlicbe greibeiren unb würbe bem
|)ap(t(ict)en ©tufil unmittelbar unterworfen/^
iSclc&e ^erfc^icbenbeit ber (Jr^d&Iung einer unb thm
terfelbcn ^ad)c, bIo6 au^ hcm '^m^c breier Männer, unb
t)on jebem biefer brei 5Didnner foUte man SSabrbeit, lauter
iint>ermifd)tc Sßabr&eit erwarten fbnnen. ^? off mann bat
fte öud; noc^ am unt>ermifd;te(!en , unb mMd)t i(l bic
SJermutbung nic^t ungegrunbct, ba^ fid) nod) Ur!unbcn ffn*
bcn werben, welche benjcnigen ZWd feiner ^•r^df)(ung, ber
gegenwärtig nod^ nid)t bofumcntirt werben fann, auf baö
t)ott!ommen(!e bekräftigen, ©eine 2Innalen jinb fon|I fo oft
nur öu5 ben eigenen ^Borten ber Urfunben jufammengefei^t,
warum foUte er fi'c^ l^ier untreu geworben fepn ?
©c^mibt f)at iw feiner Sr^dbtung nic&t allein nicftt bie
nbtjige Jijlorifc^c 25e(!immtjeit, fonbcrn fic 1)at and) mej*
235
rcrc Unricfetiöfciten cU JJoffniann« er^djlwng. Jpoffmönn
jctgt c« blog aU golge bcr großen, bcm S3ifcl?of ton 18am#
bcrg eingeräumten, SSorrccttc, t>aß er lien erjlen ^la% m^
tcr allen teutfd;cn 25ifd?6fen, bcn erjien q)lfl^ gleid) md)
ben Srabifdjofen öiif SKeicfeötagcn erjalteu Jabe: (hingegen
6cl;mibt, tcr Jier (U bei ber ^pauptfac^c feiner Olbjantlung,
bopvct genau b^tte fepn foüen, orbner bie ©ac^^c in feiner
Gr3dblung auf eine folcbe 2lrt, baß man tjermut^cn muß,
aud) biefcö 53orrcd?t grünbc ftc^ auf einen eben fo beutlicl)en
S8ud;(laben ber ^dp(!lic5)cn Privilegien, alö t)a^ S3orred?t
ber ^remtion.
^err Don ©eld^on? bat aujfer ben gemeinfc^aftlic^cn
geilem nod; einen gan^ eignen, unb 3U>ar einen folc^en,
ber fic^ mit feiner bif^orifc^en ^reue luiD gezeigten 23elefen#
beit, je nacbbem man iiö) einmal t>on beiben 23egriffe ge^
niac^t Jat, cntweber gar nicl)t vereinigen ober voUfornmen
gut Dereinigen lagt. S^icbtö founte ber ganjen ©efd)id)te
biefer Reiten, nic^tö ber (Jr^d^lung M Sitjmar, ber febfl
öuf ber granffurtfcben <St)nobe zugegen n?ar, nid;t^ bem
Sn^alt aller Urfunben, votld)c mv von biefer für ^eutfcl)*
lanb^ ^ircbengefdjicbte fo n?ic^tigen S3egeben^eit Jaben, mejr
gerabe ^utoiber feijn, aU ba^ fic^ EO^ain^ eben fo wie ^hxy-
bürg ttJiberfegt Jaben foKe. d^ fbnnte 3ön!fud)t fcbeiuen,
einen folcben ge{>ler rügen ^u n?ollen, aber e6 ift ein gebier,
ber fc^lect)terbingö ben ganzen ©cftd;töpunft ber 6öcf?e ver?
tucft; bcnn tvarum foUte fid) i9?ainj tt?iberfe^t baben?
Sßeil Sßör^burg feinem (Sprengel entrijfen ttJurbe? Slber
gerabe biefe« ijl falfd), $Samberg trurbc bem 9}^ainaifd;en
©prengel ni4?t entrijfen, unb am allermnigften fcbon bei
feiner erjlen Stiftung entriflem ©efe^t aber auci?, c^ itdre
wair: weither 6c&rift(lcUer craajlt benn, ml^c Urlaube
23a
glBt Äcnn^cic^cn, tög jtc^ 5)?nin^ tribcrfc^t JöBc? jpattc
ntd}t btx tanirtligc ^ifcl)of ijon fDZöina feine gute Urfi3d;cn
^abcu f&nncn, um Qmi^c anbete 2lbf{d)tcn ^u erreichen, ber
Verringerung fcineö ^irc^ftu^ngelö fic^ nicfet ^u iviberfe^en?
^-^ ift nict)tö feltene^, bog man in neuern Jiftorifdjen ®d)rif*5
tcn burd) (Jinrücfung fold;er ^onjefruren^ aU ob fte baarc
©a^r^cit waren, feinen ^r^ajilungen mcf)v anmutf;igc ^öoU*
jidnbigfeit 5U geben fuc^t, ojnc bod; bic 5??u^c 5U {)aben^
jeben fteinen Unijlanb cr|l burd; 53erglcid)ung bcr <Bd)viiu
fidUx unb Urfunben öuf3ufud;eu unb ju bewahren. Sllfo
öud^ M Sabcl ctneö unfcrm Zeitalter fc^r gemeinen gejlerö
flejt biefe fleinc ^pifobe ^ier in6)t am unrechten £>xU
Sllleö fommt bemnad) nun barauf on, anö ben pa^P*
lic&cn $23ullcn felbft, bie wegen Bamberg ergangen flnb, s"
aeigen, wefe^e^ benn baö Ji|iorifcl) wa^rc «öerbdltnig fcp,
in n>eld;eö ^Bamberg tjcild gegen ben ö^omifctien ©tu^f,
t&eil^ gegen ?D?aina gefegt ttjurbe. 9}?an wirb mir gerne
jugeben, ta^ i^kx nicf)t nad) bemjenigen gcurtjcilt werben
fann, wa5 ftd) öieUeic^t 5Samberg nacb unb nöd; unb mit
öfterer SBenüöung ber ©d?wdd;e beö ©cgentjeil^, ber feine
Sicd)U oft etwa nid;t genau fannte, Jerauönal&m, fonberu
Ui bloß nad) bem 23ucl)|Iaben ber ©cfefee unb ^rii^ilegieu
geurt^eilt werben mug.
X)a^ erfte ^apiiüö^t Privilegium '•) für t^cii neu mic&^
tßtc S5ißt}um 95amberg war ton % Sojann XVIII. gerabc
ba^jenige, wclc^eö bic fcc^« unb breißig S3ifcöbfe, wclct^c fid)
^) Ex hbro Privileg. Eccl. Bamb. itt ttt SBamb«^ifctett tt'-
buUii>n ivegen $üttl) ^r« 4.
.137
im 3a5r 1007 öuf bcr 6t)nobc ja granffurt t>erfammclt
Ratten, mit ifircr fctcr(id)cu 23eiftimmung befrdftigtcn, Die
Ööorte, Die öuö bcmfclbm Jic[;cr geboren, füib folgenbe :
Officii nostri est omnium sanctarum Dei ecclesiarum
eommoda generaliter considerare^ et maxime earum^
quae specialiter sub jure ac dominio nostrae Romanae
Ecclesiae consistunt^ si quod est incommodum abolere.
etc. 2Il3Daim hnmxt ber Ucbcr^ang auf SSamScrg, unb bie
ijauptftcUe hierauf i\t folgcnbc: Sit ille Episcopatus über
et ab omni potestate externa securus^ Romano tantum-
modo mundlburdio subjectus : quatenus Episcopus eo
melius cum canonicis suis servitio Dei possit insistere,
et primi constructoris ejusdem loci et recuperatoris ja-
giter memoriam habere. Sit tarnen idem suo metro-
politano **) subjectus atque obediens.
SBi'r bei Sefung biefer ©teile noc^ für feine befonbcre
Jjtjpot^efc eingenommen i\t, »irb fie meinet ^radjten^
folgenbermagen t>er|le^en. Daburd), \ia^ Bamberg aU sub
jure^ dominio^ mundlburdio Romanae Ecclesiae angefcs»
Jen werben follte, baburd) Jbrte e6 nic&t auf, SEftaiixii\d)it
(guffragan ju fei)n, benn ^llaitt^ tt)irb bo4) i« f^kt M fei»
SJJctropoIitan angegeben, gegen weld^en i()m ber ©ejorfam
gar nic^t erlafl*cn wirb. SfovU cö aber nic^t auf SJ^ainji*
fc^er ©uffragan ju fepn, fo xoav c^ md)t cremt, fo jlunb c^
nid)t allein unter bem ^ap|l, fonbern juglcid) aud? unter
SÄaini, al^ feinem ^O^etropoliran. 5öa^ folltcn bann aber
«Ifo bk Sluöbrucfe bcbeuten: sub jure, dominio, mundi-
burdio Romanae Ecclesiae? 3d; f bunte gctrofl gcjlejeit
*) ?7acb ?ublVt(] I. c. png 879. lieft Codex Yicnnensis: suo me-
tropoÜUno archiepiscopo Moguntino.
258
e« ntd;t ^u wiffen, benn für meinen jnjecf wäre U bo(^
fcl;on genug, gezeigt 3U \)abm, n?enig(len0 ba^jcnige, voa$
man ^nmtion, wa^ man Smmcbietät ^cigt, liegt nid^t barin;
unb umfo getrojier würbe lA) m'id) auf genaue SSeftintmung ber
unter obigenl^Borten licgenbcnSbecgar nid;tcinlaflfen, weil |tc^
fajl öorau^ üermut^en la^t^ bag t)ic ^hi)c ucrgeblid) wdre.
SO^an fuc^t für mand;e SInöbrücfe ber @d;rtft|leücr unb Ur^
funben beö mittlem ^citaltcrö genaubeftimmte begriffe, unb
bie «Berfafifcr felb(l l;a5cn feine gehabt; wie folltc man alfo
finben voa^ nie t)a war? @ott a6er je m genauer S5egriff
ongegeben werben, fo mag Dielleid^t fofgenber ber 2Ba(>r&eit
am nad)ilen fommen. Da^ neucrricfttJte SSiötJum $Samberg
War befonber^ aud) in honorem beatissimi Petri Apo-
stolorum Principis gcfliftet* Sßa^ für biefe 2lbftc()t geflif?
tet würbe, war nad) ber (^rfldrungöart ber bamaligen
Reiten, nad) ber ^rfldrungöart, weld^e befonberö ber 9i6*
mifd?e ?Sifd)of begünfligte, gleid)fam eine (5d;cn!ung an
bie 9l6mifd;e ^ird)e, ober c6 fd;ien gleic^fam ein Sc?
flanbt^eil berjenigen ^ird)e unb besjenigcn ^ird)engutö ^u
werben, vodö:)t aU er(Ie ^ixd)c unb aU $aupt!irc^)engut bc3
Slpojlel fpetruö angefe^en würbe. 5öenn alfo Bamberg sub
jus, dominium, mundiburdium Romanae Ecclesiae fam,
fo würbe baburc^ me^r fein politifdjeö aU fein firc6lid;cö
SSer^dltnig gegen t>k r6mifd)e Äird)e beflimmt, unb e5
fonnte in politifc()em 5Jet^dltntß (Jigent^um ber 9i&mifc^c«
^irc^c werben, o^ne boc^ auf^ujoren nacfc bem !ird)lid)cn
5ßer(idltntjTe (^igentftum bcö QJZain^ifd^en ©prengelö ^u fcwn.
25loß um bem neucrrid)teten ^Ut^iim einen grofifern ©lanj
t)on ^eiligfeit unb Un^erle^barfcit ju geben, würbe eö fo
genau mit ber romifd^en ^ird;e berbunben, baß, wer bie
fRtd)U unb ©üter bed 23ambcrgifd?en Sifcf^ofö ocrlcfee, bie
259
SRccfetc be6 Siomifc^en 25ifd)of^ ju üßrlc^cn fc^ienc. ^3
wirö (td? weiter unten noc^ bcutlidjer ergeben > bag, wenn
(id) je m obige 2Iu6t>rucfe ein beiulic^er unÖ beftimmter
^inn bringen ia^t, biefer bcr einzig wajrc fep.
§. 3.
^on 3o5<Jnn'5 9^ad;fü(ger ^ap^ ©erglüh iat man
feine ^ude, Bamberg betrejfenD: nnb in ber Suüe $5ene*
bift beö VIII. Dom ^rt^r ioi2 *), worin er t>k Privilegien
be5 23iöt^umo bcitdttgt, ftnb bie ^u^brücfe mciilen^ fo öü*
gemein, bag ftc un^ bicr nid)t^ ^ur genauem $5eflimmuug
itöl^en. 5Iber ba^befonberc ©einreiben S5enebiFt'ö an beii
crften 33ifc^of ^ber&arb entf)d(t einige merifraürbige Um^ *
fidnbe *'0« X)k ipauptflcllc ift folgcnbe: Venimus ergo
Babenbergam, ubi ab eodem imperatore suscepti su-
inus^ prout poterat et noverat melius. Ecciesiam autem
cum omni integritate episcopatus^ sanctae Romanao
Ecclesiae, cui Deo auctore praesidemus, et nobis ob-
tulit. Quod videnles, aequum consideravimus, seriem
hujus nostri privilegii et episcopatum confirmare in
perpetuum ^ eumque tibi dileclissime et iuis successori-
but concedere, ea yidelicet ratione^ hoc ordine ut nul-
lus unquam yiventium, cujuscunque sit dignitalis vel
ordinis, contra hanc nostram confirmationem Episco-
patus venire audeat, vel contra te tuosque successores
ob hoc agere; neque liceat ei de Omnibus, quae nunc
habet vel habiturus est praelibatus Episcopatus, vi,
fraude aut iniqua calliditate aliquid abradere: Vel te
tuosque successores de bis omnibus inquietare aliquo
*) Vita Henrici S. ap. Ludewig. 1. c. p. 3oa.
••) 1. c. pag. 3o4. s. s.
240
modo, ila sane, nt singulis qulbusque indictionibus,
sub nomine pensionls, equum unum album nobis no-
strisque successorlbus persolval, cum «ella conveniente
Romano Pontifici«
§. 4.
53oii btcfcr eigenen €r^df>Iung $5encbi!fd gctcn bie
9^ad;rid;tea beö 2co, ÄarbinaU t>ou Cjlia*), in feinem
chronicon Cassinense bei einem wid^tigen Umflaub ob.
Sluger bemjenigen, waö ?Sencbift öl^ lai)tiid)tn ^h\€ ber
^Sambergifcfeen ^irc^c öngibt, gebenft 2co nod; Junbert
fKarf ©ilber^, unb fein 3^ugnig ijl nid;t nur an unb für
fid) febr gtiltig, weil fiel) Seo mei|len^ öuf t>k Urfunbcn,
bie er in feinem Älofterard^it? fanb, be^og, fonbern man bot
and) tüixtüd) nod; C^uittungen, \mld)i bie ^öpfle für (in\f
^fang biefe^ census öu^geftcllt b^^cn. ©o b^it mön i* 25.
bie Quittung ^. Älemenö II. ;t?om i. Ü^ODcmber io47 unb
in biefer trirb auflfer bem gefältelten q)fevb aud) ber b"»bcrt
^laxl ©ilber^ geböc^t '-""0. €*ntiDeber mug alfo obiger
25rief tont ^. Q3enebi!t an ^berbörben mangelbaft fei^n^
ober ftnb biefc Junbert ^axt ^iibcx^ cx\i in ber golgc bö3u
gekommen.
2Sa6 folgt benn ober an^ biefem ^dpfllic^en ©(^reiben
für bie gewobnlid^c 5i}?einung t)on ber (Jvemtion bc^ 23am*
bergifc^en SBi^tbum^? 3|1 baö offerre im !ircl)licl)en ober
im politifcf)en 53crjlanb ^u nebmen? (5ntfd)eibet nid;t ber
babei aufgelegte census fd;on genugfam für ta^ leitete?
2)ic ?8ambergifd)c ^ird)c \Durbe burd) biefc Oblation gleid>*
fam €-igentbum ber romifcfjen ^irc^c, ber ^apjl aber t)er«
•) L. 11. c. 47-
**) Hofimanni annal. Bamberg. L. Jl. p. 71.
241
langte nur ein iaftrlicöc^ aflcco^uitiouöijclb, bag t>ißfc3 wirf*
Ud) gef(^efien fep. 25aburc(? Jbrre Bamberg boc^) nod? nic^jt
fluf, i!)?ain3ifc^cr (Sujfragaa ju fci;n. Doct) Jier f6untc bic
@ac6c njirflld; ^a^cifcljaft Wcinai, D?cnu nid^t fparcrc Ur#
funbcn cntfc^icbnu
Jrtjar cntf;dlt bIc SSw'flatigung bcr ^ÖambergifcOen $ri«
tllcgicn t>on ^Icmcu^ II. ''') grtr nidjt*3^ ba€ einige ^*rldu*
icrung ober genauere SÖeftImmung angeben fonnte, uiib i?on
biefem ^a\>\ii hatte nun c§ am Dcrju^Iicbilen entarten fol;^
len, l^a er felbjt bon bem iSambcrgifd^cn (Stu^^l auf bcn
SRc)mifd;en (rieg. €*ben fo irenig bcfonbcrce ift aud? in ber
85uUe üon Seo bem IX» enthalten "'^"') , worin er bcm ^u
fc^^of t)on 35amberg bei genjijfen ^d:cn unb ©elegenöeiten
taö pallium 3u tragen erlaubt, nur \^a^ ^ier au^brucffic^
tie wicl^tige (Ilaufel beigefc^t tt?irb, salva aucloritate Dom-
nae Metropolitanae Mogundnae Ecclesiae.
Öllfo noc^ im 3a&r io53 (biefcö ift fca5 S^^r obiger
S5ulle) nad)bem fi'cö Bamberg fc^ou mehrere 3<J()vc ^inbnrd)
turc^ Sei|lung eineö gen^iflTen $'u\\c^ gfcid)fam alö ein Cri"
gentium ber 9ibmifd)en ^irc^c erfannt \)Cittc, nod? im 3^i)r
io53 wirb Bamberg bü einer Gelegenheit, voo c^ einen
*) Vita Henricl S. ap. Ludovig 1. c. p. 2S5. 03üfcbitt'^ in
feiner (Srbbefcbretbung be3el)t bei il^at^öerö einen foubcr^are«
gebier: /,®(eicl?e (fagt er) mib upcb meörere §rfil)i'iten
iinb 23or5'49e erljielt aucb ber jnjeite Q3ifcbof ©uibaer uoii
SÄapenborf »om ^l)apil:e ^lemen^ H " Tom i\x aber ©uibvjer
felbfl Eeiiie auberc ^perfo» ßlö >Vmt ^^lemcns II. 2lu5 bem
SBifd^of ©uibgcr nJ^r^e ^])ap(l (Jicmenfi, alfo bat ber Sifcbcf
©uib^er öviu^ äiMtJt^ feine '5^nöiie:;i?n vom %''i^\i (i'temeUiJ
erbaltcii.
*•*) I. c. p. :3H.
24'i
fo wichtigen ^or^ug erhielt, aU Prägung bc5 pallii war,
t>on bcm ^apjle fclbj^ erinnert, beu (Jr^blfcbof öon iOiainj
ungcad;tet bicfcö neuen ^orjugö al6 feinen fO^etropoliten ju
erfennen, unb nid)t ^u glauben, bag bic ?0^ain3ifd)e ^u!to«
ritdt über S3amberg baburd) gefd;it)dcbt werbe. Sßid)tigcr
ober unb nod) frud)tbarer an mannigfaltigen S3emerfungcn,
t(t ba^ ©djreiben £eo'6 bcö IX»-) ton ^ribur ben i3.
9^oDember io52. iDOvin er gfeid}fam 3fied;enfcl)aft gibt ijon
allem bemjenigen, it»aö er auf feiner leisten Steife ju 55am5
bcrg get()an ^ahc. gofgenbe ^telie au^ bemfelben i(t fo
gan^, fclbfl ben ^Borten nac^, ber oben angeführten ©teile
öuö ber 23ulle ^. 3o^ann'^ Dom 3a&r 1007 d^nlicfe, t>a^
man über^eugenb fie^t, e^ i)at ftd) feit ber geit nid)t6 in
bem !irc^Iicl)cn S3er5dltnig be^ ^ifd;of^ t)on S3amberg ^um
9^ümifd;en unb aum ^ain^ifd^en ©tu^l gednbert; $8amberg
war io52 nod) eben fo ©uffragan t?on '^a'm^, ungead)tct
C^ sub mundiburdio Romanae Ecclesiae (!unb, aH im
3a^r 1007. ^ie 5ß3orte ber 55ulle Seo'ö welche Jic^er ge^?
Jbbren, ftnb folgenbe: Sit ille Episcopatus über, Romano
tantum mundiburdio subjectus — sit tarnen idem
Episcopus suo metropolitano Episcopo Moguntino
in canonicis caussis tantummodo subjectus et obe-
diens. JDa aud) hicimlQtn @cl)rift(Ieller , treidle nid;t
fogleid) ta^ neuerricl)tete 6tift S3amberg ^um immcbia^
cten ober cremten ©tift mad;en, irenigflcnö boc^ bic
€poc^e feiner C^remtion unter ben ^^ap(l Seo feigen, fo weig
ic^ nicfet, ircld)cu ©runb fte für i^rc ^JJJcinung angeben
werben, 3n Seo'^ wie in 3o^ann*^ ©einreiben Ui^t iD^ainj
*) Ex autographo in ber Samberöifc^en 2)ebuftion wegen ^ürtb,
Cod. probat. N. 53.
243
^trroßolltan ton 23amberg, wirb bem Q5ifct?of bon 95am»
berg ©cfjcrfam gegen beii (Jr^bifcljof üon 5D^öinj alö gegen
feine« 5}?etrov^oIitan öufevlegr, unb Me in Seo'ö iSdjrcibeii
cingerucfte 5ß3ortc in caussia «anonicis fonnen bier feine
53eranberung mad)cn, benn bic ^Ud)t beß ^jjctvov^oliran
über feinen süffraganeum unb bic ©rangen be^ (^c[)oifam*,
welchen ber 6u|fragan feinem ?9?ctropoIitanen ^u feiflen \)at,
müjTen o^ncbieg burdj bie ^irc^^engefe^e unb canones bci»
(limmt werben.
2(uf eben ber Steife be^ ^apfl^ nac^ ^eutfd)Irtnb, öu«
beren (Gelegenheit crjltgebadjreö pdpft(id;eö ©djreiben erging,
gefc^ab öud) eine tt)id;tige 53eranbevung tregen beö census,
t>cn 23amberg bi^bcr ber 9l6mifd;en 5\ird;e jabriid) gefcijlet
tötte» 3^ wiü t)U eigene« SBorte ber swei ®d)rifriTelIer
bieberfe^en, vocl<i)c un^ biefc 25egebenbelt öufgeieid)net bö*
ben, um ölebenn befto [eid)ter urtbeilcn laffen ^u fonnen.
Leo Osliensis L. JI. c. 84. Tunc inter ipsum Aposto-
licum et Imperatorem facta est commutatio de
Benevento et Bambergensi Episcopio.
Hermannus contractus ad a. io53. Imperator cum
Domino Papa multisquo Episcopis et Principibiis
nalalem Domini Wormatiae egit. Vh\ cum Papa,
sicut dudum coeperat, Fuldensem abbatiam alia-
que nonnulla loca et coeriobia, quae S. Petro
antiquitus donata feruntur, ab Imperc»tore repos-
cens exegisset, demum Imperator pleraque in
ultramontanis partibus ad jus suum perlinentiaf
pro Cisalpiiiis illls per concambium tradidit.
I^iefc beibe 6te(Ictt ftnb wcU fc()Ifd)tcrbingö nidjf ön«
bcr^ tjcrfrdnblid), ölö \Denn niö« obangefiibrtc ^'rfldrung
r>o\\ ben Slu^brucfen öunimmt «üb joro et dominio Rama-
b
24'i
nae Ecciesiao ««se, ort'erri Ecclesiae Romatiao. ;^er
^apf! nuc^re x\id)t •2lijfpnic^ (Tn Bamberg öf^ unmittelbar
unter if)u gefj^rig, benu baö whw 6ad;e ge«?efcn, bic er
mit bcm 25ifd)of Don ^iJJain^ battc au6mad)cu mögen, unb
um berentivillen if)m ber ^aifjr nid}t irürbc S3enei>cnt üb--
gctreten Ijabcix, fonbcrn er behauptete, t)a^ 23ietbum fe^ bem
^eiligen ^etcr gefd^enft tnorbcn, alfo fei; eö auc& politifdjei
^igcnt&um beÄ I;eil. ^^cterö ober ber Sibmifdjen ^ird)e.
X)od) bamit fei? e^ aucf) nun vok c5 wolle, wir ()aben gcfe»
I)cn, im 3a^r ro52, nac^ biefer DU'ife be5 $ap)T3 ncic^
^eutfc(?Ianb , geborte Bamberg noc^?' immer ^u beu 6uffra^
öanecn t^ou ?9?aiui.
§. 6.
®rcgor VII. , biefer ©c^recfen ber 9?egeuteu \m\> ^i»
d)bfe feiner ^dt, mad)te (td; befonber^ aud) in ber ^am*
bcrgifd)en ®efd)id)te merFn?urbig. Sißegen befdpulbigter ^'u
monie cntfeljte er bcii 23ifd)of ^perrmann, m\b hi bea @d)rci*
ben, weld)c er beöivegen erlieg, fommen üerfc^iiebcne ^u^f
brucfe t>or, weldjc ^tuar ben j^auptbegriff, ben wir futbe«,
nic^t genauer beftimmen, ober bod) ücrbunben mit bem 53or^
Iberge^enben fo t)iel geigen, e^ war nid}t ba^, wai man
iiad) ber gemeinen ?9?einung glaubt.
3n Gregor^ (Sd)reiben "=0 an bie «Sambergifdjf (5^eiil.
lid)!eit {)eigt c5: quod Bambergensis Ecclesia specialis
quodammodo filia adhaeret matri suae Romanae Ec-
clesiae.
3n bem S^rei^e an Jltaifer ^?einric&: ***) Caeterum
*> In CndJcTillo diplom. Bamberg. N. J4. ap. I-udimlg l. «.
p-tg I 160.
*^) 1. «. ^. i6.
de Bambergensi Ecclesia^ qiiae sui fundatoris instita-
tione sanctae et apostolicae sedi, tanquain hurneri c«-
pili, mernbrum scilicet propinquius, specialiori quadam
cura sollicitudinis inhaeret, vehementer «Jolemus —
Bambergensem Ecciesiam apostolica beati Petri tuilione
munitam — beali Petri nomini et defensioni allitulat«
est. Uiib in t)cm ^rci?c an (5r3bifd;of 6icgfricb i>on
9}?ain3: *) circa eam, quae beato Petro specialiter
commissa est ecclesia.
^aiiur 2lu6bruLfc, öu6 bencu ftd) \nd)t^ fid;crc^ 06--
jlra^ircn la^t. Dci^ ^rci>c an bcn ^r^bijU'of i?üu ^?ain^
enthalt aber boct) foId;e (S|nircn, ou^ bencn man fc^cn
fann, tag fclbft ©rcgor bei ireitcm nid)t foId}c 23cgriffc \>on
bcm 53cr^dltnii3 bcö 23ifd)of^ ijon Bamberg ^um 3iümifd)cn
©ruf)( gcbabt Ijat, ciU voam c6 unter fRom unmirtdbar glcicfc^
fam aU unter feinem ^Qietropolitan ftunbe. ^n ^'Jlaiu^ cr#
ge^t bic ^rma^nung, bcforgt ju fcüu, bag ein neuer 25ifd)of
gcn?df)It iverbe : tudre ^Bamberg bamaU frei t»on aller (Eub*
orbination^\)evbiiibnng mit ?)?iainj getDefen, fo f)atH ber
^"»a^-^fl feine ^'imahutng an ben SSambergifc^en ^(eruö unb
liiert an €ie(}p-ieb mv.ifm er^eücn lajfen. ^1 i^ aberauc^ in
bcm ganzen 55ret)c an ben Cr5bifd)of tjon ^Olain^ nid)t bie gc*
ringftc <Spur, bag er bicfe ^Seforguncj ber 5ßieberbefegung
be5 erlebigtcn «Stifte 0leid)fam M dn i^m befonber^ aufge*
tragneö Ü)cfd:dft beforgen folte, fonbern er n?irb in bcm Zont
crma()nt, wie einer an feine ^fiid)t erinnert wirb. Cßdrc
ber 55ifd)of i^ermann t)on 35ömber5 fein Suffröganeus ton
9}?ain5 c^emefen, njic fonnte ber ^apjt bem fei^tcrn tonrerfen,
„quod in praedicto Simoniaco neglig'^nter pß^Uti?-^
*) 1. c >'. SV
246
SBem ober litcfc ©pnrcn tiictt l)cutlid) genug fd)cincn,
bem f^nncn uoä) ^cwcife au0 23ul(cn $. ^afc^aliö be« II.
vorgelegt trerben.
3ii bcm @d)reiben worin ^afd^öll^*) bcn ^. £)rto
feinem funfrigen ©tift empftefilt, i(! folgende (Stelle: „ad-
huc etlam cracis vexillum, inlra Babebergensis Eccle-
siae parochiam^ ante faciem tuam portari concedimus^
salva videlicfct Moguntinae metropolis reverenlia/'
$[öcr fiel) aber a\xd) bier mit ercgetifd^cn ^unjlgriffen su
verteil glaubt, unb wer einmal ein eigene^ 3^"9"i6 ^^^^
einem ^ifcl^ofc ijon Bamberg verlangt, bem lege id) folgenbe
©teile t)or, anö einem ©einreiben eben biefeö 33ifc^of IDttene ^'■'')
m iUn benfelben ^apjl ^afd;aliö. „Quam nimirum
propterea a tuae sanctitatis manu tantopere expetimus,
quia melropoUtanus noster, etsi per te babeat
consecrationis gratiam, tarnen, quod sine lachrymis
fateri nequimu?, magnam cooperatorum spirltualis doni
patitur injuriam/^
3c() bredje f)Hv ah, benn id) l)aU blog bif^orifdjc ^In^
merfungen unb feine gan^e ©efdjic^te ber 53ambergifd)cn
^'remtion i>erfprod)en, unb bie bieberigen 2Inmer!ungen er«
weifen bocb meinet ^rad)ten^ tia^ genugfam, waö id; er^»
weifen wollte, ^a^ bie bi^bcr gewobnlid)c ^orftellnngöart bie*
fer ^ad)t ganj nnrid)tig fei), unb baß Bamberg nod) im
Qan^m eilften Sabrbunbert ^ain^ ^um ^Metropolitan gebabt
J^ahc, unb alfo nic^t unmittelbar unter bem ^ap|l fonne gei»
jlanben fet)«.
♦; De vila S» OltonU op. Ludewig. Scripit. Bainb. T. I.
pagr. 414.
**) l. o. pag. 41a.
247
IX.
feineö ©efretg -)*
anonifd)c 9\cc()t, ba5 in bcn älUni gelten entn?cbcr ganj
j?ernad?Idfft3ct, ober boc() nur aU ein 5uv X^eofogic ge^origcc
S&eil bc^anbelt würbe '-""O/ burd;©rattan unb fein Defret
5uerft ciu irtiTcnfd)aftIid)e§ ^nfe&cii. d^ fehlte 3«jar öuc^
in t)cn altern 3»^itf" "icf)t ön etn3e(nen ©c[el;rten, bic fic&
biefcr 5tBiffenfd;aft iribmeten^ unb Sammlungen öon^ircljen^
gcfcgen Dcrfertigren; allein i^re 5Irbeit erjlrecftc fid) gemei?
niglid? irciter nid)t aU eine fO^enge t)on Kanonen jufammen
5U [(^reiben, o^nc tiabü einer gut gctra^lten IDrbnung unb
fcftgefe^tem @i;i1em ^u folgen. Unterfc^ieblid)c bicfer 6amms
lungcn ^ahm fic& bil auf unfere ^ütm erhalten, unb liegen
*) ^u6 (^bele'd) ?0?awit für ^ircbenrec&t unb ^irdjenjje^
fcbic&re. l'eipjig 1778. (5rce. i. (5. i — 3o.
**) Caes. Egas. ßulaeus, Hist. Univ. Paris. T. II. p. 58 1. De
cJaris Archigymnasii Bononicasis Professoribus a See. XI.
usque ad See. XIV. edidit Matiru» Fatlorini Abba«
Cainaldulensis. T. I. P. I. p. 247.
tf}ciU nod) utigebrucft inS5ibliot{)efcn, tl)c\U fuib (ic bereit«
&nrd) bcii Driicf bcFannt gemad)t wovbcu. Unter bcu nod}
itiigcbrucf tcn , btc großtcnt^cit^ in bev ^atifantfdjen 35ibIioc
thd ^u 3flom öufbc^altcn iDcrbcn, 5cid)ncn jtd) bic ©amm««
hingen ^blpfarpu^^ bte be5 ^arbinalö "Deufbcbit, be^ 23i«
fd;oiö IJInfelniuö 5u ^Ma , unb bc^ .^arbinal^ Saborani?^
tjor^ij^ltcl) ou<^. Unter ben gebrucften aber öerbienen bic
^ömmfunqen be^Sftbor^, 9lef5inon5/ ^3urd)arb0 i>on 2Bcrm«
unb bte boppclte ©ammüing bc^ 3t>o^ 23i|a;of6 3U (5^artve6,
bic cvfie '^XiXU, 3» biefcm 3"ff^»^c "^"^^"^ ^^^ fanonifd?c
EKcd)t \>\^ anf ©ratian, ber burcfe fein I)efrct, ba^ er nctd?
bem Ü5cfd)mcicf feinet ^eitalter^ einjuric^ten wngte, bicfer
®t[fenfd)ciff mehrere ^ercbrer üerrdjafftc.
■Bon (^hatian iinb feinen 6d}icffalcn er5al)fen un« bic
iiftcron @efcbid)tfdjreiber t^eil^ fcf)r tveniij, tbeils offenbare
£[)?d()rd)en. ®cr feine Crfrern gen^efcn finb, ttiflTcn n?ir nid)f.
21 n 1 0 n i n n ^, ^•r3bifd}of jn S[eren3 \\\ ber ^\XXt beö X Vre«
3af}rbiinbcrt^ , cr3ablt iinö ^nsar ^xxoa^ \j\iSi^\\ , \i(!^^ ober
ganj einer gabel a^nfic^) fi'e()t ''•^), (rr n?ar ein !toffann-,
ßu^ ber ©fabt (Ebinfi"-"-'). gontanin^-'-'^'O mfld)t ibn ju ei*
nemMonachus Abbatlae monlis Orbetani dioecesis Urbe-
vetanao^ ex opido Carraria prope Ficulas, weld)e5 er
öu^ einem ^ober, ber i^or^er an ^encbig, JeBt aber 5U SKem
*) Antonini Chronicon P. III. tit. i3 c. 6.
♦•) Fatlorini loc. clt. T. I. Part. I. p. »60. Diplovataccius In
Gratlano beim Faltorini I. c. T. I. P. II. -Append. p. sSg.
Guid. Panclrnlus do clarls legum inlerpret. üb. III. c a.
Oiidinus, de srriptoribus ecclesiae «ntiquis T. II. Disi. de
•*'') Jiisl. l'out.-.i)K.n«i in }'rai»fat;oiie ad D^crfUnn Cr»1. T»r
renriualae. ^ .1.
r\9
ci\\bcf)alUtt ivivb, begreifen ivitL I^icfcr ^ober I;at Mc Uc6cr«
fd^rtft: De viris illuslrlbas, iinD Sc&vinnc^ (ioinmnji füll
bor 53cvfajTcr batjon fci)n. €'ö fann aber noc^ mitcrfdjicb'
licl^c^ gegen biefeu .^ober cingetrenbct njcrben, unb ©örtiu^,
bcr i^ii gefeiten ^at, irill be{;aupten, baß er ©puren an fid)
^abe, ivorauö ftarfc ^cwcifc gegen bae i()m beigelegte 2lUer
unb feine 5Ied;r|?cit gefu^vt iverben !onnen'"0. 3n ber f^ittc
t^ii 5n?6lften S^f^r^unbcrt^ lebte ©ratian 3U Bologna, in
bnn Älcjlcr bc^ ^eiligen gelii*, wo er aud) fein Defret auif
(ixhäuu. ^ic er aber nad) ^^ologna ge!ommen \a) , unb
iro er fi'd} üor^er aufgehalten ^o^oz, Idjit fid) nid;t beftimmen.
Stiele nennen i^n Alumnum MonasterJi Classensis apud
Ravennain urbe/n '""''). ^>arirengo fagt DOU i^m: ^'-'^^ Gra-
tlanus Monachus Monaslerii de Classe, quod prope Ra-
vennam est, Bononiae apud S. Felicem commorans, De-
cretorum librum composuit, qui toto orbe, ubi fide»
calholica viget, insignis babetur. vBielleidjt ^QiX @rattan
bei \^i\\ ^laffenfern ba^ ^vben^gelubbc abgelegt, unb ifl
t?on '^Oi ix\\ nact) SSofogna in "^o^i 51 (öfter beö j). gelix gc*
fonimen. i^onberbar ift c^, '^Oify er i>on allen (£d}riftftellern
Monachus Ordinis S. Benedict! genannt irirb, ba bod)
biefe beiben ^lüftCK banial^ nic^t ^u bem 33enebiftiner, fonbern
iu bem Äamalöulenfer Serben ge^a[)[t rombcn. (56 n?ar i^m
flifo aud) um fo leid;ter, bon einem biefer ^tüjTer in ba5
auberc ^u ge^en. I5a^ ^lofter .5\Ia|Ta n^irb i>on ©ualter,
(Ersbifctof gu 9^at>enna, im Sabr 11 38» unter bic bem
•) Pattorini i. c T 1. P. J. p. 160- 26,.
*•) Trilhpjm de Scriptorihus Eccleslap . cap. .'jt.t. Antoniniis
Obronioon, P. fll tit. j8. cas^. fi.
250
^amarbulenfcr^^rbcn jugcjorigcn ^lojlcr gcred&nct ^*> 3«
ten ;DlpIomcu ^afc&aliö beö U/'^'''o ^ugcniuö bcö 111. *=-^'')
Slferaubcr be^ 111. ^^^^^) unb Urban« beö HL f ) wirb ba«
^Io(!cr t>c^ S2* S^üv au SSoIogna, bem ^ama(bulenfer^£)rbcii
augqd^lt. 3n t)cn Diplomen bcr $apjle bc6XlIL3a()r6unber«
ober f ommt ha^ Älofler M S^, geüx* ntct;t me^r unter bcn, bem
^amalbu[eufer=£)rben ^uge^brigen^ t)or. (5ön?irb al^o \c^v wai)Vf
fc^cinüd), bag e^ in fpdtern 3^tten in ein S5encbiftiner!IojIer
j>ern?anbclf werben fet). 2>ieg fc^eint and) bie Uvfad)e ju
fei?n, bag ©ratian t>on ben fpdtern (üd)rift(tellcrn immer
ein ^enebiftiner genannt wirb, ha c6 boc^ fe^r wa6rfcf)cin*
lic^ i|l, ha^ er ju ben ^ömölbulcnfer^50?bnd;en gebort U^c.
gu Bologna in bem ^fofler beö j). S^^^ '^^^^^ ©ratian lange
$dt, wibmcte fic|) gan^ bem fanonifd)en fKcdyt, unb arbeitete
ön feinem Defret, ba^ er ^w^ifc^en hm ^a^xm 1140— ii5i
cnbigte ff). Söae i^n eigentlich) ^u biefcm mubfamen (^e?
fd)dfte bewogen H^c, ifl fd?wer ju bejiimmen. 53ielleid)t
war e6 mebr ^f^eigung unb eigener 2^ricb, öl^ irgenb eine
onbere diiATcrc Urfadjc gcmefen, hk wir hü bem gdn3lid)eit
©tillfcöwcigen ber (?5efd)id)tc wenigfren6 nic()t 5ut>erldfftg an.-
geben f5nncn. ^^ bebaupten awar einige ©clebrte, ©ra^
tian iahe fein Dcfrct auf ^ureben bcö illbt6 23ernbarbö au
*) Annales Camaldu^enscs, T. III. ad annum ii58.
**) Annales Camaldulenses, T. III. p. 525. Apiiend. p. 245.
ßulla Paschalis cdit« a. iii5. qua recensentur et suscip?,
untur sub apostolica protectione monasteria Camaldiilensia.
„In Episcopatu ßononiensi Monaslerium S. Archangeli
juxta Castrum S. Britli, S. Felicis".
***) Annales Camald. 1. c Appcnd. p. 464.
♦***) Annales Camald. 1. c
t) Annales Camald. I. c.
tl) Fallurini, I. «. p. 265.
251
(Ekivbaviv Qz\d)\-khm, unb bicfcr fbU c6 bcm ^np|! ^ugcn
bcm III. cmpfo()Ieu ^aben ^0* ^i^ ()i(torifd;cn üSctrcife aber,
Mc man, um bicfc^ SSorgcbcn ju bcjlatigcn, gebraucht, fallen
bei genauerer Unterfud;ung gan^ n^eg. X)cx feel. ^anjlcr
S5oI}mer irill in ber angeführten 2)i(Tertation biefeö ?ßorge*
hm mit einigen bifforifcl;en ©runben untcrftu^en, unb be^
tiift jid) bc^ttiegen auf ben 5[l?anrique3*'^0 ber eine Stelle au5
bcm Dubrat) ercerpirt iattc, um fte ala SScivci« gebrauchen
SU füunen. Sd; irill beibe ©teilen beibringen, bamit meine
Sefcr felbfl urtbeilcn Tonnen, tt?a^ ein 9??ann, ber trie '^aiu
riquej erccrpirt, für ©lauben Der^ienc. 9}ianriques fagt in
feinen Slniialen ^um 3abr Ii5i: Hoc ipso anno compi-
laturn Decrelum per Gralianum Monachum Benedicti-
num, ex Codice Blbliothecae Vaticanae, Baronius no-
tat: Decretum Gratiani Monachi S. Felicia Bononiensis
Ordir.is S. Benedict!, compilatum in dicto Monasterio
anno Domini MCLI. tempore Eugenii Papae tertii. Ve-
rum neque id sine Bernhardo factum esse, lego in nolis
ad historiam Joannis Dubravii ; Sancti Bernhardi,
(inquiunl) Gl a rae va 1 en sis Abbatis hortatu,
Gratianus Pontificum decreta compilavit.
Ut opus illud Annales hos concernat dupUci titulo, et
quia auspiciis et consilio Bernhardi et quia sub Eugenio
collectum fuit . . . X)c^ Dubrat)^ (BuUc aber, ber in ber
«Dritte bcö XVIten S^^r^unbcrtö lebte, ijlt folgenbe '"-''''O*-
*) Just. Henjg. Boehmer, Corp. Juris Canon. T I. in Disser-
tationo praeliininari , de varia Decreli Gratiani fortuna
p. VIII §. X.
■•) Ang4 Manriquez Annales Cistercienses , T. II. ad annum
I i5i. cap. V. n. 6.
**) Joh. Dubravii, Olomucensis Episcopi. Hisl. Bolcmica, a Thom.
Jordano cdita, ao. ijjS. Üb. IX. p. 76. vnt p. 83. nota g.
25^
Obierat diem suum Otlio Olomucensis Marchio Juos-
que filios, Suatoplucum et üthonem^ superslites relique-
rat: horum Gerardus tutela suscepta. Jus haeredilati»
contra Uralislaum, qui sibi succejsionem vindicabat, tu»
tabalur^ subscribente Conrado, induxeralque ambos in
iirbis et aliorum bonorum possessionem. Ob hanc rem
Uratislaus indignatione motus^ Venceslaum, quem a
sacrificiis habebat ^ aem.alum fratii comparabat, qui il«
lum de Pontificatu Olomucensi submoveat. Variae hinc
cogitationes^ Gerardi animum diversa agitantem, solli-
citum babebant. Viribus enim ad resistendum fratri
se imparem agnoscebat^ et ad Caesarem iter praeclusum
erat 5 quoniam Lotbarius omnia jura (g) IJbertatesque
Ponlificias, Romano Pontifici restituerat. Romam igi-
tur queribundus ire parat. . . 3" ^^^ ^l^tC (g) frc{)t:
Bernhardi C 1 ara e va 1 en sis Abbatis hortatu.
Sub hoc Lothario et Gratianus Ponlificum
Decreta compilavit. ^d) bitte mcitic £cfcr, bic
^tcUi bc^ 5}knrtquq unb U^ Dubraü^ D^otc gegen dm\u
bcr 3U galten; unb bcr betrug bc^ ?Diaiivic|uc5 ivii..'» jcbcm
in bic Slugcn fallen. I^te ©orte in S^übrauö Olote:
Bernhardi Claraeva lensis Abbatis hortatu,
belieben ftcö offcnbör öuf bic etrcttigfcttcn ^irlfcl^en bcm
^aifcr unb bem «PöpjT, bic burd; «BcrmitlUmg 23evn()avbö
üon dlairüöur beigelegt univben, unb fbnncn ba^er nid^t
öuf bflö nöd;fclgcnbe: Sub hoc Lothario et Grali-
anus Pontificum Decreta compilavit, gfa^^S^"
werben; ireld;eö auc^ mit bcr 3nterp«n!ticn, lik fid) 5}?an^
rique^, um biefe 6tellc ju feinem 53Drgeben braud)bar ju
ma<*i-n, ^u anbern crlöubt bot, ilrcitcn würbe. Ucberbcm
tft ID^brat», bcr im 3<j()r i55^ förb, ticl yd jung, öl« ba^
*i53
trir t(?n nlö fincn gültigen ^ciiQiih in einer 6öc^e, bk M
tu tcr 9}^itte bcd ^wolfrcn Sa^vjunbertö Sugctragcn ^at,
Annehmen {6nntcn. '^dt bicfcm {)ifloiifd}cu ©runt> fallen
^ucjtcid) alle übrigen, bie bcr feiige ^ön^lcr S55^mer t)or*
bringt, um feine 5?i;pot6cfe, bag ndmiid) S3crnl)arb Doti
^lairt^aur bic ^riebfcber üon ü)ratian^ Unternehmen fe^,
311 bolarfen, n?eg. <5ie grunben iid) grogtent&eilö auf ba«
OÄlendarium vetaslisslmum ßononiense, WOUon id) mu
Ten 3u reben ©clegen^eit l?aben ivcrbe.
Sil weld)em 'Scii)v ©ratian fein DcFret befannt gemacht
iaU, Unn mi)t genau bejlimmt werben, ^an nimmt ^njar
faf! allgemein ba^Sa^r ii5i für ben ^eit^unft ber 23efannt*
mad^ung bicfe^ Dc!ret^ an, unb glaubt, bicfeö burd) ein noc^
t)crbanbene^, bem Qirarian errid;tete^ !0?onument bciücifen ju
fbnnen, rcorinncn erftgenannte^ 3a^r angegeben n^irb. X)k*
fv^ 3»^"9"'ß n?urbe allerbingö entfdjeibenb fei;n, tuenn t>a6
9}?onument irirflid) fo alt wdre, aU man fid; Dielleic^t
uberrebet. d^ i\i ^voav feinem J^^'^'if^^ untera^orfen , t^a^
widit bem ©ratian eutttseber noc^ hei feinem Seben, ober
tod; balb nad; feinem ^obe ein Denfmal errid)tet trorbe«
Tei>n foUte; altein bon biefem alteren I5enfmal i|I nic{}t^auf
bie 9]ac^n?elt gefommen, M baflelbc im i5ten 3öl;r5unbert
fd}on fo jerfallen unb t^evmobert it>ar, tci^ man t>k barauf
befinblicfee Schrift nid?t mebr lefen fonnte. ^een?egen
n>urbe im Tsa^v 1499 bem ©latian ein neue^ :i^en!ma(
errichtet, unb bicfcö neuere ^enfmal ijl e^, worauf man
ftcb, ^ier beruft. Diefeö neuere S}?onument aber f5nnen wir
nid)t aU entfc^eibenb in biefer iSacfte önncjmen. Slnbcre
tt^cüen aw^ ber ^Ivpellatiru^fprmel *') be^ ©ratian^, bew
') C. po5l appcllal. II. q Vt.
254
3eitpun!r bcr ^cfönntttiad)ung fcfncö ^cfietö bcflimnicn;
ober vok id) glaube, mit fc^v unglucflic^cm Erfolg, ©ra-»
tian gicbt ^icr bloö ein gormulav, tcornaä) bic 2I))pclIari*
onefovmel abgefaßt mvben foUre. X^ai Krempel, ireld)c5
er Jie^u brauct)te, !anu eben fottjojl öuö einem Slnbevn, öU
feinem ^^it^^^cr genommen, ober gar crbidjtet fct^n: irentg.»
f!en5 fann man bod) gcit>iß nici[)t ()ierauö auf bie 3«^it ber
fSefanntmad}ung feinet ^cfrct^ fd)Iicflren. jpuguccio, ber
aitciic 5lu^legcr be^ ©ratian^, f'^Öt'-'): ©ratian \)abc fein
^efret aufgearbeitet, cum Jacobus Bononiae Jus civile
interpretabalur, et Rolandus Bandlnellus, qui postmo-
dum creatus Pontifex, dictus est Alexander III. sacras
litteras docebat. Slolanbu^ SöanbineÜuö würbe im Sabr
1159. ^apjl, obngefd^r 9 ^af)xc aber torber «Harbin aP-'-^»
dv ttjar alfo ^\t)ifc^en ben ^ai)vcn 1140— ii5i ^rofeffor
3u 25o[ogna, in voddgc $at man alfo auc^ bie S5efanntma^
c^ung bcö ©ratianifc^en ^e!rerö fegen muß. ^ic übrige«
©d)icffale hc^ ©ratian^ ftnb un^ beinahe eben fo unbekannt.
Qx lebte ncd; eine geitfang ^u ^Bologna, unb lehrte ta^
fanonifc()e 9^ed)t waö) feinem heftet. Einige geben tor,
er fei; nac^bcr aU S5ifd?of ^u ^bi«it geftorben '"""•'); allein
fie tbun biefe^ obne einen ^ut>erlafft'gen ©runb: Ugbelli <^'^'*'*)
gebenft wenig(Ien6 feiner gar nid)t. Sllberifu^ f ) «f"«^ i^n
*) Huguccio in C post appell. in Cod. Vat. Mss. 2280 cujoi
descriptionem Faltorini 1. c in Append. p. 194 exhibet.
**) Faltorini, 1. c. P. I. p. 264.
•**) Roberlus de Monte, edit. Dachery ad annum il3o. Jo.
Columna, I. c. Guid. Pancirolus de claris leguin Interpre-
tibus, Hb. IH. cp. 2.
****) Ughelli Italia Sacra, T. III. de Episcopis Cluslnis,
t) Albericus trium fontium Monacbus, in Chronico ^uo,
edid. a Leibnit. in Acccssion. Histor. Script. Rer. Gerroan.
T. II. p. 328.
255
Sarblnaf. d^ i\i aber Mefcö offenbar falfd), benn tm
önt>erer ^itriftfteller fagt uii^ ctwai ^icDoiu ^ülbevifuö mclbet
nod) me[)rere i\jiberfpred;cube 5^ad)rtd)te» t>o» unferm ©ra««
tian, 5. ^. er babc fein 2)cfrct unter bem ^apjl: Slleranbcc
bem HL aufgearbeitet; ün gewij^cr ?)}Za(ji(Icr £)mnibonu^
^abc ein ^uc^ 3efd}rieben , treld^c^ er OmneLonum ge^
nannt Ijabc, biefeö l)abc (3vatian hM t)ermcbrt, unb
barauö fep fein S>eFret eiitftanben * . . ^Iberifu^ üer^
tDed;fe(t unfern ©ratian mit einem anbern eben biefe^
Ö^amenö, ber 3U ^'nbe be^ Xllten unb ju SInfang beö
Xlllten 3af)r()unbcrt6 Äarbinal irar ^^)* 5Bie lange ©ratiatt
gelebt babe^ m\^ ob er 3U 53ologna gejiorben fep, t(t un*
getvig. ^a\x geigte ebcmal^ in bem ^(ofter be^ ^, gelir
bic $cüc beö ©ratiane; aber nad)bßr fi»b an bicfer (Stelle
neue ©ebaube aufgeführt trorben^ 25artboIomdu^, ^bt biefeö
ÄIo(ter^, (Giftete im 3^Jr 1374, an einem anbern Ott bem
©ratian ein Denfmal burd) eine 5luff4)rift auf eine mar*
morne Zafd, bie je^t nirgenbö me^r 5U finben i(!. ©ic
foU folgenben Snjalt^ fepn^-"-):
Hanc aulae partem, lector reverenler adito»
Namqueloci MonachiisDecretum hie condidithujus
Divinum Gratianus opus, ijuanlumlibel arcto
Contentus septo, quod jam reparando caducum
El vetus hoc claustrum tolli fuit inde necesse»
Id tarnen Abbate et constructum est Bartholomaeo
Mille trecentis decies septem atque quaternis
Annis a Christo pura de virgine nato.
*) Just. Henig. Boehmer, 1. c. §. X. not. ». Faltorini, 1. c.
P. I. p. 268. seq
**) Faltorini I. c.
1J56
^oit bcm ©rabe beö (55ratlauM t|t ^u i^orogna ferne
6pur üorNnbcn. ^ancivoluö *0 gcbenft jwar einer @rab^
Wrifr, bic aber nircjcur>^ t>orf)anbt'ii fei;it foU^^'''-). (Jin g}?o/
nunteiit bea ©ratinn't? ift ncd) in bcr .^Irc^e be^ S^* ^\'tro>
iiiu^ 5u 53oIo3na, fol^cnbcii 3n&alt6 :
D. O. M.
Gratiani Clusini Caesarei
Jur. et Pont. Enuclealons
Prope divinl: Qui Monacliu»
In Martyrum Felicis et
Naboris aede absolutiss.
Ibidem opus Decretoruni
Anno Gratiae M. C. LI.
Compilavit: Monumentum
Quod illic carie Ruderibusqu»
Obsorduerat; Hie
Magnificentius renovalum :
Joannes Pranciscus
Aldrovandus Bononiens,
IUI. Dictator
Aere publico
Instauravit.
Anno Salutls MGCCCLXXXXVllII.
Idibus Junii, Joanne Bentivolo
11.^ P. P, Rem. P. fe Heiter gubernante.
5)01! bew (5ct?icffalen bc^ @ratianifcl)eii .Defvcf« i^aben
wir jtvar mehrere 9Zac^vici?ten, öle t>en fciiuT ^erfo«, bic
•) Paneirolu». |. c. lih. Hl. cj> 2,
♦*) Falto:ini, I c.
257
über aud) tod){i önjuocrfaijfg ftnb, ^efbfl brc Ucberfc^rlft,
hie er feinem 23uc^ gegeben f}at, la^t (Tc^ n{d;t mit GJctvig*
feit be)nmmeu. Die d(tefteu j'janbfcbriften lefeu t^cili
Decretum Gratiani Monachi, tf)üi^ Decreta Graliani,
tbciU Codex decretorum *J. Die Ueberfc()rift Concor-
dia discordantium Canonum, fott In bcu dltcflcit ^?Cinb*
fc^riften i\\d)t ^u ftitben feiju, ttjenigiTen^ ^aben ^wei ticr
dltelien 9lr. 621. 622 in ber ^(rtiftjuifd)ert S5lb(iotbßJ bie«
felbe nicfef^'O- ^^t altc\lc 2lu^fegcr bcö ©rattan'ö, ^?u#
guccio, iat \väi)t\d)di\[ii)cv Sßeife bei feinem €'mtiplar gör
feine Ueberfd)rift gebabt. ^r fc^rieb einen ber boUjTdnbig*
f!en Kommentare über ben ©ratian. 3n ber ^orrebc fagt
er fcbr bicle^ t>on ber ^inridjtung unb 2lbfid)t be^ gaujeti
Söerf^, of^nc jebod) einer Ucberfcf)rift ^u gebenden, trclcfte^
er bod) nac^ ber ©citjobnbeit feiner 3dt tiicl)t itnterlafl'ert
l)abcn würbe, njenn fein (^remplar fte gehabt ^attc* 53on
ber 2ibfic()t M ©ratian*^ fagt er: ne igitur ex tanla va-
rietale canonum^ aut dirersa viderenlur adversa, aut
varia viderentur contraria; Magister Gratianus com-
muni consulens utilitati, disperses Ganones in unum
Golligere^ et si qua videbatur inesse contrarietas^ pro*
posuit solvere *J<>*).
3n fur^er ^cit erlangte baö Defret citi erflaunenbe^
lÄnfeben. 3" 23oIogua njurben 53orlefungen barüber gebaU
ten, unb eine bcfonbcre gafultdt be^ !anonifc&en fRc6)ti ge<
jliftet. 5llle 5flac&fo(ger be^ ©ratian'^ bielten t^rc ^oxkf
*) Jast, Fontanin. in Praefat. ad Decretum Gratiani Turre-
crcmatae, p. VI.
•*) Faltorini U c. P. I. p. Ä71.
•**) Codex Vaticanui 228o beim Pattorini; 1. C. V. I. p. Ä71*
©pittUrö (immtl. SSerfc Viii. SBö. 17
558
fuiigen \xh(x t)a\ft\b(, unb bcvcid;crtfn t^ mit tjren ^lojTcu
unb Kommentaren. S3ün tBoIogna fam cö iiöd) ^^öri^.
5üic^ bafelbft truvbc eine Safultdt bc6 fononifcbcn fRcd)t^
gcfciftt't, unb ^I^orlefungcn über ba^ DcFfct öugcjIcUt ="7,
3u ftrciticjen gallcn bcbifntc man ftd) beffelbcu bei gcijin*
cl)cn ©erid^reu, unb felbft einige $ä)?j!e berufen fii) bi^*
weilen bei 5IufüE)rung ber Äirc^engefe^c barauf'^'-'). 2Iud)
in £)eutfd)Iönb belfani biöf Defret burd) bic Deutfcl)en, bic
^u ^Sologna fiubicrten, fel)r balb ein grogeö 2fnfe^en, m\t)
man braud)te eö bftcrö felbft hü büvgerlidKn ©crid)ten **='^=)»
^aifer griebricö ber II. fd)eint burd) eine befonberc 53erorb^
nung Dom ^a^x I235 ba^ ©ratianifc&e I5e!ret Ui ben
gcijKicben (S)crid)ten al^ ß)efegbud) eingeführt ^u I)aben ^'-^^^^ifj^
^ic (StcUc in bem SKeid;^abf4)iebe ift folgenben ^uiaU^:
■yy^iv gebiet&en auö) fejüglid), \ia^ man in allem SKomi^
fcf)cn SReid), an gai filieren liingen nad; ©ebot unb
nac^ ^att beö (rr^bifd)of^ ftd) ^alt, unb ber Söifc&of unb
ber (Er^priefter nad) gaiftlid)em 3ftcd)t, unb wer bawi*
ber ijl, ben foll man f>aben für ungläubig/^ X)a^ ölnfe^en
bc^ De!ret^ erneuet noc^ me^r auö einer ©teüe be6 <Sc^n?a^
benf|)iegel6 f): ,,Unb all t)k ^abjl unb Kaifet ^u Äon^
*) Hist. de rUniverwte de Paris, par M. Crevier. T. I. liv.
I. p. 241 seq. Caes. Egas. Bulacus, Hist. Univ. Paris. T.
II. pag. 58o. seq.
**) Faltorini, I. c. Innocenlius III. in Epistola ad Archiepi».
Compostel.
♦*•) Jos. Ant. Rieggeri Eq. Opuscula ad hist. et Jurisprud.
Eccles in Dissert. de receptione Corp. Jur. Can. in Ger-
mania, pag. 2o5 seq.
**♦*) ©ammlunj ber Ü?eid)öabfcl)iebe. ^ranffurt 174'. fol- IW-
pag. 24.
t) Senkenberg, Corp. Jur. Germ. T. Jl. üb. 1. cp. 5.
i^39
filicn «rtb I« JJofeti ^abtn gef^r^t «nö geboren au^ bcro
X)cfrcf unb Dcfrctalc«, roaim aua bcii atucieu S5üc^)crn
nimbt man öUc 9^cc(?r, ber gaiillic^e mib njelrlic^e ©cric^^tc
bebörf/^ ^aifcr ,^arl bcr IV. lobt einen ^rofciJor ^u ^rag
in einem ©c^reibcn an benfclbcn *'), baß er auf9e()ort Jabc
über bic 2)efrctalen ju lefcn, unD \ciit feine ©orlefungen
«jiebcr über ©raiianö Defret Jalte. Um bicfe ^rfd;cinung
bcjTo beffer crflaren ju fbnnen, iabcw ünterfc^iebiid;e oltcre
©efe^rtc behauptet, b(t^ DcFret fer^ ^^om ^a)>\i ^ugcn IH.
beftati^et worben *'-')/ "»^ öu6 bicfcr Urfac()c Jabc eö ein
fo grp0e6 SInfeJen erbalten. @o gefd^icft auc& bicfe ^?i?po#
tjcfc i\% fic^ ba« 5Infcbcn bcd DcFrctö ju erfldren^ fo fann
fic boc^ nid;t mit bi»^^"9lid)cn bijtorifdjcn Scwcifcu unter*
jlugt werben, deiner ber dltcjlcn Üluelcgcr be6 ©ratian'd
gcbenit biefcr 25eftatigung ^^^), 3" ^t'" 23uUen unb 5öric*
fen be^ ^. ^ugen 111. fommt a\id) nid;td bat)On t)or. (^«
würbe ölfo biefe SO^einung ton bcn neuern ©elc^rren ter*
worfen, biö ber fcl. ^auilcr 2$5&mer in bcrjcntgcn DijTctta*
tion, tu er bem Corpus juris Can. torfeljte, fi'c mit neuen
bijlorifdjen ©runben ^u unterftu^en fuc^te. ©eine ©rünbe
waren au0 bem Calendario vetustlsslmo Bononlensi ge»
tiommen, worauf un^ Slferanber 5?tac^iaueU Diele (5'rcerpte
itt ber neuen 2lu^gabc bei ©igoniu* geliefert ^at '■-^-'=»'),
•) 2)er J^err ton Oitegger f)at biefert 95tlef in feinen Opusc.
ad Hist. et Jurisprud. eccles. p» 2o5. §. i5 abörucfen laffen*
♦♦) Trilheim de Scriptoiibu» eccles. Cap. ^jo. Unö in feinem
chronic. Hirsaug. p. 184. (ionialcz Tellez Comment. per*
pet. in V. libros Decfetal. T. I. iii bem »orgeff^ten Appa*
ratu de orig. et progressu juris canon. p. Zd, Not 4g.
•**) Fattorini I. c. p. «79.
••♦•) Car. Sigonii Opera omni«. McdioJ. l7i5. T. III. L. III. irt
historia Bononlensi.
260
25Hmer 3weifeltc ^av uic^t ön ber 5lcd)t5eit bca ÄalenbarU
um€, t>iclleicöti weil er e5 nie ^inldiiglid) uurcrfucbt Jatte.
SXJJoöJeim •*') erregte aucril gweifel bagcge«, bod) o^nc
(le mit ^en?eifeit ^u untcrftu^etu 3d; glaube aber, bag fic^
au^ ben t)Ovf)aubcneu G'rcerprcu fclbjl/ ^inldng[td)e 33cweife
»Ott ijrer Uudcf)t^cit fuhren laflfeu ^'''0* Scb will \)kv beii
S5eweiö t)OU meiner 53crmut{)ung fuhren: .SDieine Scfcr wcr^^
ben mir um fo mejr bicfc 5(uöfc^njeifung j?er5ci()cn, ba ba^
ilaleubarium Diele ^ad)nd)tm 3ur ®c^d)id)U Deö ©ratian'3
unb feinet 5>cfretö ent&dir.
^^ilipp 3lrgelati üeranftaltete in ben^.SöJv^« I732 xu\h
1733 eine neue Slu^gabe bcö ©igoniu^, iro^u unterfd)ieblic^c
ttalienifd)e ©cle^rte DIotcn verfertigten. Den brittcn Zi)dl
ber <Sigonifd)en 2öer!e* ber h'u Historiam ßononiensem
enthalt, bearbeitete ^lleranber 50?ad;^at>ell ^rof. t>c^ fanoni»
fc&en fRcd)t^ ^u 23ologna, bereic()erte ijn mit D^^oten, unb
lieg einige (5*rcerpten au6 bem ^alenbarium felb|l abbrucfen
ojne ieboc^ eine nähere ^ad)xid)t t)on bemfclben ^u geben.
Slrgelati giebt unö aber nur in wenigen 2ßorten feiner 53ort
xttt folgenbe O^ac^ric^t: lAus est (Machiavellus) ul plu-
rimum^ Calendario honorifico perpeluo Ar-
ehi-Gymnasii Bononiensis^ ejusque Academiae
ao. 1280. edito et ad nostra tempora deducto, in quo
res ab ao. usque 1000 referuntur, ob eamque rem ap-
prime quadrat, continuandae Sigonianae Hist. cui finis
in ao. 1267, alque illud eliam in tui, lector humansi-
•) Mosheimii Institut Hisl. eccles. See. XII. P. II. Cp. i.
§ 6. not. c.
**) 9lud) Fationni 1. c. fprid)t »Ott bem Äalfnbarium aU »oit
einem unterfcfeobeuen 2Berf, bo(i) of)m t6 iröenbtpo befon«
ttx6 3u wiberleflen.
261
simc, gratiam, appendicis loco post Sigopian, Hisl. Im-
pressum volebal. Sed cum ex Ambrosiana Bibliolhcca,
dono dar. atque doctiss. Saxii praefecli^ Diss. habuerim,
ab eodem Sigonio scriplam, cui Titulus, de studiis
BonoTi iensibu s, editionem dicti Calendarii post
eam Diss. additis ejusdem Machiavelli adaotationibus,
Deo dante^ inter alia inedita nostri auctoris opera, con-
cinniorem atque opportuniorem ad locum amandatam
volui. Untcrbcfffu ift nid}t^ mc^r t?om ^ölcnbörium cr#
fc^)icncn. 9}?ad)iat>cn ]iaxh, i^t er fein 53crfprecl;cn erfüllen
foniite. £)oc^.'t?ielIctd;t unterlieg er e^ mit 53orfa^, hanüt
fein 33etrug iud)t offenbar n)urt)c '"0- ^^^ S^n^e ^alenba^
rium grunbet fid) auf ben (Stiftungsbrief beö ^aifer^ ^^co^
bo^ tcß Jüngern, in n?cld)cm biefcr ^aifcr bcm S3ifct)of ^c*
troniu^ ^u 53ologna in ber erj'ten ^?alftc be^ Vrcn 2a\)xim\f
bert^, bic (Jrlaubnig erteilt \)ahcn foü, eine (Schule bafclbjl
ju emdjtcn ^'^')»
"^y ^(ift ycn diie^Qn tu feinen Opusc ad bist i^t Jurisp. ec-
des. fagt in ber DJssert. de Gratiano p. 271. ISunc qui-
dem typis editum fuisse Calendarium, fama publica acce-
pimus. Met 9)?üt)e aber ungead^tet, tot\ntt t* bocö noc^
feine jutJerld^ige 9iad)rid)t von biefec 2Iudgabe ted .Kalenta'
riiimiJ erl)fllten. 3cf) jiDeifTe aud), cb ivir jemaliJ baoon
mebr al6 bie Dorbaab.ene« (Jrcerpte im ©isoniuö fe^en
werben.
*♦) Alex. Machiavelli Apologia augustissimi diplomalis pro
Archigymnasio Bononiensi. TiiiU'i 33uc^ enibdit, Wie Xd)
»crmuttK, oiele 9ta0ricbtenr bie etwa^ mebr i^icbt über biefe
ganje ©acfce verbreiten fönnten. 3^) bebaurt UMr., bfl^ iä)
e^ biä^ernoc^ nid)t babe $u fe()en befornmen fonnm: foüt«
td) eö ober in ber ^ufunft erbalten, unb tnctne SSecmutbung
gegrünbet fepn: fo werbe i* in einem ber nddjfren Stürfc
tiefet Waflaiin^ bie lieber fleb^rigen ??ad?r(cbten mittbetlfti.
2t>2
©igoniu« fclb(! *) Jälr rt ffir fin fcfoßca «Oorgcbfn,
tat t)ie ©cfeule t>om ^aifer S:t)cobo5 bcm jungern geftiftct
Würben )ct), X)Ci^ Äalcnbarium ober beruft ft'c^ beinö^c in
allen tjor^anbcncn (Jrccrptcn ouf biefcn ^tiftungebrief, beffcn
2Ibftd;t uhnHüpt ^u fet)n fdjcint, baö Slnfe^en unb ^Iter
ber Uniüerfitdt 3U ^Sologn« ^u erbeben: Dö()er bie bielcn
^>ap|te, tk 5U JSologna ^rofefforen gettjefen fepn feilen,
ivoi?on man boct fonjl in ber ©cfc^tc{;te feine 9]ad;ric(?t
ftnbet.
gofgenbc €xcerptc nu« bcm ^afenbarium Dcrbienen aH
25cifpielc tjorjuglicl) angeführt ^u ererben., ©igoniuö fngt
3Um 2af)X 1 122 '""'')* schola in qua artes liberales exer-
cebantur^ quantum colligi conjectura polest, nondiim
erat ea famae celeLritate, qua postea fuit, neque schola-
res ullum adhuc corpus, ut postea, neque corporis Caput
nacti erant, verum eidem foro, eidem legi, cui reliqui
cives, parebant. tiefem n)ibcrfprtd)t ^ad)ia\)c]l in einer
9!ote, wnb fubrt eine (Stelle au6 bem ^alcnbarium ön,
worin gefagt wirb, t>a^- fc()on feit ber Stiftung burc^ ^.
S^eobp^ ben jönjcrn bie v^djufc einen abgcfenberten ^bryer
*) Sjgonius, 1. c. T. III. p. 33. Derfllid^eu mit p. 536. 5« ^ft
erften tllu^gabe feiner Histor. Bonon. batteSigoniu^ gefaßtr
M He 95olognefer fi* rüljmten, einige 2)iplcmc au befi^en.
worauf fle beiveifen fonnten/ fcaP il)re ^*ule vom Ä. Xtfio-
ho^ bem lungern gefliftet ludre. 2)ierfö tabelte ber ^arbinnl
S. 36ifti mit folgenben Sl^orten: confirmatum «e (civi-
tas Bononiensis) gloriatur habere, quasi dicat , licet
verum non sit quod habeat, igitur haec verba sunt mu-
tanda, et simpliciter dicendum ; habuerunt. !^arauf
antlUOrtet« ©igoniu^: gloriatur «e habere, quod citri-
tatis Rectores excogitarunt, scribam, hab et, ut latisfacianit
non quod ita sentiam-
••) Si^on. 1. c. T. ni. Lib. II. pag. ic6. ^ol. n
263
öuöniac^e, bie @d;olrtrcn mir Dor bcm Kollegium bcr iöof*
torcu unb ^vofcjTorcn belangt tucrbcu fonucn, unb in \lrci*
ÜQm Sallcii bic (^ac^c bcm 2lrd?ibia!on übergeben treiben
foUe. Die gnn^e Q)c\d)id)tc t)on $SoIogna Ijl gegen bicfe
^a6)vid)t t>c$ Äalcnbariumö. 3" l^eincr ber altera (ii)xo*
nlfen Don SSclogna ^ njoDon un^ SQlurötori •-•') ^wci ntit^
9ct()eilt \)at, ift etn?a5 bauon ^u ft'nbcn. ^ielmef^r liegt öm
XciQ, t)a\i crit im S^Or ii58 Äöifer griebrid; I. ben Se^^
rern 311 ^^ologna biefe (^credjtfamc burd) bie befannte 5\Dn'
<th(itiün Auth. hab. ne filius pro patre, crt^eilt f)ai '"'^').
2Iud^ foU ficf? in ben 2Ird)it)en 311 $8ologna feine ^pur fin«
ben, ttcrau^ man fc^liepcn fonnte, t)a^ bic UniDerfitat fd;on
tor^er fiel) biefer ©ercd;tfame angemaßt, ober fk gar auöge^
uht \)ättc ---).
gum Sa^r 11 24 wirb im ^alenbarium bic ^r^ebung
^?onoriu6 II. auf ben ^äp^l ^tüU öngcmerft, unb babei
gefagt, ^a^ er aud) ^rofeflTor ^u 58ologna gen?efen fet;: 2IU
lein in feiner einzigen £cben^gefd;id;tc, bie wir t)on biefem
$))apjt bi^bcn *"'"""''0/ ""^ '» feinem feiner bor^anbenen ^Briefe,
ijl bic geringfte <B^\xv t)on feinem ^>rofejforat 3U 23olDgna
3U cntbccfen.
3um Sai)v II 33 unb bcffen ÜDZonat SD^dr^ mcrft ba«
^alenbarium folgenbc^ an f): „hac die de ao. ii53; ge-
*) Muralori Rerum Italic. Scriptores T. XVIII.
**; Otto Morena, bist, rcrum Laudens. bei Muratori T. TI-
1. c. p. ioi6- seq.
***) FallorJni 1. c- Part. I. p. 9 seq.
•♦**) Muralori 1. c. T. HI. p. 431 seq. unb T. VIT. p. i8j.
^r. .St. Ol. (5bf. ®ill). ^^' 2ßa((t)'ö: (^ntJvuvf einer ücllftin-
tigen .^ijlorie ber romifcben ^ipt^e. p. 246.
i) Sigon. 1. «. T. lil p. 118. ^. i2.
minis terrarum orbis princlpibus Roinae exlantibus, sq
una convenientibus in ferendo de juribus nostrae Eccle-
ßiae, Academiae et patriae judlcio, de plenitudine eoruiu
potestatis, Innocentius nempe II, et Lotharius quoque II,
Caesar august. et Imperator, amplissime ea apud Latera-
num confirmarunt, et ampliarunt, largito dlplomate desu-
per re bac dato, Irco Beccario , famosiss. legum inter-
preti, Pillio Bargarotto celeberr. glossat, hujus Lycaei
publico lectori, Antonio Torello, et Caeseo Petri de
Bulgaris Ec[uitt., (jui pro Bononia legationem ad cos
obieriint, . . ,
(Sigoniu^ im öugcf, D\'t, mi^ \üd)H t>ou t»iefor ©c*
fanbfd)aft> unb bcr genannte 3i*ci:ö ?Scccariuö ift feinem
©c^rifrftcller fonft bdaiuxt, aü6) foll in Den 2l!ten, .hk mä)
3U SSoIogna Dor^önben finb , fein 92öme gar nicl)t üorfonu
mcn '•')» 2)er Jier genannte ^illiu^ 25argarotnö i|i au3
^mi ^erfonen 3ufammen gefegt, ^MUiuö n?nrbe ^rofepr
ber burgerlidjen 9ted;te ^u SSotogna im 3a^r 1170 ^'^'O^
^v lebte noc() im Slnfang be^ i3. 3aDi'&»»bert^. 3n ^n\
Urfunben be^ ^x^ivtS ^n ?5o(ogna füll fein 9]amc fc^r oft
t)or!ommen "^^^), ^argarottuö hingegen n?ar ^rofeflfor ^u
S3oIogna t>om Sa^re 1202 bi^ 1242« gattorini'"'"'^"-') niclbet
au^ ^(i\ Elften ^bie ^u 23oIogna im ^h'd)i^ liegen, t)iele^.
t?on i&m. ^a^ ^alenbarium begebt alfo ^ier offenbare Jifto
rife^e unb cf)ronoIogifd;e geiler,, voddoi^ boc& mdi)t U\d)t
Jdttc gefct;e6en fonnen., wjemrc^/jric 2frge(ati unb ^adfu
aijell borgeben, au berjcnigcn ^dt, t)a biefe 9}?anner gelebt
•) Fattorini 1. 0. P. I. p. no,
**) Pancirolas U c. Lib. 11. Cap. 21.
♦*♦) Faltorini I. o. P. 1. p. 72.
****) Fattorini I. c, P. I, p. 107. leq.
265
Ijabcn, 0cfd)ricbcn, unb öüc mcrfiüurbigc 10cgcbcn()cifcn t)i)n
2:ag 311 ZciQ, (n?ie jene bc&aupten)'gcfrffu[id} cingcrvd^cu
worbeu waren. 3""^ S^^i^ JM4 in^ f0?onar ?DMri mcrft
ba^ .^alcnbrtrium folcjeiibc^ öu ''•'): ,ja 12. S. Gregorü
Magni Papae, et Ecclesiae Doct. etc. hac eadem die, ao,
11 44» electus fuit in Roman. Pontlf. 166, dominus Ge-'
rard, Cacciaminlcus de Urso nobiliss. ex Prösap. Bohoniae^"
et ante Cardinalalum hujus Lycaei publ. Prof. doctiss.
atque multa pietate ornatus^ et hie- fuit secundus Papa
Bononiensis, qui apellatus est Lucius II, de nostra pa-.
tria, Academia, et universa Catholica Eccles. vMe me-
ritus.^^
2Iud; t>ou bicfem ^>ap(I ftnbct ftd) weber in bcn i>on
i^m t)Or^anbencn Scbcnebefd^rclbnngcn '"'*0/ nod) in feinen
55ricfcn eine 9lad?ric^t tvon feinem ^rofefforat ^u SSoIoc^na.
^\xm 3afjr ii5i. im '^onat '^ar^, mevft bal S\ak\u
barium folgenbe^ ön'""^*"')t
,jHac die, (Martii'21) Gratianus Monaclius cele-»
beirimus S. Felicis, cognomento Magister Decretorum/
et a pluribus annis sacrorum Canonum iii
hoc Lycaeo Publ. Professor, obtulit de ao. itS«
universis lureconsultis , publicis nostris Interpretibus ei
Scolaribus dantibus hie operam legibus, insigne opus
suum a pluribus annis retro sub magno lab'ore conge-
stum, et modo absolutum: Concördia discordan-
tium Canonum, quod appellatura est: Decretum^,
*) Slgonius I, c. T. III. p. 124. IV. 29.
*♦) Ughelli Italia Sacra T. I. p. 128. seq. Muralori 1. c. T,
III. p. 473. J^r. ^. 0?. ©alct) I, c. p, 25i.
♦♦*) Sigon. I. c, p. 127. N, 40.
266
rogans eos dimisse, ul sibi compatiendo dignarentur
illud examinare, et corrigere, ac postea ofTerre domino
Apostolico Eugenio III , ut de sua venia posset publica
legi et explicari, prout laudato solerliss. authore, Rev.
D. Archidiacon. nomine Academiae spopondit facere,
et onuiS assumsit ,- ac porro etiam obtinuit cum magna
SAtisfaclione dd. D. Papae de ao. ii5a.
Hao die (Novemb. 4.) de ao. ii52. ,, Rev. D.
Archidiac. Bononiens. tanquam major hu-
jus studii generalis Cancellarius, convoca-
tis Omnibus publicis jur. Interpret, et Cap. Nat. Scho-
larium Legist. in S. Petri, promulgavit lilteras Aposto-
licas D. Eugenii Papae III, ad ipsum datas, Romae 2i.
octbr, praeter., per quas dabat suum Placet super hoc,
quod compil. Mag. Gratiani , superiori anno per eum
huic Lycaeo oblata, et a dicto D, Archidiac. Romam
missa, uti sana et canonica publice posset legi et expli-
cari^ commendans insuper summopere, et maxime Cle-
ricis hoc Studium sacr. Canonum, spem denique dando,
fore se magis honoribus atque dignitatibus cumulatu-
rum eos, qui proficiscent in hac facultate , et proinde
hac eadem die fuerunt assumti duo publici
jur, Interpretes, qui dictum Decretum le-
gere inceperunt, et fueruntidem M. Gratia-
nus MonachusS.Benedicti et M. Raynerius
.Bellapecora Canonicus Regularis usque ad
exitum vitae suae.
Äalcubarium aH einen ^cugen f6r bie Söcftatigung beö
©rflttönifdjcu Dcfret^ l^D^ (Jugcn III. in t>erwerfcn. Die
ticUn (^iporifd^cK geiler, welche in be« t^Dr^evQcJcnben Ör.
267
ccr|?rcn bjefvd ^alcnböriiim torFcmmcn, finb «nö f)hila\\Q*
l!cl)c 23ctt)cife, böß c^ unacfet, unl) iinmoglid; 5u bcrjcnigcn
3cit, tu tt?cld;cr bie 33cgcbcn^citcn, bic cö bcrid^tet, tjorgc*
ftiUcn ftnb, gcfd^ricbcn fci)ii füunc. 3" ^^^^^ ftnbcn <Td; öud;
fdbft in bicfcu eben ^öngcfu^rtcn 9lad)rid;tcn be^ ^ölcnba*
nnm gcMcr unb 5ffiibcrfprud)e: 3« S5. ©ratiön*^ S3uc^ ttjirö
Concordia discordnntium Canonum genannt, tt>elc^cn !Iitc[
c^ bod) ^u ber 3^^^ ^^^ ©ratian*^, unb folglich öuc{) ^ur
3oir ba biefe^ ^alcnbarium gcfd)vieben fc^n foÜ, nid;t QCf
l)ciht Ht , tric id) bercita oben bcnierft babe.
gerner toom ©ratian felbf! trirb gefogt, bog er fd}oii
Imigc vor ber 23e!anntmöd)ung feinet Defret^, ^xo^. be3
fanon. SRcc^t^ gen^efen fep, ba bod) nad) bem 3fW9»ig öUer
2IIten, erj^ nad) ber 23e!anntmad)uug beg ©rötianifdjen De
fret^ eine bcfonberc Safuttat — be^ fanonifcf)en 9fied)t6 3U
23o(ogna crvid;tet irorben ijt •'*)•
5Iud) tt)iberfprid)i ftc& baö ^öfenbarium, trenn c^ nac^
ber t?orgcgcbenen^ejtdtigung d'ugen^ III. fagt, t>a^ jegt crjl
3ivei Sc(}rcr beö fanon, 3f\ed)tö bcftellt werben fei)en, t)On
n)cld)en ©ratian einer wdre, ba boct> faum einige gelle»
t?DrI}er, ©ratian fc^on a pluribus annis sacr. Canonum
in hoc Lycaeo publicus Professor genannt lüirb.
S)cr oben öngefufirte M. Raynerius Bellapecora ijl
bei feinem ölten <2c^riftjleller befannt. ^p^ncirolu^ n>ei^
ond) nid)tö i?on i^m, unb in ben 5Irc^it>en ^u ^Bologna foll
fein 9lanic niemals tjorfommen '•"")•
3um Sa^r ii53 im iÖ^onöt SKdr^, merft ^a^ ^aUiu
barium folgenbeö an **"^') : „hao die (Mart. 7,) de oa.
*) PtttorinI I. e. P. I. p. 147 — s8i
♦*) Mem I. e. p. 182. t85,
***) Siföaitti I. f ,
268
11 53; in generali conventu pub. jur. Interpr. et Schola-
rium dantium operam legibus in ulroque jure, habito
de ordine Her. D. Arclidiac. tan quam major Can-
cell. hujus studii generalis in S. Pelri, edila est consti-
tutio domini Apostolici Eugenii III« Papae, data Later,
14. Febr. bujus anni, et per eum Iransmissa ad. dictum
Rev. Archidiac. super facultate ipsi collata constituendi
Baccalaureos , et Licentiatos, atque eosdem creandi
distinctim a gradu, vel censura in jure civili, Docto-
res sive Magistros in jure Can. cum iisdem honoribus,
dignitatibus praerogativis etc. quibus fruuntur et poti-
unlur conslituti Baccalaurei et Licentiati et creati
Doctores Bonon. in jure Caesareo, et artibus per dic-
tum Arcbidiac, ita quod in Omnibus, et per omnia,
qui creati eriint Doctores sive Magistri in jure Canon,
posthac Bonöniae per dictum D. Archidiac, sint, ha-
b^antur ad instar, et aequi parentur, sine ullo dis-
crimine, Doctoribus ita creatis, vel in jure Caesareo...
^^ faim and) ^kv mit Jciucra önbcrn 3^«S"i6 bcfrdtigt
ircrbcn, ^öß fcfeon unter ©ugcir.III. öic öfabcmifc^cu 5ßür*
bcn ouc^ ■ bei ber §«! ultat bciS föiion. iKcd)t^ ö^braud^lid)
gcircfcii fci;u foKtcn. $m '^dt' hti ^npfr^ 3nu6cciit III.
fommt bie S5encmuing Doctores Decretorum jum elften?
ntal in einem (gd}rcl6cn biefeö ^tjpftö ^ ad doctores De-
cretorum Scholarum Bononiensium t>or '^'). Jur ^cit
Slleranber III. aber mug ber 2:irel Doctores Decretorum
«od) ntd)t genjo^nlict) gcircfei! fe^n: Denn irir bo-beriv einen
S3rief i?on biefcm ^ö^ft an t^k Unioerfitdt Jöologna *^),
•) Balluiius Epist. Iimoc. IJI. T. H. Lib. X. p. 65. et I.ib.
XII. Fp. GXF..
**) Fattorini I. c. p. 36;. acripsit hanc Epist. .ilexander , rix
269
worin er ficb ötlc Wlht)z Qicbt, fic hei ber 3WcifpaUigeii
^ap|livaf)l auf feine ©citc a« brliiijen. S}kv '\\i c^ aber
Jaum g(ciublid), ba0 er indjt bei tiefer ©clegenficit auci)
bic Doctores Decretoruin befouberö genannt i)ahcti foUte,
wenn biefer Xitel fd)on 3U feiner Jett befannt gcwefen wdre»
e^ ift a(fo aud) biefe 9lad)rid;t bcö ^aleuJDarium I;üd;rt un*
juüctLagig. S36()mfr '0 ergreift \k ^war mit bdhcii S^aiu
ben, unö baut diu fo funfttic^e j)i;por()efe barauf, bie ma«
nur lefen barf, um ]id) t>on if;rem Ungrunbe ^u überzeugen.
Der!iitcIbc^2lrd;iblaCv major studii hujus genera-
lis Cancellarius, nimmt feinen ^2Infang crffc imi3. ^^^r^»
Junbcrr, unb nid)t wk eö im ^aleubarium ^cigt, ab an-
tiquissimis temporibus, seu ab ipsaTheodo-
sii Junioris aetate. ©o lange ttk ^a^jU fid) feine
SfJec^te über bic «Schule ^u SSologna anmagten, fo lange
iatte auc^ ber %d)ibiacon mit biefer @c&ule nic^ta ^u tbun»
ßrfl bie ^apjle 3»«ocent III. unb 5?onoriuö III., fud^teu
fi'cf) eine j?errfd;aft über biefe @d)ule an^umagcn. j^onoriuö
III. ernannte ben ^rd)tbiacon ^um 5)orfteber ber ganzen
Uniöcrfitdt. ^r lieg S^efretc ergeben '-""0^ trorin bemfelbeit
dum creatus Pontifex, ut eos praeoccuparet, sibique ob-
stringeret, in feriali schismale, quod tunc in Ecclesia
conflari videbat. c(. ßaronii Annales T. XII. ad annum
,.59.
♦) 3. S^. 336&itier 1. c §. r3.
♦*) Ex Tom. XXVir. Codicis Diplom. Bonon. beim Fatlor. I.
c. appendix. p. 177. Scripta est haec Epist. ao. 1219* d.
28. Jun. Honorius servus servorum dei , dilecto filio Ar-
chidlac. Bonon. salulem et Apostolicam benediclionem !
Cum saepe contJngat, ut minus docti at docendi reglmen
assummantur , propter quod , et Doctorum honor minua-
tur et profectus iinpediatur , Scholarium valentium eru-
diri, Kos eorundem ulililate, et honori prospicere ca«
270
ta$ SÄcc^t, Sc^rer ja 95oIogna ^u U^icUm, aaöfc^jlicjTung^
TOcifc enteilt wirb, ^on tiefer '^cit an erlangte bicfcr im«
mer ttie^r Slnfc^cn, eignete fict) allein ta^ S^ecljt ju, afa#
tcmifd;e SBurbeu au^^ut^cilciw unb jlelltc gleid;fam bcn
^anjler bcr Unit^erfttdt t?or *•'). 3d) glaube nun meine
5Dleinung mit gcnugfamen Söeifpielen beftdrigt ^u Jabcn.
S5iefe betveifen ivenigftenö fo ml, ha^ t>a^ ^alenbarium,
nun in feiner ©ac^e mebr, aH gültiger '^cwqc angenommen
ju werben t>erbient. 2luö ben übrigen (Jrcerpten würben
ftd) leid)t, wie ic^ glaube, hei genauerer Unterfud;ung noc^
mehrere 23eifpicle anfuhren laflfen '-""O*
3c6 fomme nun wieber auf bic @d?icffale be5 ©xatiaf
ttifcöen Defret^ ^urucf. ^a6 Defret erhielt burc^ ben bduftgcn
GJebrauc^ unb burd) \^k tjielen Kommentare, \^ie in ber golgc
ber ^üt barubcr gefd;rieben würben, immer grbgreö Slnfe^en:
5U bem auc^ t>k ^dp|!c felbft Dielet beitrugen.
©onberbar i(! aber bod) jene 53erorbnung, wefd?c wegen
te^ 25cfrctö auf einem (^iftercicnfcr Kapitel im 3abr 1188.
gcmad)t würbe; worin ne^mlic^ ber allgemeine ©ebrauej^
pientes, auclorilate praesentium ('uximus ßlaluendum,
ut nullus ulterius in cirilate praedicta ad docendi regimen
Assummatur, nisi a te obtcnla licentia examinalione prae-
hablta diligenti, tu denique contradiclores, si qui fuerint,
vcl rebelies per censuram eccles. appellalione remola com-
pescas. Datum Romae VI. Calend. Jul. ponlificatus nostri
ao. III-
•) Fattorinl 1. c. P. I. p. s5i, 26?. P. II. p. 12. 26. seq. Ap-
pendix p. 57 —61. U. p. 172— 178.
♦•) Unter bie <BU\ltn bc^ Äalenbarium, in »eichen man noc^
mebrere ^mcik feiner Undcljtr^eit fi'nbfn fönnte, fdjf inen mir
»orjüglid) folgenbe ju geboren. Sigonius I.e. T. III. Mb. III.
f. 15 1. Not. 18. Lib. IV. p. 167. ^. 8. p. 176« I^'- ai. J'»^'
V. p. 116. K. 16. p. 255. N. 46- p. 2^2. N. 91.
271
bcö Dffrcr^ verboten xvmU, trcll man Mcfc^ S3uc^ trirflict)
für gcfa^rlid) öiifafe ♦^). Der ^anoit, n?cfdjcr bc^njege«
gcmnd;t lüurbc, i\l fcfgcnber: „Liber, qui dicitur Cano-
num^ sive Decrela Graliani, npud eos qui habuerint,
secrellus custodiantur , ut cum opus fuerit, proferan-
tur. In communi armario non resideant, propler varios,
qui inde provenire possent, errores. '^
3m Sa&r 1190» tjcrior ba^ Dcfret ^UUi t?on feinem
biö^crigen SInfc&en, burd) bie Dcfrctakn? Sammlung bc5
*öcrn6arb üon ^at)ia. 3« 25oIo3na würbe gicid) über biefc
neue Sammlung gclefen, unb btc gc^rer bei fanonifdjcn Slec^tl
fd)rieben iUnmcrfungcu bajir-^^'O» 2)ie gan^e gafultdt befam
nun eine neue ©eftalt, unb t^elfte fic& in jwei Älaflfen, in
Dcfretijlen unb Defrctaliften. Die nad)fo(genben De^
frctalen? Sammlungen WwdcJ^ten t^a^ 2(nfe^en bei DefretI
immer me^r. Die De!reta(i|tcn maßten fic{) sßorjüge über
bic Dcfreti(!en an, bie fi'e and) md) unb nad), unterjTü^t
t>om papfllicfeen ijof, njirHid) erlangten. Die ^dpfte bc?
f5rberten fie ju ^^renftcUcn unb einträglichen SIemtern, wtU
ö;)c^ and) ttixKid) bal bcjle Wittd war, bal De!ret t)on
bcn afabemifdjen Se^rftüMen ^u berbrdngen, unb an befifen
©teile t>k Defretalen einzuführen. Die neuen Defretalen^
Sammlungen id)idHn bic ^dpfte icbelmal fogleic^ nad)
S3ologna, befat)len ben borllgenSc^rern bei fanonifd)enSKed)tl,
fie ben bafclbjt ©tubierenben 3U erfldren, unb fo würben
fte balb allgemein befannt, X)k Seftrer tc^ !anonifc&en
SRec^tl waren nun fd)on fo fe^r für bie Defretalen einge#
*) Marlene Thesaurus Anecdot. T. IV. p. I263. le Beuf,
Dißsert. sur J'hlstoire eccTes. ei civile de Parifl. p. 214»
''*) F«tlorini 1 c. P. I. p. 5o2. seq.
272
nommcn, bag (Ic 3« S'ubc tc3 x3ten S«H«nbert5 beu
Safob (Sa|Mtu^, ^rofciJor bc5 fanonifc^cn 9^ec^t^, an beii
^apft 55oiufadii^ Vlll. fc()icf teil, unb um eine neue Dcfrctalcn^
©ammlmig bitten lieflfeu '-'). 5Soulfaciu6 öcranflaltcte fic
aud; fog(eid), uub fd)t!fc ftc imc^ Bologna.
3u 5))art6 behauptete ba6 Defrct fciu Slnfe^en langer
üU ju 33o[ogna, unb erft Im Sa[;r 1234 würbe cö burc^
Mc Dcfretalen?<3amm[ung ©regor^ IX. üerbrdngt, ber in
einer $8ulle bie Defretalen* (Sammlungen ben ^arififcben
Scjrern nad;brucflid) empfahl =-"'0. 3u ^nbc be^ XIV. 3a Jr*
JunbertI würbe tia^ fanonifd)e 9led)t üor^ugtic^ ftar! \^a*
felbft jlubiert. 2)ie Uvfad;e baüon fc^eint bic Slefibenj bcr
q)apfte ^u 2lt>ignon gcirefen ^u fei;n: 25enn wer einmal
fagt ^uldu^, 25oftor be6 fanonifc^en ^cdot^ war, gieng
ton ^ariö nacfe ^loignon, wo er Don bem ^apft ju be«
flrbjten ^f}ren(Iellen^ unb eintraglid^ften Slemtern bef&rbert
würbe '-"^"'0. 2)a6 De!ret würbe «Ifo aud) Jier gan^licj) burc^
bieDefretaten tjcrbrdngt, unb bic bafigen 2e5rer {hielten gar
nic^t me()r über ha^ 25e!ret ^orlcfungcn. ^ie Urfad)c ^ap
t)on war bic nemtid)e, xok ju 25ologna***'--"^"')» ^i^ 2)e!rc#
talen eri^ielten aud) Jicr einen fo allgemeinen SSeifatt, bag
man im S^^r 1641, 3oo ©tubcnten ^u ^ari^ sd^lte, welche
bie 93orlefung über tk Defretalen befud)tenf)»
X)ai Parlament faj fic^ enblid; im Sa^r i553 ge*
♦) Fatlorini 1. c. P. I. p. 1S9,
**) Histoire de I'universile de Paris par Mrs. Crevieur T. T.
Liv. II. p. 378. Caesar. Eg. Bulaeus, Historia Üniverf.
Parisiens. T. III. p. i55. seq.
***) Bulaeus, I. c. T. IV. p. 888. 891.
♦••*) Bulaeus, I. c. T. VI. p. 457.
f) ßulaeus, I. c. T. VI. p. 369-573.
^2/0
notjigt, bell bortigcn ^profcjToveu bard) ein befonberc^ ©efeg
ju befehlen, ha^ pc ©vatian'« Defrct wieber in ifiren J?or»=
fafen einfuhren foütcn -)• -^^c ^In^a^l ber ^lofcjTorcn In
biefcr gafiiltat wav fd)oii lange ouf fcd)ö gefeilt, uiib nun
truvbc bcfonbcr^ öcrorbnet, bag in ^ufunft immer ^m\ bic
I^cfrctölcn, anjci ba« fcc^öte S3uc^ unb bie (SIcmenttnen, unb
^ttjei ba« grogc Dcfret, al^ bic einzige loo^re £lueüc beö fano^
«if*en 9^ed)t^, cvflavcn foüten.
•äf) Crevieur 1. c. T. V. Liv. X. p. 471 — 471. Bulaeiis
T. VI. p. 458.
©pittler^ fänmui. \2Beiri' MjI. '<<b. IS
X.
DISSERTATIO ACADEMIGA
DE USU VERSIONIS ALEXANDRINAE APUD
JOSEPHUM. GOTTINGAE. 1779.
Jl ostquam amplior litterarum ebraicarum cognitio, maxime
dialectis affinibus in auxilium revocatls, nostra aetate ef-
floruit, neque amplius dissensus vcterum interpretum a
communi nostra lectione et interpretatione malam eorum
fidem aut inscitlam arguere videbatur: Josepho quoque,
ancipiti prius fama agitato , ingenti consensu ea laus tri-
buta est, quod omnium, quibus patrIa disciplina contine-
batur , callentissimus , in condendis gentls suae originibus
archetypum ebraicum secutus sit. Cum plurima et gra-
yissima loca, maxime autem errores quidam, quorum oc-
casionem solus ebraicus textus offerre potuit, fidem hu jus
rei indubitatam facerent: observata tamen sunt non-
nuUa, in quibus Alexandrinos interpretes consuluisse, eo-
rumque auctoritate regi passus esse videbatur *). ünum
obstitit, quo minus placeret opinio, quae consensum Josephi
et versionis Alexandrinae ab ipsa auctoris consuetudine
repetiit, quod üs argumentis demonstratura esse pulabalur,
*) Michaelis Orient. Bibl. P. V. et VII.
275
textum ebraicum secutum esse Josephum, quae omnem
versionis Alöxandrinae usum excluderent. Multa igitur,
in quibus erat unum sufTragium Josephi et versionis
Alexandrinae contra textum ebraicum , ab ipso codice
ebraico Josephi profecta esse dixerunt, qui lectiones tcJi/
d tueretur: pauca autem illa, in quibus non tarn lectio-
nem quam interpretationem Alexandrinorum secutus vide-
batur, si primum detraxeris , in quibus fortuitus Konsen-
sus esse potuit, ab interpolatoris manu inserta. Neque
mirandum, si talia passus fuerit Josephus, qui quondam
fere unice eorum patrum manu tractabatur, quibus nihil
sanctius videbatur versione Alexandrina, quique, ne in
concertationibus suis cum Judaeis obmutescerent, ebrai-
cum textum corruptionis arguebant. Operae igitur pre-
tium facturus mihi videbar, si, quae sint utriusque opi-
nionis momenta, expenderem, ut certum hujus rei Judi-
cium constitui possit, quae ad rectam descriptionem anti-
quissimarum rerum christianarum tarn arcte spectat.
Qui Josephum unice ex ebraico texta hausisse affir-
mant, primum ad ipsa professionis Flavianae verba *) pro-
Tocarunt, eorumque ambiguitatem , cum appellatio libro-
rum ebraicorum etiam ab auctorum gente petita esse po-
tuerit, feliciter sublatam esse putarunt, si probe intelli-
) Prouem. 2. 3. Tavtijp de ttjv evE:cä6av tyKEx^ipits^ai
itpay/xattiav — jj-bWei yap nepuEciv ajta6av trjv naß
rjfiiv apxaioXoyiav trjv Siata^iv m rcoXiTEv/uatof bk
r<a)v EßpaiKoäv fiES^EpfirjVEvofjLevrjv ypa/Li/Liatci)V-
O ÖE tcöv naß ij/LiLV apxiEpE<äiv ovÖEvof apEtrj ÖEvte-
pos EXEttSapos, trj npoEiprjuEva) ßa^iXsi tavtijf ano-
Xavdai tr)S (a^EXEiai hk e^B^ovtjöe' navtats avtsincdv av
ci ßtj natpiov 1JV ijßiVf to fiijöev c;^£iy tci>v naXcov anop-
pijtov' Kai £/iiavt(ä) öij npEneiv £voßi6a, tu jjlev apxiE-
pEcai aißijciaa^ai ro iJ.EyaXo^vxov-
18 ♦
276
galur, quid secum ferat defensio , quam operi suo ab
exemplo Eleazari sumrai sacerdotis petebat, quo prorao-
tore versio Alexandiina sit instituta , adeoque res sacrae
externa ac peregrina lingua enunciatae. üt vero prae-
termittam, constare huic defensioni omnem vim suam , si
vel unice Alexandrinos secutus fuerit Josephus, cum a
solo usu linguae Graecae, et, quae conjuncta erat, pro-
miscua rerum sacrarum enunciatione invidiam timuisse vi-
deatur: nihil certe inest huic argumento, quod Josephum
unice ebraicum textum secutum esse efficere possit. Om-
nium enim consensu constat, narrationi rerum e libris sa-
cris haustarum multa eum admiscuisse, quorum auctori-
tas erat penes illos incerti nominis scriptores, qui histo-
riam sacram interpretationibus auxerunt, vel ancipiti stu-
dio ea collegerunt, quae longa abhinc seculorum memo-
ria haereditatis instar a patribus ad nepotes devenerant.
Quae assumenta cum veritatem professionis illius, utpote
ad partem longe maximam spectantis, non tollant , nihil
'profecto quoque eidem inest, quod impediat, quo minus
etiam Alexandrinara consuluisse, et ex ea, quae in rem
suam erant , decerpsisse existimari possit.
Incertiora adhuc sunt, quae ex iis sumuntur, quibuf
negat Josephus , Graecorum quemquam posse tale opui
scribere *), cum ipsa orationis series declaret, non in ec
esse asserti rationem quod Graecus homo vel ex ips(
ebraico archetypo haurire non possit, vel versionem Ale
*) Antiqq. XX. 11. 2* Xey© Se Sapdijdaf tjSij Sia trjv tau
TtpoteS-Evtcav (ivvt£\Eiav, ot fxrjSeii av etepos ijövvijSi
^tXrffiai i fxijte lov&aiof firfte aWo^vXoi j trjv rtpayßia
teiav tavtrjv «tcoJ anpißtas tii EWrjvaf e^frf j'KCir • eyt
6e <a/no\oyyuijv Jtapa t<av ojuioES-p<av itXeiSov avt(ai
MQta ttjv £7tixa>piov Ttaiöeiav bia(ptptiV'
277
xandrinam minus accurate intelllgal, sed quod amplisslma
cognilione domeslicae Judaeorum discipHnae carere non
possit, qui tale opus aggrediatur. Magnifica autem verba,
quibus in prinao contra Apionem *) integritatem librorum
sacrorum depraedicat, primo piano non pertinent ad pro-
f'essionem Josephi , unde res suas hauserit; dein si vel
cum ea conjungantur, ne id quidem efficiunt, Josephum
secutum esse textum ebraicum, multo minus unice eum
ante oculos habuisse, cum iisdem fere verbis etiam con-
yenientiam versionis Alexandrinae cum texta ebr. effe-
^^^w**). Aptissimus quoque est is ipse locus ad evertenda
^Si, quae de versione Alexandrina apud Judaeos Palae-
stinenses maxime contemta disputantur, eoque tutlus Jo-
I sepho tribuuntur, quod is fuerit disciplinae Pliarisaeorum,
quibus nihil magis odio fuisse dicitur, quam omnia Grae-
corum instituta. Quo majori enim cura, et quo ampliori
yerborum apparatu ipse etiam Alexandrinus Judaeus om-
nia congerere potuisset, quae ad celebrandam hanc ver-
sionem spectabant, quam Josephus ***) ? Quin si ea etiam
detraxeris, quae magis ad celebrandam ipsam Judaeorum
genlem et demonstrandos honores pertinent, qui ab exte-
ris suramis regibus ei sint habiti; illustris adhuc super-
est locus, quo Demetrium Phalereum ita loqu^ntem indu-
*) §. 8. Toßovta yap ai<a)Vosi)dij rtap(ä>xr}Kotof yre Ttpoi-
Seivai tis »8ev ute acpEktiv avtcuv yte fietaSeivai ttto\-
firjKEV.
*^) Antiqq. XII, 8. 12. artavicdv 8e avt<äv ertaivedavt^v
ti}v yva)jüii]v j Ene'^'Svöav , £i tif rj 7tepi6(Sov ti rtposye-
ypafjLfievov opa tta vo/ncäy tj XciTTor, TtaXiv sTtiSKOTtevta
tovto Kai Ttoiavta cpavEpov öiopSavt (Sca^povcdS tovto
TCpartoviEfy iva to Kpi^ev arta^ fX**** Ka\<ai eif a€i
8iaiJ.eivrj'
***) l. c. iiitegro capite secundo.
278
cit, ut ipsius Dei sufFragium huic versioni non defuisse
rideatur *). ütut tandem verissima essent, quae, repeti-
tis quoque demonstrationibus nondum satis confirmata, de
odio Judaeorum Palaestinq/isium et maxime Pharisaeorum
aduersus lltteras graecas traduntur: quis ignorat, quoti-
diani esse'exempli, desciscere aliquem ab opinione qua-
dam eorum, in quorum alia omnia verba jurasse visus
est? Quis in Josepho, litteris graecis optime instiucto,
iniretur, si illam dogmatumPhaiisaicoi um asperitatem in-
genii praestantia vicerit?
Unde vero, si arcem argumenti oppugnare liceat, un-
de constet, Josephum, cum oiigines Judaicas conderet,
Pharisaicae disciplinae fuisse addictum. Juvenem eum,
annos undeviginti natum **) Pbarisaeorum dogmatibus se
addixisse, ipse in vita sua narrat; bocque uno argumento
sunt usi, qui in opinionibus Pharisaicis tarn certum judi-
candae Archaeologiae adjumentum reperisse laetabantur,
neque meminisse eos video, quam raro accidat, ut quae
jüyenes patrum forte auetoritate adducti accepimus, ea
plurium annorum usu subacti et ab ampHori doctrina in-
structi tueamur. Josephus, quinquagenario major***),
*) 1. c. n. 13. Omnibus, qui liactenus publicis scriptis historiam
et argumentum legum Mosaicarum tetigerint, mala quavis a
Deo inflicia esse, narrat Demetrius, Regi suo de forlunato
suscepti consilii eventu subobscura adulatione graiulatus.
**) Opp. T. II. p. 2. EweaKaiSena 6' er?; £X(b)v > ijp^a/uLijp
fB TtoXitevEöSai fq ^apidaKuv aip£6ei hataKo'XovScov* rj
napaTc\ij6ioi esi nj nap EX\tj6i :2ta>iKr] Xeyofitvrf'
*^^) Opp. T. I. p. 982. Kav to Seiov crrirpf-Ti; ♦ Kata Tttpi-
öpojLLTjv v:tojuvij<Soi> 7ta\iv tu XE TtoXtiJLa Kai t(£>v avußeßt]'
Kot(ä)v ijfiiv fitxpi trjs VW evEScdöijf rjij.Epaf , rjtis est
tpidKaiÖEKaiB fiEv Etyf trjf JofiEtiavov Kaiöapof apxv^*
tflOl ÖE QTtO yEVEÖEOäS TtEVTlJKOSS KUl CKTö,
279
»rigines Judaicas Romae scripsit , concinnato jam , quod
pse ctiam testatur, opere de hello Judaico. Yiderat igi-
ur internecinam populi sui cladera et furorem illius,
naxime artibus Pharisaicis excitatuni , inli'mo animi sensu
aepissime deploraverat, ciimque in omnibus ad nutum Im-
leratoris et Romanorum se componere consuetus esset, a re-
iquis ejus moribus abhorrens yideri debet, si constanter cum
llius sectae honiinibus stetisset, quibus crimen seditionis in
Romanos domesticum erat. Sunt quoque satis manifesta in
psis originibus yestigia, quae animum a Pharisaeis plane
alienum produnt, et in quibus non homines modo accusat,
sed parum abesse videtur ab ipsa dogmatum insectatione *).
Quis tandera illura Judaeum genuinae indolis Pharisaeuin
existimet , qui gravissimum de Messia vaticinium , cujus
•Teram vel receptam interpretationem ex scholis Pharisai-
cis probe noverat, ad Imperatorem Romanum, eumque
qui Judaeae plurima mala inflixerat, transferre ausus
f'uit **)? Quis Pharisaeum in eo agnoscat, qui de mira-
culis, quibus Deus patrum Israeiitarum res gessit, tarn fri-
*) Antiqq. L. XIII. c. 10. n. 5. 6. De beUo Jndaico L. I. c.
5. §. 2. coli. Autiqq. XIII. 16. initia dominaiioiiis Pharisaeo-
riim ita describit, ut subdolos favoris mulierciilarum captato-
res fiiisse significet. Sunt quidem alia loca, in quibus caus-
eaiu eorum lueri videtur CAntiqq. XVIII. 1, 3.) neque vero
ea probaiit, Pharisaeum fuisse Josephum, cum ibidem etiam
Kssenos depraedicet. cf. Knittels Synodalsclireiben über das
Zeugniss des 'osepluis von Christo. Braunschweig 1779. 4.
"^'^^ de bello Jud. L. VI. c. 5. n. 4. To Ss enapav avtovs
f.iaXi:a npoi tov TtoXrjfioVi ijv xPV^^^^ ajjLcpißoXoi ofxo.
ia>s €v toii lepoif evprjfievof ypaß}ia(Siv "(e)f itata tov
•ttaipov EKEivov arto tr)i x^P^^ *^^ avtcov ap^ei trjf oi-
Kov^EViji. Tovto Ol fitv cdS oiK£iov E^t'Xaßov, Kai ÄOX-
\oi t(a)v 6o(p(ä>v En\avi]^ri6av rtepi tijv npiöiv edrfX» ö*
apa TiEpi tov Oveöitaviavov to Xoyiov ijyEfioviap»
280
gide seiiserat, ut ipse ßdem eorum minus inclubitatarn
existimare viderelur *)? Qui eam Mosis allorumque le-
gislalorum comparationem instituere non verebatur quam
religiosior quisque Judaeus non potuit non detestari **)?
Apparet ex bis omnIbus, Josepbum, si quid Phari-
saici dogmatis adhuc tenuit, cum in scribendis originibus
versaretur, tarn inconstantem tamque levem in eo fuisse,
'0 Additis qiiippe verbis : nspi tovrcav cof EKasci> öokei öia-
XafißavEtci)- Cujus seiueiuiae iiividiam, quam Joseplius ftre
siiigulorum miraculorum uairatioiü subjuiixit, muliis amovere
studuit Relandus Opp. Jos. T. I. p. 115. not. b. nihil ea quaeri
significans , quam ne gentiles , quibus librum destinaverat , a
rellquis legendis abslerreantiir. Alia sunt apiid Ven. Eruesti
in priina exercit. Flavianar. §. 24., quibus autem duo (antum
Josephi loca defenduntur. Facile quidem largimur, esse alio-
rum quoque scriptorum loca, in quibus narrationi ex ipsorum
persuasione certissimae talia verba subjiciuntur, sed addidit
interdum quaedam Josepluis, quae a religione Judaei non ex-
pectanda videbantur. E. g. coniparatio transifus Israelitarum
per mär« rubrum cum trajectu exercitus Alexandri per mare
Pamphjiium (Antt. II. 16. 5.) neque nihil suspicionis movet
tam affectata carminis ambigui repeiiLio.
*^) Contra Apion. II. n. 16. p. 482. KaXijf ovv avrcd (Mtäu-
/5£i) npoaipe(J£(a>i nai npaB.e<ä)V /uE^^aXtav £n:trry;^af oaercov»
eiHot(ä>f evojj,iSojLLEv ijyEjuova ts Hai övfißovXov ^eiov
ex^tv. Kai TteidaS JtpotEpov Eavtov^ oti Kata ti)v ekeivov
ßüXrjtSiv areavia :tpattEi nai ÖiavoEitai, tavtrjv <a)Eto Seiv
Ttpo TcavtoS Ejn7toiij6ai tyv vnoXtjrfnv tois 7i\i)3-E<Siv' oi
yap TtiSEvöaviES EniSKonEiv Qeov r«J Eavx(ä>v ßiovSy üSev
avExoviai E^ajmaptEiv toivtoi /lEv öi) tif avtos ij/ulcdv o
voßo^Etjji, ö yoijs, uSe üTtatEdiV'^ anEp XoibopavxEi Xe-
yu(Siv aÖlKbai • aXX' oiov Jtapa rois EXXrjßiv avxvßiv top
Mtrcj» yEyovEvai Kai fiEt avxov tovf aXXaf vo/bio^Eiaf
Ol fXEv yap avtdüv tovs vo/ulovS vJtotiSEvtai (^aito 0e»
evpESyvai^ ' o de ye Mircos eXe^ev* oti eis tov yinoXXta
Kai xo AEXcpiKov juavXEiov xai Xcäv vofxatv fxavxEiai ar-
scpEpEVi i}Xoi taXtj^es ovxas ex^^^ vojxi^ovxtiy rj ^tEi"
6EIV paov vTCoXa/ißavovtES'
281
ut nihil incle argumenti contra usum versionis Alexandri-
^^fte peti possit.
^^E Ipsa igitur professionis Flavianae verba , si nihil ne-
^^ectum fuerit, quod iis ex persona auctoris vim aliquam
addere possit, rem plane incertum relinquiint. Neque
plenior demonstratio ex re ipsa vel collatione plurium lo-
corum Josephi allata est. Quod enim primo sibi sumunt,
Josephum non posse graecam versionem secutura esse,
quod haud dubie pluribus in locis cum ebraicis exemplis
consentiat contra graeca , eo reFutant omnes , qui unice
graecam versionem a Josepho adhibitam censent, pacatos
autem dimiltunt, qui Josephum ex graeca quoque versio-
ne multis in locis profecisse, et medium, prout e re sua
duxerit, nunc ex ebraico textu nunc ex graecis aliqua de-
cerpsisse existimant. Accedit, quod plura hie loca con-
gerantur, in quibus ob ineluctabiles, quae sunt in consti-
tuendis lectionibus toov 6, difficultates certo judicari ne-
quit, utrum contra graecam senserit nee ne ?
Illustre exemplum est in Cainane postdiluviano, quem
Demetrius (ineertura utrum gentilis an Judaeus), qui ex
sola septuagintavir. versione profecit, jam duobus fere
seculis ante Lucam et Josephum in suo exemplo legerat *).
') Apud Enseb. de Praepar. Evang. IX. 21. exstat fragnientnm
illiiis, quo ea annorum siippiitatio continetiir, quae Cainanem
postdiluviaiHiin necessario supponit. Joseplius L. I. c. Apion.
11. 23. Demetrium huiic fmsse Demetrium Plialerenm existi-
mat, ex quo iusigne robur accederet lectioni Cainanis. Quem
ciiim graviorem illiiis lestem excitare possimus quam ipsum
Bibliotliecae Alexandriuae Praefecluni, ad cujus aetatem nata-
les hujus versionis referuntur. Sed probabilis estHuetii con-
jectura, noiniuum similitudine in errorem abreptum esse Jo-
sephum. Vixisse euim videuir Demetrius noster usque ad
282
Ipsis temporibus Josephi, exemplo Lucae constat, com-
munem fuisse illius lectionem apud Alexandrinos, neque
tarnen ille, dum Cainanem silentio praetermiltit, contra
graecam versionem sui temporis sensisse censendus est.
Eupolemus enim, isque etiam duobus fere seculis
prior Josepho, eundem non legit, et in pluribus exemplis
seculi tertii et quarti illum non extitlsse, praeter Julium
Africanum , Theophiliim in libro III. ad Antoljcum, ma-
xime exemplum Eusebii probat, in cujus canone Patri-
archarum, ut est apud Sjncellum ad supputationem Alex-
andrinorum interpretum constitutus , plane non deprehen-
ditur, neque injuria librariorum eura excidisse suspiceris,
cum Syncellus hanc ejus omissionem in Eusebio gravis-
sime reprehendat *).
Cum igitur antiquissimoruin versionis graecae exem-
plorum tarn gravis fuerit dissensus, isque in loco, ubi fa-
cile omnium oculos feriret, quam cauti simus necesse
erit, ne dissensum Josephi a nostro textu ita accipiamus,
ut contra Alexandrinos Interpretes sensisse censeatur.
Alterum argumentum, ex rebus ipsis petitum, quod
Josephus in multis ita a graecis dissentiat, ut interpretatio
ejus manifestam habeat ebraici textus notam, plane est
imperiunl nepotis Ptolemaei Pliiladelplii, quod aegre congrueret
in Plialereum (v. Prideaux. P. II. p. 60.) et multuin quoqiie
hiic facit auctoritas Hieroiiymi de Script. Eccl. Cap. XXXVllI.
Nee non et de Judaeis Aristobuliuii qiieudaui et D e m e t r i u m
et Eupolemum scriptores adversus Gentes refert Clemens qui
in similitudhieni Josephi ap;!taioj5o>'ta>» Moysi etJudaicae gen-
tis asserueraut.
*) cf. Hieron. de Prato dissert. de chronicis libris duobus Eu-
sebii Caesar, pag. 591. etc.
285
iterum ejus generis, ut omne?m versionis Alexandrinae
usum non excliidat.
His Omnibus, quae hacteniis disputata sunt, eam cri-
tlcam aequitatem lectori nos persuasuros confidimus, ut, si
qua in Josepho deprehendat, (juorum est manifestus cum
Alexandrina versione consensus, vlm a patiibus seculi se-
cundi vel tertii Josepho illatam non statim accuset, neque,
si Josephus cum Josepho pugnare videatur, quod, in gravis-
simo ebraici et graeci textus de eadcm re dissensu, aliis
locis huic adhaeserit, aliis locis illum expresserit, hanc
optimara conciliandae rei rationem existimet, cum omnia
ad normam ebraici textus revocentur.
Notissimum est, in restituenda Josephi chronologia
unanimi feie consensu ita judicatum esse, ut loca cum
ebraica veritate consentanea pro lege accepta sint, quae
aliis in locis, Alexandrinae versioni consentientibus, teme-
rariam Patrum antiquissimorum vel librariorum manum
arguat. Sunt autem profecto niulta, quae iis, quibus probe
perspecta est indoles Josephi (3t fidei illius Jiistoricae cha-
racter, canonem hunc criticiim parum probabilem red-
dunt. Scripserat Josephus origines gentis suae, ut glo-
riam ejus, apud scriptores graecos ineptissimis fabulis
oppressam, vindicaret, omnibusque iis, quorum ea aetate
aliqua laus erat, anxie conquirendis provincia suscepta
bene defunctus esse videtur. Hinc anceps illa miraculo-
rum narratio, quae illis respondeat, qui primordia gen-
tium, divina humanis miscendo, angustiora esse voluerunt,
et iis etiam satisfaciat, qui ex genio illius seculi hanC
rerum divinarum humanarumque conjunctionem fabulosam
piaeque super^titionis plenam judicarunt, Hinc multa ab
eo silentio praetermissa, quae probe cum scivisse rix ne>
gari polest *) , vel mutatis rerum circumstantiis ita narra-
"'^) e. g. historla idololatriae Israelitaruni, cujus gravem culpai
28'4
ta, ut criminaüonibns graecorum occurrere videatur. Hinc
usus oraculorum Sibyllae (I, 4, 3. T. I. pag. 19.), quibus
historiam turris Babylonicae graecis liominibus commen-
dare voluit: neque enim probari potest opinio Yen. Er-
nesti, qui hunc quoque locum ad interpolationes Patrum
antiquissimorum refert. Hinc copiosa in iis enarrandis
ubertas, quae demonstrant^ quanti olim sint Judaei a sum-
mis etiam regibus habiti. Quin illa Graecis placendi cu-
pido hominem Judaeum eo abripuit, ut (in libro II. c.
Apionem T. II. p. 490.) prohibuisse Mosen contenderit,
quo minus quisquam Diis gentilium illuderet aut maledi-
ceret. Ecquis igitur non existimet, in jactitanda quoque
gentis suae antiquitate, qui fuit fere locus communis plu-
rimorum graecorum , buic suo studio eum indulsisse ?
Gratum sane accidere debuit, paratam habere liujus lau-
dis materiam in textu Alexandrino, cumque non esset tarn
religiosae fidei, ut uni ebraico textui inhaerendum exi-
stimaret, nee eorum censuram timeret, ad quorum noti-
tiam libros suos fere unice perventuros videbat, ipsi enim
yersionem graecam frequentabant; quid obstet, quo mi-
nus accepisse dicatur, quae tarn commode oblata erat,
Unicus est locus libri I. contra Apionem, qui Josephum
ab hac suspicione tueri videatur. Cum enim in eo libro
laudes Israeiitarum ab antiquitate desumtas raaxime trac-
tet, et Alexandrinum habcat adversarium; breviori tarnen
textus ebraici supputatione utitur *). Quae vero in iis
ipse etiam Aaron liabuit. Messiam, in cujus tarnen memoria
et exspectatione fere omuis erat Judaeorum religio, tantum
»Oii dissimulare videtur. =*
*) Ovros o XP^^^^ ^^^^ ^^"''^ condiio «sque ad mortem Mosis)
. aJtoXsiTtei tpi(Sx0^i<i>>v oXiyov cr<aj>.
285
contra Apionem observantur, non omnia statim transferri
possunt ad origines Judaicas : saepe enim defenslo, quam
rei nostrae paramus, modum capit ex persona adversarii,
et, dum de varietate lectionum Josephi nondum certissime
eonstat, uni voculae paruhi tuto innitimur.
ünde autem, si Josephus chronologiam Alexandrlnam
secutus esse dicatur, unde illi numeri, in quibus est ma-
nifestum supputationis ebraicae vestigium? Inlerpolatos
eos esse , eo fortius negant plurimi , quod nemo patrum
antiquorum , ad quem ea res probabili conjectura referri
pojsit, satis ebraice doctus fuerit, vel de integritate tex-
tus ebraici tam bene existimaverit, ut graecam versionem,
communi fere opinione pro ^-soTtvsv^dO agnitam, corrup-
tionis argueret.
Equidem vero haud dubitaverim multa eorum loco-
rum, in quibus ebraeorum chronologia servata est, ad
ipsum Josephum auctorem referre. Qui enim in aliis,
quae ad summam religionis spectabant, haud constantissi-
mus fuit, ab ea fraude alienus judicari non potest, ut in
iis locis, ubi supputationem annorum mundi quaeras, quae-
que in fronte operis posita omnium facile oculos feriant,
productiori chronologia uteretur, in aliis autem, minus
illustribus, textui ebraico fideliter inhaeserit. Neque vero
ad fraudem omnia referas necesse est, sed facile fieri
potuit, ut, cum antequam libros hos ederet, plurimum
uteretur chronologia textus ebraici, nunc opere in longo
parum memor calculi in gratiam graecorum mutati, priori
consuetudine iterum se abripi pateretur, vel ut incautus
quaedam ex libro aliquo acciperet, cujus auctor textum
ebraicum fuit secutus ^), Hujus forte generis ea sunt,
■^) Coimuode liuc (rahi potest opiiiio Bigotii et Huetii^ de diipKei
286
quae L. VIII. 3, 1. occurrunt. Quamquam enim epocha
templi a Salomone conditi homini Judaeo memoratu dig-
nissima fuit, facile igitur exspectandum erat, historicura,
in hac periodö^ versantem , de elapso annorum spatio cir-
cumspecturum esse, ea tarnen maxime, quae de aera Ty-
riorum adduntur, haud obscure indicant, commentarios
quosdam historicos Josepho obversatos fuisse, unde varias
hasce annorum supputatlones desumsit. Id unum adhuc
addere liceat, quaedam loca, in quibus supputatlones illae
conjunctae apparent, adeo corrupta adhuc videri, ut cer-
tum universae rei Judicium plurimum impediant.
Qui numeros textui ebraico congruos unice a Joscphi
manu profectos existimant, in vexatissimo ioco, qui chro-
nologlam postdiluvianam ex serie patrum Abraharai con-
stituit, verba TCarrjp 6e ovros ^ßpajLiov yiverai, o; Sf-
KttTO! ßSV eSlV ajtO NoOEOV SfUTfpCa) §£ STSl Kai EViVrj-
nos(a> Jtpos diaKodiois jueta ri)v ejrojußpiav eyevero, tan-
quam ansam arripiunt, qua imprudens calculorum Josephi
vitiator possit teneri. Cum enim non satis dillgens fuerit
in eliminandis veris lectionibus, intacta eum reliquisse
verba illa, quae sequentem calculum interpolatum facile
redarguant. üt vero taceam talem hie somnolentiam in-
terpolatori, qui eam rem studio quodam et certo animi
judicio suscepisse dicitur , tribui , qualis vix in librario
recte supponitur: verba illa bevrepoi) de im nai ivivr)KOsm
jtpos 5iaKO(?tO£; jusra ti)v ejtojußpiav eyeveTo tam mani-
ediiione Archaeologiae , a Josepho curata, quarum altera he-
braici , altera giaeci texliis chroiiologiam expressisse dicenda
esset. In iinum confiisae utriiisqiie editionis lectiones eam
gravissiniarum variaiuium segetem attulissent , quae tania est
in Josepho,' quanta vix in iiUo alio scriptorc.
287
festa habcrit signa glossematis alicujus, margini forte pri-
mum modo adscripti, clein in ipsum textura intrusi, ut sa-
nioris critices regulis convenienlius agere videalur , qui
pauca haec verba ejiciat, quam qui plurium linearum tex-
tum ex eaium norma corrigere ausit. Manifestum enim
esse videtur, occasionem glossae margini adscriptae in eo
fuisse, quod Abrahamus decimus a Noacbo fuerit dictas.
Omissionem Cainani, quae, ut vidiraus, nondum probat,
Josephum contra Alexandrinam sensisse, ita incertus ille
accepisse yidetur, ut jam exploratum habuerit, auctorem
a supputalione textus ebraici non diseessisse: margini ita-
que forte primum id adscripsit, quod ipsi cum eo, quod
decimus a Noacbo fuerit Abrahamus, necessario conjunc-
tum esse videbatur. Quid enim mirum, si verba illa li-
brario alicui vel patri antiquo fraudem fecerint, cum viri,
critices peritissimi, iisdem seduci se paterentur, ut, quod
Abrahamus decimus a Noacbo postremis annis seculi quarti
post diluvium natus esse feratur, optime eam ob causam
convenire arbitrarentur , quod solenne fuerit antlquis hi-
storicis, yeveav triginta annis aestimare. Gravis enim om-
nino est error, in illa hominum longaevitate eodem tem-
poris spatio definiri yeveav, quam sequentibus seculis: ne-
que, si decimus a Noacho fuit Abrahamus, ad decimam
post diluvium generationera eum pertinere, recte dici
poterit.
In omni autem hac lite notandum est, plures versio-
nes graecas, neque unam Alexandrinam primo jam seculo
circumlatas esse, et antiquissimos Patrum, antequam om-
nis facultas restituendae versionis Alexandrinae, laboribus
Origenianis , eriperetur, eo illius textu usos fuisse, cui
plurima jam ex aliis erant immixta *). Inique igitur
') SiKOth» Beiirä^e zur Kritik über die LXX Dolmetscher,
288
agunt, qui eos, quibus convenientia cum textu ebraico
suspecta videtur, contra omnem primorum seculoruni
consuetudinem opinari arbitrantur, quod etnendationes ex
ebraico factas ei aetati tribuant, quae minime fult ebraice
docta. Atqui ex ebraico facta sit hac emendatio minime
necesse est, sed ex graeca aliqua versione^ ad fidem tex-
tus ebraici accuratius expressa, fluxisse existimelur. Ac-
cedit, quod ipsius etiam Alexandrinae versionis corrupllo,
quam nos jam dolemus, non linius hominis, neque unius
temporis fuisse videatur, cum exemplo Cainani postdilu-
viani satis constet, ipsi chronologiae primum forte injuria
temporum et librariorum, cui maxime obnoxiae erant nu-
merorura notae , labem illatam fuisse , quamquam dein
Studium alicujus male seduli acce^sit, qui numeros illos
jam corruptos ad certam opinionem confirraare studuit ^).
Haec vero sufficiant de chronologia Josephi , quam
minime exemplum certissimum petimus, in usum vocatam
esse a Josepho versionem Alexandrinam, sed eos, qui
rem pro judicata accipiunt, quod unam ebraici textus sup-
putationem secutus fuerit, interpellari posse existimavimus.
Neque jam ad singula quaedam loca provocabimus, in
quibus cum Alexandrinis interpretibus ab ebraipo textu
discedit Josephus, cum nihil probare videantur, quam
consensum codicis ebraici, quo Josephus fucrit usus, cum
leclione Alexandrinorum, quamquam quaedam illorum
sint ejus generis ut certo consilio Alexandrinos ebraico
texlui praetulisse videatur. In ipso Pentaleucho , in quo
Judaeo religiosiori minime discedendum erat a lectione
Justin dein Märlyrer und andern Kinhenväiern . im ;i\veite!i
Tlieil des Eichhonischen Beperloriuius. ii. 111.
•) Michaelis coinmeniai. de chronüloyjia Mos'is.
289
textus ebraici, Aegyptiacum nomen Josepho a Rege m-
dictum, prorsus ex consuetudine interpretis Alexandrini ex»
pressit *) , ea probabili ratione, quod in re Alexandrino
domestica hunc Optimum ducem se habiturum putaverit,
Eadem est illius loci ratio '^*), in quo argutatur, cur Mo-
ses primam creationis diem unam dixerit, vel ejus, in
quo filios Dei (Gen, VI.) per ayysXovs ^eov interpreta-
tur, cum illam rerum explicandarum rationem, quam Ju-
daeis Alexandrinis communem fuisse ex Fhilone discimuS|
in aliis quoque locis Josephus acceperit.
Quodsi vero etiam numerosiora et certiora essent|
quae huc congeri possunt, et, in illa locorum paucitate^
suspicio lectionum ex Alexandrina interpolatamm tolli
posset ***), nihil inde elicitur, quam quod ad felicius in«
terpretandos libros sacros etiam ea conquisiverit Josephas,
quae apud interpretes graecos obvia erant : sed graviora
sunt alia, et ad judicandam Archaeologiae indolem multo
aptiora, in quibus ita usus est Alexandrinis, ut eos non
tantum adjumenti loco haberet, sed tanquam primarium
et unicum fontem consuleret. Atque omnino mirandura,
nuUam eorum rationem habuisse, qui de fontibus Archaeo-
logiae diligentissime disputavit, cum tarnen nulla sint cer-
tiora vesiigia textus Alexandrini a Josepho in usum rocati.
Fragmenta Estherae apocrypha, et, quae commen-
tariis Esrae apud Alexandrinos accesserunt, reliquis ex
^*^) L. I. c. 1. Kai avttj /xei» av £irj ij Ttptiottj rffiipa' Moav-
(Jijs Se avTijv juiav eine- Trjv 6e aitiap iKaPOf ^ev
£1^1 axoduvai ttai vvv ereei 6' vtcexvi^^^ "• *• <*•
^'"^*) cf. Kriiesti de siilo Joseplü ad scripta Joseph! iuteligenda el
emendaiida profuturo. n. 2.
©pittlcr^ fiHmmtr. SSerFe VIII. ©b. 19
290
solo ebraico fönte petitls ita coagraentavil Joscplius, ut
una omniuin auctoritas esse videretur. Multa qnidcin in
ijs sunt, quae silentio praeterraittil ; multa in quibus cir-
cumstantias rerum ita descnbit, ut a fönte suo discedat:
neminem autem hoc commoveri existimo , qui meminit,
qua arte in aliis quoque historiae suae partibus versalus
sit Josephus, et quae fuerit sequentium seculorum luxu-
ries in augendis et amplificandis iis , quae minus sincera
versioni Alexandrinae jam accesserant. Graecus homo,
qui fragmenta Estherae reliquis sinceris miscuit, aetatem
rebus narratis longe posteriorem satis eo prodiderat, quod
Hamanem Macedonem ßnxit: Josephum, qui nee in bis
rebus narrandis ab ebraico textu oculos plane a^ertit,
nomen gentis, unde in ebraico textu descendisse dicitur
Haman, similitudine sua Amalekitarum antiquissimorum
gentis Israeliticae hostium admonuit. Inde factum est, ut
Amalekitam fuisse Hamanem diceret. Somnium Mar-
dochaei (cap. I.) preces ejusdem et Estherae (Cap. IV.
17. etc.) apud illum non exstant: neque sunt ea, quibus
historicus carere non potuisset^): sed exempla edicti re-
gii de excidio Judaeorum, et illius, quo periculo hu jus
cladis iterum sunt erepti, aliaque nonnulla, quibus aucta
est narratio apud Graecos**), ita protulit Josephus, ut
quem secutus sit, dubitari non possit. Inventa quidera
haud ita pridem paraphrasis Chaldaica fragmentorum
*) Omissionis haud dissimilis exemplum est in Caniico Annae,
matris Samiielis.
**) Pal'it nota Spanliemii (Ed. Haverc. T. I. p. .'»72) iiarraiio-
neni de gravi Esdierae metu et deliquio nee in Hebrapo nee
in Alexandrino textu extare. Hieronymi enim testimonio cer-
tum est, jam seciilo qiiarto eam in graeco textu fuisse. Opp.
Hier. (Ed. VaUarsi) Tom. IX. col. 1586. •
291
quorundam Estherae *) , quae videri posset dubitatlonem
movere aliumque fontein indicare, unde sua desumserit.
Eadem autem adhuc mutila nondum illas partes habet,
ad quarum collationem res raaxime redit, et preces illae
Mardochaei ac Estherae, quas fere solas afFert, ampliori
adhuc verborum apparatu sunt digestae, quam apud Ale-
xandrinos. Neque vero dubitare licet, annon etiam ebrai-
cus textus ea olim habuerit, quae jam in sola graeca le-
guntur , ut si non ex eo , quem nos habemus , certe ex
suo archetypo ebraico haec omnia haurire potuerit Jo-
sephus. Sunt enim pleraque talia, quae, ut Hieronymi
Ibis utar, ex tempore dici poterant et audiri; sicut so-
m est scholaribus disciplinis sumto themate excogitare,
bus verbis uti potuit, qui injuriam passus est vel qui
ihjuriam fecit. Origenis quoque et Hieronymi testimonio
constat, ipsorum tempore ab ebraico textu haec abfuisse;
I quin, si certam habuit asserti sui auctoritatem üsserius**),
tarn exigua auctoritas seculo secundo his fragmentis tributa
est, ut Theodotion, qui in aliis libris maxime etiam in Da-
niele additamenta Graecorum retinuerat, eadem in hoc
libro contemta negligeret. Cujus rei plane contraria ratio
apud Josephum deprehenditur, qui, quanquara alias multa
habet ex Daniele desumta, eorum, quae illi apud Alexan-
drinos accesserant, non meminit.
Unum superest, annon ex ipso Josepho, studiis Grae-
corum omnia hinc inde congerentium, ad versionem Ale-
xandrinam illa accesserint? Cui vero opinioni nuUa ex
parte veritatis species conciliatur. Primo enim imperitus
ille, qui comtam Joseph i graecitatem narrationi detraxisse
*) Ed. Rom. vir. sepiiiagiuia vir. Dan. pag. 434,
^*) JSyniagma de graeca sepuiaginta ijit€i-pr. vers. pag. 106.
19 *
292
«licentlus sil , haiiJ ita diligens existimari potest , nt om-
nia purioris stili indicia plane deleverit: nihil autem in-
est in textu Alexandrino, quod aliquam hujus rei suspi-
cionera possit movere. Tum si seculo demuin secundo
hfs additamentls aucta fuerit versio Alexandrina, tarn re-
cens interpolatio crlticum Origenis acumen subterfugere
non potuisset, neque eandem recensioni ab ipso institutae
intulisset. lisdem fere argumentis constat, fuisse Pseudo-
Esram, interpreti Alexandrino plerumque conjunctum,
quem in illis narrationibus secutus sit Josephus , quarum
nullum exstat vestigium in textu ebraico (Antiqq. XI, 3.
1. c). Fatendum vero , dubitari posse, an ipsis jam Jo-
sephi temporibus, a graecis Judaeis tauti habiti sint Pseu-
do-Esrae commentaiii, ut librorum sacrorum numero eos
accensuerint. Cum enim Origenes in Ep. ad Africanum
plura enumerat, quibus graeca librorum sacrornm editio
narrationes ebraici textus auxit vel mutavit, et ipsius etiam
Esrae mentio (pag. 27) commode inciderat: nulle verbo
monet, apud Graecos copiosiores exstare comraentarios
illos, quam apud Ebraeos, licet ad demonstranda ea, quibus
Africano respondit, baud pauca inde congerere potuisset.
Ne quid incerti igitur accedat demonstrationi rei no-
slrae , et testimoniis abuti yideamur , qaae in recensione
librorum sacrorum duos Esrae libros commemorant; cum
notissimum sit, Nebemiae librum pro altero Esrae com-
raentario habitum esse, quanquara forte haud desint eorum
quoque exempla, qui, Esra et Nehemia pro uno volumine
numeratis, alterum adhuc afFerant Esrae librum*): in
probando Alexandrini textus usu ad sola Estheris frag-
menta provocabimus.
Dixerit autem quisquam, in bis omnibus, quac , ad
*) »f. l»idor. Origg. VI. 4.
295
demonstrandum hunc usiim, tam anxie con(]iiisita sint, ni-
hil inesse, quod non ex universa Josephi indole faciie
conjici poluerit , eundem quippe illum , qui ex scriptori-
bus, a sacris suis plane alienls, undecunque omnia com-
pilaverit, quibus historiae gentis suae lux aliqua posset
ailundi, ea quoquc laetum arripuisse, quorum auctorilas
eo certior videri debuit , cum ab insigni Judaeorum nu-
mero libiis divinae anctoritatis conjuncta sint. Multa au-
tem omnino sunt, quae causam noslram plane dissimilem
f'uisse demonstrant. Quodsi enim sacro quodam odio dis-
juncti fuerant ab Hellenistis Palaestinenses, neque Jose-
phus ab hao domestica opinione liber existimandus sit:
minime praeter exspectationeni accidisset, si congestis Om-
nibus, quae apud scriptores ethnicos se obtulerant, has
Hellenistarum narrationes abjecisset, cum acerbiores sint
interdum dissensiones diversarum ejusdem professionis
partium , quam hominum ab una fide alienorum. Fuit
praeterea is scopus Josepbi, cui Studium illud in conqui-
rendis scriptorum ethnicorum fragmentis apprime inser-
Tiebat, cum omnia ad commendandam gentis suae cele-
britatem conformaret, neque quidquam eam illustriorem
ostenderet, piaeque fraudis suspicionem certius averteret,
quam quorum memoria ab ipsis acerrimis hostibus servala
fuit. Neque vero apparet, quid ea, quae sunt apud Jo-
sephum ex apocryphis Estherae fragmentis petita, ad au-
gendas Judaeorum laudes contulerint. Ipse etiam delec-
tus , quem in illis graecorum additamentis habult , mani-
feste ostendit, minime eam fuisse Josepbi aviditatem in
locupletandis annalibus suis, quae omnem narrationum cri-
ticam respuit. Nihil enim ex Tobiae historia, nihil ex
libro Judith desumsit, quamquam plurima in iis fuerant,
quibus laudi Judaeorum consultum videri potuisset. Mnh-
294
tum denique Interesse putem , itlque maxime apud homi-
nem Judaeum sanctissime libros suos colentem, accipere
ea, quae quis scopo suo congrua apud alios invenerit,
vel spurias librorum sacrorum appendices , quarum est
haud exigua auctoritas apud alius disciplinae homines,
narrationi ex libris sacris petitae ita intexere, ut ab im-
peritis nequeant dignosci. Si ex communi, quae hac
aetate obtinuisse dicitur, Judaeorum superstitione judicare
liceret, vel si vera essent, quae de Pbarisaica Josepbi
religione praedicantur: aut plane omittenda fuissent, quae
ex bis attulit, aut ea certe praefatione afferenda, quae
reliquorum honori et auctoritati consuleret.
Confecta igitur disputatlone , quae nihil dubitationis
superesse patitur, quod Alexandrina versione et addita-
mentis illius usus fuerit Josephus, paucis indicasse juva-
bit, quid inde fluat ad rectara descriptionem antiquissi-
marum rerum Christianarum. '
Primo non ad solam ebraici sermonis inscitiam ne-
que ad ineptum Judaeorum odium referenda esse videtur
opinio pluribus Patrum ecclesiästicorum communis, quae
^iOTtvtvSiCLV versioni Alexandrinae tribuit. Cum ipse Jo-
sepbus, Judaeus Palaestinensis , tarn amplis laudibus Ale-
xandrinam versionem extulit, et narratio, Aristeae nomen
mentita, viro rerum Judaicarum peritissimo, probata ha-
Leretur, nee non auctoritas scriptorum N. T., frequentis-
sime illa utentium, tam grave testimonium ei perhiberet : om-
nino haud mirandum, tam ingenti consensu ab antiquissimis
Patribus versionem giaecam tanquam erroris expertem
esse acceptam, neque ipsum Origenem a fraude, quae
inde'nascebalur recensioni librorum sacrorum, satis sibi
cavisse *). Quis tandem erit, cui ex nostra loquendi scri-
*) Euseb. H. E. VI, 25.
295
bendivc subtilitate, vagae plurimum et incommodae Pfttrum
lücutiones explicandae videantur, cum certum sit, et plu-
ribus exemplis maxime ex historia Synodoram Oecume-
nicarum desumtis confirmetUFj Tocabulis Scojrvfu^o;, SfOJr-
vevsia eam vira patres antiquos non subiecisse , qua nunc
valent apud accuratiores Theologos. Ceterum memora-
bilis est Hieronymi locus *) , post alios a Caipzovio quo-
que excitatus, qui demonstrat, narratlonem illam qualls-
cunque divinae originis certe apud doctiores Patres non
ita obfuisse criticae sacrae, ut abjecta sit omnis cura
emendandae graecae Tersionis.
Secundo multa ex bis sumi possunt, quae ad bi-
storiam Canonis prudentius describendara faciant. Recen-
sionem, cujus capita tantum primaria babet Josepbus con-
tra Apionem, multi eo vitio laborare existimarunt, quod
solam Pbarisaei professionem contineat, neque ea , quae
a Pharisaeis traditionum cupidioribus accepta sint, com-
muni Judaeorura calculo probata existimari queant, si non
aliunde certum ejus rei argumentum exstet. Quod unum
vero si obstaret, profecto baud admodum imperfecta fo-
ret demonstratio ex hoc loco petita, cura ex iis, quae al-,
lata sunt, exploratum sit, Josephumy cum origines Judai-
cas, librosqne contra Apionem bis adbuc posteriores, scri-
beret, aut dudum a Pbarisaicis dogmatibus recessisse, aut
talem fuisse Pbarisaeum, qui avpias eorum hoE,as reli-
^) Praefat. in lihr. Paralipomeiion : Ita in graecis et latinis CO-
dicibus liic iiominum liber (Paraliponienon) vitiosus est, ut
non tain Iiebraja quam barbara quaedam et Sarmatica nomina
coiijecia arbitrandiim sit. Nee hoc LXX interprelibus , qui
spiiitu S. pleui, ea^ quae vera fuerimt (nomina) transtuleranf,
eed scripionim culpae adscribendiiBi , dum de emeudatis ine-
mendata scriptiiaut etc.
296
querat Majus est illius recenslonis incommodum , quod
numerum tantum librorum, oeque singulorum nomina con-
tineat, nostraque disputatione multum illud augeri fale-
mur, quod, quae certissima ratio videbatur diluendae hu-
jus difficultatis , illius pretio multum ea detractum fuit.
Qui nomina librorum a Josepho pro divinis habitorum
exquirebant, restigla illius persecuti , quid in aliis locis
de quibusdam libris sentiat *) , vel quibusnam libris in
condenda historia sua usus sit, assiduo et felici studio
collegerunt. Iudicata sunt inde nonnulla, quorum aiiqua
dubitatio esse videbatur, eaque hanc ob causam gravior,
quod auctoritate Rabbinorum hac in re haud contemnen-
da nitebatur. Notissimum est, juniores quosdam Judaeo-
rum Doctores , de Daniele tenuius sensisse , et , quam-
quam Sp. S. afflatum fuisse dixerint, nomen tarnen pro-
phetae ei negasse, in quo summam scriptoris sacri prae-
rogativam ponunt. Quae Juniorum Rabbinorum commen-
ta, ex antiqua aiiqua opinione quibusdam fluxisse credita,
auctoritati scriptorum illius aliquid detrabere videbantur.
Ex Josepho autem constat, summo loco primis illis tem-
poribus habitum fuisse Danielem **), ejusque oracula, ma-
xime etiam quae ad 'ultima reipublicae Judaicae tempora
»pectabant, tanquam clarissimum divinae in bomines pro-
*) De Esaia et duodecim propliells {minoribiis. Antiqq. X. 8.
snb finem. De Jeremia et E;jeclüele. X. 5.
*^) Antt. X. c. XI. n. 7. AS,iov 6e ravSpos tovtov nai o
fiaXisa Savfia(Saito tii av nnovöaf SieXS^eiV' .anavta yap
avt(ä> Ttapaöo^tas &>! Evi tivi tcäv /ueyiscdv evtvxv^V ^P^'
<pi]t(av K' t. %.
Ta yap ßißXiay oda Srj (fvyypa^a/i£voS ttataXeXoiTtet'^
avayiv<a>6i{£tai rtap' ijjliiv £ti nai vW nai neniSEVHantv
£^ avtcäv y Ott JavitjXof oDfiiXei f o Sea ' ov yap ta
^iWovta ^lovov* k» t. X*
297
vidcntiae docuraentam acccpta esse. Egregium profecto
est adjumentum historiae librorum sacrorum, si quod ex-
stat Joseph i Judicium de libro sacro: sed universim af-
lirmari posse dubitamus, eos libros a Josepbo pro divinis
habitos, quibus usus est in concinnandis originibns, quod
eidem operi etiam spurias Graecorum appendices admis-
cuit. Praestat igitur, libris chronicorum, Estherae, Esrae
alios antiquissimae eorum auctoritatis testes excitare, quam
Josepbum: neque eo evertitur borum librorum causa,
cum opportune accidat, ut Estherae libellus, in quo con-
firmando minime sufficere videbatur Josepbi testimonium,
darum haheat Nazarenorum sufFragium , ex quorum ore
certa rerum Judaicarum traditio exspectari potest.
Neque vero propterea accipimus conjecturam de ap-
pellatione librorum sacrorum apud Josepbum, quae iis
communis fuisse dicitur, qui quidem numero illorum XXII.
non erant inclusi, sed tarnen singularem aliquam aucto-
ritatem vel ex persona scriptoris fuerant nacti, vel quod
incertas antiquissimae historiae narrationes ab oblivione
vindicarunt. Necessaria visa est haec opinio ad liberan-
dam Josepbi fidem, qui omnia ex libris sacris se hausisse
tradat, plurima autem narret, quorum ne littera quidem
apud sacros scriptores reperiatur, cum de judicio lecto-
rum tarn securus fuisse existimari nequeat, qui fidem suam
contra malevolas adversariorum criminationes pluribus lo-
cis tuetur. Tales libros sacros intellexisse visus est Jo-
sepbus, quos Antiqq. X. iO. 6. apxata ßißXia, Eßpaidov
ßißXhf appellat. Sed is ipse locus, quem omnium exem-
plorum instar afferunt, vanitatem hujus conjecturae ar-
guit*:). Quae enim ibi exEbraeorum libris ea religione
) EyxaXeatj 6e /uloi ^ijöeif utoof snasa tBtcDV atsayyeX-
298
desurata esse dicit Josephus, ut nihil ex suo sensu vel
detraxerit vel addiderit, ea omnia in prophetia Danielis
narrantur. Neque placet illa interpretatio , quae solenne
Carmen, quo Josephus narrationes quasdam omnem fere
fidem superantes, ut est illa de Nabuchodonosore ad be-
stias abjecto, vel alia quaedam graviora loca confirmare
voluit, de universo opere dictum contendit, adeoque cum
bis verbis sensum subjicit, qui ab universa serie oratio-
nis alienus Josepbo mendacium obtrudit, ne illa quidem
opinione excusandum, quod appellatio librorum sacroium
ad plures, quam qui nostro canone continentur, pertinue-
rit. Quis enim scriptor historicus in aliqua fontium suo-
rum varietate vel copia hanc operi suo laudem tribuet,
omnium eorum, quae illis continebantur , nihil ab ipso
omissum nihil ita expositum esse, ut rerum causas et or-
dinem ex suo sensu constituerit. Praeterraisit Josephus
aliqua notatu dignissima , quorum memoria in ipsis libris
divinis exstabat: minime igitur defendi posset veritas pro-
fessionis illius , si vel ad solos libros divinos examinata
fuerit; quid si plurium librorum sacrorum usum eum ha-
jbuisse, illamque ad omnes eos spectasse existimes? Fefel-
lisse videtur doctos homines haud satis adslricta recen-
tiorum temporum comparatio cum iis, quae Josephi aetate
valuerunt, speciemque probabilem ei conciliaverant loca
quaedam N. T. in quibus aliqua excitantur, quorum nul-
?iovti 5ia tijf ypa<ptji, cd( tv toid apxaioii evpidKca ßi-
ßXioii. Kai yap evS'Vf ev apxv *V^ isopiai, npos rovf
£TiL^r]tr]6avtas ti tcäv Ttpay/uatcäv y fie/jxl'o/nevovs ijöcpa^
%i(Sa/üii]V3 jJLovov te fxita^pa^eiv taf Eßpai<e)V ßißXovS
£i7t(B)v eif ttjv EX\i]vi6a yX(ä>ttav uai tavta ötjXcaöeiv»
p,t]te TtposiSeif ti tois npay/iaöiv avtof löiov » fitjt*
a^aip^iv V7f exiJ/iJL^Pos.
299
lum est vestlguim in nostris ebraicis ypa^aif. Sed clu-
dum alia felicius sunt tentata, quibus tollitur dlfficultas
ex bis locis prognata : neque ulla plane necessitas iis inesse
videtur, quae ad hanc opinionem compelleret.
Praeter ea autem , quae ad explicationem loci vexa-
tissimi (L. 1. c. Apion.) jam monuimus, solvenda est una
adhuc difficultas, cui opinio nostra de usu textus Alexan-
drini apud Josephum haud parurn roboris addere vide-
tur. Disputat in boc libro Flavius contra Grammaticum
Alexandrinum, h. e. contra illum , qui, si quam habuit
librorum sacrorum notitiam, communem Alexandrinorum
sententiam tenuisse dicendus est, apud quos multa adul-
terina libris sacris ea jam aetate inserta atque assuta fuisse,
ob ipsam Josephi auctoritatem negari nequit. Tpse qui-
dem ille non ea fuit religione, quae a dogmatibus Hel-
lenistarum abborreret, et a patribus tradita contra novas
horum opiniones tueretur. Quo igitur indicio manifestum
habemus, nihil cum Hellenismo in hac enumeratione con-
cessisse? Huic ipsi, si modo integer omnis locus, nota
satis certa inest, iniquam esse hujus inoonstantiae suspi-
cionem. Dum enim annos enumerat, quorum historia in
libris Mosaicis continealur, eam summam subducit, quae
longe minor est calculo Alexandrino. Qui igitur in con-
cedenda tali re minime indulgens fuit, eum multo minus
in illis, quae ad arcem causae pertinebant, aliquid con-
cessisse suspicamur.
Si tandem tertio ea, quae lluunt ex observationibus
nostris, cum communi opinione de mutuo Palaestinensiura
€t Alexandrinorum odio comparentur, ad accuratiorem
illius descriptionem plurimum ea profutura putamus, cu-
jus rei magna vk esset in antiquissimam rerum cbristia-
narum historiam.
500
Aliqiia dissensione se junctos fuisse Palaestinenses et
Alexandrinos, eamque non tantum invidia laetioris horum
fortanae, sed maxime historia templi Heliopolilani natam
auctamque fuisse minima diffitemur. Non ea tamen hu-
jus dissidii acerbitas vel diuturnitas existimari polest, quae
mutuum eorum commercium impediverit, vel ad ipsa quo-
que rerum christianarum Tempora pertigerit. Insigni aii-
tem errore ad omnes universim graecae habitationis Ju-
daeos tranferuntur , quae tantum in Alexandrinos cadunt,
cum constet eos, qui Asiam minorem incolebant, arctis-
simo vinculo Palaestinensibus fuisse conjnnclos, neque
opus sit hac opinione ad explicanda loca Aclorum, in
quibus mentio fit dissidii, inter Palaestinenses et Helleni-
stas orti. Facile quoque concedi potest , utriusque parlis
plebem aoerbius mutuo exarsisse, ob accuratiorem disci-
plinae Judaicae conservationem Deo cariores se exisli-
masse Palaestinenses, et, cum plurimum litterarum esset
apud Alexandrinos, illos inscitiae suae tenebris se invol-
ventes liberaliori Iiorum ingenio succensuisse : sed exem-
plum Josephi, laudesque Philoni Alexandrinorum principi
ab eo tributae ostendunt, generosiores extitisse ipsos sa-
cerdotes, neque id tantnm indulgentioris ingenii Flaviani
fuisse videtur vel factae animorum mutationis, postquam
eadem fere calamitate et Hierosolymitanum et Oniae tem-
plum opprimeretur (de Bello Judaico VIT. 10. 4.). Sunt
enim in ipsis Actis App. (II, 10. VIH, 28.) ad quae in hac
causa saepissime provocant, loca claiissima, quae demon-
strant, in iis quoque terris, ubi fama templi Leontopoli-
tani plurimum viguisse videbatur, haud paucos fuisse, qui
Deum Hierosolymis adorandum censerent; et fervescente
Hte Samarltanos inter et Solymitanos, quae Alexandriae
coram Rege judicanda erat, adjuti sunt hi ab ipsis Ale-
501
xandrinis Judacis, hac a Josephe ratione addita, x^^^^^^S
yap t<pEpov^ £1 TOVTO (to tv lepoöoXvßOLf upov) rivef
aaraXvcyhCiiv, vTWf apxociov nai hiaör)fJ,oraTov roov na-
ra tyv oinovjusvt^v vjtapxov.
Neque ea fuit ingenii et institutorum dissimilitudo,
qua tarn ferale odium potuisset accendi. Superstltiosa
ßde omnia collegisse Alexandrinos , quae a palribus tra-
dita ad confirmandam vel i 11 us trän dam gentis suae histo-
riam doctrinamque facere videbantur, probant maxime
spuriae illae accessiones, quibus libri sacri apud eos fue-
rant aucti. Atqui haud dissimilia eorum Palaestinensi Ju-
daeo in Paraphrasibus Chaldaicis servata sunt, cumque
Josephus nulla necessitate compulsus (nam sepositis quo-
que Estherae fragmentis integra et perpetua fuisset Ori-
ginum series) narrationi rerum e libris sacris haustarum
illa intuiit, non adeo ab ils abhoiruisse videntur Judaei
Palaestinenses. Quod autem in explicandis patrura histo-
riis et fidei dogmatibus fere una fueiit omnium ratio,
certe in eo dissensu , qui inter ipsos Palaestinenses super
hac re obtinuisse videtur, haud pauci iique doctiores Ale-
xandrino more allegorils indulserint, non modo plura N.
T. loca subobscure indicant, sed et Josephi exemplo
comprobatur.
Diversorum temjporum historiam incauti miscuisse,
eamque animorum acorbitatem, quam invalescens Christia-
nismus apud Judaeos accendit, parum intellexisse viden-
tur , qui versionem Alexandrinam tempore Christi inter
Palaestinenses contemtim habitam sine ulla dubitatione
contenderunt *). Carpzovius provocat ad solenne illud
*3 Eniesti de odio Jiidaeornm veteriim adversus litteras grae-
:as. pag. 11. Ex fifio ip^c» — diliiidir dubitatio mota adver-
502
jejunium, qnod teste Megillath Taanith pag. 50. col. i. in
tristissimara rei hujus inauspicatae memoriam die VIII.
mensis Thebeth constitutum fuerit, et dudum ante Tal-
mudistarura aetatem acerrimum odium inter Palaestinen-
ses et Graecissantes exaisisse, historia templi Oniae com-
probari arbitratur, neque fieri potuisse, quin versio ali-
qua, in gratiam sacrorum Graecissanlium concinnata, Pa-
laestinensibus admodura exosa fuerit.
Supervacanei autem profecto laboris esset, ea repe-
tere, quae contra illam fabulam Talmudicam, et quibus
inde adjuta est historia hujus versionis apud Judaeos, a
viris doctissimis dudum optime sunt disputata : quis , si
cetera omnia essent paria, testem tot seculis posteriorem
laudabit ? Merae autem sunt conjecturae , eaeque ad ce-
teras Judaeorum rationes parum accommodatae, cum in-
vidia templi Leontopolitani ita augetur, ut Palaestinenses,
quidquid fuerit Alexandrinorum Judaeorum , sacro odio
detestati esse dicantur. Quae tandem conjunctio versio-
nis Graecae cum templo Oniae? Ne in illius usum con-
fecta esse credatur. Oniae enim templum integro fere
seculo post Ptolemaeum Philadelphum, ad cujus aetatem,
si modo quidpiam veri admixtum Fuerit fabulae notissi-
mae, referenda est versio Pentateuohi, regnante Philome-
tore conditum esse novimus. Neque sunt ea, quae de
corruptione loci cujusdam Esaiae (XIX, 11. 19) tradun-
sus locum disputationis Flavianae enm, in quo Palaesiinis Jii-
daeis versionem Alexandrinain noii adniodum placuisse dlxi-
mus : in quo adeo consentiunt virfi dociissimi, si ab iis reces-
seris, qui cum Vossio Morino aliis»iue paucis, versiüuem illam
ebraico exeraplo praeferunt, ut id pro cerlo concessoque in
illa dispuiaiione sumere licuejfir. C-eterum, qiü tarn viil«;aia
jgiioret, eum ad Veiier. Carpzavii critic. S. P. 11. c. 8. amandeni.
303
tur, aliqiia rationc probabilia, ut inde occasio nata esse
possit rejiciendae versionis omnium librorum. Ita nee iis
quoque immoramur , quae ex historia versionis Aquilae
ad confirmandam opinionem vulgarem petuntur, cum Epi-
phanius, homo promtioris linguae ad criminandum, fere
unicus et gravissimus sit, cujus auctoritate stand um esset,
nee prorsus consentanea videantur, quae ijTse Hieron} mus,
alias haud mitissimus Judaeorum adversarius, ingenue
prolitetur *).
Sublato igitur fictitio Judaeorum Palaestinensium et
Alexandrinorum odio facile tandem intelligilur, quo modo
fieri potuerit, ut fere omnis Theologia primorum Eccle-
siae Christianae seculorum colorera Alexandrinum traxerit,
et quamquam plura alia gravissima huc accessisse non
negamus , haud infimam tarnen contagionis tarn late gras-
santis causam, primis maxime temporibus , in eo fuisse
compertum habemus, quod Synagogae Alexandrinae tarn
praeclara f'uerat fama, tamque inponcussa auctoritas. Cu-
jus pei argumenta historica persequi si velimus , largissi-
ma quidcm dicendorum copia suppeteret, sed plenum
aleae opus defiigimus , cujus tractatio plerumque inustas
gerit opitiiones dogmaticas scriptoris, quo nihil fieri po-
test turpius , nihil veritati historicae perniciosius. Tarn
alte, cum ea meditaremur, in animum descendit hujus
periculi timor, ut, quod unum maxime facit disertum,
commoto pectore verba nos facturos arbitraremur, si pu-
blicae orationi , qua munus Professoris Philosophiae or-
dinarii clementissime demandatum legibus academicis au-
spicari jubemur, id critices ecclesiasticae Caput seh'gamus,
"^) Commentar. in Habacuc. Cap. IH,
504
quod vim opinionumdogmaticarum in histo«
riam rei Christianae accuratius declarat. Enimvero
laetissimus exultat animus, dulci officio fungi, cujus sua-
vissimam necessitatem singulare REGIS MAXHII benefi-
cium imposuit, atque publica pii animi testificatione A.u-
gustissimo Regi et summis Georgiae Augustae Mecaena-
tibus YOta nuneupare. Dieta est huic rei hora XI proximi
diei Saturni in auditorio majore, et ut faveat praesentia
Magnifici Domini Prorectoris , lUustrissimorum S. R. I.
Comitum, Patrum Academiae et Professorum celeberri-
morum , Doctorum omnium ordinum , Commilitonum ge-
nerosissimorum , nobilissimorum , ea qua par est, obser-
vantia vehementer rogo atque obsecro. Scrib. d. Sept.
MDCCLXXIX.
XL
©efd?td[)te ic6 Mü)$ im 2li)ent)mal;l
Semgo. nso.
53 0 r r e b e.
^k 2lbit*t bicfcr ©c()rift i|!, tvi'e fc&on bcr ^Ütel fagt,
gör nlcfct polcmifc^. I)ic (?5cf($tcfetc beö SlbenbmaJIfcIc^^,
ober, n?aö mir bicgmal Qkicf) ml gilt, bie ©cfcfeic^tc
bcr (JiuMung Der (Kommunion unter einer ©cjialt Jat
ijre fo gattj eigene knoten unb Sluflofungen, bog eö mit
jum 5)ergnügen iDurbe, bicfclbe öuf^ufuc^en, unb bog t^
ben ©taub ber @d)oIafIifer nic^t fd;eute, bcu ^n^ammm*
Jang öUer bieder gebbrigen 23cgebenbeitcn DoIIiger 5U ftnben^
aU er h'Ui^x hdannt war, gurc^t öor ben ©^olaflifern be^
iwolften unb brei^ebnten Sabrbuubertö i(! obnebieg ungerecht,
ta ^raciiton unb Dcutltd)!cit ibrc6 ^ortrögö, felbjl öucfe bei
Unterfuc^ung bcr weitgctricbcnjlcn gragcn, bm 2efcr öuf eine
Jbc^j! angcnebmc 2lrt fcffcln fbnnen.
©corg Äalirtuö ^') unb Sojönu SInbr. ©c^mib *=^0 ftnb
*) Dissertatio de commniüone sub iitraqne specie cum Cassan-
dri dialogo de eodem argiiiueiito. Helmstadii. 1642. 4.
**) De ftitis Calicis Eiicharisüci iii Ecclesia Romana a Concilio
Constantiensi ad nostra iisqiie tempora. Helmstadii 1708.
©pittler^ fämmtL 2öerfe VIII. Sßb. 20
506
bei bicfcr ®cfc(;ic6tc bie ^mt gr^gtcn meiner ^Jorgdngcr. ?lBic
bclo&nt füllte id) nüd) für ölle Wlü\)i öucö oft mißlnugencr
gorfd)un9en, in ©efcHfctJöft mit bcm crften öuf einem QBcg
ju gcöcn, unb bk ©roge bc6 gclc^rtcflen lut^crifcfeen ^^colo?
gen bcö ganzen vorigen ^aMaubcxU rcc^t in bcr dUl)c Fen#
nen ^u lernen. <Sd}mib i(! in bem ^^Jeil ber ®cfd)id}te,
njeld)cn er mit feinem 5Imt6* ^orfa()rcr gemein f)at, nid)t5
weiter ölö (J'pitomotor : aber tk ®efd)ic^te ber boNifdjen
^eId)forberungcn unb bcr S!rientifc^en 53er^aub[ungen, cr^aljlt
er hl einer fo feinen frud)ibaren ^ür^e, bog man ijm febr
gern einei/'^la^ in ber ne§m(ic(?cn Sinic mit Äalirtu^ cm
räumt.
©er t)telle{d)t manchem 2Iuge anjlogigc 9le{d)tbum mci?
ner Zitaten ^c'iQt nod) einige anbcre neuere ©djriften, \veld)c
tc& md)t ol)iK allen D^ußcu nac^gefd)Iagen böbe. Um einem
folc&en leicht geärgerten 2luge einige (5'rleic^terung ^u t)erfc()af^
fen, tvarf id) ben grbgtcn ^^bcil ber Zitaten in einen SInbang;
mc man baö Urfunbenbuc^ ieber (5)efcbicl)tc befonberö beilegt.
©egen ben Äcnner tnerbe icb mid) i?ielleid)t me§r tt?egen ?[J?angeIö
mancher Zitaten öertbeibigen mijflfen, al6 wegen UebftflujTeö
berfelben. 53on mehreren gdüen gebenfe id) Jier nur eineö
cinjigen.
Unter bm ©i;nobaN 53erorbnungen beö tjter^ebnten 3abr^
Jiinbert^ ft'nbet man bduftge ©efe^e wegen be^ ^elcb^/ au^
welchem ^a^m unb befonbcrö aud) Äranfe communicirt wur^
ben. Der crpe Slnblicf foId)er (^teilen trugt gew&Jnlicb, bag
mau eine neue gcwiffe ©pur ber Kommunion unter bciben
©e(lalten gefunben ju baben glaubt. 23ei forgfdltigerer ^^er«»
gleic^ung ftebt man, bag in biefem Kelcf) bie ^?ofticn fic^ be^
fanben, unb nic^t ber ^dn in bemfelben gereicht würbe. ScÖ
übergicng alfo alle folct)c ungewifle ©puren, unb tieüeidjt
507
TOfig mir ber fi^arffinntgerc Sorfd)cr mtitQ ©auf bafür, bog
tö) lieber bequemern Scfern irenigcr unangenehm fet)n wollte,
ölö i^m ?0?ateriaIicn geben, auö a>eld)en er ficb ta^ ©an^e
öuc^ ha nod} \)aitc jufanimen feigen f&nnen, wo iö) nicfet
2Iugenniaag genug fatte, böö gufammenpaflfen bcr S3ruct*
jlucfe 3u fejen.
§. i.
9}2an fann alö cntfd)tcben annehmen, bog ber ötigemein
bjfentlid)e ©ebraud) bcö ^eld)ö im ^eiligen Slbenbmaftl M
inö ^tt)5lftc Sa^rfiunbcrt ununterbrochen fortgeböuert Jabe.
f9?e^rere ber einfid;töt>oajlen fat^olifdjen 6ct)rifr(IeUer f)aUn
cö onerfiinnt '-'), unb bie ^oc^e i|l öucb fo Hör, bog pe ba*
bei faum befonbereö £ob ber SBa^r&eiteliebc ücrbienten.
(E'inigc einzelne S5eifpicle mbgen jtc^ gtt?ar etwa and) in
biefen S^J^r^unberten auftreiben laflTen, bog ^ic unb ba einer
*) 25ou Dieten, n)eld)e I){er cieuannt merben fonnten, fü^rc tc^
nur brei ber kit>v;I)rteilen Beugen an: ^arbinal ^ona, dn
fet)r gültiger 9'?id)ter in gjiaterien be^ firc^ltd)en ^Hltert^um^
Ber. Litiirg. L. II. 18. Certum est omnes passim clericos ac
laicos, viros et mulieres sub utraque specie mysteria antiqui-
tiis siimsisse. Scniper et iibiqiie ab Ecclesiae primordiis iis-
qiie ad seculimi duodecimam sub specie paiiis et vini commii-
nicarimt fideles. ^
3Iabilloii in Commeiit. praefixa Miisei Italic!. T. II. pä«; .61.
Conimimionem sub utraque specie vi^uisse ad iiiilia seculi
duodecimi, constat ex iis, qui tunc florebant, auctoribus
Quo proiiide tempore communio sub utraque specie ab Eccle-
e>ia iinmutabiliter retiiiebatur.
Jperr güril 3(bbt ©erb er t in feinen gelehrten disquisitioni-
/ 20 *
508
Mog bic $o(!ie unb nicfct bcn Äclcfe empftcag, bog man htt
foiibcr« iu Äraufcu unb <2tctbeubcn, welc^eu man eifciib«
nocf) ci« «Biatifiim gcbcrt wollte, oft nur bic geweifte ^ojtie
unb feinen 9öcin brachte, ülber vcaQ tt?urbc ftd) nic^t enblic^,
unb befonbcr^ in bcr 2lrt, baö ülbenbma^l ju ftaltcn, bcnjei*
fcn laffcn, wenn m\€ (olc^e einzelne befonbere gdllc gum ^e#
wci^ einer allgemeinen ©ewo^nbcit bienen fonntcn, wenn wir
aH allciemein angenommene 9iid}tf4)nur anfe^en follten, wai
oft IJInbad)! of;nc (Jinfic^t unternahm, wa^ irgenb jcmalö ci«
nacl)Iagiger ober flfigelnber ^ricfier im einzelnen galt tiat.
©oll eö auc^ ©ewo^n^eit gcwefcu fcj)n, in noraine Patria,
et filia et Spirltua sancta ju taufen. Weil einmal ein ^aar
©eijllidje in^öi;crn fo getauft t^abm"^
^x'fannt iji wo^l aud;), ta^ in fe^r üiclcn ^irct)en bei
bcr 5J2eflfc am 9iuf{fag gar fein fonfefrirter ööein genoflTett
würbe. ?ßon ber (S^arfreitagmefie würben ^pojtten aufge^o^
hcn, unb allein mit bicfen würbe t^k S^effe bc^ folgenbeu
Slagcö gehalten '^). Slbcr ber %a\i gcjiort gar nid)t bief)cr.
I)enn btefe Äird)cnccremonic Jattc ijre ganj befonbercn ^er*
anlaflfungen, unb felbf! ber ^riejlcr genog an biefem 2^agc fei^
iicn geweiften ^cld), alfo ijl auc^ biefe ©ewo^njeit !ein 21«^
fang ber ^criobe^ ba bcn Sajpen ber Äeld) allgemein entzogen
würbe. Unb wenn eine foIc^C missa praesanctificatorum
nacl^ile Ji(torifdE)e Veranlagung ^u jenem öügemeinen 53erboi
bu9 IRurgicis. Tom. I. pag. 389 tritt bicfen Urt^idlfn dü^ ei
gener &m(id)t »odfommen bei.
Q6 erregt Unwillen, löeim man |iel)t, taie IBoffuet in (eine"
©ilnt'ft von ber (Kommunion unter einer ©eflalt eiura fö rta
J'eiüieffueu l)ifrorir(^en Sui} burd) hie (»uffallenbOe ^l^if»uie ^in
ivec^jubrelKn fui1)t.
^) V, Ordo Roinaiius, a Melcb. Hiiiorpio. Coloo. 1586 foL ediiu«;
509
ber Äirct)e ßcttjcfen irdre, fo Jatte tiefet 53crbot öor^uglid)
in bcr griccfeifcben, unb nic^t in bcr lareinifcfeen ^ird;e cnt*
j!ejen foUcn, bcnn jene mad}te fogar fct)on im Sa^r 692 *)
TOcgen bicfer 2Irt »on iOZelTen ein eigene^ ©efcl^, !onfcfrrrrc,
hk ganzen großen göflen Jinburcl), nur beö (Sonntag^, unb
braud)fc in ben übrigen Xagen ber SBocftc \)it am ©onntag
flcnjci^tcn ^oj^ien *"').
eben fo wenig ijt ber ©cbröuc^ ber S^rinfro^ren bei bem
2Ibenbma^l eine ber erjlen ©puren ober Slnnd^erung ^um
Äelc^rflub. @c^?on im neunten S^br^unbert bröucfete mön
c SKbJren bd ber Kommunion ^^^). X)k fRhmi^äjc ^irc^c
'am jtc nocb froher. 9lic^t nur baö 23ol!, fonbern m t>te^
len ^irc^en öuc^ t)k ^rte(!er trönfen burc^ biefelbe. ^t\t
über üierbunbertjdjrige^ Sllter Jötte ölfo bicfe (3moMüt, ba
man anfteng, ben ^a^m ben Mä) ^u nehmen: ip'^ bemnöc^
iva^rfcbcinlict/ bag fte in fo genauer Jip'orifc^er 53erbinbung
mit ber allgemeinen ^nt^iejung beö ^elcfeö ftel^en foü, befon^
bcr^ t)a fein einziger ber Sllten, welche boc^ voc^l am beflen
«?ijTen fonnten, burcfe wa^ für ^Seranlaflfungen biefe ©emojn^
Jeit aufgefommen fe^, öuc^ nur t)on ferne barauf beutet.
^trar ip'ö unleugbar, H^ ^um X^eil ebenbiefelben ©runbe^
iroburd) man ftc^ nac^ unb mö) auf ben ©ebanfen leiten
lieg, bm ®enug beö Äelc^ö ^um ^rit>llegium für ben meg^^
Jaltenben $rie|!er ^u machen, auc|> ben ©ebraucj^ biefer S!rinf^
robren empfohlen; — (Jcfel aii^ bem SSec&er ^n trinfen, an
njelcfeem man ©puren faj ober ^u fejen glaubte^ tag fc^on
^0 Leonis Allatii dissertatio de missa praesanctificatorum sub-
juiicta libro de Consensu Ecclesise Occidentalis atque Orienta-
lis. Colon. Agripp. 1648. 4.
^*) Caiiou 53. Syii. TruUanae.
^^*) Gerberti disquisit. liturgicae. Toiu. I. ^
510
ein önbcrcr barauö getrunfen t)at; nberglaubifc^e gurrf)t, ein
S^ropfen M geheiligten 5Bein6 m&cl)te t)erlorcn geben. 2lber
in wclc^cö Sö|)t&"«bert mugte man nid)t ^urucfitcigcn, ti^cnn
man Jicr bcn crj^eu gaben uuferer gegenirdrtigen ^iftDrif(ten
(5ntn?i(flung anFnupfen wollte? Unb biegragc fann ()ier ni(^t
fcpn, wann hk 53orberfät^c öufgefommen fet;en, burc^ trelctc
man cnblic& barauf gebracht würbe, tik ^infegung (S^rifti fo
wiüförlic^ SU dnbern, fonbcrn wenn man cnblid) auö ge*
wlflfen, Dielleicfet fc^)on langjl angenommenen, ^orbcrfd^en eine
öUen üorjergejcnben 3<Jjr^unberten fo gan^ unentbecfte goU
gcrung gebogen iahi. gur bie Sogif ber 9}?enfcl}cn unb be^
fonberö ber ^^eologen gibt eö eine eigene ©eograp^ie unb
(^Jronologie. (5ine golgerung, welche unö je^t fo gan^ not^^
ttjenbig in Ik Singen ^u fallen fd)eint, blieb üor ein paör
Sö^r^unberten bieüeicfet bem fc{)drf(ien Denfer nod) unbemerFt,
ober war bei i^m mejr ungefähr entfallener Slujbrucf ali
JeHe^ Slnfc^auen ber SlBa^r^eit ber ©acbe, fonnte, wenn etwa
Cüd) einige ^bpfe fo weit in bie gerne fa^en , nic^t in aÜgc*
mein« ^irculation fommen, weil ber grof^e Raufen ^ur 2In#
najme berfelben gar nicfet genug t)orbereitet war. S'rft aUf
hann, wenn ficl& üvoa^ aud) bem menfd)licben 2lugc ftcbtbar
wirfenb in ber großen ^ette ber Sffieltbegebenfciten ^eigt, erfl
al^bann ergreift ber p^ilofopfifcbe ©ef4)ic^tforfc^er bie bc*
merfte ©pur.
a5iö iu ^nbe beö eilften SaJr^unbertS iff e« ölfo ein^f
mötjige Stimme öller Äire^enödter, ^dbjle, (Joncilien unb
onbcrer (Statuten, ha^ hd bem Slbenbma^l be« ^errn SSrob
unb ^m genojfen werben foU.
ga(l über feine ^atcxk war feit ^afcfeafiuö Reiten bi«
^u ©regor VII. fo t>iel gefd;riebcn worben, aU t)om 5eib unb
511
SSlut M Socxxn, fa(! in feinem (Jnbern Slrtifcl fo fcjr aU tu
tiefem ^aben fic<) bte t&eologifdx'ii ^i^ccjvijfe tiefer fcrci 3^^!^*
l^unbertc immer fcflcr unb uini?it)cv(e9lid;cr gebilbct, fiub burd)
iieuc ilircfeengewoI;nf;citen crtveitevt iinb oft uiiertijartet be*
reict)crt ivorben : aber noc& ^eigt ftd; in bem ganzen ^citröum
feine ©pur, bag aud; einer ber fpiiaftnbigftcn ©d;olailifer
barauf gefallen wäre, ber ilird;c ^u ratzen, ben Md) öom
Slbcnbmabl binweg 3U laffau
M^a fd)uc^tern waren bie Sebrer biefeö ^citaltcrö gewig
nidjt. Denn gan^c Soncilien, felbf! unter bem 53orft^ beö
rümifd)en S3ifd)ofö, brucften fid) fogar, wenn fte ein ©lau^
bcn^bcfenntnig auffegten, fo maffttv auö ^«0/ ^^ß ^'^^ ^" f"^^'
genben Reiten, t^a bod) t)ic Sebrc t)on ber ^Srobücrwanblung
fd}on ^ird)engefeg ju fei)n fd)icn, forgfdltig ju warnen Ur^»
fac^c fanb, folc^e Äonfeffionen nid)t all^u genau ^u ucjmen.
Wit ©djauer unb Slbfdjeu Itcöt man bie gragen, welche
im neunten Sabrbunbert, bcfonberd bü ber immer me^r rci^
fenben £e^rc ber 23robt)erwanbIung ^um 55Drfd)ein fameu.
©d)on ber DIame (Sterforaniömuö, wenn e^ aud) nie eine
^artbie gegeben b^ben foUte, weiche ftc^ wirflicfe bafür erfldrte,
— bcweiöt binldnglid), wie weit man cafut(llfd)e <Spifef{nbi9^
feit unb profaneö Sragfpielen h\ ber ^eiligften ^ad)c getrieben
batte: aber aUeö fam bod; bamalö nur nod) barauf an, bie
3irt ber ©egenwart beö Jücibeö unb ^lutö ^^ripi im Slbeub^
) :^er (^vubinal Xpumbert fe^te bie 2öiberrMfun<j^forme( auf,
ml(l)e ber 3(rrf)tbiaron 33erengar auf ber römifd)en ©pnobc
im 3abr io59 befrf)«)ören niu^te. ©ie tarn nad)ber mä) in
©ratian^ ©ammlung, unb ber aucior Giossae Gratiani feijt
bie 2Barnung hei , man muffe tk{i^ ©(fluben^befenntnifj mit
S3ebacbt ju uerfteben fucben, fonjl fömic man burcb baffelbe in
eine gröf^ere Äe^}erei verfatten, aU 93erengar^ gewefen, SSer^l.
Hildebrandi lüst. Coucilior. pag. 265.
512
ma^l SP bcflimmen, 2Iu3brucfe für tk^lhe ^u fi'ntcn, wcld)t
t)er allgemeinen ^olfömcinung unb fo mandjcn 5fonomifc()5
pnnretd;en Söeranfialtungen ber ^lrd;e gcmdg fei;n, ^uglcid)
öuc^ bcn fpi^fi'nbigen ^^ilofop&en bicfer gciralter alle ^üuile
unmoglld; machen folltcn, bcm fird;Iicl)cn Sprachgebrauch c'u
neu gclinbern (Sinn ^u unrcrfd)iebcn. SBar crj! baruber wcf
nigjlcnö fo n?eit auögeflrittcn, tia^ man o&ne gurd;t ber ^er*
fe^erung t)on bcr einmal eingefd)lid;enen ober angenommenen
Sc^rform nicfet abgeben burfte: fo griff man nac^ wcircrn
Unterfuc^ungen. Q:txta^ mu0 immer ha feijn, an bcm ge*
rec&tet unb gebiirflet lüirb, unb ^um Unglijcf ober 3um ©lucf
waren in bicfen ^dtaltmx immer nur einzelne Sebrpunfte,
unb nie hai gan^e @i)flem nacl) bem ttjec{)fclönjeifen SQcrhälu
nig aller feiner Zf)ük, über beffen 23e)limmungen ge(!ritten,
wnb befien oft Heinlle ^artialbegriffe erbrtert njerbcn foüten.
§.• 3.
©ie @c()ola(tif er , bereu S^JeoIogie fa(l[ ein blogeö fRati^
felbuc^ war, unb bie hti jebem flcinen Umflanb punftiid) wif*
fen wollten, warum e6 gerabe fo unb nicl^t anberö gefc^cben,
famen freiließ auc^ fc^)on auf ^k gragc, warum S5rcb unb
^ün genojTen werben foU, t)a man bod) fd;on unter jcbcm
biefer beiben ben ganzen (äi)xi^ü^ genicge. 21ber vok eö ibnen
nie an ^xaQitt fe^lt, fo auc& nie an SIntwortcn. Siner ber*
felben t>om erffen 9f?ang gab folgcnbe Urfac^e an '"0: Srob
bebeute ben 2cib, SSein bk ©ecle, bcnn ber 5ßein erzeuge
25lut unb im S3lut fct) hk Seele: ^rob unb SlBein muffe gc#
*) IV. senteut. dist. ii. Sed qiiare siib dnplici specie sumifur,
cum sub alteriitra totus sit Christus? ut ostcuderetur (otaai
humanam naturam assumsisse, ut totain rediineret. Paiiis
cnim ad carnem refertur, viuum ad auiniau: quia viiium
515
«offen werben, nl^ t6»5ticic6 ^efcnntnlg, brtg ^fvIfTuö ^dh
imb ©eclc cvl5öt f)ahc. ^wax fci) eö wie bei bcm SOJanna
Der Sfraelitcn. ^IQcr öllcin baö 25rob gcntege, gcuiege nici)t
weniger alö berjenige, weld)er öud) ben ^eld) trinfe, aber
man mü|Tc nun bod) belbeö genießen, unb fic^ büburc^ offent^
Üä^ für jene ^voci wichtige Se^ren beFennen.
^etruö Sombarbuö genog im zwölften 3(Jl;r6unbert ein
tjeologifd^eö 2Infc^en, böö je^t fein ortfjoborer ober ()ereroborer
5I()eoIoge mef;r cri)a\tm fann. ©eii;: 9}?einung ij! ölfo nid)t
nur aU Wldnmu;^ beö ^riöarle^rer^ fe^r wid)rig, fonbern öl^
SUieinung be^ ^DZanne^, nöd) wc[d)em ftd) fein gan^eö ^ciu
alter bilbete, über beflfen t6eo(ogifd;c^ (^ompenbium mejr öl^
operaiiir sanguinem, in quo sedes anirase a physicis esse di-
citur. Ideo ergo in duabiis speciebiis celebratiir, ut anima?
et carnis susceplio in Christo, ut ulriusque liberatio in nobis
ßignificetur. Valet enim, ut Ambrosius ait, ad tuitionem cor-
poris et animae, quod percipinuis: quia caro Chvisti pro sa-
lute corporis, sanguis vero pro anlma nostra ofFertur, sicut
prsefiguravit Moses. Caro, inquit, pro corpore nostro ofFertur,
sanguis pro anima: sed tarnen sub utraque specie sumitur
totus, quod ad utrumque valet, quia sub utraque sumitur
Cliristus. Sed si in altera lantum sumeretur, ad alterius tan-
tum id est animse vel corporis non utriusque pariter tuitionem
valere siguificaretur. Sub utraque specie tamen totus sumi-
tur Christus, nee plus sub utraque, nee minus sub altera tan-
tum sumitur. Eadera enim ratio est, ut ait Hil. in corpore
Christi, quse in manua praecessit. De quo dicitur. Oui plus
collegerat, non habuit amplius, uec qul minus paraverat, ha-
buit minus. Et licet sub utraque specie sumatur totus Chri-
stus , tamen non fit conversio panis nisi in carnem , uec vini
nisi in sanguiuem. Nee debent dici duo sacramenta, sed
nnum : quia sub utraque specie idem sumitur. Neque debet
itcrari sacramentum, quia benedictio non repetitur super spe-
ciem eandem.
514
trci 3a^r^unt)crtc lang unermabct fommentirt würbe. Zf)iiH
fd)ou feine ^dtQCuo^cn, t^cilö uoä) me^r, etliche Ü^jeologeu
t)eö folgenben 3^^^^^^^^^ tüoUrrn ^tvar einige t>ogmatifcl)c Uii*
rii^tigfcitcu in feinen ©enten^en fi'nben; bie ^örifer gafultdt
t)crurt^ei[fe trirflid) andk) mehrere ©d^c berfclben ^"): aber bie
ficr angeführte 9}?einung Don bcr ^^ot^iüenbigFeit beö 2lbcnb?
ma^Iö unter beiben ©eftaltcn ift nicl)t baruntcr; alfo aud)
biejenigen, trelc^c bod) barauf auögiengen, Jpeteroborien bei
bem Sombarbuö ju ftuDen, unterftunben jtd) boc|) nidjt, bie*
fen @al^ anau^eidjncn. ßß mug fo ganj unjlreitig angenom*
mene Se^re getrefen feijn, tia^ ^rob unb ^ein im 5ibcnb?
ma^l genoffen weroen muffen.
ßin noc^ älterer ^arlfer ^^^cologe, ber burc& feinen @d)ü<'
ler 5lbdlarb berühmte 9Bil§elm (A), erüdrte eö ^trar gerabc*
l)h\ für legere! , luenn man nic^t glauben iti>oUe, ta^ unter
bem S3rob ober unter bem SLBein ber gan^e (^feriftuö genoflfen
werbe: aber er Derfic&ert ^ugleid), t)a^ ^u Äird;e baö @a!ra*
nient unter beiberlei ©eflalten unberdnbert beibehalten iahe,
um jicft t>a^ Seiben (5&ri(li bejlo lebhafter bar^ufteUen. Unb
ein berühmter 2§eoIoge ^u Süttid), gcitgenojfe beö ^etruö
£ombarbu6^ ein ^aim, ber fon(! gewig in ber Se^re Dom
^eiligen Slbenbma^l Eiferer für feine Dogmati! war, erfldric
gerabejin (B): (iß fei) nidot jtd)t, 5Srob o^nc Stöcin, ober
^m ojne $Srob ^u geniegen.
Die öngcfe^enj^en Se^rer ber franiofif(ten , italienifc^en
unb beutfd;en ^ird;e fennen in ber 2[J^itte bc^ zwölften ^q^v^
^unbertg noc^ gar !eine e-nt^ie^ung beö ^cld;ö, unb brucfen
ftcj) fo au6, bag mau bcutlic^ ftefet^ fie würben biefelbe
äugerfl mißbilligt Jaben, wenn (le fie je gekannt Jdtten.
") 9)?rtn finbet biefen cataiognm crromm geiüiJljnlid) t)\nUx icbn
Oftavausigabe be^ Sombarbu^.
515
§. 4.
3u (^'iiglanb aber böcf)tc man bamal^ fcfcon anbcr«, unb
man fann glelc^fam btc ©pur erc;reifcii, tro fie fo eben aiv
ftengen^ anberö 5U bcnfen»
Sf^obert q)ullct)n (C), ein gleich groge^ ^idjt für Cvforb,
aU ^etcr Sombarbuö für ^öriö voav, voill (5l)rifti ß-infc^ung
beö Qlbcntma^I^ burcfcauö nicfet geanbcrt ^abcu. Döö 55rüb
foU nic^t in bcu ^ein getaucht, fonbern jebe^ bcfpnberö ton
bera ^rie(!cr geiiofTen werben. S[ßa6 aber bic Saiden betreffe
(fagt er), fo böbe S()ri(lu^ bem ©utbün!en feiner 25raut ber
^ird)e überlaffen , n?ic i^nen t)a^ Slbenbma^I gereicht n?erben
foll. Unb Jier fci; eö eine fcl)bne (Jinrid)tung, ta^ biefen
bloß 25rob au^gct^eilt irerbc, mil fo leicht t)om SBein »er?
fc^üttet werben mod;tc, befonberö wenn man i^n 3U ^ranfcn
bringe.
©0 cntfc^eibenb biefe ©teile kuUt, aU ob man fcßon
bamalö bem Saiden überhaupt feinen $dd) me^r gegeben ^ätu,
fo lenft boc^ eben biefer S^JeoIoge fogleicö barauf wieber ein,
unb billigt e^, wenn mön bem ÄranFen, ber bie ^ojtic öllein
nid)t fcl}(u(fen !5nne, aucft ben gefegneten SlBein 5U trim
fen gebe.
(Kommunion unter einer ©eftalt war gewig noc^ xnd)t
fe^r allgemein, wenn man ben gefegneten ©ein fogar uod)
5u ^ran!en bxad)tL ^hu 2Irt i:)on ©pülfelc^ war um biefe
geit fcbon in manchen ^ircfcen, wenigjlenö bei einzelnen ©e?
legenjetten, gcwo&nlic^. (Kommunion unter beiben ©e(!alten
mug alfo noc^ febr bauftg unb allgemein gangbar gewefeu
fcpn; bag bicr auf ben gall, wenn ber ^ranfe tk .^ojlie
ntc^t follte fcl)lucfen Tonnen, nic^it blog ben ©pülfelc^, fon^
bem felbf! ben geweiften SBein 3U geben, gerat^en wirb.
©ollt' cö eine unwajrfc^jeinlic^e 25efc&ulbigung fc^n, t>a^
316
eö Ik cnglifc^c ^ircfee xttar , mld)t bcii SInfaiig niflc^rc, bcn
£ai)cn fcen ^cfc^ ^u ent^ic^cn? Ju eben bcr 3eit, \vv uodo
fein einziger ^^cologe ter übrigen 9ieicl)e tiefe neuaufgefom^
ntene ©ciro^^n^eit fannre, n?o fi'e ftd) faft mit öuebrücflictjen
SBorten bagcgen erüdren, öuf nllerftanb bogmatifc^e fünfte
benfen, um tik Se^re ton ber ^oncomitan^ gegen einen ftar^
fen e-innjurf ^u retten, ju eben ber ^cit röbmt (le ber be?
röNtcpe !IbcoIoge ber englifcfeen ^irc^e |ct)on alö eine orbent*
Iid;e fird)Iid)e (5tnrid;tung. ^r fprid;t mit ^ifer gegen bie
©en?obn6cit, baö gefegnete SSrob in ben SBcin blog ein^utau^
c&en, unb fe^t bcrfelben aU eine bcj^ere 5U?et5obc entgegen, bem
Saiden ben ^elc^ Qm\h^ entstehen, weil Jier bie ©efa^r,
emai t)on bem gefcgneten 50ein 3U toerlctutten, offenbar n?eit
pcfeerer t)ermieben werbe. Dlirgenbö gerabe mejr «la in ^ng»
Iflnb war 3ntinftion gleid}fam gefe^mdgig gewob»lid>/ ober
wenigllenö föum t?or fRohme S^'^tm in Dier engltfd;en ^ir?
cfeen fo aufgefommen, ba^ man fte a\ß fejjr t)ort&fiIbaft
empfahl, ^aum attJ^n^ig S^^re t)Dr ^Roberten fcl)rieb ^rnulp(>,
S5ifc(?of ton 9?od)e(!er '*), einen auöfü^rlic^en S5rief, um biefc
neue ©ewo^njeit 3U üert^eibigen, t)cn welcher er nun fc()on
cU t>on einer ganj aütdglid)en 9}?obe fpridjt, bie aber boc^,
wie alle^Dieuaufgefonimcne, noci) Jdufige ©cgner ft'nbet. (Seine
©runbc ftnb grogfentf;cil6 fajl ganj ebenbiefelben alö biejenigen,
Welc()e für bie gan^lic^c ^nt^iebung bcö ^eld;6 in ber golgc
gebraucht würben. 2luc& er beruft ftc^ barauf, ba^ eö in ber
GJewalt ber ^irc^e ileje, folct^e 5(enbcrungen ju machen; öud)
*) Dachcrii Spicileg. (Ed. prim.) Tom. IL Epislola Ermilfi ad
Waicheiimim. 2)a(3 e-rttulpl) 33irii)of gerabe ju SKoc^efler \mx,
bringt febv ml 3uratttmenl)aug h\ t>k{c ®ercf)trf)te, wenn mon
ftd) erinnert, ta^ ÜioUxt ^uUepn bei eben berfelben StixdjC aU
5lrd)ibia!onuö flanb.
517
ijm i\Vi cin^iij barum ^tt t^un, bag bei orbentlic&cr Sluöt^ci*
lung bc^ Äeld;ö nianct)c Derbricglidjc gdUe Dorfommcn, tro
baö 25Iut bc^ jpcrrn fajl unöcrmcibllc^ cntnjci^t trcrbc. gwar
war man überhaupt auc^ in g'^önfreicö ""^ Stalicn WJöbr*
fdjcinlic^ burc^ tik SSercngariufi'fd^en ©trcitigfeiten öuf raan^
d)crlci Einfalle 9cbrad)t trorben, bem ^Ibcnbitia^l M S^mn
rcd)t iianrei4)c S'ftrenbc^cugmigcn 3U cnrcifen: 2Iber bic ^pabjle
i?erbotcn fon?o&I in ^riüotfc^reiben öU in <B\)i\cba\^d)iuifm
öud) nur bic 3»^nhion, unb befahlen, baß 55rob unb SlBein
bcfonbcrö gcnoflfcn werben foU (D). 2In bcn Slu^rceg, bem
Sapcn lieber bcn ^elc^ gan^ ^inttjeg 3u nehmen, fc^eint {ier
noc^ Oltemanb gcbacl)t ^u ^aben.
©elbjr in (Jnglanb, ^u einer fo geiDoI^nlic&cn ©ac^e öuc^
(Jrnulpb ^it 3ntin!tion macl)t, muß fte nun hod) fo eben
faum crü entflanben fevn, S^enn nur je^n ^a^vz, c^ß ^r^
nul^^^ fcferieb, ircig ber er^bifc{)of t?on ^anterburtj, 5lnfelm,
Mocft gar nid;t^ bon «iner folc^en Sßeife, noc^ Diel vreniger
fennt er ben f(^5nen Einfall, überhaupt \icn ©ebrauc^ M
^elö^ß nur öuf hk (?)eifilid)feit cin^ufc^ran!en (E).
5Bic fic^ bod} oft bic n?id}ti9Jtc <Bad)t innerhalb brcigig
Saferen änbcrn !ann! 25ie 3D^cnfd}en fommen gleic^fam wk
S^rdumenbc ba^u ; crjl nac^bem hu ^crdnberung fd)on eine
geraume geit gefc^eben ift, fd)iagen jte bic Ölugen auf, unb
tt?ugten ind)t, vok ibnen gefd)ab. 3« ben erRen je^n S^^ren
M gtrblften 3^brN»bert^ ift eö in (Jnglanb noc6 allgemeine
@ctt?obubett, bä bem 5ffentltd;en ©cbrauc^ beö 2Ibenbma|il^
ÖÖcin unbSSrob befonber^ ^ugeniegen; im ^weitenDecennium
iff fc^on 3"tin!tion febr gen?obnlict), unb weil man mt biefer
nid)t aufrieben ift, ta fie bem gefud)ten (Jnb^wecP nic^t ent^
fpric^t, fo t)erfdüt man im britten Sabr^ebnb auf hk ©e^
wo^nbcit, auc^ ha bem üifentlid)en ©ebrauc^ hei 2ibenb=
mabl^ bem ?ai)en ben ^clc& ^u cnt^iejen.
518
aBaö c5 iüd)t (lud) anUra^t, wie eine getriffc 9}?einung
in ber Sißclt eingefuf)it rcirb! ^ancl}cr Sifdjof bce ctifrcn
3a5vf)uut)crrö ()attc t)idleicl;t t)or()er aud) bcii e-tiifaU ^abcu
f5nnen, ber SScforgnig einer mannigfaltigen (i'ntnjeiljung bcö
S5Intö be^ J?errn auf biefe 2frt auö^mreidjen, 21bcr fein (5in*
fall, trenn er aud) bamalö alleß ju enrartenbe G3Iucf gehabt
Jdtte, rrdrc ^ud)jlcnö t)on feiner Dioccfe, ober etira aud) auö
92ad;a&mung t?on ein ^aar benad;barten 2)i5cefen, unb \va\)x*
fc^einlic^ nur auf eine geitlang angenommen trorben, bi^ d*
ttcr feiner D'lad^fülger wieber aü\'^ D^eue eine «öerdnbernng ge*
mad)t ^dtte.
Da nun biefer ^'infaü in ber crjlen ^?dlfte be^ ^n^blften
3af}rf)unbcrrö fam, fo ^attc er me^r gu fagen. Der gulauf
jlubirenber 3u"9^i«*5^r voddjcn ctvoa t)or^er berühmte ^lofter?
unb (5tift6fd)iilcn Ratten, lieg fid) mit ber Stenge nid;t Der?
0leicl)cn, nH'Id}e nun aul ben t)erfd;ieben)Ten ©egenben unb
Sdnbern nad) ^avi6 unb Cvforb ^ufammenftromte. (J'ine
neue iDJcinung , an einem folc^ien Ort, t)or einem fo folgfa^
men ^publifum, al^ bier ^u enrarten voav , borgetragen, unb
Don bem 5lnfel;en eineö beru^mren Se^rerö unterftu^t, muffte
eben fo fd}nell als unbermerft in bie allgemeinfte (Sirculation
fommen. Stöbert ^uilei;u ^attc ^u £)rforb unb ^u ^ari^,
tt)al;rfd)einlic^ über feine eigenen ^enten^en, gelefen; fonnte er
in einer ern?ünfd)teru Sage fetjn, um allen moglid)en Einfluß
öuf fein geitafter ^u iahen ? (Sein 2lnfe^cn ^u ^^ari^ irar fo
groß, t>a^ felb|l ber Jeillge S3ernbarb nad; ^nglanb fc^rieb,
man mhd)U il)i\ bocl) nic^t ^urucfrufen. Uiib bod) — wie
ficö oft noc^ fo entfd)eibenb fdjeinenbe Umflanbe in ber SBelt
gegen einanber aufbeben — iveil ^ijllei;nö (Sentenzen, (iver
u\Mp warum?) nicfet ()errfd)enbeö (^om^x-nMum ber Dogma»
ti! würben, wiil unmittelbar auf i^n ein '^aun folgte, beffen
25ud; gleidjeu Ziuli in ^ur^em fajl einzige« ^^uc^ aller Jltieo*
519
logen war, unb in bicfcm Fein Söort t>on ber neuen 9}?einung
fianb, fü 9cl)t eö mit üfuebrcitung berfelbcn ttel langfcimer,
üI5 man eni^artcn folltc. Jn^flr iDar fie felbf! öuc^ hü ^uU
lepn mel;r nur aU guter 9tat{>, bcnn alö Zi)c{i^ tjorgetragen,
ober ben @d)ritt t?om guten 9^iat^ biö jum verpflichtete«
©laubenöartifcl nahmen tk S^^eologen bicfe^ Jeitalterö fonfl
nicbt fo fibnjer, e^ mug alfo in ben augern Um(!dnben feine
gute Urfact)e gef;abt Jaben, njarum eö biegmal fo langfam
gieng.
§. 5.
^c^r ^auftg fie^t man bie Sateranifd)c ©ijnobe vorn
3ar;r 1215, bie jid) fonfl in ber ©efcl;icl)te ber !^!e^re i?om
2Ibenbmaf}I fo auö5eid)nenb &ert)orr^at, auc^ bier aU eine
neue ^v^odjc an. 3d) ^vonfic ob mit ©runb, benn man fann
t)k S5robt>ern?anbIung glauben, o^ne nod; on ^pinn^egna^me
M ^dd)^ 5u benfen; foqar Se^re t)on ber (^oncomitanj
iüar lange ^dt tjollfornmen ^crvfcbenb, o^ne ha^ man e^ al^
eine nor^ivcnbigc golge bicfer ?D?einung angefe^en f)am, bem
Sa^en ben ^eld) ^u ent^ie^en. Ucberjaupt Jat voo^l biefc
©j)nobc auf i^r eigene^ ^dtaltcv ben unmittelbar fct>neücn
unb großen Hinflug nid)t gehabt, ben man bfterö Dermut^et.
Snnoceuij batte bk gan^e ©^nobe viel ^u fe&r beinahe ^u fei^
nem ^ojTenfpiel gemact)t '"0/ t)ag i^r 2Ingeben!en in t^tti Jei?
ten, wo alUi nod) in lebhafter Erinnerung ivar, unmöglich
öugenefjm fei;n fonnte, unb ircnn anberö hk t^eologifdje ga«»
fultat SU q)ariö t^re Dogmati! rccbt üerllunb, fo glaubte
man noc^ ein gan^eö S^ferjunbert i\aä) biefer (Sijnobe, tci^
Sejre Don ber 25robber\vanblung, nad; bem ©inne, tok fte
•^) Mauligeus Paris ad a. lÄlo.
20
nun bk rümifct)e iltrd)c nimmt, in bcm bdanntcn Nation
tcv £atctanifd)cn ®i;nobc nodS) gar nic^t entfd)icben fci;. Un*
gefa&r um ba§ 3af)r 1304 jlcUtc ein Dominüaner Sodann
ju ^ariö bk ^pppotlKfc ^uf, ^:örob unb 2öciu fonnc üiellcicl)t
im 2lbcnbmaf}l eben fo mit bem Scib unb S5lut (^^rifii t)cr^
einigt fei;n, wk bk göttliche 9latur uuferö ^rloferö mit bcr
tticnfd)Iic^en. ^r t>cx{id)cxt babei, feine 9}?einung foglecd) öuf»
jugeben, fobalb man i^m bcirctfen fonne, ba^ burcfe irgenb
ein ^ircl)engefe^, c§ Kp 6i)»'^^^If*^ii6 o^^J^ pdbrtlicl)C ^on*
(titution, bic bamalö Jerrfc()cnbere S[)?einung bei* Zxan^^übf
ilantiatiott befo^fen fet)» Die ©ac^c fam ^u ^axU t)or ba^
Kollegium magistrorum Theologiae, unb biefcö gab bem
Dominifaner red;t, erüdrfc benjenigen für wiat^ematifirt, bcr
behaupte, eö fci; ©laubcn^artifcl, entn?eber 3!ranöfub(!antia^
tion an^une^men, ober fic& ^u obiger ^ppot^efe ber ^Iflfunu
tion ^u befennen. Sodann war fo getroften 59?utN/ unb
Jieft ftd) feiner ^adoc fo Derfid)ert, ba^ er fogar tiad) fRcm
oppetlirte, aU i^m S5ifc^of ^tl^elm t)on ^ariö wegen ^?etc*
roborie baö Se^ramt unterfagen trollte *).
©0 gar nid)t a(fo ^ielt man felbjl aud) nur baöjenige für
cntfcfeteben buvc^ bie Söteranifd)e ©i)nobc, voa§ von gewöhn*
lid) eigentlld) aU i^x 3Berf anfeilen. 9^od) weniger gewi0
if! ijr Hinflug öuf bk ©c^icffale bcö Md)^ "*')• ^Benu
*) 2)te %Hcn blefer (Btvcitl^hit finben \id) in d'Argeutrö Col-
lectione judicionim de novis erroribus T. I. pag. 264. 23crgl.
Histoire de rEucharistie. Amsterd. 1669. pag. 579. etc.
**) 3nnocenx iii. felbft jetgt red)t genau, wie man bie £ef)re t>on
ber $lran^fub|lanttatton unb ^oncontifani nic^t bat){a beuten
fo((, ba^ e^ überflütTig fei), hcibc ©cilaltca 5U genicjjen. Dte
mysteriis sacri aliaris L. IV. cap. 21. unb e^ fiin&en ftdv tt)ie
fc{)on ©avpt (®efd). ber 3:rientfchen 6i)n. vi. 35. §• 104) be«
ttterft t)at, in feineu eii^enen €iln*iften ©puren, M 5u feiner
Seit bk SBeiber bei bem ^Kbenbma^l bcn ^eld) empfiengen.
321
um bicfc $c\t eine gcmiffc fc^olaflifc^c ^i;potJefc ober eine ge?
wlfle (5)ett)o6n6eit cinjeliier ^ircl)cn sur öUgemeiiien £)vt()o*
borie unb ^um oHgemeinen Oiitual werben follte, fo gieng e^
nld)t mc^r burd; ei;nobölfcl}lujTc, tok im fünften unb fcc^^^
ten Sa^r&unbert. SBir i)ahm faum oben gcfe^en, n?er bieje^f
nigen ftnb, beren ©timmc je^t bebeutcnbcr geworben ij!, als
baö Urt^eil ber 23ifdjüfe.
Die @ac^c i|! noc& einer forgfditigern SBctröc&tung mxt^,
um ben SBeg, öuf weldjem fid) ber fcl)5ne Ginfall ber engli^
fc(?en ^Jeologen tt?eiter fortpflanjte, bcfto gewiflfer ^u treffen.
§. 6.
Gnglanb unb gröufreicJj, Sranfrcic() unb Sralien waren
in allju genauen poIitifd)en unb firc^Iid;fn ^erbinbungen un^
tcr einanber, bag nid;t 9}?elnungen unb ©ewo^n^eiten, weld)e
bic cnglifc^e ^irc^c 3uer(l in Uebung bracbte, fßgleic^ auc&
nacö ^ariö getragen unb bort befannt worbcn waren. Unb
vok o6nc 25cbenfen niugren fte nid;t angenommen werben,
wenn o^iicbieg in ber ganzen ©cfinnung M Jcitalterö öllc^
fo torbereitet war, ta^ nur einer fehlte, ber einmal önfi'cng.
Die dugere -Bcre^rung beö ©aframentö Jatte burcf?
mand)e neu aufgefommene (Zeremonien nun bic ^5d)j!e ©tufc
crreld)t. X)k ©orgfalt, t^a^ fein tropfen beö geheiligten
SQSein^ t)crIoren ge^e, fonnte alfo nid)t ßod) genug getrieben
werben; ^inbern würbe nun erfl feit ber Wim beö zwölften
3a6rf)unbert5 bae 5ibenbma()l gar nid)t me&r gog.cbcn''); f<^lbi!
bem ^rlcficr wugte man nid)t SRcgcln genug öor^ufc^reiben,
mit weld;er ^orftd[)t er ba^S Saframent be^anbeln foUe. ^enn
er in einem 2^ag ^wci ^O^cffen la^, fo feilte er nicfct beibe^
• ) eine QSeränberung, u)elcf)e eben fo gvojj iil, aU ^k &tKfül)run9
ber (Kommunion unter einer ©eflalt.
©pittler^ fänuutl. 2ßerfe VIll. S8b. 21
322
mal ten ^elcf) trinfen. 5Slc U^U er jic^ nic&t ju Juten,
trtg iiic&t^ a» bcr «f^nnb, nicfct^ dm 9}?unb l^angen blieb!
©0 (lieg öuf bei* einen ©citc ^erejrung bc6 (^aUanmitß,
öuf ber önbern ©elte ^eigt f{cl;^tt)cntg(Icn6 uiitei* bem SQolt
eine groge ©leidjgultigfeit gegen ben ©enug beffelbcn. X)U
€oncilienfd}Iu|Te founen um biefe gelt bie ^rma^nung' nidjt
oft genug lüiebcrfiolen, bog boc^ jcber njenigjlenö breimal beö
3af)r^ ba^ ^{benbmajl gentegen foUc. 2In manchen ^rtcn
war man froj, tt>enn man eö nur einmal bajin brachte. Wi»
berfprud) n^ar alfo nicl)t fcftr ^u beforgen, trenn man eö Jie
unb ba wagte, 53erauberungen einzuführen. ?3crdnberungen,
beren ©runb eine recbt Jod}gefpanntc SReliglofitdt ijl, wenn
fte anber^ nic^t fe^r Idjiig fi'nb, laßt (td) o^uebieß baS 53olf
fejr gerne gefallen, unb tt?ar aud; burcfe t^k 2lrt, wie gewo^n^
lid) Traufe communictrt würben, fcfcon einige geit Jer bar*
auf vorbereitet.
97iemanb mugte mUid) biefe 53crdnberung erwünfc^ter
ergreifen unb frdftlger bkforbern, aU bie (Scl)oIaftiFer. Diefc
fonnten fid; gewo&nlid) nicbt Reifen, wenn bie grage t>orfam,
warum im 5Ibcnbma6l 25rob unb 5öcin empfangen werben
mußten, ba bod) unter jebem bicfer beiben ber gan^e (5&ri(lu5
enthalten fet). ©ie warfen (td) in ben t)erfd)ieben(ten i'pi;po*
tiefen Jcrum, unb füllten boc^ ^u fc^r ha^ un^uldnglidjc
bcrfelbcn, baß ifjucn nid)t bcr SKci^ unwibcrfte^Iid) ^ditc feyn
follen, bk dinfc^ung (SJrifti üwaß pa(fcnber auf t§re 2?og?
mati! ^u mad)en. 9iod) fam Jin^u, ba^ fid; ber ^leruö
burd) bie entfd;eibeub(len 6iegc iix ber 3"^c|^iturfactc üon
bem (Idrfjlen 55anbc ber ©uborbination faum Dörfer lo^ge^
ri(fen {latte. 3c^t füllte er (td) eine betrdc(?tlic^c ©tufc über
ben 2aj;en er^Mjt, unb fo flug war man wo^l, wenn man
bem 2ai)en ctwa^ ent^ieljcn wollte, nicbt bei ben ©roßcn an*
iufangen, fonbern er(l tüß 2Jolt baran ^u gewonnen, baö fid)
325
mit forglofer Unfd)uW) bcm ©utbönfcn feinet ^rlcfler^ öber^
Heg. yiid^t einmal bei großen ©tabtgcmeincn fieng mau öiu
2luc() bicfcr if)v ^amn ober igcbrete« Jdtte ju fruj ollgc*
meine 5lufmcrFfam!cit wccfcn fonnen. 5(m ftdKiftcn fc^ie«
e^ bei f (einem Sanbgemcinen, ober hd ben f leinern ^ird;eit
unb Kapellen in ben (Stdbten anzufangen, wo fid) auc^ fc^icP«»
lieberer 53ornjanb fanb, bie Üleuerung einzufahren. Dem ^rie*
(ler bei folc^eu 5)orfgemcinen, njcil bocfc ^ein Sanfranc unb
Ölnf^elm Dorfparocvuö würbe, traute man felbjl nid;t fo Diel
2(ufmerffam!eit ^u, baß xnd)t hd bem ®enug bc^ J^iligen
SBeinö bisweilen ein geiler Dorgejen feilte. Die I^orfgc"
meine würbe gerabebin für rober unb ungcfttteter ober für
beibnifd) abergldubifd;er angenommen, baß abftcbtlic^er ober
uad)ldßiger Wi^hxand) beö Md)^ beforglict)er z« fci)n fc^)ien»
2öabrfc^einlid; würbe bit (Jut^iebung beö ^elc&6 hd ben
großen feierlid)en Kommunionen aud) t>icl fpdter gew5bnlicl[).
©cfeon ba bic neue ©cwobnbeit fa(! allgemein geworben s«
feijn fd)ien, blieb bod) an Dielen £)rten ber QJebraud) bc^ ge=
fegneten SBein^ hd ber großen IDffercommunion. SQ3a5 fann
man nid)t bem 9}oIfe nehmen, wenn mau e^ i^m nur nac&
unb nad) nimmt!
^ad) biefcn epod)en fcbetnt fid) bie neue ©ewobnjeit
ber ^-nt^iebung be^ ^elcb^ nad) unb md) in granfreid) unb
Stalien ausgebreitet ^u baben. Unb wir armelJeutfc^e! SBo
tft benn ber gaU in ber ganzen ©efd)icl)te, ba^ wir unö
nid)t burcö bai $8eifpiel ber ^ngldnber, gran^ofcn unb ^ta^
liener bdtten leiten laßen ? 3n ber ^eriobe, wo bie ent^iebung
beö Äeld)^ öuffam, bitten wir obnebieß fogar nicbt einmal
eine eigene UniDerfttdt, alfo x\id)t einmal ba^, wa^ bod) bat
maU ungefdbr nod) ber er(!e <^d)xitt zu einiger litterarifcben
©elbjiftdnbigfeit gcwefen wdre. ©aren aber auc^ noc^ Jie
unb ba hd ^Ibpern unb . @tiftsfc()ulen berubmte Scanner,
21 *
.24
\Kvci\ 93cn[junberung unb ^"^^"f einigen (Schotten bon Uni#
Dcrfitdt ^crt>orbrad)te, fo iattcn bocl) getrig bicfc fclbfl ^u
^ariö ober auf italienifcten Unlöcrfüatcn gelernt ober gelcfen,
unb i^r ganzer ^ortrög wav fe^r oft ntc^tö njeiter, aU SlBie?
ber&all beffen, ttaä ftc bort gefrort Ratten, Da mv aud) cnb?
Ilc^ eigene Unioerfitatcn be!amen, fo lüar bk Uniöerfttdt ^axU
bai einzige ?OZu|!er, m6) welcher alle eingerichtet truvben.
53on ber q)ragifct)en i(! eö Idngjl befannt, unb hü bem langen
5Iufcnt5alt ^axU lY. am fran^ofifd)en ^ofe gar nidjt uner^
wartet; aber auc& ber fajl gleid) alten ^eibelberger UniDerft^
tat würbe el gerabefeln in bic ©tiftung^urfunbe gefetzt, bag
fic (icO ganj nac^ ber ^ariftfc^en richten follte. Einrichtung
unb ©cfc{;ict?te ber britten beutfc^en Uniöerfttdt , mldn 1565
3u ^im errichtet würbe, t>crrdt6 bollig ein ©fcicf)eö.
3n bu{m S^tm war e^ noc^ nic^t einmal wie in bcn
fpdtern, baß bu SlBa^r^cit ofterö burcö Unit?erjitdten 2Inttpa^
tjie unb €ifcrfuci)t gewann, ba^ ba^ ^ublifum immer auf*
merffam fr^alten würbe, nic^t ^u fcf)r SlBittcnberg unb g}^e*
lancbr^onen ju folgen, mil 3ena gar gu laut wiberfprac^.
^ariö unb Drforb, gleic&fam bk ^Umt aller iibrigen, ge-
noflfen üon allen übrigen finblid;en Sf^efpecr, Xik wic^tigften
Sc^rer ber beutfel)en Unioerfttdten waren bod) md)t auf beut#
fc^en Uniüerfitdten, fonbern ^u $ari3 unb ^rforb gebilbet
worben.
25od) — id) fcjlc, wenn id) bie (^onclufton bor bcn
^rdmiflfen fage: nur i(! cö ein geiler me^r ^um ^ad)ticil
bc6 ©djriftfiellcr^, al^ ber (5ad;e unb bcö Sefcr^, weld;em ba?
burd) nur t>or^cr bie 5(ugenmerfc auögc3cid;net werben, auf
wclcl)c allcö anfommt,
§. 7.
^oc^ in bem ganzen brciscjuten S^^rJ'Utt^^^tt erfcfeeint im^
325
mergln jtc^tbarer Untcrfdjicb s^ifcfecn t)er cnglifc^cn Äircfcß
m\^ tm ^ircften ber übrigen 9^cid;e.
Sllcranber Don S)aU^ (er blühte In (Jnglanb um baö
Sajr 1236) gicbt eö fc^on föjl für flllgcmeiuc ®e\roJn()cit
auö, bag fein Sai;e bcn Äcld) im 2lbcnbmö()l gcuiegc (F).
ööenn e^ ober aud) xvai)x ivdre, bog bicfe ©eiro^n^cit fd}on
bamalö fo ausgebreitet gejierrfdjt ^aU, fo gefd)a^ eS boc^,
tt)ic au^ eben biefen ©cferiftjlellern erhellt, gar nid)t ojnc
®iber|"prud;. 9]ur ?a^en jtnb'S tud;t, welche ffc|);w>iberfe^ten»
S!}?it ber ©leid;gültig!eir, womit jTc jtc^ bie S5ibd nehmen
liegen, fa^en fte auc^ ber ßnt3ie^ung be^ ^eld)ö ju. Slber
Wond)c \Debrten fid}, unb — njaS oft im mittlem Zeitalter
ben bcgmattfd;cn knoten auflofen muß — ein fOJirafel be^^
fd)dmt fte *0- 25oc^ überfjaupt wcit biefe (Jnt^tebung be^
^elct)ö wa&rfd^einlicfr blog im (Sirfcl berjenigen ^irc^en allgc^
mein, welche 5IIcranber gerabe Dor Qiugcn J)am. 25enn felbj!
hu Dogmati! ber 6d;Dla|iifer ^attc nod; lange nid)t tk (tit*
fd)elbenben ©dl^e, a^eld}e bod) t)or§er in ben 5?5rfdlen tetQC^
tragen iterben mußten, c^e eine fold)e ©eit»o§n^eit ^ur allgc*
meinen Uebuug «werben fonnte. 2Ileranber gefleht, ha^ bcrje^
nige ha^ ©a!rament nid)t DoUfidnbig geniege, ber eö nid)t
unter beibcn ©cfraltcn geniege, bag er bcö bo^en üO^aageö ber
©nabe nid)t t()ei(böftig \\>c\t)C, bag er foId)c 5[Bir!ung \üd)t
erfahren fonnc, alö bzi bcm vereinigten ©enujTe M 23rob^
unb bcS SBeinö* ^o l)ahm t>k ^ogmatifer nid;t me^r ge^?
*) In IV. seuteiit. qii. 53. inembr. I. ha ettt pMt tO?Ön(f)e brt^
5ll)cn^maI)t unter Mben ©ejlalten gar gu breifl forbcrn, fo ge^
fd)id)t% ba\i, \m einmal ber ^riefrer bie Jpoilie jerfericbt, bie
^atene voll 23lut t|l. konnte man mebrern fSmcU Derlangen,
ba{i, mv bie .<po|lte aud) atlein geniejje, boc^ immer jugleic^
M 23lut M S^mti empfange?
526
.fproc{)cn, bö ble neue e'inrtd)tung f^cn öllgcmein war. Xitx
2:011 ijl Jier noc^ ^u fc|)uc^tern, unb bie ©runbe für bcn ©c*
MUß bciDcr ©eftaltcn füib felb)l bem ©a;oIapi!cr noc^ gör ^u
aujfalleub beutitct).
^ßugnifTc ber 3citflenofl*cn cntfc&cibcn cnblic^ toUhrnrnm,
tag biefe ©etro^njeit bamal^ nocfe nic^t Jerrfc^enb aar.
§. 8.
©clbf! im 53atcrlanbc 2llcrönberö, ölfo ta, wo bie 9}iobc
aucrjl auffam, ivar jtc boc^ bamal^ nur noct) ^artifulörmobe,
unb" fo fc^r nur ^artihilarmobe, ba^ i^r fclbji in ojfcnriicfecii
^ircOcngefß^en triberfproc^en n^irb. 3m 3abr JL220 ermahnt
eine (S^t)nobe 5U ^urjam bie ^riejlcr (G), ben ?öt)en boc^
njo&l ju unterrichten, bag ba^, ira^ er im 2Ibcnbmabl trinfc,
S5Iut beö ^errn fet). gran^ ton ^gifi in einem öUgemeinen
pardnetifc^en (Sirculorfc^reiben an SOJonc^e, ©eiftlidje unb
Satjen, fpricftt nicßt nur i^om unn?ürbigcn ^flfcn, fonbern öuc&
Dom unnjürbigen Xrinfen ")• ©ein gcugniß, bnö t>on t>ie*
len ©kic^^eitigcn unter(!ugt ttirb, bcrceiöt fiir3talicn, unb i(!
Jier um fo tt)id)tigcr, wenn mein |ic() erinnert, bag ber erjt
öngefüjrte 2l(erönber Don S^ak^ ein gianciöfaner war. ^^
mug bamal^ wa^rfc^einlic^ nod) nid;t ^ur granci6fancr*2:5eo^
logie 0e^5rt Jaben, ftc& für ober wibcr (Kommunion unter
einer ©eftalt ju erfidren.
Sllbert ber ©roge, ein geborner I5eutfc&er, unb ber ^m
grbgten Z\)ü{ feinet gebend fa(^ eiuitg al^ q)rofepr ber
^^eologie in (5bln ^ubrad^te, fcnnt ble neue ©cwobnbcit noc^
gar nicftt. d^ evfjeUt biefc6 n{d)t öllein auö benjcnicicn ©fei*
Icn, wo er mit fo öieler ©icrigfcit nad; allen mo9lid;>cn S^x)^
*) Waddbi«^ aimales Miuorif. Tom. I.
327
^^otjefen greift, um bcn bogniötifctcn 5IÖ{berfprud) 3« fcben,
l)a0 ^^rij^uö iwav fotro^l unter bcm $örob, aU unter bem
SBein gan3 entf;alten fcp, bog ober boc^ beibe^ geno(fen ti?er^
ben muffe; fonbern menn er fic^ enbltc^ ble gragc öufgibt,
ob berjcnige eine ©unbe ^um Xob begebe , bcr ta^ 2Ibenb*
majl önberö jiafte, aH eö t>on €()ri(Io cingefe^^t fe^, fo citirt
er bei biefcu anbern fehlerhaften SIrten t)or3ugIicö auc^ bic
befannte ©teile be6 ©elaftuö, fet^t fein SlBort jiin^u, bog tit
irgenb einer ^ircfcc eine foId[)e ©en^ojnbeit öngenommen fe^ ").
Unb Jim gefd)n:>iegen ^ättc er gewiß nidjt, njenn i^m ettra^
be!annt gcn)efen wavi. ^enn ma6 Jattc nic^t ein (Scftolöili^
fer bafur gegeben, einen neuen Casum ^u ttjiflfen, unb «lieber
ein jpalbbu^cnb 2Inttt>orten öuf ein tjorgclegte^ SKdtJfel geben
V f&uuf"- ©c{)reibr boc() Gilbert baruber ein paar SSIdtter
\>o\U «)ie i?iel SLBaffer, unb rtctß für 5*3affer, unb trarum
SBaflTer bem 2(benbma5Injetn ^ugcgoflfen rrerben muffe; tjut
er bocl; ^ier ber ©etuo^nbeit ber t)erfd)iebenen $C^onc^6orben
SJielbung, meld;e gar fein 5öaffcr sugogcn. Unb ton ber
tvMdjtigcn, borber erff nocfe ^u bcantn?ortenbcn Srage, ob über;?
baupt uid)t ^rob allein genug fci;, foUtc er gan^ gefd)tt)iegen
baben? T)od) — tt>a^ hr(iud)t eö erj! Diel örgumcntiren öuö
bem ganzen 3"f<5iumenbang. 2)tc ©teilen finb beutlid)"*):
„Sie ^5rtftt ^hit för^aüe tjergoffcn mürbe, fo mirb*a aucö
im Slbenbmabl allen ^u trinfcn eingefcl)enf't." €'r ffebt eö
iiDd) alö au0brucflid)c^ ©ebot (S^rijli an, $Srob unb ^c'm
im 5Ibenbmabl ^u gcniegen, er fennt noc^ gan^ gmingenbe
llrfad?en, marum gerabc biefe beiben ha biefcm ©öfröment
fci)n mußten*
^) Opp. Tom. XYL pag. 207,
■'•'0 Alberli Op. Tom. cit.
\
528
fHIbcrt muß nlcfet« t>on bcr ©cnjo&njicit gewußt Jabcn,
bie Söpcn bloß mit ^^rob ^u communicircii, ölfo trcniöfrcnö
in feinen ©egcnbcn Dcutfc^lanb^, unb fo weit feine S5cfannt<
f(^aft reicfete, toav fic gewiß nod) nic^t ^errfdjenb. 5lßic fe^r
(!immt biefc^ aucö mit anbcrn {lifforifc^en 9^ad)rid}ten 3ufam*
mcn! ^an f)at eine alte 2Inwci(ung, wie ©eiftlidjc niit^ran^
fen umgeben foKcn, hk ungefähr in eben biefe gciten fallt,
unb jur (£a(3burgifd;en ^irc&e geborte ^0; Ji^r ¥^i^ ^^ "«^cb
ganj beutlid): „2)er ^rieffer communicirc bcn ^ran!en mit
bem Scib unb 25Iut beö ^crrn." ©enn cö fiibft nod) bei
^ranfencommunion gcwofjnlid) war, bcibe ©ejralren ju rci*
c^en, fo iat gewiß, wenigffcnö in bicfen Sdnbcrn, bie S'nt^ie^
6ung M ^dö^i faji nod) i\\d)t einmal ben erften 2Infang ge*
mad)t. Unb bie gan^e 2Irt, vok Zf)oma^ ton 2lquino (H)
berfelben gcbenft, fcbeint beutlic^ ^u geigen, haf, fte nod) im^
mer flud> su feinen '^dtm, alfo fclbft in bcr 9}^ittc bce brci^
^e^nten Saf^rfunbert^, weit noc^ nicbt allgemeine (5)ewoI;u5eit
gewcfen.
§. 9.
S;§omaö UU\i\>tct 5ucrft gan^ nad)bvucclid;, ta^ man
nic^t warnen foll, ba^ -2lbenbmabl fci; unnotbigcr 3Bcife un?
ter zweierlei ©cpalten cingcfcl^t, weil bod^ unter jeber einzeln
genommen Mb unb ^lut ^brifti cntbalten fci;. d^ fci) nun
einmal bem ©cbraud) unb ber ganzen 23cbeutuug biefce ^at
frament^ gcmdß, ta^ jebeö befonber^, ^rob unb SLÖcin, ben
©laubigen gegeben werbe; cö würbe fonft nic^t t)ollfommcneö
©aframent fci)u. 2Ilöbenn aber fallt er in einer anbcrn
©teile ein: 53orfid)t, U^ feine ^-ntwci^ung i?orgebe, fci) bcc^)
'"") Marlene de antiqtiis Eccles. rilibiis
329
immer baö ©ic&tigjle. ^3 fei) ölfo löbliche ^lugieit einiger
^irc^ßii, bei ber an 2Ilter unb ^injtc&t fo ücrfcbicbencu SD^enge
bcr ©Idubi^en, ben Söi)en gör feinen ^cld) 3U geben.
5Scnn blefe ©tetlc nur in einem önbern 6d;riftftener^
nur in einer nnbern @d)rift beö doctoris angelici geftanbe«
njdre, fo l^dtte jte wa^rfc^einlic^ feinen 6cl;aben get^nn. fKc^
bcrt ^uUei;n, in fo öugerorbentlic^ grogem Ölnfe^en er oucö
Xüav, brachte bod) tk neue ©enjojnfeit nic^t fejr empor;
benn ^ctruö Sombarbu^ xvav ber gangbarere <Sd;rift(Ie(ler,
unb blieb nod; in ben jjdnben ber jungen ^f;eoIogen, ha ^uU
U\)tt Idngfl trtcber i^ergeflpen v»ar* 2lber nac^ ^etruö Soms»
haxbn^ tt?urbe feiner fo t)erfommentirt unb t>crgIoff{rt unb
3um fanonifdjen ipanbbud)e ber Sl^eologic g^mad;t aU Zf)Of
ma^ (Summe. Die Slutorirdt berfelben j!ieg fogar nocö Jb^ec
aU hk Slutoritdt beö Sombörb'^, benn Sombarbuö irör fei«
S^rbcn^mann, hingegen bü Z^omaß lag bem ganzen I5omini^
fancrorben baran, ijren X?crrn unb Wlcificv immer in ^'^reit
3U erSalrcn. Unb ^um Unglucf erfldrte M ^(^^ SW'citc ^xa^
fei biefeö geitaltcrö, beflien Sluöfprüd^e fonfl bem Z^omai fo
oft entgegen tt?aren, Jier noc^ tiel po|Ttit)cr für bie (lommu^
nion unter einer ©cjlalt.
23onat)entura, ber ^elb M granciefanerorbenö, gel&t ba^
burc^ einen merflic{)en (Schritt n?eiter al^ Zi)on\aß, U^ er
glaubt, t)ic 2ßirfung tcß «Saframcnt^ unter einer ©ejlalt
fci; gan^ eben biefelbe, alö bei bem Genug unter beiben ©e^
jlaltcn, unb fajl rdtfr er gevabe^in, man foU bem Saipen be«
Md) nid)t geben, weil fonjl leicht bie ^egerei einreißen fonnte,
ta^ man glaube, nic()t unter jeber einzelnen ©eftalt fei; ber
gan^e ^^rifluö enthalten. -^'^ i(! in ber Z^at fonberbar, unb
es mad)t üon ber fouft fo belobten djriplicpen ^ircfte ber er^
ften Safer^unberte gar feineu guten 23egrijf , ta^ man cxfi ju
25omaS unb 25onat>entura Reiten fo flug geitjorben ifl^ tk
550
©efö6r cin^ufcjcn, welche mit bem öHgemcinen ©eiiuß UU
t>cr ©epalren »erbunben fa;. X)k^ltm Wtten eö um fo cjcr
einfcjcn foUen, ba bei i^nen bie Sln^a^I bcr Sommuuifantcn
^ctü&önlid) fogar biel grogcr, bie Kommunionen fogar üiel
Jauftger waren, X§oma^ t^ut fcjr ängftlic^, n)ie c5.tt?oM
mit bem ^elc^ ^u möc^en fei;, trenn mön eine gan^e grogc
©emeine ^u fommuniciren iahe, e^ gebe ja feinen fo grogen
^eld), unb baö ^in^ unb ^erfd;utten öuö bcr ^anne in ben
^elc& it>drc bei bem t)ernjanbeltcn SBcin unbefd)reiblicl) gcfa^r*
Ud) gen^efen. X^k guten Sllten, tt?ic ^öben benn mobl biefe
fid) gcbolfcn? SBarum M bocö ber r5mifd)e 25ifc^jof, bsm eö
ja feit beö ^eiligen ^eter*ö $dtm öufgetrogen i|!, über bem
SBobl ber Äird)e s« ttjac^en, fo gar lange gleichgültig ^u, M
bcfonberö in altern ^citcu täglich bk fd;recflid)fte ^ntweibung
ter bciligl^^tt ^ad)c ^ix befurdjten war? 2Barum überlaßt e«
bie Sorgfalt be^ beilige« 53aterö bloß bem zufälligen gort*
fommen einer fejr 5ufdUig aufgefommenen ©ewobnbeit,
ob nodj) fernerbin ba6 ©aframcnt beö Seibcö unb 23lut^
^brijli entbciligt werbe? Stßarum begunjligt er nic^t einmal
tiefe sufdüig oufgefommene ©cwobnbeit? Socfe man mug
tiic^t mit all^u t>iele« gragcn bcfc&werlic() fallen.
§. 10.
9?un jTd) hk swei ^dupter ber bamalö au^gcbreitetften
IDrben för tik neue (Sewo^nbeit er!ldrt b^bcn, nun il^ e« ge^
Wiß nic^t unerwartet, wenn balb hk t)or3Üglicl)ilen ^ird^eii
bev blubenbflen europdifd;cn 9leid?e, wo tk großen unb flci^^
tien 25ruber b^rum terminirten, bicfelbc anncbmcn muj^tcn.
X^k ^cttclmoncbc, unb befonberö bie granci^fancr unb I^orni^
iiifaner, waren üom ^pabjtc glcid)fam ^u parochis Kcclesicx»
universa? gemad)t worben ; fte blieben gcwbbnlid) nid;t fo gc^
tiau Ui ber S5ibel, wie bei bcn Jeiligen SlBorten i{>rcö Xboma«
^1
351
«nb S3oiiöt>cntura, jtc trugen alfo öuc^ bie tieue ©cwo^njeit
in flUc StBelt au«. Unb jcl^t ftnbet man auc^ fcfeon ^ircl)em
gefc^e, lüclc^e baruber terfagt würben, nnb (getvig nic^t o^nc
53ernjunberung) al« ba6 crjle — ein Statut eine« (Sipercien?
fcr ©encralfapitel« bom 3ajr 1261 (K).
,,5Iu« bem (Seuug be« S3Iut6 be« ^errn, ba« bcn qjer^
,,fonen uufcr« £)rbenö nac& ber ^eiligen (Kommunion im Äelc^
„ju trinfen gegeben wirb, entfpringen fejr beforglicfee 2)inge^
unb fonncn noc^ ml beforglicftere entfpringen: beetregen ht»
ejlt ba^ ©eneralfapitcl, bag fein Wlhtidi uub fein Saijen^
vorüber unb feine 9lonnc be« £)rben« furftig^in ben ^dä)
,,me5r geniegcn follen. (Jr bleibt öüein ben 9)rie(Iern be«
,,5IItar«."
5[ßir glauben jwar nicßt, t)a^ biefeS ©tatut fo grogen
(Hinflug auf bie übrigen Äircben Jattc,. al« wenn e« (Statut
beögranciefaner^ ober2)ominifanerorben«gewcfen wdre. S5cnn
bk (^iftercicnfer burftcn fraft ijrer Orben^regel feine ^aroc^ten
önnejmen, unb cö gab gewig auc^ ber (Siflercienfer nic^t fo
bielc, aU ber 23ettelm6iicl^e. -— 2)er ®eruc^ i§rer ^?eiligfeit^
ber 3u ?5ernjarb ton ^lairtaur Reiten fc ftarf war, war
^iemlid) Derbuftet. 5lügemeine Sluebreituug einer folc^en neuen
©ewojnjeit war bemnac^ ton ijnen biel weniger ^u crwar*
ten. SIber eben biefe« ©tatut ^at nac(> terfc^icbenen anbcrn
9\ucffid)ten einige gan^ tor^uglic^e SJJevfwurbigfciten, welc&e
wir tier uicfet übergeben fc>nnen»
§. 11.
Die ^ircte ^tk tai fRid)t, über ben Md) ^u bifponiren.
einzig biefer fd)reiben e« hk @c6olöjlifer ber bamaligen $cu
ten 3u, einzig öuf biefer i^re entfc&eibung berief man fi^ S«
ben ^dm\ ber ^ofttti^er (£i;nobc. Sßurbc benn aber tik
Äircfee ton einem ©eneralfapitcl ber ^iflercienfer reprafcntirt?
55!
Äonnte bic Äircfec öon einer SJerfammluug reprdfcntirt wjer^
ben, hä vodä)cv and) nicbt ein einziger ^ifct)of fag? C)bcr
konnten t>k ^ijlcrdcnfer in i^ren ^lrd)cu onföngcn, iraö ftc
njollteu? ©ie njören sttjar doii ber bifd)bflid;ßn Suriebiction
frei, aber eben baburc^ nur be(Io Qtnamx bem r5mtfd}en S5t»
fcl;ofe fuborbinirf. ©oute nac& bcm orbcntIict)en ®aug ter
©ai^c stMoa^ önberö Jier gcfunben trerbcn, aU bag ba^ ®e*
iierölfapltel tjon biefen beforglicfeen ©cfa^reu bcm r5mlfd;en
23lfd)of eine 2In3et9e gemad^t, uub feine 53erfugung ern:artet
Jattc?
26omaö batte tt?ö5rfd)cinlid> noc^ nicbt einmal feine
©umme gcfd^ricbtn, ba bicfcö Statut bcr ^iftcrcienfcr erfd;ien.
9lod) c^c alfo hk neue ©ciro^n^cit in ta^ gongbare (Sem*
pcnbium ber Dogmatil fam, wat jte fd;on burd; ein ^ird}en^
gefcg befohlen. S^^^t jwar nur noc^ auf t>k £ai;en eingc?
fd)ran!t, unb ttjic man aii^ ber 53crgleicbung mit anbern
!)^acbri4)ten '•^) treig, fo iuurbe felbjl aucfe für tk Ja^cn hk
©nt^le^ung M Äelct)ö ijon bcn (Sifiercicnfern baburd) Ieid)ter
gemacht, bag fie etn?a6 wenige^ t?on bcm gen^eibten SBein in
gemeinen SBein gogcn, unb biefen gemifc^ten S3cd;cr bem
Sßolf SU trin!en gaben, öllfo nicfet allein bem 3}ie(Te baltcn*
ben $rie(Ier gcbubrte bcr ^eld), fonbern noc(j alle ^ricfter gc»
niegen ibn« Xiod) gerabe biefeö ift ber fajl unterfennbare
3ug, tt)ie forgloö bic £at)en bamalö mig^anbelt würben, 9ßdrc
ci nic^t billiger gemefen, ben ©enug be^ ^cld;^ blog ben
^a^cn unb bcm 9}Zcflre baltenbcn ^ricfter ^u gcflattcn, unb
bie übrigen Ojcifllic^en auö^ufd^licgcn, t>a obnebieg jcber »on
*) Artexaniis iü. c. a. 1330.) Comment. in Senteut. 4. tit. 17.
quaest. 3. Cistercieiises et quidam alii post sniutioiiem corpüiif»
et sanguinis dimillunt ibi aliquid de sanguiiie, lit infunda(ur
vinum purum et postea commuiiicÄUtes aliquid inde possiiit
wunere.
333
bicfcn ^u feiner S^it unb md) einer Drbnung ^um ©eituß
beiber ©cjlalren f)attc gelangen fonnen? ©elbjl bie größere
Slnja^l ber Söi;e« fonnte trenigilcnö bei biefem (^tftercicnfer^
©tatut feine fd)icf[ic^e ^ntfcfeulbigung fei)n; benn folfStfi wojl
in mancbem ^loffer mehrere Sat)enbrubcr gewjefcn fei)n, aU
orbinirrc 9)iün($e? Der örntc Sa^e, bem (6 auci) bei bcr Jci^
ligften ©ad)e fo Janbgreiflic^) gemaitt ttjurbe, bag er ©efcfcopf
fd)Iecbtercr 2(rt fe^, ül^ ber ^lerifu^. SBcIdjc jämmerliche
9lolle fpielt ober uid)t bei biefem öllem ter romifcbe QSifcfeofl
Oiut if)ix ^u fragen, gerabe gegen eine feiner beutlictflen Sr?
Hdrungen, trirb tiu neue ©enjo^n^eit, tt?elcl;c fo tridjtige bog^
matifd)c 53erdnberungen nacfe ffc^ ^icjen mugtc, in ben Äir^
c^en eingcfufjrt, in Sc^rbud^ern empfohlen, burd) ©efe^e fogar
aur Verpflichtung gemacht. Unb biefcr 2rog ober biefe ^df
flerlofigfeit irirb if)m gerabe von benjenigen ertriefen, bie er
aU feine Sicblingöfo^ne in feinem befonberpen @d)u^ batte.
Ungefähr fafl eben fo, irie eö hx bcr ©efd}ic^te ber Sebre üo»
ber 2:ranöfub(Iantiation gicng. 22ic Jat fic^ iüc{)t©regorVII.
nod) al^ ^llbcbranb, unb tvieber öud), ^a er fd}on ©regoc
irar, fo funjllid) genjunben, bem örmcu 23erengar burcfc^uJeU
fen? 2Bie? tuar e^ blog gurcbt, felbfl »erfegert ^u wjerbcn^
bie ibn cnblid) bcioog, ben verfolgten 5U einer britten beftimmj:
ten ©lauben^formel 5U n6t()igen '^)? gafl burd) hk gan^c
®efct)id)tc bcr Dogmatil ^Inbuvc^ ijl bcr ^abf! ©clave unb
nict)t ^?err, meificnö mebr in'ö Sutereffe einer gewiffen $ar^
t&ic gebogen, al^ eigener Urheber unb ©rifter bcrfelben.
(5in ©lud? ttjar eö für bie grei^eit ber ^irc^e, unb eiti
Jerrlic^eö Wlimi, ber 5Belt mand)mal nocf) einige Sa^re hk
SBa^r^eit ^u erhalten, bag feiten ölleDrbcn fogleic(? in einen
*) cf. gefjTngö Berengarius Turonensis. ^raunfc^wetg. 1770. 4.
33^
Soft (Timmtcn. ^aum ein paar 3^5« frujcr, aU obigem
(^tam beö (^iilcrciciftfc^cn ©cneralfapiteU abgefaßt ivurbe,
lieg ein ^rioj: M Äloflerö Äamalboli hk gotteöDienftlldjen
(5)ebraiipe feincö C)rt'enö fammel«, unt> unter tiefen ift cö
«oc|? gan^ unangcfod)tcne <BitU, bog alle ben ^clc^ genießen (L).
gu gleictrer ^ett aeigt ftd? aber aud[) in anbern ^irc^en bei,
feltfame ©ebrauc^, fcaö ^olf, tüenn ic& fo fagen barf, mit
Jalbgenjei^tem SBein ^u communicirem ^ö fet; unfdjicflid)^
fo Diel aöein ^u iüci&cn, aU einer grogen WIcuqc t>on (Sonif
municanten not^mcnbig fet). 2)er$rie(!cr lagt alfo ein n?enig
fonfefrirtcn SSein im ^cld) übrig, unb giegt fo ml ^u, füllt
ben 23ec&er fo oft, aU für ben übrigen Raufen erforbcrt wirb (M)..
§♦ 12.
^aum s^an^tg 3a5re nac^ jener 53erorbnutig M (^ijler*,
cienfer ©eneralfapttelö mac^t 3o6flnn $cfam, ein granciefa*-
ner^ (5ribifd)of t>Dn ^anterburt;, ein ®efe^ föj! gleichen S"'
Jalt^, nur t>a^ er bie (Sad)c fa(I fdjon für befannt an^unc^^
men fdjeint, unb einige beutlic^jcre SlBinfe ^ur 2Iufndrung ber
ganzen ©efd)ic^tc gibt (N).
,,9J?an belehre ta^ SSolt, bag t)a$, tvaö man i^nen ^u
,,trin!en gibt, nur gemeiner unb nic&t fonfefrirtcr ÖBein fei),
„blog in ber Qlbftcfet bargereic^t, tag fie bie geweifte J?o|lie
,,be|!o leichter fd)IudPen fonncn. Denn bei fo fleinen ^cmei^
„nen barf nur ber SDieflfe Jaltenbe ^riejler t>a^ 23lut M S^cxnx
^rinfen."
S8ei fleinen ©cmcinen i(I alfo ber 2Infang gemalt »vor»
ben, unb biefen Slnfang fd)eint ber S^tjum bcgünfligt ^u
l^aben, tia^ manche ben ©püIFelc^ für ben gen?cil)ten ^dd)
Jieltcn. Die ©eifilid)!eit glaubt jtd) aber bei i^rer gcmad)-
ten 53cränberuitg fo fidler, t)a^ ber erjbifctof bie 53erorbnung
335
mad^m tflrf, man foU bcm ^ol! bcn Srrt^um hciu^mtn, aU
o5 ifm ein öcwei^tcr Md) gegeben werbe.
§. 13.
(So entfc^elbenb nun öuc& biefe 55erorbnung lautet, unb
fo unbeflritten biefe ©ewoftnjcit ju fe^n fc^cint , fo erteilt
boc^ irteber gerabe baö ©cgent^eil aiii einem Nation einer
taum fec^ö Saßre Jernöd) gehaltenen ©i)nDbe 3U (Ercejler, «pe^
famö 53eroj:i)nung gtcngc nur auf tk ^rom^ t)on ^anterf
burp; fo lange bie 6acbe burc^ fein allgemeine^ ^ircl^enge*
fe^ entfc^ieben Ware, fo fonnte jeber Sifcl)of für (einen
©prengel uerfugcn, waö if;m gut bunfte (O i.),
„Dag bcr S^cufel btc 2at)cn nicl)t t)erfu&re^ an ber 2BaJr:j
,Mit be^ 2eibe« €6ri(ii s« zweifeln, foToU ber ^rie(!er'
„üor bcr (Kommunion (te unterrichten, bag (Te ben Selb,
„ber für fie am ^reu^ Jicng, unter bcr ^c^alt M
„55robö empfangen, unb ba^ 5Slut, baö für fi'e öergofc«
,/ttjarb, im ^elc^ trinfen."
3cÖ will \^k abwcc^felnben Stimmen pro unb contra
uid^t weiter fammeln, ba id) nid)t fo glucflic^ war, mel;rere
eigentlid;e ©cfc^e aufzutreiben, wcld)e tor ber ^ojlni^er ^t)^
nobe in biefer ^ad)c gegeben würben (00), unb einzelne
iDJeinungen bcr ^rit)arlc&rer wenig entfc^eiben !onnen.
2^raurig ift'ö, n^ie feit bem (I'nbe be6 brei^e^nten ^air^
Junbertö bie «Stimmen für W (Kommunion unter einer ©e^
jlalt fo fe^r fiel) t)ert)ielfdltigen (0 2.)^ «"b faum ^ic unb
t)a gleicbfam nur du SKuf au^ ben ^ißujlen ftc^ Joren lagt.
2:)em Sodann Dun^ ©cotu5 fallt gar nid)t mejr ein, über
bie grage, warum unter hü'ocix ©cflalten? ^u bifputiren; er
nimmt e^ aU gan^ be!annt an, bag bem Saiden fein ^elc&
gebühre, unb wenn er in feinem Kommentar in IV librum
336
sententiarum öuf bie S5tjlin!tion !omnit, wo Sombdrb fögt,
baß and) ba^ 5i3ol! WiU ©ejialtcn geniege, fo ge^t er barübcr
Jinttjcg, al^ ob er im Xcri gar nid;tö 5}?ßrfnjurbige3 gefuu^
bcn tarte (P).
§. 14,
^me @ett)o5nJclt, njelcfee ber ^Ibcrglaube tiöd) unb tta^
eingeführte unb ein ungludflid>cr einfaß etlicher ^iftcrcicnfer^
dbtc 3um erjlenmal gefe^magig gcmact)t ^attt, trurbe burc^
^•rbitterung gegen bijTentirenbe ^art^ien ^um ^J^raftcr bcr
Ortjoborie QCVoa\)lt. SlBa6 ftc^ Dorjer, tt)drc ein SBiberfpruc^
ba^u gefommett/ »ielleicöt eben lieber fo verloren f)äm, wie
c6 fic^) einfd)lic6, würbe jegt mit Sifer ausgebreitet, aU SRe*
ligionSartifel geprebigt, ber ganzen ^irc^e mit Gewalt angc^
5Wungcn, unb ta^ fKid)t, ta^ nodi) in ber Witu t>ci brei»
gejnten Sa^r^unbertö fajl jeber ^^nfl öIö €Jri(I genog, war
fc^on in ber 9}Zitte beS i^ler^e^nten 3al;r6unbcrtö ^u einem
pdbftlidjcn Dlfpenfationeartücl gemacht, ©emcine Sapcn jTiib
bem ^ifd)of ^u fRom nicfct fo wtdjtig, bog er i§rc 23ittc, hk
ftc il)m bringenb vorlegten, gndbig erfüllt Jdttc; nur ^onigen
unb gurfien wirb bie greubc mQoimt, fo wertj gehalten ^u
werben al6 ^riejler.
i
3m 3^5r 1344 erlaubt ^lemenö VI. bem ^er^cg
9?ormanbie, 3obann, bag er fein gan^cö ^chm ^inburd? beir
^cld) geniegen burfe, fclbji öl^bann nod? gcnicgcn burfe,
wenn er ^ontg werben follte, wenn cd\d) uodj fo öicl (Sta-
tuten unb ©ebrdudje bagcgcn waren. Sind) ber j'^er^og
£)tto bon S5urgunb erhielt im folgenben 3a^r gleid)c föcv^
00 i
gunfiigmig: nur luirb fejr (Ircng t>abü cingcfc^drft , 3U ücp
töten, bag fein SIergcrnig ijorge^c *).
\j^^ 5ölc fc^tvcr i|V^, bei einer foIc()en ^olirif beö romifcfeen
^^'J^ofe^ gelfl(Ten ^u bleiben! @ci?aörenn?eife trcrben bie SlBalben«
fer gcfc^Iacferet. 2llleö njirb aufgeboten, njöö menfc^licbe @c^
bulb crmuben, menfc()lic6e @tanb&öfttg?eit erfcfeuttern fönn*
Die armen £eute wollten ftc^ neben önbern a^nlicljen 53cr^
brechen, beren pe fid) fc^ulbig macbten, auc^ tm Äelcj) nic^t
nebmen lafifen. 35nen wirb in feinem ^unft nachgegeben;
tit gerect)te(!cn klagen werben nicfet gebort; wenn fie über
tcn ^eitfc^enfcblag feufjen, werben jie mit ©forpionen ge^öc^"
tiget, unb ein paar fran^ofifcfee ^rin^en erbalten tk ^rlaub^^
nig, welche biefen Unglucflicfeen fo bartnacfig verweigert wirb.
3n allen ^Schiebungen biefeö Sebenö bulbet man ben Unter,
f6;)kb ber (Stdnbe febr gern, unb ber einzige Zrofi t>tf armen
Unglucflicben hkibt gar su oft nur barin, ta^ in ©otteö ÜIu^
gen fein ^onig nicbt mebr fei), alö er, fdn tor^pglicbere«
Siecht an ©ottc^ i^'iuimel b^bc, alfo öuc^ fein tJor^Sglicfccre^
SRecbt an bem 55orfc&macf bimmlifcber greube, ber nacl) ^bri^
f!u$ ^eranilaltung in fol(^en religibfen ^panblungen liegen
foU. ^ai\ fcl)miegt fiel) noc^) williger unter bie Sbee,
td^ ber ^ricl^crjlanb eine ganj befonbere ©attung bon Wlm^
fcben auömacbe, weld)e ©otteö vorzüglichere ©nabe geniege,
cU unter ben emporenben ©ebanfen, bag ©ott bie SQ^enfc^en
nac& ©tanb unb ^Sorben fcbd^e.
SEenn nun aber bocfe ber 2lu0fpruc& hc^ (BtattWtir^
^brijli aU (^^rijli 2luöfpruc6 an^ufebcn i|I, unb (Ei)xifii Sluö--
fpruc^ fo viel gilt, al^ ©otte^ feierlid)e drfldrung, Yük quä-^
lenb mugte eö nicfet bicfem ^dtaltcv fet)n, bie einzige 5ßer*
fugung alle^ Äummer^, einen ber labenbjlen ©rnnbfd^c ber
^-) Raiualdi aiinales ad a. 1344. n. «2. 1345. n. 32.
©pittlerö fämmtt. 2Ser!e VIII. ^i,. 22
358
SRcligion ftc^ entriffen ju fejcn. 5Bir Jaben swar ^u wetiig
eigene ^lacftric^teu t)on ben ©albcnfcrn fclbjl *^), um burc<>
5i|Torifcbe Sfugniffc ^elgeu ^u fbnnen, wie fcjr jte biefen Drang
gefüllt iahen: aber bie (^efc^icbte ber b5§mifcbcn Unrubcit,
öuf «?clcbe un^ je^t bk ^eitorbnung fut)rt, bewetet gcnugfam,
wie groß ba^ 53crlangeti nad) bem unöerpummelten ©enug
bea Slbenbma^lö gcwefeu fe^ '•''•')•
*) ©od) ffc()t man n«^ i^ren ^(acjen iinb au^ ntand^ien 9Ser()ören
berfelben, mclfjc itn^ aufbehalten fmb, bajj ber ®etj unb ©tolj
bev ^riefler, wie fie tl)« bei 5(u^tf)eilung aller ©a!rantente
»erü&ten, eine ^auptmM^ i^i^er fOijenannten ß-mpörung gegen
bie 9)?utterfivd)e gemefen fei).
=■"•) 9)?an ^at eine l){f}or{fcf)e 57arf)ricf)t, bajj ^ommunton wnter bei^
ben ©eftalten felbft nod) ju ©nbe be^ merse^nten 3al)vl)un*
bert^ in g-ranfretrf) geit)öl)nnc() gewefen fet). SBei ©leiban (L. ix.)
eriäljlt ber fran5ürifcf)e (Sc^anbU au^ bem 9}iunbe feinet ^onig^
3=ranj l., ba^ biefer öftere Don alten £euten gel)ört tiaht, xoic
fie füi) ber ß'-rjäl)(ung iljrer 25äter nocf) tüot)l erinnern fönnten,
baf? 3u tl)rer Bett, ungefaljr alfo »er 120 fahren ; ba^. Slbenbs
' inal)l unter beiben ©eftatten jmar nirf)t mitten in ber ^h<i)e,
aber borf) in ben i^letnen (Kapellen, ©acriileien (saceiiis) aud-
getöeflt njorben fei;. 5(ud) ben Königen »on Jranfreid) werbe
baffelbe unter beiben ©eilatten gereid)t. 2Benn biefe ^ad)ri(^t
»ollfommen rtd)tig ijl:, fo tüirb ©erfon^ betragen auf ber (5ojl*
nijer @i)nobe ganj unbegreiflid). ©erfon war fd)on 1363 ge«
boren, unb !am fel)r frül)5eitig nad) ipari^. Sßenn bort (Jörn»
munton unter beiben ®eflalten nod) fo ganj gewöbniid) war,
fo t)ätte er bod) genjijj baoon iiniTen müJTen, unb tuie foU man
al^bann feinen ß'-ifer »erflehen, n)eld)en er auf ber ^oflnijec
©pnobe gegen bk 93öl)men beömegen beseugte ? SBenn ber ^ö-,
nig von Jvanh-eid) ba^ Ulbenbmabt orbentl{d)er Üßeife unter
Mbm ©efialtcn empfien«^, wie foU man e^ verfleben , baf? bem
^er^og 3ol)ann von ber ^ormanbie fein Privilegium aud) auf
bie Seit auögebel)nt wirb, wenn er ^i?nig werben follte? 23or»
ne^mlid) ßrifer gegen bie SSalbenfer fiatte ben sufriebenen ©e«
nu(j unter einer ©eftalt sum (J^arafter ber Crtl)oboxle ge*
mac^t; wo mufjte biefer (Jifer notbwenbig gärtet fepn, al^ in
^ranfreiif) ?
359
©ct)on 3u ^nbc be^ Dier^cjnten 3fl}r5unbcrt5 niad)tc cm
^rebigcr ^u ^rag, 5i}?att6ia6, groge SSewegungcn, bcm 53olf
feine SKec^tc njieber Jcr^ujlcÜen. €r Jielt and) wixflid) ^om*
munion unter bciben ©ejlalten. 6ein SSifcfeof wie« ijn ober
jum ©e^orfam. ^r mußte öuf einer ^rager ©ijnobc im
3aJr 1389 njiberrufen, unb «oc^ imS^^r 1410 iturben feine
@d)Tiftcn mit ben (Begriffen anberer ^eger tjerurt^eilt '^). di
f(^eint eine 5Bir!ung ber Ölufffarung gcnjefen ju fe^n, vrelcfee
man ber neu errid)teten Uniöerfitdt ^u ^rag ^u t>erbau!en ^at,
bag befonber« in ^bjmen öUe« fo rege njurbe. 3m ganzen
übrigen Deutfd)Ianb war tiefe 2^obe6ru&e. SSei ber Jduftgern
53erbinbung 3555menö unb grönfreicfe« war in bem crjlern
Ä&nigreic& m ©eij! litterarifc^er unb firc^Iic^er S^^dtigfeit
erwacfer, ber \)a^ biöderigc ^od) unmöglich mit ©ebulb tragen
fonntc. 2l6er brucfenb ^art war c^, ba^ bic ^irc()e|auc^ gc^
gen t)m aufgefidrtern ^^eil i^rcr 2i}?itglieber cigenjtunig auf
ijrer einmal angenommenen ©ewo^njeit bejianb. Unter ben^
jenigen, wdc^e jic^ hamaH ben Äelc^, ben i&nen ber ^riejler
fo gern gegeben idtu, Inxä) hcn 2lu^fprucf) ber Cbergeiftlicft*
feit entreigen laffen mugten, war gewig mancher, ber fid) er^
Innern fonnte, bag er felbjl ober wenig(!enö fein S3ater bctt
Äelc^ nod) getrunfen iaht, bag bei feierlicl)en ©elegenjeiteii
S3rob unb Sßein unter alle ^ommunicanten mit t>6llig un^
.part^eiifcbcr ©leid)&eit au^get^eilt worbcn. ößtc ^arl IV.
im 3a6r 1347 mit feiner ®ema()lin 33lanfa a\6 MiVQ in
^o^men ^u ^rag gefront werben, fo cmpftengen noc^ bcibc
ben 2eib unb t>a6 fölut ^Jrifli ^'<*) : unb brcigig Sabre nad)*
*) van der Hardt acia Couc. Coiisian«. Tom. III. Prolegom. pag. *0.
**) ^elicl, Men ^axU bei? iv. i. l\^il @. i8o.
22 *
540
Jcr wirb bcr ^rcbiflcr geflrnft, bcr tcm Saj>cn bcn Äelcfe rei*
d)en n?tll.
§. 17.
^(tum ^wan^ig S^^fc imc^ biefcm «öorfall crfc^cint 3o?
JaniKö ^ug, prcbigt mit ^ifer gegen mancl)c 5L^ißbrdud)e be«
^abOTuniö, fc^ont befonberö ber (5)ei(!Itd;!eit uub i&reß <StoU
3C« nicfet, rebet mit bem ^etvugtfei^n ber ^Sa^r^cir, unb fönn
um fo uncrfc^rocfencr fprccf)en, ba fein (Hinflug hei $of fe^r
f!arf, unb fein 5(nfe^en öuf ber Untberfitdt fe^r grog weit.
Slber tu 5öa(irjcit war je^t fc^on fo fe^r tjcriorcn, bag fie
felb(! bcr gjjöun nid)t me^r fanb, welchen (Eifer unb SntcrejTc
ha^w antrieb, (tc unermubet ^u fucfeen. ©leic^ öicr ^alnc
md) bem feierlichen SBiberruf beö ^att^la^, ber bod) 5{uf*
fe^en gemac{)t ^aben mag, weil er auf einer @i)nobe gcfd)a^,
würbe ^pug ^u «Prag 55accalaureuö, unb im 3^br 1400 i|! er
fc^on 'Ddaix ber tbeologifc^en Safultdt ba|elb(t. Unb bocfe
mad)t ben reblic^en Stöa^r^eitefreunb nid)tö argw6|)nifc^ gegen
t>k ©ewo^n^eit ber Äird)e, benn bamalö war e« immer nur
«o(^ ©ewo^n^eit, weil hk Kommunion unter einer ®effalt
Weber burc^ eine pdbjllic^e ^ntfc^eibung nocfe burcfe einen <Br)f
nobalfc^lug sum Äirc^engefe^ gemacht worben war. gurc^t
t)or ^e^erei f)dtte i&n alfo nid)t ^mxM galten fonnen, wenr
ja biefc gurc^t in ipujTen^ (Seele fam. d^ war ?0?angcl bei
(5in(id)t, roa^ ibm ^kv ^inbcrlic^ würbe. <Bm gu^rer 5ÜJif
lif terlieg i^n ^ier, benn aud) biefem war ber ®eban!c nic^
beigefallen, t>(i^ btc 9?ed)tc be« ^olf^ im Slbenbma^ thcn f
verwegen untcrbrucft worben fetten, alö burd) ^ntjtebung »be
Jeiligen ©d)rifr. göjl ein ^albe^ 3a^rl)unbcrt früher tjerlc
jtcö btc 5öa^rbeit in ^nglanb al^ in SSo^mcn, unb ung
öe^tet ÜBülif eilt fo wel cnrfd)lofiVnercr 5SJ?ann war aU S)m
fo t»tcl au^gcbrcitfterc ^tnfid)tfn f)Cittc aii bicfer, bie firc
341
Itd)e l'cjrc t>om 2Ibcnbmal&(, unb Don bcr ongenommcncn 5(rt
ber ©egentrart bcö Selbem unb S3lur^ (5^ri)li öuf baö prengftc
untcrfuc()te unb Idugnetc: fo fanb er boc^ bö^ nidjt, tt?fl^ er
3uer|l f)atu ftnbcn foücn, wa^ \i)m, ber jtc& fo t>iel mit bcr
S5ibcl öbgab, bog er eine eigene Uebcrfc^ung berfelben machte,
fflj! unmöglich ftdtte unbekannt bleiben niüjjen *).
SSic werben boc^ t>k ^inft'c^ten aud) ber mut^igjlen auf"
gefldrtejlen Äopfe t)ou ber ginfternig i^reö ^eitölter^ befc(jatterl
§. 18.
Wit ^ufl*en ttjar eö fc{)on ba^in gefornmen, bog er im
ftnjlern Äerfer ^u ^ojlnij erwartete, mit welcher Sobe^art er
ben ^flg ber ^lerifci werbe bögen müjTen'"""^: aU bie ^a^^
*) Dallaeus de ciiltibiis relig. Latinor. L. IV. p. 714. nimmt an,
bajj aurf) fd)on SBiflif auf bk SBteber^erflenunc} beö ^etcf)^ ge*
brungen Me; er üermutl)et e^ aber bIo(3 betraut, weil SBiflif
bie itran^fubilanttation unb 5(nbetung be^ ^tbenbrnab^^ö t^er*
warf, ^ie^c ^^olgeruug frf)eint mir fel)r ungetüijs su fepn. Weber;
baupt ift e^ gar nid)t ratbfam, einem ^Unn aU feine ^cU
nung juffbreiben, ma^ nur ^olcieruncj (wnb wäre e^ öucb notb^'
itenbige ^-olgerung) au^ feiner ?[)?einnng \\i, T^k (BUUe axi$
5tl)oma^ tjon 2Balben, welcbe 2)a((än^ hd^tijt, UmiU gar nid)t^,
itjeil \k nid)t t)on ^xHif, fonbern ron QBiflffitflen fprid)t; unb
nirf)t einmal eine ^Oieinnng ber ©iBltfi'tlen tjorträgt, fonbern
blo^ etwa^, ta6 auö bem 5rrtl)um ber SBiHift'ften notb=
wenbtg folgen (od. 2)aö \)ölli(|e ©ttllfcbweigen alter berer,
welcbe gegen 2öiflif gefcbrieben b^ben, beweist, wie mid) bün!t,
Ijinlängli*, H^ ber rcbltd^e ^ictm bfcfe ©aite nie berührt
ifdlc. 2?ie Äei^ermacber baben fonft kbc feiner g)?etnungen,
wenn fte nur ein wenig »om bamaligen bogmatifcben ©d)len-
brian abgieng, immer jebnmal gefäbrlid)er loorgeflellt, üU jTe
war; warum feilten ik l)ier rgefdjwiegen b«ben?
**) Calixtiis deCommiin. siib iina pag. 101. glaubt Unrii"btig/ ^U^
fei) bamalö nod) frei gewefen. ^ufj war aber fcbon im I?ecem=
ber 1414 gefangen, unb erft im 2lpril 1415 fteng Safobettu^
feine 9\eform an.
542
rict)t nuö S5&^men fam, bag i9?önncr feiner ^axtJ)H ju ^ra^
fo weit gcgöiigcn fcipcii, beni 53oI! tcu ^eld^ im 5lbenbraa()l
ju reidjcu. 9)?it einer ^alh unruhigen ©ejnfuc^t über t)cm
unruhigen ©ci(I feiner greunbe, empörtet er gcnöuere 9lacb^
rtc^t t)on i^ncn felbjl, (lejt t)icllei4)t baö gön^c ©cröcfet öld
einen ^unpgriff feiner geinbc an, weldje ijn turc^ folc^e Sr^
jadlungen recl)t t>erbogt mac^)en wollten '-')♦ ^r erfuhr aber
balD, lüte eö zugegangen fe^, unO ber reblicfce SD^ann bequemte
fi4) fclbfl noc^ im ©efdngnig ^u ben aufgetidrrcrn Sinitd;ten
feiner greunbe ^^y Die ©adje n?ar nejmlic(? folgenbe.
§. 19.
3« ^rög Jielt jtc^ ein gewiflTer ^eter t>on S5reöben öuf,
ter aU ein Sßalbenftfc^er ^eger t>crtrieben werben war* ^r
*) Aeneas Sylvias histor, Bohem. et Dubravins hi&tor, Bohem.
fol. 23.
**) dt fcf)n*eb bamaB eine 5(b{)anblung ^ de sanguine Christi sub
ßpecie villi a laicis sumendo, Opp. T. I. pag. 42. 2)iere
f(t)Ue^t ftd) mit hm SSorten: Ex jam dicüs vldetur, quod li-
cet et expedit laicis fidelibu^ siimere saiigiiinem Christi sub
specie viui. 2Bie er fc^on »on Sofinii hinweg, auf bciö ©c^lofj
©ottteben (ii\^xad)t worben war, fo fd^rieb {I)m ün böbmifcf)er
23aron, 3obann uon (Ibtum G. c. p. 71.): Roganms imime,
qiiod motivam et finalem iiitentioiiem vestram de commuiiione
calicis, si videbitur, praeseuti charia inseraiis, amicis tempore
Buo monstrandam. Quia fratrura adhuc aliqualis est scissio,
et propter illiid multi turbaiitur, ad vos et arbitrium vestrum
juxta scripta quaedam se refereiues. jpufj antwortete: De
sacrameuto calicis habetis scriptum, quod scripsi in Constauiia,
in quo sunt moiiva et uescio aliud dicere, nisi quod Evange-
lium et Epistolae Pauli sonant directe et tentum sive observa-
tum fuit in prinütiva Ecclesia. Si potest fieri , aitentelis , ut
saltirn permittatur per buUam illis dari, qui ex devoiioiie po-
»tulaverint, circumstantiis adhibitis.
54:
l^atre cjemalö ^u ^rag |lut)irt,..unb fuc^tc, ta er nun fonjl
feine bleibcnbc ©tdtte iattt, fein 25rob mit 3nformiren ^u
tcrbienen. (Einern greunb bcr Stöalbenfer fonnte c6 am leicfe^
teilen einfallen, ^u fragen: ift'ö aucl) recör, bog ^k !atI)oIifd;c
^irc^e bem Satjen ben ^eld) Dertveigert ? $cter, um feinen
Einfall bejlo genauer y>rufen ju laflfen, ge^t ^u bem nad) 5?uf-
fcn bamalö beröjmtcften Se^rer bcr 2!6eoIogic 3u ^rag, ^a^
fobelluö, unb bezeugt biefem feine SÖerwunberung , ta^ bcr
grogc Wi^branä) nic^t bemerft werbe, ber fi'd) mit (^nt^ie^
6ung bc^ ^eld)^ in ber Äirc^e cin9efd;lid;en '^aU. Uneritar^
Ut tjorgejaltene SBa^rfeiten fc^Iagcn fonjl mit ber i^nen gan^
eigenen ©tdrfe in ber ©eele ein, man fu^It'ö innigjl, bag
nic^t n>eiter notbig war, alö nur bie <Bad)c ^u boren. 2Ibcr
fo unbefangen war 3<j!obelIuö nid)t. ^r fc^Idgt er(l weiter
nad), ebc er feinem greunbe ©lauben ^ujlellt. 5ßieUeid;t in
ber ^ibel? ©o mit war man bamalö noc& nicbt gefommcn,
um in biefer bie Sßabrbeit ^ucrf! ^u fud)cn. Um in biefer bic
^abrbeit entfc^eibcnb ^u ftuben. 2)ie utidcfetcn 5ü3erfe be^
Dionpjiu^ beö ^rropagiten unb bie Briefe be6 ^i;prian fallen
ibm in bie 5?dube; weil er .in biefen ftubet, ^a^ ^u ijrer
3eit ber^cld) allgemein auögetbeilt wovbcn fev), fo ip er nun
gaui auf bcr ©eite fcineö grcuubeö, unb fangt fogleid; öit^^
t>a^ 2lbenbmabl unter beibcn ©cjlaltcn ^u reid)cnjf).
§. 20.
3u gelegenerer ^eitbdtte biefe neue begmatifd;c SRcDolutiou
nid)t fommen fonncn. 5öaö fd)on fa(! ein Sajibunbert lang
©e^nfud)t aller Patrioten ber ^irdje gewefen war, x\iai bei
wicbcrbolten «öerfucften biö^er fo oft mißlang, unb mit iebem
*) Aeneas Sylvias liistor. Boliem. vevgl ttlit van der Hardt acta
Conc. Constant. T. III. Prolej^om. pag. 18.
544,
^iglingcn bcu öUgcmcinen gujlaub bor ^ircl)e immer t)er=
fdjlimmerte, t>aö war t>an\aU eMiö) ^ut greube öflcr ©uN
bciiFenben 3U 6ranbc gcfommen. gu (5o|liiii tvar ben 5. 9?ot>.
1414 eine ©pnobß eröffnet iDorben, tjon bcrcn ganzer d'wu
xid)ttiiiQ ") fic() crtnarten lieg, bag bic fo lange gcn?unfct)te
^Keformatlon an $aupt unb ©liebern auegefü^rt, unb fo
mancher biöjer geii?alrfam erfticfte (Seufzer er^brt trerben (5nne.
Unter einer (o grogen ^enge i>on 53ifc^ofen unb Dof*
roren, al^ jtc^ ^ier au6 gran!reic&, 2)eutf(^lanb, Stallen,
(Jnglanb unb Spanien uerfammelt Jatten, war boc^ auc^
eine betrdc()tlict)e Sln^a^I ^u t)ermut^en, »reiche eine fo ojfcu
baliegenbc ^ai)xicit, aU tk ^c'muu^ beö ^ahUUu^ xvar,
nicfet migfennen njurben. Ser fromme ©erfon gldnjtc aU
einer ber erjlen S[)?dnner auf biefer «Berfammlung ; burcb fei»
neu füati unb burd; feine ^ntfcfeeibung würben bk wichtig*
pen 53erfi4gungen ber <Si;nDbe bewirft. %ür ipuffen war
3war ba^er nic&t i?iel ©ute« ^u ^ojfen, benn ©erfon war ein
9ZominaIi(!e unb ^agte ben 9^eali(!en ^?ug mit einem ^ifer,
ber gerabe burc^ feine grommigfeit nur J;)erjldrft würbe. 2Iber
war e^ nic^t wa^rfc^einlic^, bag, wenn auc^ ^ug jlerben
mugte, bag man ben SSoömen, i^reu Unwillen ^u befdnfrigen,
um fo williger in einer ©ac^e nachgeben werbe, welche ojnc»
tk^ nod) burcj^ fein ^irc^engefcg entfcfeieben war?
S. 21.
©c^lug ber (Soflni^er ©t)nobe, welche ben 15 5u»i 1415
in ber breite Jntcn ©effion abgefagt würbe (AAA):
**) 35ie glürflicfte 93errd)iebenl)eit ber efnrtcfttung ber eoflnt5ifc()en
6i)nobc t)er(^(ü-f>en mit ber @innrf)tun() ber 5orlH'r<iel)entcn unb
nadjfolqeubcn 0i;noben, f. in Sald?'^ ®efcf}id)te ber (Joncüien.
@. 810. 811.
545
„T>a in einigen @cöcnbcn t>on etlichen SBcmegencn ho
,M^ptn wirb, ba^ «Bol! müflfe ba^ Slbcnbma^l unter beibeu
„©c(ta(ten nic^t nur mit ^rob, fonbern a\iä) mit bem SBein
^^empfa^cn, man fonne, fclbjl öuc^, wenn mön nlc^t mejr
,,nöct)tcrn fcj), nod) nacfe bem ^ffcn fommuntciren; burc^
//bicfe iSfZeinungcn ober bie löbliche unb fo rechtmäßig QibiU
,MqU ©eivo^n^eit ber ^ird)e aU gottlob verworfen wirb, fo
,Mt ftct) bk ^eilige ©pnobe ^u (Softni^ entfc^lojTcn, t>k ©lau^
/,bigen gegen bicfen 3rrt^um ^u Derma^ren. ^ad) etngejol^
/,ten reifen ©urac^ten mehrerer ^feeologen unb ^anomjlen itf
Jläxt, bef4)Iießt unb befielt jte ölfo, wie folgt:
,,Der ^err ^&rif!u6 iat awar baö Jeiligc ©aframcnt
,,cr(l md) bem SIbenbeflen eingefe^t, unb feinen Slpolicln
,,unter beiben ©ef^ölten gegeben; ober ob ba^ fcfcon tcr
/,i?err (Sferij^uö get^an f)at, fo woßen boc^ bie Äirc^en^
,,gefcge, unb eö i(I loMic^ hergebrachte ©cwojnjeit ber
„^ixö)t, ha^ orbentlid)er SSeife nacfe bem (J(Ten \>(i^ ©a^
,,frament gar nic^t gehalten, noc^ t)on einem ©laubigen
„genommen werben bürfe.
/,Sn ber erjlen Äircfee Jaben ^war hk ©laubigen ba«
,,©aframent unter beiben ©e(?alten genojfcn, ober iefet
,/\fi'i einmal löblich eingefii^rte ©ewo^nfceit, ta^ f« nur
/,ber Ttif[t Jaltenbe $rie(ler unter beiben ©ejlalten gß*
„nk^t, gapen aber allein t>a^ SSrob empfangen.
/,SSer biefe ©ewo^n^eit ober ©efeg a\ß unerlaubt au^s
,,gibt, ober behauptet, ha^ t)ai ^eilige baburd) gcfcfemdlert
,,werbe, ber irrt; unb wenn er auf feinem 3vrtf)um bejarrt,
,,fo ijl er ein ^e^er. lieber ihx fomme ber SSifcbof ober fein
„Oifidal ober ber Sn^iuifttor! Die ^eilige ©pnobe wirb e^
,,ben gfirüen unb ^ifcfcbfen auöbrucfltc() aufgeben, bag gegen
„folc^e aU gegen ^e^er »erfahren werbe; man rufe ben weit«'
/blieben 2rrm au ^ulfc, um biejcnigen, welche fic& eigenitnnig
346
^,mac^en, bö3 53oI! unter bclbcn Ocpaltcn ju communicircii,
„mit gcfcftarfter ©träfe ^urcc^t ^u weifen/'
§. 22.
©c&limmer Jdtte e^ bod) nun irirfllcfe nicfet gejen f6n*
nen^ al^ e^ gegangen njör, unb ble ^eilige Spnobe ^atre nidjt
fcftfamer entfc^eiben fonnen, ali fte entfcfcicben ^au I5er
^err ^^riffu^ Jat ^n^ar böö ^Hbenbrnafel unter beiben ©cftöl*
len öuöget6eilt, bic erjle ^ir4)e blieb feinem Krempel getreu;
aber jel^t foll man e6 hd ^egerjlrafe für löblich ^alt^n, ni*t
3U tjun, n?a« ber ^err SJrijluö t^at, ber £)bfert)an3 ber dlte^
j!en (tri(!Iic^en ^irc^c entgegen S" bönbeln. 2)en S3b^men
war ntc^)t eingefallen, (Soncomitan^ 3u löugnen, ober ben ©e*
iiu§ unter beiben ©epalten für unumgdnglid) not^wenbig ^u
Jalten; (i'e glaubten nur, ber greijett eineö jeben überlaffcn
SU fbnnen, ob er baö 2lbenbmajl unter einer ober beiben
©ejlalten geniegen wolle, fte hielten ftc^ nur für berechtigt,
bie le^tere 2Irt öorjuglic^ 3U empfehlen. Slber bie ^dter ber
feiligen ©jjnobe tbun boc& fo dngfllic^, man mochte ^k Sebre
t)on ber (ioncomitan^ umflogen wollen, (te faflfen ijre dnU
fc^eibung fo ab, aU ob fte bloß gegen folcfce gebe, welche ben
©enug unter einer ©eflalt für unerlaubt balten, unb am
(Jnbe ber ©enteu^ fcbeint fte auf alle gerid;tet ^u werben,
welche tia^ SQolt unter bdbm ©ejlalten communiciren.
Unter allen 5Sifcbofen unb Doftoren ber @i)nobe ftnbet
ftcf), fo weit bie ©cfc^icbte biöjer aufgefldrt i^, nun bocb
<Juc^ nicfet ein einziger, ber für tk Kommunion unter beiben
®e(!alten gefprod)en \)ättc; nic^t aucf) nur ein einziger, bem
nur bie ^rt ber ^bfapng be^ Defret^ aU unfcbicflid^ auf«
gefallen wdre, bem ^errn ^Jrifluö unb ber ganzen alten
c^riplicfeen ^irc^e fo o^ne 53erfcbonen gerabe in'^ 5lntlife 5u
fagen, bag man entfc^loffen fet;, ba6 ©egent^eil Don bem ^
347
tinn, wai (te tjotcm SÖZan ^dt ntd} taB ®utac?)ten, böö
fid) ble ©tjnobe t>or6cr burd^ einige S^JeoIogen jlellcn lieg:
unb ber @t)nobflIfc^Iug felb|! i(! nt*tl anberl, ölö eine 2lb>
fur^ung bcfifcn, voa^ in bem ©utflc^ten enthalten war *). @o
gebulbig liegen jic& bie @pnobaIt)dter in biefcr wicfetigjlen 23c^
ratjfc()lagun9 fuhren, unb gegen ijre fonjlige ®en?o()n6eit eilen
fte fo fernen, aU ob bei reiferer Ueberlegung ctnjaö ^u t>er*
faumen irare, unb aU ob Äug nocfc B^W iJ«^ Urtjeild fe^n
mugte. Ungefähr 3U SInfang be$ SIprilö fi'eng Snfobeüu^ ju
^rag /eine fogenanntc S^ieuerung an, unb in ber 5iJ?itte bc«
Suniu^ njar ju €o(!nii über feine 5}?einung öbgcurt^eilt. @o
fc^nell befonnen ivaren ^ier bie ^rdlaten, tk ftc^ boc^ ^ix
gleicher 3^it fo I^Jn^^ n^c&t cntf4)Itegen fonnten, ben Xejrfal^
So^dun'^ M kleinen 3U t)erurt6eilen , burc^ tt^elc^en cUt
©ic^erbeit im ^iaat öufge^oben worbcn wäre, ^an fonnte
nic^t wiffen, ob ftc() bie greunbe ber neuen 9J?einung eigene
ftunig machen n?ürben, biefelbe ^u behaupten: unb boc^ tvirb
gleicfc mit geuer unb ^d)mvt gebrojt, ttjenn jte fid) ungeföjr
onterpetien foUten, bö^ uod) ferner gu t^un, wal ^Jrifiu^
unb feine erfte ^irc^e getjön Ratten,
§. 23.
X)it S5übmen erfuhren, wie ernjinc^ biefe l5roiung ge*
meint fci). ^k 53ert6eibigungen, »reiche fte ^rieben, würben
ali ©timme ber §Kebeüton angefeben^ würben fogleic^ öuf
25efebl ber (£i;"obe wiberlegt; e6 war nic&t einmal an eine
gelinberc 25cutung ^u benfen, bie man bem fc()on gemad^tm
Defret ^u geben gefucfjt iäm. ©in gan^e« ^bnigrcic^ würbe
in bie grogte ^Bewegung gefegt, tiel taufenb 5öi?enfcl)en wur*
ben auf bie (Sd[;lac{)tbanf geliefert, nur bag tU ©pnobe ifren
*) van der Hardt. Tom. UI. Part. XVH. Cap. 1.
548
togmatifc&en Einfall burd)fcgcn mochte. Unb am ^nbe war
ber gön^e Einfall boc^ t\\d)t€ anbereö aU (JigcnjTnn, ber jcl^t
gerabe gegen bie SSo^men feine 9^id)tuiig genommen f)atu,
Die (Siilercienfcr, unbeforgt, traö bic ©pnobe befc^)Ioflrcn ^abe,
hlkbm hd t^rev alten ©enjo^n^eir, nic^r bloß ben iJjjeffe (>al*
tenben ^rieftet hcn ^elcfe genießen ^u laffen, ^r(t ^n^ei unb
3tt?anjig Sabre naci) obigem Defret ber (^ojTni^cr 6t;nobe,
nac^bem unterbcg ^obmen fafl 311 ©runbe gerichtet n?ar, ent^
fc^lteßen auc^ fte jtct) cnblic^ freiwillig, ben ©ebraud) be^
^üd)6 md) ber SBeifc aller übrigen ^irc^en ein^ufc^rmifen.
©elbfl aber aud) bamalö war eö nic^t ©cborfam gegen bie
©t?nobaIt)erorbnung , ober gegen ein pdbftlicbeö 2;e!rer, fon^
bcrn freiwillige Dlac^a^mung ber romifc^en ^irdjengewobnbeit,
ju welcher jte blog bie Jßetrac^rnng M eigenen 9lu6en^ einer
folc^en ^eranflaltung bewogen babe (Q).
(E'ö war, al^ ob bk guten Wond)c bk ^ircfee immer ge?
rabe^u meipern wollten. SBie noc^ fein ^ird;engefc^ ba war,
woburcö (Kommunion ber Saj)en »erboten ober migratben wor*
ben wdre, fo macbeii |tc ein ©efe^ gegen biefelbe: wie bie
^ird)e ourc^ ben feierlid)j!en 6i)nobalfc^Iug allen, auger bem
ÜD^effe baltenben ^riejler, ben Md) abfpricl)t, fo braud)en (tc
ijn ung^ebinbert fort, unb vok tk Äird&e ben ©ebraud) beffcl^
ben för benjenigen, ber jtc^ bei fonftigen ortboboren ©e(Tnj=
nungen barnac^ feb"^/ ö"f ^^^ 91^"^ erlaubt, fo mad)en jTe
ijn jegt cr(l ^um ^riöilfgium M ?!J?egpfaffcn. Dod? bie
^iflercienfer waren lange nic^t bie einzigen, weld)e fid), obnc
begwegen gefrdnft ^u werben, um ben ©c^lug ber ^ojTni^cr
©ijnobe gar nid)t beffimmerten. Die Wmxäiz t>on Monte
Cassino brandeten aud) nod) im iSten Sab^bunbert ganj gc<
wojnlid) allgemeine Kommunion unter beiben ©eflalten ^•) unb
*) Gattula hiaioria Abbatiae Cassm. pag. 570. etc.
549
im Äloflcr (^lugci) nahmen jte e^ nocfe öm ^nbe be^ löten
Söftr^uiibertö olö gan^ hdaimt an (R), bag fte mit 9lcc^t
bic ©enjD^nljeit Wtten, bei bcr «DJcflfc nid^t bloß ben 5l}?e(Te
fyaltenbcn ^>rtcjter ben Md} gcniegen ^u löj^ciu @o voax eS
and; in S. Denys -), fo t>ieUeid)t nod) in mebrcren ^loRern,
t>on tüelcteu wir feine Olacfericbt ^aben. Die !9^ünd)e l)aUn
c^ üon je&er mit bem ©c^orfam ^egen tk Äirc^engefe^e «ic^t
fo genau genommen, mögen jTe alfo öud) ^ier i^ren eigenen
(ginn behalten ^aben: aber ba^ ber $abft fclbjl, nocf) nac^
ber (Sofiniier ©ijnobe, M genjijTen grogcn feierlicben (5om?
munionen, 2a«en getDo^nlic^ auc^ mit bem Äelc^ communi;«
cirt ^at, wo^ei- baför bie ^ntfcbulbigung? 5Bar er fm t)om
©efc^, baö bie ©pnobe fo o6nc Sluöna^me gemacht l)atu,
auf bcflfen Uebertrctung S5ann unb ^Strafe gefegt war? Wlaxf
tin y. fonnte bocfe t>k ^ojlni^er ©»nobe für feine unrecht*
mdgigc (Stjnobe galten; benn voax biefe unrechtmäßig, fo
war auc^ feine pdbftlid)e SBa^l unrect)tmdgig» SBar aber
bie i^ionobc tvirflic^ im b^iügen ©eif! öerfammclt geiuefen,
fo ttjar auG^ ber @d?Iug- im ^eiligen ©eijl abgefaßt, ta^
ber ^ab(l ber (g^nobc untern?orfen fe^, alfo 53erfögungcu
ber ©t)nobe nic&t nac^ SBillfur berdnbcrn, nicfct nac^ üBitt*
för felbi! übertreten fonne. 5[l?ug eö nic^t jebcm auffcllenb
6art fc^einen, bag ber ©efe^gcber, fogar mit 53ergiegung Die«
Icn ?[)?enfd)cnblutö , über ber 23eobacbtung eine^ gewiflfen ©e^
fe^eö iüad)r, unb (elbft bafltelbc red)t feierlich übertritt. Sin
junger 256&me, ein 23accalaurcu^ ber S[»jfbicin, lieg fc^on ben
^abjt '^Sflaxün V. ba€ $dctcrlid;e unb SSiberfprecfeenbe cine^
fold)en 23erfaf)ren5 füllen. 5BeiI er ercommiuiicirt fevjn follte,
unb fein ©eiftlictjcr ercommuntcirt fei;n foUtc, wenn er in
^ü&men benÄelc^ geniege, fo flellte er pd) ^u ber Jeit, wenn
''■) Gerberti disqiilsit. lilurgica?. P. I. p. 388.'
550
ter ^abjl fclb(! Sa^en ben ^clc^ reic^fc^ in bie SÄciJe ber
€omniunicanten , unb cm^ftcng alfo au^ eigener (lo^er 5?anb
M ^abfl€ hcibt ©eftalten. Ser qOabfl njurbc nun feit tiefer
$cit fparfamcr mit Darreid^uug be^ ^elc^^ an bie Satjen *)♦
Ueber^aupt fcfeeint cö no4) eine feftr bunüc ©ac^e ^u
fe^n, wa^ aM in ber ^ojlnljer ©t)nobe in bicfer ©acfec öcr^
Jönbclt Worten fe^. ^dt^cnoifm unb fO^dnner, weldK e^
toüfornmen genau tci^m fonnten, wa6 eigentlich Sn^ölt i^rer
2)efrete gewefen, läugnen gan^ beutlicö/ ta^ t>k ^\x(i)t ba*
mal« fiberjaupt Sa^en^^ommunion unter beiten ®e(!alten öer^
boten Jabe. S^Jomaö t)on QBalten, einer ber berö6mte(!en
©treiter gegen t>k 5Baltenfer, unt ter felbj! auf ter ^offni^
jer @t)note gcgentüdrtig war, Idugnet, tag irgent etwa« Wiu
ter Derboten fe»), aU ter ganj allgemeine ©enug te« ^clcfe« (T).
^ie Äird)e b^be ben großen ^rdlaten t>a^ Sflecfet ju bifpenft*
ren, fiberlaflfen, unb man Jabe wirflic^ bäuftge S5eifpiele fol^
cfter Difpenfationen. X)a$ eigene ©efldntnig eine« pdb(tlic|)en
Legaten enthält ungefähr eine gleid;c Dlac^ric^t (ü).
§. 24.
2Iuf ber ©ijnobe ju 23afel foHte ter gebier öerbejfert
werten, welchen ta« voreilige 53crfabren ter ^o(!ni^ifcfecn ^d#
ter Qcmadot iatu, ^an fab, tag e« klö^ux gcwefen war,
fct)olajlifd)e ^tjpotbefen in einen St)notalfcblug ju t>erwanteln,
öl« tiefem (5i()notalfd;lug hü einem «ßolf ©ultig!cit ju t?er^
fcftaffen, beflen 2li*fmer!famfeit auf bie 2Babrbcit einmal er^
regt war. Die SSaöler (S^nobe ^am fdjon im S^br 1433
Deputirte nac^ ^rag gefd;icft, um bie .klagen unt teu gan^
jen 3uj!anb ber ©ac^e an Ott unb ©teile ^u uutcrfud^eu;
^) Calixtus de Coraminiiouc siih utraque pag. 48. ex narraiioiie
Ucnr. Kalt«iseii, Archiepiscopi Xidrosiensis.
551
bicfe mettun, tok unm&glic^ e« fc^, ein 53erlangcn gn tau*
fc^cn, baö alle ©cmut^er in ©aftrung gefegt {lattc, unb Der*
iiattcUn ölfo im Dramen ber @t)nobc bcn ©enug unter UU
ben ©eflalten.
Die 53ereini9ung, tvelcfee im 3^6^ 1^36 ^u Sglau
3wifd)en ben 335^mcn unb bcr far^oIifc()cn ^ircfee errichtet
würbe, grunbetc fid> üorjüglid) öuf bicfcö ^rit)ilegium : unb
^u ^nbe M nad)fo(genben 3«5rö würbe ein feierlicher ©t)no^
balfc^Iug in S3flfel baruber öbgefagt; ober fo tJoU SSeflim^
mungen unb ?3crfcferöubungen, wie man ftcft immer au^brucfr,
wenn man enblid) eine ©ac^e giebt, tik man ungern gtebt (S).
Einmal foüte juge(!anben werben, bag Kommunion unter
beiben ©ejlalten gar nicfet fraft eine« g&ttli4)en Sefejlö norj*
wcnbig fe^; fo, ^a^ alfo tu ^ird)e bcjlimmen fbnne, wie
berjenige ba^ 5Ibenbmabl genicgcn folle, ber eö nic^t aU
3}?eflfe baltcnber q)riefier genieße, gweiten^, ^oncomitanj
foll nic^t bezweifelt werben, bag auc^ berjentge ben ganzen
^brijlu^, ba^ gan^e Slbenbma^I gcnicge, ber blog eine ©e#
jlalt empfange. S5ritten^, man foll Kommunion unter einer
©ejlalt, bie fo gar Ibblicfe biö^er gcbalten worben fei), für m
Äircl)engcfe^ Jaltcn, ta^ ojine (^ntfcfceibuug ber ^irc^e nicfet
geanbcrt werben börfe.
25aö gan^e Defret war offenbar nic^t^ weniger, aU freie
«löicberberftcauug bea ^cld)^. d^ war me^r 2Ipologie für
ba^ 53erfaören ber (Si^nobabatcr felbjl, bag fte ha^ fRc(i)t ge*
"^aht batten, ben 25obmen ben Äclc^ ju gejiatten, unb ber
^aupt^Srrtbum blieb noc& immer unberührt, bag e^ in ber
^malt ber ^ixd)e fev), folc^e ^erau(!altungen Sbrifli wiüffir^
lic^ iu dnbern. Qlüe mit biefem 2ebrfa§ 3ufammen6dngenbc
bogmatifc^e ©d^c würben fovgfdltig gerettet, unb ba felbjl um
tiefe $dt bit Streitfrage gerabe in grogerer ^Bewegung war^
wer ben §bd;ften entfc^eibcnbcn Oluefpruc^ in ber ^ird?e 1)aU,
552
ber ^abjl ober eine ofumcnlfc^ß ©pnobc: fo voat mit bcr
gönnen (^ntfc^clbung, bag tu Äird)e ben ©eimg unter einer
©cjlalt erlauben fonnc, aUc^ inö Ungcnjtflfe hineingeworfen.
SQ)er ijl benn alfo bie Äircbe, an welche ic^ nild) ^u wcnben
5abe? Sü'^ Difpenfationlartifel für ben ^ab(I, ober nur für
eine b!umcnifd;c (2j)nobe? Die 25afelfc^en 55dter trerbcn njo^I
ben erllern unter bem 9lömen Älvc^e nicbt gemeint Jaben;
ober wirb man immer fogleicb ivicbcr eine ofumcnifd^e ^i)^
nobe jufammcnbringen, bloß um in foId;en gdüeu ju M:
ipenjiren ?
§, 25.
©0 fc6n?an!enb unb jtveibeutig biefe^ T)dxct bcr S5afcli^
fc^en 53dter war, fo ^ielt ftcb bod) t^k ©ijnobe t>icl bcrnunf*«
tiger, aU bie Doftoren unb @c^oIa|li!er hiefe« $titalmß» S«
t(l ein trauriger Slnblicf, wie jtd) tk ©rünbe fiir Sommuniwi
unter einer ©eftalt fo gewaltig »ermejrt baben, fobalb 2Bi^
berfprucb entjlanb; wie man ben befirlttenen @a^ fogleicfe in
öUe S^^eite beö ©^jlemö ^u t?erfledjten fucbte, um bemfelbcn
ein ©ewicl)t p tjerfcbaffen, unb volc man t>on einer Söebaup»-
tung 3ur önbern fortfcbritt, bi« man ficb enblic^ bajin ttxf
kr, SU be{iauptcn, eö fct) gegen €&rijli eigene (Jinfe^ung, ba«
Slbenbmajl unter beiben ©ejlalten au balten. SSeil nur ein
©Ott fei), fo gelte aud) nur eine ©eflalt im 2IbenbmaJI ^%
ffite bie ©ewobn&eit auffam, Sa^cn ben ^elcb ju ent*
Rieben, fo fprac^ man bloß t)on notjwenbiger Sorgfalt, tafi
fein 2!ropfen beö ^eiligen 5Bein^ verloren gebe ; man braucbte
bie Se^re öon ber Soncomitanj aH (5ntfcbulbigung bcr neu*
Angenommenen 6itte, nicfet al« SHedjtögrunb, bag bie neue
*) 25tcfen 9?cmet^ führten G^-fntge in evid)fen jur 3dt ber ^Hefbt:
mntton. @. Seckendorf Iiist. Luther. li. 111. fol. 71.
553
©cwo^n^cit not^tvcnbig fcp, d^ fo(!ctc Wlüf}i, hi^ man ftd>
t>ou ber 3bcc losarbeitete, bag bod) im ^'mpfang be5 gan5cn
©aframentö itic^r ©uabe enthalten fc^, aU beim ©eiiug be^
§8robö alUhu ^lan mad)te nur nacft bem berrfd)euben @clfl
jeiieö 3^italterö t>iclfad)e QInmerfungen barübcr, ba^ bod; nid)t
überall ^cin 5U bcfommen feiv bag cö fo fc^wcr ftalte, hiv
fefrirten ^cin außubcit>af;vcn , tveil er gar 3U leicht faucr
tüerbc, ta^ mand)e 9)?enfc^e«, natürlid)er SIbnetgung falber,
ben ^cin gar iiidjr fc^mccfc« fonnten, olfo bod) nur unter
einer ©cfralt commuuiciren mügteiu 5Q?it biefen ©runben
tt)ec^felte man hi^ ^u (5nbe be^ Dier^eßnten S^^r^unbert^. dlmx
wax'i, aU ob mit einemmal tu ©eijler crjl cnrad)t vrdren,
unb crft entbccft Ratten, ttjie baö, njo^u fi'c fo ganj sufdllig
gekommen waren, fraft beö gan3en (Si)(Iem^ dugerj! notß^
njenbig fe^. ©elbfl ber fromme ©erfon fanb ein ftalb Du?
^cnb ©ruube me^r, aU man üor.ijm geiüugt ^atrc, unb lieg
ftd) in $8cmetfe ein, bie unö t)on feinem ^&ara!tcr eine fd;Icd)te
9}2einung mad)en mugten, wenn xüd)t burd) ^0 mk S3eifpiele
ber ©efd)id)te fldrlic^ beriefen n?drc, wie unfd;dblid) oft t>k
fc^dblic^lten bogmatifc^en Meinungen in einer gewijfen ^cele
liegen fonncn ").
Der eigene Q3organg S^rijTi war immer einer ber (!dr!*
jtcn (Einwurfe gegen bie neue ©ewo^n^eit ber ^ird)e, ©e*
Wüjnlid) antworteten hk 5}ert^cibiger ber Ic^tern, bag (äi)vif
jluö jiicr blog feine 5Ipo(lcl communicirt ^abc , bie Sfteprdfen?
tanten aller f&nftigen Se{)rer ber Äird}e. SBenn ber ^?err
) ^k nnd)folgenben 53ewetfe für bk (Kommunion nnter einer
©eftalt finb auö ben @ct)riften ej:cerpirt, iüeld)e im britteu
^aubv* ber mt^n beö (Jofkiijer Scncilium entl^atten iiixt, ?0?fi^
Ocng fi'uben \ia fiel) in ber ©rfnnft be^ ^attiler^ ©crfon.
»pittlec^ fämmtl. SÖevfe VIII. 95b. 23
i54
€6riiluö hm ^A)^m Utk ttJolTen baö Siecht ^um ^eld) cicbcn,
fo datte er muffen feine ^ütUx Wlaxia herbeirufen, feine ^n^ei
unb ftcbcii^ig Sönger, ben ©irtj mit feiner gamllie, in bef^
fen ^aufe er t»aö £)ftcrlamm ög. ^an finbe n?obI, ba§
(S^riftuö 4000 9J?cnfc()cn mit 7 23roben unb 2 SHcl)en, unb
tt)teber 5000 mit 5 $5roben unb 2 gM'c&en gefpeiöt 6abe: ober
fein 5Bort bat)on> bag er i{>nen ^u trinfen gegeben» gur bie
©mauntifcfecn Sungcr brac^ er wo1)l t>a^ 25rob, aber er gab
i&nen feinen SBein. (Jö ifi alfo gen)ig nid;t fein Stöiüe, ta^
^a\)m unter beiben ^cfialtm communiciren foUen» Der^or*
bilber im alten ^^ejiament für bie £at)cncommunion fanb man
fo t)ief, ha^ Id) fie ^ter nic^t beifugen mag; man fann obne>
bieg jc^ou auö bem angeführten fdjlicgcn, trie leicht fiel) ^ier
t)ieleö mag ^abm fi'uben iaffen. SBcil ber5Ipo)Tcl$auIu6 an bie
(Sorint^er fc^rieb, „wenn i^r jufammen fommt ^u effen/' (o
i(l baö offenbarer ^avti^, bag Kommunion unter einer Q)Cf
fla{t ttjar, benn t6 beigt ja nic^t ^u effen unb ^u trinFen,
X>ic anbere babci fte^eube ©teüe aber, wo ^'ffcn unb 2:rinFen
jufammengefe^t wirb, beweife nic^t weiter, aU bag üiellcic^t
burd) 93erleitung falfc^er Se^rer aud) (Kommunion unter beiben
©ef^alten flatt fanb, unb ber ^ypoflel will anfangt nur hU
grobfrcn Srrtbumer, bie ftc& bei tjnen in hm Spaltungen be5
2lbenbmal;l^ eingefcfelicfjen iattm, t)erbefferm (3ibt mau cub*
lic^ auc^ ben SBorten be^ -SIpojlcl^ tbre t)oU!ommenfte Stt^rfe,
fo liegt md)t mebr barin, aU bag Kommunion unter bcibeu
©eftalten in einigen oricntaüfdjcn Äird;cn gewbbnlid) war;
lagt fic^ aber bierauö fcf^liegen, mt eö im ^ccibeut gcßaltcn
werben muffe?
§. 27.
. Um ber mei(!cn ©teilen bcr ^trd}enöafer M ju wevbiu,
öu« wdti)m man bewies, bag ejemal^ ber ^^i\ä) allgemein
355
aü^Qttf)c\it «?urbc, br(iud)tc man üor^uglic^) eincu ge^Dlflfcn
cregctifdjcn Uniöerfalfunjlgriif, 2öenn in einer ©teile Dorfam,
t>a§ bk ©laubigen ben Scib ^^rifti genojien unb ha^ SSlut
(Sftrifti getrunfcn Ratten, fo w^x t^k fd)üne S)iftinftion bereit,
ba^ le^tere fei) concomitative, aber «ic^t sub proprio signo
vini 3u öerfte^cn»
Qß würbe unerträglich ermubenb feyn, bie fcbonen Snter^
prctationcn ^u geigen, n?elcl)e \>oi\ t)tn bcutlicbl^en Ölusbrudfe«
ber Äird)ent)ater gemacbt würben, unb wenn e6 ouf ^ dugerjie
cntam, ba§ ftc^ t>k ©teile gar nicßt nu^x berbre^en lieg: fo
fagtc man, bie erjle (triftlid)e ^ircl)e Jat'^ gut gemeint, aber
wir wiflfen'^ nun bcfl*er, ©ie iat in manchen anbern ^wnh
ten geirrt, wo wir bie ©ad^e nun rid)tiger einfejen; warum
foUten wir nid)t auc^ I;ier unferer aufgefldrtern ßinftc^t fol^
gen, 2)ie alte ^ird;c mag immerhin gut regiert worben fet)n,
aber bk S^egierung ber neuern ^irc^e ijl n od) Diel t>ollfom^
mener unb beffer; überhaupt i(! i^r ganaer gujlanb tiel trejf^
lieber, al5 ber Suftanb ber alten Äircbe*
2Im ^duftgüen waren bie ©runbe, welche man t>on ber
©d)icf(id;!cit ber ©acbe ^efna^m, unb üon ben mannigfaltig
gen ©efa^ren, weld;e not&wenbig barauö entfpringcn mugten,
wenn (Kommunion unter bübm ©eflalten eingeführt werben
foHre. (5ö fci) ungefcbicft, ba^ mit niedrem Umfiduben 3U
tjun, wa^ ficO mit wenigem t^un laffe. Sßo&er ein fo groger
^eld),' um eine groge ©cmeine, unb ^ur Ärieg^^eit eine ganje
2Irmee mit ^ein ^u communiciren? ^iaufenbjdSrig fei; fd)o«
bie (SJewo^n^eit, nur unter einer ©ejlalt bem 23Dlf ba^
Slbenbma^l auö^ut^eilen, Dh bie Äird;e biefeö gan^e 3a5r^
taufenb binburc^ geirrt Jaben foU? Ob fo Diele fromme g^cn^
fcben geirrt ^aben follen , welche ^ba^ ^Ibenbma^l bi^ber unter
einer @e|lalt empftengcn, fo t>iele fromme q}riefter, weld)c
hai 2Ibcnbmo&l biö^er unter einer G)e|lalt auötbcilten? ^b
25 *
556
ftd) uberjöupt ber Sa^e clubilbcn foö, fo öicl wm^ su fe^u,
fliö ber ^rlejler? SBer foüte eö glöuben, ba^ ®crfou^ bcr
fromme ©erfon, in feinem SBiberfpruc^ fo it>eit gieng, ben
©enug unter beiben ©e(!aften aU ein ^erbrecl;cn an^ufe^en,
baö ewige ^erbömmung iidc^ (tc^ ^ic^e?
lauter folc^e ©runbe unb «oc^ t>iel mehrere fann mön
in bcn @d)riftett entn^icfelt ftnben , tüdd)t ^u ben ^nun ber
(^ojlni^cr ©i)nobe ^ur SSert^eibigung bcr einmcil angenommen
nen ©en?oJn!)cit 9efct)rieben würben» Sßer Jdtte nod) im
Smolften S^^riunbert geglaubt, ba^ jtc^ fo gar mU ©runbe
für b'u Kommunion iinter einer ©efialt würben finbcn laf?
fen ; wie 'f)at jtcö bk ©ejlalt unb Sln^abl öUer bicfer ©rünbe
wiebcr gcdnbcrt, biö jTe jt4) red^t an S3ojfuetö fcl)opferifd)en
Söi^ anjufc^miegen vou^tnu ; 2)aö Jdtte ber S3ifc^of i?on
SKeauv gewig M(i)t nad)gefagt: wir jTnb Diel fluger gewor?
ben, al6 bie er(Ie Ätrd)e, ^an mug er(! t>iele ^polemifer t)or
fid) gehabt f}aUii, c^e man redjt sufammcn^dngenb unb fo
polemifiren lernt, baß man nic^t fein eigene^ (Si;pcm untere
grabt, ^ba ber ^ö^e wertj ijl'ö boc^, ^ier, eje wir weiter
fovtf erretten, cimn SSltcf auf bk wid)tige Q3erdnberung ^uriicf:?
zuwerfen, welche anö bem grogen Hinflug cntfprang, ben nun
bk ^oftoren unb ©c^olajlifer öuf bk o|fcntIid;en ^ird;cneut^
fd)cibungen Ratten.
§, 28,
^k ^ifd)ofe waren fc^on fett etlichen Sajrjunberten,
bcfonberö in S)eutfd)Ianb, folc^e S^mcii geworben, ba^ jte
jic^ um SKeltgion unb Stieologie ivenig befummerten. dhx
S3ifd}of i)on SÖZain^ ftatte mit feinen Äaiferwajlcn unbjlaifcr?
cntfc^uugcn, mit 3?eictötdgcn unb SRcicfee^ofen ^u t^un, bajj
er nid;t einmal feine ^roöincialfijnoben rtd)tig gu b^lten
wugtc, ml weniger m gelehrten tjieologtfc^^en ^enntniffen
5ü7
SJ^elj^cr fci)n fonnte. Da^ Wlonopol biefer 5Irt t)on ^cnnt#
nlffcn gicng faj! einzig auf bie Uiiiöcrfttätöle^rer über. 25ic
(5ntfcf)elbun9 t)on biefcn bejlinimten £)rt^obor{e uub Jpetero?
boric; bie t§cologifc()eti gafultdteu waren nun baö geirorben,
tt>aö c^emal^ bie ©ijnobcn waren, unb wenn jegt aud) @t)sf
noben ^ufammengerufcn würben, alfo aud) eine ®elegen()cit
jtcü setgte, wo man ben ^ifd)of im glanjenbjten ©enug feiner
alten SHedjtc ^dtte erwarrcn follen, fo waren eö wieber bie
I^oftoren ber SJeoIogte unb be^ fanonifd)en 3^cd)t^, nac&
bcren ©utadpten alle^ ö'^"9/ weld}c bcn 58ifd;of gleic^fam im
©dngelbanb führten, Die ^fjeologie Jat ton bicfer 5Jerdnbe^
rung feinen D^u^en gehabt, (i^ i^ i&r t)on je^cr am bejlen
gegangen/ wenn biejenigcn, wcld)e hü t(iren 25ejlimmungen
ctwaö C^ntfcfccibenbeö ^u fprec^en Ratten, in forglofcm ^d)lün\^
mer lagen» Da6 bogmatifd^e ganfen entleibet felb(! bem
großen i^aufen, wenn er fie^t, mc wenig barauf Qia(i)ta
mx\), unb t)u Sdnge ber geit bringt enblic^ bk notl^igc 2lb^
Ju()Iung tjon felbfl f}ert)or, wenn nur nid)tg wdf)renb ber ei^
genttidjen ©d^rung im ojfentlid)en Flamen ber ^ird;e fefige?
fei^t wirb, Qiw Unglödf ijl e^ alfo immer, wenn berjenige,
fo ber I)ifputaror ijl, ^ugleic^ aud) 6entcnj fprec^en fann,
unb baö©efu^I t)on ber 5öid)tigfeit unferer SS}?einung, hci€ jtc&
burc^ baö I5ifputtren fclbjl bfterö ^u tief einbrucft, wirb gar
leid)t fo ftarf, ha§ man ade^ aufbietet, um feiner ^ijpot^efe
t>aB (Siegel unt)erbrud)Iid)er ^ird)enort^oborie aufbrücfen ju
lajTen. (2o lange fi'd; bie S5ifcbofe felbft um ^^eologic be^
fummerten, auf ^roüincial^ unb oFumenifc()en ©ijuDben ijber
SrrtNm unb 9^ec^tgldubigfeit urt^eilten, Jo ijl eö ewiger
^ampf, ha^ jebe Partie ibren tf;eologifd;en 6pra^gebrauc&
allgemein ^errfcbenb mad)en, burcbauö in feinem SiBort ber
anbern nadjgebeu will. SBie ftc^ bk (Scenc ber itier!*'
wüfbigen c^riillic^en Äirc&engefc(?id;tc immer raejr a«6 timx
358
Otknt in bcn Occibcnt breite, fo war nm\ iud)t nur wcgcit
ber UinDiflTcnScit bcr occibentalifdjen 55ifcl;ofß t>or bogmatifc^cn
©treittgfeiten lange gelt jtc^er — bie ^\)i\ot)al\d)[u^c finb in
biefer^eriobc nieijtenö ^olijciocrfögungcn bcr^ircfee — fonbcni
ber S3ifc^Df tüar überöaupt mc&r Se^en^mann al6 S^eologe.
Slbcr iu ber legteru ^palftc beö eilfrea 3a^r^unberta traten
\ik ^Jejrer ber ö^'^ß'^" ©tiftöfc^ulen in gleiche bogmatifc^c
€'iferfuc^t ein. ^iefe ^•ifcrfnd}t tDurbe bn bem S'ntfieljen ber
Uniöerftfdten burd) tid^ jcl^t bejlanblg fortbaucrnbc perfbn*
lic&e 3"f<^ttimcntreffen ber geubtc|len t&eofogifc^en ©treiter
auf ba^ Jeftigl^e geret^t^ Jdttc aber gemig feinen @d;aben gc*
"^aht, xomn ber 23ifd)of, in t^eologifd)en SJJeinungen felbjl
mö^t ganj unerfahrene über hk ^ppot^efen ^dttc urt^eilen
fcnnen, welche ber ©c^olajlifer ciU ^oc^f! tricbtige ©laubenö^
ortücl anfa^» 9lun war aber eben ber 6cbo(aftifer, ber mit
feinem ©egner hi^ ^u ^eigerfeit bifputirt f)Cittc, jugleic^ auc6
tk (Seele bcr ©i)noben* (5ö würben alfo ^?i;pot5efen ein^el«
«er fcbolaftifc&er ©eften tn ben SKang ber ©laubenöartifcl
erhoben, über beren JSeobacfttung mit geuer wnb ©d;wcrt
gehalten würbe.
§, 29.
^^ h<^kt Jtc6 in ber ©efc^icbte ber Jier cr^d^Iten bogma=
tifc^en SSerdnberungcn, i)H^ cö Dor^üglicJ) ^pajloren waren,
welche ben Wi^btaud) ber d'nt^ic^ung be^ 5Ibcnbma^IfcIc^e
wa^rna^men. üS^att^iaö, ber bie ©ad?e nod) t>or 3afobellu«
rege machte, 3a!obe(Iuö fcIbiT, fein crfter 2ln()dngcr SR^cpan^fi
«nb noc& mehrere t)on ben crjlcn greunbcn ber SSieberfierffel;
lung beö ^cld)ö waren ^^rebigcr ^u ^rag. 5?ingcgcn alTc
bicjcnigen, \mld)c fid) bcfonbcrö gicicb anfangt am bcftigftcn
wibcrfci^ten, mit (Scbriftcn unb perfonitdjcm Slnfc^cn bagcgen
fod)ten, warerf — ^rofefforcn. S5roba unD Si)?auririuö waren
^rofeflforcn bcr ^^cologic ju ^rag; 92ifoIauö m\ X^hnUl
359
fpul wax q}rofcfi*or ^n SBicn; ©crfoii luör (San^Icr bcr Unf^
Derfitdt q)öriö; brtö ©utad)tcn, m^ mld)cm ber nflcl;t()eili9e
©c^Iug ber ^oftni^cr ©i;not)ß cntfprang, t)crfagtcu lauter Dof?
toren bcr ^^^eologic unb bee fanonifd)cn S^e^tö, ^n bcr
^criobe bcr untcrbrucfrc» unb unter bcm Drurf cniporflrcben^
ben Sreif;cit — t>om ^ojlni^cr (Soncilium an biö auf bic
geifcn ber SKeformation — fpred)cn iricber öoriuglid; nur
^mi fc^r berühmte .^rebiger, 3o[;ann tjon ^cfalia unb ^ieroj^
ii^muö ©auanarola, tjon bem 9]ul^cn bcö 2Ibcnbma{;Iö unter
bcit)Ctt ©cftartcn. 53icaetd)t iji eö 3"föM, bcr cö gcrabc fo
gcfpiclt Ut; t)tcllcld;t lagt fid) baö^^)&dnomen «rfldrcn, wenn
man fido in \^k hamaliQC Sage bicfcr beiben ^laflcn t)0«
9i}?eufd?cn ^inctnbcnft, irie jtd) tiDt&iiJcnblg 3been bcr einen
unb ber anbern bilben niugten* ^ .. , ^
(5^ ij^ übrigen^ dn trauriger ^ettjeiö ber brödfenben %m
f?ernig, trcld)c oft auf ganzen 3a6r&unbcrten rujt, \>a% bic
^rofcfliorcn ber S!§eologie unb l>tß fanonifcben SRcc^t^, trelc^en
bie Qjntbccfung fo ml ud§cr ^atu im 2öcge liegen folten, nic^t
barauf gefommen ftnb. 3m Defret, -— irclcbeö bod) baö^?aupt#
bud) eine6 jebcn S^^cologcn unb ^anoniftcn animaö^tn, (tan^
ben ienc ^tDci bcru^nue ©teilen t>on Sco I. unb ©elaftuö, öu6
n)clct)en bie uut>erfdlfcbte @itte bcr altern d)rif{lid)en ^ird)c fo
bcutlic^ erhellt. 2Iuc^ tnic ©loflTe, ttJelcber man boc^ fonjl itt
fold;cn Jetten mc6r glaubte, aU bem ^iert felbjl, erfidrte ftc&
ganj entfdjeibenb für Kommunion unter beiben ©e|laltcn (X):
unb bod) ^tieber ^ert nod) ©loflfc fonnten t^nen bic 2Iugcn
offnen, bcun über ber?0?enge neuer Defretalfammlungen fd)icn
©ratiau'6 Dcfret mit allen feinen ©loflfen unb (Kommentator
reu fajl t?crgcffen s« «Jcrbcn, unb ber rbmifd)e ^?of t?crlor
ntc^t^ taUir trenn man baö alte ^irc{)enrecl)t bcrgag, unb
t)a5 neue im ©ongc blieb, ^cinc 23etracf)tung m bcr Q)C^
lc^^tcngefd;id)te fanu ben ©eift fo fcjr jur ^poffnung neuer
560
^ntbccfungen beleben, aU wimx man \iii)t, wie g(tn3e (^c^öa*
rcn nbrtgcnd großer ?9idniicr, irclc^e fid) red)r cigeiitlid) 25e^
nifö falber mit 0cnnjfen Sbcen befd^dfrigcn mußten, oft burc^
SaHunbcrie Jinburcö bie Dffculiegcnbfte ^ajrjeit öerfßnnt
babciu
Daö ^ritjilegium, trelc^e^ bie SSo^nicn Dou bcii 5?dfd^
fcfeen ^dter erbalten bitten, n?ör Don ivenigcm Olu^en.
X)k ^i;not)c trurbe gefprengt, man na^m nur baejenigc baiif*
barlid) an, n?aö t>iefelbe ^ur ^'rleicbterung be^ pdbftlicben ^Cf
c^eö gctban b^tte, unb für Deutfcblanb ging felbft ein gropev
Z^dl biefer 55ortbeiIe burcb Äaifer griebricb'^ 25lütftnnigfeit
verloren« ^cr eigene ©cblug ber <5t)nobe, ben gegennjdrtigen
@trcitpun!t betrcjfenb, war fo, bag man nicbt bamit ^ufrie*
ben fcjjn fonnte. Die Sifilbenten waren fcbon longe in i^rcm
Sßiberfprud) weiter fortgefcbritten, aU fte anfangt gewagt
batten, ftc hielten nun t>k Kommunion unter beiben ©ej!alten
nid;t allein für erlaubt unb nöglid), fonbern auc^ für notb*
wenbig* Die @i)nDbe aber fpracb t)on berfelben aU t>Dn ber
gleic()gii[tig|Ien ©acbe, bcbauptetc auebriicflid;, ha^ l)kv fein
SSefebl ^briflt ftatt iahe.
Die 235bnKn fucbten ficb fo t>iel mbglid) mit ©cwaft
ber SBaffen in bem einmal ergriffenen 53orrcd;t ^u behaupten.
Die ^iiun tbreö Äbnigö ^obicbrab waren ibnen gunfilg, aber
ihte Partie würbe bocb burd) eige-nc innere Unruhen fe^r gc*
fd}wdcbt, unb ii gieng wie bei ben meiften folcber SReligionö^
^wif^igfeiten ; reblid)er ^ifer för bk ^löat)r[)ett mad)tc ben ^Uu
fang, politifc^e 2Ibftd)ten ndbrtcn ta^ einmal aiige3Ünbete
gcuer, unb ber große ^;>aufen meint c^ tielleidjt aud) nocb
im gortgang ebriid), aber bk 2lnfu^rcr braud)en tcn ^ifer
beffelben blog aU Sßcrf^cug , tbre (Entwürfe burcbjutrcibeu.
361
I5cr ^ah]i fujr fnbeg noc^ immer bcjldnblg fort, gegen
tiefen öllgemclucn ©cbraud) Ui ^clcfe6 im 5Ibenl)ma()l ^u
eifern; er fu^r aber auc^ nod) immer fort, felbjl mönd)ma(
Söi;en mit bem Md) ju communiciren. 2)en orientalifc^e»
€^ripen, irelc^e ftd; ber £)bcr^errfct)öft beö ^pabjleö unterwarf
fen, erlaubte 'man gen?übnltd) ben ®enug beä ^cinö im
Slbenbma^l; ber ^ab)l fclbjt freute i^nen barubcr eine eigene
S5uÜe auö'-"'). 5D?an t)klt {k für ^inreid)enb ortbobor, trenn
jte nur ben r5mifc()en Q3ifc^of aU bbct)jlcn S^ic^ter ber ^ircfee
önuabmen, man Qab nur ben 9}iiifionarien ben gcbeime»
2(uftrag, aud? bierin uni)ermerft ©itte ber rbmifc^en ^ircfee
ein^ufubren '••''•')♦ 5löar hk ^uge biefer verlornen orientalifc^en
^inber fo gar öiel angencbmer, aU ^a& 5ScibebaIten einer
blübcn'ben ^irc^e beö IDccibentö, t^a^ man jenen fo t)iel nac&^
gab, unb biefe fo (treng bielt?
5lber bei aller biefer Strenge, womit man grogentbeil^
<juc^ hk ©puren ber ebemalö allgemeinen ^elcbcommunion ju
vertilgen fuc^te, begieng boc^ bie ®eiftli(^!eit einen gebier, ^u
beffen (E'ntfdjulbigung fic& nic^tö befercö fagen U^t^ aU 'oa^
*) 5lnton ^upfltn, S5ifrf)of t)on S3eviba, »erjl'cbert bei 6flrpi,
(VI. g3ucb, §. 104) bie ^uUe felbfl gefcben lu iiaben. 2)ie
6*rjäl)lun3 biit 5war einige Unnd)tic}feiten , mld)e a&er bie
v^aiiptrad)e nid)t aufbeben.
^■^3 cf. Histoire critiqiie de la creance des Coutiimes des nations
du Levant, par le Sr. de Moni (R. Simon) Frcfrt. 1684. 13.
unb Lettres de Clement XIV. Tom. I. pa«;. 427. Les repro-
clies, que voiis faites conliniiellement ä l'Eglise Romaine sur
le Celibat , qii'on prescrit aux Pretres , 6c sur la Coupe qu'ou
retranche aux fideles dans la parücipation aux Saint s Mjste-
res, tombent d'eux memes , quand on pense que le mariage
& le sacerdoce se reunissent encore lous les jours che^ les
Grecs Cadioliques, äc qu'ou y donue ä tous les fideles l«a
Commimiou sous le» deux Especes.
362
bi€ 9J?cttfd)cn öller ©tdttbc über ba5 öm njcnigflcn nödjbenr'
hxi, iraö i^nen burc^ bcftanbtge (3mol)ui)clt öUtdgllcl) irurbe*
SÖtan lieg bie ©cmelne gettjo^nlicö nac^ ber (Sommunton tia^
hdannu alu Sieb fingen: „®ott fet) gelobet unb gebenebeiet,
„ber un5 i^at gefpelfet mit feinem Skifcfee unb mit feinem.
„95Iute." (Sie bönfren aUc für ben ©enuj5 be5 gefegneteu
^elcfe^^ ttnb feinet t)on allen Jatte ben ^clcö getrunfen '^O-
^ie ©emeine fang t^ai ^k\) bcutfc^, unb fang eö felbjl ^u
ben $dtm, tüie man burdS) bie boömifc^en Unruben auf aUc6
Jdtte aufmcrffam gemacht werben foUen, tt?aö bie ©cfd)tct)te
beö ^benbma^lfelcfc^ betraf. 2Iber bk !^e&re t>on bcr ^onco^
mitani tüar njobi ba^ jic^erflc ^ülfömittel, folc^e balbDerbli*
c^ene ©puren ber JlöaMeit, aU ©puren ber 5Ba^r6eit, un^
fenntlicö ju machen* S[}?ancfce andere ©ctrobnbeiten , welche
cr(i an i:)erfctiebenen jDrten M Spaltung beö Slbenbmabl^ be^
tha^tct tDurben, waren eben folc^e bunÜe SInfpielungen auf
jenen e^emalö glücf liebern ^uffanb ber ^irc^e , ta (^f)xi\ii ©e^
^ot öon SD^enfcbenfflgungett t\o6) nicbt Derbrdngt war. X)k
€artbdufer mifc^teu immer ein' wenig gefegnetcn ^dn unter
ben gemeinen SSein^, bcr bem ^olf gegeben würbe '-"")♦ ^^^
^5nig in granfrcic^ genoß tiod) immer ben ^eld; hei feiner
*) 9^teberer, OTninblung t)on ©infü^nmc^ be^ teutfcfKu ©efang^
in bie et?rtncielifrf)-.lutl)ertfc^e ^'vcbe. 9]ürn6er(i, 1759. 8. ©.
77, ttjo hic{e 95emerfung ön^ £utl)er'^ 6d)nft i^on ber ©in*
felmelTe unb ^faffenmeilje angefül)rt tüirb. <Bdh\i im ^DTefjcas
non ber römtfcl)en Äird)e tjT eine beutltc^e ©teile, ii>elif)e vors
au^)''el3t, i>a{i alle (Jonimunicanten bctt ÄeM) tx'mUix, f. Liiien-
thal de canone Missae Gregoriano. p. 147. 154. SBCi^eu ber
9?i0iarabifc^en Liturgie üergl. eine fll)ulid)e Söemerfuug bei Dai-
laeus de cultibus religiosis latinonim. pag. 657.
**) ©. bie von (SatirtU^ (de Commiin. sub lUraqiic, pag. 294.)
crccrpirte ©teile M Slatouiu^ uon ^Palermo, ber im % I47i
flarb.
563
Krönung*)/ ö«* t^^^t ^aifer cmpftcug iin U^W (tuS .ber
tvüt)n(i(^ nld;t anber^, aU bog öuOcr bem ^DicflTc ^altcnben.
^ricjlcr aucl; bcr Dia!onu5 utib ©ubblafonu6 unb hk jirei
5lffi|^cntcn ben Äelc^ empftcngcti.
9?ocl) e^c Sut^cr unb ^n-'ins^I »tiit öufgeüartcrn (JinficfctCtt
unb inic glucfltc^crem Erfolg aU S^n^ ^h Wi^hvandi^i ber
r6mlf(tcn ^trd)c öngrtffen, fo lieg fic^ noc^ f)k unb ba eine
einzelne ©tinime cincö Patrioten, ein lauter ©cuf^cr cinc^
nnerfcljrocfcncn SD?önncö ^oren, ber über tu «Berflummclung
be^ ^bcnbma^U bttterltd) flögte '^=^=^). 5lber folcfcer Plegien ein^
5clner SDi'rguergnugten irar man fd)on yji fefer gewohnt, alö bag
man fe^r barauf geachtet iättc, unb mcnn ta^ klagen ^u
laut njurfee, fo wacf)te bic Snciuifition. (5ö wjar eine ^'rfc^öt^
terung not^wenbig, wie bicjcntgc, trefc^e ?ut&cr'^ ftanbfjaftcr
^üt\) ttjagte, um bie fDienfc^en auö einem tiefen 6(^laf ^tt
iredfen, in wcld)ci\ fie nun fo bcrfuufen traren, ta^ fte ba^,
rpaa S3cfe6l ^Jri(?i ii^ar, für unerlaubt pleitem
§. 31.
Wlan raug fejr Begierig feijti, ^u fefen, Xük fid) unfre
^Reformatoren Ui 2Ibjleüung biefe^ SOJigbrauc^a betrugen, m\^
*) 5(u5 ben ?ßerl)anbhnt(iett ber Srientfrfjen 0i)nobe fier)t matt,
tüi^ ber ilönig von ^ranfvetd) tkk^ Sorrec^t bi^ tn bte "iSJiittc
be^ ferf)^jel)nten 5«()v(ninbevt^ (lanj ungel)inbert geno^.
**) ivnifer ^rfebrid) III. ^d^mt ber erfie geroefen ju fei)n, bcr ben
Äeld) (lud) au^ ber ^anb be^ ^^abfle^ nicht empjieng« ©. ba^
Seugni^ be^ 5(u9ufiin ^atrtciu^, eineö Slugenjeugen , bei gjia*
biüott in Conuneutar. in Ordhiem Romanum. Mus. Iial. Tom.
II. pag. 63. •
***) 6. hk fc^on oBen angeführten ^öl^^nn be 25efölia unb ipieron-
©atjanarola bei glöduö in Catal. teet. verit. p. 56Q unb 565.
564
wie fi'cö ijrc SSegrIjfe nad) unb md) flu§ Der I^ammcrung
5ert>orfampftßn. 2öeil bic 23ü6mcn bcn fefd) im 2Ibenbmrt()I
genoffctt, unb bic ^o^men für ^c^er ge^aftcn rcurbcn, bereu
Sfnbßnfen um fo ber^agrer war, ba (te ben Deutfc^en i^re
folbatifc&e SSefc&rung^fucfet einigemal fe^r übel t)er<joltcn f)au
tcn : fo wax tüenigjlenö ein groger ^^eil beß ^oIF^ gegen ben
©enug beö Äelc^ö ouf ba6 augerpe eingenommen, unb ^um
jtjeil öu^ ben ldc()erlid)(len ©runben gegen benfelbcn einge?
nommen, tck benn Einige bamal^ fe^r fct)arfftnnig fcl)logen,
njeil nur ein ©Ott fei), fo burfe öucft nur eine ®c(!alc im
@a!rament fei)n '').
^rj^ im S^^r 1519, alfo ^wei Sö^re nacf) ben crflen
Sf^eformationöbercegungen, tiat Sui^er ben erften Slntrurf in
einer ^rebigt, n^orin er ben SSunfc^ dugerte, t>a^ t)k ^irc^c
öuf einer öllgemeinen ©pnobe ben ®enug beiber ©cjlalten
fon?o6( \icn Saiden aU ben ?)rie|Iern erlauben mochte. dVö^t
tag er ben ©enug beiber ©eflalten ffir not^wenbig gehalten,
nicfet bag i&m Unt)erbrucl)lid;feit ber (Jinfcgung (S^rijli junt
©runb feines Sßunfc^cö gebient Jdtte, fonbern eö fcbien i^m
5iemlicl) unb fein, fo beö ^aframentö ©ej^alt unb gorm ober
geic^en nid)t ftücflic^ eineö Zf)dU, fonbern gan^ gegeben
ttjörbe (Y). gf^iemanb na^m grogereö 5lergernig an biefer fo
befc^eiben gedugerten 9}^£inung Sut^er'S, als «^fr^og ©eorg
t>on ©ac^fen. Diefer be!lagte fic^ in einem eigenen ©cfjreibeii
an ben (S^urfiirfTen , vok weit fein SÖittcnbcrgifcber !I^eolog
fort^ufc^reiten anfange, unb wie alleS ^ule^t barauf anfom^
men werbe, bag aud) 0acbfen t)on ben 3rrt^umern ber ^6^*
ttien nicbt me^r frei bleibe, gricbric^ ber Slßeife, ber über?
l^aupt feine jjanb in ben t^eologifcbcn (Streitigfeiten gar ntc^t
^abm njoUte, öcrftc^crte feinem "iBctter, Sutl;ern felb|l feine
*) Seckendorf, histor. Liulieran. L. 111. fol. 71.
565
sD?einung öu^fcc^tcu ^u laflfcn *). Unb Sut^cr irör dud) mann^
.lic^ gcnu^, fid; t)ou tcx erfreu <Spur ber UBöJr^ett nic|?t ju^
rucffc^rccfcn gu laflcn; er tjcrt^eibigtc feine ^rebigt gegen m
2)efret=""-0 ^(^^ 55lfc^ofö öoii 9}^eigcn, unb nod) blieb er felbjl
öuct) in bicfer 2Ipologic nur bei ber erflen ©pur ber ^ai)\'idt, ha^
i\i, er fanb, ta^ baö biö^cr ©egiaubtc, fliö ob eö ^e^erei
fei), beibe (l)e(lalrcn ^u nehmen, burcbau6 nid)t aU SlBal^rJeit
Igelten fonne; hcix 6errfd;enben Sfrt^um abzulegen, rcat er
ftarf genug, aber nod) nicbt öufgcHärt genug, bie SSö^rfeeit
felbd 3u fcjen. ©ine ober beibe (^ejlalten genießen, er Jölt
cö für ganj gfeict)gultig , fo für gön^ gleidjgültig , bog er
bömal6 glaubte, niön fonnte and) gar feine genießen; ober
,^ „. weil er ihm fo glcid;gültig i(I, fo irtll er auf ben ©enug
beiber ©e(!alten feinen ^ann gefegt tt?t|Ten.
X^od) and) nur biefe befcpeibenen SBünfcfie ttjerben tjm
in ber pabrtlicl)en Bannbulle unter biejenigen S^rt^umer ge*
red^nef, rcoburd) er ^rcommunication t^erbient^abe"'-^*), unb
eö ijl 5u i)ern?unbern , ta§ Sut^er, welchen fonf! ein unge*
rechter Sßiberfprud) feiner ©egncr fo leiert ^ur tiefern llnter=
fud}ung unb ^ur ^o^er getriebenen SBiberfc^licbfeit reifte, bieg^
mal nun bod^ noc^ fa(! gan^e ac^t 3a^rc blog tahd blieb,
ben ©enuß unter beiben ©cpalten al^ bie t^or^üglid) beflferc
©cnjo^n^ett ^u empfehlen, o^nc ben alleinigen ®e«ug beö
S5robeö ju t>ern?erfen -f).
-'^) Seckendorl, liistor. Lutherauismi. Lib. I. Sect. 26. g. LXIV.
**-) ®a^ ©efret erc^icng ben 24. ^an, 1520. £utl)er'^ SSert^ei*
biiiungdfttvift füllbet ]i(i) Opp. T. I. Altenb. fol. 339.
***) iDie päbftlicbe 33ulle, von einem Oviginalejcemplar ci&gebrurft,
f. in ©attlev'^ ©efd). ber iperj» \>on 2ßirtemb. Ii. SSanb, fScU
lagen n. 93. i>a^. 218.
t) ^'Jlan fiel)t liiqc^ auper vielen anbern stellen aurf) tu ber er*
566
«Bon SO^a^ljIcr $6tlippeii ift e^ weniger unerwartet "^0 ;
nur founte tß fdpeiiieu, al^ ob man im t^eoIogifd;eu Som^
freu OTiu^gaöe bev fäcf}rtri-f)cu SSiiTtation^artii^el, mld)^ im ^a^r
1528 evfd)kn, 11)0 nod) erlaubt mvi), ben ©c^wa^en ba^ t>(benb*
ntal)l unter einer ©ejtalt su reirf)en. aSergl. Äapp'iJ 3)ofu-
mcnte jur Oicformatiuu^Ijillovie. Tom. i. p. i — so, njo baö
@utad)teit aligebruift i(t, ba^ gutl)ev in biefer 6i\d)c au^fteUte.
ß:r blieb fid) freilid) tüät)renb biefer Seit nic^t immer gleid) in
feiner ?Dieinuncj. 3. 95. in ber (Bd)xi\tr welche er im 3al)r
1525 von ber 9}ie(Te Ijcrau^gab, I}ält er für nötl)ig, Uit)z ©e=
flalten ju reid)en, man l)abe mit ber (Sc^tt)ad)^eit ber Seute
lange genug ©cbulb getragen; unb quf ben Slu^fprnd) einer
©i)nobe i^önnc man e^ nid)t au^fei;en,.benn fonfb ipürbe man
®otte^ £)vbnung menfd)nd)er 3BilIMr unterwerfen. Ser 25erf.
ber fäc^rtfdKu ^BifitationöavtiBet i\i: jwar eigentlid) 0}ieland)tt)on,
tiUein man fann (U lüenigften^ ^ier and) jum ^cmi^ ber @e=
finnungen £utl)er'^ gebraud)en, weil fi'e »on Sutl)er reolbirt unb
gerabe im Slrti^el \?om 3lbenbmal)t geanbert roorben ftnb, cf.
Seckeiidorf histor. Luiheran. L. II. §. 36. n. 3. etc. Q^ i\t
begannt, baj} in ber 5lu^gaDe ber ^\\itcit' 2lrt. vom 3. 1538
bie oben bemerkte ©teile vom ©ebraud) be^ QlbenbmabU unter
einer ©eflalt I)iniveggelaffen rouvbe. 55ie' 9lad)gtebigfeit ber
ilid)\i\'d)tn Otefovmatoren i\l übrigen^ um fo merhvürbiger , ha
in anbern ju gleid)er 3dt verfertigten ivird)enorbnut!gen, j. 5Ö.
ber BtaU 35raunrd)iVcigifd)en, iveld)e aud), im 3^\in 1528 er=
fd)ien, hie (Kommunion unter beiUn ©eflalten ol)ne ©infc^rän*
fung befol)len mirb. -
*) 3n feineu locis theologicis , in ber crften Älaife »on ^nic^a--
ben, iveld)e fidy nad) ber vortreffTid)en etafftfifation bei> gelel>r*
ten Xprn. ^ailorö ©trobel vom 3al)r 1521 H^ 1555 erilrecct,
erklärte (id) 9^eland)t^on im 2irt. de abrogatione legis mit
folgenben SBorten: Do Eucharistia judico non peccare, qui
scientes linjiis lihertatis Ä videntes alieriitra signi parle ntaii-
lur. 3u ber Sln^gabe ber locorum vom 3al)r 1555 im QUt.
de lil)erta(e Chrisiiaiia, ha er von maud^eu observatiouibiiji
exteriii55 in casu necessitatis rebet: Hanc habent excusat ioiiein
pii in exteris naiionibus, ubi non possunt habere, qui porril-
gant eis integrum sacramentum.
367
^^cnbiüm, wo mau eö tod) nicfet mc^r fo fejr mit ©d&wa^
cl)eii ju tNn iam, tid poiümx iäm fprßc()en fcnncu, cU
in @cl)rifteit für tja6 53olf, ober für ben großen Raufen feU
ner (Scclforger.
513a5rfct)einnd) 6«t ober boc^ tiefe ©elinbigfeit unfcrcr
9^cformatorcn in einer @ad;c, «?o ba^ 53olf gör leicht bi^
3ur (Erbitterung b^tte gereift tücrben fonuen, ber 2Iu6breitung
bcr 5Saf)rf)cit i?Dr3ugIic^ genullt. (Sd)on im 3a6r i524 burf^
ten fic cö auf bcm Sveicb^tag ^u 5li4rnbcrg njagen, ungeac&tet
öüer ^Protejlatiouen hi^ ^pnig gerbinanb'^ unb M ^Dapftli^
d?en Legaten, Slbcnbmabl ""ter bäten ©eflalten itti bafige«
Slugufnnernofter ju b^Iten. ?9?ebr aU t)iertaufenb q)erfouen
genoffen baffclbe. ©clbft bk ©cfenjefter bcö ilflifer^, bie ©er
mablin beö vertriebenen Äbnigö t)ou Ddnemarf; stiele von
gcrbinanb*^ 5?ofleuten unb einige öom SHeic^^regiment liegen
fic^ unter beibcn ©cftalten communiciren*). darljTabt'^ frür^
mifdjer S^eformötion^eifer unb feine, mc e^ Sutber^n nocfe im
Sabr 1522 fd)icn, öU^uboreiligc (i'iufubrung ber unöerfdlfc&^
teren 6iite mögen ben fonjl fo feurigen Sutbcr bier fcbr be?
bad)tfam gemad}t böben. Unb man barf e4 vooU "icbt ol^
eigcntlld}e 9}?einung bicfeö grogen fD^anne^ , fonbern nur aU
fcHrig au^gcbrucftc (Erbitterung über tcn 3tt)ang mcnfc^licjjcr
^uttcritdt anfe^en , wenn er im ^a^t 152(> in feiner Slöeife
c^riftlid}e ?}?cffe ^u b^lten fc^reibt: ,,3« »if fagen weiter,
„wo ftc^ ber gall begebe, ta^ ein ^oncilium foId;6 (^bübt
„(SJcjlaltcn 3u geniegen) fegt unb aulicge, wollten wir allers^
„bing nid)t bciber (^eilalt brauchen, ja wir. wollten benn eril
„ju ^cracttung beibe beö ^oucilii unb fcineö (3tbotß allein
) Seckendorf, historia Lutlieranismi Lib. I. §. 163. add. I. pag.
289. 8palatiiü Diarium ap. Schelliorn ajnoeiiif. litter. Tom. IV.
pag. 413.
568
„tliut ober grtr feiner, unb mit ntc&ten beibcr bröud)cn, unb
„aUc bic "bcrfluc^en, fo ouö Gewalt beffelben ^oucilii unb
,,feinc^ ^c\i\)H bcibcrlei ©cjlalt bvauel;en irürbcu."
§. 32,
3n ber Ölugöburglfc^en ^onfcfjton , im er(!en Slrtifel bcr
5QJIgbrdud)e , erHdren ftc^ unfere ^Reformatoren gön^ entfd)el*
benb für Kommunion unter betten ©eilaltcn, fie füljlrcn ben
Unterfrf){eb Xüo\)l, lua^ e6 ^et0e, in ^^rtt>fltfd)rlften nöc^gcben^
ober öffentlich öufgeforbert ein ^efenntnig beffen abzulegen,
voa^ man für SÖa^r^eit Jalte. ^et ben irenifc^en 53erfuc^en,
tt)eld)e noc^ öuf eben biefem Slugeburger 3^eic^ötage gemad^t
ttjurben, trollten hk 53ert^eibiger ber fat&Dlifd)en Se^rfd^e ben
©enng be^ ^clc^^ einräumen, aber tu Sieformatoren foUtcn
öuc^ ben ©enug unter einer ©ejlalt aU red)tmdgig erfenncm
^alt unb marm auö einem SO^unbe, greunbe, ta^ taugt
liiert, fprad) D. Sut^er'^'); man tertrarf tk öngebotenen
griebenöbcbingungen.
55ugcn6agen fi'eng, tric e^ fc^eint, ^uerj! an, in einem
Jdrtern S^on ^u fpred)en» ©r lieg 1533 ein 25ud) ^u OBit«»
tenbcrg \üiber hk ^e[d;biebc brudfen. ©c^on ber 2itel t>cr#
rdtb ben feurigen ^olemifer, unb bcr 3n()alt ber <Sd)rift ent^f
fprid)t bem ^itel. Sut^er irurbc gleid)fam mit (Gewalt bin*
eingebogen, dvoa^ mebr in ^ugen^agcnö Slon ^n fprccljeit.,
^per^og ©eorg t>on @act>fen, biefer uuöerfobnlic^e geinb b^r
^Reformation, gab feinen !at6oIifc()en ©eiftlic^en 25efebl/ allen
benen, tt)eld)e ta^ Slbenbmabl hei i^imx empfangen iDijrben,
einen ^ettel ^u geben, ber bicrauf an bic C)brigfeit au<?c\elic?
fert xccxhcn foUte. 2Ber feinen ^ettel b^tte, tjerrirtb (id) ale*
bann eben baburc^ alö einen Diffcnter, mil er tct^ Slbenb.-
t
*) Sleidan , Commeiit. L. IX. pag. 235.
le
569
majl mcfet nnttv einer ©ejtalt cmpföttgcu n^otlfe. ^ocj^ cj
man bicfeu SScfe^I öoll^iel^cu fonnte, Jatte Sutjer biefcn armen
£cuten, bic in einer grogcn ^cangfiigung lüaren, fe^r niur^ig
geantwortet, nid)t gegen i^rc Ueber^eugung.^u ^anbeln, unb
ju beharren, njcnn fte iiä) im ©eiDijlfen J>erbunben glaubten,
ba^ 5Ibcnbma^l nicl)t anbcrö aU gan^ ^u genießen» Sn Su^
tjcr^ ^rief ftunben freilt<^ feine Sobfpriid)c beö aberglaubifc^
Derfotgenben ^cr^ogö, unb bie ^ü^n^eit mancf^er Slu^brucfe
beleibigte ben (entern fo fe^r, \>a§ er Sutjern aU einen 2Iuf#
ttjtegler fetner Untert^ancn hei bem (SJurfurftcn berflagtc^).
^« war boc6 wirHic^) feltfam, bag ^per^og ©eorgen !ein ^unft
fo fe&r am ^er^en lag, ali tk gortbauer M ölbenbmajl^
unter einer ©e(!alt. (^r polcmifirte baruber auc^ mit ben
gurjicn bon 5ln^alt, unb fc&rieb fe^r erbittert gegen fte, ba
fte burcb Sut&cr*^ greunb, ben befannten ^pauömann, ^u
;DeiTau bic Kommunion unter beiben @e(!alten einfuhren Ik^m.
Sajl hei ieber ti3id)ttgern 53er5anblung, ttjoburcfe man bic
greunbe ber neuen Sejre mit ber alten Äirc^c ^u vereinigen
fud)te, war bic ©treitigfeit wegen beö 2Ibenbma6l^a(ten5 im^
mer eine ber gangbarften» Die €ntfd)eibung würbe aber flet«
öuf bag nad)j^e ^ont>ent ober auf bie beborjlejenbe ©i;nobc
»erfcfcoben. 2)ie ^Oert^eibiger ber alten ^ircfee wollten mit ber
©cjlattung beö ^elcb^ allen ifiren übrigen Srrt^ümern cin'e
öuf*5 9^cuc ru&igc ^perrfc^aft ernennen, unb bic greunbe ber
neuen Se^re hatten fd)on gar ^u Har fe&en gelernt, t>(i^ man
uic^t nbtftig iaht, aU ein spriöilcgiutu fi'd) Su erbitten, x^^ai
man aU fKcd)t forbern fonne. Der gan^c q)unft war ubcr^
V
■<■) Seckendorf. h. III. §. XKI.
epittto fämmtl. 2öerfe VIII. S8&. 24
370
Jöupt je^t fo öufgcHart, bng ouc& biejenrcjcn üldnbcr, tDcld)C
ftcö fonjH bei ijreu Sicformatioiien fo nai)C aU nod; möglich
an bic alte Äirct)C 6i<^^tcii, bod) ^ier ^uerjl eine 5}crdnberuii9
mad)tm. 2)fr d'r^bifd^of ^?ermanii öon ^oln uerfu^r bei fei*
ner 9^eformatiün für bIc Stßunfc^e ber (Irengern lut&erifd)ett
^axtk t)iel 5U gclinb; S5ucci' unb ajiclanc^t^on, hk ^mi t)or^
3U9lid)|Ieu Skt^gebcr hü ber ^5lnifd)en 3fleformation, fud)teu
me^r ber Sffia^rjeit 25a&u 3U mad)en, alB jie foglcicö iu ben
t)DlIeu (SJcnug i&rcr 9^ed;te ju fe^en, aber in ber 3^eforma*
tion^borfd)rift ermahnten fte iiod) ^um ©euug bcö ganzen un*
t>cr|lummcltcn Ölbenbma^l^ ^^rijli , wie eö (S^rijlu^ eingefe^t
unb bic dltej^c dS)rirtlid)c Äirc^e begangen iaht '")•
Unbarmherzige Strenge war eö, bag bie grcunbc ber
alten ^ird?e in einer ©öc^e, \iic bod) nad) i^rer eigenen
!9?einung einzig auf hit ^iHliw ber ©ei(IIid)feit anfam, gc*
rabe ireil ftc geiuunfc^t unb geforbert würbe, burd)auö nid)t
nad)geben wollten, ^onig gerbinanb würbe öon ben ü(!errei«=
d;ifd)en (Stauben brtngcnb crfucbt, i^nen ben Q)enu6 beibcr
©ejlalten ^u erlauben ; i^re J?offnung, erkort ^u werben, war
t)crgeb(ic&**)» Tland^c waren bamalö noc^ nidjt ntübc ge?
worben, i;>on ber fo lange t>erfproc^enen unb fo lange tjer?
fc^obenen ^i)"obe t>iel (3uU^ ftc^ ^u üerfpredjcn, unb biefe
Erwartung fonnte wirüid) fe^r baburcb genarrt werben, bag
man fa^, wie fc^r jid) ber «Pabjl frummtc unb wanbtc, ber
gunot^tgungen beö ^aifer(5 lo^ ^u werben, t)tc lauten !Seuf3er
ber fat&o(ifd)en Patrioten burc^ bejidubig wiebev5b(te 5}erfpre?
d)ungen ju nidgigem ^inc «öerfammlung , i)or weldjer ficy
•^3 seckendorf L. III. g. 107. S©ie wenig Sutbcr ttttt ber dblM
nifiten Oicformation jufvieben war, erlie((t auö einem feiner
95riefe an Qan^Ut 53rüfen, ber im gleid) fohi. §. bei ©ccfen-
borf ercerpirt ift.
**) SIeidanm ad a, 1541. I.. XVI. pag. 394.
71
tcv ^ab(t furd)tctc, fcfcicn mondän 2Bunfct)cn bcr grcunbc
t)cr neuen Se^re cntfprccl)cn ^n f onnen. Äaum ein paar !D2o^
natc t)or Sut^cv'd S^obc trurDc cnblicl) ju Orient tie 53erfamm?
lung eröffnet, \vdd)c ben 9iig 5wifc^cn bcr ölten unb neue«
^ird;c emig unheilbar mad;te. d^c voir i^rer ©efc^id&te gc^
teufen, werfen \m nur einen S3I{cf auf bie ©d)icffale be5
Äeld;ö in ^-n^Ianb, treil Jicr bic Dvcformation t^ren (d gan^
eigenen ©ang na&m.
§. 34.
^onig j^einricö öon (5'nglanb beSanbcItc bie ©cnjiflfeit
feiner Untert^anen nicftt i)iel fc&onenber aU feine ©emaj^Iim
wen. S^en «pabjT ju ERom wollte er nic&t mejr erfennen,
weil i^n berfelbe bei ber gefud;ten ßfiefd)cibuug ton ber S5afc
Äaifcr ^axVi beö V. mit beftdnbigem ^Ser^ug nedfte: er er^
Harte ftd) alfo felb|l ^um $abft bcr englifd;en ^ird;c, unb
faj! nirgenbö ^ielt er mit größerem (5ifer über ben Se^rartüeln
beö alten ©lauben^, aU in bem ^mih ber <Saframente. dß
wäre ja ©d)anbe gcwefen, Jiebon abzugeben, t^a er fic^ burc&
ein^n gelehrten 2raltat t)on bcn ftcben (Saframenten e^cmalö
fo Dielen 9iubm unb eine ^Bermcl^rung feinet ZikU erworben
I;atte, Ueber bcr Kommunion unter einer (5)effalt Jielt er alfo
faft eben fo jlreng, aU über ber Sebre t)on ber SJerwanblung»
(5'intge Qlgcnten beutfd)er prore|!antifd)er gürften ^u Sonbon
fud}ten ibn burd) ein eigene^ ©djrciben auf bejTere Q5eban!en
SU leiten "0/ ober ein fo gelehrter ^bnig war fd)wcr s" u^cr*
acugcn; er verbot im ^a^x 1539, bü fc()werer Strafe ^u
••) ©oiDo^l bci€ ©cbreiben ber ®efanbteti aU tie Oln^wort hei> .fiö-
m(\^ ^nbct \id) unter ben Su^aben ber 33urnetifrf)en Oieformiv
tiou^t)tftinie (London. 1679. fol.) P. I. pag. 33.3 eic. x\n\>
pag. 347 eic.
24 ^
0/
glauben / bag man tai SlbcnbrnaJI «nfer bcibcn ©cflölteit
gcnicgen mujTc, ober su ^itjeiflea, bog man aud} allein un*
tev bem 25rob ben ganzen (S^riflu^ empfange "). (J6e ^buarb
5ur ^Regierung Um, voav feine Hoffnung, ben (Jigenjinn beö
alten blutbürfttgen Äonig^ au beugen. Äaum war aber bicfer
tobt, fo njurbe \ik (Kommunion unter beibcn ©eflalten mit
S5ei(limmung beö ^arlament^ burcö ein fonigIict)cö dbitt ein*
gefüllt ^^), unb auf einer S3crfammlung ber t?orne()mjlen S5i*
fd^bfc ju SonDott würbe im 3ö^r 1552 unter önbern Slrtifeln
feftgefc^t, bem 53ol! ben Mä) md)t ^u verweigern, weil er
i^m fraft ber- ©infc^ung unb be^ 25efc^l^ ^Orijli gebij^re.
'^axia peilte ^war auf fur^c ^dt ben alten ©otteöbienj^ wie^
ber 5<Jr^ <^^^^ ß-lifabetj, fo geneigt jte fonft auc^ war, ber
alten Partie im dugern fo Diel nur möglich nachzugeben, Uc^
boc^ bic Kommunion unter hüben QJejIalten allgemein wieber
einfuhren.
§. 35.
SBaJrenb ber ©vjnobe t)on Orient würbe befonber« in
Deutfc^lanb baö Sßerlangen immer allgemeiner, bic 53erorb=
nung ber €oftniaifd)en @t)nobe aufgehoben ^u fejen. X)k^
war hti allen ^Öereinigungöoerfuc^en bie einzige fcfceinbarc
ülac^giebigfeit ber alten Partie, ta^ fie ijrcn biflTcntirenben
SSrübern ben ©enuß beö ^elct?^ erlauben wollten^ aber biefc
fc^einbare ®rogmut& würbe immer burc^ eine 9}?enge beige*
fögter SSebingungen fo etngefcferdnfr, \>a^ auc^ ber friebfertigfle
^rote(!ant feinen ©ebraud) bai?on mad^en fonnte. Sn bem
2luffa^, welchen S3ifc()of 53alentin t)on J?ilbeöjcim im 3abr
*) Burnet's history of Reformatiou of tlie Cliurcli of England.
P. I. L. m. pag. 259.
^) B»rDee, U c. P. IL L. I. pag. 41.
373
1545 auf S3efe5I M Olciclöötögö au 6peier möchte, wcx bc«
^rotcjlantcn bie Kommunion unter bcibeu ©cjtaltcn augcjlau^
bm, aber jtc follte» bcfennen, bog fie iud)t ^efejl S^ripi
fci;, bag mau ha^ ^an^t ©aframent genicge, ivenn mau
auc^ nur eine ©ejlalt empfaugc, ha^ fte bcfoubere bcn Ärau*
fen blog ba« 23rob unb feinen 2&ein geben xooUuti'^^). 53iel
grogmut^iger traren bic brei S&eologen, burc^ weld^e Äalfer
^arl bie 3nterim^formcl auffegen lieg, welche er a« grogem
53erbrug ber ^rotcjlanten, uub a" n<?c() grugercm SIergevuig
bcr Äat^olifen auf bcm SKeid;^tag au Slug^burg im S^Jr
1548 befannt machte« Jpicr »urbe Kommunion unter beiben
©ejlalten ai\ ben Oitcn, wo fte bie(>er gctro^nlidb war, o^ne
alle weitere ^iufd)rdnfung fortaufe^en erlaubt*-')* ^^^ ^^^i^
mcrfte bie groge ©efajr, n?eld?e aud einer (olc^en S^^eilneJ^
mung teö ^aiferö an ^irc^enfacben entfpringe, unb wollte
boc^ auc& einigermagen bcn Nachgiebigen fpieUn, ^ah alfo
-^) Seckendorf, L. III. Sect. 31. S- CXX!.
■■^') SSevgl. ^hU brcifad)eö ^utcrim. Seipjtg, 1721. 8. i>ag. 358.
Q'hen biefe 57ie{nun{i l)at e^ md) mit bem ©ebraud) ber ©u--
d)ari|lten imter beibcv ©eftalt, weld)er ftd) nun il)rer »iel ge*
I)raiid)en, unb beren geiüot^nt fcpen, uiib mögen biefe Seit ol)ne
fd)iücre 33en}Cöung bavon nidjt ab(^eiucubet lycrben, unb bann
\ia^ cjcmeinc ^'ouciltum, iveld)cm ftd) alle Qta\\\>e be^ I)eili(]en
üieic^^ untenuovfe« l^ßben, ebne Siueifel einen gottfeligen unb
eifricjen %id^ aniDcuben wirb, ha]; in biefem %aii vieler 2ü\U
©emiilen unb bem ^-rieben ber ^ivd^c nad) 01otl)burft geratl)en
werbe. 2)emnA(^ weldje ben ©ebraud) beiber ©eftalt vor hk*
fer Seit ancienommcn I)aben, unb Davon nid)t abjieljen ujoden,
hit foflcn {)ievükr c}Ieid)fan^ be^ (gemeinen goncilii Erörterung
unb ©ntfd)teb envarten. ®od) fo((en bie, fo ben ©ebrauc^
beiber ©eilalt i/ahn, t)U @eivoI)n^eit, W nun alt ifl/ unter
einer ©eftalt su commnniciren, nid)t j^rafen, aucb feiner bierin
bcn anbern aitfed)ten, \)i$ ()ierüber von einem allgemeinen Co«-
iüiio 9efd)loffen wirb.
374
feinen ©efanbtcn, bk im 3a Jr 1549 in Deutfd)Ianb auUf
mcn, bie Srlaubni§, (Kommunion unter beiben ©cjlaltcn bcn
jcnigcii auf eine 3cirlang ^u gejlatten, n?e(d)e allen i^ren tbxU
gen 3rrt^umern entfagen, unb ba^ Dcfret bcr ^ojlni5if4)cn
©t)nobe annehmen trurbar-^» $tBar eö nic^r (ac^erlid), mit
einer Partie, n?eicj)e fc^on fo ^ajlreid) tt?ar, unb fclbfc auc^
t)k feineren ^önjlc beö rbmifc&en ^?ofe^ Idngfl genau fannte,
auf folc^e 33eblngungen gricbe mact)cn ^u ujollen? «Bieüeidjt
erzeigten fic& bie 53dter ber 21vicnrfd;en ©ynobe ein ircnig
billiger.
§. 36.
&n ©cßein bon SSilligfeit war e^ n^enigflen^, ba^ man
mit ^ntfc^eibung biefeö ^p^nft^ t)on bcr Kommunion unter
einer (^ef?alt bi^ 3ur Slnfunft ber ^rotefranten njarten trollte,
9^ur tt?ar eö faum mef;r aU ©d)cin i?on S5illigfcit^ benn bie
»rid;tigjlen ©treitpuuftc anberer QivüM warm fc^on cntfd)ie^
ben, nid;t einmal hk gan^e Unterfud)ung t)om ^bcnbmaf;l,
fonbern bie ein5ige grage t>om allgemeinen ©enug beö ^elc^6
njurbe aufgcfd)obcn , unb bk faiferlicfeen ©efanbten mußten
iftrc gan^e 2Iuftoritdt gebraud;en, um nur fo i?iel ^u cr^oU
ten '"""•)♦ ^m 3a6r 1562 famcn cnblid) bk bieder aufgefcfco?
bene 50?atcrten t?om Slbcnbmal;! in S5erat5fcblagung.
€ö waren fünf fünfte, in welche bie Streitfrage, fo
mit fte ^ie^cr gebort, get^eilt würbe,
1) £)b alle ©laubige notljwenbig unb awi gottlidjem ^t^
fe^l t>erbunbcn waren, ha^ Saframeut unter beibcn QJc^
jtalten ^u genießen.
*) Sleidanus. L. XXI. pag. 646.
*^) ©arpi, ®ef(l)!i-bte beö 3:ribentin. (Jone. (SHambad)^ Ueberf.)
m. Zij. IV. 33. ©. 255.
I
575
2) Ob Die ^ird)c red;tmägige Urfrtd)e ö^^^^bt, bte ©cmo^n^
Jcit einzuführen, bng bie Sapcn bic Kommunion nur
unter einerlei ©eflalt empfiengen, ober ob (Te Jierin geirrt*
3) £)b man Scfum unter einer einzigen ©ejlölt ganj unb
eben biefelbe ©nabe cmpftenge, aU unter bciben ©ej^alten»
4) £)b bte ®ri4nbe, ireldje bie ^ird)e benimmt 5»5tten, ben
£at)en bie (Kommunion nur unter einer ©eftalt gu rci^
djen, biefelbe auä) \>moQii\, 9liemanben ben Äeld^ ju
bewilligen.
5) Unter voa6 für S5ebingungcn man einigen ben ^elc&
ben^lUigen fonne, gefetzt, baß red)tmagige Urfad&cn baau
Dori^anbcn waren.
6arpi fü^rt mit mitleib^üollem Sac^)eln über bie Um
wlfTcn^eit ber Siricntfc^en 2:^eologen bie ganae fRdi)C t>on
©runben an, x\)dd)c M Untcrfud)ung ber er(!en Sr^ge t>on
(Kommunion unter einer ©ejTaltaufvjctrieben würben '"0* 2)rcr
unb fecti^aig ^il^eolpgen ftinimten alle ubcrcin, ba0 ber ©e^
brauch bei ^dd^^ wcber not^wenbig noc^ befohlen fei^. S5er
größte S^eir ergriff fügar folc^e S3cireiögrunbe, nad) weld)eu
eö ein g6ttlid)el ©ebot gcwefcn wäre, ben Sai;cn ben ^elc^
3U eiitale^en, nur awci faifcrlid)e ^^cologcn wunfc^ten, bag
\)k ganae grage ijbcrqangcn würbe, t)a^ man t)ic (Ioftnlaif<tc
entfd)etbung alö befannt öorau^fcl^en mod)te. Sben fo gieng'ö
mit Unterfud3ung ber aweiten grage, ©erfoni ©runbe wur*
ben alle wieber bert)orgcfud;t , fo wenig man aud) hü man*
d)cn berfelben t)a^ Sacbcn t>erbcigen fonnte, 5(m (!nbe Jieg
el wicbcr, in allem wie auf ber ^oflniaer 6i)nobe. ^ie
©trcitigfeitcn, weld;e wegen ber britten gragc cntpunbeU/
*).@nvpi, IV. J^eil, ©. 571 ic, bcfTen (5'-rsrtl)luug üöerl^aupt Ui
tiefem ganaeu UlKd)uitt aum @runbe liest.
376
(Inb für unö Jier gleichgültig, 5lbcr wie man öuf bic tiertc
unb fünfte giöse tarn, fo waren bie fpanifc^cn ZijcolüQiw,
unb alle, tt>elc^e Don Spanien ab^lengcn, bie uugcftuniften,
Mi einmal öngenomnune Äclct)t)erbot ^u behaupten, ^d
fc(?etnt bloß ^ifer für £>rtl}oboj:ie, t>icacid?t ^um Zi)iii 9^eib'
gett)efen 3U fei;n, önbern 9^ationcn auc^ nic^t geftattcn ^u
wollen, trad fic felbjl gar nic^t begehrt Jatten. 6ie flagten
über ben Ungc^orfam ber I5eurfd)cn, unb über bie ewigen
gorbcrungen berfclben, ba ein SSunfc^ immer bcn anbern nac^
iiö) i'oQC. Die faiferlic(?en unb fran^ofifc^en ©efanbten fpra^
cfeen mit allem 9?acbbrucf, um i^ren ^ird^en ein fo fe()nlid)
gcwünfd;teö SRec^r p t)erfd}affen. 2lucO ber baierifc(?e @e^
fanbtc, 5Iugu(?in SSaumgdrtner, brang glcid) in feiner er|leu
8^ebe mit aller greimüt^igfeit cine^ I?eutfd)en öuf 9Zot^wcn^
bigfeit ber dJeftattung be6 ^eld)^. Die allgemeine ©e^nfuc^t,
bie ©efa|r ber fat^olifc^en ^irc^e, hai SScifpiel q)auluö III.
würben auf ba^ bringcnbjle t)orge(Iellt; man legte eö ben
:pdb(llic^en Legaten auf bae ©ewijyen, in @a4)en, weic^^e flc^
auf gottli(^e 53erorbnungen grünbctcn, nid)t eigenfinntg 5U
wibcrjlreben. 2lllein ber ^eilige ©cijl, ber t^k ©i^nobalbefrete
be(?immte, war au 9?om^ unb i^m ^aiidjU nid)t gut, Vi^ai
biefe brci ©cfanbteu im 9lamen i^rer sperren crfldrt Ratten»
Den 16. Suliu^ würbe bk 21. <Seffion gehalten, worin man
ta6 Dcfrct über ben ©cbraud? beö ^eld;ö t>erlaö. ©ewojn^
IM) mußte jcbe ©effton mit einer ^prebigt eröffnet werben,
unb bk ^rcbigt felbjt war meifieuö eine Dorlduftgc ^omileti?
fd;c (E'mpfe^lung beflen, wa€ aU Dcfret ber @t)nobe public
cirt werben follte. Diesmal fcbien ber 25ifd;of, ber alö ^>re#
tiger auftrat, t>or ber ganzen ^crfammlung uoc^ einmal feine
^?änbe wafc(?en iu wollen, ba^ er «nfd;ulbig fep an allen
bemjenigen, voai man fogleid) beriefen werbe. (Er fprac^
rectt angelegentlich für t>k ©ejlattung be^ ^eldj?^, unb bie
377
pabj!lid)en Legaten mochten wojl »ajrcnb 2In55run9 feiner
q)rct)i3t feine angenehme ©tunbc gehabt Jaben. 9)^ön terla*
nad; üollciibctcr (Kommunion Me Sc^rpunfte unb ^irc^cngefc^e^
tiereii ^auptlnfjalt, fo mit fie fieser geboren, folgender war.
5öet)er bie Satjen no* Me ^ricjler, tuelc^c «icöt ?JfJeffc
Jalten, jtnb burc^ ein gottlic^e^ ©efe§ tcrbunben, ba^ 5Ibenb»
majl unter bclben ©cjlalten ju empfangen. Sefuö €()ri|!u«
iat ci iwat fo eingefe^t, unb ber ©ebraucf) beiber ©ejialten
xoax t)on Slnföng ber fejr gen?5bnlicli)/ boct) barau« lagt ft(<>
nlc^t fc^licgen, bag jeber öcrbunben (et), beibe ®e|lölten ju
genicgen, unb wer sraeifelii foUte, ob bie ©eniegung einer
©cftalt binldnglic^ fct?, würbe ben (!Jlauben öerle^en. 2)enn
unter jcbev ©ejlalt i(l (5()ri|!u6 ganj entbalten, unb »er nur
eine ©ellalt geniegt, tjcriiert ntc(?tö Don ber ^ur ©eligfelt nb^
tbtgen ©nabe» ^auluö beute ja bcutlic^ genug barauf, bog
bie ^irc^e öU^cit t>ai fRcd^t gehabt iahe, folc^e äufdüige
^inge in Sluöt^eilung ber ©aframente ju üerdnbern, benn
fte fpt) ia ^auöfedlterin über ©otte^ ®ebeittinifi"e; unb wer
weig, waö ^aulu6 M noc^ angeorbnet baben mag, wenn er
ftc^ bovbebdlt, wegen beö Slbenbmabl^ noc^ mfinblic^ bö<
^Hotbigc 3u verfugen. ÖBIe e^ bie Äirct)e baben wiü> fo mug
eö fci;n. d'^malö gab jte büht ©eftalten, unb ba war*^ SRec^t:
jet^t gibt fic nur eine ©epalt, unb nun mügt ibr t>o6^ glöu*
Un, bog cö wiebcr rec^t fci;.
Wtan Umx fic^ kid)t DorjIeHen, wk hierauf bie Qlnat^emc
tjcrtbeilt würben. Die ^wei fünfte, ob man ungcacfetet öÜer
obigen ©rünbe ben Md) O^icmanben gejlatten f bnue , unb
unter welchen SSebingungen man if;n geilatteu fbnne, würben
auf fünftige reiflichere Erwägung auegcfe^t» Der rcbli*e
©arpi fagt, man ^ahc ftcö, bü einem folcf)en Slu^gang ber
©ac^en, bei: frcigenben 23erge erinnert, '
378
§. 37.
^aifcr gerbinanb lieg burc^ feine ©cfanbtcn bie (2nt\d)cu
bung bcr 5n?ei auegefci^tcn fünfte unablafffg betreiben, unö
50g felb|t ben ^ab^ fo in fein SnterejTe, bag biefcr feinen
Senaten 25efc^l qab, \^k 6ad)e Dor^unc^mcn. ^er berü&mte
23ifd)of Dubit& öon gunffircfeen 6ielt eine treffliche Sficbe t>on
bcr Dlotöwenbigfcit, hcn faiferlid}en ^rblanbcn unb für Dcutfc^«
lanb hcix ^cld) ^u gejlatten. Die Legaten fcfcienen nicl)t obs
geneigt, hk t)orgetragenc SSitte 3u erfüllen, o^ne tiabd bod)
beö ^ort^cilö bcr pdbjllic^cn SHeligion gu üergeffen, benn \>k
SSebingungcn njavcn unleibentlicö fd)i\)er, n?elc^e mit ^rt()ei^
lung bc6 ÄeldjpriDilegium^ üerbunben \rerben foüten» d}od)
nie ober Ratten ftd) bie ^tjnobabarer in fo mk Partien ge?
t^eilt al6 btegmal, man fd)ien nid)t ^u (JnDc fommen ^u fon*
nen, unb bod) n?ar e6 ^oc^jier ^unfd) feiner ^peiligfcit, tk
Sperren enblid; einmal auö cinanber ^u bringen '"O» Die poli^
tifc^c Srci^eit ber Legaten t)crfd)afften enblid) WlcMät ber
©timmen für biejenige SKeinung, welche aüeö bcr ^ntfc^ci^
bung beö «Pabjlö iibcrlieg, unb bk\c^ fc^ien ben UBünfd>cn
berer, U)elc^e ben^cld) »erlöngten, gar nid)t entgegen gu fci;n,
benn ber ^ab\i voax c^er ^u einer guten (Sntfcfelicgung ^u bc?
wegen aU ^k @j)nobaIt>dter, gerbinanb unb ber ^per^og t)on
85aiern brangcn nun auf t)ai 5lngclcgentlid;fte in ben ^>abjT,
c^ jammerte fie, um eincö bloßen ^ird)engcfc^e6 tviUcn fo
öllgemeincö 5}^igi)ergnugcn gd^ren an fc^en, unb ber letztere
Jatte feinen Sanb)ldnbcn i?erfproc^en , rcenn ni($t inncrbaU)
cineö Safirö cntnjcbcr t)on 3^om ober t)on Slricnt bie ^rlaub^^
*) ©arpi er5al)(t bie t)orjügnff)flen t)erfd)iebenen voia ber 93ifd)öfe,
unb Sclimid in diss. de faiis calicis Eucharistici. pag. 75.
t)er(ile{cl)t bie ^ad)ri(^ten be^ ^atlapicini, in einer fet^r äuge?
nehmen Äür5e.
579
niß fommcn fotttc, aU StanM^m blefelbe fclbrt S« crtScilcm
X)ic O^u^e fciiur !i!dntjcr Jieng bat>on ab, benn e6 war, vot*
gen biefer ©act)e, fcl;on blö ^um Sluftauf gefornmen. 2:)cr
^^ab\i üc^ cö öu* irirfli* fein 3«^r mc^r einliefen, fo fc^ldfte
er t>k verlangte S5ret)ciu 1564 bcn 16. Slprtl erging nlcfet
nur ein S5reöe an ben S5ifcbof 3«nuö öou Olöumburg, in ben
£)ef!errcid)lfcf)cn unb S3aierifd)en Sanben nad) ©utbefinbcn
böö 2lbenbmfl5I unter belben ©eflattcn au erlauben, fonber«
öucf) t>u Drei gel(ilid}cn (^^urfurjlen erhielten ^cfe^I, wenn fte
cö für nui^Iicö Jielten (ber ^abjl gibt c6 tfjnen auf baö (^e^
trijTen, bicfe^ trof;f a« überlegen), gewiffen ?)rteflern bie dx*
laubntg a« geben, aiemlicö unb o^ne 5lergernig baö ^benbmajl
aud; unter beiöen ©ejlalten au63ut^eilen (¥0* 5^än machte
t>k forgfdltigften SInftalten, t>a^ fein 5D^igbrßuc& fic^ einfd)lei-
d)en mochte, unb ber größte 9)?igbraud), tim man beforgte,
war, M^ ftd) je^t ^eger unterließen mochten, bem !ar5oIifd)eti
^Itar ftd) au ndjern, I)afür würbe nun burd) bie flrengjle
t>Drßcrgcßcnbe Unterfud)ung geforgt, unb bk (Sommunicanteit
unter beifcen ©eflalten mugten torßer bcfenncn, ^a^ auc|) un*
ter einer ©eßalt ber gan^e C^ßrijluö enthalten fct), unb M^
bie romifc^e ^irdje nic^t irre, wenn fie nur eine Q)cfta(t
au^tßeilen lap '"0»
^aum t?ier Saßrc bauerte \>k grogmöt^ige 9lac^giebigfeit
M ^abfli» ©c^on 1568 ergieng wieber ein S3rct)e an ben
S5ifd;of Urban t?on ^apu, t>m Saiden ba^ ^eilige 2Ibenbma5l
unter bdt^cn ©ejlalteu burc^auö nid;t au gejlatten -="0. Slber
*) 9Son ber mxHid)in einfü()rung biefeö neuen Siecftt^. f, Schnüd
de fatis calicis Euchar. pag. 81. '
*^) Liiiiig Spie. Eccl. Cout. U. pag. 826.
380
fo fc(>nell Heg jfdS^ tiod^ in bcr irirfllc^en SluSubung bic (Badoc
nid)t abjtcneiu 9]oc^ im S^tr ^600 niugte bcr S3ifct?of ton
^aflfau bem ^r^^^r^og ^attf)ia6 al6 ©tatt&alter t)on ^ber*
unb 9]lcberr6(Icrreii^ fefer brtngenb anliegen, t\ad) bem fo oft
öcäugemn ööunfc() M pdbplicbcn 9]unc{u« hhn bcr ^bfteU
lang beö Äelci?^ im 2Ibenbma6l au wacben. 2)cr dT^tKraog
lieg (tcö er(l noc& tin S5ebcnfcn t)on bem Sbifcbof ^Icfcl unb
önbcrn X^cologcn f^eUcn; bad gef^ellte ©utacbten tt?ar me^r
für aH wibcr biciSetbe^altung be6 einmal erworbenen SKec^tö").
2)er Söifcbof ^at aber boc^, waö i^m gut bünfte, unb \va6
ber ^ab(l befohlen iatU. ^an ergriff bie öluöflucbt, eö (cy
blog perfonelle^ Privilegium gewefen, baö ber ^pabjl biefen
grabifcbofen unb 23ifcl;5fen ertjeilte; mit ijrem Slobe fcp «^
crlofc^)en,
2)ic ©efc6{c(;tß (i6rt nun Jier auf, fo weit fte ttjenigjlcnö
biöjer befannt würbe. 2)ic Reiten bcr Jeiligen £ige waren
ber ^r^altung einiger S^eligionöfreijeit in ben fat^olifc^en Sdn^
bern gar nic^t günflig, bie Öinformigfcit ber pdb(llic^*fat^o#
lifc()en ^Religion erhielt auf'^ 9Zeue allgemeine i?errfc(;aft , nur
miter allen giirflen unb S5if4)5fen war 9Ziemanb mejr, ber
ftc^ ber fR^d)tc be« 53oIf^ mit fo vielem (Jifer angenommen
Jdrte, aU Äaifer gerbinanb unb ^er^og 5Ilbert von S3aiern,
Ulod) eine einzige 5SegebenJeit vcrbient Jier angeführt 3U
werben, ^per^og 2lnton Ulri* von 23raunfcbwcig begehrte
tm 3a6r 1712 bie Kommunion unter beiben ßJcftalten. dU^
ttien« XI. fd;Iug eö tjm ab, Jo viel bemfelben an6) bamal«
am ^rofelt)tencifcr be« ^er^ogö lag, er befürchtete, ein S5ci*
fpiel mhd^tc ^oqUIö) mehrere icrbeilodfen, unb führte bem ^cr#
♦) ^^et)enr)üfterd annales Ferdinandei. Tom. V. p. 2226 eic, lUO
ein um(laubli(^er %)x^üi beö gcileUten ®utad)tett^ ju finöen t|L
381
^og tt(bt barevlld) ju ©cmütjf, tdh man i^n wojl U^ct gar
für tift^croboi* (galten mochte '-').
Sil tcr ganzen europdtfd) f Ut\)o\\\6)m (S^rlftcnjeil i|l
alfo DicUcictjt ber ^5nig in gröufreld), unter bcn Satjen, wirf^
lic|) t)cr einzige. Der bcn ölbeubma^Ifcld) einmal tn feinem
Scben ju trinken befommt; unb bie ^mi ^I5(!er (5(ugnt) unb
@. £>eni)ö fmb t>ieüeid)t ebenfo bie einzigen, wo bei feiere
ltd)cn 5J?cjTcn, nic^t allein ber ^rie(!er, fonbern auc^ ber Dia^
fonu^ unb ©ubbiafonuö bcibc ©ejlalten empfangen *''0*
3* tt^iH feinem ^rotcffanten unb feinem ^at^olifen mit
Qlnmcrfun^en vorgreifen, \vdd)c jcber nac^ feiner 5Irt unb nac^
feinen bor&ergefagten 5J?einungen über t^k biö^er er^d^Ite ©e^
fd)id)te madjen tuirb. (Sin ^rotcjtant fann ftd) wa^rfc^ein^
lid) nid;t einmal rec^t in bic Sage eineö frommen ^at^olifen
fegen unb bcn feigen Durjl n\d)t nad;cmpftnbcn, ber oft in
feinem 3"uer(!cn ent(!e6en mug, ttjdr* cö boc^ auc^ nur ein^
mal in feinem Sebcn, von bem ^elc^ ^u trinfcn, t)on welchem
feine 55dter noc^ trinfen burftcn. ®cnug beö ©aframcnt^
macf)t auf feine fromme ©celc einen ganj anbcrn, id> m5d)tc
fa(i fagen, allgewaltigem ^inbrucf aI5 auf bie ©ecle beö
nad)benfcnben ^rotcjtanten : unb tt)eld)en ^uf^^ i>on SQBirfungen
t)crfprid)t er (icf? alebann nic^t er(! babcr, wenn er eben fo
glücflid) werben fonnte, wie fein 9}?eßprief!er, wenn er ba«
*) Clementis XI. Breve ad Anionium Ulricum, Ducem Briiiisvic.
d. 23. Jiii. 1712. ^app in ber 91ad)lefe s« ber Oieformatton^«
gefd^. CT. I. p. 380 etc.) Ue^ ed nu^ ber s« 9^om in smei
^cHobanben erfcf)iencnen (Sammlung ber (Bd\xnhen biefeö ^abs
fle^ abbrucfen, unb au6 ^app^ 5Rad)lefe nnl)m e^ @erbe^ in
miscell. Groiiing. T. VII. p. 113 eic.
^•") Gerberti disquis. Liturg. P. II. p. 388.
.82
^UnhmaU aud) fo galten burftc, wie cö Scfuö (E^riftu« diu
gefegt unb t)lc erjlc ^Ircfee gehalten Jatte. (5r glaubt c^ bcr
^irc^e, ölö ei» fromma* föt^ollfd^er ^f)rij!, bog öud; unter
bcm S3rob bei* gan^e ß[)ri(?u6 ent(;ölten fet), bog i()m burd)
e-nt^ie^ung be^ ^eld;ö feine ^ur (geligfcit notf;n?enbi3e ©nöbe
entzogen werbe: ober für unnot^ige (3naU fann er bocb hic^
jtenige nid)t polten, welche bcr Sl^egpriciler beim ©cnu^T^ beö
M^^ empfangt; @ott gibt ja, nic^tö unnot^igeö ; in be^
muffiger Einfalt fü^It er ficfe t)erglid)en mit feinem ^ricfler
immer aU ben @d;tt}dc^ern, immer al^ ben ^cburftigern tiad)
©nabe, unb bod) iat i^m bic ^ivc^e ein Wittcl entzogen,
ta^ fie jenem minbcr Q5cbürftigen allein ^ufprad), 3c^ fann
mir feinen heilig ru^renbcru 2lnbli(f öorftcllen, öl^ ^it fdm*
pfenbe ©eelc eineö @arpi ober ^afcal, bie taafenb geiler unb
fDidngel in ber 9\cIigion^gefcllfc&aft fc^en, unter we(d}cr fte
geboren füib, ober fic^ ^u bulben unb ^u leiben entfd;Ioffcn
J)Cibcn, wzil fte (rid)tig ober unridjtig?) t)ermut5en, fclbj! nocö
in ber Sage me^r (S)uteö ftiften gu fbnnen, ölö wenn jte feicr*
ü(f) ahtrctin würben, weil fte fi'd) eine iDienge 53erfetneningen
crbad)t ^aben, woburd) fte ben SBortcn unb tcn ©cbrdud)en
ber angenorttmenen Äird;cnort6oborie einen ertrdglidjern Sinn
5u unterfd)ieben fad)en. fOiit weld;en (Empftnbungen ein foN
cl)er Wlann nad) iaib genojfenem Slbenbma^l t)on bem Slltar
binweggc^cn mug, wenn c6 i^m öuf ba5 Jperg fd)iegt: ^dt*
Un bod) nur jwolf (5otlni3ifd)e ^anonijlen unb S^OeoIogen
ctwa5 bcbad)tfamer unb unbefangener gefprod)en, fo wdre er
unb bie gange fatf;oIifd)e ^^riften^cit mit ungd()Iigen ber qud*
lenbjTcn Jwcifcl unb ewig i)erfagter SBönfdK i?erfd^onr geblie?
ben. Slöcnn öüee burd) ^öerjdbrung foU verloren get;en fbmicn
— 0 nur nicbt ba6 cbcl(ic ^(eiuob, baö 9lcd)t mit eigenen
Slugen gu fejcn, unb fein^ö ©laubenö gu leben»
(A) Guillelmus deCampellls (v. quae edidit
Mabillon Praef. prima ad See. III. Benedict, n. 75.)
Quod utraque species per se accipitur, eo fit, ut
memoria corporis, quod in cruce visibiliter pependit, et
memoria sanguinis, qui cum aqua de latere fluxit arctius
teneatur, et quasi pra^sentetur. Tarnen sciendum, quod
qui alteram speciem accipit, totum Christum accipit. Et
infra: Quod ergo dicetur, utramque speciem oportere ac-
cipi, haeresis plane est . . . Et ideo licet in alterulra spe-
cie totus sumatur; tarnen pro causa praidicta sacramen-
tum utriusque speciei ab ecclesia immutabili-
ter retinetur.
(B) Algerus, Scholasticus Leodiensis, ein ©C^liftjTet^f
Uv , bcr fid) befouberö tuxd) SScfireitmig beö $Scre«goriuö hc^
ru^mt niad;tc. ©eine ©d)rlft de sacramento corporis et
sanguinis Domini jtc^t in Bibl. PP. Lugd. Tom. XXI.
p. 251. 2Iu0cr blcfem f|! (te mit anbern <£d;rift(fellern ddih
•Slbcnbma^I nod) 5frerö befonberö gebrückt. L. III. 8 l)at
2IIgcr mehrere ©teilen, öuö irelc^en bfutltc() erhellt, ha^ ^u
feiner $dt Kommunion unter beibcn ©eftalten nod^ allgemein
war. (Er fagt ^» ^. dura vinum in ora fidelium funditur,
sauguinem de latere Christi etc.
Hugo, de S. Victore, ^tltQü\o\]c be^ öliger, in feiner
summa sententiarum , Septem tractatibus distincta, fpric^t
in tc.l Kapiteln de Sacramento Eucharisti^e in foldjßn 2Iue5^
brütfcn, bag man (icf)t, er nimmt ben allgememcn ®cnug
:ö Md^Q ali bcUimt an. «Bon ^ctcm, ^hbt ju (^(ugni?.
584
t|! f^itt bcfonbcr« fein Ztdtat gegen bic 9)etroBruif?dncr mtxh
njurbig. Sine fc^r bcutlic^)e ©relle fdjcint mir folgcnbc m
einem Sßcrf bc3 berühmten 2IrnoIb Don ^^artreö (f p. a.
1162) JU fci)n. De Operibus Cardinalibus Christi, in bem
^öpitel, worin er de Coena Domini Jönbelt. Nova est hu-
jus sacramenti doctrina .... et doctore Christo primum
liaec mundo innotuit disciplina, ut biberent sanguinem
Christiani, cujus esum legis antiquae auctoritas districtis-
sime interdicit. Lex quippe esum sanguinis prohibet;
Evangelium praecipit , ut bibatur .... Bibimus autem
de sanguine Christo ipso jubente, vitce aetern« cum ipso
et per ipsum participes. Nobis itaque — ipse Christus
porrexit hoc poculum et docuit, ut non tantum exterius
hoc sanguine liniremur , sed et interius aspersione omni-
potenti in anima muniremur lt. f. W. ^etru^ €ome(Ior,
^ön^ler ber Uniöerfitdt ^ari^ (f 1179) ^at in feiner fecfcö^
^cjnten ^^omilie gleich entfd^eibenbe ©teilen.
(C) RobertusPullus, R. E. Cardinalis. c. a. 1144.
Sententiarum P. VIII. c. 3. Primo corpus, post
sanguis a presbjteris est sumendus. Institutio Christi
mutanda non .... est. Verum qualiter a laicis eucharis-
tia sumi deberet sponsae suae commisit judicio : cujus con-
silio et usu pulcre fit, ut caro Christi laicis distribuatur.
Nimirum periculose fieret, ut sanguis sub liquida specie
multitudini Fidelium in ecclesia divideretur ; longe peri-
culosius si infirmatis per parochiam deferretur.
Wlaix merfe fic^ bic ©rabation. S^kx werben nod) blog
Ik £at)cn öu^gefcbloffen. ©er ©ebraucb beö ^cld)« wirb ölfo
tioc^ ni4)t öuf ben einzigen SJJjcflfe ^alrenben ^>riefler eingc*
fd)rdn!t, unb felbfl in eben biefem 5Berf SKcbertö fommcn
wieber ©teilen t>or^ weldje beweifen, bog bie ©ewoljn^eit, bem
ia\)m hm Md) ^u t>crfagen, weit xnö)t ollgemein Jerrfdjenb
385
roav. L. III. c* 9. fogt er o^ne bic geringpe 9icf!riFtion öuf
blogc ^rieflcr: Ergo dum sanguis tibi infunditur de calfce,
memineris pro te sanguinem fudisse ex latere, dura cor-
pus Christi quasi conterendum ore sumis, Christum pro
. te tribulatum reminiscere.
(D) Concil. Claromont. a. 1095. c. 28.
Ne quis communicet de altari nisi corpus separatim
et sauguinem similiter sumat, nisi per necessitatem , et
cautelam.
Paschalis II. Ep. 32. ad Pontium, Abb. Cluniac,
In sumendo corpore et sanguine Domini juxta Cypria-
num, dominica traditio serretur, nee ab eo, quod Chris-
tus magister, et pr&cepit, et gessit, humanä et novella in-
stitutione discedatur : Novimus enim per se panem , per
se vinum ab ipso Domino traditum. Quem raorem sie
semper in sancta Ecclesia conservandum docemus, atque
praecipimus, praeter in parvulis, ac omnino in-
firmis, qui panem absorbere non possunt.
3« biefcti legten SBortcn liegt öuc^ eine ^Tflarung ber
legten 5[Borte be6 oben öngcfu^rtcn ^önonö ber €Ietmontcr ©ij*
nobe, bon wdd^tii galten ndmlict) bte nccessitas unb cautela
ju »erflehen fei;» ^an (te^t auc^ öuö eScn benfelben, bog
c^ im SInfang be^ ^irolfren ^a^xf)m\\icxH in ber abenblanbi«»
Wen ^lvd)e noc^ Qmb^wlid) war, ben ^inbcrn ta^ 2Ibenb^
ttia^l 5U geben. ni,-
(E) Anseimus Epp. L. IV. n. i07. (E3> secunda Ger-
beroni) pag. 453.
Non tarnen intelligendum est, quod in sanguinis ac-
ceptione solam animam non etiam corpus vel in accep-
tione corporis solum corpus, non etiam animam suscipia-
mus : sed in acceptione sanguinis totum Christum Deum
et hominem, et in acceptione corporis similiter totum ac-
©Vittlevi^ )dmmtl 2Bcrfe VIII. 2?b. 25
386
^ cipiamus. Et quaravis separatira corpus, separatim
' sanguiiiem: non tarnen bis, sed semel Christum acci-
pimus immortalera et impassibilem. Sed iste mos
separatim accipiendi inde in Ecclesia inole-
vit, quod Christus in coena cum discipulis separatim de-
dit; ut per hoc intelligerent se animee et corpori Christi
debere conformari.
(F) Alexander Alensis (fl. c. a. 1230.)
Dicendura , quod quia Christus integre sumitur 8ub
utraque specie, bene licet sumere corpus Chr. sub speeie
panis tantum, sicut fere ubique fit a laicis in £c^
clesia.
(G) Conc. Dunelmense a. 1220. (Wilkins. T. I. p. 578).
Instruere insuper debetis laicos, quoties communicant,
quod de veritate corporis et sanguinis Christi nuUo modo
dubitent. Nam hoc accipiunt procul dubio sub panis
speeie , quod pro nobis pependit in cruce. Hoc acci-
piunt in calice, quod effusum est de Christi latere. Hoc
bibunt, dicit Augustinus, credentes quod prius fuderunt
saßvientes.
(H) Thomas. 3/ quaest. 80. art. 12.
Circa usum hujus sacramenti duo possunt considerari :
unum ex parte ipsius sacramenti , aliud ex parte sumen-
tium. Ex parte quidem ipsius sacramenti convenit, quod
utrumque sumatnr scilicet et corpus et sanguis; quia in
utroque consistit perfectio sacramenti. Et ideo quia ad
sacerdotem pertinet hoc sacramentum consecrare, et per-
ficere, nullo modo debet sumere corpus Christi sine san-
guine. Ex parte autem sumentium requiritur summa re-
verenlia, et cautela, ne aliquid accidat, quod vcrgat ad
injuriam tanti mysterii, quod prajcipuc posset acciderc
in sanguinis sumtione; qui quidem si incaute sumeretui
587
de facili potest effundi. Et quia credit multltudo populi
Christiani, in qua continentur senes, juvenes, et parvuli;
quorum quidam non sunt tantce discretionis ut cautelara
debitam eirca usum hujus sacramenti adhibeant: ideo
proyide in quibus dam Ec clesiis obs ervatur, ut
jiopulo sanguis suraendus non detur, sed solum
a saeerdote sumatur. Wit biefcm jlimmt gan^ überctn, tt?a3
man bei eben bicfem @($oIa|Iifer in feinem (Kommentar über
Jo. VI. 53. ftnber.
SBenn Zf)omaß ön einer önbeni (Stelle (3. quaest. 74.
art. 1) barubcr piilo\opJ)ixt , mt raön ben Söein, ber boc^
ben ^ran?en fdjdblicfe fei), aU materiam sacramenti bröucfeen
fonnc, fo gibt er fic^ tk QInttrcrt, mdgig genommen
fei) er öuc^ Äranfen nicfet fd)äblic^, unb ea fe^
öuc^ nicfet notjig, bag alle ^ommuntcantcn bai
S3lut ^Jrillt geuiegen, ^an Ut noc^ t>iel' mehrere
©teilen, wo Zf)onwi ton ben Urfad)en ^anbelt, warum bet
bem ^eiligen Slbenbma^l ^i;ob unb SSein genoflfen werbcu
mujfe»
Sie ganje ©c&rift bc5 ^^omaö de sacramento altaris
cntbdlt nod) eine 9}?enge ber interejfanteflen (Stellen, tk Jier
febr nij^lid) t)erglid)en werben fbnnen, SSenn man S^oma^
Sieberge^rige 5ßer!e ^uüerldgig c^ronologifc^ ge(?eüt bdtte,
fo würbe man über bk Umbilbungen unb tua^ Unfletc feiner
eigenen SJ^einung nocb manche wichtige 23emer!ung machen
fonnen: id) gefiele aber, biefe 2lrbeit gefc^eut ju böben, fo
gewig idi auc^ an einigen (Spuren wa^rnajm, \>a^ fie nic^t
frud)tIo^ fei)n würbe»
(I) Bonaventura in IV". Sentent. Dist. 11.
In Sacramento duo sunt, scilicet efficacia et signantia.
Esse igitur de integritate sacramenti dupliciter est. Aut
Iantum ad efficaciam, et sie neutra species est de inte-
...
388
gritate, sed quoelibet est totum , quod habet cfficaclam :
aut quantum ad significationem , vel signißcantium et sie
sunt de integiitate: quia neutra per se exprimitur res
hujus sacramenti sed in utraque simul.
(K) Statutum Cisterclensium editum in Capitulo gene-
rali, a. 1261. V. Marlene thes. anecdot. Tom. lY.
pag. 1418.
Cum ex participatione sanguinis Domini, quam post
sanetam communionem solent percipere personae ordinis
in calice, pericula inde veniant gravia et possint evenire
in posterum graviora, ordinal capitulum generale quod
monachi, conversi, raoniales ordinis, exceptis ministris al-
taris , ad calicem more solite non aecedant.
(L) Vetus Ordo divinorum officiorum apud Camaldu-
lenses, corapilatus a. 1253. a Martino III. Priore
Camaldulensi. v. Annales Camaldulensium. Tom.
VI. Codex probat, pag. 92.
— Qui communicandi sunt, coram altari eongregati
morentur majores ante minores ; quorum quilibet , ante-
quam recipiat Corpus Dominicura, positis manibus super
oram cucullae, tribus vicibus dicat Domino non sum dig-
nus. Qui genua flectant devote juxta dextrum cornu al-
taris, honeste sacrosanctum mysterium recipiant, quibus
sacerdos^um magna cautela porrigat Dominicum corpus
diccns Corpus Domini nostri Jesu Christi etc. Ante pec-
tus communicandi fratris duobus fratribus sindonem reti-
nentibus reverenter , ut corpus Dominicum mundissime
conservetur, Kecepturus quidcm Sacramentum tantum di-
cat Corpus Domiui Jesu Christi etc. Hoc ctiara ,pra3vi-
deat presbyter, quod diacono et subdiacono primitus
eucharistiam conferat. Accipientes denique calicem di-
cant Calicem salutaris accipiam et nomen Doraini inyocabo.
589
Et quod ne sacerdos nimium cÜiTerret perficere , sacrista
communicandis aliiim calicem studeat praeparare, iit com-
niode valeant recipere sanguinem Jesu Cliristi. At sacer-
dos cum suo calice honesta altaris officium exerjualur.
Conlirmati demum dicant Yerbum caro factum est, et lia-
bitavit in nobis; Deo gratias, amen.
(M) Durandi (fl. ab a. 1286 - 1296.) rationale divinor.
OfTicior. L. IV. rubr. 77.
In quibusdam locis post sumtionem corporis et san-
guinis Christi aliquid de ipso sanguine reservatur in ca-
lice , et superinf unditur rinum purum ut ipsi comrauni-
cantes inde sumant : non enim esset decens tantui^ sangui-
nem conlicere, nee calix capax inveniretar.
(Einige waren bei* ^OJciuuug, biefcr neu ^iu^ugcöofifcnc
^Qctu wn'bc alöbanii oljin wettere €onfe!rötton in Scib unb
S5iut (E^rijtl tjerwanbelr, ober SDuranb wiberlegt biefelbe. ^^
ift übrigen^ bd bicfcm (©djriftfreüer öUeö nod) im SBibcr^
fpruc^ gegen cinouber, wie e^ not^wenbig ha beuen fei;n
tnu^tc, weld)e t>cn SIrttfcl V)Dn ber ^'nt^le^ung beö ^eld;ö 5U#
crjT in \^xt Dogmatif öufna^men* ^r hcmi^t balb nad)
obiger @tellC/ quod solum hostiam re^piens , non plenum
sacramentaliter recipiat sacramentum.
(N) Attendant Sacerdotes, quod cum eommunionem
Sacramenti porrigunt simplicibus paschali tempore vel
alio, sollicite eos instruant sub panis specie eis simul dari
corpus et sanguinem Domini imo Christum integrum, vi-
vum et verum, qui totus est sub specie Sacramenti.
Doceant eliam eosdem , quod id quod eisdem in ca-
lice propinatur non est sacramentum, sed vinum purum
eis hauriendum traditum, ut facilius sacrum corpus glu-
tiant, quod ceperunt. Solis enim celebrantibus sanguinem
I
590
sub specie vini consecrati sumere in hujusmodi minori-
bus ecclesiis est concessum.
Ad a. 1281. Constitut. Joannis Peckham, Archlepls-
copi Cantuar. in Lindwood Provinc. Änglican. pag. 9.
(O 1.) Syn. Exoniensis. 1287. ( Wilkins Conc. M.
Brit. Vol. IL p. 133 )
Verum ne , instigante diabolo, ulla solicita dubilatio
de corpore Christi mentes occupet laicorum ; priusquam
comraunicent , instruantur per sacerdotes , quod illud ac-
cipiunt sub panis specie quod pro illorum salute pepen-
dit in cruce hoc suscipiunt in calice, quod effusum de
corpore Christi ; et ad hoc inducantur per exempla, ratio-
nes, et miracula, quas hactenus evenerunt.
(00) 2lua iiac{)foIgenbcn ^ircfcenüatuten fönn mön fejcn,
irie un|!rclt{g bk (Kommunion unter einer ©ejlalt,
wenigffcnö in ^U\m fran^üjifd)cn ^irc^en, hamali
fc^on ön^enommen wav.
Statuta synodalia Eccles. Cadurcensis, Ruthenensis et
Tutelensis c. VI. ed. sec. XIV. v. Martene thes.
anecdotor. Tom. IV. p. 712.
Et esset honestum ac pium, communionem recipi in
festis Nativitatis dofjiini et Pentecost^s a quocumque fideli
et ad hoc populus inducatur. Praecipientes , ut sacerdo-
tes vinum purum habeanli paratum in Ecclesia, quod sta-
tim, non cum calice sacerdolis, sed cum calice ad hoc
specialiter deputato tribuant populo , postquam receperint
corpus Christi. Prohibentes communicantibus , ne a prap-
sentia ipsorum sacerdotum recedant, donec de vino ali-
quantulum biberint, et diligenter abluerint ora sua.
Parvuli autem, qui tantae sunt innocentia?, quod pec-
cato mortali non fuerint pergravati et talis discretionis et
391
compositionis fuerint, quod cuni aliqua revcrenlla et ti-
more sint sa<;ramentum suscepturi, secure ministretur eis-
dera aliqua confessione pr(chabita, ut modum confltendi
et communicandi assuraant. In Sacramentis enim, et
maxime in isto, ubi caligat oculus rationis, instruendi
sunt homines et raulieres, non solum per verba, immo et
per actus exterioies ad devotionem et fidem, aliis vero
parvulis nullatenus concedatur. Sed in mortis articulo
I^Hrel alio Tinum cum aqua in calice porrigatur eisdem,
^^ton quod hoc ^t sacramentum , sed propter fidem et as-
v_suetudineni sacramenli.
(O 2.) Ne quidem presbyteris (fagt Mabillon Com-
ment. in Ord. Rom. p. 62) in eorum ordinatione altera
species a Pontifice Romano conceditur in Ordinario Jacobi
Cajetani , qui seculo tertio - decimo desinente et quarto
decimo ineunte floruit. Solis id tribuitur Episcopis, qui
genua non flectebant comraunionem sumentes. S}?flbilIon
fc^Ilegt öu^ blefen ^uUcn ^u ml, trenn er jie für bcttjeljenl)
f)ält, bag fc^on 311 Einfang bcö öierje^nten S^^v^unbcrtöC^om^
muuiou unter einer ©eftalt felbf! in bcr 3^Dmifd;en ^ird;c
fo allgemein gemcfen fep, benn biefe @d)rifr, \vk fie M ^df
biüon öbgebracft ifi, hat fo Diele 3ntcrpoIationen flu6 bem
lel^tcrn S3iertel be^ t)icr3e^ntcn S«f)f^"»bcrtö, bog 3f"3"i(T'^
berfdben, ttjo e^ ouf genaue (5&ronoIogte gcn^ijTer SQ^einungen
öufommt, gar nid)t braud)bar finb* f, 5}?anfr3 ^InmerL ^n
bem 2(rt. Jacobus Cajetanus in Fabricii bib. med. et in-
fimiß latinit.
ürbanusYI. post suam inVaticana basilica coronatio-
nem a. 1378, omnes diaconos cardinales sua manu pre-
tioso corpore et sanguine Christi communieavit, ut legitur
in Ep. de Urbani electione. Spicil. Tom. V. p. 306.
(P) Einige @c(?oIa|lifcr ftnb ju merfipi^rbig , aU bag fic
392
Jicr ganj übergangen werben f&nntcn. 3c& t>erban!e bie 55e*
mcrFung bcflfelben bem (Saflfanber (de communione sub utra-
que specie f. 24). SHic()arb 9J?ibbIeton, ein ^xancUUiKX, ein
fejr beru&mter >Profefl*or ber ZUoioQic gu £)rforb (f c. a. 1500)
(agt in feinem Kommentar über Sombarbö (Sentenzen. A. diss.
II. art. 4. qu. 6. Communiter non debet hoc sacramen-
tum populo dari sub ulraque specie propter periculum
effusionis et etiam secundum aliquos propter periculum
erroris , ne scilicet communis populus crederet Christum
non esse sub utraque specie: majoribus tamen, in quibus
neutrum periculorum praedictorum probabiliter timelur,
sub utraque specie dari polest,
Petrus Paludanus, ein fe^r berühmter Sominiföncr 3U
q)ari6 (t 1342) fcfereibt in 4. Sent. Dist. II. qu. 2. In
quibusdam Ecclesiis est consuetudo , quod communicant
sub utraque specie. Nee est peccatum, quia, quando
mos erat, crimen non erat. Et ita caute in illis Eccle-
siis sive monasteriis faciunt, quod nihil eßundunt, sed si
ITulgo indifferenter daretur, esset majus periculum.
^ein S'-'lfg^^offe Guilielmus de Montelaudano , ^rofefs
for 5U Siouloufe, fagt: in multis locis communicatur cum
pane et vino, id est cum tote Sacraraento.
(AAA) ^a obige Uebcrfci^ung, um an Deutnd)!cit 3U
getüinnen, bem £)riginaltert n?ortIid) nid;t folgen
lonnte> fo fe^e id) üud) bicfen bei. (van der Hardt
Conc. Const. T. III. p. 647 etc.).
Cum in nonnullis partibus quidam temerarii asserere
praesumant, populum Christianum debere Eucharistiae sa-
cramentum sub utraque panis et vini specie suscipere, et
noi^. solum sub specie panis sed etiam sub specie vini
populum laicalem communicare; etiam post coenam vol
alias non jejunum communicandum esse pertinaciter asse«»
39:
rant, contra laudabilem Ecclesiae consuetudinem rationa-
Liliter approbatam^ quam tanquam sacrilegam damnabili-
ter reprobare conantur: hinc est, quod Sacrum Con-
stantiense Concilium adversus hunc errorem saluti fide-
lium providere satagens matura plurium doctorum tarn
divini quam huraani juris deliberatione prajbabita decla-
rat, decernit et definit: Quod licet Christus post coenam
instituerit et suis Apostolis ministraverit sub utraque spe-
cie panis et vini hoc venerabile sacramentum, tamen hoc
non obstante, sacrorum Canonum auctoritas laudabilis et
approbata coiisuetudo Ecclesiae servavit et servat, quod
hujusmodi sacramentum non debet confici post coenam,
neque a fidelibus recipi, nisi in casu infirmitatis aut al-
terius necessitatis a jure et ab Ecclesia concesso et admisso.
Et sicut haec consuetudo ad evitandum pericula ali-
qua et scandala rationabiliter introducta est, sie potuit
simili vel majori ratione introduci et rationabiliter ob-
servari, quod, licet in primitiva ecclesia reciperetur boc
Sacramentum a fidelibus sub utraque specie, tamen postea
a conficientibus sub utraque specie et a laicis tantum-
modo sub specie panis suscipiatur.
Et firmissime credendum, et nullatenus dubitandum,
integrum corpus Christi et sanguinem tarn sub specie pa-
nis quam sub specie vini veraciter contineri. Quoniam
hujusmodi consuetudo ab ecclesia rationabiliter introducta
et diutissime observata, sie habenda est pro lege, quam
non licet reprobare: aut sine autoritate ecclesiae pro^li-
bito immutare.
Quapropter dicens, quod hanc consuetudinem aut le-
gem observare sit sacrilegum autillicitum, censeri debet
erroneum. Et pertinaciter asserentes oppositum praemis-
^Hkrum, haeretici sunt censendi et grayiter puniendi per
594
dicecesanos eorum aut Officiales eorum, aut haereticae
pravitatis inquisitores, in regnis seu provinciis, in quibus
contra hoc decretum forsitan fuerit attentatum, juxta ca-
nonicas et legitimas sanctiones, in favorem catholicae ßdei
contra haereticos et eorum fautores salubriter adinventas.
Item ipsa sancta synodus decrevit, definivit, et de-
claravit super ista materia reverendis in Christo dominis
Principibus, primatibus , Archiepiscopis et episcopis , et
eorum insecutoribus , Vicariis , ubilibet constitutis, Pro-
cessus esse dirigendus, in quibus eisdem committatur et
mandetur nomine hujus sacri concilii, sub noena excom-
municalionis, ut effectualiter puniant contra hoc decretum
excedentes.
Eos vero, qui communicando populum sub utraque
specie exorbitaverint , et sie faciendum decreverint, sie
ad poenitentiam redierint, ad gremium ecclesiae susci-
piantur, injuncta eis pro modo culpae poenitentia salutari.
Qui vero ex illis ad poenitentiam redire non cura-
verint, animo indurato , per censuras ecclesiasticas per
eos ut haeretici sunt coercendi, invocato etiam ad hoc,
si opus fuerit, auxilio brachii secularis.
(Q) 1437. in Capitulo generali Cisterciensium etiam
ministris altaris Calix denegatur. Martene thesaur.
anecdotor. Tom. IV. p. 1587.
Licet propter rationabiles et justas causas observatum
hactenus fuerit in ordine, quod ministri altaris sacratissi-
mum eucharistiae sacramentum sub utraque specie reci-
piant: quia tamen a nonnullis plus quam oporteat sapere
volentibus vel forte non intelligentibus, aut credentibus
quod totus Christus atque veraciter et fructuose sub sola
specie panis et vini sumitur, diversos circa hanc materiam
seminarunt errores. Idcii'co praesens capitulura generale
395
Romanam ecclesiam merito volens imltari, quae licet olim
in certis solemnitatibus praedictum sacratissimum sacra-
mentura interdum sub utraque specie personis in ordine
sacerdotali minime constitutis ministraret: ad auferendum
tarnen oranium errorum occasiones, ipsum nunc sub sola
panis specie dicitur ministrare; statuit, ordinal et definit,
quod de cetero ministris vel aliis quibuscumque personis
praedictum sacratissimum sacramentum sub specie vini
nullatenus ministretur sed omnes, solis sacerdotibus mis-
im celebrantibus exceptis , ipsum sub sola specie panis
recipere sint contenti, firraiter et inconcusse tenendo et
credendo, quod aeque veracius et salubrius ipse Christus
totus sub sola specie panis continetur et sumitur, ac si
sub specie panis et yini sumeretur.
(R) In hac sancta Ecclesia Cluniacensi mos consue-
lus et devotissimus Jiabetur, devoteque ab antiquo obser-
vatus seniper, ut more illo, quo Christus pavit discipulos
in die Coenae, sacerdos majoris altaris pascit suos in sa-
crosancto mysterio ministros sub utraque specie, videlicet
corporis sacri, et divini sanguinis Christi, Diaconum sci-
licet, Subdiaconum, et duos sibi adsistentes ministros et
istud quotidie in celebratione majoris Missae.
V. Chronicon Cluniacense, ipsius Abbatis jussa con-
scriptum post a. i485. Inest biblioth. Cluniac. pag.
1640.
(S) Ut lucidius videatur pro declaratione Catholicas
veritatis, quid circa perceptionera sacrae Eucharistiae te-
nendum «it et agendum pro utilitate et salute populi Chri-
stiani post dillgentem perscrutationem divinarum Scriptu-
rarum sacrorumque Canonum et doctrinarum a sanctis pa-
tribus et Doctoribus traditarum in hac sancta Synodo lon-
gis temporibus habitam, consideratisque omnibus quae
596
pro dcclaratione hujus rei consiclerancia fuerunt, decernlt
et declarat eadem sancta Synodus^ quod fideles Laici sive^
Clerici cornmunicantes et non conficientes , non adstrin-
guntur ex praecepto Domini ad suscipiendam sub utraque
specie, panis scilicet et vini, sacrura Eucharisliae Sacra-
mentum. Sed Ecciesia, quae rcgitur Spiritu Teritatis se-
cum manente in aeternum, et cum qua Christus manet
usque ad consummationem seculi, sicut ait divina Scrip-
tura , ordinäre habet, quoraodo ipsis non conficientibus
ministretur, prout pro reverentia ipsius Sacramenti et Sa-
lute fidelium viderit expedire. Sive autera sub una spe-
cie^ sive sub duplici quis communicet , secundum ordi-
nationem seu observantiam ecclesiae, profieit digne com-
municantibus ad salutem. Nee ullatenus ambigendum est,
quod non sub specie panis caro tantum , nee sub specie
vini sanguis tantum, sed sub qualibet specie est integre
totus Christus. Laudabilis quoque consuetudo communi-
candi laicum populura sub una speeie ab Ecciesia et SS.
Patribus rationabiliter introducta et hactenus diutissime
observata, et a Doctoribus divinae Ic^is Sacrarum Scrip-
turarum atque Canonum multam pei'itiam habentibus,
jam a longaevo tempore commendata pro lege habenda
est, nee alicui licitum est eam reprobare, aut sine aucto-
ritate Ecclesiae ipsam immutare.
Datum Basileae, in nostra solemni et publica ses-
sione, decimo Kalendas Januarii anno a Nativitale Domini
milleslmo, quadringentesimo trigesimo septirao.
(T) Thomas Waldensis de Sacram. Cap. 94. Nee
negamus eis generaliter bibere Christi sanguinem secun-
dum vini speciem; sed nee generaliter et sine discrelione
concedimus universis. Nam seimus dq consuetudine ec-
clesiae rclictum esse majorum praelatorum industriae, ut
597
üc ministrls altaris quosclam, aut alias personas illustres
de vulgo, fide reverentia et omni timore Dei praeditas
ad lianc coramunicationem solennem in utraque specie
possint admittere. Sicut interdum solet Papa et alii qui-
dam Episcopi immo et inter fratres suos quidam religiö-
ser um praepositi.
(U) ©c^reibcu cincö pdbftllcben Scgaten, ttJic c^ ^dx^
tili ^pofmaim feinem )Snd) de Commun. sub utraque pag.
78 eliigcrucft l^at. Quamvis et apud nos in pluribus Ec-
clesiis sive monasteriis ex privilegio vel ex consuetudine
servetur, ut non solum conficiens sed etiam alii sub utra-
que specie communicent.
(X) Nee superflue sumitur sub utraque specie. Nam
species panis ad carnem et species vini ad animam refer-
tur. Cum vinum sit sacramentum sanguinis in quo est
sedes animae. Ideoque sumitur sub utraque specie, ut
significetur quod utrumque Christus assumpsit, et carnem
et animam. Et quod tarn animae , quam corporis parti-
cipatio valeat. Ünde si sub una tantum specie sumeretur
ad tuitionem alterius tantum valere significaretur.
Glossa decreti. De consecr. dist. 2.
(Y) 3n bcr ©ermoil Sut^crö (Tom. Altenburg. I. pag.
331) t>oti bem ^odjmurbigcii ©öcvamcut be6 \)üU
wahren £cic()namö (S^rifli. Sd; bebienc mid) hei hkf
fem 3ßitpunft i^or^uglict) bcr gcuerlinfc^cu l5tfertatioii:
De Lutherana communione sub una. Goettingae
1751.
„Daö ©öframent ober du^erltcoe ^c'idycn flehet in bcr
,,gorm uub bcv ©eftalt M ?5robö unb 53ciu^, gleid) mc
,M^ ^iJufc in bcm ©öffcr, fo bod), bap man beö 25robr5
„unb SBcin^ uicffe mit Sj^cn unb (linFcn, (jlcici)\ric man bcr
398
„X<iufe vSJöflTer ncuj! ober bavein fenfet ober bamit begeugt»
^^ ttlenjo^l man igt nidjt beibcr ©eflalte« bcm 53olfc
„aU^ ZaQt glebt, wie t>or ^dtcti, i(! öuc^ nicfet not^, fo
,,neuflret U)x boc& ölle Za^c bie 5prie(!erfd)ajft für bem 53oIfc,
„mib ijl gcnua, bag ta^ ^olf fcia taglid) begel^re, unb ^u
,,3^it einer ©e(!alt/ fo Diel hk (^^viflltct)e Äirc^e orbnet unb
,,9iebt, cmpfa^e* ^€ if! aber bei mir für gut angcfe^en,
,,bag hit ^irc^c in einem gemeinen (^oncilio tvieberum Der?
,,orbnete, bag man allen 3J2enfd)en beibe ©eftalt gebe, tuic
„ben ^rieflcrn» DZic^t barum, bag eine (^cfialt m<i)t genug
//f^9/ fo bocf? tDO^l allein be^ ©lauben^ 23egierbe genug iiT,
„aU @t. Sluguflin fprid)t: Sffiaö bereitejl bu bcn ^auc^ unb
„\:>k gd^nc? ©laube nur, fo ^a(l bu baö (^aFrament fdpon
„genoffen, fonbern bag eö ^lemlicö unb fein njdre, fo be^
,,©aframent5 (5)e(!alt unb gorme ober ^eicben ntd)t ftucflic^
,,cineö Zf}dU, fonbern gan^ geben würbe: gleid; wie ic^ Don
,,ber Sauffe gefagt, bag e^ fuglic()er rodre tnö SBaffer su
„taud)m, benn bamit begieflfen, um ber ©dn^e unb ?ßolI?
^^fommenjclt willen beö ^eic^enö/'
(^ ©ielleic^t i(I eö nicf?t unangenehm, ein SSer^eicftnig
öller ber 2lfren(Iucfe ^u Jaben, weld)e bamal6 ^wifc^en bem
q)ab|t unb bcn S)eutfiten gewec|)felt worben. golgenbc finb
mir befannt geworben:
1560, ben 6. ^axt. Q5rief ^oncept Don ^anjler ©elbö X?anb,
toit gerbinanb an ^iuö lY. fcbrieb, feinen ^o^n
!D?ax*imilian bk (Kommunion sub utraque ^u erlauben,
er mochte fonjl ganj übertreten.
3ft baö crflc ©töcf in ber Don S. 51. ®d)mib , su
.^Jelmpdbt (1719. 4.) herausgegebenen (Sammlung
unter bem ^itel lilterae secretiores Fcrdinandi I.
Imp. ad Papam pro öbtinenda Max. II. com-
399
munlone sub utraque, unb bar<JU5 obgcbrucft in
Miscell. Groninganis. Tom. VII. P. I. pag. 89,
Eod, anno,
Memoriale secretius pro Do. Sciplone Comite Arci
ad Papam, de religione Maximiliani filii. ^n ber
angeführten (gc&mibtifc^en ©ömmluug, n. 2. in Mis-
cell. Groning. 1. c. p. 98.
1562, ben 23. See. 53or(!elluug ber faiferlid&en ©efanbtfcfeöft
bd bem ^oncilium ^u Orient, irarum ben ^'Intro^^
nern in ^ü§men, ^a^xcn, ©c^IejTen, S^uuQanx,
£)ej!erreic^ , @tet)er, ^drnt^en, Qxaitt, SSaiern unb
(Schwaben ber ©ebrauc^ M 21bcnbma6lfelct6 DtxiiaU
Ut werben foCfe.
Lünig Spicil. Eccl. P. I. p. 499 unb Goldast
Const. Imp. T. II. p. 876.
1564, ben A. gebr. ©cfereiben 2IIbrect)tö h\ SSöiern an Pium IV.
ben Säten ben ^elc^ gu gcilatten. SÖ2unc()en.
Lün. Spicil. Eccl. Cont. II. p. 19.
tüx 14. gebr. ^aifer gerbinanbö (Schreiben QUid)m
Sn^altö.
Lünig. 1. c. P. I. pag. 504» Goldast. I. c. pag. 879.
ben 16* 2Ipr* Pius IV. Imperatori et Bavariae Duci
utramque speciem indulget.
Brower. Annal. Trevir. T. II. addit. pag. 558.
Unter eben biefem datum ein S5ret)C an ttn ^. 3«^
liuö üon DIöumburg (Lünig. 1. c. P. II. app. p. 149*
unb tn Miscell. Groning. Tom. VII. pag. 101.) 21«
hk ^r^btfcb^fc u»b 55ifd)üfc tn ben faiferlic^en (^*rb*
unb baierifcben Sanben. (Lünig. 1. c. P. I. p. 507.)
2In ben (Jrjbifdjof üon '^lahx^ (Guden Cod. dipl. T.
IV. p. 709), an ben (Jr^bifcbof t)on Syrier (Ilonthe-
^lOO
mii hist. Trevir. T. II. p. 882). Pelissoft im 3In#
Jaug JUr ©d)rtft de la tolerance des religions ^at
ba^ 58rct)e öuc() abbrudfeu laffcn. 64)lltcr de libert*
Eccies. Germ. pag. 1043. fdjetnt einer ber crjlen gc^
wefen ^u fe^ii, ber H befannt machte, ©cfemib tu
ber angeführten Sammlung, p. 3i, glaubte c« juerjl
in Srucf ^U geben» In Luckü sylloge numismatum
flefen jnjei SJiön^en, ti?c(c()e ^um 2Inben!en bicfer
froren SSegeben^eit geprägt irurben.
1564, titix l^* Sun. Decretum ceesaris de executione hu-
jus concesslonis.
3n ber (Sc^mibtifc^en ©ammlung, n. 5. In Miscell.
Groning. T. yil. pag. io4. 2lm cr(!en ^rt ijl.auc^
^uglelc^ beigefügt: tit ^u SBien gefc^ejenc 2Infunbr*
gung (f. eben bief. hti Lünig I. c. cont. II. pag. 20)
uttb ein ©(^reiben gerbinanbö an ben 35. Su^tiiö.
1564, ben 1. <^c:ßU Pius lY. melbet bem ^pcr^og jpeinrid)
\>mi 95raunfc^vt)cig Lüneburg , unter wa^ üor 25cbin*
gungen er ben ©ebrauc^ beibcr ©eflalt erlaubt Jabc:
ein gleic^e^ (Schreiben an htn ^öicefan^ler beö ^per^og^.
Lünig 1. c. Cont. II. p. 21. 22.
XII.
HISTORIA CRITICA CHRONICI
EUSEBIANI*) 1784.
In maxima vitae meae fellcitate, quam fere omnem inde
ab aliquot annis Georgiae Augustae acceptam refero,
inslgnem me hodie illius accessionem amplissimumque be-
neficium consecutum esse laetissimus profiteor, cum*in sol-
lenni consessu eorum, quos sumraos artium suarum ma-
gistros nunquam non veneratus sum, quibusque studia raea
probari nihil unquam antiquius habui, primum publice de
litteris meis verba facere lieeat. üt enim in omni artium
et scientiarum genere, quas multiplex rerum usus, assidua
et per plures annos continuata lectio alit confirmatue,
multum valet societas eorum, qui diu in bis litteris habi-
tarunt, ita maxime inveui disciplinis bistoricis addicto
nihil optatius accidere potuit, quam arctissima conjunctio
cum iis , quorum exempla ad omnem posteritatis memo-
riam constat, quantum ad eflingenda virorum summorum
ingenia iramensae illae Utterarum opes contulerint, quas
*) 5(u^ ben Commentationes Societatis Reg. Scientiar. Goettiii-
geiisis. Vol. III. Goettingae 1787. p. 39 — 67.
©pittlerö fämmtl. «SJerfe. vill. «ob. 26
402
suratibus Tere regiis paratas Bibliotheca Georgiae Augu-
stae offert.
Selegi autem, ul rem tantis arbltris dignam offerrem,
argumentum tractationis meae, et multis eruditorum quac-
slionibus celebratum, et ipsa etiam, quantum equidcm
video , natura sua gravissimura , cum haud parum com-
modi accedere posset litteris historicis , si fidera veterum
chronicorum, quorum frequentissimus est apud nos usus,
ita excussam indicatamque haberemus, ut inter veteres
illos narratores tanquam inter notos homines versari possis,
quorum vultus moresque in eo expressi ßdera rei narratae
modo mirifice confirmant, modo haud parum leviorem
reddunt.
Inter omnes autem veterum Chronicorum auctores,
qui universam aliquam rerum gestarum seriem inde a pri-
mis temporibus usque ad suam aetatem justo ordine di-
gesserunt, ingenli veterum recentiorumque consensu pal-
mas tulisse videtur Elsebius. NuUus est enim eorum,
qui post eum hanc spartam ornarunt, qui non uberrimos
rivulos suos ex fönte Eusebii deduxerit, qui non cum
tanquam peritissimum rei chronologicae artificem veneia-
tus sit, qui non gravissimas res sua auctoritate confirma-
verit, iique etiam ipsi, qui ab illius opinionibus disc£?sse-
runt, vel excusationem adeo anxie quacsitam vel ambi-
tiosam sui ipsorum commendationem prae se ferebant, ut
ipso suo dissensu famam Chronici Eusebiani confirmasse
existimandi sint. Neque tanta ei laus atque auctoritas
vel celebritate aliorum ejusdem scriptorum vel sola digni-
tate auctoris accessit, cum in lau(Jando illo et ii consen-
serint, quibus theologicas Eusebii opiniones haud placuisse
constat, adeoque prae aliis lilius scriptis ita celebiatuni
405
Sit hoc Chronicon, ut potius reliquis Eusebii lucubratio-
nibus lucem reddere quam ab illis mutuari yideatur *).
Quae cum ita se habeant, haud inutili labore me
defuncturum esse speravi, si tandem aliquando, quod,
quantum equidem novi, nemo hactenus tentavit, rationes
criticas primasque origines hujus Chronici exquirerem,
eosque fontes indagarem, unde sua hauserit Eusebius,
ut vel ex ipsa horum fontium indole, si modo adhuc
penes nos sit hujus rei Judicium , vel ex moribus Eusebii
diligentiam neghgentiamve testantibus certissima argu-
menta peti possint, quibus laudi dudum celebratae novum
robur accedat , yel consensus veterum recentiorumque
verecunde interpelletur.
üt vero via modoque disputatio nostra procedat, prae-
cipuas primum editiones Chronici Eusebiani in classes
^0 Iiisignia qiiaedam auctoriim testimonia, quibus Chrcnicon Eu-
sebii oruarunt/coiigessit PontacHs in praef. ediü. siiae, Mel-
chior Canus, vir celeberriinus, ita de Clironico Eusebii : „In
„Cbronicis Eusebii adiniranda fuit hominis diligentia, magnua
„omnino labor, varia et pene incredibiUs lectio ac grave pror-
„sus in lectionis varietate Judicium 5 nee scio an quisquam alius
„inter Ecciesiae sive latmae sive graecae auctores , quamvis
„summa vi atque opera eniteretur, praestantiora temporum no-
,,bis posset monimenta relinquere."
Magni facio nomen theologi doctissimi, sed vereor, ut
multum legerit Chronicon Eusebii. Marcellinus Comes, scrip-
tor sec. VI., Chronicon suura his verbis inchoatur: „Post mi-
„randum opus, quod a mundi fabrica usque ad Constantinum
„Principem Eusebius Caesariensis, hujus seculi originem, tem-
„pora, annos, regna, virtutesque mortalium et variarum ärtiura
„repertores omniumque paene provinciarum monumenta cora-
„memorare graeco edidit stylo."
Quis non miretur tales tantasque laudes, omnium sequen-
tinm scriptorum consensu confirmatas, si eas (andern cum
ipso Chronico Eusebii comparaverit ?
26 *
404
suas digeramus , üt primura constct , quaenam earum tex-
tum Eusebianum ita sistat , ut , quantum per temporum
scribarumque rationes licuerit, vere sit Eusebii, nee quod
maxime hoc loco monendujn, praecipuam alicujus editio-
nis laudem babebimus, quod plurimum veritatis historicae
vel cbronologicae complectatur, cum prima lex sit dispu-
tationis nostrae, ut animum Euseblo nee faventem nee
iniquum afferamus. In quo ipso examine altera dein
quaestio subnascitur, utrum integrum habeamus Chro-
nicon Eusebianum, an ea, quae interpres Hieronymus
memoriae prodidit, quorumve reliquiae ab aliis auctori-
bus sunt servatae, forte epitomen tantum operis pretiosis-
simi spectent, yel fragmentum sint, injuria temporis ita
mutilatum, ut non modo Caput truncatum, sed in ipso
etiam corpore plura avulsa, distorta, lacerata videantur.
Tandem vero auctores investigabimus , quos exemplum
operis sui propositos habuerit Eusebius, vel quorum fidem
tanti fecerit, ut iis modo unice inniteretur, modo eosdem
gravissimos rerum historicarum et cbronologicarum testes
adhiberet.
Duae sunt, ut inter doctos constat, editionum classes
Chronici Eusebiani, quarum prior eas complectitur, quae
solam Hieronymi interpretationem afferunt , raraque ha-
bent adjumenta critica, quam quae a collatione Codd.
Hieronymi aliisque ad hunc spectantibus proficiscuntur.
Eminent inter editiones hujus classis, neque enim hie
juvat omnem pl^bem perlustrare , Mediolanensis,
quae anno seculi decimi quinti septuagesimo quinto cura
Bonini Mombritiiprodiit*), etArnaldiPontaci Epis-
'^) Eusebii Chronicon , per Philippum Lavaniam, sine loco et
anno. 4. cf. J^ambergcrö juvcrlöiT. 5Tad)rirf)ten. U. Xf^, ©. 7lo.
405
copi Vazatensis, quae Burdigalae intervallo centum
et triginta annorum priori successit*). In hac posteriore
primum manus critica adraovebatur operi gravissimo, tan-
taque ßde, castitate ac erudilione in edendo auctore suo
versatus est Pontacus, ut ipsi Scaligero, judici interdum
moroso , mirificis laudibus labor illius probatus sit. Con-
tulit enim praeter octo editiones**) et viginti octo Codd.
MSS. gallicos, italicos et hispanicos infinita loca auctorum,
ex Hieronymi Chronico exscripta, notasque adspersit, tarn
in corrigendo quam in illustrando auctore suo foecundis-
simas. Aperuit Gallus eruditissimus Stadium , in quo po-
steriores Hieronymi editores vires suas exercere potuis-
sent, sed raro inter homines grammaticos timore, quam
gravitas operis et excitata eruditorum exspeetatio incus-
sisse videbantur, omnes hanc provinciam defugerunt, pri-
musque eorum, qui opera omnia Hieronymi ediderunt,
recentissimus Italus Vallarsius Tomo octavo editionis suae
etiam Chronicon addidit***), quod Hieronymo ut inter-
preti 5 et emendatori et continuatori debemus. Ut autem
in hac postrema Hieronymi editione multa sunt, quae ju-
dici etiam minus severo , quam quem in Clericö invenit
Martianaeus , nunquam probari queunt , ita maxime in
edendo Chronico minime iis satisfecisse existimandus est,
qui laborem plane intactum relinqui quam illotis manibus
tractari aliisque peritioribus praeripi malunt. Quae prima
lex esse debuerit editoris , ut textum collatione Codd.
*) Pontacus editionem Basileensem (Henr. Petri. 1529) elegif,
cujus textum eniacularet. Editionis 3Iediolanensis liaud memiiiit.
■^^) Venetam, Lutetianam , Basileenses quinque , Somüanam.
***) Veronae. 1740. foT.
406
emendatissimum daret, ea plurimis locis temere violata '^),
quae altera lex, ut oeconomlani operis subtilius exqiiire-
ret, multaque ex moribus seculi illlus illustraret, quae
nee erudito lectori primo statim iiituitu occurrunt, feie
penitus neglecta est, multaque vero largissime sunt con-
gesta, quae ad confirmandam vel convellendam veritatera
historicam opinionum Eusebii spectare videbantur. , Insig-
nem ceterum in eo uno operam praestitit, quod aliqua,
quae inde a Pontaci terapoiibus ad emendationern textus
ab aliis sunt allata, et maxime Salmasiana a Scaligero in
lucem prolrusa suo loco notis insereret , adhibitoque Co-
dice Parmensi, alioque recentiori quidem sed satis emen-
dato , loca quaedam restitueret. Num vero laudem ali-
quam et conquirendis graecis fragmentis Eusebii meruerit,
num ex- Eusebii fragmentis lucem aliquam Hieronymo in-
tulerit, mox videbimus.
AI t er i US enim classis editiones sunt eae, in quibus
conquisita undecunque Eusebii fragmenta graeca non tarn
ad restituendam interpretationem , quam ad inveniendum
Eusebii textum adhibebantur, quaeque ea cura sunt pa-
ratae, ut in restituendo ipsius Eusebii textu parum vel
niliil tributiim sit versioni Hieronymianae. Cum enim
Hieronymus, quae est ipsius ingenua confessio multis re-
*) Servavit Vallarsiiis textum edidoiiis Pontacenae , Poiuacns
autem in miitando textu edilionis Basileensis adeo religiosus
fuit, ut nee consensu Codd. gravissimorum se coinmove^i pa-
teretur. Ut unum exerapTum instar omiiiuin afFeram, deest
latercuhis seu series aimornm a' Christo in sex Vaticanis Co-
dicibus, tribns Fabricianis et oiiinibiis alifs praeter Victorinuni,
Oisellinura et Valicanuin quendaiu, nee lamen cum in textu
suo omisir.
407
rum argumentis facile confirraanda, rnterpretationera opeiis
gravissimi, multis difficultatibus conjunctam, notario V€-
locissime dictaverit^ cum more suo, ex aliis etiam ejus-
modi laboribus cognito, in interpretandis auctoribus inter-
dum intemperautius sit versatus, multaque ex suo ingenio
fingere ac refingere, alia resecare, alia adsuere interdum
ausus Sit , nae is multum a veritate posset aberrare , qui
tale fuisse Eusebii Chronicon, quäle illud interpretatus
est Hieronjraus, sine ullo praevio examine sola interpretis
fide sulfultus asserere haud cunctaretur.
Princeps et fere iinicus est editoium hujus classis
JosKPHüs Scaliger, cujus laudes , eo labore partas, nee
ipse etiam Celeb. Hieron. de Pi'ato exstinxisse videtur,
doctissimi enim hujus viri labor, quantum equidem novi,
ultra primas operis futuri lineas, et praestantissimura , in
quo duxit has lineas, periculum criticum haud excurrif^).
Nactiis est Scaliijjer ex Bibl. Regia Parisiensi Codicem
Geoi-gii , Chronograplii sec. VIll. , S) ncelli Patriarchae
Tarasii , eundem iüum, quem poslea integrum emenda-
tioremque edidit Goarus, et in auxilium adhibitis fastis,
ut vocant, Siculis beneficio Is. Casauboni acceptis, ex-
eussis etiam Cedreni annalibus in eam fragmentorum Eu-
sebianorum segetera incidisse sibi visus es^t, ut insolita in
homine eruditissimo audacia ad suam opinionem fingeret,
quodnam fuerit opus Eusebianum**). ♦ Primum enim in
^) De chronicis libris duobiis ab Eiisebio Caesariensi scriptis et
editis dissertatio. Accedimt g:raeca quaedam fragmenta ex
libro I. olün excerpta a Georgio Syncello. Veronae. 1750. 8.
**) Scaliger chronicon Eiisebianum primum edidit in tliesaiiro
temp. Lugd. Bat. 1606. Altera editio muKo anctior prodüt
Amstelod. 1658.
408
eam opinionem delapsus, priorera aliquam partem operis
Eusebiani periisse ipse ex suo ingenio oam restitult, gra-
yissime conquestus putidum antiquariorum fastidium , qui
ex ea parte verslonis Hieronymianae nihil aliud servare
voluerint, quam nuda regum et aliquot consulum nomina.
Nee id unum Viri doctissimi in condendo hoc opere te-
meritatis exemplum. Nescio quo fato deceptus Eusebium
vestigiis Julii Africani ita inhaesisse sibi persuasit, ut
nihil reconditae antiquitatis apud Eusebium in Canone hi^
storiarum reperiri assereret, quod non ab Africano liau-
serit, quanquam et ipsi etiam multa se obtulerant, in
quibus erat manifestus Africani et Eusebii dissensus. In-
genti enim discrimine haud raro distat chronologia Afri-
cani ab ea, quam Eusebius probavit*), et quantum ex
fragmentis chronographiae Africani, a Gallandio novissime
coHectis**), conjicere licet, ne quidem exemplum operis
sui ab eo accepit Eusebius, sed suo ingenio usus rationes
illius ita disposuit, ut ei uni intemeratam operis sui lau-
dem dcberi fatendum sit, Haud paucos Africani errores,
expresso interdum errantis nomine, correxit, nee, si vel
eam plagiarii temeritatem suspicatus fueris, ut in illum,
ex quo plurimum profecit, gravius inveheretur, nee Geor-
gium, Syncellum Tarasii, tam somnolentum Eusebii cri-
ticum fuisse existimes, ut memoriae illius gravissimura
crimen condonaverit, quod spoliatis Africani opibus,
Africani erroribus illudere ausus sit. (Juis igitur haud
miretur doctissimi Scaligeri temeritatem, sine omni aucto-
ritate Eusebio crimen objicientis, a quo, si quid equidem
*) V, Hieron. de Prato I. c. p, 856. coli. p. 329,
**•) Bibl. PF. Tom. IL p. 363 sq.
A09
video, plane alienum fuit Eusebii ingenium, Ea enim
ingenuitate in citandis auctoribus delectatus esse videtur
Eusebius , ut si vel diraidiam Chronici partem .ex Afri-
cano desumserit, et ipsius Africani nomen laudaverit, et
nomina forte etiam eorum attulisset, quos ab Africano
laudatos invenerit.
Praejiidicata opinione duetus , majorem operis par-
tem ex Africano sibi vindicasse Eusebium, multa, quae
ipsius Africani nomen apud Georgium inscriptum habue-
runt , quasi disjecta corporis Eusebiani membra , conges-
sit, alia quae apud alios Africano tributa invenit, impro-
vide miscuit, et dum repugnantia se miscere haud raro
animadverteret, insigni temeritate nee aliqua lectionum
varietate excusata, consensum restituit. Quem igitur Eu-
sebium Scaligero debemus , eum profecto ita illi debe-
mus, ut non Eusebium ipsum sed chronicon a Scaligero
ex commentitia Eusebiani operis idea conditum habeamus,
nee in ipsa etiam altera editione thesauri temporum, quam
Alexandro Moro debemus, quidquam allatum est, quod
querelas basce levare possit. Laudanda igitur ex bac
parte prae Scaligero editio Vallarsii , in qua, cum ea
tantum graeci textus fragmenta, quae latino Hieronymi
respondent, sunt conquisita, parum vel nihil alieni ac-
cessit, auctores, unde singula fragmenta sunt hausta,^ lau-
dati, locaque quaedam ex emendatiori textu, quem Goarus
edidit, feliciter restituta.
Enimvero nonnulla exstant Chronici Eusebiani frag-
menta eorumque haud pauca, apud Syncellum ipso Eu-
sebii nomine munita*), quae genuina esse nemo post vin-
^) V. eadem collecta in cit. dlss. doctiss, Hier, de Prato p. 425-489.
410
dicias ab Hier, de Prato institutas facile negarerit, qui-
busque nullus est locus in editione Vallarsi, cum nihil sit
apud Hieronyinum , cui possint respondere. Excitata est
hisce fragmentis quaestio altera*), priori illa longo
gravior, utrura integrum habeamus Hieronymo interprete
Chronicon Eusebianum, an forte tantum partem aliquara
Tel epitomeri operis longo amplioris ab ipso forte Eusebio
concinnatam Hieronymus transtulerit.
Quodsi oranem , qua docti inter se dissentiunt, opi-
nionum diversitatem ad sua capita revocare velis, tria
opinionum genera constitui posse apparet. Multi, inter
quos eminet recentissimus editor operum Hieronymi , in-
tegrum Chronicon Eusebianum ab Hieronymo translatum,
laudesque, ab eo aliisque veterum scriptoribus Eusebiano
operi impertitas , huic nostro Chronico tribui asserunt,
fatumque criticum hujus operis accusant, quod nunquam
non iniquius esse conqueruntur, in libro tot manibus traC-
tato, qualem Chronicon Eusebiano -Hieronymianum fuisse
nemo negaverit. Ilinc illa, ita ii ingeminant, graeci tex-
tus fragmenta , quibus nullus locus versionis Hieronymia-
nae resporjdet, hinc forte lacunae versionis Hieronymianae
ex ipsis illis fragmentis forte -demum detegendae, hinc
illa brevitas locorum gravissimorum , quae haud raro
epitomen potius operis quam ipsum chronicorum appara-
l
*'0 Excitata est haec qiiestio priinum fragmeiilis qiübusdam sni>-
posititiis, apud Anastasium quaest. in Scr. S. obviis. v. epi-
stola Ciirterii, fragmentis Eusebii in ediüone hist. Eccl. prae-
fixa; pliira autem vere geniüna fragmenta, quibns nullus lo-
cus versionis Hieronymianae respondet, primus edidit Hier,
de Prato, neque vero ea sunt omnia, quae Vir doctiss. col-
legit, sed apud ipsum etiara Syncellum nonnulla hactenus
neglecta' cxstant.
411
tum ostendere vldetur. Üt vero praetermittara , in ma-
xima locornm discrepantium varletate^ in summo pluri-
morum Codd. dissensu eum esse omnium illorum Codd.
consensum, qui fragmentis illis plane nulluni locum ape-
rit, ipse etiam Eusebius in praeFatione operis sui rationes
illius ita exponit, ut insignem partis cujusdam pretiosis-
simae jacturam factäm esse, ipsius Eusebii auctoritate con-
stare videatur. »Cum haec ita se habeant«, injecta Por-
phyrii mentione pergit Eusebius apud Hieronymum, »ne-
»cessarium duxi, verltatem diligentius persequi, et ob id
»in priori libello, quasi quandam materiam futuro operi,
»omnium mihi regum tempora praenotavi, Chaldaeorum,
^Assyriorum, Medorum, Persarum, Lydorum, Ebraeorum,
Ȁegyptiorum , i^tlieniensium , Argivorum, Sicyoniorum,
»Lacedaemoniorum, Corinthiorum, Tliessalorum, Macedo-
»num, Latinorum, qui postea Romani nuncupali sunt.« In
praesenti auterii stilo eadem tempora «contra se invicem
»ponens et singularum gentium annos dinumerans, et quid
»cuique coaetaneum fuit, curioso ordine cooptavi.» Duos
libellos cbronicos ab Eusebio scriptos, diversumque utrius-
que argumentum salva Eusebii auctoritate negari non posse,
ipse etiam Vallarsius vidit, utrumque autem libellum in
eo, quod adliuc exstat, chronico ita sibi reperisse visus
est, ut illa, quae in ipsius editlonejnde a p. 34 — 86
inscripto titulo Exordium libri et series regum
exstant, priorem libellum efficere asserat, reliqua autem,
quae inde ab Abrahami tempore excurrunt, ad alterum
libellum, quem praesentem appellat Eusebius, spectare.
Multa autem sunt, quae accurrte subtiliterque dispu-
tata Italum doctissimum convincunt. Ea enim , quae tan-
quam libellum priorem accipit, loco Eusebiano plane non
412
respondent, quo argumentum prioris libeili declaratur,
cum multa in fis sint, quorum nullam spem fecit Euse-
bius, multa desint , quae a se allata esse loco citato pro-
fitetur. Quis enim ad descriptionem Eusebianam prioris
libri attentus uberrimam temporum antediluvianorum cx-
positionem in eo expectaverit? Quis in ea brevitate, cui
Eusebium in hoc opere studuisse negari non potest, ora-
tionem in afferendis S. Scripturae oraculis inepte diser-
tam pertimuerit? Quis praeter nomina regum , quorum
tempora tanquam materia futuro operi erant digerenda,
gentium origines in historia liliorum Noachi uteunque
declaratas allatum iri putaverit ? Noraina autem regum
Chaldaeorum et Thessalorum, quae a se notata esse dixit
Eusebius, in serle allata desiderantur , Consulum vero
Romanorum adjiciuntur, quorum nullus fuit usus in con-
dendo posteriore libello. Nolo tandem repetere, quae
Italus doctissimus HiEitONiiviüS de Prato*) ita disputavit,
ut rem confecisse videatur, eadem illa, in quibus libellum
priorem invenit Vallarsius, quaeque, ut ex Pontaci curis
apparet, in probatissimis Hieronymi Codicibus desideran-
tur, nee Eusebii esse nee Hieronymi, sed hominis cujus-
dam haud satis periti, qui indicem qualemcunque ex ipso
Chronico selegit, pauca eidem praefatus, quae fere om-
nia ex versione vulgata ipsi notissima desumsisse videtur,
Neque eam, tanta fuit hujus hominis negligentia, qualem-
cunque curam adhibuit, ut notissimis chronologicis opi-
nionibus Eusebii assumenta sua aecommodaret, eorumque
meminerit, quae Eusebium in ipso opere suo dixisse fa-
cile meminisset.
Rejecta igitur ea opinione, cujus princeps et novissi-
*) I. c. P. I. S- v-xiv.
415
mus defensor fuit Vallarsius, alios audiamus, qui Chro-
nicon Eusebii a veteribus tantopere depraedicatum dudum
periisse, eaque , quae aetatem nostram tulerunt vel epi-
tomen vel tabulas e naufragio servatas esse, multis ar-
gumentis contendunt. Favent huic opinioni et loca quae-
dam veterum, et ipsa, ut videtur, Chroniei nostri ratio
accuratius exposita. Ipse enim Hieronymus, a quo certa
et explorata librorum Eusebii notitia expeclari potest, in
Catalogo virorum illustrium Chronicorum Canonum
omnimodara historiam ejusque epitomen quan-
dam Eusebio tribuit, tantaque fuit hac in re illius aucto-
ritas, ut nemo sit veterum, qui non ad memoriam Chro-
niei Eusebiani delatus ex ore illius repeteret, quae op-
time ab eo peti posse videbantur. Adjuncta sunt a mul-
tis, ut omnia sibi mutuo respondere videantur, huic loco
Hieronymiano ea, quae supra ex ipso Eusebio attulimus,
et omnimodae historiae nomine depraedicata, quae
libello priori, tanquam materia futuro operi digerenda,
a se parata esse gloriatus est Eusebius. Ita tandera et
suus bonos Eusebio redditus et laudes veterum a levitate
quadam vindicatae, et fata libri optime explicata ac extra
omnem controversiam posita esse videntur. Quodsi enim
epitomen tantum Iiabemus operis illius majoris, quo sum-
mas veterum laudes meritus est Eusebius, si nee ipsa
etiam haec epitome, ab injuria temporum penitus illibata,
ad nostras manus pervenit, si forte ea tantum, quorum
usus quotidianus fuisse videbatur, huic breviario ab auo--
tore sunt inserta, si multa, quae, in breviario temere
posita, sagaciori harum rerum arbitro displicent, in ma-
jori illo opere omnimodae historiae justis auctorum testi-
moniis erant munita : habemus sane, quod temporum libra-
riorumque injuriam doleamus, novoque iterum constat
^ \ 4
exemplo, quot praestantissima antiquitatis monumenta in-
felici quodam bievitatis studio vel tristi sumtuum parci-
monia, quos majus opus poscebat, perierint.
Enimvero quantacunque tandem hac in re sit Hiero-
nymi auctoritas , quam ne quidem Scaligero praeeunte
defugere ausim,'utut perspicua videantur veiba illius de
ampliori quodam opereEusebiano et de epitome
illius sigillatim disserentis, quam contorta etiam sit eorum
interpretatio, qui partem Chronici priorem o m ai m o d a m
bistoriam appellari , partem posteriorem Epitomen
dici arbitrantur, cogit tarnen universa bistoria critica bu-
jus Chronici , ut novam quandam verborum Hieron} mi
Interpretation em, quae non minus ob via esse videtur quam
Tulgaris interpretatio , tentare ausim. Disjunxisse enim
videtur Hieronymus, quae conjuncta accipi voluit, et om-
nimodam historiam epitomenque voca^it, quae forte apud
subtiliorem scriptorem Epitome omnimodae bisto-
ria e esset appellata. Si quod enim unquam extitit ma-
joris molis opus chronologicum Eusebii, cujus epitome
sit Cbronicon nostrum, quis sibi persuadeat, in frequen-
tissimo hujus chronici usu apud veteres nullum vesti-
gium exstare majoris illius operis, cumque plura super-
sint graeci textus fragmenta, quibus nullus locus versionis
Hieronymianae respondet, ne unum quidem eorum ad ea
tempora spectat, quae versione Hieronymiana Cbronici
Eusebiani continenlur. Produnt illa fragmenta extitisse
prologum quendam vel si ita appellare mavis partem ali-
quam qualemcunque Cbronici Eusebiani, quae praeter
fragmenta illa penitus interiisse videtur; cum tarnen nee
qualiscunque pars clironicorum laborum Eusebii sine ullo
vestigio interierit, quis sibi persuaserit, illud majoris mo-
•^is opus, cujus epitome nostrum cbronicon appellatur, sine
nllo vestigio praeter dubia illa Hieronymi verba interi-
isse ? Ollis chronographos recentiores Georgium, Cedre-
num, aliosque, qui opibus Eusebianis mirifice se jactita-
bant, largissimam illarum penum neglexisse arbitretur?
Ollis Hieronymum interpretem adeo somnolentum fuisse
calumniari ausit, ut in praefatione versionis suae, dum
laudes et difficultates operis sui satis arroganter deprae-
dicabat, nihil meminerit majoris illius operis, cujus solam
epitomen latio donaverit? Quae tandem etiam sint ea,
quibus opes majoris illius operis continebantur? Eusebium
in chronico nostro omnia congessisse, quae per temporum
doctrinaeque rationes ab eo congeri potuerunt, vix quis-
quam instituto graviori examine iiegaverit. Quae enim
graviora servavit majori operi , si seriem regum Sicyo-
niorura aliaque bonae frugis haud plena breviario suo
inservit? Cur tandem Hieronymus bistoriam Romanam, in
boc Chronico ab eo desideratam , ex Tranquilio potius
aliisque quam ex majori opere Eusebiano supplevit, et
si nee in majori opere plura romanae historiae monu-
menta erant servata quam in Chronico nostro , quid tan-
dem erat, in quo amplioris majoris operis thesauri erant
conspicui ?
Laudavit in hac, quam vocas , epitome testes rermii
narratarum, ncque eos raro tantum in re dubia vel gra-
viori sed frequentissime nominavit, at ne semel quidem
in excitandis illis majoicis cujusdam operis mcminit, in
quod tamen ampliorem et rerum et testimoniorum appa-
ratum seposuisse putandus est. Nee unquam profecto
majoris illius operis ex spectatio viros harum rerum peri-
tissimos tam suspensos tenuisset, nisi laudibus Hieronymi
aliorumque veterum commoti scopum illum, cui Eusebius
laborem suum inservii;e voluit et rationes universi operis
416
ad hunc scopum dispositas ita obliti essent, ut omnimo-
dam potlus historiam quam laterculos quosdam regum sibi
inyicem synchronistice respondentes paucisque intermixtis
rebus ornatos in eo se habituros esse sperassent.
Quisquis autem sit, qui doctrinam Eusebii, ab anti-
quls tantopere depraedicatam aliisque ejusdem scriptis
comprobatam iniquius ab eo deprirai existimet, cui epi-
tome nostra nomine Eusebiano tantisque veterum laudibus
satis digna esse videtur, is vel rationes temporum Euse-
bii a nostris adeo discrepantes probe recordetur, vel tan-
dem etiam meminerit, chronicon nostrum inter prima
forte doctissimi Episcopi scripta, quibus nee posterior
cura nee doctior lima ädccjssit, numerandum esse.
Neque enim ex eo chronici anno, in quo exemplar
Hieronymi desiit*), argumentum peti velim, quo anno ab
auctore suo vel elaboratum vel adeo editum sit Chronicon
*) Praef. Hieron.
5,A Troia usque ad vicesimiim Conslanlini aiinum nunc addita,
„nunc mixta sunt pluriina, quae de Tranquillo et ceteris illu-
„stribus historicis curiosissime excussimus. A Constanlini au-
„tem supradicto amio usque ad consulatiun Augustorum Valen-
j,tis VI. et Valentiniani iterum, totum meum est."
Quodsi Chronicon Eusebianum post viceniialia Constantini
fuerit editum, et ea, quae de Praeparatione Evangelica scripsit
Eusebius et ea, quae de Demonstratione Evangelica, sunt
priora Clironico nostro. Demonstratio enim evangelica, quam
concinnato opere de praeparatione evangelica aggressus est,
eo jam tempore scripta esse videtur , cum tranquillitas eccle-
siarum christianarum per Constantiniun vix integre esset re-
stituta. cf. Tillemont memoires poiir servir ä Tliisi. Eecles. in
Vita Eus. Caes. §. VI. 0"is autem aetatem chronici aliciijus,
cui auctoY", si vel novam editionera repetitis curis haud ador-
naverit, forte aliquot annos recentissimae mcmoriae facile ad-
dit, ex eo anno definiverit , in quo Chronicon desinir.
417
nostruni, neque cum dlssensum, quem instituta comparatione
Chronici nostri cum graeco textu Cap. IX. L. X. Prae-
parat. Evangelicae observamus *), ita interpretari ausim,
ut cum doclissimo Italo Hieron. de Prato libros de prae-
paratione Evangelica prius editos esse quam Chronicon
Eusebianum, certo affirmem. üt praetermittam, eam esse
vira verborum Eusebii, quibus in loco citat'o praeparatio-
nis evangelicae **) omnis disputatio concluditur, ut si
non editos ccrte tarnen elaboratos habuisse Eusebium
canones chronicos negari non possit, et curiosius forte,
quam par est in hoc loco, verbum EKJtovi^^SK^iv adeo ur-
geri, ut Eusebius canones chronologicos a se editos
studio siluisse perhibeatur, cum me dissensum horum lo-
corum haud perspicere profiteor, qui libros de praepa-
ratione Evangelica editos Chronico priores esse certius
Hionstret, quam a Chronico jam elaborato et forsitan etiam
edito in libris de praeparatione evangelica Eusebiumgpau-
lulum discessisse ostendere videatur ***). Priorem qui-
^V^} CoUaiionem , singulari studio institiitam v. ap. Hier, de
^" Prato p. 130.
**) Tavta fiev yv aTtoSeiKtmcof ev toii novi] S^eid iv
tJpLXV Xp OV IKO If KaVOÖlV ÜtCdf tXOVta 6VV£STJ'
De Pi-aep. Evang. L. X. c. IX. p. 484.
^^*) Plurimis in locis et fere per omnia consentiimt, |naB ex textu
Prologi Chronici et ex Pra3par. Evang. L. X. c. 9. mutuo
collaia apiid Hieroii. de Prato reperiinuiir, nee desimt ratio-
iies, ex qnibus dissensus locorum quorundam, qui quidem ali-
cujus momenti esse viüetur, facile explicari possit. Quod
in Prologo Chronici alios inter scripiores de Mosis anliquitate
lestatos et Justum Judseum memiiierit, in libro autem praepa-
rat. evangelicoe eundem plane siliierit, nos quidem non ita
accipimus, ac si in eo temporis intervallo, quod editionem
Praeparationis Evangelicae et Chronici nostri intercessit, scrip-
torein haue Judajum demiim deiexerit, sed facile fuit, selum
^^pittler^ iämmtl ^cxU Vlll. ^b. 27
418
dem Chronic! partem, in qua Epochae Abrahami et quae
eam praecesserünt , breviter illustrata suisque temporibus
illigata sunt, libris de praeparatione evangelica edidit,
priorem esse, ne quidem doctissimus Hieronymus de Prato
negavit, quamquam observata periodi cujusdam diversa
computandi ratione, quarum alia est in Cbronico nostro
alia in libris de Praepar. Evang., ne eam quidem ila yul-
gatam esse asserat , ut primum fuerit digesta *) , at si
priorem Chronici partem, quae, quantum conjicere licet,
eo tantum sine adornata fuit, ut epocham Abrahami, cui
secunda pars innititur, extra omnem! dubitationis aleam
poneret, jam tum extitisse largiter concedit, cur editionem
secundae partis, quam prima illa pars fere tantum ut
prologus praecessit, ab hujus editione adeo distare con-
jiciamus, ut opus de Praepar. Evang. elaboratura inter-
cesserit. Accedit, quod ab ingenio Eusebii haud parum
hujus viri nomen, cujus opinionem forte ex aliis cognovit, in
Chroiiico memorare , neque vero difficultate caruisse videtur,
aliquem illius locum, eo modo quo factum est iu Porpliyrio,
Africano, Tatiano aliisque, disertis verbis adducere, cum forte
exemplum Historiae Justi Eusebio defuerit.
Neque etiam verbis illis CPraepar. Evaug. X. 9. ab initio)
JKayce) 8e Kaivwtepay xapa Tof eiprjiiievaf oSevSaii tavtjj
XpT)(Souai trj /j,ESoöoi> id efficitur, Eusebium de bis rebus,
quas ibi traciat, alibi ex iustituto haud disseruisse, cum coii-
jungenda siut hsec narrata cum iis, quibus universa disputatio
absolvitur tavta /liev «p artoÖEiKtiHüdi ev toif EKrtovijSEi-
6iv tjfxiv ;]^po»^iKoif Kavoöiv uteäi Exovta 6vvESrj.
Nolo auiem alia repetere, in quibus vir doctissimus in-
sigiii acumiiie loca discrepaulia detexit, cum parum vel uihi
ad continuaiidas opinioues meas de dignitate aique auctoritaK
Chronici Eusebiani faciat, cuicunque anno originea illius as-
signaveris.
*) V. cit. diss. Hier, de Prato p. 156.
t
I
419
alienum esse vicleattir, Hbros de Praep. Evang. ante Cliro-
nicon jam editos eandemque passlm materiam tractantes,
qiiae in priore Chronici parte fuit exposita, nunquam in
ipso Chronico vel obiter esse allegatos , cum lamen loca-
auctorum in Chronico allegatorum ea ubertate in illis
libris afFerantur, ut hi quasi commentarii vices sustinere
indicemque Chronici explere videantur.
Qnamcunque autem opinionem in constituendo tem-
pore, quo Chronicon Eusebianum editum sit, secutus fue-
s, ad explicanda doctissimorum veterum auctorum testi-
onia haud parum juvabit observasse, quantum vel sola
ujus operis exterior forma unanimem illum laudantium
consensum excitaverit. Tot lineae inter se invicem erant
uctae, tot numeri adscripti et ipsa etiam colorum varie-
tate distincti, ut judice Hieronymo paene difficilius fuerit,
ordinem legendi discere, quam ad notitiam lectorum per-
yenire.
Ütraque igitur opinione, quarum altera nullam prae-
ipuam partem hujus Chronici deesse, altera solam epito-
men servatam esse continetur, haud temere rejecta, lu-
Lenter iis accedo, quae doctiss. Hier, de Prato ita opi-
nabatur, ut parum de veritate aberrare videretur, quam-
quam nee ea sit illius opinio, ut int^egra accipi omnisque
rerum testiumque dissensus ex ea explicari possit. Pro-
logum enim aHquem vel priorem, si ita dicere mavis,
Chronici partem, qua periodum a prima mundi aetate ad
Abrahami usque tempora Eusebius tractavit, penitus peri-
isse, operique reliquo, ceterum plane illaeso, quasi Caput
truncatum videri, tot argumentis confirmavit, ut et aequo
cuique lectori satisfecisse, et partis amissae desiderium
multum lenivisse existimandus sit. Quaecunque enim
fragmenta Chronici Eusebiani apud' Georgium aliosve ve-
27 *
420
teres chronographos vel historicos felici quadam soller-
tia adhucdum sunt inventa, ad primam illam periodum
spectant, quae prior est Abrahamo, et quidquid in Chro-
nico nostro desiderari potuerit, si vel nullus veterum locus
exstet, quo desiderium partis cujusdam amissae vel am-
plioris forte cujusdam operis excitetur, in eo tantum con-
sistit, quod Eusebius epocham Abrahami, cui tanquam
primo fundamento omne Chronicon innititur, dum contra
Porphyrium aliosque ,dissentientes data opera pugnat,
justa quadam demonStratione chronologica suis tempori-
bus baud illigaverit, c^ua et in nova methodo sua, quam
primus adhibuit, vis carere potuisse videtur. Multa au-
tem lectione, judicioque in conciliandis et convincendis
auctoribus plane singulari opus fuit, si antiquitates Aegyp-
tiorum et Chaldaeorum tantopere jactitatas ad accuratio-
res calculos revocare, dissensum, quo Alexandrini inter-
pretes ab Ebraeo textu et Samaritano exemplo discedunt,
recte judicare, epochamque Abrabami ita constituere stu-
duit, ut jacta essent fundamenta futuri operis, quae nul-
lis adversariorum artibus everti potuissent.
Id unum , si quid equidem video , non sine gravi
opinionis suae periculo erravit doctissimus Italus, quod
prologum illum, vel si placet, partem chronici nostri
priorem^ injuria temporis nobis ereptam, eundem libellura
esse existimat, quem tanquam priorera descripsil Euse-
bius ^) , cum et argumentum horum scriptorum et sco-
pus utriusque libelli multum a se invicem discrepent. In
*) Cnm haec ita se habeant, necessariiun dnxi veritatem dili-
gentiiis perseqfiii et ob id in priori libello quasi quan-
dam materiam futnro operi omninm mihi regum
terapora preenotavi, Chaldfleorura etc.
421
hoc enim priori libello, quae est ipsius Eusebli descriptlo,
contlnebatur adumbratio universi futuri operis, 'materia
operi suscepto ita praeparata , ut nihil fuerit , cjuod in
ipso Chronico edendo auctorem potuerit morari. In illa
autem deperdita priore Chronici parte ea solummodo tem-
pora digessit et illustravit, quae epocham Abrahami ante-
'cesserunt, nee parum a re f'uisset alienum, tempora re-
gum Lydorum Persarurave aliaque, quae in libello priori
Eusebiano contenta erant, in descriptione temporum Abra-
hami antiquiorum notare, Vindicavit Eusebius, quantum
quidem ex fragmentis apparet, in priore illa deperdita
H^hronici parte chronologiam Alexandrinorum interpre-
^^nm, dum autem in praefatione canonis chronici contenta
^Hh:'ioris sui libelli memorat, ne rerbum quidem affert, ex
^^■uo dissensum chronologicumAlexandrinae versionisEbraei-
^^que textus in eo uberius judicatum esse conjicere possi-
mus. Prologum, Abrahami tempora spectantem, ab Eu-
sebio cum ipso chronico editum esse, equidem haud du-
Lito, nee difficile erit, causam divinare , qua commotus
Hieronymus in concinnanda yersione sua eum omiserit,
cum parum vel nihil faceret ad promovendum scopum,
cui Chronicon Eusehianum inservire volqit, at priorem
illum.libellum, cujus Eusebius meminit ; in quo materiara
futuro operi a se digestam esse affirmat; nunquam ab
ipso Eusebio alioque homine in lucem proditum esse , et
ipsa libelli ratio et silentium omnium scriptorum deraon-
strare videntur. Quis enim alius hujus libelli usus, quam
quod ipse scriptor in eo materiam futuri operis paravit
et digessit? Quodnam aliud ejus argumentum, quam quod
ipsius etiam chronici, praeterquam quod materia, in illo
congesta, ad commodas quasdam Synchronismi leges in
ipso chronico sit disposita? Quis anxie quaesiverit char-
422
tas tumultuarias , ex quibus scriptor historicus vel chro-
nologus opus suiim accurate digessit, si opus ipsum bene
accurateque digestum adhuc exstet, quamquara etiam haud
praeter exspectationem acciderit, si nonnulla fuerint in
chartis illis tumultuariis, quorum in ipso opere plane con-
summato nihil araplius reperiatur '"').
Confecta igitur dispulallone de intcgritate Chronici
Eusebiani agedum investigemus, quosnam auctores exem-
plum operis sui propositos habuerit Eusebius, vel quorum
fidem tanti fecerit, ut eos gravissimos rerum historicarum
et chronologicarum arbitros veneratus sit, quosnam Fon-
tes adiisse , qua temperantia quave incuria ex iis hau-
sisse , quo modo interdum eosdem miseuisse , vel bona
apud eundem scriptorem malis mixta selegisse videatur.
Dolemus plurimos veterum historicos et chronologos plane
deperditos, ignotos homines , sancta quadam antiquitatis
nube obvolutos, quantiyis aestimämus, et id unum adhuc
solatium jactitamus, quod exstent aliqui veterum historici,
inter quos primo loco nominatur Eusebius, qui opes, ex
antiquissimis illis scriptoribus congestas, si non omnes
certe preliosissimas, indefesso labore posteritati servave-
rint**). Agedum videamus, num ea fuerit, quantum qui-
dem ex hoc chronico apparet, Eusebii vel eruditio vel
diligentia, ut jacturam hanc levare possit, an certe ali-
"0 Tempora regnm Chaldaeorum - Lj dornni a se fiitiiro
operi prajnotata dixit Eusebius, at nihil horum regiun in ipso
*^) Ex loco quodam Victorii Aquitani in praef. Canonis Pasclia-
lis a. Chr. 456. editi, apud Hier, de Praio p. 27. elicitur,
Hieronymum et Chronica Eusebii et Prologum eorum in liu-
guam latiuain traustulisse , eed nihil inest verbi» Victorii^
quod huc trahi possit.
1
423
qua apud eum habeamus congesta, quae, si non diligen-
tiam doctrinamve ejus comprobant, vestigia tarnen ape-
riant, quae ad illa antiquitatis adyta deducunt, de quorum
thesauris tarn parum constat.
In quo examinß subtiliter instituendo primum ea
omnia loca Chronici Eusebiani , quae Hieronymi manum
produnt et ab interprete haud verecundo adjecta esse vi-
dentur, religiöse sunt sejungenda ^), dein nee iis vide-
tur esse immorandum , quae inde ab Herodoti aetate aut
inde a novo illo seculo Alexandri Magni in chronico Eu-
sebiano occurrunt. Quis enim in illo optimorum auctorum
numero, quos inde ab hoc tempore habemus, rivulos
Eusebii consectetur, cum fontes adire liceat? Quis hanc
teriorem Chronici partem aliter tractayerit , quam ut ex
cöllatione illius cum praestantissimis^ qui adhuc exstant,
illorum temporum scriptoribus, qualemcunque conjecturam
capiat, quid sperandura vel timendum sit de priori illa parte,
Ikus fontes nobis ipsis <30gnoscere haud contigi;? Quod-
lim enim fuerit Judicium scriptoris in deligendis iis, quae
abulae chronologicae erant inserenda, quo ingenio va-
luerit in figendis epochis, quam curam habuerit accura-
tioris rei chronologicae, ex ea profecto parte libelli op-
'O Ouse Hieronjini sunt, facile dignosci possunt. Quis enim
aiictorem Paradium (v. ammm aerse Abraham. 767) Eiise-
bio tribuerit? In antiqiüoribus paiica et fere ea tantum adje-
cit, si qua sunt Romanse JiiÄtorise uberius tradita, Num la-
terculum aerse Abrahamiticse addiderit, recte dubitari potest,
cum Eusebius in textu suo calculos iiiterdum ita subducat, ac
si laterculus ille abesset. Quid enim summ am aunorum aerae
Abraliamiticae in textu interdum memoravit, si eam laterculus
adjectua cuivis attenio lectori osteuderit?
424
time cognoscitur, quse tempora spectat nobis ipsis aliunde
notissima.
Neque vero in ipso hujus examinis initio diffiteor^
in ea parte, ex qua primum exemplum peti velim Tel
doctrinae vel diligentiae Eusebianae, multa se mihi obtu-
lisse , quae non modo exercitatiori hominum nostrorum
sensui satisfacere nequeunt, sed nee digna videntur eo
viro, quem summum rei chronologicae aitificem universa
Christianorum antiquitas venerata est. Quis enim a tali
viro exspectaverit, aerae Abrahamiticae, quam principio
stalim operis fundamenti loco posuerat *) , ita eum in-
baesurum , ut nee Seleucidarum aerae nee coraputationi
a prirao anno Regis Nabonassaris Alexandrino more de-
ductae , neque ulli alteri apud Orientales vel Occidenta-
les frequentatae laterculum aliquem dicaverit. Aeram
Nabonassaream ne quidera meminit, quod bomini eccle-
siae Syriacae addicto, quameunque tandem spem erifdifio
Eusebii fecerit, facile condonabimus, at ipse etiam ille
locus cbronici , in quo memoria aerae Edessenae exstat,
auctoritate Codicum a Pontaco collatorum ita dubius esse
videtur, ut parum a veritate aberrent, qui ejecto hoc
glossemate ne hujus quidera aerae mentionem ab eo al-
latam esse existimant. Aerae ab Abrahami nativitate duc-
tae nullus nee apud cbronologos nee apud historicos sui
temporis fuit usus, nusquam promta iliius mentio, quae
''} lu opere erudiiissimo l'art de verifier les dates et
ipsa eüam recentissima illiiis editione, qua? auclior et accu-
ratior 1785 prodiit, epocha AbrahamUica male deducitiir a
vocaiione Abrahami, cum nativiias Abraliami primum illins
annum constituat. In eundem errorem iucidic Fabric bibl.
Gr. Vol. VI. p. 33.
425
desiderium tabularum chronologicarum , ab hac epocha
inchoantium alluiissefcj ncc cerlitucline sua , nee nuraero-
rum rotunditate inde excurrentium haec epocha ita com-
mendata, ut vel ipsius Eusebii exemplum usum illius pro-
movere potuerit, hane unam tamen , prac^r Olympiadum
supputationem suo tempore additam, adeo anxie servavit,
ut magis sibi quam aliis annos numerasse videatur.
Patet quidem, ab Abrahami aetate eam ob causam
chronicon suum auspicatum esse Eusebium , quod prima
initia historiae profanae , quae quidem Eusebio ut certa
xplorataque probabantur, in eam aetatem inciderint, re-
umque series ab eb tempore haud interrupta ita con-
(inuari posse videbatur, ut filium haberet Ariadneum, quod
er omnem labyrinthum excurrat. Quis autem cbrono-
ogus vel historiuus eam rem, a qua narrationis suae ex-
ordium capit, si nee usum aliorum scriptorura ducem ha-
buerit, nee alio quodam commodo se regi patiatur, talem
universi operis epocham constituet^ ut potius eam modo
nnorum seriem , quam ipse percurrit, quam aeram ali-
uam, promto cuidam usui chronologico paratam, universo
operi adjungat. Neque vel Eusebius vel ipse etiam Hie-
ronymus ab omni negligentiae crimine in eo possunt li-
berari , quod rariores fuerint in citandis auctoribus suis,
quo propius ad ea tempora accederent, quibus certa hi-
storiae lux affulget, auctorumque varietas, tam graeco-
rum quam latinorum, accuratiori examini critico locum
aperit. Nemo enim ampliores, quam ea aetas tulit, divi-
tias iniquius postulari arbitrabitur , si quis hu jus operis
criticus eum chronici locum, qui epocham Romae condi-
tae memorat, virgula eensoria notaverit. Quisquis sit
hujus loci auctor, utrum ' Yarronianam an Catonianam
computandi rationem seculus sit, dubium reliquisse vide-
426
tur *), nee epoebam adeo gravem regendaeque chrono-
logiae convenientera expresso olympiadis ejusdemque an-
ni numero ita loeo suo iilligavit, ut ab incuria libi ariorum,
gravissimas res in texta memoratas misere dimovenlium,
nihil timendum/fuerit **).
Nolo autem curiosius arguere, ne immemor esse vi-
dear temporum Eusebianorum , quantopere desideretur
subtile in deligendis iis, quae memoria digna erant, Judi-
cium^ quantum brevitas narrationis perspicuitati illius no-
cuerit, quot loca in eo exstent, quae a reliqua primorum
auctorum narratione ita avulsa exhibentur, ut sagacissimo
conjectore opus sit, quam rem narratam habeamus ***)^
sed arcem causae aggredi juvabit, fontesque indagare,
unde ea fluxerint, quae certissime Eusebii esse videntur.
Quid enim est, quod diligentiam doctrinamve scriptoris
luculentius demonstrat, quam accurata fontium descriptio,
quos ipse limpidissimos rerum suarum fontes esse judi-
cavit.
Primam autem, quae nobis hie' se ofTert, quaestio-
nem a recentissimo Hieronymi editore noyiter agitatara
»utrum Alexandrinos interpretes an ebraeum textum se-
*) Primus anmis Romuli in Cliron. Eiiseb. qiiarto sextae OljTn-
piadis anno tribuitur, quse Catoniana compuiandi ratio esse
videtur. Quid autem si dubites, utrum paucos illos menses,
qui inde ab Aprili, Palilibus enim Romam conditam esse me-
morat, usque ad solstitium, quo coepit nova Olympias, effluxe-
runt, pro primo Romae conditae anno numeraverit Eusebius.
Tum enim profecto Varronianum calculum secutus esse videtur.
*^) Epochäm primae Olympiadis suo aimo illigavit Eusebius, ut
librariorura audacia vel incuria ab eo dimoveri haud potuerit,
quod secus factum est in Epöcba ürbis conditae.
***) vid. ilL HfiTiu Commeutationes de Castoris epochi«.
427
»cutus Sit Euseblus,« doctissimis contra Vallarsium vincli-
ciis ita illustravit Hieron. de Prato, ut vulgatae opinioni,
Eusebium rationes chronologicas Alexandrinorum inter-
pretam Ebraeo textui praetulisse, nihil novi roboris ac-
cedere possit, quod ipse ei non ^dcliderit. \ Quis enim in
summo omnium Codicum consensu loca illa tentare ausit,
in quibus ex calculo Alexandrinorum interpretum tempora
subduxit*)? Si unus tantum alterve fuerit locus, in quo
Alexandrinorum chronologiam elegerit Eusebius, vix ma-
nibus criticis Ilieronymus temperasset , quin veritatem
Ixtus ebraici, quam alias aliorum calculo praetulisse vi-
jtur, inferre conatus esset, at in omni fere loco, in
10 ad summam aliquam calculos historiae sacrae revo-
ibat Eusebius, memoria supputationis Alexandrinae tarn
dubitata redit **), ut plura mutanda et invertenda fue-
nt, quam ipsi Hieronyrao placuerit. Ecquis autem loca
laedam, in quibus a nostra lectione Alexandrinorum in-
terpretum dissentit, ita accipiet, ut cum ab ipso textu
Alexandrino discessisse arbitretur ***)? Quis scriptorem
bistoricum, praeter multa alia opiniones quoque chrono-
logicas Ebraeorum memorantem , ex bis ipsis locis chro-
nologiam Ebraeorum secutum esse affirmaverit f) ?
*) cf. cit. dissert. Hieron. de Prato P. IL §. 9 sq.
"^"■^) V. anniim Aerae Abrah. 985 et 3045.
*^''0 Satis erit provocasse ad exeraplum Cainanis postdiliiviani in
Eiisebio omissi, quem Arpliaxadi filiuin et Salse patrem fuisse
tarn apiid Alexaudr. interpretes quam apud Lucam narratur.
T*) Talis locus exstat a. aerae Abrah. JL.V. Principiiim XLI. Ju-
bilsei secuudum hebrseos. Jobel autem apud eos quinquagena-
rius annus notatur. Itaque juxta supputationem eorum ab
Adam usque ad annum präsentem sunt anni ÄIM.
Argumente ex hoc loco petito Vallarsius sententiam suam
l_
^28
Constat igitur, et ex uni versa illorum temporum ra-
tione admodum probabile fit, quemnam in condenda chi o-
nologia sacia aüctorem secutus sitEusebius, neque etiam
adeo difficile erit, vestigia persequi, quae ad eos dedu-
cunt , ex quibiis plufiraae historiae gentilium narrationes
hausisse seriemque cbronologicam accepisse videatur.
ijuamquam enim irreparabili eorum jactura facta, qui
ante Eusebium tale opus chronologicum susceperunt, nuUa
fere spes sit, eum foVte auclorem detegendi, cujus lectio
ususque tale otium fecisse rideatur Eusebio , ut Fontes
ab ipso interdum nominatos raro ipse eliam adire coac-
tus fuerit, ea tarnen supersunt in ipso opere vestigia, ut
si non eum, cujus rivulos sectatus est Eusebius, certe
fontes, ex quibus rivuli illi profluxerint, detegere liceat.
Haut pauca huc spectantia, me quoque non monente,
docto lectori occurrunt, si indicem auctorum ab ipso Eu-
sebio allegatorum , accuratius quidem congestum, quam
qui est apud Vallarsium, solerti animo perlustraverit, se-
junctisque iis quos doeta quadam jaclitantla vel sola ne-
cessitate loci alioujus magis nominasse quam testes adhi-
buisse videtur, reliquorum aetatem, litteras, fidem, quan-
tum quidem in illis scriptoribus licet, pensitaverit. Hu-
jus autem generis teslimonia, quae nee praecipuum chro-
nici fontem indicare nee certam judicandi occasionera
praebere videntur, sunt sequentia :
Locus Piatonis ex Timaeo citatus in decade 210
aerae Abrahamiticae. Alius ejusdem locus in de-
cade 490 allegatus, ut explicatio fabulae de Ily-
niaxime tueri voluit, quod Eusebius chronologiam cbraei tex-
tus secutus Sit. Qux Hier, de Prau) in coutrariftia partem
disputavit v. 1. c. p. «29 sq. Zii sq.
429
dra in decado 770 una cum iis, in qulbus Blinois
Cretensis meminit, ex eo petita.
Euripides in decade 380 ad explicationem Homi-
nis Atlas.
Phanocles in decade 650. Ob raptum Ganjmedis
Troi patri Ganymedis et Tantalo bellum exortum
est, ut scribit Phanocles.
Didymus in decade 670. Perseus adversus Persas
dimicavit Gorgonis meretricis capite desecto, quae
propter eximiam pulchritudinem ita spectatores
suos mentis impotes reddebat, ut vertere eos pu-
taretur in lapides. Didymus scribit in peregrina
historia et praebet scriptorem ejus.
Dina rebus poeta in decade 710. Quidam bis tem-
poribus vindicant gesta Liberi patris , et ea , quae
de Indis, Lycurgo, Actaeone et Pintheo memoran-
tur. Quomodo adversus Perseum consistens occi-
ditur in proelio, ait Dinarebus poeta, non rhe-
tor. Qui autem voluerit , potest inspicere ipsius
Liberi patris apud Delpbos sepulcrum juxta Apol-
linem aureum.
Homer US in decade 830.
Phil ist US in decade 800. Philistus scribit, a Zoro
et Carchedone Tyriis hoc tempore Carthaginem
conditam.
Grates, Eratosthenes, Aristarchus, Archi-
lochus, Apollo dor US in decade 910 allegan-
tur, dum varias de aetate Homeri opiniones re-
censet. Praeter hunc locum semel tantum adhuc
Apollodori mentio facta in decade 220, Lycurgi
lege in Lacedaemone juxta sententiam Apollodori
häc aetate suscepta. Alter enim locus, qui in de-
430
cade 1100 occurrit, non est Eusebii secl Hierony-
mi; uti nee ea, quae in decade 1700 et 1920 oc-
currunt, aliaque historiam latinam auctoresve la-
•tinos spectantia ab illo proficiscuntur.
Africanus in supputalione primae Olympiadis, et
in decade 1570 .... ea vero , quae post haec
gesta sunt, exhibemus de llbro Maccabaeorum et
Josephi et Africani scriptis , qui deinceps univer-
sam historiam usque ad Romana tempora persecuti
sunt. Ita Hieronymus, a graeco Syncelli textu hie
valde discrepans ra ^e uera ravra (^vjußavra r)
^pay^ivrci - • • toi; JySatot; d I(söcir)Kos ev toi;
jyiaKKaßaiKOis hopei^ naiAfpiKavos ßev avTos ev
Jesephus in decade 740 Tyriorum civitas condita
ante templumHierosoIymorum annis 240 ut scribit
Josephus III, 2040 et 2060.
Phlegon, supputator Olympiadum. Lib. XIII. in
decade 2040.
Quis fuerit Brutius vel ut Baronius conjicit Era-
tius ifi historia persecutionis Domitianeae citatus,
plane non liquet,
Clemens Alexandrinus in decade 1420 et 1490
supputationi Eusebianae consentiens allegatur.
Alia, quae a multis pro allegatis habentur v. c. in decade
1610 Cyri regis ascensus, de quo scribit Xeno-
phon, ne quidem addere übet. In eo uno autem du-
bius haesi, utrum aliqua Manethonis allegata (in decade
350 et decade 1660) pro iis sint habenda, quae ipsum
etiam Manethonis opus ab Eusebio in condendo hoc chro-
nico consultum esse ostendant, an vero Manethoniana, ut
451
in reliquis ejus scriptis apparet *), ex aliorum narratlone
haurienti junioris cujusdam scriptoris lectio et illa etiam,
quae 1. c. memorantur, suppeditaverit. Tantus enim est
in tradendls Aegyptiorura djnastiis Africani et Eusebii
dissensus, ut utrumque ex Manethone sua hausisse vis
dici possit **), neque etlam forte satis provide agant, qui
Manethoniana esse, quaecunque Africani vel Eusebii no-
mine insignita de dynastiis Aegyptiorum apud Syncellum
reperiuntur, nullo ipsius Syncelli indicio sua tantum con-
jectura affirmant.
Utut autem haec sint , si pauea haec , nonaen aucto-
ris inscriptum prae se ferentia, cum illa locorum multi-
tudine comparaveris , quae ex Palaephato, Philo-
choro, Castore, Rhodio ipsis etiam horum nomini-
bus laudatis sunt allata, primo statim, ni fallor , intuitu
apparet, quos libros secutus sit Eusebius, quos rerum an^
tiquissimarum testes maximi fecerit, unde igitur et ea
sint petita, quorum auctores detegere haud licet.
Ex Palaephato desumta est explicatio histopae
Phrixi et Helles , quae occurrit in decade 630. Histo-
ria Bellerophontis in decade 670 explicata. Narratio
de Sparlis in decade 690. Interpretatio historiao Dae-
dali et Sphingis in decade 730 et 750. Ex libro illius
primo de incredibilibus non modo explicatio historiae
^0 In opere Eusebii eriiditissimo de Praeparatione Evan-
gelica ne unus qiiidem Manethonis locus disertis verMs al-
legatur, ex Diodoro enim et Josepho, quae Manethoniana ha-
bet, sunt petita. Ouis non coiijiciat, ipsum Manethonis opus
Eusebio defiiisse.
^^"") Quod Syncellus Eusebium ab Africano discrepantem sine ullo
plerumque argumento malae fidei arguit, in eo animum Euse-
bio iniquissimuin prodidit.
432
Lapitharum et Centaurorum in decade 770 obvia, sed et
quae de Scylla et Sirenibus in decade 840 occurrunt, de-
sumta sunt.
In quibus autem Palaephatum auctorem non babuit,
in iis secutus est Pbilochorum, scriptorem ad tem-
pora Ptolemaei Pbiladelpbi yix assurgentem. Explicatio
navis Triptolemi (v. decadem 910), historiae The-
sei (v. dec. 620), Bacchi (v. dec. 720), Minotauri
(780) ex L. II. Attidos Philocbori sunt repetita, nee fidem
Lujus scriptoris in recensendis etiam opinionibus neglexit,
quibus alii aliam Horaero aetatem tribuunt.
Castor autem Chronographus Rbodius tres
Chronici Eusebiani laterculos per plura secula continua-
tos ita explevit, ut vix ulli alii tantum debere videatur,
quam bomini huic parum noto. Ex eo enim fluxit se-
ries rerum Argivorum per 544 annos continuata,
i.eries regum Sicyoniorum, quae est 962 annorum,
etAtheniensium regum, quae ultro 487 annos haud
excurrit.
Finge tandem, ut videas ^i^quale sit Chronicon Euse-
bianum, editionem illius aliquam ita adornatam, ut absint
ea, quae Alexandjino textui et tribus hisce auctoribus
debentur, detrabe huic operi speciosam, qua se in nostris
editionibus ostendit , formam , quaeque ut ad usum ita
etiam ad ostentationem rerum narrata^um optirae cpmpo-
sita esse videtur, dele tandem et illa, quae vel ex ipso
Ctesia et Manetbone vel ex scriptore aliquo horum scri-
nia spolfante iluxerunt, quam parum erit, in quo Eusebii
diligentiam vel eruditionem mireris , et quantum a reli-
quis ejus scriptis ^ insigni doctrinae copia refertis , chro-
nicon hoc abesse arbitraberis.
Condonabimus ei, ne omnia ad vivum resecare vi-
(Icamur, quod ex scriptoribus adeo dubiis vel aetate, qua
yixerunt, parura commendatis, quales sunt Palaephatus et
Philochorus, explioationes antiquariim fabularum petierit,
quod paucos quosdani fontes adierit, ex quibus fere om-
nia hausit^ quod nee varia lectionis suae copia opus na-
tura sua gravissimum ita locupletatus sit , ut res nomini-
bus, nominaque rebus conjunxisse videri posset, in eo
aulem vix venia eum dignum esse puto, quod in exqui-
rendis paucis illis auctoribus, quibus unice inhaesit, nee
eara curam adhibebat, quam gravitas operis postulare vi-
läebatur , nee eo judicio usus sit , quod in auctore talis
lantique operis praeter omnem exspectationem desideratur.
Quantumcunque enira obscurae memoriae sit Castor
Rhodius, tot tarnen suspicionis in eo excitatae ansas ha-
bemus, ut accuratum solertemque chronographum * eum
fuisse rectissirae dubitari possit. Ea enim aetate vixit,
qua dudum studio graecorum historicorum et maxime
eorum, qui ex Aegypto prodierunt, plurimarum fabula-
rum opumque commentitiaruni sincerae antiquiori rerum
gestarum narrationi admixtum fuit , ea ipse studia trac-
tasse videtur *), quae fidem historici, nisi ea aliunde
^'<^) Ouantum coiijicere licet ex recensione scripiorum illius apud
Siiidain Kascop, PobioSy rj , ayi tivES, FaXatip' cdS Se
aXXoi 87t\avrj!^i]6av , Ma(S6aXi<ä)tr]f , prjtcäp' os eKXrjB-tj
<pikop(s)fiaios. yijßai (^e atos Jifiotapu ts ÖvynXrjtiKa
B-vyatepa, avijpeSjj vtz avta ajna ttj yafietrjy bioti av~
top Kai6api öießaXev'
Eypaiie Se avaypa^tjp BaßvXavos Kai t(av ^aXadöo-
ttpatrjaaptcäv ev ßißXiois ß
XpoviKa ayvoi]jj.ata^ Kat
TtEpi £7tixeiprj,uat<av ev ßißXioii 1^
Ttepi jiBiSsf ß'
nepi tö NeiXa
Texvrjv pijtoputrjv Kai stepa'
©pittlerö fämmtl. Serfe. Vlll. S3b. 28
454
jam cognita fuerit, parum conllrmant, tarn rariis aiit fere
imllus est illiiis usus t^pud alios antiquiores lustoricos, al-
legatorum copia celebratissimos, ut parum fidei vel lau-
dis ei tributum esse videatur. Praeter opus chronologi-
cum, descHptionem Babylonis, aliosque libros maxime
rhetoricos a Suida ei tributos, etiam res Syriacas perse-
cutus esse apud AfVicanum *) perbibetur, at nee Diodo-
rus Siculus, . tantum iion ejus aequalis, nee Strabo, nee
Pausanias, nee quis alias eorum , qui inter veteres scrip-
4;ores multae lectionis copia inclaruerunt, vel in recen-
sione scriplorum, ex quibus se profccisse fatentur, vel in
ipso opere unquam illius meminerunt. Quin ipse etiam
Eusebius maxime in eruditissimo libro de Praepar. Evan-
gelica, in quo tot veterum scriptorum fragmenta servavit,
lantaque litterarum copia se jactitare visus est, bunc
snum in condendo cbronico gravissimum auctorem tarn
memorabili silentio praeterivit, ut demum post ea tem-
pora, quibus Praepar. Evangelica scripta est, eum de-
texisse videatur , si modo vera est opinio Ilieron. de
Prato de aetate Cbronici Eusebiani, vel cogniiura multo-
que usu tractatum haud magni aestimaverit.
Quodsi igitur instituto hoc accuratiori examine certo
statuendum sit, qua valeat auctoritate Chronicon Eusebia-
num, quis ejus sit usus vel chronologicus vel historicus,
qua fide singula illius loca possint allegari, equidem haud
inficias iverim, multum me detrahere laudi illius vulga-
tae,^ nee cui reliquorum doctissimi Episcopi operum tarn
*) V. locus Africani ap. Euseb. de Prsep. Evang. L. X, c. 10.
p. 480.
^55
parum tribuere, quam ei , quod primo loco volunt nomi-
nari. Exstat in reliquis omnibus illius operibus infinita
lectionis yarietas , inaestimabilis gravissimorum fragmen-
torum copia, a qua nunquam nee sacrae nee profanae
antiquitatis Studiosus nisi doctior recedet, at quantillum
est, quod ex chronico illius ita scimus, ut vel aliunde
plane non constet vel scire proficiat. Laterculos chro-
nologicos , nomina regum Assyriorum , Aegyptiorum , Si-
cyoniorum annosque iraperii eorum designantes, si quis
tandem solorum nominum annorumque memoratorum sit
usus, facile nos ipsi aliunde explemus, fragmcnta autem
veterum scriptorum, Eusebiano chronico ita propria, ut
in eo solo sint servata, fere nulla esse, primo statim in-
tuitu apparet, et paucissima illa, de quibus forte aliunde
non constat, non modo longe absunt ab ea laude, qua
inde ab Hieronymi aetate ingenti omnium eruditorum
consensu cumulabantur, sed et cognitis jam Eusebii mo-
ribus, quibus in condendo hoc chronico usus esse vide-
tur, si non expressum habent auctoris sui nomen, ex
compilatore quodam recentiori, quem ad manus habuit
Eusebius, desumta esse haud temere conjiciuntur. Equi-
dem magni facio ingenium viri, qui primuS vidisse vide-
tur, quantum juvet vividiorem tarn historiae quam chro-
nologiae cognitionem, si eas tabulas propositas habueris,
in quibus singuli anni sunt numerati, universusque saecu-
lorum ordo ita expansus oculis subjicitur, ut non modo
locus sit paratus rebus quibusdam memorandis , sed et
animus lectoris lenta quadam cogitatione per eam anno-
rura seriem transire cogatur, quae primo intuitu vix
quidquam praeter numeros et nomina quaedam hos nu-
meros regentia offert, ac si hie fuit apud veteres prae-
28 *
'j36
cipuus CKronici Eusebiani usus, de quo tarnen dubitare
liceat, si bacc praccipua illius laus, nos sane non habe-
raus, quod in evol^endo hoc Chronico, magis forma
5ua quam rebus in eo meqioratis depraedicando , assidui
simus, ne in sumnios nosirae aetatis yiros ingrati esse
videamur.
XIII.
Entwurf einer »oUftditbigen S^ifmit
i>a Äe^ereien* 1785.
^iefcd grögtticut bc« eilfteu S^^cKö ber SSöIc^iWen ^c^er^
9efd)ic^tc wirb bcm^ublifum auc^ öIö grogment büc()jt fct)d^?
bar fei)u, bö eö für ftc^ boc^ ein ©ön^cö ai\mwd)t, unb i>on
bem fecligen fD^öiine fo öuegearbcitet Jintcrlaffen irurbe, ba^
bic gciro^nlic&cn geiler eincö operis posthurai bei bemfelben
gar n\ö)t ju furcbtcn {inb. SDie fS^et^obe, tiöct) ivelcfecr bcr
fecligc 2ßalct) blefe^ $lßer! fc^rieb, ijl fo mu5ct>oU, ober öucl)
fo Dffjic^crnb bif^otifc^/ iuglcid) fo gelehrt J?on(ldnbig wnb
boc^ ipicbcr oft fo gludlic^ t>ereinfad)cnb gcwefen, bag fclb(l
flud) nur bie ^rjaltung clne^ gragmcntö t?oii gortfe^ung
Vo^n ttjicbtig ijl. ©ctrig bcrrifft baffclbe ctncii ©cgcnftaub,
3u bcjjcn ^Torrerung fa|l nic^r aU fircben()lfiDvifc^e ©ebwit
erforbat ttjurbe; bas fn?ig ^leid;f5vmtgc ttcr ^icr Dorfommf«*
ben Sl^or^eiten unb tk ^uglcrc^ fo fic^tbarcu golgcn ber iia^
438
tfirlic^en ©c^ttjcre M großen Äöufcn«, t)on ^olf unb @c{(!*
licfefcit, womit Mefer, ungead)tet augenblicflid) tDirfciiber 53er^
ön(!altungen bcr ^lonlge, ivicber in 3'rrt^umcr unb 2Ilbcru#
Jeitcn ^urucf fan! — t)ßranlafl*cn in jebem gefublüoüen Scfcr
eine ÜO^engc t>ou ^Sctrac^tungeu , vrelcl)c er öm allenüenigfleii
in ber ©efct){d)tc ber cferijllicfecii ^ircl;e mad;eu moctjtc, S^ält
ixtti irgenb ctn?a6 bögcgcn fc^^abloö, fo ifl e^ bie ^cmerfung
ber mannigfaltigen SBenbungen, womit ber 5}?enf(^cnöcrftanb
gewiflfer geitaltcr oft t^k n?iberfpred)cubjten 6d^e in einen lo^
gifc^en Juf'ittimcnjang ^u bringen genjugt, unb manchmal f&r
einen (©a^ ein Du^enb 23ett?eife ^u crftnben gelernt ^at, bercn
un3 feiner, tielleic^t öuc^ um feiner @onberbar!eit willen,
t>orlduftg eingefallen wdre. 3c& glaube, wie überhaupt im
©an^cn bicfer ©efc^ic&te, fo befonberö aucö Jier, einen auffaU
lenben Unterfd)ieb ^wifc^en £)rientalen unb £)ccibentalen be#
merft su H^m, unb t>k ©efc()ic()te ber 33ilber(Ircitig!eit i(!
gewig ein 25eweiö, vok t>iel tk allgemeine ^ird}en^iftorie an
pragmatifc()er S3rauc{)barfeit gewinnen fonnte, wenn £)rient
unb £)ccibent, unb im £)ccibent wicberum bie terfcfciebenen
^bnigreid&e, öbgefonberter i?on einanber betrachtet würben.
£)|fenbar ijl nid;t nur ber ^iftorifc^e gor^gang ber (Streitig*
feit im Oxknt tollig Derfd;ieben bon bem im frdnfifdjen
S^eicfee, benn ijre ^erfaflfung unb i^re dugere Sage gicngen
ju fejr t)on einanber ab, bag nic^t baburd), entweber bie
SÄicfetung ber 2!riebfebern , ober wo5l auc^ bie lel^tern
felbji, Jdtten berdnbert werben muflTen; fonbcrn fclb,- aud;
bie ?25eweiöart M Orientalen unterfd)eibct fid) Don ber 23e^
wei^art beö £)ccibentalen , unb feiten lagt M biefcö biewei
len barau^ erfldren, bag jener ein ?9t&nd) war, unb biefei
ein 95tfd)of. ^an crfennt in jenem ohu^liiU ben gciibrcrni
fd)arffinnigeren©treiter, man ficbt bcu(Jinflugbt;ö langer bauern
ben<5treitö auf bie^aJlunb5J?anigfaltigfcit berSöewciögrünbe
^i59
unb ÖUC& bie grbgerc ^[^eiliieimung , wdd)t bei bem ^xiciu
talm öuö bem pdrfcrn polit(fd)cn ^ntereflfe entfiaub, gab fcluer
fdmti^axt eine letbenfcbnft liebe 9}Janiiigfa(tig!'cit, uac^ ireld^er
ber ^'ccibcnrale nid;t einmal geflrebt ^u ()aben fdjcint.
Ucbri(jen« ivirb felb|l öitd) ein ^rotejlant mit W^m^
gnijgen itfa^rne^men , bag ftcb ber 9?ifd)of t>on 9lom fa(! bei
jeber gelehrten X^eilneömung an einer fofcfeen ©treitigfeit, in
eine «ad;t(>eilige parallele mir ben übrigen r^eologifdjen ©c^rift^
(teüern fjefcl^t ()abc. igeine 2Iuffa^e fi'ub nid)t uur heftiger,
fonberir öud) un(|ele()rtcr al^ \^k übrigen; bie ficine ^olitif,
n)eld)e Qmhf)iüid) in benfclben Jerrfcbt, mad)t gegen bie be*
merftcn geiler unDerfü^nlid)cr, unb cö faüt oft faft inöSdd)er*
liebe, eben ben 55ifd;of, ber fo n^oH 3u unterfc^eiben trei'^,
wie er ungefähr nacb €onftanrinopel ober nod) ^adjtn fd)rei<»
ben burfc, in Slnfuferung ber gemeinden ^ibelgefd;id)ten einen
gef)ler begeben ^u fe^en. ©en^iß i(! bk Urfacbe Jiet^on in
ben grogen politifcben Unruhen ^u fucben, t)on ivelc^en Stölien
hU auf ba^ t)6üige ^-nbe M £ombarbifd)en Wid)^ erfd)uttert
tpurbe. UBie bö^^r Stalin« uber^'.aupt unter ber SKegierung
^arl^ bc§ ©rogen weit weniger aufgefldrt fet)n fonnte, al^
baß übrige fd;on t)on $ipin beruhigte frdu!ifd)e ^cid), fo war
aucb biefer er(!e italidnifcj)e SSifcbof gewo^nlicb ein ^ann tJpii
geringern ^enntniffen, aU bie gelehrten frdnfifcbeu S5ifcbofe,
unb feine politifc^e ^'riften^, b\t ftd) nod) immer 5Wifc()e«
©ried)en unb granfen t^eilte, aud) wegen ber wec^fefnben
^axtf)cim in 9^om felb(!, fo gefdWi* aweibeutig, bag man
Ieid)t begreifen fann, warum nie ein gelehrter S^ann auf bm
(gtu^l fam.
Unter allen SucFen, wcld)c in bem pragmatifcben gufam*
menbang biefer ®efd)icbte üorlommen, ifl Feine unangenehmer,
Ol« biejcnige, wclcbe bie fpanifd;e ^^ircfee betrifft, ©owofel
in ber ©treitigfeit beö gelir t>on Urgel, aU bc« (Slaubiud üoii
440
Zmin, ^at bcr feeligc SBald) rid;t{g bcmcrft, ira^ für einen
€influ§ bie bortigc 53crbinbung mit ben 2Ircibcrn auf einzelne
SiJicinungcn unb ©ebrduc^e Qc\)abt ^aben möge, ^-in (SinfluB
bicfer 2(rt i(! in nnbern. SIrtifeln noc^ b'i^ inö brci^c^ente
S^J^tJunbert mcrfbar, ober bei bem 5i}?angcl ^inrcic^cnbcr
£^uellennac&ric^ten, Unn er oft mebr entbedt aU Doüig öuf*
0efu(^t ttjerben, unb noc& iDcniger tviflfcn n?ir 3^^^ unb Urfa?
c^en ber legten vöerd^nlicl)ung, trie eublid) folc{)c ^a&r^eiten,
beren crjte Sr^altung fo gan^ loUl voav , t)om öUgenielnen
©trome be^ 3rrt§umö ^init>eggenommen irorben.
9}?an crmartet i;)ie(leid}t in ber 53orrebe beö legten ^feeilö
»Ott einem folc^en SBerfe, aU bic SBaIc^tfd)e ^c^ergefd)id)te
i^, Cüö) nocO ein fur^e^ Urt^eil, irie t>iel hk fird)cnbi(iorifd3e
Literatur burc^ baflfelbe bieder getronnen f)abc, unb lüie fte
etwa burc^ eine fleine nod) bort^eif^afrerc ^-inric^tung bcffeU
ben unter hcix S^awbm cincö gortfe^erö noc^ me^r gewinnen
fonnte, Doc^ baö £c(^tere ju fagen, ^alte id) für ubcrflufTig/
ttjeil ein gortfegcr, bem hierüber ba€ Qluge erft gebjfnet wcxf
ben mug, wenig innern vSeruf ^ur gortfel^ung Jaben mag;
öuc^ t^a6 geIebrte^roieftmad)en, . irie bieg unb jcneö tcran*
jtaltet werben follte, meinem ©cfu^I nac&, faum aU 2Ibfd)iebö*
rcbe eineö gelehrten ©reifen ertrdglid) Hingt. 2Iber ?Betrad;*
tungen über ba^ ^rflere, \vk Diel bic Fircfeenbi(!orifd)e 2Sabr-'
5eit burc& baö SBald^ifdje Söerf gemonnen Ijabe, erregten fd)ou
oft einen ^Ißunfd) in mir, mit weld)em id) nja^rfdjeinlic^ bie
^mpftnbung eines mandjen anbern 2efer^ bejTelbcn crrat^e«
werbe. Qhi junger ^amx, bon Ji(Iorifd)cm ©inn unb 'Bt\)\,
foHte un^ eine ^ufammen^angenbe t>oUrtdubigc Q:x^ai)lm\Q bef»
fen geben, waö 2ßalc^ in ber ©cfd;ic^te einzelner jpauptftret^
ttgfeiten tjeilweife ^ufammcn fatib, tf^eilireife i?orIegte, im ein*
jelnen bericl)tigte unb, nad) feinem ^lan, obnc eine öügcmeine
Quffldrenbc ^erbinbung gab. 2Ber bie ®efd)ic(?te ber mono*
441
pt)i)(ttifc^cn ©trcitigfcitcn, biefe« Si}?ci)lcrjlucf Im g^Jn^en 5BaI*
ci)i feigen 5töcrFc, gclefen ^at, muß not^itjcnbtg öud) bei bem
treueftcu ©cbdcl;tnig gefunbcn Jabcn, tnie fe^r i^m bcr Qan^t
^nfammen^ang tjerlorcu giciifl, trenn er iiä) nic^t eine folc^e
6fi33C einer ^ufammen&dngenbeu ^"r^d^lung felbjl entwarf,
\vk niüf;fam baö 2fuff(nben einzelner JSerid^rigungcn würbe,
wenn man jTc nicl)t in bcr entworfenen ^'r^dblunig an ijren
rechten Drt cingctracjen, unb wie ml dUmß, b(o§ burc^ ^u^
fanimenorbnung be^ t)om feeligen SBalc^ 53erid?ti0ten, nocft
gefunben werben fann» (Bcwi^, ber ganjc Jerrlidje ©ewinn
ber treuen SIrbeit, weld)e SÖ3alcf) geleijtet Jar, wirb alebann
in 53erglei{^ung mit ben perf6nlicl;en ^-r^d^Iungen, crji
Dollfornmen \iä) geigen, unb t)a hk Sucfen, tk er noc^
laflfen mugte, alebann jTcfctbarer werben, fo i|! auci) für tik
funfticjeu Sorfd;er bcr ©cgenjlanb i^re^ gleißet bcutlicfter
au^ge^cic^ncr.
XIV.
Uebet Uc ^wUicitat ttt 3Süd^et M ^emn
^eftamentö, in Un ixci erften 2^W)un£)e^
tcn l)er cl)rijllicl)en Äirc^e. OnMmmaU
it$ 93erfaffer§, über eine, »on il)m in tn
©ottingifcfjen ©ocietdt t)er 5[ötjfenfct;aft t^e^
lefene, 2lt)^ant)(un9 -) 1786.
3n ber 53crfammlung ber foniglic^cn ©ocictat ber 2Bif«
fcnfd)aftcn , trelc^e ©onnöbenb bcn 21. 3^«- 1786« ge^alteu
tcurbc, ^iclt ^rofejfor ©pittlcr eine ^orlefung:
Ueber bie ^Mkität ber a5uc()cr beö O^eucn 3:c|!a*
tttent^ in ben brcr erflen 3fl&tN"t>crten ber cferipli^
c^eti ^Irc^e.
Stiele unter biefem öUgemelnen ^uöbrucf ,,^ubllcität ber
58ucfter bed 9Zeuen S^eftamentö" ^ufammenflicj^cnbe gragni
(tnb tt)o5l bei jcbcm gorfc^er unb greunbc ba- dlrcren cl)ri!l*
liefen ^irc^engcfi^icl^te öuö ©clcgen&eit ti^ t^cologifcbeu ^aö)*
*) Q(u3 ben ©ötting. ©ei. 2lnj. 1786, 6. 211.
443
laifc^ oon Scffing auf'^ 9?cue rege geworben, unb Me gan^e
^Icbcr gehörige Uiiterfud)ui]g \d)kn noc^) t>on jener -Hauptfrage
genennt iueröcn 3U fonnen: voa^ war Die SIntorftdt tiefer
33ud)er in ben üerfct)iebenen Verloben ber brei crjlen Sajr^
^unberte ?
95ei ber ^üi\vaf)l unb (Stellung bcr dieser geborigen pa*
trirtifcl}en ijrcerpte fc^iencn bcm ^crfaffer bie gorberungen
f)odo\i billig, t}a^ nie baö Streitige burd) t)a^ noc^ Streitigere
beroiefen werben foUte, ha^ man alfo nie ©teilen auö 3?gnfl=
tiu^ unb ^cl^farp'^ unb voofjl felbfi aucfe ^lemcn^ Briefe«
braud^n mügtc, um (Ireitige gragen über ben gujlanb ber
cferiftlid^en Äird)e S" Einfang beö ^weiten ^af)x^un<>
bertö Darauf ^u beöutrcorten ; ha^ man nicbt nur ölle ©tel*
Icn abfonbern foUtC/ welche blog ta^ 2llte ^cjlament betreffen,
ober unbeftimmt oon beiligen SSucJern b^inbeln, fonbern auc(>
bei OJeneralifirung bcjTcn, waö Don ^ifiorifcfeen ^^oti^eti
burd) bie patri)nfd)en (Jrccrpte etwa gewonnen wirb, ölle bie
SSorficfet gebrauchen, welc&c bei 2)arj!ellung eineö allgemein
ncn ^uff'Jnbeö au6 ein paar intiöibuellen Dloti^en in je*
bcm anbern gall empfohlen wirb, ^mav fd)eint bieburc^ ber
SKcidjtfeum beS S'rwiefenen unb ^rweiöbaren gar fe^r termin^
bcrt ^u werben, aber tieüeictt jTnb auc^ überhaupt folc^e )ßap
tri(!ifc{)e ^rcerptc nicfet bai einzige Wüul um ^ur ^enntnig
ber bieder gehörigen biff«>rifd)en 5Ba[)rfd)einlid)Feiten su gcs?
langen; benn über bifforifd)e SlBahrfd)einlid)feit binau^ follte
baejenige nie erhoben werben, voa^ feiner Olatur nac^ unb
nac^ ber ganzen S3efc^a|fenbeit ber un^ übrig gebliebenen Ur^
funben nie biö ^ur ©cwi0beit gebracht werben !ann. ©erabe
ober fijr fold)e SBabrfcfeeinlic&feiten, betreffenb hk q)ublicitat
ber 25üd)er be^ Dienen 3!ej!amentö in jenen erflen Reiten, fc()cint
£0?and;eö gewonnen werben gu fbnnen, wenn man fo forgfal^
tiQ M mbglid; baö gan^c *;8ilb beö 3uftö»beö jener crjlc«
444
©cmcincn «nb ^ird;en entnjtrft, «nb crjr aU U^te %xct$t
bei blefcr ©cbtlbcrung öufgicbr : ivcicfce SScfctjajfcn^eit ^attc c6
mit ber ^ublkitat bcr Süd;ier bc^ ükucn S^cfranuntö ?
Sin fold>c^ 5ötlb ju cnt\rerfcu, ijt gen)i§ bcv bcfanntc ^rief
bcß ^linluö (X. 97) mt bcr braud)bar(^en Urfunben, bereu
Slutjentic nicbt bezweifelt njcrbeu fann, «nb bie eben fo mnig
einer Snterpolation ober Korruption befcfeulbigt werben wirb.
S)iefe9ic(ation be^ ©out>erneur^ einer fleinafiatifc^en ^roi>in5,
bem tit ©acbe bcr dbrijten unb befonber^ tk 95efcböffen^cit ibrer
3ufammenfuufte eine rechte STngelegen^cit Wör, entbölt cudi)
nic^t (iiihi ber gcwübnlicf)ea Unricbtigfeiten, ton welchen fon(!
bic*nic^td;)riftlic6en 9^acbrtcl)tcn biefer geit ni(^t vocn'iQ entftellt
jtnb* Q.t fiebt bie (5f;v{(ten gar nid)t blog aU eine jübifctie
©eftc ön, er burbet i^nen nicfctö 23ogeö auf, er fcl()ilbert ben
Ö^Jn^en guflaub genau fo, wie wir benfelben öuö ^ufammcno
(leüung ber übrigen fici)erf!en "O^acbric^ten unb flu6 ber 2Inö*
logiß anberer, unter bem Drucf öümdjltg fidi) Jebenber, reli*
gibfer ©efellfcbaften t>ermut6en muffen, geben!t ober mit fei*
«cm Sßort einiger ^eiligen S5ucf)cr, bie in ben ^erfammlungen
Dorgelefen worben fetten , ober tk if)m fonft hei feiner Unter/
fud)ung aU j";)aupta!tcnftucfe i?orge!ommen waren, benn fc^wer^
lic^ Ware eö i)kv ridjtlg, unter benSBorten: „carmen Chnsto
quasi Deo seciim invicera dicunt," 5ßorlefung ber Ccbriftcn
be6 5fleucn 2e(!amentö terfleben gu wollen, ©eine Unter.-
fuc()ung fcbeint offenbar über gan^ S5it&))nien gegangen ^u
fei)n, unb bie ^roDin^ war Doli J?eibcnd)riftcn. 5ibgcfaUciic
unb ftanb^afte, maun(id)en unb wciblicben ©cfcblecbtö würben
fccrjbrt, unb wenigftenö einige fclbfl unter ber golter befragr.
€^ war fd;Dn bret unb brci^ig ^a^xc nad) bem ^oDc bcr
Slpoftel ^eter unb ^auluö, alfo nngcfdbr in ber cr(!cn ©cnc*
ration nac^ ber apofrolifdKn «pcriobe, t)a biefc Unrerfud^iuig
angeilcllt würbe, unb boci) fd;ciucn ^k bciligcn (Schriften ber
€6ri(Iea xiod) nid^t i>tn ©rat) t>on ^ubltcitat gehabt 311 Hhm,
t>tx (ic für bcn m\ux{ad)c\\tni uub ffincm 2IuguftuÖ rcferir^u*
Da mx \o tas tx\ic S>ariim atiQc^cUn ^aUn, i)on trcU
<i?fm Die iÖJdnuög bc^ ^^crfojfcr^ öu^ge^t, fo cr^cUt Jtcrau«
t>oa f<lb|l, nacö n?cld;cm ©i'fid?t6iMm!tc bie ©teilen au^ 3u^
ftinu« ^Oiart^r, 3renau^, 2crtuHiafi uub anbcre,
bi^ auf £*ri5Ciic^ ^ia c)tDrbnn TOOrbcn jljib, unb wa$ t)OU
c>cu iöcrfioücn öIö ^^^wcifeit ber frü^ejl^u ^ubllcttdt öngc?
(u^rt ttJtrb^ fdjicti bicfcm 2111cm, nadi) genauerer Prüfung,
Unierfc^eibung ber 3^^^^« «nb ber '^roöiujen, tnö)t 3U triber*
fprcc^eu, Die gaa^e 5lbjanblung fc^Iog fic^ ttiU inejrcrea
^mc^tigungeu t3cr bctannte« Q5c\^ld:)U bcr ^rabitoren unD
mtt b€r Q5cnKrfung, t)ag für bt« Sntegritat unferer neutejlajs
«leiitlicfcen tSu4)€r, foferu befouber^ t?ott m^dnm <Stucfett
uub ©teile« bte Stiebe ijl, ntc^tö $üffnmig6boÜ<;rc^ ö<^3^^9^
ttjerbeu f5iiuc, al^ jener ?i}?angel ö^°S^^ ^übltcltat t« ber
itiim u«b 3um ^tjetl nocfc tu {)er jwdten ©eueratjou «ac^
fcea 3ft^^w ^^r 5IpoiteL
XV.
Seutfc{}en fatl)0(tfc()en ^ircl;e im ^cxljalu
^g fcl)c{nt ein 9lat§fcl ju fcijn, tvenigjtenö tt?arc cö be^^
ieibigeub, fein SKdt^cl hierin finbcn ^u wollen, böß wir Itcbcu
fleifftgen I5cutfcl)en bcn wid}ti3ftcn gunbamcntaU^Scrtrög mii
bcm ^Kbrnifc^kin ^ab(te, ber nac& vielfältigen Dlcgociationen
auf fciev[icl;cn 53erfartimlungen beö Sleid}^ Dor 540 Sauren
öefd)Io(T"cn irotbcn, glucfltd;mii)eifc 517 S^^rc lang üergeji'cn
fonnten. Sßtr 6aben 517 Sa^re lang SKomifc^e Sajlen ge^
tragen, wir f)abn\ getragen unb gcbulbet, unter mandjent
iDiurren gebulbet, dn Zt}ül ber Ungebulbigen Jat eine dttif
p5rung gewagt, boc^ wu^te feiner ber (Sele^rten unb feiner
ber ©taat6?D!)idnner, worüber man ^uerfl \)äm f lagen foUen;
wir fannten unfer cingejtanbene^ 9^ed)t nicfet, ber^rdnj*
ftein, ber Dor 517 S^^ren fo feierlid) gelegt worbeH, war t>er^
ttiooöt unb Derfunfen, unb wenn e^ nun ^um 3!erritorial?Äriegc
fam, fo glaubten wir wo^l noc^ ctwaö rec&t fubncö getban
^u Jaben, wenn wir cnblic^ fogar bi6 ön ben ^lag üorrucf^
Un, ben wir aU ölte gcfe^mdgigc ©rdnsfctjcibung Idngf! b^t*
tcn fenncn follcn.
«Ißaö hie folgfamere, gebulbigcre q)artbie nic^t fanb, weil
fie ftd) mMd)t fclbjl fürchtete, ctwaö 3U fi'nben, ta^ bitten
*) QlusJ ?Weirter^ unb ©pittler*^ ©öttitig. bif^or. «Olaga^in.
33aub I. ©. 347 — 381 unb ©. 474 — 499.
447
bo* bic Slcbcllcn öuffinbcn foUcii. ^r^ftiftifcfee unb fttftifc^e
Slrcfciöe fmb öuc^ tr;iKn 3U Z1)dl worben; ber guföU, bcr
bcm mcnfcl)(id)cn ^Öcrftanbe fo oft ^u (5-^rcu Jllfr, mücl)te boc^
aud) einmal in 516 3<i&r^" feinen ^.atm gcfunben ^aben.
X>ic (Bc\d)iäi)U i(l fa(I uncjlaublid); ira^ ölleö i(I uidjt t)on
Urfunben unb 2röbition6*23riefcn, lüt Deutfd)en ^i;d)cn?
föefd)ic^tc gc()orig, in ber eificn Jpdiftc unferö Sö^rjunbertö
cntbecft unb gcbrucft worben; ta^ Wonflc, n)id;tig(lc ^ocu?
nicnt blieb uncntbcdft liegen.
^aum i)or 23 Sauren göb ^orir bem publicum bieg
Document 3uer(I i)olI|Tdnbig, bic ^önonipeu legten mxmu^v
neuen ©runb, neue C^ommentationen iiber greijeit ber Deut*
fd)en ^ir4)e erfolgten, unb jüngjl etjl nod) f)at ein eben fo
fd)arffinnigcr aU gelehrter unb bcfc^eibenev gorfcfeer *) alle
gvoge golgen jum erjlenmal bollftdhbig entiuicfelt , tk, felbfl
no4) nac^ 23 Jahren biö^er nur ^alb ira^rgenommcn, au^
jener crfl gebaci)ten d'ntbecfung beö mut^üoUeu ^orix* flogen.
Sd) f^ahc mit einer 9iufic, tik blog 2öirfung oft irieber^olrer
faltblutiger Uebcrlegungen fevjn fann, mit einer Unpartjeilid)?
feit, beren Jier bieUcic^t ein ^rotejlant leid)ter aU du ^at^oli!
fd^ig fei;n mag, unb mit 5Iuffud)ung öUer nur mbglic^en
©rünbe, tt)elci)e für biefe groge (I'ntbecfung gebraud)t trorben
finb, bieg ganje neueSunbament unfereö aufgeFIdrtcren Deutfc^^
!atöolifcl)ert ^irc^enrec^tö tüieberfioltefl unb forgfdltigft unteres
fuc^t^ unb — offenherzig geflanben, e^ fcfeien mir nac^ jeber
neuen Unterfud;ung nie uni?erbdcl)tig feft unb fi'c^er ^u liegen.
5BeiI gegenttjdrtig hu 3eit i(l, bag aufgerdume «jerben foff,
toiil noc6 jüngll crfl unfere Deutfc&e Primaten in bcm grei^
*) J. P. Gvegel de jiiribns nationi Germanicae ex acceptatione
«fecretoriim Basileensium quaesitis, per Concordata Aschaffen-
burgensia modificatis aut siabiUtis. Moguut. 1787. 4.
448
Jcif Ö ^ ^ntwurftv bcr öuf bem ^mfer (^ongreflc ßcmacfet würbe,
öuf ienc ^ntbecfung aH ©runb*Q3eftimmun9 miferer 53er^dlf^
ttiffe sum 9iomifd)eu (Stu^l mit S)cutfct)er 2'(cblicl)Feit i)U]wic*
fm, fo fd)li'u mir nun aud) jcbe ^Öernnlaffung einer neuen
Hcfcr ge^enbcn Unterfud[)uu9 \)hd)^ jwecfmdgig ; n^ir niü|Tcn
cmmal mit bcm ?9?anne ju §Kom in^ Älare fommen; in bie
neue 9lec6nung, bie nun angefangen n?crben foU, füll fein
^albQcmffc^ Datum ftc^ einfd)leid)en ; «jir trcrben am (5nbe
immer gctt)innen, je Mr^er unb !(arer bie neue 3^ed)nung ift,
Dod^ n?ir fpred;cn wo1)i fclbjl för unfere 3^^^^^" ^^^
immer gu t?icl t>on neuem großen ©cnjinn» SBenn ^i|torifd;e
Sfnalogic mehrerer S^fjr&unberte gilt, fo mochte man unfern
ttiut^boöften 55epuvmern ber SK5mifd)en C^urie fa|l gen^iß pro;=
jj^e^ei^en, ffe irerben noc^ einmal felbj! unter «piuö VI. Don
beitSEomern irre gefij^rt trerben; cielleic^t i(l M$ neue ©ängel-
banb fc^on in grci)f{ngen unb ©peier angefnupft; bcr @d)ne*
(feni(5)ang, tt)Dburd) ber Deutfc^c i?pn jc^er ^u ^aljrjeit unb
SÄecftt Utix, \{t noc^ lüdot an feinem ^hU,
Ser SR5mif4)e ^abjl ^atte un^ fc^on Sajrjunberte lang
ttiigbrauc!}t, unfere Deutfd)e ^irc^en ^ ^n'v""^^" ^^^J^^" ^^^
ISeutc feiner (Surialijlen geirorben, unfcr gansca5(ird)en*SKed)t
ein ©piel fcinee ©ct^^ea, feinet iJefpotiemuö, feiner S3eburf?
nijTe unb feiner Faunen, am alte grei&eit5^5?er!ommen war
Sernic&tet, ba^ Ur^^Kc^t unfercr S)eutfc^cn Äirc^cn * ^ßcrfaf^
fung, wie fie ftd) auf fcierlid)c Vertrage grünbetc/ bie el)ebem
ber ^abjl fclb(l bem ^aifcr abbvdngen ^alf, fd}icn t^oUig auf*
gehoben, ba wir cnblid) bcn 3. WUi 1417. unter Umllanben, bie
bcr «Ißieber^erftellung unfere alten Sfled;t^ nid)t gaki5 ungün#
jlt3 fd)tene«, auf fünf Sa^re lang einen feierlid;cn ©rdui*
¥i9
tröctat *) mit bem unbilligen S^cvnx flogen, baj; n?ir boc^
rnntAftcnö fünf 3a()ic long njiflTcn mod;tcn, ob unb itaö för
ein ^■i9cnt()um t>on 9^ed)tcn, ob unb tvaö für ein ^d)ui^ ge^
1 gen uncrfd)opflid) finnrcid)e neue gtnan^* fünfte unb neue
i ©elb^Sarcn unö gcftd)ert fei^n foUtc.
5[Bir liefen unö fünf 3a^re lang eine ölte 53crorbnung
^abft ^eucbicr(? XII. Don 1535 gefallen ''"O/ fo fe&v eö öuc^
bcr ^a5I*Si'ct{)eit unferer ©riftcr, ben n?id)tig|len Siechten
unferer S3ifd)ofc unb felbft nud) ben enriefcnflen Siechten i'u
«er 5}Zcngc einzelner ^Viüöt ? ^crfonen gerabe entgegen war,
bflj^ bem ^\]b|le 5ur ^cfct^ung ölle 2)curfd)e ^ird)en * (gtcllcn
iju^eimfallcn feilten, bie buvd) ben lo'o 9\ümifd}er J';>ofbiener
üöcant trürben , ober bereu S3efil^cr auf einer SfJeife wad) bem
pdbfrlicl^en ^^oflagcr, it>ol;in bamalö, n^eil e^ un^ ndber in
mtignon log, bee SBanbernö fein C^'nbe irar, in einer ^nt*
fevnung ^iveier 2!agreifen i^on benifclben ftcrben irürben. 5[Bir
.glaubten nod) fd;Iau genug für unfere Siedete gcforgt ^u ba<
-bcii, ba^ voiv in biefer 33erDrbnung, el;e vrir fie ^u einem
3!^cil unferö 3nterim?53ertragö mit bem unbilligen ?0(annc
mad)ten,^arit[)metifd) genau beflimmen liefen, n?eld}e unb mc
mU 9iümifd)c ipofbicner bei unferer 9]ad)giebigfc-it gemeint
feen, benn fein fleiner Deutfc^ergürften^of {;at je nod) fo
t>ielc JÜtel t>erfauft, fo t)ielc ^itel finnreic^ erfunben, aU bcr
SKbmifcbc 5Sifcfeof 5?of? unb ^anaki ^ Slitel «uöt^eiltc ="=^"'"),
■ ) Concörd. ^ Constaiuieiisia. Du Mont Corps diplom. T. II.
pag. 108 — 114.
**) ®ie (5:7tMt>aqante Ad regimen, — fo l)ei§t bic^e SSerorbnung. ^.
95cnebictö xii., — ijl fcwol)l ben (iof^nit^er ^cncorbaten aU bem
5lf(1mffenbur(ier 9luffa(5C njijrtlid) eingerückt. 5)er (JxtraDaciante
Execrabiiis l)fltte matt ber ivürje l)alber t)ier nic^t notljig ju
gebenden.
') 93ci 93ergkicbuug ber ©xtrawagantc Ad regimen, vok \ic tm
Corp. jur. Canon, frebt, mit ben 9)ii^bi|Tfcot{cnen, bie yk bei
epittlerö fammtl. SBerfe 'vm. 58b. 29
450
Äuf ©portcfn unb Hoffnung t>on %iiCüif(§Mf)x neue uuhtf
folbere Diener onna^m. Ußcim jebcr für feiucu I5icncr Wtte
gelten füllen, bcm er 9efud)t ober ungefuc^t bamali einen
fifidtH' ober ^pofbiener^.'Sttel gab, ^ulel^t Uuc er enblld>
ein* für aßemal (iuc& bie 2)eutfc6en SSifd;t>fe mit einem Zu
bcr (5mrüc!ung in bie ^oftui^er'd'on'corbate «nb in benQIfc^af«
fenhu'ijer 5tuffa<j etljklt, id^tn fiU fi'mf njirf)ti3e 2Serfcf)ieben*
Reiten;
1) 5« ö^^ P^^i^^. 93erorbu«ng, wie fTe int Corp. jur. Canon. ftpl)t,
finben fic^ Mofj bie Flamen ber 9?ömifd)en ^of- unb Qan^leU
©iencr, beten ^ob für ben ^abjl fo üortl}eiU}aft fei)u foftte; in
unfern ^oncorbaten finb bcch 3aI)Ien [)injiiciefe^t, t([{i m\m
ber^abjl 5.(5. fiinftiglnn mel)rere al^ 25 Ütbbreöintoren mnri^tc,
fo galt Dom 26|len nnb 27ilen nic^t niel)v, Jua^ inQ(nfe^ung ber
25 erfien »erfprodu'n irorben. 25nntit war nun frf)on iM'el cii'»
TOonnen, wenn anber^ bie :5)eutfc{)en immer einen guten pabfi«
Iic!)en ^of * ^alenber Initten.
3) 3m Corp. jut. CaiiOD. l)ci{^t e^ b(o(5 Commensaluim nostro-
rumj in ben S)eutfcl)en 6'cncovbaten verorum commensalium 110-
Btrorum. ^an mu^ Urfad)e ^cljciU I)aDen, bie'waljren (5om*
menfale^ bei? ^a&iB ju unterfrf)eiben.
3) 95et bem ^Tarnen ber Ofjücialen M 9?cmifcf)en ©fuMö wirb
in unfern (Joncorbaten au^brücflid). I)in3ugcfei}t: quamdiu ipsa
Ofticia actualiter tenebimt. 5ßie Diele .sperren batten ftd) fcnfl
«ud) unter biefem Flamen eingefd)Iid)en.
4) 2)er ^ame ber Oluncien, ber jweimal in ber SBuUe »orfommt,
wie wir fic im Corp. jur. Canon. I)aben, ift äi^^ini^^l vertilgt
worben in ben €oncorbaten. S33ie lieb mU biefer ^amt von
je^er war!
5) 3ttl Corp. jur. Canon. I)eii5t eö nee non ctiam, quae per as-
secuiionem pacificam quorumcunque prioraiuum^ dignitatuni,
personauium u. f. w. 3» ben 6o|lni^er (Joncorbaten fcl}lt
ha^ m<i)ti%t unterfrric^enc QSort; aud) ta^ war neuer gerettc«
ter ©ewinn für un^, aber in ben 2lfd)affenburger Sluffan fam
bflö wid}tige SBort 5um S3ort^eiIe be^ ^abfle^ wieber hinein;
b^r Äimmel wei^ wie?
461
u\ beejrf, er iatu pc öefammt mit VüiÜQÜd^cx (3naU 5u 3u^
fii^f jan^ (^tat^ffRat^cn gemacht.
aölr überliegcn i^m noc^ ai\]fcv tiefem öuf fünf Sajre
laug t)k ^efd^ung ber i?d(fte uuferer Deurfd;en ^irc^cnpfruu*
ben ^0/ "»^ wavcix noc^ fro^, nic^t ^ur 5lufopferung t)on
SWßiDritt^cileu ge^trungcu ^u rrcvbcn, unb waren no4) froj,
ble grogen £5igniratcn, bie ficf) in ben ^om?^ird)en nad) ber
bifc^Dflid;en ^IBurbc finbcn, ucbjl ben crjlen ©teilen in t>m
(^ollegiat*^ird)cn allein noc^ für unö gerettet su böben, ba§
n?enig|lenö bei bcn iric(}tig(!cn ©teilen alteö ^irc{)en?SKccfet
gefiebert blieb.
SBir übcriiegen Um fünf Saläre lang t)k ^Seftatigung
unferer S3ifd;5fe, nur bag er unö bie SLQafel unfercr $Sifd)ofe
Düllig frei lieg, unb bicfe SBab^grei^eit wollte ber ^ab^ nie
frdnfcn, alö wenn augenfd)cii?lic^ß unb gegrunbetc Urfad)en
i^n ^wdngen, bie ^efidtigung ab^ufd^fageti, tia6 33iötl;um einem
wurbigeren 3U geben. SBir terfprac^en bie 2lnnaten?^ave,
wie fie in ben pdbfilict)en (Kammer ? 9xegi(Iern frel;e, innerhalb
biefcr fünf 3abrc richtig ju be^aftlen, obfd)on Üliemanb ein
öutbentifd)e^ (Eremplar biefer pdb|llid)en Kammer ^ 9?egi|Ier
gcfe^en ^atte, unb wir waren frob, bag ber ^a\>^ nbr^igen?
fallö, vocim eine ^ircbc ^u 60* angefd)lagen fe^, SRetavation
terfprac^, bie Söe^a^lung ber Slnnaten jebe^mal in ^weiidbriä»
gen gielern annebmen wollte, unb ölle SSeneficien ber Deut^
fc^en ^ircfee freifprac^, bie nac^ eben berfelben Kammer* S^are
gefdjd^t Dier unb ^wan^ig ®olb*(SJuIben nid)t überfliegen.
5Bir nabmen wegen funftiger iD^dgigung ber ©elbcrpreffungen
burd) 5lblag allgemeine 53erfpred)ungen an, obfcbon fünftigbin
ben 9^bm«n man6)t ©elberpreffung «oc& mdgig fc^einen
*) Diguitatiini, Personamum, Officionim ee Bcneficiorum,
29 *
452
mochte, tk unö ittimagig fd)eincn mu0tc, unb wir waren
mit bcr 53erfid)crun(j aufrieben, bag t\id)i^ md) fRom gebogen
werben foUtc, voa^ i\id)t fRcd)t unb 92ötur wegen üor ten
geiftltd^cn SKIci;ter gcljore, ob man wo^I felbj! bei (gd^Iic^ung
bcö ^Scrtrageö wu^te, weld;c V)erfd)icbene SSegrijfe Died;t unb
97atur betreffcnb ber 2)cutfd;e iaf^c, m\d)t anbere ^Begriffe
bei: 9l5mer.
1422. 5. ^ai f)am biefer Snterim^ ? 53ergfctd) 3U ^nbe
fci;u foüen, benn nur auf fünf Sai)vc war er gefc^jlofjen, unb
nad) 53erPug biefer fünf S^Jrc, wenn nidjt neue 5SergIeid)c
eintreten, wenn nid)t unterbcg neue ©runb?(5*inrid)tungen ber
S)eutfd;en ^ird}e etwa auf einem allgemeinen (Soncilium gc*
mad)t werben würben, folltc ictc ^i\d)c unb jcbc ^^erfcn un?
geachtet aller gegenwartigen ober jPünftigen 53crorbnuugcn bct^
^ab(!e^ bic frcieile Gewalt ^aben, ölle i^rc ^cd^tc ^u braud;cii,
X)a^ Sa^r 1422 rcrflog unb D^iemanb t)cid)tc an t)ic
greiDeitös^Inufel, bte im leisten «Bertrage ftunb, unb t>k bcr
fc^onpe ^>unct beö Iet^tgefd;loffcncn 53ertrageö war. 25ie <Er
Hoben ^u $ai)ia unb ju ©ien« f)ättm immer?)in mißliujicn
mögen, bic (gi;nobc ^u ^afel f;atte aufgefd)oben werben mb*
gen, wir waren rcdjtmdßig frei, noc^ cl;e bic @v"obc ^u ^a*
m anfteng, unb beliberirten bod; er(l nod) fieben^ef)cn Sal}rc
lang nad) bcr ©v"o^c S« ^ai^ia, wie wir e^ mit bem grci^
werben anfangen foÜten. 5ißem ftel benn fclbjl aud) ^u ^a?
fei ein, wem auf bcn nadjfolgcnbcn großen (5oni>enten beö
fRdd)^, t>a^ e^ feiner weiteren Srei^eitöj^-rflarung bcburfe,
ha^ ber ^abjl felbjl auf alleö Idngjl SScrjiidjt gctban &abc,
H^ bic ©ultigfeit feineö freiwilligen 53cr^id;te« ntcbt bezweifelt
werben fonne, weil biefer SSer^ic^t burc^ fünfjährige freiwillig
übernommene ^efd)wcrben erhalten werben, unb ber ^>abft
felbft nid;t einmal !leinc ^ort^cilc ungefd)mdlert lieg, burct
bic er bie Ueberna^me biefer fünfjabrigcn Saft unb bic einfi
455
ivciligc GJutmutJigfctt bcr I)cutfd[?cn t>od) nocfe verfügen ju
trollen fd)int.
l:aß crfte ©runb ^ (3efe§ ber iJeutfc^en ^irc^e, ba« crfte
Sxcgulatiü, bdö im Flamen ber 90113011 9^ötion mit bem ^pabjle
getroffen tvorbcn, warb üergejfen, unb eö gtcng voo\)l gleich
Jier, ttjic eö n(Jc{)6er in !;unbert d6nlid)en gdllen mit bem
publicij!ifd;en ?ßergejfen ^ugieng. Sie UrFunbe be^ gcfdjlof«
fcncn ^ertragcö iD^rb inö 5Ird)tt> hinterlegt, mancher [parte
\vot)i feine ^irolf ^ourcr ©rofdjen, nm fi'd) eine öut^entifc^e
^opk beflfelben ju öerfdjajfcn» 5püd)(!enö ttjurben i^ie unb ha
bie irid)tigflen pr(j!tifd;en fünfte ercerpirt, ben gönnen ?3er^
trag laö 9]iemanb, bie fd)un|ten SIrtifel beffelben blieben wie
begraben unter bem (^an^tei ^ @til ") ; noc^ t)or ^ur^em ijt
mandjer Sanbtag5^Qfbfd)leb, mad)c6 Sanbeö^©efe^, mand)ev
vricttigc ©taat^* Vertrag fo fun(It)ott abgefagt worben, ali
üb e^ barauf angelegt wdre, bag !y?iemanb hm Sn^alt beflfeU
ben hc^almi follte. Unb trenn etwa aud) ik unb ba ein
ftiller frieblid)er Wlaim ba« gan^e 2lcten =* ©tücf laß, ber be^
Jielt'ö irof;l in frommem ©inne aU 5Bunfd)/ ba^ ber ^aupt^
^unct biefeö 53ertrage« nid;t gehalten werbe, ber dugerte mU
Uld^t and) ben 5Bunfc^, ta^ wir unfer Sfiec^t fuc^en müd)tcn,
bem borte t)ielletd)t ein irilbcr ungcICi^rtfeuriger ©turmer fei<
ncn frommen ^JBunfd) ab, unb trat mit 9ieformator^ ? (Jifer
nuf, unb fd)tt?ang bie gacfel, hk er an frembem J^eerb angc*
5unbet f)atu, — allein mit bem I5eutfc()?!at5oIifcben ^ixd)c\u
5Befcn, \vk eö bam'afö tvar unb wie cö grogent^eilö uod) i|I,
^at eö leiber feine gan^ eigene Sßeife»
^ie Deutfc^e ^irdje jat fein gei|IIid;eö unb fein irelt^
Iid)eö ^ber^aupt, ha^ mejr aU fR\it)m baM genjinnen fonntc.
*) :?fe (^anje SBivIfuiiv} etne^ foIc()en ^iiujlei « ©ti(ö fann mau in
ber 5B«lle Ad regimen fe^en.
454
wenn bie JKecfcfe beffclben behauptet irerbcn foKcn. ©ie tat
fein Sjhci;\)a\ipt , bo3 groge ober größere Donaribc for^cru
föini, wenn btc ^öb|i«@cl}nl2mi9en aufboren; ftc Jat fein
Mei\M S;eprdfeiUantcn?(Iorp6, ba^ über allgemeinen diiö^f
teil njad;en, unb bei SSc^auptung allgemeiner SKccbte ben %^w
tjat^f^igennu^ einzelner 25ifd)ofc «nb einzelner ^ommunitöten
fd)n?clgcn mad)cii fonntc, ^cr will, »venu bieg t^ielarmigte,
ticlfopftgc SSefen auc^ an fetneu fu[)[bar(lcn (Beiren ange^
ßviffcn ii^irb, ircr irill \iu ^lelfoy-fe finftimm'g unb [i;n-ipa*
t&ctlfcl)'patriottfc^ mflcl}cn, ivcr ölle 2Irmc nacl} einer 9iid;*
tung (jinbre^en? SlBer t>er[)inbcrn , ba^ hü fo t>ielcn OJtirin^
tcrejTeuren, bie alle baß 9\ed)t mitsufpred)en f)ah{i\ trollen,
tag hin gamilicn * digennul^, fein Srrfinn , feine Saune fic&
einfcl)Ietd)e? SBer tie^ ^unfiracrF iiid)t blo^ Siugenblicfe
long fcrüorbringen, fonbern gerabc fp lange fortbauern ma<
d)cn, aU SKom feine Dkgociationen fünftlid) ^in^u^ie^en weig,
feine treffenbflen Singriffe gcnjo^nlid) «uffcbiebt?
2(uf allen Unii>erfirdten Deutfcfelanbö f)am man baö ncu^
cntttjorfenc ©runb*©efe^ ber Deutfd)en ilircbe um^erfd}icfcn
foUeu, allen ^rofej]"oren beö fanonifd}en fRcd)t& ein freiem
^vemplar ^ufenbe« jollen, in allen geif!li4)en (Jan^Ieien unb
©erid)t6 i» ^üfen l)Cittt cö auf ber 5BerfömmIungö?!tafcl liegen
muffen, unb nur ber ^e^ntc !:i[;cil ber ^nblicirung^ * -fünfte,
bie ber «pöbft in feinem gaUc getro^nlid; fo meifter^aft t)er#
flunb, l&dtte taß 2(nbenfen beffelben fo Iebf;aft erhalten fon^
neu, al^ fi^r bie greijeit ber ^ird)c unb fclbft aucö für bie
flÜmdfjlige iSilbung eineö ^ufriebeneren ^abfteö ^u trunfdjen
gettjcfen ludre. Dod) and) ^iqx ift'ö tvabr, Vit Sinber ber
2Belt jtnb flugcr in i^rem ®efcbled}te al^ bic^inber beöSic^t?.
Stöir Ratten 1422 fd)on boUig frei fcmi foüen, unb bocö
ttJöt'ö nod) fteben^e^n S^Ijrc nacfe^er ein redjt ^croifcber 5ltt
ber iu $0?ain3 t^erfammcUeu SKeictö^^tdnbe, bag ftc ben
465
26. g}?är| 1439 fcierli* erüartcn, öUe 2)ccrete bcr bamaii
3u 23afel t>erfammcltcu 6i;note, bie öu^gcuommcn, roclcfec
bic ^erfon bc« ^>ab)lc^ betrafen, ölö ©runb^©efetje ber
2>eutfcl;en ^ird}e anue^mcn S" tüoUeii, öorbeöalten, ba0 bicfeu
Decrercn Jie unb ba nocft (5infd)raufunßen uiib ^rnjeiterungcii
3u geben fepen, n?ie fie ta^ befonbere S5eburfnig ber 2)eur#
fc()en Äird)c unb baö noc^ inbiüibucUcrc $5eburfnig jeber ein'
seinen Diocefe erforbere "0- 9^f«" ^^9^ Dorf)er Jatte man
fc^on befd)Iüflren, ba^ man an allen perfonlic^cn gtvlflen be«
Iibjle^ mib ber iSpnobe gar feinen Sl^eil nejmen n^oUe, bag
curfc^fanb burd) bk orbentIic()e ©ericbtßbarfeit feiner 95i^
^h\c fo lange regiert n?erbcn follte, hU ber ^ird)en«griebe
DDÜig njieber JcrgcfteÜt fei), unb bag einmal boc^ alfo eine
IHnrobe gemacht irerben mugte, ob nic^t ein ^ah^i ber X)c\iU
fcben fat^oIifd)en Äirc^e entbejrlid) fepn müd)te. 91lle &tlb^
2lii0(TuiTe nac^ 5lüignon ober D?om würben mit einemmal ab#
gefc^nitten, unb nur ai\^ ©rogmut^, bt6 ettra hii ndc&jtc öll#
gemeine @i;nobe ^ur Unterhaltung be^ 5j)fl(>j|ga neue Qlnf^al^
mac^e, foUtc jd^rlic^ ncd) ein ^iert^eil befen be^ajlt
i^rrbcn, ira^ er5bifcbofIid;e, bifd)üflld)e unb cremte ^loftcr*
^ird)en bei i^rer (Jrlebigung bi^^er geficucrt Jetten. 53ott
ben ^'infunften ber übrigen 23eneficiai mochte ber ^ab|! \ä^u
lieb bcn a^ijan^igfrcn Sl^eil genicgen, rcicf)Iic& genug alö jd^r*
Iid;e QKimentarion« ^ ^?ü(fe, obfc^on t?iellcic6t faum ber je^ntc
Zi)üi bcjjcn, njaa hie fcligen Äerrn ^pdbjle genojfen Ratten.
Mi S:OeiIne^mung Ui ^ah\ui bü S3efe^ung Deutfcfter ^iu
d)en * ^frunbew warb uuwiberrufltcfe abgcfc(?nitten , SRomifcf?«
^ifpenfationen verboten, ba$ Ur^«Kec|)t ber 25ifc()5fe wiebcr*
l&ergeilellt, bie SJ^ot^wenbigfeit allgcmeinei: groger ©jjnobctt^
l^m^^ Concord. nat. gem. integra. T. I. p. 38 - tU. uub WÜrdt-
wein eubs. diplom. T. VH. n. 4«.
456
wie t)ic alle ^cjn Ja^re gcOaltcn u^cröcn fontc», öuf^ 9lcue
gcfc^arfi.
5^ie \rar nod) ein fo feicvIidKr <Sd)(ug bcr ganzen Deufi»
fd}cii ^trd)c gefaßt rcorbeu. 2)ie faifcrltd)cn ©efanbteii cr^
Üdrtcn i^reu feierlid}ficn S3c{tritt im 9^nmcn beö ^aifer6 unb
beö Sieicbeö; ber ^•ri»95ifd)of J?oii ?Ü(ain,3, Der felbjl gcgai^
XüäxÜQ war, erfUhte fici) im Flamen feiucö ^vrengel^; fo
ber t)on ^olii iinb bcr mn Xrier; fo bie ©efanbteu bcr d'r^?
f5ifc^6fe t)on (gal3burg unb t)Ou 3}2agbcburg; fo traf eine
(Jrfldrung be^ (E'r^ ^ S3ifct)üfö dou S3rcmcn ein; bic gan^c
25eutfd;e ^ird)e in allen i^reu Jpduptern irar einflimmig.
Tlaix blieb fec^^ ^aim lang bicfem einmal gefaxten ^djlnffe
treu, bermn{)ang beö ^])abrt^ fonnte ntd)t gebei^eu, bie Sfcunbe
beö ^cncilium^ fonntcn nid)t fk^cu, fein Pallium irurbc ge^
Ib^t, feine Slnnaten h?^ai)lt, feine I^'ifpcnfation ä^fud)t, bic
2Ba^l;'Srci6eit ber ©tifter blieb ungefrdnff, eö raar ein fünf*
jd^riger 53crfud), bcm bcr ^^abjl nid;t blo0 %h\an^ falber
langer nic^t ^ufcöe« fonnte, baö gan^e @c^c[mnii5 mod)tc
t)erral^en werben, i^ie leidjt ftd; o^ne einen ^^abft leben lafi'e.
^abfl ^ugen, ber treu genug unterrid)tet war, woljcr
ben Deutfcljen il;r ?i}2ut§ fomme, ber erft abwarten wellte,
tcc\d)ax Sluögang bie ein6eimifd}en v\5dnbel ber ^r^ * 35ifcbofe
ton (Solu unb bon 2!iier ^aben würben, ob itn nid)t eine
blutige ge^be bon biefem ober jenem befreie, ob oiefem unb
jenem ber Wlutf) nid;t finfe, ^ah{i (Jugen, ticx, burc^ tit
D]ad)ric^ten beö faiferlic^en ©ecretdrö Sleneaä ^>iccolomini ver-
leitet, gar ^u fanguinifc^ ^u l;Dffcn anfieng, wagte einen ent^
fd)eibenben 5))abrtfc^lag, er entfette tic ^-r^^^ifc^ofe bon (Eolii
unb bon ^rier, er bergab i^rc (Stifter an ^wci Vettern be5
^Jer^ogö bon 25urgunb, er geigte mit einemmal eine crnftbollc
(^ntfcOloiycn^eit, bic immcj; no(^ mejv furchten unb jcbcu bcr
I
I
457
übrigen ^ci'tjci^tger bcr fcf)Iöugen)a6lten D^eutrölitdt fein um
ucnnciMtd)cö *2d)i(ffal fe^cn laffcu folltc.
Dod) faum irar bic 9lad)rld)t uad) I5eutfd)(önb gcfornj?
mcn, fo ücrcinrcu fic^ fdmmtltd)c ^^uifurjlen mit cinanber,
unb ein 'i^unb irarb gcfd)loffcn '•"), weldje ©efc^e bcm ^abjte
Dor3ufd)reibcn fctjen, mt man nun eift, n?cnn er nod) ^aubere,
bie S)cutfd)c 5Icccptation bcr $5aöler Dccretc feierlic^f! 5U er^
fcnncn, fclb)! tro^ bcm ^aifer feicrlid)(l 5uv (Soncilium^^^ar^
t\)K übergeben it)oUe, wie bcr ^ab|T eine neue <2i)nobe in irgenb
einer Don fünf i?orgcfc()Iagcnen Dcutfd)cn ©tdbtcn au^^ufd^rci^
bcn i)abi, unbvalle Steuerungen vorläufig öuf()cben muffe/ ^k
er feit öd)t S^l^ren unb jüngH er(I getragt f)ätu.
'>Jlad) 9iom gieng eine Q5cfanbtfc^aft bcr ^Jurfürffen,
unb bie Deutfd)en trollten ^um crftenmal pülitlfd)4d)lau mit
bem ^abjl ^anbeln. Der ^abff foüte ind)t n?iffcn, \va^ '\i)m
gebrduct fei;, trenn er ftc^ nun ^um Ic^tcnmal üon ben Deut^
fc^cn umfonj^ bitten lajfe» ^aix trollte i^n noc^ einmal btt^
ten, unb ^um lel^tcnmal bitten, tra&rfd)einlid) be&arrte er
elgcnjtnnig, fo !ünbigte man if)m feierlich auf. Doc^ btc
€utfct)loffcn^cit bcr Deutfd)en trarb felb|1 t)om ^aifer üer^
ratljcn, b^r gctrarnte ^abjl fprac^ fo milbc t)on Untcr^anb^
lungen, ju treldjcn er bereit fci;, tl)at fo bereitwillig ^u ^rbff^
uung biefer Dlegociation, trenn nur bod) t)k angefommeneit
©efanbtcn bcr (S^urfürjlcn Jinldnglid) beöollmdc^tiget trdren,
ba§ man rein rcrga^, trie gar nic^t bon Unterßanblung bie
«Rebe fct)n fonne, ba^ man tk crflc ^'ntfd^lojTen^eit, eine
cntfcljeibenbe 2Intn?ort iabüx 5U trollen, liebevoll öergag
— - ben gutmüt^igen I5eutfcfecn entfielen bk ©ajfen, treil fte
jum erflenmal i^ren ^ah^fS^mn bitten Jorten. 2)er milb^
^1 21. TOri 1446. f. Gudeni Cod. diplom. T. IV. p. 290 — 298.
458
gciuorbene ^öbfl berfpracfe eine ftöttlic^e ^eputötiou öuf ben
beöorfre^cnben großen gurflen ? (Sonbent nacö granffurt S"
fc^lcfen, um fogicid) in Unter^önblung treten ^u fonnen, uub
brei feiner fc^laueftcn ^ralaten, vok man fic nid)t brfi"er voa^f
len fonntc, tvcnn mit S^^f^P^ ^I- 5" negocilren gcn?cfen
n?drc, eilte« fogleic^ mit bem tjon 9^om ^urucfge^enben faifer*
Ii(^en ©ecretar Slenea^ ^iccolomini iiaä) 2?eutfc{)Ianb, öUein
fc^on ber (entere, ber bei feinem 2(ufent[;alte ^u SKom in öUcr
©tille öud) pdbfrlid)c Dienjic genommen l)am, rvax fd}Iau ge*
nug, ben eörn?urbigj!en Sonbent ber entfd;lojJenrten Deutfc|)en
gurjten ^u djfen.
Der 5pßb|I mu0 Deutfc^e braud)en, wenn er bie I>cut^
fd()en untßriod)en will, benn bk fd)(auejten 5LDeIfd)en iviffcn
nie, tüo unb \vk fic unö faflfeu foüten ; unfcre ©itten unb
53erfaffungen finb i^ncn ^u unbefannt, unfere gamilien ? ^cr^
Jdltnijfe ^n fremb, ober mug ber 5BcIfd;e fid) fo cinf)etniffc^
5U machen tjcrftanben ^aben, al9 ber liftigc 2lenea^ ^Mccolo^
mini mugte. @o itJurbe mo^t ber erflc ber brei pdbrtlid)en
©efanbten Xi)omai ©ar^cjn SBifdjof t)on Bologna
wenig öllein auögericbtet Hhm, ob ber 5t}?ann fcfeon fo fein
war, ta$ er auö bem niebrigjlen ©tanbe, in bem i^n bie
S3orfe^ung geboren werben Iie0, enblid) biö auf ben (^bdjllen
€6ri(IenI)eit^ * @tuf;l fic^ Jinaufwanb, ob er fcbon fo aner*
fannt groger 9]egociateur war, baß eö i^n auf biefem (^e#
fanbtfc&aftö ? SBcge nac^ Deutfd^Ianb nur eine ficine D^ben^
reife nac^ bem 25urgunbifci)en ^?ofe fofrcte, um ben ^?er^og
t>on 35urgunb ^u bewegen, baß er bie fnr^ Dörfer üom ^abfi
felbjt fafl aufgebrungene Hoffnung friebfcrtig aufgab, im ^olni^
fc^en unb Zrkxi\d)n} (Stift ^wei feiner 53cttern regieren ^u fe^en»
@o würbe anc^ ber zweite 5D?ann ber pdb(llid)cn ©c
fanbtfct)aft Softann (Sarüajal, ungead)tct i^n felbft^enea^
^iccolomini für einen großen gelehrten 9J?ann Jielt, unb gewig
459
nicfct blog um bcr ©ciejvfamfeit für einen großen 5D?ann {ielt,
uu9Cöcl)tct er bamalö fdjon politifc^ reif jum ^arbiiial war,
Qcratc mMd)t and) weil er gar ^u ^artlier^ig fehlen '•'),
fd)\rerlic^ grogc Dinge auögerld)tct ^abcn, wenn nicfct ber
raillofc unb fd^Iöue £iittid}ifdjc QIrd)ibiafon Dlifolauö üoii
(5uö, fll^ britter 9}?ann bei bcr Segötion geirefen trare;
njo^ln n?ollte nicfet biefcr Deutfc^e neb|l feinem 3tflli5»ifc^^»
greuube^ bcm faiferlldjcn ©ecretdr, t)a^ ganje ^eilige fRhf
mifd;e Dieid) Deutfc^er Nation führen?
©ie hcitc ^aüm ixod) Dor fed;ö, ficben Spüren öieüeic^t
ben a'ld)tig(Ien Zljcii ber (Sf^riften^elt für bic ^aekt ©tjnobc
gcjlimnu, fi'c bclbe hcn ^abjl fcferccflid; emüeibet, unb ber
fc^arfblicfenbe Deutfd)e l)atH ber (5^ripen()eit fügor ^"^i'ft
t>errat^en, ira^ feit me^r olö fcc^ö 3af)r6unberten ein fö(l un#
entbecfbareö ©c^cimuiß genjorben vociv, bog unter bcö guten
alten Sfiöorö DIamen fo ml ^ufammengelogcn ttjorben fei?,
alö nie nod) unter einem e^rtrurbigen 9]ömen ^ufammenge«^
logen würbe. 91un aber fanben hüte sperren i§rem 3ntereflfe
gemäg, bie ^^riflenfeeit wieber pdbftlicb ^u machen, hüte ^üU
ren ftd) fajlt ^u gleidjer 3eit 3U einer (Koalition mit bem ^ahflc
cntfd)[o|Ten, unb betrieben hübe nun aud) iljxc Soalition^^^o^
litif mit einer gred)öeit, tk mejr aU (gc^amloftgfeit Jeifle«
mugre, wenn fte nicfet ber wunbcrbörglucf(id}jle S'rfolg, mt
$\mi folc^er SQ?dnner i^r q)ubni['um ftimmen unb umftimmen
f onntcn , wcnlgftenö t)on bem ©(fcdmen öor i^rem Zeitalter
tollfommen freifprdc^e.
Der grogc gurjlen^ Sonbent in granffurt warb ölfo tv*
5ifnet--0, fdmmtlictc brel geijlllc^e (^^urfiirllen waren !ptx\hnf
*) Johannes diirior videbatiir, fa(\t einmal Slenea^ q3{ccoronttni
bei einer @elegenl)eit, mo m fel^il fe^r borrtn lag, t^n milber
SU macben.
**) 1446. 1. eept»
460
lid) gcgcnttjartig, bie öngcfcjcnjle fnifcrlic^c ©cfanbtfc^öft hm
Uli, bä t)er ftct) neben ^mi Surften unb neben ^mi SSifdjofen
bcr alte Qcvoanbu ©raatömann ^an^Ier @d)Iicf befanb, De^
^utirte ber n?id)tl3)ten getrilicf)en unb weltlichen gurjlen traten
5ufammen, baö 53aöler (Sonciltum ^atte ein poar feiner tuet)*
tigilen 9}?dnner gefc^icft, unb bie pdbftltd)e Segötion, fo nn*
gefe&cn fte aucl; war, faj beinahe ftd) t>evbunfelt. 5[)^an er^
ti?artcte mit grogter @e^nfuct)t t>k au^fuf;rlic^frc ^Kclation bcr
ton 9;om ^uiücffommenben cburfürlllic^en ©efanbtPn; man
wav unter allen ©efanbten auf feinen begieriger alö auf bcn
9]urnbergifd)en 6t)nbifu6 D. ©regor t)on ^cimburg^
mii feiner t)on allen fo wa^v unb fo frcimut^ig aU er fprad;,
feiner t)on allen bie S«tere(fen fo genau fannte, feiner fcfeon
fett 15 ^a^viti hk gau^e ©d)ule fo gcmadjt batte; i^n allein
fi4rd;tete felbft aucf) bcr faiferlic()e ©ecretdr 3leneaö^>iccoloniinf.
Umfonft trat aud) biefer auf, ben ^inbrucf ^u milbern,
ober t)5mg ^u tilgen, bcix jpcimburg^ SKcIation auf alle ©e^
niutber itd)tbar '§emad;t b^tte, umfonft trat feine funftüollilc
^T^dblung, tra^ ^'ugen öerfid)ert, wie milbe er gefprod)en,
mt bereitn^illig er ^um grieben fei); ba$ Okfultat aller (5r^
folge ber ©efanbtfdjaft war für Jpcimburg, ber ^abfl f)atu
feine 33ullen au^gejtellt, vok man fte bod) bon ibm geforbert,
bie pdbfllid;en Legaten waren nid)t ha, ^u üermillioen , fon^
bern ju negociiren; t>k Qdn^t ©cene fcfeien ficbtbar nur auf
ter^ugöüoüe ^idufc^ung angelegt ^u fei)n.
Umfonjl fuc^te ber faiferlicl)e ©ecretdr ben (5bur^53u!ib
ju trennen, ^cr t)on ben (^burfurflen nid)t auö :^ntereffc
unb nic()t au^ ^atrioti^mu^ bei bem S5uubc blieb, hlkb aü^
€brc bei bemfelbcn, wen, wie ber gall mit ber (5bur^35ran*
benburgifc^en Negation war, bie genauere ^crbinbung mit
ber faiferlid)en ©efanbtfd)aft glucflid; 3u fcflfcln Wen <0/
*) Gine ^aupt = ^erfon bei ber faiferlic{)en ®efimbtfii)aft war ber
/|61
bcr ttJörb bocfe ivicbcr bnlb buvd) gurd)r, balb burcfe^^rc iurgejt^
tnituug bc6 fo fcicvlid) gcfc^lojlencn 53erein^ auf^ 9leuc ge^itungcii,
— M c r i jl Diel g c p r a f t i c i r t i\) o r b c n, fagt fclbfl 2Icneö^
^iccolomini; öüc^raftlFen wörcu bergcblid), öüc fmiftDoUcUn*
ter^aublung erfd)bpft, me^r aU mx^c^ti Zciq^ M ^onücnt^
wavm fd;on bcrflofl'cn, nocb blieb alle«^ einig gegen bcn $flb(T,
«ocb \X)ax aikß fo einig, bog felbjl 5lnicöö ^iccolomini nur
iiod? ein TOttel iuugte; ^ölf biefeö fonff fo geprüfte Unitjcr^
falmittel nid}t, fo war aucf) feine J^ojfnung erfd)üpft.
Der jlaifcr fclbjl mugte ^tpcitaufcnb 9l^einifcbe ©olb^
©ulben t)orfc|}icgen '"0, ^^^ nian mx ?D?ain^ifd)e ^at^c ^um
^ßortöeile bcö ^abfie6 befted)eu, t)ier ber mut&igften 9}?dnncr
fd)ir)cigen machen, unb ttvoa mit einem i&albtaufenb ©olb;?
©ulben gerabe ben 9}?nnn '•■"•0 gen?innen fonnte, ber ben gan^
Scn furd)tbaren (Sbur^^unb entiuorfcn, hm ^Owvfüvflen hUf
her foft einzig gcIcnFt, unb fd)on ^irolf 3^f)re lang nlö dlatl)
fein gvüjjfeö Vertrauen geno|Jcn l)attc. S(d) ber <Sd;anbc ei*
iieö ^^«rfüvftcul SLQcnu D. Sodann tjon ÜJi;farö feine
5??einung dnberte, fo wax man gcn?ig, bag öucfe ber (^^urfurjl
^rubev be^ (Jljurfürfren von 23ranben6uvg , 9}iarFgraf Wcxt
•0 ©. ben 5[«i?5ug m^ ben eigenen D'cad)viii)fett bei 9(eneö^ ^tc«
COlomini in KollarU anal, monum. Vindobon. T. II. p. 122.
**) 3*>bvinn yon £t)fura, Decretorum Doctor wnb Canon, b.
Mariae ad gradus ju 9)?atnj, aucf) Vicarius general. bcß> (5l)«r«
fürflen in spirituaiibus. (gd)on 1454 fchic^tc il)n (2()nrfürft
Sietrtrf) nadf 9?om, um hai ^a((tum äu"I)ülEn; nad){)er gieng
er c.U ?))?ain5ifc{)ev ©efanbtev auf bte ©pnobe ju 95afel, warb
in bem SSermtttlungö - ©cfitafte jimfdKn bem ^ab^ unb ber
©pobc 9el)raud)t, unb Mieb leiber bte Jgaupt ' ^erfon bei
©d)licinmi^ unferer (Joncorbate mit bem ^ömifrt)en ©tuMe.
©. Gndeni Cod. dipl. T. IV. p. 216. 239. »ergl. oHge %td)«
rid>ten hd Dollar.
462
feine ^DJelnang dubern werbe, unb trenn nur ber ^f;urfurll
t)on9}?atn3 feine 9}?einung ^u dnbevn önftcng — bic ^öur?S3ran*
benburgifc()e ©cfanbtfdjaft fci)icn o^nebicg fd;on ^u ti?an!en,
öucö bie ^ambcr.^ev irurben leidjt gcn?onnen, aud) fo niancl)e
önbere Ucputivte, bereu ^err unb gurjl gerabe nid)t gegen»
tt)drtig war '"0/ burd) 53crfpred)ungen unb burc^ Drohungen
t>DUenb6 6^rubergeIocft; gewo^nlid) nur baö erjle dorpö einer
S)ppofition^#^ört^ie i(i fc^trer ^u formiren.
©0 f)at ölfo ein fc^wad;er gurjl, ben nid)t qjribat^^or^
tjeil, nic^t gamilicn^CI'igennu^, fonbern nur ©utmut^lgfeit
fc^trac& mad)tc, ben fd;on JalbDeraweifcInben S^omern neue
S5a^nen gebffner, fo Ut ein 5}htn^ifd)er fRat^ bie ganje
Deutfd)c ^irdK für 500 ©oIb?©uIben mhn\t, unb ein faU
ferlic^er ©ecretdr, ein fd)Iauer Staliener, ber erjl lujlig genug
för SBein unb für ?i}?dbcben gelebt, nun enblid) ^u Sauren
beö e^rgeii^eß unb ^um SBunfd)e einer ergiebigeren «Berfor^
gung gefommen war, ein fc()Iauer Sraliener f)at unö 2)eutfd)cn
einen knoten gcfntpft, ben nad) mel^r aU \>clUn brei^unbert
Sauren enblid) er(!3ofe))(i II. ^u Ibfen ücrmocfete, ocfc! wenn
er i^n Ibfen wollte!
Die neuentworfene Sriebene^s^punctötion, vok ffe ber Uu
fetlic^e ©ecretdr au granffurt auffegte, unb wie jte ber elenbe
*) e^ tfl gemi^ meri^mürbig, vocii {hi) m^ SSergleifftung ber Ur*
funben hd ^iii'btmein (subs. dipi. Tom. ix. u. 6. 7.) ttjal)r*
neljmen laf;t, ba\; einir-^^iaina au^iKn^mmen blofj ©efanbt:
fc()flften geivonnm werben fomUcn, unb fein einji^er perfönlifö
gegenwart{(ier ^ürfl ober 3?ird)of. 2)ie 23i|'(i)öfe von Ulugeburg
wnb ei)iemfec netjl ben 9)?arfgvafen »on JÖranbenburg unb »on
25aben niad)en Her feine Sluennljme; benn biefe gehörten sur
faiferlicl)en ®efanbtfd)aft , hie ol^nebie^ gflui.für ben '^^^ai^'i
engen war.
463
5S}?ainiifd)c ^at^ um fd)nüben ©etrinn^ mlkn aum^m ^),
licp bem ^abil freien (Spielraum, tüie unb wann nod) bie
fünftige groge ^i^nbbe ^u galten fei;n mücl)te, — cr(l irör
man bod) fo entfc^Iöjfen gciuefen, bag man i^m Trt unb
Sag Dorfc^rieb, bag mau ^üd)rteuö nod) einen brei^e^nmonat^
lidjen 2Iuffd)ub gönnen, unb t)on einer 3talienifd)en -Berfamm*
lung^?©tabt gar nid;t l)hxcix woUu. ^lar genug ^atte mait
*) 5öürbtirein l)at biefen ^ran!furtifc{)en ^-mbcn t)om 5. .OctoBec
1446 unter bem >tttet: Concordata Principiim Francofurtensia
juerit I)erau^cjeciebcn- (Subsid. dipi. t. ix. n. 7.) ©d)on ^ext
©rcgel (. c. ©. 12 I)at votlfonnuen virf)tig bemerft, ba0 hkfc
95enennun(j bem 3nl)alt ber Urhmbe gar nid)t entfpred)e, akr
er t\1)eint mir ju irren, luenn er glaubt, baf^ bie Urfunbe n{cl)t
fomot)! eine ^-ürften = (Jonwenticn di t)ielmel)r nur bie '^(nttüort
be6 ^ah\\6 auf einige 5Jrtifel ber ^-ürilen -- (Joncorbate (r{d)t{ger
tm fed)^ ?D?onate üor[)er gefd)Io|Tenen (5l)urüerein) entl)alte,
benn fTe begreift offenbar tie SSerbinbung einiger 2)eutfc^eit
ßtiuvfurften unb ^yürften, unter n)eld)en Q3ebingungen {k bem
^Vibft Dbcbieuj leiiten luoüten. ®ie Uvfadje liegt tiefer, xoax-
um \)k ?5eneunung ^-ürfiien » ßoncorbate l)ier taufdit
5Sir fi'nb einmal gemcljnt, un^ unter biefem 9]amen etxoai
t)iel ©l)rn)üvb{gere^ ju beni^en, aU blof? eine dontjention
ctUd)er i:)cutid)cn Surften unb 93ifd)öfe, bic fid)
von tl)rem fo feflgefa^ten S)eutfd)en ^atrioti^*
ntu^ burc^ SSorfpieglungen treutofer dlätlje unb
fd}lauer päbfilirf^er Legaten 5um unerj;e^lirf)eti
(Bö)aben 2)eutfd)lanb^ ablochen lie(5en. Unb ba^ u)a*
ren bod) biefe Concordata Principiiin Francofurtensia. ©ie
unterfd)eiben ftd) von ber Urfunbe, tk bei®ih*btroein I.e. n. 6»
unter bem unpaffenben 3;itel nova Unio regis Romanomm cum
Elecloribus aliisque Principibus in bonum pacis Ecclesise et im-
perii Dorfommt, Dorjüglic^ nur burd) eine befiimmenbeve 5Seit*
läufi'gfeit, unb ta\i man feit bem 22. September, ba lel>tere
Urfunbe hatixt iil, m <iuf ben 5. SDctober, ha^ '^atmx »on ben
erfteren, nod) mehrere bifd)öjlid)e &e^anbU jur ^abjl- Partie
unb alfo auc^ jur Unter5eid)nun3 geworben Ijattc,
Wi
cr(! geforbert, bö§ (^ugcn nlle DIcucrungen öuf^ckn muffe,
Die er feit ben leieren ad)t fahren unb jüngfl erfr geirogt
Jabe; fo t^ar f(ar genug gcfagr, bag bie gefragte «Hbfel^uug
ber ^rimöten Dou (*üIu unb ddu ^rter gu caffiren fei;, bog
ber 5pab(! njibcrrufeu nmffe, unb bog eine Sf^eflitution biefcr
o^nebicg nie rcct)tnidgig entfetten 5Sifc(}ofe tülllg uberflüfftg
fei)n müd)te. 9tun wax man aufrieben, n?enn ber ^abft bie
9te(litution biefer ^*ra ^ ^ifct)üfe tjcrfpröd), ber ^^abft^ebre
vrarb 9efc^)ont, h'ic £5cutfd)e 23ifd)of^^(Z'^rc $reiö gegeben,
öl^ ob ein SKomifd)cr ^ifd)of feinen 2)euffd)en Kollegen fo
iviüfurlid) entfetten f5unte. ^Tf! n?ör man fo fejl bcftanben,
bag ber ^abji tk Deutfd)c Slcceptötion ber Söaeler riccrcte
feierlid?|l beftdtigcn, ^aelcr grci^eit ber gan3cn ^ird?e fd)en^
!cn, unb tik angenommenen Decretc fo ctnfd;rdnfen , unb fo
Idutern laffen muflfe, ane c6 bcn 2?eutfd)en noc^ bequem fei;.
9^un gab man ^u, bag ber ^abjl t>on ©ibererftattung ber
53ortI;ei(e fprad), t^k ilnn burd) Öinna^me ber S^aeler Dc^
crete unb burd; feine 23eftfltigung berfelben entviffen njcrben
füllten, gebulbig nabm man an, bag tae jd()rlid)e 2)ongra^
tint, ha^ grogmutbig gleid) hd erfter 5(cceptarion ber ^^aeler
S^ccrete bem ^abft auegcfc^t trorben =-0/ 5« bcrmeinrer
€'nt[d;dbigung beö ^abflö u^cit nid}t ^inreid)e, man lieg Don
€ntfd;dbigung unb (Jrftattung fprec^en, wo bod; ber 23ifd)of
i)on SKom fein gultigeö 9f^ed)t berlor, man hcbad)tc nid)t, ob
luaö geitonnen fei), it)enn man bie 2Ibtretung ber ufurpirtefrcn
53orrcc^tc unb ber erfd)ltd)cnften @elb?!laren nod; erftatten
ntöfife, 51ecfuibalente nod) geben folle, n?o man bod; t)a^ i>oU
Ie(!e O^ec&t ^attc, uralte ^aven^greibeit ^u forbern.
©0 unreblid) n?ar ber neue gricbenö?^ractat entivorfcn,
fo unbefriebigenb für jcben 2)curfd)en, ber fein 9ied)t fanute,
fo liftig neue ©c^lingen fd)on gelegt, bag tk (^'r^^S^ifcljofc
*) Würdtwein 1. c. Tom. VIII. n. 5.
^465
t>on Syrier unb t)on (Ehln, unQcadjkt ijnen if)rc Doütge ^?^u
tutton bcrfprod;cn würbe, laut genug bagegen jlimmten, (Eour^
ffirfl gricbrid) üon ©ad)fcn einen fo trugöollcn gricben ,^ar
nic^t annahm, ber gan^e ^out)ent t>ott (Jrbtttevung öu^ctnan^
ber gieng, 3n 3^eutfd)Ianb wav man Jocl)(t un^ufriebcn, unb
iu 9?om, ttjlc bic 9lact)rid)t mdi) dioin hm, tiodi) fajl noc&
un^ufriebncr, md hk 3fl5mer nie begreifen irollen, bag man
burcb f leine 2Iufopferungen oft ftegen müflfe, ^a^ gerabe ba*
ge^orfanijle 53oIf am wenigflcn bl^ auf ö 2Ieufi"erfic gereift wer^
ben burfe, bag ber n(Ie aufmaüenblle ^arort^mu^ ber gerei3^
teilen grei^eltö f Siebe an bie mdfftgungööollcfle ©c^onung
felbft bc^ jlrengcren Defpoten m Olec^t ^abc, t)a^ aud) biefer
o^ne dufferjle ©efa^r nie berfennen fann.
9?iemanb in fRom wußte ben fd)on gewonnenen *33ort6eit
ban!barer 3u fcbd^en, Oliemanb fonnte ai\^ eben ben ^Öerl^dlt*
niffen, weld)e ^u biefcm crjlen ©ewinn fd)on gcfufjrt I)attcn,
tk nod) weit gewinnbollere 3uFunft 5ut)erldgiger berechnen,
Oilemanb war froher, 92lcmanb, nun biefeö gewonnen war^
forglofer alö ber ^ab(! felbfJ* SEie fro^ er gewcfcn fetjn mug,
t:)a^ er ber anfonimenben S)eutfd)en ©efanbtfd)aft ^nx el^rcn»
ijoUften ^cwillfommung alle feine ^?of f ^rdlaten entgegen?
fct)icfte, mc forgloö er weiterhin fei)n fonnte, ba fein j?eim#
bürg me^r hzi ber ©efanbtfd)aft war, ber feile So^önii
S^fura mitfam, 5Ieneöö ^iccolomtni fogar ha^ Sßort
führte» ^aum berat^fd)lagten bk ^arbindfe nur einige ^age,
faum f^ielt t>ielletd)t eine unterbot cintretenbe Sranf^eit be«
^abftö tk Dolle 53eenbigung noc^ ein paar ^agc auf, fo ber?
ftanb fic^ ber ^cibCt ^u ber borgelcgren <5vanFfurter «Puncto^
tion, er na^m nod) auf feinem S:obtenbette bie Deutfd)e ^be?
bienj an, unb fd)itn nun mit einem ©icgcr ? ©eful^ft flcrben
SU füunen, baö, wie er felbjl fagte, feinen beborfte^enbcu
2:0b leid)t mad)te. Oejfentncbce ^arbinaN(5onftiiorium würbe
gehalten, bieDeutfct)c(53efaiibrfd)aft Iciftcte ^ier noc^ t&re feiere
©pittler^ iänmtl. SBerfc VJII. ^h. 30 -
A66
Iict)e rbebien^, nnb fobalb aud) noc^ biefc fcicrltd)c Cbebicnj
gclcijtct wax\ fo eiitfiaub in Diom ein öllciemeiner Subcl, btc
©locf cn njurbcn gelautet, ^roccffionen gcftalteii, große 9Jie(Tcii
gefeiert, bic ©trögen crleudjter, eö faxten ein 2:a3 De« t?oU*
jiaubigRen Diomifdjen ^riumpöe« ^u fcpn '^).
0old) ein ^ag irar'a aud; für SRom, irir I5eutfc^e ira*
reu tjcrrat^cn unb t>erfaufr. ^iv wollen eö bcm ftcrbcnöeii
^abfte iiid)t arg beuten, ha^ er an eben bem ^lagc, \^a er
bic grauffurter ^^unctation annö^m, bie ol)nebleg fdjon bm
alten (^anb^aftereu 5i)?a0regeln beö üor^ergeOenben (i^ur-'^IJcteiiiS
gar uid)t cntfprad), an eben bcm ZaQc, ta er blo(5 be|ln)C(ten
Dbcbiena ber Deurfd)cn !^egation erl)ldt, ireil er bie '^vaut»
furter 5lrtifel mxHid) angenommen, ba0 er an eben bem ^tagc
eine S5ulle rnegc^eim auöjlellte, bk ^nnabme ber granffnrter
^itrtlfcl fonnc feinen Sficdjren nid)t nact)t&ellig fepn, ein fran»
fcr ^pabfl fonne nic^t alle« überlegen ""). QBir njollen ibm
«{d)t arg beuten, bafi er felbjl aud) In feiner 5irt ber 2ln'
na^mc ber grnnffurter Qlitifel, in bcn S5uÜen, t>k er be§balb
au«|leUtc, fo fd)lauc ^öenbungen na^m, ta^ wenige 3ied)t,
ba« un« blieb, fo argllftig ^inwegbre^te, ha^ aU?^ nad) SLöunfd)
erfüllt ttJorben ^u fei)n fd)ien, unb !einer ber JpauprpunFte reb«
lld) erfüllt war, ouf bic man fc^ou langer alö ac^t ^abre
lang arbeitete. 5Ibcr wir waren bod) öcrrat^en unb üertauft!
SQkv 33ullen ^atte ber ^abjT auegejlellt, öier eigene Ur*
funben, al« ob ber I5lngc fo t)lelc waren, bie er gnabcüoU
bcn Deutfc^en eingeräumt babe "•-). ^^an ^atte bic SKefti«
tutton ber S'rjblfdjofe tjon ^bln unb öon Syrier geforbert, bk
^im war flar, bie einn^illigung mu^te eben fo flar femi,
Jier ^alf Fein «Ißinfel^ug , bie pdbftlic^c 25uUe t>crfprad) auc^
*) Gobeliniis et Baj^naldi Annales ad h. a.
**) 5))?üUfr Ofietcfc^tag^ » $;lKflter unter ^ric^^. V. @, 552.
***) Cuncürd. nat. gerin. iniegra T. I. p. 185 etc.
467
uiibcbingt QBiebereinfc^ung bclber ^rimöten, fobalb beibe ^rt*
matcn bcm ^abflc fic^ untenrorfen 5«ben »urbcn. Wlan
batte eine neue große @i)»obe geforbert, X)k Sitte voat
fd)oii fo oft gefc^cjcn, ber ^ab(i aogerte nid)t ^u t)erfpred)en,
mii er tro^l faf), iT?cId)e ^d)tricrlgfeitcu ber Sluöfü^rung feij:
iieö 53erfpred)cii^ aud) of)ne fein SQ^itirirfeu entgegen ifommen
ttjurben, unb n?ic njcuig felbft bei bem t&dtigffen ^abjle nocft
t>or «ßerflug cliieö 3a§rö eine neue groge ©pnobe ^u Jojfeit
fei)n m6d)te.
9}?an ftürmte fd)on feit öier^ig ^a^xcn öuf tk alte Sbee
3iirucf, bag allgemetne @i)nobctt bie ^üd)(!en ^ird)en*^rtbu^
nalien fepen, unb bag auc^ t)on $dt ^u geit öügemeine (St)#
«oben ijerfammclt werben mugten, — 2Iuc& Jier ^ölf !eiit
siBinfelaug, unb \vo^\x aud) ein ©infcf^ug ? 25er ^abjl mugtc
Jier nid)t niebr terfprecfeen , al^ er fc^on oft, öuc^ hei 2ln^
na^me ber erflen Decrete ber 93a6ler @i)nobe, öerfprocfeeii
^atte, er voav ü^ac^folger beö ^ab|1eö, ben t^u ^oflni^er @J)#
nobe gefegt, felbfl öuc^ fein ^Hnfe^en fc^icn mit bem ^Hnfc^en
fold)er allgemeiner ©ynoben unzertrennbar bereinigt 5u fetjn.
^ine ®eneral?'2(mnef!ie unb ©eneral ? 23e(!dtigung be^
öüen, ttjaS in ben le^tberflojfenen neun ^a^xcn feit ber 92eu^
tralitdtö^eit o^ne pdbjtlic^e S'intrilligung gefc^ejen voav, iro
boc^ nad; neuem ©t^l ^abj^'^nabe noi^njenbig 5U fej)n
fd)ien, eine©eneral*5j(ninejlie beö allen, wa4 tiad) altem guge
iättc bejaht werben foüen unb waö nid)t be^a^lt worben trar^
eine uneingefc^rdnfte @eneral*21mnef!ie war not^wenbig, wenn
tiicfet ganz I?cutfd)Ianb' in ft'd) felbft umgefe^rt, bie gan^e
Äird)e Deutfd)Ianb^ auf^ dient jdmmerlid) gerruttet werben
foüte. 2lud) bieg verweigerte ber ^ab(t ind)t, weile« nic^t
3eit war, ben S5efi^ftanb vieler taufenb 5i}?enfd)en ftreitig z«
machen, weil er boc& einmal biö auf einen gewifi*en geitpuuFt
Jin bie Sßirffamfeit ber iJeutfdjen Slcceptation ber 23a6ler
30 '-^
468
X)ccxcU önerTcnncn niugre, trcil fclbft bod; fluc^ i» ber ©f
ticrflh2(mnenic^ it>ie er jte gnabcboll mitt^etlrc, voü er JulD*
rcic^jl öuf^ob, n?ö^ er tt)d()renb bcr letzten neun Sa^rc gegen
manchen SSaeler greunb in I!)eutfd)lanb verfügt t)am , eine
5Ju6ubung fctncö fRcdjt^ 3u fei;n festen. I?ocl) ttarb aud)
Jier fc^on wegen ber SSiöt^ümer greifingcu unb ^efcl, weil
t>ielleld)t €'ugen in biefem boppeltcn galle fein befonbercö
Sntereflfe b^Jtte, eine fc^laue ^u^na^mc noc^ beigefügt, tu
fluc^ bie^mal vorläufig fd)on geigen mupte, itie irenig bcr
^flb(! irgenb ettioaö reblic^) ganj bcn I^eutfd;en in geben Jujl
(arte.
9Zodb blieb benn ber ^pöuptpunft, ch ^ugcn bic X5ciitfd)c
SIcceptation ber ^aöler Decrete erfcnnen, ob er unö e\t)tg frei--
fprec^en u^erbe t?on allen ben Soften, üon vi:eld)cn bie "Sater
ju 23afel bie gan^e (Sbrijlcn^eit freigefprod)cn f)iirten, $icr
galt'6 einen ewigen uncrfel^Iic^en ?3erluft ber pdbrtlid)en ^am>
mer, bier gölt'ö tk lutratiöften 9xec{)te feiner ^oblrcidjen, fluf
^poffnung Icbcnben (Sön^Iei, ben reic^b^ItigTrcn 2Iccibcntien bcr
(^arbindle galfö, bem ganzen €influfl"e galt'^, bcn 9iom nod)
öuf 2)eutfc^Ianb , ben ber ^öbft gcröbe nod) nuf bie ^irdic
flöben foUte, beren brei crjle S5ifd)5fe baö weltliche rbcr()aupt
ber ^^rijlenjeit wallen burften, beren gcfammter jS!fd)Df^
^^or gur(!en ^ SRec^tc unb gurjTen^^Sor^ugc befaß/ ^^''^^ ^'nner
t^rer fluct) reicheren (^oHcgen in ^nglanb, granfrcid) unb Sra»
licn ftc^ rühmen fonnte. ^?ier mochte 2Icneaö ^iccolomini
ratjen, wenn er aui biefer ^nge, in tiic ^ugen (lier gerietb,
bem ^abjt unbcfd)dbigt ^erau^^uratben wujlte, bicr mod}tc
Sobflun Si;fura bcr empfangenen fünfbunbevt ©olbgulben ein^
gebenf fci^n, bier war ein fd)neller rafd)er ^infaü beö Qatbu
iial Sobann SD^oriuo ") notbwenbig, bem fclb(! aud) in bie*
*) Vir niagni consilii et iugeuii vclocissimi, qui plurimnm in ea
concordia laboraverat, fagt 5(enea^ ^iccclomini.
469
fem Unlon^gcfcfcaftc mit Deutfcfelanb jtim ewigen ©cbabeii
Der Deurfdjcn ein Einfall tiefer 2lrt nie entgangen au fepu
fd;ien.
«Ißir hatten !Iar unb bcutfd) geforbert, bag ber ^öb(l
unferc 2Icceptatiou ber SSaeler 2)ecrete erfenne; er erfannte
gro^müt&ig, \:}a^ aM, wa^ blöder !raft biefer 2Icceptötion
gcf ebenen fep, unangefocbreu verbleiben follte, 5lBir Ratten
oiif c\i3ig frei fepn iDoücn; er i)erfpröcb, wegen beö acblja^ri*
geil ©eiiuffe^ ber grei^eir, in bic n?ir unö fo .eigenmdcbtig (elbjl
gefeilt iättctt, mit pdbflltd)cr 9^acl)ficpt alleö ju öer^ei^en. SBir
batre» für unb für unb auf emig frei bleiben wollen; er t>er*
fpracb i^ul&reicbll/ unö fo lange Dollig frei laffen 3tt wollen, M
feine Scgateu nad) 3:)cutfd}Ianö gefonnneu fepen, wegen SrflaN
lung feiner tjerlorncn ginaii3^D^cd)te ftcb Dcrglicfeen Ratten, ober
wenn ctvoa biefer Sergleicl) unt)er^offt fd)eitern foUte, bi^ auf
einer allgemeinen ©»nobe ein reblicber ^'rj^attungö ^ 5Bergleic^
5wifd)en SRom unb Deutfcblanb entworfen fei). $löir battcu
bem guten ^abjl im Zutrauen, ta^ er unferc 2lcceptatij>n ber
25a6ler Decreie auf tw'tß iia anerfennen werbe, eine ^ienilii^e
(Jrflattung t)erfprod)en ; nun wollte ber öorficbtige ^abjl er(i
feine (Jntfcbdbigung wiffen, eje er unferer ergriffenen Sßaeler
grei&eit fein t)ollgü(tigeö ^abjt^Siegel aufbrucfe; nun jam^
merte fd)on ber tjorficbtige $abft, man werbe if)n in ber fur^
5en, t>on i^m enblicb anerfannten ^mid:>cttidt unfrer giei^eif,
biö feine $!egaten, (^oncorbate ^u entwerfen, nac^ £)eutfd)lanb
gefommen ober biö eine allgemeine ©ijnobe billig entfc^)ieben
Jabe, bocb nicbt unbarmherzig barben laffen; nun pochte fc^oit
öuf'ö DIeue ber faum balb gerettete aftomifcjc S3ifc^of, — wer
nicbt innerhalb fect)^ 5}?onaten bem 53ergleic^e beitrete, ben
er unb feine ^axtii in Deutfcblanb untereinanber entworfen
1^^^
470
Satten, bem fonne feine ^ab\t f ^naU nict)t ju (!atten
fommen ")♦
6d war'ö benn er(I nod) öu^^umadKn, ob bie SSaöIcr
^ecretc funftlg^iii öuf etrig baö (^rdn3? O^cgulatif ber Deut»
fd?en ^ird)c unb beö S^5inifd}en Äofeö fctjn fönte«, ©o Icig
öUeö nod) auf bem ©piele, trte ber Scgar, bcr Soncorbatc
gu fcfeliegen nad) ^eutfc^lanb gc^en foUte, mit unö Dcutfd)cn
nocö einig werbe, ober tt?ie bie nad)fte allgemeine (Si;nobe ent^
fc^cibe. ©0 mugte funftig noc^ ^u 2Ifd)offeuburg , njo ber
le^te 53ergleic^ ? £)rt fcj?n foUte, er(I nocfe fcierlid) erfldrt mxf
bcn, ha^ mit gemeiner ^iupimmung bie ^Saeler Decrete ^um
©runbüertrag angenommen, bag in biefen 2^ecreten jum
SSort^eile beö q3abjle^ nur biefe fünfte gednbert, m\^ nad)
bem 25ebiirfni0 ber 2)cutfd)en .^ird)e nur jene ^unhe anberö
geformt «jorben fei)en. Sßenn ^u CIfd)affcnburg nic^t^ »er^
fprocfeen ttjerben foüte^.alö ta^ alUi, tt?a^ (Jugen ^ugefagt
iabi, fallö eö nic^t auebrucfltd; au 5Ifd;a(fenburg gednbert
irorben, uuDerdnbert gehalten n?erben follc, fo n^ar Djfcnbflr
tiic^tö entfc^ieben für tk endige SSeibe^altnng bcr ^aeler
2)ecrete, benn ^ugen Jatte ^k eniige 33eibc^altung berfelben
nie sugefagt, er \t>ar nic^t langer an biefe Decretc gebunden,
aU bis fein ^Jegat mit ben Deutfd}en concorbirt ^atte, ober
wenn etwa ber 53erg[cic^, bcn fein ^cgat ^u 2lfd)offcnburg
iä)lo^, fein Dolleö (^oncorbat, fonbern nur einfureilige fd)iift^
lic^ öerftcberte ^oleranj auf einige bejlimmte 3a^re fepn füllte,
nur fo lange an biefe Decrete gebunben, biö eine allgemeine
(gijnobe enblid) entfcfeeibe ^^).
*) @. bie ^ä'l)|!lid)e 35ulle vom 5. ^etr. 1147. in conc. uat.
germ. iiitegr. p. 142.
^^) Perraittentes, tjci^t eö in ©U(jenÖ SPulfe, et indulgentes quod
oniues et siuguli, qui proefata decreta receperunt — illis —
libere et licite lUi possint, — donec per legatuni hiijusmodi,
ut praedictum est, concordaiiim fuerit vel per Couciliiuu —
allter ordinaiuiu. Conc. iiat. geriu. iutegra p. 130. 131.
471
Docfe wai bcr Segat (Sörbinal Soi&ann ^u 2Ifct)affeubiirg
fd)Iog, trägt felbjl in ber Uvfunbc bcn Dianicn eiite^ ^DiKur*
tat6, fein (ioncorbat fcl}log ftd) blog mit bcr öllgcmeincn
23e(ldtigung ber ^SenviÜigungen ^ugenö ; fo fd;Iog cö fic^
ölfo aud) mit ber ^voax nur (tiUfd)ireigcnbcn aber bocl) flaren
5)orau^fe^ung, bog bie Slcccptation bcr ^«eler Decrete nun
ein ^*nbc f)aU, mil enblicfe einmal concorbirt irorben fct),
baS ber ^ab^ i^re längere gortbauer nid)t önerFcnne, weil
er fie nie ouf längere ^dt önerfannt iabi, ali biö fein Scgat
(Soncorbate gefcl}Ioffen Jaben njurbe.
2)ie ^a^ler X)ecrete finb alfo fein ^bßil um
ferö Sßertrag« mit bem ^ahfi, wenn baö blog, wa«
beibe2!6eile fid) wec^fel^weifc ^ufagten, au einem vollgültigen
5ßertröge gebort, fie fiub nid}t ber gunbamentöN 53erglcid),
bem bcr ^fcl)öffenburgcr Sluffa^ blog (Iinfd)rän!ungcn unb
«DZobiftcötiou gab, bcnn mit ^ollcnbung beö Slfcfeajfenburgcr
3luffa(^e^ ^a\u unfere t>om ^^abjl anerfannte 2Iccepratiün ber
23aÖler I5ecreie ein (5nbe, fie ftnb leiber ffir jcben, ber bem
Sifc^affenburgct Oluffa^c bdtxat, burd) bicfcn ^Seitritt l^iflorifd?^
^ublicifiifd)e 2lmiquität geworben , unb cö !ann i^nen feine
ewige forrbauernbe ^errragö*(S)uItigfeit geben, ta^ im Sifd^af*
fenburger Sluffa^e bie wid)rig(lcn 5)^aterien nic^t berührt wur?
bcn, für beren treffliche D^cformation in ben 95aöler Secretcn
gcfcrgt war. Denn warum wiebcrbolte man nicijt jene ^a^f
Icr X)U'm, beren äöirffamfcit (Jugen einzig nur für einen
gewiffer eingcfd;rän!ten, nun t^erflojKnen Seitpunft eingeräumt
f;fltte, unb an beren ©teile nun feine neue Seflimmungeti
famen 1
Wc wir boc^ geräufc^t würben, ober wie «ngefc^icft ber
(SoncipÄe M Slfcbaffcnburger 2Iuffa^cö ^u concipiren wugrel
2llle« rarb burc^ Un Slfc^affcnburger 2Iuffa^ bcjlätigt, wai
^uflcii V. cfiebem bi« jur uäcfeflen großen ^vnobe *>erwiUi#
472
brucflidf) öbgeanbcrt fa;. 9?ld)tö f)am ober ^ugen gernbc^in
biö 3ur nact)(teu großen ©i;nobe bcrtrilligt. ^aö er tertril*
ligte, t>enttUigtc er nur fo lang, bU euttrebcr fein Segat Son^
(orbate gefd)lofl'en, ober biö ^ur ndcbflcn großen ®9*
nobe, SGcnii ölfo, wa^ ^u Slfc^ajfcnburg gefcfea^, bcr Segoz
ble be^eid^uetcn (loncorbate Wlog, fo war njenigflcnS in bie*
(er 23c3le^ung baö trcitcre (2t)nobaI?S[Öarteu überfluffig, mib
wenn man bic Jiefer ge66rlgc ©teile be^ 2lfdjaffenbin:ger
Sluffa^cö mit ben S5ullen (Jugenö öergleicbt, fo ijl unbegrcif?
liit, voa^ f)kv ber (5oncipi|l be^ 2Ifd)affenburger Sluffa^eö mit
feinem usque ad tempus futuri generalis Concilii Wollte,
wenn e^ il)nt anberö nid)t fajl miwlllfurlic^ ^ier ^ur gcber
flog, weil er ein paar tjor^erge^enbe Stellen feinet 2Iuf(a^e«
immer mit ber Erwartung beö futuri Concilii 5a fc()liegen
Wie '"0.
*) @^ entjllanb burcb ©inrürfunc; ber SBorte imue ad tempug
futuri generalis Concilii, wie fie in ben (Bai} q"« per Euge-
genium Papam — permissa concessa iuduita atque decreta
fiel) cinfc^lic^cn, eine fft)einbare (\roOe :D{<I)örmonte jiüircl)cu
bem reterens xinb bem relatuni. 'jn ben Nullen Guciciii? war
nirf)t^ gerabe^tn bi^ auf bk nlid)\ie qxo(u ©pnobe yenmaitit,
itnb bicfe 2Öorte be^icljen fiel) bod) einzig m jene Nullen (?u;
genö. 5(llein wie leicht inter referens et relatuinX^i6l)virmLMliccn
entfiel)en Bonnen, gibt felbjl ber fcI)arrTinnigc ^perr m\ .<pori.r
in ber 5lnmerl^ung ju biefer ©teile ein merfwürbigeö 33eifpieL
Qv fagt: Intelliguntur hie quatuor bullae sub h. 3. 4. 5.
et 6. adductae et in specie illa, quse snh n. 5. occurit. Haiic
enim usque ad tempus futuri concilii vel uhi alKer ferit con-
cordatuni, concesserat Eugenius IV teste Raiualdo ada. 1447
11. 17. unde et deinceps vi versiciili praeseulis etc, cc.
3n biefer einjigen ©teile finb bvei nierfwürbigeSi^ljari
nionien inter referens et relatum. 2)enn in Gugc^ 23uUe
^eipt e^ donec per legatum Uujusmodi, ut praedictum at, cou-
A73
©41« ^u^cn n{cf)t eingeräumt, räumte auc^ n\d)t ein
fein gitJdjfoI'c^er Dlifolauö V., «"t) S5ullen Ui le^tcrn, tie
man al^ neue ^Scpdtigung bcr unö t?om ^ab^ ^ugeffanbencn
5^ö6ler Dccrcte anfielt'"')/ ft"^ blo^ 53e|tat{gungcn bcr9?cd)te,
bic un^ fein Vorgänger (Jugcu IV. ^ugej^anb, tra^ bicfcr ölfo ntd)t
^ugcftanbcn, f)at ^ifolaui nie befldtigct, ber Slfc^affen^
burger Sluffa^ i(l letber unfer gan^e^ t>olIj!anbt^
gc6 (5oncorbat mit bem ^^abjte.
(Bo mf)m man c6 aud) einmüt^ig t)on 1448 bi^ int
großen !<Jt6olifc^en"3been j^Siebolution unfer^ ^dtalux^ , unb
nicl;t eine ©pur i|! i^orjanbcn, bag man je öuf bie ^a^ler
cordatiim fiierit, vel per Concilium — aliter fiierit ordinatiim.
Sllfo ijat ^err t>on iporfjc
1) bie .Orbnuug t5er!el)rt, 2)er ^abjl fcfteint offenbar erfl auf
ben ?yaü, wenn fein 2i^at wegen eine^ (Joncorbat^ mit im
©eutfiten nic^t einig werben Hnnc, ben i^ermin feiner ^Ser«
widiciung bi^ sur näcf)jlen ©i)uobe ju erftrecfen. 3)ie ©pnobe
i)l nid)t ber erfle, fonbern bem ©eifl ber Oiömifc^en ©urie ge*
mä|3 nur ber 5weite ^otI)fa((ö: Termin.
2) ^perr von ^porijc fd)ob ha^ t)ier fo n)icl)tige 2ßort aliter au^
einem ©aije in ben anbern, 3)er ^abfl fagte: 3d) geflattc
euc^ ben ©enuf; aller von euc^ angenommenen 35a^ter S)ecrete
donec concordatum fiierit. ^err t)on ^orijc läfjt il)n fagen :
donec aliter concordatum fiierit. d^ad) ^erm DOn .^OrijC
^uobrnif wäre e^ fo äiemltd) gcwiil, bajs alle acceptirte SBa^Ier
©ecrete, tic burd) ha'$ (Joncorbiren nid)t abgeänbert würben,
fortbauernb gültig fei)en, ^ad) ben Sorten be^ ^a&fle^ f)at
e^ mit ber 2Birffamfeit ber 35a6ler 2)ecrete ein ©nbe, foklb
concorbirt worben.
5) 3« ber citixUn @te(le bei Oiainalb fi'nbet jTc^ M 5Hngefüt)rte
nic^t, boc^ mdUid^t fd)lid) fic^ l)ier ein 2)rurffel)ler ein. Sß5ie
aber bk U c, »on Oiainalb angefüljrten 2Borte be^ 5Menea^ ^icco*
lomini ju erklären finb, ergibt fid) bei genauerer S3etrad)tung
t)on felbft obne mein ©rinnern»
*) ©. bie JöuUe bei Oiainalb ad a. 1448. u. 3.
474
Dccrete aU ZklU unfcr« gunbamcntab ^crglcic^e« mit bcm
^abjle SKücffic^t genommen, t)öß man fid) in ben mut&üoü*
f!cn nacl)fo(3cnt)cn J^^it^" ^uc^ nur einmal, felbiT fo lönge
bie ©cncrarton nod; lebte, bic fid) bcm fdjoucn Slfc^cijfenbur^
ger 2Iuffal^c unterirarf, felbjt wenn flögen öücr 2Irt t>orfa^
men, öuf $5aölcr Decrete öIö 2^&eile nnfer^ (Joncorbatö be^o^
gen ^dtte, 91ur gilt nic^t Ute öllgcmeine 23e3ie^ung auf
SSa^ler 2)ecrete alö S5e3{ebung biefer 2lrt, benn bic ©c^lüjTc
ber fed)3ebn erflen ©cffionen biefer ©i)nobe, bie ^abjl (Jugcu
felbj!, obnc S^ücfftcfet auf (Soncorbatc mit irgenb einer ^Zatton,
cU red)tmagige ^t)nobaU®d)lu|Te beftdtigt ^am , mugten
eben baber Ui ^uvialiften unb D^^oncurialiften aU allgemeine
^ird)en * ©efe^e gelten; auf fte al^ allgemeine ^ird}en?©c*
fe^e bc^og man fic^ b^upg; "ber t>k 9^omifd)en 53crle^ungen
berfelben n?urbc mit SKed)t geflagt; ber ^abjt n?ar natb all*
gemeinen Äirefeenj=§Kecfetö^©runbfdgcn ^u 23eobad)tung berfel^
ben t)erpflid)tet, aiiä:) n?enn feine bcfonbcre Vertrage mit Deut*
fc()cn ober irgenb einem anbcrn 23ol!e ba3n)ifc^en famen =^0*
*) ©0 erl^lärt ei fi'd) leiitt, warum man ficf) UFA «uf ber ^^ro*
tjincial-@i)nobe ju ^Taünh fetbfl in ©Cvienwart unb mit (fcn=
frmation be^ ^avbinal l^egnten; unb 1452 auf ber (£t)nobe ju
SSürjburg auf ha^ 25ecret ber fünrVbuten ©efftou ber 9?a^ler
©^nobe Don Haltung ber ^Uoiuncial* unb 2) isj Ce-
fa n:@ouoben berufen konnte. @. Ilarxlieim Concil. Genn.
Tom. V. p. 399, 433 coli. Conc. iiai. gerin. inlegra. T. II.
p. 226. ©0 erflärt (id) aucf), me ber 9?iainjird)e eanjier
?roe))er 1457 an (Tarbinal ^cneni ^piccolomini fct^reiben fonnte:
Domino meo Arelii-Episcopo frequeiiles afferuiilur de Romano
Poutifice querelee , qui iieque Constantiensis iieque Basi-
leensis Concilji Decreta custodia iieqiie se paclionibus
Autecessoris sui teneri arhifraiur etc. etc. Üi>ie 1)ecrete btT
fed)^iel)n etilen ^aelerSefiToncn waren nod) nii1)t (Jontrebanbe,
hie cirgerlidjileu ©d)lüiTe folgten erjl.
475
3n?ar crfldrtc ba« SRcicI)^ »ERcgtmcnt, ba$ 1500 eine
©efant)tfd;aft nad) SRom fc^idfen troUte, um bie ölten immer
fcrutfeubcrcn 35efd)trerben cnblld) einmal ju verbitten, fcfco«
in ber 5n|lructio« feiner ©cfanbten, bog \)k ^oncorböte,
tveldje iu ^afel 3n?ifd)cn bem SKomifc^en ^tu^I unb ber
Deutfd}en Nation öufgeric^tct unb befd;Ioflfen worben, man*
nid)fa(tig berlcj^t ivurbcn '-^v, aber geigt nid;t gcröbe biefe
(Stelle, vrcld)e ubcrbieg unter ben ^unbert ©taatö * bieten bk^
fcr 2Irt, Die t)or!ommcn, fo einzig gufallig ben Dramen ^a#
fei nennt, geigt md)t biefe 6teKe, wk ircnig ber ^oncipijl
trut^re, rvaß er eigentlich raoUe, wie untniflfenb er trar, irie
er trobl öud) bon SSaeler Decreten gel^ort ^attc, ^ccrete mit
(^oncorbaien vermengte, unb ireber biefe nocfe jene genau fannte?
girar irirb i>iel unb oft in 3fieid)6tag^^2lbfd)ieben unb
SReid;ötagö^S3er^anblungen ber S"rff^n^^oncorböte ge^
bad;t, fo eigen unb nad)brudft>olI Q<^bad)t, aU ob fie öon un^
fern önbern befannten ^Jertragen mit bem S^omifc^en (^tubk
t?erfd)ieben tnaren, aU ob nid;tö anbcrö mit benfelben t>er(!anä'
ben fei)n fonnte, aU jene burc^ unfere 2l(ceptation unb burc^
pdbftlid)e 2Inerfennung berfelben noc^ immer fortbauernb gül^
tige ^25a6ler Dccrete, ale ob ein auögegeid)neter vBorgug öuc^
fc^on im 9]amen felbfl Idge, ein Vertrag Jier gemeint irörbe^
irie i^n nid)t ern?a ber ^aifer blop gugegeben, fonbern ^eut=
fd)e unb Ucnrfd^e grei^eit liebenbe gurRen im t)Dllen S5ett)ugt^
fei;n i^rcr ^urbe gefd)loflren ()dtten. Doc^ bie unberfennbar^
(len ^iftorifd)en ^et^eife geigen, ha^ bic Sllten hd bem ©e^
brand;e beö 5LBortö gürflen ^ (Concor bäte m jene S3öeler
Decrete gar nic^t gcbac^t ^öben, bag ber Äaifer nie aufgeru?
fen würbe, un« hei bem S3e(t^e ber 33aöler 25ecrete gu fc^u^en,
tag bk ,uner|c^rocfen(!en, gele{irte|len ?U?dnner jeneö 3^^^^^'
*) ^üiUt^ ^eiitötagö*6taat, ©, 117.
476
Uv9, ba cnbllc^) bie Slufrecfetjaltung ber görf!ßn#^oncorbate
fdbft in bcr Kapitulation bcm Äaifcr ^ur ^flid)t gcmadjt
würbe, nie unter biefem 9^amen an cttt?aö anberö gebadet
faben, ale an ben 2luffa(^ ton 2Ifd)affcnburg ="0.
Der SIfc&affenburger ^uffa§ ijl alfo (eiber unfcr gan^eö
toUffdnbigcö (Soncorbat mit bem ^abjie, unb wenn wir noc^
tjollenbö hie ganje ®cfcl}id)te feiner K'ntjle^ung n^ugten, tai
gan^e ©piel überfdjaucn f5nnten, baS ber neue pabftlid;c Se*
gat, bie ?Qtain^er tRatf)c 2Ieneaö ^Mccolomlnl unb bicllcid}t
düä) ber raftlofe 9^ifo[au6 t)on (Su6 fpielten, n?cnn wir aud)
nur ben öertraulidjen S5ricf Ratten, bcn ber ^abft burd) fei?
ncn Segöten feinem ge^orfamen d'rj? S3ifd;of tjon Wlaiw^
fdjicfte '•"•0/ ttjie unö t>ollenbö eine©ffcbic^tc empören mugte,
hii ben t)OÜ(idnbigf{en ©icg ber arglifttgllcn ^politif unb bie
treffenbjlen SSeweife unfrer mig&anbelten 9flc bltct)f eit anä) in
ttjenigen befannt gcnjorbenen gragmenten enthalt»
^iix pdbillic^er Legate folltc nad) Scutfd)Ianb fommen,
balb, wu eö feieg, mit ben Dc«tfd)cn wegen S5eobadjtung
unb SiJ^obiftcation ber S5a^[er Dccrctc unb wegen cnblid;er
^ntfcfeeibung ber pdbftlidjen 2{Iimentation^*^?üIfe ^u ^anbeln,
balb, Yoic eö wicbcr in eben berfelbcn 35uüe ^ieg, mit hen
Deutfd)en Koncorbate su fd)Iiegen, weil cer ^^iibft blog biß
5ur ©c^Iicgung biefer (^oncorbatc bie 25cobiid)mng ber 'ida^f
ler 5!)ecrcte gegönnt ^Mtc. 5Benn jTc^ ein freimutf;igcr Deut*
fcfeer 9}?ann an ber legten 2Irt be^ 2IuftrageJ ftieg, nrie er
ftd) billig flogen fonntc, benn nac^ einer reblic^en 5Inna^mc
ber granffurter ^unctation waren 3undd;|t weitere Koncorbate
*) 5Q^etne^ ©trtcftten^ x^oiiu} überjeu(jenb bemiereu in bcr oben iXU-.
gefüljrten t)ortrefpli(f)en @c()rift von ^ervn (ÄJreöel. 6. 22. 2.>.
*'-*) Gudeiii Cod. dipl. T. IV. u. 138.
477
nid)t norjnjcnbig gewefni '^) : fo Dei\i?ie5 man i^n öuf bie
cr|tercu ©rcUcit t)er 25ulle, unb trenn ftegreic^ ber ERomifc^e
©eniu^ mchcx empor fam, tvenu fünfttg nod) 3^''^^" ^in^r
ungcfrürtereu ciufcitigcu S^t^rp^^^fötion eintraten , fo t)ent)le^
man blog auf ble leereren «stellen berfelbcn^ unb ben le^tercn
©teilen !cnntc mau ben 6inu nicbt jlreitig mad)en, ^cn ber
23ifd)of t)on 9\om ^u feinem "ißort()eil ^u nü^cn fuct)te.
Olod) e5e ein 2egar anfam, nod) e^e auö) nur ^u 9^om
ein ii^atc uad) Deuifd^Ianb bejümmt njcrben fonnte, fo wa^
reu Qkid) ouf bie 9]ad}rid)t t)om S^obc S'ugenö unb öuf
tk fo fdjnell folgcnbe 5^ad;rid)t Dom neugctrd^lten ^"^abfle
DUt'oIauö V. neue gro^e 25en)egungen in 2)eutfc6lanb en^
jtanben, tk alte greifteitö? Partie lebte fiufl 92eue öuf, t>on
bem neuen ^abj!, c^e man i^m ©e^orfam leijlctc, fc^ien eine
unbcbingte Sluerfennung ber SSaeler Decrete geforbert irerben
3u !6nncn, bk (5^urfur)len üon Syrier unb öon ^oln blkhcix
ihrem alten ©i;jremc getreu, and) ber (5()urfurjt öon (^ado\cn
unb ber ^?cr^og t>on SSaiern Ratten nod) ftanb^aft ben ^c'u
tritt gur pdbjllie^en gaction Dern?eigert '•"•'0.
Äaifer griebrtd), bem fein (gccretdr öleneaö ^^iccofojj
mini nod) gcrabe gu red)ter ^dt bon 9;om ^urucf fam, rief
balb mä) 2lfd;affenburg '•''"'^"') einen großen ^om?cnt üon
*) Gudeni Cod. dipi. T. IV. p. 304, mo ber ^^a\)\i felb|> fagf,
ha^ fd)on unter Q:u^m bic (Joncorbate mit bem ?iömifd>en
©tub(e qerd)loncn iDorben fepen, e§ fep nur norf) übrig, unter
ben 2)eutfi1)eu felbil burd) ^ü(fe cm^^ £egaten einicie tHnorb-
nunqeu ju machen.
"•=) ^k]e^ nhdit au^ ber lUt. vom 28- Sunt 1 147 bei Hoiuheim
hisr. Trevir. dipl. Tom. II. p. 409.
***) 1.^. 3u{i 1447- 1^k)C^ Qomcnt^ gebeult ber Äaifer in ber
Urf. bei Rainald ad a. 1447 n. 17. unÖ Qlcnea^ Q.Uccolomini
in feiner (Jr5äI)Iuni3 iu conc. nat. gern», iutegr. T. II. p. 45.
478
0cl(inc6ett m\h ttjelttlc^en gurjlei? sufammen, ölte 5^cgociatlonö*
Äunfl wövb aufgeboten, um bcm ncucu ^ahiit bk £)bcbien,i*
tSe^cugun^ bcr I^cutfcfecn Suifeii ^u bcrfcbajfcn; bcr ^aifcr
erlieg m ^•rma6iiung6fd)reibcn öu alle (E^urfürfrcn ; 2lenca3
^iccolomini retöte ^crum; balb uaun auc^ mehrere, bic biö?
5er q)atrioten geblieben, ber faifevlicö^pab|llid)en Partie bei;
tu 55ifc^5fe Dou 5Öormö, 6peier unb ©tragburg tvuvben ge*
ttjonnen; ber ^^urfurfl^ Don bcr «pfal^ unter\rarf ftd); feine
?3ettern bic regierenben ^föl^?©rafen Otto unb Sodann Ici*
flcten £)bebien^, unb bie bamalö fc^on fo mddjtigen ©rafen
i>on SBirtemberg lüaren mit i^nen gefolgt '•').
X)cv neue ^abfr, ber cor jlur^em felbfl erjl in Deirtfc^^
lanb gcttjefen irör, ber auf bem gmften f (JouDeiite ^u %xai\h
fürt alle ^^auptperfonen !ennen gelernt ^atte, ber ben Deut^
fc^en gufammcn^ang me^r, aU unö nui^lid) war, njugte, ber
neue ^ab\l ^pidtc ben aufrichtigen, gefälligen 9)iann, fprac^
felbjl t)om Dominate feiner 53organger, fd)ricb red)t jurmu^
lieft an ben ^^urfurflen t>on !D?ainj, unb n^dölte jtd) enblicft
flucft einen Legaten au6, ber rcdjt ^um griebenö^^^oten ge^
mad)t ^ü fet)n fcftien, fo liebreid) nabm er, voa^ er nehmen
irollte, fo fuge unb IkbWd) fangen feine 33itren, wenn er
öucft um ^inge bat, bic ^illigFcit unb 9^ed)t ^unjibcr waren.
Der 9legociationö*(^onuent beö enblicft angefommenen
pdbftlicften ^arbtnah Legaten, ber ad) wie auf lange^in baö
53erbdltnig ber Deutfdjen ^ird)e ^um 9fiDmifd?cn ©tublc cnt?
fc^eiben foUte, warb wieber gcbalten ^u 2lfd}ajfenburg ; 5U
^oln ober ^u Ürier wdre er fd)wcrlicft gelungen* X)k Diejt*
benj M ^r^ ^ 35ifd)ofö öon SJ^ain^ war gar nid)t blog aU
Slejtbcni M erpen I^eutfc^en (2ti(^i{d)o\^ bcr bequemte
*) 5If(e bUft Difiorifif^en ttmfianbe erbellen auö bcr päbftUcfjcrt
SBulIe hü Rainald 1447. n. 17. p. 338.
479
^onfcren^ort für ben pdb]l(td)en Senaten ; ^mi^ fprod) tcr
ttiutf)üonffe Di'putirrc einc^ parriotifctjen ^ifcl)of^- ^u 2lfc^öf#
fcnburg fcl)uci)rcrner, alö ^r In Salzburg ober ^u S3omi gc*
fprod)ci] l)abcn tnur&e.
gajl über ^rtDartung war Dorlauftg gc^ronncu^ bag ba
öufang^ nur (^b»r??Oiainj Partie na^m, \>a^ nun fd)ou bie
ipdifrc bc^ (5()ur?(5DÜccjiumö 3ur gaction bcr $öb(l«^(jrttc
übergetreten wat ''0^ ^^Ö gerabc bie \t)id)tigerc ^?dlfte be^
^()ur.'(^oUegiumö für bcn ^abjl fd)ön Partie genommen b^tte,
benn öuf feiner ©elte jlanben ^wci iDeltlic^e ^^urfüvjlen, unb
Don ben geiftlicfeen (Jburfürjlen gerabe berjenlge, ber bie größte
^roDin^ aüer S3eutfd)en Sanbc b^tte, ber ben Dec^anten unb
^orgeber be^ ganzen (Sollegiumö möd)cn mugte =-'0» ^^^^^
^rnjartung wav gen^onnen, bag neb|l (Salzburg, beffen Dcpu^
tirte fd;on öuf bem gür(ten ? ^ouDenre ^u granffurt gur Uu
ferltd) I pdb|llld)cn «pnrtle. (id) ablocfcu Itcgen, aud) bie ^t^*
23ifd)ofe t>on 9}?agbeburg unb t)on 53remcn enveic^t tt)orbeu
waren, bog mit i&ncn baö nürblid;e ^eutfd)lanb fa(! gönj
*) 9(ud bekannten lltfaff)cn Ijdt man auf 33übmen bier <iflr ntcbt
hu feben. ^Tiain^, '^fa^ unb SBvanbcnburg ciebörten sur ^cibil*
'^axtu, (^öln, Girier unb @ad)fen ju ben Patrioten. SBa^ ber
^burfürit von bcr '^faltf für feinen Uebertvitt jur ^abft^i^avfie
erbalten ijabc, iH nocb niitt befannt, nM'e mttlid) aber bem
(Jburfürilett von 33vanbcnburi] berfelbe bclobnt movbcn fei), Ht
Spcn ©rec^el l c. @. 18 äUeiit bemerkt. 3)ie 33ifdiöfe von
^ranbenburci, £ebu6 unb ^avelberg n^urben bi^ber, wie med)t
njar, von ibrcn (Kapiteln (}eivablt, nun erbielt ^burfürft S-rieb=
rid> II. vom ^abil i)a^ lebenelangUd)^ ^H'ivileciium, \)u\c ^U
fd)öre ju ernentien. 2)aö mar vom ^>abfte für ©eutfite Mx-
d)en s^Jreibeit geforgt!
*♦) @. ©d^reiben ^aiferö ^rfebrid)^ an (5. 23. T^iHxid) von
9)iaini, 12. ^ugu)l 1445 Ui Guden. T. IV. p. 288.
480
gewonnen ^(ikw *). 2)ic Q5ifc^&fc fc{)i'encn folgen ^n wfiflTcn,
tDcnn man nur er|! bic (^r^bifc^ofe genjonnen ^nttc, bcnn bie
genjonnenen ^v^hi\d)h\c liegen bcm ^abjlc leid)t nod) ferner^
6in, n?a6 fd)on burd) bie (^oftni^er (^oncorbare fünf ^af)xc
lang eingeräumt njorben, ba^ Konfirmation^? 9?ed)t ber 5Si?
fd)ofc, unb ttjenn ber ^abjl auc^ nur biefcö SRec^t erljiclt, fo
war für bic fc()ne[Ie künftige (Sompletirung feiner Partie mc^r
gewonnen, aU man bamal^ erwarten mochte.
a^ gejt langfam, b'iQ man ben Deutfc^en, beffen 9^atio^
naU©efü6I für grei^ett, SBa^r^eit unb S^ec^t fo laut fprid)t,
cnblid) iur Defpoten ; Partie berübersiejt, unb fo benn enb^
üd) ^ur felbjtbulbenben Unterjochung bringt; aber wenn ^at
je SRom ba^ ©e^eimnig »ergejfen, bixtä) langbinge^ogene CRe^
gociation feine ©egner ^u ermuben, bic Snterefen gu t^cilen,
mit bcm erregten ober rege geworbenen K'igcnnu^ einzelner
SD^irglteber feiner ©egen f Partie fc^nell feiner gan<|ien ©egen^
q}artie ficfe furd)rbar ^u mad;en, 5Bte baö alleö aud) ^u
2Ifc^affcnburg gelungen fct)n rnug, ba ber pabrtltd)e S!egat fei?
nen (5urialiflen = ^lon fo erweitern fonntc, bag er nic^t mcbr
blog an eine iaörltd}e ffatilid)c 2IIimentationö< j?ulfe für fei?
nen ^errn ben ^pabfr bad)te, ba^ er nid)t me^r bIo(5 um ein
jdbrlicöeö ©clb? Kontingent gu Untcrbaltung bcö pabftlid)cn
^?of* unb Kanzlei ?©efenö beforgt ^u fct)n id)ien, fonbcrn
bei S5efe§ung ber Deutfcfcien ^irc^cn?^frünben 9ied)te feinem
^perrn s« gewinnen ^ojfen burfte, bk üielleid)t nod) gr6ger
unb ergiebiger waren , als tk Dor jwan^ig S'a&icu im (5o|l?
0 T)a^ aurfj 9}iag&ebur(^ unb 23remen fd)on bem %\h\i Q-u(\cn
£)bebieni (jeleiilet, erbeHt au^ ber ^ulle beileibe« vom 7. S^-ebr.
1447. 3ur Beir ber ^ranffuvtcr ^Mmf-tiUiün ober ben 5. Oct.
1446 iDiiren hd^e nod) niitt v^^bültd) qeiTinit ^^emcfcn. ^liUe
man in btefer 3iüif(1)enaeit jur ^abft - Partie fo glürflirf) (^i-
todvbcn baben mufj!
481
w'üict €oiicorbaic nur atif fünf 3a5rc latiQ eingeräumte 50 or*
^uge gctrcfeu, finl).
Die gelten [)attcn 1448 bcr ,f\lrd)cn*grei^'.it iveit guu'
ftigcr fci;n foUen, öl3 fte 1417 bei bem eilfcrtii^en 6d)luffe
bcr (SoiTniljcr ©i)»obc vraren, Sic ©runbfd^e be« SRec^t«
tuarcn anfgcFIarter gcirorben, hie ©rdn3cn ber ydb|Ilid)en (3o
walt cjcfannter, bic 33cifpiele be^ mut^üollften 5ßibcr(lanbe«
baiifigcr, unb fd)on allein öuc^ gronfrctd) ^attc ein große«
25eifplcl OiCQcbcu, trie Diel gegen ben ^abjl behauptet irer*
hm fonne. Dcd; ücrlorcn wir ben 3. gebr. 1448 ^u SIfcböjfen?
bürg auf enjig, iraö man 1417 bei @d)Iießung ber (Concor*
tau 3u ^oftniö bloß auf fünf Sa^re lang Eingegeben iatu,
haß (Sofniil^er (Soncorbat ivarb ^u 5{fd)affenburg faß nur H6*
gefcbrieben, naci) bamaligem 33eburfnig, n^ie ber pdbf!lid)e Se*
gat glaubte, nbtijiger ÜQJaogen bcrfur^t, mit einer neuen ^nb^
(^(aufel Dcrfcljen "), tt?oburd) ftd) biefer Sluffng an ^'ugeniu«
Nullen anfd)loß unb bic felbji ber pdb(!Iid)e Segat nic^t ter«»
gcjTi'n buvfte , — jcbe n)cfenrlid)e ^erdnberung , hk man ^tt
5Ifd)affcnbnrg in bem abgcfd)ricbenen ©tucfe be« (Sojtniljer
^oncorbatö mad)tc^ war nur 53crdnberung ^\xm ?3ortf;eile ber
fRbmn\
2)ie Ülfc^affenburger 5(cte i|l alfo fajl nur erneuerte 9IS*
fd)rift beö ^oflnil^er (Joncorbat^, unb tebe nocfe fo unfcfculbig
fdjeinenbc 53erdnberung, hk man beim 5Ibf(treiben Dornajm,
war nur 53erdnberung ^um ^Bort^eile ber S^bmer. 25er fRhf
mer anbcrt feine ^brafe of)ne 5lbftcbt, unb wie fd)lau er benn
(lud) ^brafen ^u feinem ^ortbeile ju dnbern wiflfe, haß geigte
ftd) fc^on beutlic^ genug in 35e(Ilmmung ber c^ronologifd)e«
Dauer ber 2Ifd;affenburger 2lcte, tjcrgliefeen mit hm, wie i)or^
*) 2)er bePanate 5(bfa^ in auis aiuem u. f. w.
€pittler^ fnmmtl. ÜBerfe VIII. 33&. Si
482
fcftgcfpöt n>utb^.
3« ^o}nii^ brtttc man ben Siomcrn nur f'mf ?\.il)re long
nachgegeben, ^u 5lf4)a(fcnbutg b?ö ^ur na.1;rt;'n c^vo^ai £«#
iiobe, mit n)cld)cr e^ n^o^l nad) bamaliger J^ioffnung fiiiie
t>Dllc fünf ^al^rc (ancj 3ügern ^flre. £tc iru^ien aiid) ^u
(^oftiii^ iroOI, ba^ nnct) ^Uerpug ber ndd)nen fünf 'Sahrc eine
groge ©pnobe fe«ii foüe; Docb fot^reu fie lieber einai fmifjab»
rigcn Termin, al6 baß fte ^'h ^\)i\oi>c ^um !ievniln nal^men.
^U wußten wof)i, njic feicrltd) ber ^>ab|l eine ^vnoDe l^fr'
fprod;en ^abe, fie trauten bcm ^^abft n>o()I; fü faunten ti:
öügemeinen ^Seburfnijje n3of)l, tU mdoitiu^ ivieber eineewuDbe
«Dtfjwenbig madjten, bod) blieb e^ flar unb runb bä Per
53ertimmung beö balben Sia^r^e^eub«. ^atte man nur and)
^n 3ifd)af|'enburg lieber auf ein f;albe^ ober ganzes ^-^br^ebenb
üH auf leibigc ©nnobnU jpoffnnng üertroftet.
d'^ n^ar ne(>n!lid), iimc man im (Stillen voöU bamaU
fd)on iT>n§fe, mit ben €>ynpbal » ^^offnungr n , xvk mit bem
langen ©lauben, unb wa^ baö für ein langer, lan<\er ©laube
U^, M wan nie beutlic^er, ali auö ben ^er^dnblunqen/ tic
ium unglucflic^cn 5Ifc^affenburger ZaQ fu()rten. d'rfl batten
bic (5&urfur(^en su granffurt ben 21. SD?dr^ 1446 in ibrem
^>atrioten*53ereine befd)IoJ7en, baß folgenben ^abvc^ ben crjlen
^ai eine große ^t)nobe ^n ^o|lni!j ober ^u 6traßburg, ^u
Ößorm^ ober ^u ^JlaU]^, su W^ain^ ober ^u Zrkx eröffnet
merben müfie, unb mau evtrartete ^od;(t 3ui?erfid)tlid; , baö
nod) fifben 5}?onatc t>or ^*r5jfnnng ber ©pnobc tu ^ab\ü\d)c
^ont>oeationö?55uUe in Deutfc^Iänb aligelangt feijn trerbc.
2)iefe S3uUe ^u feben, famcn (5()urfurilen unb gur|}en tm
i, 6ept. 1446 auf ö ^cüc in granffurt ^ufammen. Da ^xo*
bucirte jtd) aber eine pdbftlicöe (5)efanbtfd)aft, bie j^offnungen
unb ^er)7d?erungen rei(^lic(? genug gab, voii ^er^lict) gerne
483
bcr $abfl ein ^oncllium jufawmcnrufcn ttJoHc, »ic er nur
ein xc(i)i gro0eö ^oncilium ^u Jabeii njünfdje, unb wie mö»
um eine recl)t gldn^ciib groge 6i;nobe gu Jabcn, er|t bie (5tnn)il^
Ilgung anbcrcr Ovationen unb Könige tjorlaufi'g nad)fuc^en mufte»
X^icfe SiniDidigung fam nic^t; nun üerj^racb Sugen ben
5. i5ebr. 1A47 — unb n?ic uft iviebev^olte e^ nid)t fein ^(id)*
folger Olifolau« V.? — bag wenn awd) biefe (Jinwidi^uhg
nie eintreffen foUte, ta^ innerhalb ^e^n ^O^onaten in einer ber
genannten t)ier ©tabte eine gvoge ©i)»obe öusgefc^ricben irer«
bm foUe, unb eje öc^t^e^n ÜQ?onate Derfloffen, werbe böö (Jen*
cilium eröffnet feijn. Docft bd man ju 2Ifc^affenburg <5on*
corbate fct)Iog, warcn*^ fd)Dn ^xchli'TlomU feit bem legten
«Berfprec^en, unb nod) 6^tte man fein <^i;nobaU 5Iuöfd)reibett
gcfe&en, unb ftatt ^wolf 9}?Dnaten mod;ten ^wolf Sajre t)er#
fliegen, fo warb bod) wodo hin ©i;nobaI?2{uöfd)reiben ge^
fc&en, unb ein gan^cö Sajr^unbert ijt nad)6er i>erfIoffen>
M enblid; ha^ Slu^fcfereiben ^lir ^rienter ©i)nobe !am, —
ann war*^ erj! tiod) dm Jülfreid)e unb feiligc ©ijnobe tok
bie ^rienter. Demnach fo füfirt unö, mc 1787 fc^wcrlic^)
5u zweifeln ifl, ber @i)nöbal^ Termin hU ^ur lieben ^wigfeit
fort, unb fo mag wojl fc()on 1448 ber fc()Iaue 2Ienea^ <B)^U
t>iuö ^cr^licö hd fid) getackt iahen, wie tcüt biefer lieblic&e
S^ermin un^ fortfuhren folle.
er mag ^id) gefreut jaben, wie er, hd Uebertragung
ber alten ^erorbnung ^. $8enebict XIL '•") öuö bem (Jof^niger
^oncorbat in ben Qlfdjaffenburger 5Huffa^, an einer gef($icfren
©teile baö S[Bortd)en Dignitatum nod) einfdjlelc^en laffcn
fonnte *"), er mag einen ^oUn SBertJ barauf gefegt Jaben,
*) (Jrtravagnnte Ad regimen.
**■) Nee iion etiam, qua per asseciuionem pacificam qnorumcun-
que prioraiuum , dignitatum, personatuum , officioruro —
per nos — immediate collatorum — vacantia — Ordination!^
dispositioni ac provisiöul nostrae ^ reservamus.
31 *
484
baß fr ein p^at t)un!(c ©teilen M (JofTuifeer €oncorbatö in
bcr 5lfct)affcnburgcr 2lctc beutltd)er '"O auebiücFcu lieg, cb^
fct)on bic i^ubftiruirung be^ beutlldjcrn Sluebrucfö, ta bcr
tva^re @tnn biefcr (Stellen unbeilreitbar n?cir, unnicglic^ Der*
weigert ttjerben !onntc, unb einmal felbfl bod) in bem neufubfti^
tuirten beutlicfeeren 5lu^brucf eine gefa^rtjolle neue ^tt^eibeutig*
feit laQ, bic unfertwegcn iufdÜiQcJtreibeutigfeit fci;n mag'-^^).
*) 5n ben ^ojlnii^er ^onccrbaten : in Ecciesüs Cathedraiibus et
Monasteriis Apostolicae sedi iininediate subjectis fiant Electio-
nes caiionica? etc.
2n ber 2lfrf)affcn(utrger 5Icte: In Ecciesüs Metropolitanis et
Cathedraiibus etiam Apostolicae sedi immediate iion siibjecti»
et in Monasteriis Apostolicae sedi immediate subjectis fiant
electiones cononicae.
©t'wiil venlaub e^ fid) eigentlici) von felbfl, baj? ivenn in S5i^*
ti)üntern unb ivlöiltm, bie bem Oiijmifcben ©tuble unmittelbar
nnforraorfen waren/ bk 2?{rd)of- nnb 3Ibt^'SßaI)l von Oicm
unbeeintvad^tiqt bleiben fodte, bciil md) feine ©rj-JBifitof^«
«Biil)l Dom ^^^ab)l (^eftövt mvbcn burfte; benn jefcer (5ri'Q3i*
rd)Of i\t S5ifci}of einer bem ^abfl unmittelbar unterworfenen
^irrf)e, unb wenn ber ^abfl fol({)e 2Bablen nict)t bemmen ober
frören burfte, wo ein ibm unmittelbar Unterworfener ciewablt
würbe, wie viel weniger folcl)e , wo ber ^eugewa()lte nicbt un«
mittelbar unter il)m ju (leben fam.
60 war alfo in ber 2Ifcl)affenburger ^ctc nur bentlid)er au^ge«
brürft, waö [(f.on im ©oftnitjer ßoncorbate flanb, unb vielleicht
tfl aucl) eine ©teile biefer 3lrt, bafi in bem ^Hfcbaffenburger
Qluffat^e Cf. Coiic. nat. gerra. int. p. 158) Commissarii in
partibus genannt werben, wo man sn ^oftni^ nur fd)led)ts
bin von ^ommifTarien fprad).
:^te einjige wicl)tige ©teile, in weld)er bk 2lffl)affenburget Slctc
viel vortbcilbafter laufet, aU ba^ ^ofluK^er ^oncorbat, tfl
.folgenbe: Modus Aunatarum hoc modo currat : De Ecciesüs
Cathedraiibus omnibus et Monasteriis virorum duniaxat
— solvätur summa pecuniarura etc.
5m fe'ouni^ier ^oncorbat: De Ecciesüs omnibus et Monasterii»
virorum etc.
*") 3« ben eofmijer ^oncorbaten f)i\H <^ fo beutlic^: In Kr-
A85
5ötc !lein war nid)t tcr ©ciuitin, tocld)en bcr qjubfl
wcid)U, ha man flatt bcr ölltcrnatii^c , wie jTe In ben Sotl'
iil^er ^oncorbatcn ücrabvcbct rcar, burc^ bie 5Ifci)affcnburgcr
5Ictc bic ^>abf{ ? ?D?onflte cinfuBrrc *0) ^^c^ fo ficin er aud)
\v>ar, fo galt wo^l aud) bicfcr gall aU du ncucv 25eit)ei^, iric
€uriflli(Ien ju tfecilen tvijTen. 5Mcnca^ @i;{utuö^ irciui önbcrö
blefcr 3ucr(I auf t)ai Sinfall ber »^abf! ^ ?D?onate Um, »er*
fcj)affte bod; bem fabft uod) einen Uebcrfc^ug ^ ^^rofft t?on
brei S^agen; bem SK&mcr i|l nic^tö 5u fleiu ^ roa^ er noc^
nehmen fann, unb ntd)tö 3U grog, iraö er nic^t an ergrijfc*
nen fleinen gaben nad)3ie^t.
$ü SIfcbaffcnburg triarb faft nur abgefd^rieben, wai man
3uer|l 5u Soflni^ entirorfen batte; ber pdbfi(id;e Segate lieg
ober allein nur ble ©teilen abfdjreiben, tk ftd) auf d'rtveite*
rung ber Prärogativen feinet ^?crrn unb auf 25ereid)erung
ber ginanjen feinet ^errn belogen; er fc^log fein (Soncorbat
clesiis Cathedralibus et Monasteriis Apostolicee sedi
immediate siibjectis flaut electiones canonicae etc.
3n bem ^fcbaffen burger Q(uffa<}e l)n\it c^ nur: Ih Monasterna
Apostolicae sedi immediate siibjectis flaut electiones canonicw
etc. gürmabr eine ganj ivuuberbare ^uelniTung ! SIeneaö ©pl»
»iu^ xoixb boc^ wegen 93amberg nic^tö SScfe^ im @innc ge*
f)a\>t b^il'en.
*) 3« ben ^oflni^er ^oncorbaten erbtelt ber ^abjl fünftigbin
alternirenb mit bem orbentlicben (SoUator hie e-rfe^ung bor
^citfte ber 3)eutfd)eu53eneficien; 25ietbiimer, unb bie »ornebnu
f^cn 3)ignitäten in bin Som -- ivirc^^en, nebfl ben erjlen BUiien
m ben (5oftegiat*Äirc{)en bieöon vorläufig aufgenommen. Btatt
beiTen xoavb in ber Qlfcbaffenburger 2icte feftgefe^t, bajj, wai
in ten ferf)^ 97ionaten 3anuar, 9)iär5, OTiai, 3uliu^, «Septem«
ber unb ^lovem&er Dacant werbe, bn(3 btefeö bem '^^xhft refer*
»irt \c\)n foUte; wag in ben anb?t*n Kcb^ 5?ionaten Mcant
würbe, Uie'b bem crbentlicben ßoUator. ©0 b^ttf benu btt
Vah\t bod} nod) brei itage mcfyr al$ ber leßterc..
486
wir!Iic& fo , <n\i ob nur feinem ^crrn ber ©cnug niond?cr
bidjer fo bcjirittcncn 3^c(^t2 unb mciiid)cr ble()cr fo geredjt
Dcrttjeigertcn Stnna&me fc^)rifilic^ t)crficl)crt treiben foUie, 0IÖ
ob fein ^lön nie geirefen njdre, einen toüildnbigen ©ren^?
SÖcrgleic^ 3« entn?erfen, a\i ob er einem Idngjl be|re()enben
tollddnbigen ©rdnj ? 53erglcic^ nur einen fleinen fWeben^S^e*
ceg noc^ beizufügen gehabt Yam, ein paar unerbrterte '^mxht
.nocfe cntfc()ieben werben follten, ein im ^paupt*53crgleic^e mit
gefegter %x{\h{ burcb biefen befonöeru ^ergleic^ nod? erörtert
werben mögtc»
©d;on bajer fcftien*« maw^tnx wo^I notjwenbig, H^ bte
öcccptirten Jöaeler Decrete öIö erjler gunbamentaU^Scrtrag
ön^ufejen fetjen, unb bag ber 2Ifd;affenburgcr Sieceß nur öU
mobificirenbeö ©uppicment gelte; wie fonf! in biefem bie
Wic^tigllen Sö^aterien Jdtten unberührt bleiben fonncn? Söie
fon(l \>k X)eutf(^en aufrieben gcfcbwiegen bdtten? 5Bic felbfl
«ic^t bic ^Sergleicbung mit bem ^o|!ni(^er (^oncorbatc t)\i gor*
bcrung eine« i?on(!dnbigeren 3legulatifö nct^wenbig tjeranlaft
Jaben würbe?
^oc& wen btefe '^m\\d brudfen^ ber feltnt bie 9ibmer
ntcfet, unb fennt \>\i allmdfiligc ^filtigwerbung be^ Qlfcbaff^n*
burger SReceffeö nicbt, ben umfd)webt me^r eine bunfcl^eiligc
Erinnerung ber SSa^Ier ^ecrete, aH \iCii i^m ibr 3nf;alt gfeid>
gegenwärtig, baö wabre 3»terefl*e berfelben l^iporifcb nwxnm
Ware. 539,1^ jeber war Ui S^omcrö 9}?ci(Ier^^trcicb/ auc^
}dii ben Wid;tig(Icn Olegociationen nie rein unb flar ^u t)oU
lenben; »on jc^er war fein SRettung^mittcl, ^u tbeilen, wo
öllc3 mit cinemmal abgetban werben foötc, t>ou jeber feine
gelungenfle ^unfi, burcfe partielle ^erwilligungen auöber^otb
ftct) beraut^jufaufen, m^ burd) bic balb bornebmc, balö lei*
benöücKe Wkwz, womit er ba« ufurpirtefte 9?cd)t enblid? nacö
löngem Äampf a\>UCit, auc<> ben mutt>öoll(len 5Wann t>on b»
^*37
Jiirrlid}cr CE'rncucrung feiner crtlcn t)olI(Iaubi<jeit gorbcruitg
mcijlcrbaft ^urücf^ufcferecfen.
9J?aii fte^t eö bem 5Ifct?a|fc«5iirc}cr 9iccctfc tcutltd) j^e*
mi(3 an, wie t)icl bou aikn bicfen Äunjlcn bei (2cl)Iie0ung
t)e|TtIbcn gebraucht rcorben, unb überall e«fcnnt niau bcu 3fa*
liener") beuilic^ 9«»U3/ ^»Jr in bcr ganzen 2Iiilage feiiieö ^oir*
cepra für feinen ^crrn fo tt)unberfd)lau 5U forgen w?u0re, ttie
nie ber n?acl)faniPe Deurfd^e für \^k •it)id)tigften SKed)U feiler
9larion 311 forgen Dcrftunb. ^iöer ju ^ü|lui^ eine öutjcnti*
fc^e (Jopie be^ gefc^lolfcncn (Soucoibat^ ^aben trollte, mußic
3n?ijlf 2:ourer ®rofd)cn ^ur pabfilic^jcn (Ennjlei-^aölenj 'litt
9Ifd)njfenburger D^cceJTe irarb fiinmulid)en 2)eutfd)en ^'r^^^T*
fd)bfen t)ai SKedjt gegeben, autbcntifd;e Kopien be^ gefc^Iü(|e^
nen 9\cccjTe6 auö^uftcllen, ha^ ja boc(^ ber elenbc SKcceg rcc^t
in allgemeine ^irculaticn !omme, unb bog t'u^ unt>oÜ(Ian*
bigc Uvfunben ? @tucf, bem billig immer t)ier wI^üqc Nullen
^ugenö bitten bcigef(tvteben trerben muffen, erjl hur für fTc(>
redjt ausgebreitet njerbe., ©o voax^^ voo^l getvip flucfe nid)t
cjne planmäßige ^bjTctie, bag bcr ^oncipipe im Eingänge
bc3 SReceflfe^ Don allen bcn bifiorifcfeen S3eranla(fungen gar
nid}t fprad), bie cnblicp ^u biefcm SKeceffe geführt Ratten, fo
gett)ü6nlic^ fonf^ bamali unb fo nü^Iid? crfduternb ^iporifc^c
^roomien (inb, I5er fc^Iaue Staliener irugte nur ^u gut,
ta^ bie fd)ricl^te|le ^i|iorifd)e Einleitung, bie er geben fbnnte,
bei Seutfcfeer 5BeIt unb X)eutfd)er DIacbmelt ^k furc&tbarftc
5lufmertfam!eit njedfen mugte, baß ber auffallenbjlß ^ontrajl
*^ :i)a(5 ein Italiener m\\> md)t ein Seutfcbet ba^ ^oncept te6
2trd)flffenburqer CKecefTe^ entworfen, t|l mir fel)r wal)vfrf>einli(b
nu^ bem iDimberbaveii ltnterfcl)ict) , ber jiüifd^en naiio Aiema-
iiica unb Germanica bafeibfl gcmad)t ober 9efüri1)tet lüirb. (Jt«
Xeutfd)er roare fd^wevlid) i^itxaui verfallen.
488
ter 5IccfpfiUiün^ ? 2lcte t)on 1459 mit bem clcnbcn ^ilf(taffcn*
burger §Kece(Te, ben ble fiDllGl^tcfte |)i(Iovlfd;c (£'r5a|)Iiuig tcrau*
laflF«! ttiügte, burcl) feine ^uiijl gcniilbat iverbcn Fminc, bß|l,
fo bfllb eine nur l^albtreuc dx^ailui^q beö gßn^cn Äergnng^
bcr <^ad)i bargelegt irurbe, ta^ uin?crmeiblic^ jc^t unb fünp
tig^ln ^raQCtt cutMm mußten, hk er jcgt unb fünftigtiiu
nie cntftc&en löffcn irolltc.
G'inmal aud) angenommen, ba^ ber 2IfcI;affcnburger fRt*
ccg blog eiii O^eben^SReccg fej), ber fid? auf einen tjorange^cn*
bcn 5aupt*53ertrag bqu^c, iüclcl;er rcblid)c D^^gociötcur fd}Iicgt
einen hieben* SKcceg in ber gorm, n?ic ber 21 fc^ajfcn burger
SKccei geWoflren tvorbcn? ^ißclc^er Goncipifte folcDcr etnatö^
2(cten, wenn er anberö ©ute6 im ©inne \)at , gebenft \\\d)t
^kld) anfangt be5 vorangegangenen i?aupr?SKeccflfeö genau
mit Datum unb £)xt, xvo er »erfaßt njorbcn, bc^ ^?aupf^
S^eceffe^, bem einige (^'infci)rdnFung unb (Erläuterung nun ge^
^chm werben follc? SBenn eö im ^>iupt ^ 9iecejTc ^d^t , bog
luegcn 93eobact)tung ber ^Saefer Dccrete funftigl^in tractirt
werben folle, unb im Oleben * SlecejTc bei^t, ba^ aüed im
JJaupt^SRcceffc^^erfproc^cnc unDcrdnbert ge[;alten trerben folle,
Wer fann ^ier tiiK reblicbe S3erfid)erung ber aner!anntcn fort*
baumiben ©uftigfcir ber 23aeler Dccrete ftnben? Spam nid)t
ter SRomer, wenn er reblid) fd}rctben wollte, feierlid) 5u
Slfcbaffcnburg crHdren muffen, baj} ungead}tet in ßugenö
Süllen bic ©ultigfeit bcr 23a6ler Decrete bieg fo lange aner^
fannt fei;, hii ein pdbftlid)cr Legate ^oncorbatc mit ben .Deut^-
fc^cn gefcbloffcn l)abc, ungead)tet biefer Termin nun alfo terflof^
fen fei), ba^ bod) an fortbaucrnber ©ultigfcit berfelben nidjt gc=
jweifelt werben feile, gurwa^r bie (^cidK ijT aucb bi^r "ccij
flar, ber D^omcr bcit bie fortbaucnibe (53ültigfcit ber 23aelcr
JDecretc nie flncrfennen wollen , er bat nur bem ÜHfdjaffeiibursf
gcr D^ccejfc ungefähr ctwa^ biefer 2lrt beigefc^riebeu , waö bie
489
5]tuff)üonrtcn bcr I5cutfc{)cn fd;c{nbar bcfrlebigcn unb nie bod)
in 3ufunft ber 9lümifc&cii Qmk fc^ablid) fcpii foUtc, fobalb
einuiöl fircngere unb ^ufömmcn^dngenbe 2)cut«n9 bcr fluchtig
{jiugcirorfcnen ©teile 9cfud)t lucrbcn müd}tc.
Vii\^ mx e« benn nicbt fflflfcn !ann, n?ie jtd) bie X)cnU
fd)cn bei einem fo unDoüfranbi^cn unb fo ente&rcnbcn ^on^
corbate blatten beruhigen fonnen, tücnn nid)t bod) bie alte
51nna^me bcr 53a6lcr Decrcte nod) 3iem(id) gerettet iDorbeu
irarc, bcr mag nod) bor[;er fid) ^u erfidrcn fud)cn, \vk fic
fclbil bei angenommener fortbaucrnber ©ultigfcit ber S3a^Ier
£)ccrete mit einem (Soncepte biefcr 2Irt aufrieben fcijn lonn*
tn\, ber mag^ oI)ne ta^ fr fclbjl trei§, tie gan^c ®efd)icfetc
ber allmd()ligcn ©ultigwerbung beö *llfd)affcnburger SieccflTe«
erratben babcn. 2^ie S)eutfd)en iraren uid)t bc^
rubigt'"); fclbil mand)e, bie fd)on torber ^ur ^abft-^^artie
übergetreten, empörten fi'cb auf ö ^fcue; 3tt)ifd)en bem Segate«
unb ber neuüerftarften pdbfrl!d)cn OppDfition^;5)3artie cntjlanb
ber fonberbarfte ^ampf, ben felbfr tie fd)laugebdmpfte (Stille,
ivomit er oom ^abjle gcfubrt würbe, fiir bie greibeitö? ^ar*
tic gefd^rlicf)er machte, alö je bcr crflartcfte ^rieg werbe«
fonnte.
d'ö war ein fonberbarer ^ampf. Der "^ahil bro^te nicjt
mit 23ann unb unterbiet, bie £)ppof{tion6;^>artie fpracl) vot*
«ig mebr bon @i;nobaI^ jpojfnung. Der £cgate t^at mit
0 Q'^ l)^iH im ©ingan(]e beö (^oncorbat^ pinrimi Eiectores, aiü-
que ejiisdem iiationis tarn ecclesiastici quam seculares Princi-
pes l)atten büiTelbe (ie&i((i\]t. ^iefc unbeftinimte 5(njetge ift et-
vö([^ Mxbiiittu], 5um minbelTen tfl piurimi Eiectores nifbt ciauj
rii1)tia. 2:rier unb (Jöln rcaren I)ö(1)il unsufrieben hcimit; ©ad):
fen war meinet SSiiTen^ awt) nod) nicbt beigetreten ; bie^c piu-
rimi Eiectorea flnb alfo CO^ainj, 95rflnbenburg unb
^7al5.
490
feinen mut^ciften ©cöticni gau^ ^utraulic^, unb Me mutjitg*
(len ©cgncr bcfTdbcn fd)Io;Tcn fctueu 25unD unter einauber,
machten feine (InntJurfe einer neuen $?rei&cit, erfannten tcn
^ab"(I, erFanntcn feinen Legaten, unD boc^ war bcr erbirre«
rungöijoüfte $\viii unter einanber. ^er Segare fc^eint baiauf
geidölt ju ^öbeu, bap, fo ficin aud) ber folgfame Raufen
b«l @ct)(ie§ung beö SveccjTc^ feIb|T war, bog trenn einmal
nur eine fci)rift(id)e Urfiinbe t.->or^anben fei), bai unrtcvbfid)e
2)ocument feine ilerblict}en ©egner fiberfebeu folle; ta^ and?
ber ^eftigfte ^iberfpruc^ be|li> g(tt)i|Tfr niit bem ^cit ^*Strom
t>erraufd;en njerbe, je fc^wdc^er man ftd) fccmfclben entgegen*
fe^e; bap mau immerhin üoreiH burdj ein gan;{e^ \)(i{b
Du^enb bon Olebenurfuuben unb burc^ m\ 2)u^enb t>ou
S(uöna()men, bie mön in biefen Sieben* Urfunben machte,
bie lucratiöffen neugewonnenen fK(d)tc irieber aufopfern
fonne ^"0/ ^^'^^ niau bie 9]cben * Urfunben, bic blog
*) @o erl)ielt ber (5rj - 33irc^of tjon ^Jiatnj, nacf^lKr ciuff» ber Do«
Girier unb ber »on (föln, einen Iebenölanc;lid>en prtbulid)en 3«*
b«(t, bic in ben ^cibiT: -- g^fonaten üacant wertenben 33eneficien
5u \)evleil)en. 2Son bem ©aljburrtifdKn 3nbultc f. *i)7nd>r. von
Suoaina @. 280. 3n bk)e\x anfanci^ ganj uneim]efd)ränffeu
3nbutt liejj man ev|l nur tk (^laufet einflieO^n, baö trer auf
bkfe Q(rt eine ^friinbe erI)aUe, tnnerbalb eine^ balben %^\)vei
SBeflätigung feiner ^roiM'tTon ^u 9iüm fucben unb hi( nötbii]eu
(Janjlei « ©portein erlevjen muffe, .^ierauf fröränfte man tk
S)auer ber ©iUtigfeit eincö fold)en 3nbutt^ auf tk ^ib^ntm
M <pab|B ei«, bcr beu 3nbuU au^gefreUt; enblii-b gar nur
überbauet auf fi'mf 3al)ve. ^^abil 3unocen5 X. trieb tk ©ad^c
nod) feiner. S)a t)k geifttic^en (iburfürfren hd ibm um ß'r*
neuerung ibrer 3nbulte burd) ibren geivöbnlidu'« 5(gentoi; in
$Kom aubalten lief^en, fo erfliirte er, (k miipteu ibm i^e^balb
felbiT fd^reiben. Txi fte ibm bierauf felbit fcbriebeu , fieug er
ein Ma^iw an, t>(i$ ibm buvil) ^k\c 3ubultc unmoglii1> iKni^^rf^t
werbe, fein bantbare^ ^^era 9^^^»^ mand^e 2)eutfd)e ju bewei«
491
^in^clneit fairen, dUmadlig t)crfd;mtnbcn ober Ufranbcm löf*
feil founrc, ^aö jpaupt^Decument cuMic^ allein boc^ al^
aUciuöuItige Uvfunbe auf ble fpatcjlc ^}ad)\vdt Um. ^
Die Oppoiuionö ? Partie, Die fid) untcrbcg tvcntgtlcnö
im ^cfit^e bcr bcfirtttcncn 9u'cl)tc behauptete, unb btc einen
^2öiDcrfprud>^ bcr nicl;t gerabebin ibrcu S^cfi^ fiortc, Diellcid)t
.aar 3u^t)eract)tlid) nat)m, \d)m\ ru^ig crtrorten ^u rcoUcn,
ob md)t tlcilcid}t balb bcr ^aifcr cntfd^Iafc, ob nic^t balb
n)icber ein p.ibftlidK^ @d)i^ma cntftcbe, ober ob nid}t trcnig«
ftcnö unter bcm neuen ndd)rtregicrenben ^abfte mcbr gcn^on*
luix iDcrbcn fonnc, unb in jcbcm ton breien fo moglid) unb
tt?abrfd)ernlid)cn gallcn fa§ fie aud) fii)cr einer neuen üotal^
IRcüoIuticn bcr bi(?§erigcn 55er^d(tniiJe entgegen, bag cö faj!
unücr^ei^lid; fd)ien, nicfet ru^ig irarten ^u trollen. j)dtten
jte nur unter ftd) einen gro0en allgemeinen 53crein gefd)Iof]"en,
um 6i;mpöt()te unb t^eilne^menbe itunbc ber Dinge ^u er?
Jalten, Ratten fie nur einen 53unb gemacht, ba^ einer fijr
ölle unb alle für einen ^u flehen bereit feijcn, Jatten (ic gegeu
bie ®erbungö#^un|Ie ber 9f^üniifd)en DZuncien jtc^ betraffnet,
öuf 9^eicb^? klagen unb grogen gurflen^^onöenten baö 2In?
ben!eu beö ?ßcrbanbelten unb «BoUenbeten gett?o^nlic& erneuert,
allgemeine 2(ufmcrffam!eit unaufhörlich geiüecft; ber enblic^>
tollenbcte ©leg be6 ^ab^^ ipurbe t>od) nie in jeneti brüdfen^
fen. ©0 »erfTois unterbep benn bod^ einige B^it, tk ber <pab|l
mijcn konnte. (Jnblirf) ^me er ben fünficif)rigen Snbult a\iL
3)a md) 9SerfIu|j ber fünf 3al)re. bei? ^nbult erneuert werben
mu§te, fanb ber ^aD|l ncd) Deffere 33erji)gerung^ * 9)iittet ber
2lu^fertigung beiTel&en, er (gewann ncif) längere eigene 33enu(3*
ung^--5ri|l, unb gab enblid) ben Snbult nur auf brei 5abrc
f. @d)reiben ber brei ©eiill. (5l)uvf. m ben «i^abjl von 1675
in Concord. nat. gerra. iutegr. T. IL p. 98.
492
ben Defpotfemu« ausgeartet fcijn , bem cnblld) fclbil bie
@rdn3en M Slfd^ajfcnburger SKeccflfcö nod) 5u enge waren.
2)oc(j feiner t)on allen, fein (Jr^^^ifc^of unb fein 231*
fcftof, flanb mit maunlict? auöDauernbem ^lut^c. Der ^r^*
SSifc^of t>on ©al^burg (leg fid) gcirinnen ="9; ber ^^urfurft
t>on llrler opferte alleö feineu ^riüat^S3eburfntj|"cu ouf '~'^;;
bie 25ifcf)ofe, bie fein ^Tj^^ifdjcf mc^r confi'rmiien wollte,
hu funftig^tn i()re Konfirmation in Sxom t>oIcu mußten, tva*
reu burd) 2luffd)ub ober ^Scrweigcrung bicfer (Konfirmation
*) ^'X tt)ar weber fel&il bei ben ^ractateu 3U 5Ifci)arfeuI)«rv3 <je*
tiefen, norf) l)atte er Scpütirte (iefd)ic6t- 3l)n ju geannneu
flellte giifolau^ V. 25. Oct. 1418 eine 35ufle ou^, bafi fid)
ber '2(fc()atfeuhu\it'r 9ieceiV auf bie brei 35i5?t(}ümer ©eBau,
(^(itemfee lutb l\nnuit niitt crftrecfen foUte. I)er (5ri = 23ifd)of
t)on (galjbiivv} fi^eint (;efrird)tet ju l)aben, bie (Kapitel biefcr
S5i*itl)ümer mürf)ten tin 2Ba{)l = 9\ed)t nnfpredjen, unb genjtij
l)atte er Urfacf)e ju fürd)ten, ber ^cihil m'6d)U andi hei btefen
S5i^tt)ümern an ein (Jonfi'rmaticn^ ^ ^Mt unb a\x bie bamit
uerbunbenen >tajcen bcnBcn, ober glauben, bc[\i fi'e auf irgenb
einige Sßeife burd) Translationen ober per decessum in curia
bei bem päbjtliiten ©tul)le x^acant werben fönnten.
:Der^abfl war nod) groilmütlnger, unb gab an ehcn beut:
felben 3:age mit obiger 23uüc no0 eine befonbere 33uUe, bafy
ber Sr5bifrf)pf ein paar ^robfteien unb einige Pfarreien, fo oft
fte lebig werben, frei oerteiljen möge, wenn fie fcf)on allgemein
ber päbilltd^en S5i^pofttion referpirt fei)en, unb ben 15. San.
1449 beilätigte Olirülau^ ben wabrenb ber DTcutralitat ocm
grei)fingif(t)en (Japitd gewäljlten unb oon ©aljburg beiläti^iten
95ifd)0f ocn Srepungen, offenbar aud) nebenher al^ @efciUio,fcit
fiir ben (5räbifd)of oon ©aljbuni, benn wegen tU\e^ 33if*cf5
ron ^repuncien franb nod) eine 5(n^nal)me in ber 33ulle Cnigcnö
vom 7. (Vebr. 1447, f. Rainald. Annal. Eccles. 1448 n. 3.
97ad)rid)ten von 3"^''^^^iii- 'S- 217. 273. 275. 28n.
•♦) f. Homheim Prodrom, hisl. Trevir. P. II. p. S20. Uistor. Tre-
vir. diplom. T. II. p. 412.
493
in hex Gewalt bcö ^abfr^; feiner üon allen (ianb aU ber
Sra» 25lfd;üf öou ^oln.
3"f)u füiuitc fclb]! ber Senate ntd)t gcirinncn, ben boc&
^cncaö ^oloiu^ für bcn ^^crfuleö ollcr ^urialifrcn i)klt, i^n
rciljtc Fciu ^riöat?53ortbcil, i^n fcl}rccftc feine Drohung be5
^'nifcrö ober beö ^^abftö. D^ifclauö (!arb, o^ne feine (5in^
\rllliaung geivinnen 3U foniicn, öud) ^alirt III. t)erfucf)tc
cö ücrijcblicl), and) fclbft 2Icneöö €i)Ii^iu^, ba er alö ^iu^II.
^abft \inirbc, trug t)ier 3a&rc lang bie fertböuernbc 5Siber^
feölicljf cit bcö entfcfeloflTencn $[)?annc^, «So lange ^ietric^
öon ?Q?5r^ lebte, trar im (5oInifcI;en ©prengel nicfttö ju
ge\t)innen, aber fobalD aud) Dietrich t)on ?D?orß tobt njar,
fo tjerfaumtcn hk (^urtaliften feinen Qlngenblicf; ber QIfcl)af*
fenburger 9\eceg tt?arb auä) im (^blnifclpen ^Sprengel pro'
mulgirt. ••').
^ö ijl ein Jeiliger ^nblicf, tnie ein ?D?ann, felbjl in je*
nen 5*^if<^"/ brei^e^n üolle ^ahr^ long ber Dcretuten Kabale
öUer pabrtlic()en unb faifcrlid)cn '^ad^t trogen fonnte; tric
er fo öUein unb boc^ fo unerfd)uttert ffanb; xiok jtc i^n on^
Sugreifen nidbt einmal nsagen burftcn ; wie jTd) alleö um i^n
bcr^og, ftd) an ihn ^u tt?agcn, unb n?ie bod) fclbf! ber frec^*
fd)laue 2lencaö <Si)füiuö nidjr ^ßagbalä genug wav, um bitf
fen y^elbai an^utaflen» 5D?it ^T^bifdjof .^ictbcrn Don ^laini,
ber ^irolf 3abre nad) Sd)Iie§ung beö 2Ifd)aftcnburgcr 9?e*
ceffcö suw ^Tjbifdjofe gcn?d^lt irurbe, ^at 51eneaö <gi;It)in3
al6 ^iuö II. fall mut^njillig gefpielt. ^r ercommunicirte
tbn, vodl er bie gorberung einiger 9^omtfd}en SSec^eler nic^t
fogleic^ befricbigte; er entfegte i^n, ireil er e^ voa^tc, an ei«
■) f. fcad Tromul(iationö-5nj}rument in /pebberid)^ Eiem. jnr.
Canon. P. I. p. 234.
/|9'4
öllgcmeinf^ ^oncllium 311 Q'ppcUti'^n, er crflarlc in feiner (Et*
Communications ?^ullc, taf, man idn \13ie ein franfcö
©rurf -Bie^ unb 11? ie eine t^erpcftete ^43e|lic =••=) mci^
tien muffe, — |?dite je ber ^Ubft ben bamals nod; Icbcnbni
X)'mxid^ t)OU vOiorö fo anjugrcifen QiwaQtl
I3er ^äb|l l&attc im ^Ifcijaffcnburger SicccflTe nur viertel*
jd^rige grifi gegeben, ba^ man fic^ crfldrcn mcge, ob mn\
bcm 5|fcl)aifenburger Sf^eccfiTe beirrcten trolle. ?IÖ?r t>k viertel»
id()rige grijl nid)t nu^te, bem fdjlen bic t)oüe ^a|1 aller alten
unb neuen pdb|llid}en ^^üilei^ Siegeln ^u^ufallen. Der (Jr^*
bifc^of üon ^oln l)at brei^c^n 3a5re lang gezaubert, boct)
voa.^U bcr ^^abfl nid)t, feine Droljung t)oll3ie&cn ^u trollen,
boc^ war man fro&, cvjl nod) im bier^eljnten Sa^re nac^
©d;ltc0uua[ bcö 3Ifct)a(fenburger Olcceffcö öucö ini (^blnifc^ien
benfclben boll^ie^en gu fonncn. Die *-8ifd)üfe Don Bamberg
unb 5!ßiirj.3urg i)ahcn fi'c^ nie ^u bcr ?Oionat*!X&cilung mit
bem ^abile t>er(!anben, bod) xtav man aud) mit i^rem t)a\bcn
©e^orfam aufrieben, Wcun fic cnblid) nur t>k 2lnnaten t>o{lf
fidnbig be^al^lten, 5Iud) ber 23ifd)of t)on ©tragburg iji ntc
ganj beigetreten, bod) na^m ber ^abjl aud) fein Dpfer mit
ber liebebollen Hoffnung an, ba^ ftd; mand;eö 5U feiner ^cit
nad;^olen löflfen mochte.
©0 fcfelic^ ber 2lfd}a|fenburger 9^eceg Jalb ober bMlig
toa^ogeu t>on Di5cefe ^u Dioccfe fort; fo iicUtc i^n ber
^abjl manchem S5(fd)of unb manchem Kapitel cnblid) boc^
iiod) aU ^^3rit)ilegium auö="""0, fo föm'S balb noc() ha^in,
*) Tanriiiam morbidam pecudem et pestilehtem bestiam; f. He
(^xcoxiim. 23u(lc in (Sattler ©efc^i. ber ®r. rou Ü£4vt. ii. 3:1).
^eil. n. 127.
'♦; 5« 'öiefem $tone lauten bic ber 9?ie<3cr ^ini)e öu^^ieftelltcn
päbflliii)en 23ullen »on 1450 unb 1455 in Calmet bist, de
t»orräliie Tom. VI. App. p. 190 et 196.
ba^ ti öld fd;d6barc^ ^riDÜcgium gcltfii mod)fe, irrnn cö bcr
^>abjl babei nur larfcii woHU, m\b (bc neun tjcüe 3"al)re nad)
crilcr ^(xlicßung bc^ 3?cccffe^ ijcrfloflTcn trörcn, fo ix)iir fd)ou
ein tvidjft^er Streit über bcr X^eurung bcjTcIbfu ; cnnrcbcr
waren bic (Gopten fd)on üerborben, ober trieb fd;on ber diQCtif
nu^ fein bo^bafte^ ^rc^eten^iSpiel '-').
$\vax nxjr ber ^iicrluft nid)t fo grog, bog bon ber alten
2Inna5me ber 23aeler Decrete fo wenig mebr in allgemeiner
(Erinnerung ^urücf blieb ^'^), ober unabfcbbar grog xoax bcr
iKubrobenbc 6d)abe, wenn, wie ber $abft Suj! f)atu , ber
gan^e 5}ertrag aU ein Privilegium bebanbelt werben foüte,
wenn bie jpeiligfeit beö bermeinten Privilegium^ von ber -
pabftlidjen ©nabe ab^ieng, wenn allgemeine 9^enunciationen
be^ ^abfii in einzelnen gdllen nid;t fiebern follten, wenn
man jene allgemeine 9^cnnnciationen blog ali eine gndbigf!
*) Aen. Sylv. Ep. 383 fa^lt : Concordata ipsa dignitates primas
post pontificales et in Collej^iaiis Ecciesiis principaielS Apos-
tolic« sedis dispositioni permittunt. S)aÖ tteffeubfle 23eifpiel
ju obiger 35emerhing.
**) 3i-(> werbe bei einer rtnbern ®elegent)eit nuefübrlicf) jeigen,
xoai ich nötbicier ^ürje l>alber nuö biefer 9lbl)anblung beraub«
fcfmeiben ntuilte, ob uub wie viel gewonnen werbe, wenn man
nacb ber ©ntbechmg bejJ .fvrrn »qn S;)oxix ^ic 95a^ler 2)ecrete
<xU ben ^-unbamcntat * QSertrag, ben 2IfcI)atTcn&uriicr Vlea:\i aU
ntobifücirenbe^ ©upplentent annimmt, verglifben mit bem,
wenn man ben le^tern ^üm^, aU an«nnif5e^ ^'oncorbat anfiebt.
3)ie ^ereitnung M SSerluftö i\[ nicht fo ganj leidet, wenige
fienö ifl ber größte 3:beil ber Sl^erecimuuvien, bie idy mid) ei'*
innere gelefen ju baben, febr unriri^tig, nnb voa^ in ber Zhcit
auffairenb merfwürbig i\i, nod) in ber ^mfer ^'unctatiou wirb
hie ^orijcifdje entbechmg <\U ^-unb^meutal^CSJrunbran ange^
nommen, unb boch fd^inen bic .^errcn S^eputivte bei bem ^2lr*
tifel von bem Pallium gauj veröeffen ju haben, wai5 am* ibrem
angenommenen ©runbfa^e »on felb|1 flifjle.
^4 96
öiigcnomnicnc jpfluptregd öiiföB, Doii ber bodb, ^'c t)Oii ölleii
öUgemciucu kugeln, au^ pdbfülidjer 5)^ad)t*^oUfommcn(KMr
^ulDrcict)!^ btr-ycnftrt \t?crbcn foiuie ^'), uiib ivenu beim cnb*
lid) über jene j^auptrcgcl neue anbere jpauptregeln binaufge*
fe^t W5uvben, bö§ ha^ alu ©cncral^Slegulntif, baö ein fo bei*
liger feierlicher Vertrag «jar, ^um untergeorbnercn ^rincip
Jerabfön!.
X)\t ^urialiilen iroren öud) in neuen (^Tftnbungcn fo
ftnnreicfe, ha^ wenn felbil enblid), n?aö nie bod) gefd)ab, ber
SSud)fröbe bc^ €oncorbötö gehalten trarb, trenn jene Uebcl
t)erfd)n?önben, gegen bie man ^u ^afcl Verfügungen gcniad)t
^arte, bog neue nod) größere Ucbel plü^lid) ^um ">8orfd)cin
famcn; eö wör bic ©efc^idjtc mit bem $i)bra*^opf, nur
bog biegmal bie ©efd)ic^tc nocö fd)re(flid)er lautete aU bic
gabel, ber alte ^opf fonntc nie gan| öbgc^auen werben, unb
boc^ tt)ud)fcn au^ jebcr neuen 5Bunbe, bie ibn traf, jebn neue
«od) gefräßigere ,^üpfe beröor, £Otan batte fid) in bcn (Son^
corbaten trcfflid) üerwabrt, t)a^ bie päbrtlid)e Hfurpation mit
S^eferöiren unb (Jrfpecriüiren , ber Unfug ber ^an^lci^SRegeln
unb bie SRbmifdK (5-rftubfamfcit neuer SKed)t^grünbe für fRh*
mifd)e ^rouiffonen ftattlid) gebemmt un^ in gcnjiffe ©rän^
jeft glücflic^ eingcfcbranft ttjerbe, aber trem trar bamalö fd)cn
eingefallen, bag ber «Pabjl fünftig ^enfionen auf Deuifd}C
^irc()en ? ^frünben antreifen fbnne, bag er ben 3:ürfen*5lrieg
al^ unerfd)epflid)e ginan^*®elegenbeit braudjen ii?erbe, bag er
Snbulte, hk man nur ^ur unbeftrcitbaren 93erfid)erung eine«
i:>orber fc&on gültigen ^c(i)ti 3U 3^om fuc^te, aU vollgültige
0 Ungefabr nad) biefen ^rincfpfen betrachtete fi-bon aienea« (Sn(=
»iuö ben 9IfcbafFenburqer ^ccc^. ®. bie bePannte Dcrtreffftd^c
Analytica demonsi ratio cnjiisdam Germani, t)ergl- bamit bie
5f^acbrid)tett Ui Jperrit ©regel i. c. SS. 35. 36.
A97,
25eifpiele eine« crj! mttgctjcilten 9?ec6t5 auffrellcn f5iinte^ bog
felbfl fd^on $iud 11. ben-frccfcejtcu @d}iitt wagen burfe, auf
jcbe 5lppelIation an ein ^oncilium vorläufig bic 23annftrafe
au feigen *).
(£6 i(! feit bem ^fd^affenburger S^eceflTe bii 1530, bö
cnblicfe bie fat^olifc^en gurjlen niut^boll aufammentraten, ber
ewigen klagen über a^om unb (Eimalifim ^ ^c\^ , über SKom
unb ^urialipen^öerüalt auf allen sQcrfammlungen fein ^'nbe.
S?er ^aifcr war nid)t gur ^mpfinbung au bringen, bk ^U
fd)of?@tü&Ic 5U ^O^ainj, Srier unb ^hiii waren faft biefc
gan^c Jeit ^inburd) mit fo be&aglic^en SSifc^ofen befe^t *-)/
ba^ Feiner t>on alten an bk ©pi^c trat, unb felbfl faum
$5ertbolb Don ^enncberg, ber ^wan^ig Ja^re lang ="^<^*)
mit t)erbiente(tcm 3ftubme cU ^^urfurfl t)on SO^ainj regierte,
ben freieren 2lu«bruc^ bcr allgemein rege geworbenen klagen
gliicfli* beforbern Jalf t>
*) f. 95u(le bejTelben »un 1459 bei |5)?üller % 2:a<j^ * 2;^eafrum
unter ^riebrirf) iii. britte 23orileaunc), (Jap. xxil. 8. 744.
*•=•) 2l«f3aföb öon®iv^, ber anfauc]^ nod) gegen ben 3lfd)afftnbur(|ev
Oiecejj beu ^^atrtotrn niad)te, mar 1457 al^ er5bird)of »on !$:rtcr
ein 5iüeiunb5manjt(iial)riger ^rinj von 93aben gefolgt, ber benn
ju feiner 3eit wieber (1497) feinen ^ruberö - (5n!el jum eoab=
jutor mad)tc. 3n gi)ln war bem maunljaften Sietricb von
9)iör^ 1452 ber ^fäl5ifrf)e ^rinj Oiupert gefolgt, ber balb in
grofje ^änbel mit feinem (Kapitel üeriüidelt mürbe; ba^ (Kapitel
mäl)tte einen ^efftfdjen ^rinjen ^ermann aU 2lbm{ni|trator,
ber narf) 5^upertö $tobe bi^ 1508 tic er5bifc^öjTirf)e Sürbe U-
I)auptete.
♦**) 1484 M^ 1504.
t) ^<^\o 33ertl)olb felbft mit eigener ipanb Ätag » fünfte gegen
ben 9iömifct)eu @tut)l aufgefegt ^abe, f. Wimphelingü replica
^^_ conira Aeneaiii {jäjlviiira de moribus Germ, apud Goldasium
^B in PoIKic. üup. p. 1050.
^498
SDcr ^Ton anivb frcimfit^igcr , bic 21nftölrcn sur (Sclbf!^
Julfc fc^leiKit \i;ir!fanier ^u wctbcii, fobölb ber tbdtigere
^atmiVmx ^ur üoücn SRcgicrun^ Unu Der ^fcl)a|fcuburgcr
9?^ceg erfcfetcn enblid) fogar im Drucf ")/ ble ^ifancr ^p*
tiobc iattt neue 9ieformarion6?3beeii geivecft, ber tvieberauf*
n^acl)cnbe ©tili ber 5öt|]'cnfd)aften brachte öuc^ in biefe bun#
feliTcn O^cgi'ouen mÜQcß neue Sid;t, unb ^aifer ?l}?örimi(ian
felbjl \)atH 9}?ut& unb 3»tere(|"e genug, bem aügenjaltrf;dtigcn
9iom neue ©cfe^c t)orfcl)reiben löffen ju wollen. SBieUcid)t
^drte er ben Deutfc^en geholfen, trenn fein fc^oner ^lau,
^rtblT ^u ttjevben, glücflic^ gelungen voaxc. ^:Bieltei4)t n?dre
er im 2lltcr planmdgtger t^dtig gevüorben, wenn i\)n «id)t
ber auebrec^enbe 9^efürmationö?@turm unb nac^^er fein ^ob
") tOietne^ QBiiTen^ i\i bte erf^e gebrudfte ©rfcbeinung ber (iciu
COrbafC : Concordata x>nncipiim nationis germanlcae. Cum ar-
gutneriLis sive siimmariis jamjam additis. Argeniinae. 1513. 4.
2Öimpl)el{n(\ gab fie berauei. d^ war ein großer Bd^xitt, U^
man fi'e nun enbltcb gebrudft Utte, aber wie langfam wir bem
^id)U euhjegenfcf^ritten ! ©elbfl QSimpbeliha c^ah bie (loncorbate
mrf)t in ber 33ertragö=5orm, foubern in^orm einer päl)illii1)cn
5öu((e, felbfl 2BtmpI)eltng Ik^ t^k bekannte ©teile oon ben dig-
nitalibiis majoribus unb pontificalibiis fo abbrucfeu, ha^ bic
eurialijlett^ Partie ganj genjonnen ©piel Wt^^ «"b aucf) er fj>
wenig ciU trgenb einer feiner QSorganger wufjte nocf) üon ®iiU
tigifeitö ; Ucberreften einer ehemaligen ^cceptafion ber ^iuUv
S)ecrete. 3)er Olfitaffeuburger 9^ecei3 beij^t Ui ibm Concordata
Principum nat. german. Xik sttJei er|leren ^uuifte lafTen \id)
baburd) entfcbulbigcn unb begreifen, er nabm hk Ur!unbe, wie
er \lc üorfanb; aber in. jener völligen Urfunbe einer gewiiTen
wod) fortbauernben ©ültigfeit ber 1459 angenommenen 55a^»
ler ©ecrete, wie fte von 1448 ^ii auf hk neuejle, wabre ober
»ermeinte (?ntbec!ung berab allgemein ftcf) finbet, liegt bod)
ein ftdrfcreö 2lrgument gegen bie ^ojeinung M S^cxxi\ t>on
^orix% aU man ju glauben fd)eint.
^♦99
ubcrröfd)t Wie» Uub wenn nur fein Siebliiiq, ^cr feine ^o*
Iirifd)e (^arbiiial $E)^att&auö nie^r Dcutf4;cu ^>atriotcii?iEiun,
niebr bo^ni poIttifcl)cn Si}?url) Qdjabt ^dtrc. 3}?it bcm ratllo?
fen 9}?ariniilian irar bicl öu^3urict)tcn, fobalb eine f)ü5crc
Scnfung i^u Uitcu , fobalb if;n ein planmäßigerer, ivcifercf
^aiin in feinen (Jntnjüvfen anebauern niad;te,
@o ^at immer nur uod) eincö gefehlt ^ bog ^eutfc^^
lönb frei \rerben m5d)te, fo Um immer öud) nur ein Un#
glucf ba^tuifctien , böj^ t>'u rei^enbfte grci^eitö ^ jpojfnuncj mig^
lang, fo finb irir über planen unb Jpoffnuncjcn unb klagen
ölt unb ermattet gcit)orbett, fo foü le^ten^ gar nod> ber un^
gebulrige Sut^er fd)ulb fci)n, bag ^k alte gebultigerc Partie
faR immer nod) tiefei* unter ha^ 3oc^ gebrückt trurbc, 2Irraer
SJ?ann! tüaö fi'e bir aüeö in'^ ©ra-b nacöfagen, mc fie über^
öll 53orn)anb i§rer ©d)n3dd)e unb ibrcr ^htf;lofigfeit ftnben!
9J?ug nid)t ^ule^t auci) ^aifer 3ofep& II. @d)ulb fetjn, luenn
ber S'mfer grci^ettö? ^-ntirurf mx ^'ntnjurf bUibt, mnn \iaS
neue aufgcf)enbe Sid)t, taf mit^hx ber Dlac^^SBelt Ieud)ten
follte, njie ein 3rrn?ifd) t>erfd)U?inbet, unb irenu man noc^
1883 5u erlabten i)at , mc na[;e eö t)or Junbcrt S^&rcn mit^
ber Sretbeit ber I5eutfd)en Äirc^e geftanben J^be, nur bag bic
^r^bifc^bfe nid)t coUegtalifd) genug mit bcn übrigen S5ifc^ofen
gebanbelt bdtten, tag ber neue Sreif)eit^^(5nttrurf gar ^u
ftd)tbar ^um 'iBovtbeile ber erfteren bcrcdjnet worben, unb ta^
ber mdt^tigjlc fat^olifd^e S§urfür(l ben $ab(l ?^>rotector gc#
mad)t babe*
Daö alte SKegijTer üon klagen, n?ie c^ fd)on bcm ^aifer
50tarimilian Dorgclegt u^iorben, n»arb fogleid) aud; bem neuen
^aifer ^arl V. auf feinem erfJcn 9^eid;^tage ju Stßorm^ aü\'6
9leue empfoblen; feine (Kapitulation, bie iftm ^ebauptung
ber (Koneorbate ^ur ^pflid^t itiac^te, war fcfcon borlduftge 53er^
32 '-
500
pci)frung, bog er för ^cbung berfclben bcmujct fc^n wolle;
fciti ^ct!urfni0, Surfen ? ^putfe gu feöben, unb ba5 ©elb, ba«
iiacl) Stom flog, ölö Surfen -- ^pülfe 5« brcuct)en, njor bie
ftc^erfle neue ©arantie feiner faifcrltd)en ^Sorforge; böö ^(a^
ßcn j 9icgt|lcr warb oft um* unb abgefc&rieben , In neue gor*
inen Qcbxadi^t, 1522 bem ^ah^ii überfc^icft, t>iel warb tractirt
nnb wenig gcricl;tcr.
O?ocl} i(! eö ntcl)t flar, xtk eö benn enblid) U\x\, ha$
man nac^ ftebcnid()riger ©cbult, tia ber ^pabjl auf ^unbert
^^cfd;wcrben , bic man i()m t^orlcgte, nie reblic^ unb runb
annvorten lieg, mt eö fam, i>a^ bie fat^oüfc^c gurfitn^^ar^
tie auf bcm grogen SReicfe^tage ju 2(ugöburg 1530 bem Mi*
fcr nod) einmal ein klagen ; 3^egijl[er übergab, unb tbatigcr
cU biencr auf fd}(eunigc 5lbfct}affung berfelben brang. Der
(^^urfurfi oon (^hln lieg ^mi S^^^re nac^r;er auf bcm S^eic^d^
tage 3U 9legcn^bnrg fogar i?on vermeinten ^oncorbateu
fprcc^cn, bie bnd) öom ^ab(lc nic^t gebauten würben, er
mad)te mit ipulfc feiner Sanbftdnbe in feinem eigenen Sanbe
^n(!alten, weil bie SKeid^ö^^Hnftalten gar ^u matt gicngen,
er lieg feine (Srfldrungen feierlid) inö. 9ieid)ö ^ «pj-otoFoll div
tragen, bag feine fatbolifc^e Drtboborie eben fo unbc^weifeU
bar^fepn m6d;te, aU er fein 23ifcöof? unb gurften »^ SKec^t
ungefd}eut aueuben wollte.
5Jian fab enblid), wa^ fo oft unb fo feierlich t>erbanbelt
Würben war, wa^ ber pdbjtlic^e Segate nur verzögerte, ber
^ab(l felbfl fo wenig iu Jcben £u(! i)am, aU e^ fein ^aiu
tuantfdjed ober 2lrientifd)eö €oncilium beben wollte, man fab
cnb(id) bieg alleö alö flare gerechte 55efd;werbe ön, über bcren
2lbbelfung nid)t langer er|! mübfam tractirt voct\im burfe,
man fe^te fid) fclbfi In Se|T^ fctneö «Rcc^t«, weil bem ^^abft
fein 55eftt^ nic^t etnmöl ein Interim« > 0?ec^t bl« sn gütlicher
501
ober fvnoba Ire entliefe er 53erglcid}uug (jcbeu Fontitc. ^cui Äof«
rat^e tc^ ^aiferö iijurbcu bic Sufiiltate ber rcidjöitaubifcijcu
fat^olifd)cn (Sonfcrenj vorgelegt, bi^ 1550 ^u ölugeburg Qt*
galten trorbcu war; auc^ btc 9iefultarc ber ircd>fclöti?eifeu
Sßergictdjung ber geiftlii^en uub ii}c(tlid;en fflt(;ülifd)en gurfreii,
wie man fid) bamalö suglcic^ »erglic^en Jatte, würben i()m
mitget^cilt; öuf ber ^afel bea !aiferlid}en ipofratbö lagen
bäht 2Ictenftücfe ^um täglichen ©cbrauc^. Olcbft bciben 2Ic*
teuftücfen lag bort öud) ber ^fdjajfenburger S^eceg, bcnn bkf
fer 9icce0 unb jener 2IuffaB, wie er 3U Slugcburg 1530 bem
^aifer überreid)t worben, waren bte SunbamentaNdJcfel^e ber
I5eutfd;en ^ircfee, bic wid)tigflcn .i:)eclarationen, nad) wc(d)en
bie 2)eurfc^c ^Irc&c ijr 53erf)altnig ^um SKomlfc^jen jpcfe be*
urt^eilt wffien wollte, hk ^paupt^CSonftitutionen, tuJd) weU
c^en ber ^^ofrat^ beö Äalferö ^u fprcd?en ijcrbunben blieb,
benn Äaifer unb ?Rdd) waren einjtimmig mit einauber, bag
jene 33efd)werben, vok fte fc^on 1530 bem pabftlic^en Segatcn
tnitget&eilt worben, aU obget^an angefe^en feijn foUten.
©0 feilte man eö benn auc^ 1558 gerbinanb I. in feine
^aifer » (Kapitulation , t)a^ alle biefe 55efd)werben gerabcl;in
obgcfc^afft, uub nie mejr ^ugclaflfen fei)n füllten; man mad)te
i5m btefe ölbfdjaffung ebenfo ^ur ^fltdjt, als bie S5fl;auprung
beö 2lfd)affcuburger 9?ccej|"eö fc^on feit 1519 (Kapitulationö*
53erpflid)tung beö^aifer^ war; beibe Sluffdf^e erhielten gleiche
^raft eine« Dcutfc^en SKeic^ö^^cfef^eö, unb tm (Kurialijlen
war eö ein Slerger, wie i^n ber ^ofrat^ bei .^aiferl bamalö
nur feiten gab, einfeitige ^rfldrungcn ber ^eutfc^en al5
©runb^(Kouftitutionen ber ^irc^e unb ©rdn^^af^egulatife ge*
gen 3iom aufcBen laffen ^u müfifen.
^'ö mag auf jene 5Ictenftüdfe , vok fte unbergeglicf) iu
bleiben auf ber S^eic^ö? J>ofrat5l.»Safel lagen, öon mancfeem
602
^urialifien unb t>on maiidjmi Sefuitcn 3agb gcmöd)t vooxf
bcn fcpn; e§ mag ber (Surialtfteiiif Partie mancbcn Bd)at>m
ger^an Jaben, bag in ber bortlgeu ^opic bce Sifd/üffcnburger
9lcccffe6 hk iricbtigc ©teile t)on ber ^al;l?Srcif)cit bcr 6tift^^
^ralaturcu t>olltg unt>erfdlfcbt uiib vjd)tig interpuiigirt paiiD;
ti mag fclbfl auc^) biefcö ein ©runb me^r gcn?cfcn fei)n, t>a^
man alleö aufbot, um beö n?id;tigcn 2lctenfiücfc6 ^D^cifter ^u
ttjcrben, — biö c6 enblicb bem frommen, guten ^MterSffuita
(Juc^ariuö gelang,
£)iefer treffltd;c 3efuite, tt»a5rfd)cinltc^ ein ^cttgcnoflc fei*
tier $5rüt)er ^eingdrtner unb Samormain, erhielt ben @e^
braud} biefer 2Ictenjlucfe, bie er fi'cb, ber ^immel weiß unter
irelc{)em 53orttjanbe, erbat, auebrucfli($ nur auf acbt 2:agc;
man trar tro^l bei einer fo furzen 5ßerlei5ungö?3fit t^ollig
unbeforgt; ein foId;er Slcten^^anb fd)ien, felbff aucfe langer
au^gelie&en, nid)t t>erloren gefKti su fonnen, meil haß SRcid)^^
^ofratjö^^rdfentatum 25. (September 1550 barauf jlanb,
weil man a\l6) ha^ concedatur R. P. Euchario S. J. auf
ben pergamentnen Ueberfc^lag notirt ^^tte, weil ber o^.te redjt^
mdgige Sigent^umö^Jperr auf ben erffenSSlicf immer erfannt
werben mußte, unb weil ber fromme ^ater, ber i^n al^ ejr*
lieber 9}?ann auf fur^c ^dt 3um ©ebrauc()e erhalten ^atte^
ein lieber guter ^aim war.
S)od) biefcö wichtige Slctcnflucf war einmal in frcmber
^anb, unb fe^rte au^ be6 Scfuiten S)ai\h nie mebr ^urucf,
crj! nad; 3a6r3e^enben !öm eö enblid) wiebcr bem bama;?
llgcn S^eic()^?5B{ce^^an3ler ^um 53orfd)ein, unb fclbj! audj
biefer, ob eö 9^ad)ldg{gfeit war, ob ci 3cfuiten?S«^d)^ ^^^'^
bie 3ffuiten bei Seopolb allmdd)tig waren, felbfl auc^ biefer
mad?te ^u feinem ^xmtf unb gamilicn^^igent^ume, xta^
503
unbcrmeilt auf bic Za^l Öc5 SKcid)5 ^ jjofröt^^ ^uräcfgclcät
»erben follte ^0»
©0 flaglid) irören beim alfo t)oii je^er fclbfl auc^ bic
littcrarifd)cn ©c^lcffale bcr allgemeinen ©runb? ©efet^e ber
S)eutfcl^cn ^irc^e; meijl ^aben m: crft nad) Sal^r^unberten
entbecff, njo unb tt>ie wir betrogen irurben; nur bie ®.efc()jcb;e
rdc^t un«, unb wenn benn aud) bie ©efc^td)te ijre i?oUej!e
9lad)e nimmt, fo entfielet erjl nod) bd engbrüfiigen J^^eifleru
bie bebcnflicbc ©cmiiTen^- grage, ob n?ir unö gerabe^in In
«inen 55e)t^ wieber fe^en burften, au^ bem wir i>or S^^rbun?
berten liilig gebrdngt, b^rauegelocft ober ^crauögcbro^t würben.
Einmal angenommen, wie eö wa()rfd)einli4) aud? nad)
ößer bi6f)erigen Srjd^Iung gewefen fet)n mag, bag unfere liebe
SJoreltern t>or brei()unbert Sauren bei ©d^Iiegnng be^ Slfdjaf«»
fenburger SJcceflfeö glaubten, einen wichtigen Zt)dl ber S3a3«»
Icr Decrete nod) gerettet ^u I;aben, unb sugleic^ bod) ber fRh
ttter bic ^ertragö?5öorte fo fd)lau breite, t)a^ e.vegetifcfe genau
genommen t>on jenen tjermeinrlicb geretteten S^lcc^tcn gar nicfct^
fibrig blieb — weldje^ 9\ec^t ift je^t unfer? ®ilt unfer ein*
feitig erfldrter S5e(i^? unb i(l nicfct unfer 25efi^ blog einfeiä»
tig erfidrte S5efi§ne6mung, ba ber ^ab{l aud> feit ben g^iten
ber ^?oririfd)en ^ntbecfung nie noc^ ancrfannt f^at, bag bcr
©enug jener uermeintlid; geretteten ^aöler ^ecrete nicfet iixd*
tig gemacht werben foUe? Unb wenn einfeitig erklärter 23e|tö
gilt, wenn cö gilt, alte 3f^ed;te, um tik man freunblic^ unb
*) 25tefe ganje 5^acf)ridf)t »erbanife irf) ber gütigen ^itt^eilung
be^ Jperrn @el). 3ujli5*0?ntl) ^ütter, bem fie »on einem un=
ferer größten l^atl)olifrf)en ^anonifien, gcrabe eben bem /^Wamie,
ber biefe^ iüid)tii}e corpus delicti fclb|1 nid>t nur ©inmat in
Rauben Ijatte, gefcf)riel)en «juröe. 23ergl. I)iemit SBüributget
gel. 2lna. fö^, jum 30. etM 1786.
504
Mub feiiiMic^) ejebem gctaufcfct würbe, gerabcjin iricbcr ^u er^
greifen, wer wirb bei ben QSööIer Decreten jlef)eii bleiben woU
len? 51Ber inconfequcnt nur bie i?dlfrc nehmen, wenn il;m
iiad; gleichem 9iecl;te tct^ ©an^e gebuf^rt? 51Ber nicbt lieber
einmal rein ^erau« mit ben SRbmern fprccl)en, t>6Üig neuen
©runb legen, weil boc^ auc^ nic^t ein @tein beö alten gun^
bamenteö liegt, üou bem nicl)t bicfe unb jene ^^ronif ^u er*
la&len wugtc, wk fcfelau bemfelben Siaum gemacht worben.
2)aö tjl'ö, warum mir hk ©runblagc öuc^ bc^ neueren
öufgeflarteren fatdolifdjen Äircfeen^Slecbtö, tok 3um legten
guubamentc bic ^poririfcfee Sntbecfung liegt, nie u«t?erbdc^rig
fejie unb ftd}er ^u liegen fcl)ien, ©ie ru^t offenbar nid;t auf
einem €oncorbatc mit bem ^ab\i, weil tk pdbftlidx ^inwil^
Ugung in unfern fortbauernben ©enug ber S5aöler ^ecrete
nic^t erwtefen werben fann, i^r fe^lt noc() eine ^rdmiffe, Ut
boc& gum fiebern fanonijlifcfcen ©c^luflTe manchem noc^ notj*
wenbig $\x fei;n fcf)eint; fte i|l nur ha^ Slefultat einer üor
brei^unbert 3^^ren gefc^e^enen einfctrigen (E'rndrung, beren
geraber ^Beantwortung ber fc^laue ©egent^eil unbemer!t ouö*
wic^, fte ift nic^t unt>er!ennbar flarer ^ttf)aU eineö mit bei^
terfeitigcr Uebereinflimmung entworfenen 53crtrage^, unb wenn
fte bicfeö nid)t ifr, wenn b^r (^urialifte burd) eine vorgezeigte
flarc pdb(llid;e (E-inwiüigung nicpt aum ©c^weigen gebradjt
werben fann, voa^ wirb gewonnen, wenn wir auf biefe ®runb^
läge bauen? 5Bcnn wir mit Sßiberfprud)c ber S^omer bauen
wollen, fo lagt unö aU weife ?9?dnncr bauen, t)k bem neuen
ipaufe fRaum unb Suft genug mad)en, bie nic^t i^ren neuen
fdjbnften ^lan burd) 2Inbequemungcn an alte ^lane cfenb
DerfJ&mpcrn, bic nid;t t^eilwcife erneuern wollen, wa^ nie
glücflid^ erneuert wirb, fobalö man c^ t()ct(wcif^ erneuern will.
m
XVL
9lod) ein 5ßort uUt Hc Slcce^tation ttt
aSasier (Sct}lüjfe, aU ^im&amental^ ^on^
cdxM Der ©eutfd)en :^ird^e mit t)em
Svomifd^en @tul)(e --'O-
Die gnJfif^I t)ie ic^ (im t)or6er9e5enben Sluffö^e) gegen
eine ber intereflfante(!cn neuen ©runb?3öeen beö Dcutfc^ !a^
t^olifct)en ^irc^en^Stec^tö in ^Inregung ^u bringen fud)te, Jö'
ben mehrere neue Untcrfud)ungen biefcö (^tgcnftönbc^ üeran?
lagt, unD befonberö burc^ t>k ©cferift be6 ^perrn D. 9J?obl **)
ftnb mand)e (Jiiittsurfe gehoben, möncl)c bieder minber erörterte
gragcn fo in^ ^lare gefegt njorben, bog id) mid) fclbjt be6
neugenjonncnen Sic^tö nid)t nur Einmal freute, ©enn ic&
«oc^ ein Stßort t^a^u fagen m5*te, fo ift e^ nicfet, um no(^
*) 3lu^ g)ieiner^ unb (B^ittUvi ©ötting. I)i|1or. ^Oiagajin
93b. 4. (B, 151 — 169.
**) SBemerhingeu über bk neueflc ®c\d)ui)tc tn 5)eutfc^ frttl)olt«
fcl)en ^irrf)e, unb befonber» über bie ^-rage: in wie fern btc
95a^ler T)ccvetc I)eut p ^lagc nod) gültig fet)en ? 95erfij0t t)on
' 23. ^. gjiC^I, K 5^. S5octor. Jtanffurt unb geip^ig 1788. 8.
606
einmal ^u mi^'mn, wo id) glaube, tag ber (Sinn bc« ^in^
njurf^ eerfe^It tvoibcn; für t)te, um bercn S5cifall oöcr Q:uu
fc^eibung cö in biefcr @acf)C ^u t&uu ijl, finb foId)e ®cgcn^
crcepttonen überfluffig, 9lid)t um neue 9cfcl}arftere (Slnirurie
vorzubringen; benn jeber mögliche neue ^innjurf mugrc fic^
in feinen ^auptr^eilen boc^ nur auf tai grünben, voa^ fi^on
gefagt rcorben» Olic^t um e^ fühlbar ^u macl;cn, bag ber
gan^e ©treit ntd)t foiro^I anf SlQa^rncbmung tc^ ganzen
®ange^ ber D^egociation unb auf bcn Solgen beruhe, t)k )\(i)
barauö |ier leiten laflfen, fonbern bie «ißorte ber Urfunbe
fei b II muffen erlogen werben: ob biefe bem ganzen ©ange
ber 9^cgociation enrfpred)cn? Ober ob t?iclleict)t abfid;t(ic^e,
t)icUeict)t zufällig gelungene S!dufc^ung, gerabc am S'nbe ber
ganzen D^egoctarion , o^ne bag man e^ rca^rnajm, t)a$ fo
lange im 2Iuge bel;alrene ^^''uptziel t)errucfrc?
53on allem biefem fein SBort. üluc^ nid;t^ babon, bag
man überhaupt me^r auc^ auf ^pebung beö gemad)ten d'nu
lüurf^ benn auf neuen, fe(!eren ISeipei^ beö behaupteten
©ageö ^ättc bebac^t fepn follen: fonbern auf einige neueöei?
ten jener fogenannten neuen ©runb^^been mbd)te ic^ unfere
@cfc^ic&tforfd)er unbÄanoni(Ten aufmerffam mad;en; t)iclleid)t
i(! eö moglid?, unfere fanoniftifd;e polemica antipontificia,
bic in i^ren ^Ib^wecfungen fo gercd)t i|!, aU mbglid), auc^
in i^ren 2Irgumentationen fo gcred)t unb fo metftobifc^ zu
tttad;en, aU billig jebc^eutfd)e ^olemif fcpn foüc,
Die cr(!e %xaQC foü alfo biegmal fcjjn:
,,5Baö ijl benn reiner ©enjinn, wenn man bie t)on ber
,,Deurfdjcn 91ation 1439 acccptirten SSa^ler X^ecrete aU t?er^
,jragmdßigcö ©runb?2^cgulatit) beö 53cr^dltniiTc^ ber Deut*
„fi;en ^ird;e zum 9i6mlfd}en (Stul;le anfiele? 2öclc^e (ca^c
„furchtet man z« verlieren, wenn jene fo berühmte Decrctc
607
,,nicfet mct)x öl3 gunbamcntal^^oncorbat mit bcm SK&mifc()cu
„^tü\)i gelten follcn?"
3rre id) uid)t, fo i(l bcr ©cttJtnn fiberöuö fleiu, ber
53crlujt, bcr baraü^ cntfpringeii fonntc, ifl uubebcutcnb. CEö
ift ucbmltd) i\id)t hk grage, ob jene Decretc gar nic^t rae^r
gelten follten, fonbern nur, ob fte aU befonbere ^Sertragö^^lr^
tifel mit bcm »'Pabft ober alö allgemeine Äircfeen ? ©efelje m»
^ufe^en fei}en.
Unldiigbar t(!, xöc()t 9lean^S&eiIe biefer Decrete fann
man, unb mu§ man alö allgemeine ^irc^en*®cfel^e aiifcftcn.
^ein ^urialijte fann i^nen biefe i^re ^ßoUguItigfdt abfprccben,
öud) rcenn feine befonbere DlationaUSlcccptation entliefen
irirb, itjcnn feine ^oncorbaten * Q3e3ic5ung bargerOan werben
fann. ^ö füib ^oncilicnfci)lüiTe, bic cbebcm ber ^abjl felbili
oU ^d)lh\fc einer öügemeinen (Si)nobe, alö allgemeine ^ixf
d)en ^©efc^e erfannt f)at, bei beren 5lbfafl*ung oft fogar noc^
feine eigene Legaten t>üi großen ©»nobaU ^erfammlungen
prdfibirten.
5ld)t Üleun j S^^eile jinb alfo gerettet, tta^ ffeptifcfee SRe*
fultat fe^, ttjelc&eö eö wolle» ©cl)arf unb tvabr gerechnet,
einzig nur bk Decrete ber Siften (gejfion liegen noc^ öuf bem
6piele, unb ireil mau freiließ groge Urfacbe Ijat , gegen bic
S^omcr, tk burc^ tcn fonbcrbarjien ^alcul leicbte Pfennige,
welche n^ir i^nen fct)ulbig fepn mögen, in fcl)rcere S^alcr ^u
tcrmanbcln ttjijfen, aud) nid)t einen «Pfennig, nad)3ugeben,
fo bleibt immer nod) bk grage \)hd)^x irii^tig, ob benn, menn
man jene ^oncorbaten*^e3ie^ung öufgibt, ob jene Decretc
ber 3iften ©effion för bk grcil;cit ber 2)cutfct)en ^ird;e ter«»
loren fct)en.
Slllein, nur alfo ben 25ecreten ber Sijlten ©cffion giltM,
unb biefe finb folgenben Jn^altö:
1) Der ^abjt foU funftig^in feine gratias expectaiiras
508
unb nominationes miUv Jingcbcn, unb öÜe reservaliones
particulares, ble cntvüeber er felbjl ober einer feiner Segaren
ftc^ erlaube, follen funftig^in ungijitig fet)n.
2) 3ßbe erabifd;5fric()c unb bifc^oftic^e ^ird;e foll runf*
tiQ^hx einen Z^coloQcti Jaben, ber fid) burcl; Sebren unb «Prc*
bigen nu^Iid) beireife, unb öuger biefem foüen in jcber Dom'
ober ©tift6fird}e ein Drittbeil ber ^rabenben, fclbp bic Dig*
nitdten bicruntcr mitbegrijfen, grabuirtcn ^erfonen i>orbcbal^
ten fet)n, unb ^n^ar nac^ einem befiimmten S^uvnu^, ber mit
ben ©rabuirtcn önfangt*
3) 5Ille t)ov!ommenben ©treit^gdlle <^') foUen an Crt
unb <StelIc tjon ben SKic^tern unterfud}t werben, benen e^
tiad^ SKec^t ober ©cnjobnbeit ober einem befonbern ^riüile?
ßium ^ufommt; btebci öu^genommen bie im 9^ecbt au^brücf«»
lic& benannten Caussae majores unb SIßabl^©a(^en ber ^a*
t5cbraU^ircf)en ober ber ^Ibfter, tk bem 2(pD(IoIifd)cn ©tubl
unmittelbar 'unterworfen finb.
4) (iß i^ burd)auö nic^t erlaubt, bei irgenb einem ^ro?
ceflfc eine Suflanj gu tiberfpringen, ober t>or (S'rgebung beö
^eftnitiö^Urtbcilö ^u appellirem
5Jon biefen bier^Zummern bleibt tk erffefur fid) fcbon geret^
tet, wdl fc()on in bcnDecreten einer üor^ergebenben©effton'"""9.
*) In partibus ultra 4 disetas a Romana Curia distantibus.
**) Decretum Sess. XII. de Electionibus :
Propterea sacri Canones Spiritu Dei promulgati provide staiue-
runt, ut unaquöeque Ecclesia ac Collegium seu conventus sibi
praelatiim eligaut. Quibus lisec sancta synodus eodem Spiritu
congregala inhaerens, statuit et definit, generalem reservaiio-
nem omnium Ecclesiarum metropolitanarum, caihedraliiim, col-
legiatariim et monasterioruin ac digiiiJaium electivarnin per
RomanumPontificem de cetero fieri aut facta uti non debere,
reservationibus in Corpore juris clausis etc. Unter ben me^rc*
509
bic aU öKgenieine ^ird)cn * ©efe^e gelten müflfen, böö eigene
S[ßa^l^lKccl)t ber Kapitel unb ©tifter fo feterlid; gegen oUc
S5ecinrrad}tij5ungcn fcjlgefel^t i\l, bag pdbjllidjc (Jrfpcctön^en,
vdbrtlid)e Dbminationcn unb jebe aiMxc pdbftlidK Unregel^
mdOigfeitc» biefer ^rt i>on fclbft ^intticgfdnen muj]"en»
5öa6 bic zweite 9^ um nie r betnjfC fo ^ireifle ict), ob
man (tcti um biefer willen fo groge 9}?ü6e geben n?ürbe, ble
93a(Jler I>ecrerc jum gunbamental^ €oncorbate mit bem 9lo^
mifd)en ^iii\)k ^u mac()en, 3(^ n?ugtc «»enigpenö bem (5u#
vifllillcn nidjt ^u repliciren, ber öUe jene mannic^faltige Äla*
gen iabcr bic dihmi\d)c 9f^id)t* Spaltung unferer (Soncorbatc
mit ber gragc ^u beantttjorten Suft ^atU: „ob benn tt?ir
,,Seutfcte biefen ^Irtifel gehalten Ratten? £)b ci un^ benii
,,(J'rujl fe^, enblid) einmal 2lnftölt S" machen, ^u Erfüllung
„beffelben? ob benn öuc^ nur einmal i'in ^dtpmxtt gettjefeii
,,fei;, ha man biefen Slrtifel gehalten "^aUl ob man nic^t,
„feit ©d;Iiegung ber ^oncorbarc mit bem ^eiligen ©tufele^
„bon ©eneration ^u ©enevation biefen Slrtifel immer tt?eni*
„ger gehalten \)ahcV*
X^k öierte Plummer, gerabe ber ^m\lt, jim bejTenti»
rrillcn man boß ^leinob reitt fejtl}alten will, beffen Slnben^
fcn aud) in nnferem Zeitalter t)k ©ac^e auf*^ Oleuc rec^t
rege gcmad;t hat, t)k t>i er tc Drummer \\i fo gemeinen
9tect)tö, ber Sn^alt berfelbcn fliegt fo gan^ au^ ber Oiatur
ber <gad)c felbft, bag beg^alb gar fein bcfonberer sQcrtrag
mit ber 9^ümifc^)en ^uvie not^wenbig wirb. Unfere ^orbdter
rc« ©uDftbtcn unb ^(r^umentcn, \m al(e^ ha^ , \m$ in biefer
erilcu ^fumnier entl)alten iil, gerettet werben fann, l)aU iff)
nur biefei^" etnjige anciefüört, tn^ freilief) itnmer noc^ einige
Surfen U§t, bte aber leicht burcf) aubere 3lriiumente erciciusfc
ujcrben Hwmn, mt leirf)t jeber Kenner fiel)t.
510
mocf)fen u6cr einen ^nncr biefcr %t paci^ciren; fic, bic norf)
bei ^fcubifiborifc^cr 5)?ilcl) unt) ©peife öufer^ogen irorbcn.
5ßir ^abcn feinen 53ertra3 n5rf;tg, bcnn bie ftd)cr|lc ©iunnrlc
unferö 9xccl)t6 Hegt in ben erj^n, unbejlreitbarfren S«»^flnienf
tal i gegriffen ber far&oIifd)en j^ierörd;ie, irie fie gegenn^drtig
fclbjl ber (5uriaII(Ie nid)t bezweifelt, unb wie man fie fcl)ün
unfern ©djulern beibringt. Sßo mag irgenb nod) ein ^ano*
tiipc felb(! in 35rud;fal ober in greijftngen fic^ ftnben, ber
bic ölte @age nad;fu!;re: ber ^abjl %o,\>i concurrentem ju-
risdictlonem mit allen geifilidjen ©eridjte^ofen in Deutfc^if
lanb; cö fei; nic^t gegen 9^ed)t unb 9f^ed)tö ^ gorm mit Ueber^
ge^ung ber bifd)Dflid)en ober er5bifd)üfltd;cn ©cridjte gerabebin
nac^ 9^om fid) gu wenben» ©ewig i(^ eö dw^ nid)t bic 5lßir^
!ung einiger er(t in unferem Zeitalter neucntbecffen Urfunben,
bag wir cnbüct) '^o^xw gefommen (inb. Die allgemeinen rcd)t^
liefen begriffe babcn jtcf) überhaupt mebr aufgeflart, \i\t alten
^iftorifcfecn ^'ntbecfungen, wober jene SJ^einung t)on einer fol#
d)en©eneral^^oncurren3 ber pdbftlidKn ©erid;r6barfeit fomme,
Jaben enbli<t gewirft.
Unferc 53ort)dter ^cnXXtxx ein bofeö 8piel. ©ie, bie nicfct
wugten, wober "^ol^ wilbc 23alb j; SßajTer an^gebrod)en, 't^o.i
tbrc fc^onjTen blübcnbften gelber tjerbcerte, fie Ralfen fic^
balb ba bolb bort burc^ einzelne I5dmmc; wir Jaben
ben ^la^ felbjl entbecft, wo ber erflc ©trom loöbrad), unb
tixt einzelnen Stamme, bie o^nebieg oft nur '^iw «Strom mebr
\\o^6:) anbern ©cgenben ^in^wangen, alö ubllig ab^uwenben
Dcrmoc^ten, ftnb unö unnü^c geworben. Ju unfcrer ^orbd?
mjett war eö funbbarc @d)ulfagc, xqol^ alleö lebre Don x><>^^''
li^er 9}?ac^t?^ollFommenbeit ber altebrwürbige 5?err Sflöoruö
xvi feiner feinen ©ammlung t)on Äird)en ? ©efeöen, unb unferc
S3d(er, t>\t fid) ber ^prdmilTen nidK erwebren fonnten, crwebr*
ton ft'd) wenigftenö ber ^onclufion, fo gut cÄ nur möglich)
511
war, 5Bcr aber in mi^cxctn^ütaltcx, \mr wirb'ö ttjagen woU
Uli, jene ^rdnitffcu noct) iDcitcr^in ^u bröuc^enV ^it ttirb
auö V*<il>i^^ic^fr 9}iacl)t^^DUfommcn6cit pfcuDiftborifc^eii gt>
nieutö, wcx barauö irciter^iii etiraö fdjllc^cn iroücn gegen bie
erjlcn, cutfdjicbcnften 55egvlffe fat^olifd;er jpterarc^ic? Uub
tt?eun eö benn ein fcljamlofer 2Ibuocat im einzelnen gaße ^u
t^un voaQt , trenn irgenb ein einzelner ©c^rlftjleller, bcm c5
tm ^opfc ober im Äer^en, ober an betben ^rren ^ugleic^ fe^It,
j^nn ber nod) CEoiiclufionen feft galten mü, für t)k ldng(l
^^^ne ^rdmijfen me^r ba fmb, fo i|l feine SSiberfegung mit
brei Porten fertig, unb beffo flarer bargelegt, je me&r fic
au6 bem 3«"^t'f^«« ^^^ ^aäi)t fclbfl unge^njungenfl cntiricfelt
tt>crocn fann. 3'cl) ^iveiftc fe[;r, ob e^ gut ifi, ©efege bß ^u
citiren, n?o ffc^ bie ^adK nac^ i^rer eigenen ^ätüv i>on felbft
ergibt. ^'^ gibt ber SBijfenfc^aft unb enblic& felbj! auc^ beti
topfen, bie eine Qßiflfenfc^aft fo treiben, eine boc^l^ ungliacf^
lic^e Sofm, wenn man aU pofuioe6 9\ed)t anftcbt, unb burc^
Dieleö @cfe^c?^itiren gleic^fam sum pofiriöen Sf^ec^t mad)t,
n?aö fc^on unbepreitbar auö berOlatur ber ©acfee felbj! fliegt.
Olie fann Id) W^ci beö ^rebigerö t^etgefifen, ber crjt auö hihf
ii\d)m (gprud)cn U\m^, ha^ alle ?Oienfct>cn — ßerblid) fepen*
60 ijl hcinx a'dm nur noc^ ti'U bi'ittc Plummer
übrig:
i)ag bei allen borfommenben ©trcih gdllcn (in partibus
ultra quatuor ^iaetas a Romana Curia distantibus), bog
b'u (gac^c an Ort unb ©teile t>on benjcnigen 3?id)tern un^
terfudjt iverbcn foHe, benen cö nac^ 9icd)t ober (^c\vol)\u
f)i'\t. Ober irgenb einem befonbern ^riöilegium ^ufommt;
Riebet aufgenommen t>ic im TRtd)tc auöbrucflid) benannten
causae majores unb Söa^l^ 6ad)en ber ^om^^irc^cn
ober ber Älofler, bie bem apojlolifc^en 6tu5le unmittelbar
unterworfen jtnb.
512
Unb and) ha bicfcr britten i^unimcr gilt, tva« fo eben
wegen t)C^ Dor^ergc&enben ^unftö erinnert njurbc. Der ^abjl
»erfprtcbt ^icr nur, ein fonjl fc^on befle^enbe^ fRid)t, eine
fc^on öoröanbcnc ©ctro^n^eit, ein ^riijilcgium, ta^ fcl;on ba
i(!, 3U refpectiren. (5r V)erfprid;t 3U galten, iraö er o^nebieß
nie — nic^t Jalten foUte, ^ö foUte nic()t erj! dn 5ßcrfprecbcn
biefcr 2lrt nbt^ig fei)n, weil eö fo flar i(i, ein gaü, ber am
9lieber?9?6eine ftd) sutrug, !ann weit beffer öm Dlieber?
9flf)cine unterfuc^t werben, benn an ber S;iber, unb weil eö
bemnad) sur errten, Jeiligjlen ^flid;t beö oberjlen ^ird;en?
9lid)tcv6 gebort, nld)tö fcl;len ^u löffen, wa^ ^ur fc^leunigeren,
juüerlagigeren wofelfeileren ^u^'i^ fij&ren !ann.
^ft fc^eint c^ mit folc^en Vertragen, ^k 25eutfcblanb
mit SKom fd)Ioß, nid)t befler ^u fei;n, aU mit unfern Deut#
fc()en $anbtög^?5Ibfd;ieben. Der burc^laucfctigfte Sanbeö*j)err,
t>on bem man fid) er(! fcbriftlic^ unb eiblicO t)erfpred)cn löjT^n
mug, baß er bk (?5ered)tig!eit reblic^ verwalten laffen wolle,
ha^ er feinem Untert^ancn tai ©einige rauben wolle, unb
ta^ er fo DZimrobifd) nld)t wirtMc^öften wolle, aU ob noc^
t)or bem ^a^xc 1800 feine 9lac^)welt me^r fepn werbe, ber
Sanbe§'^?crr, ber alleö biefeö er(I Derfprec^en foü, ber i|!
oßncbicß fein 9}?ann, beffen man jtd) burd; ©efeße unb
Verträge t>erfid)ern fann, Die feierlid)ften QSertrage, fobalb
er nur feinen i)J?oment erjte^t, finb i^m nid)t ^eiliger unb
!5nnen iftm nie ^eiliger fet)n, aU \f)m bie flarjlen ©efe^e be6
wnbeftreitbarflen 9latur^9^ed)t3 fe^n follten» 9^id)tö ift am
^nbc and) burd) tk feierlid)(^en 53ertrdge gewonnen, alö bog
man fagen fann: (5uer ^?od)furftL Durcl)laud)t ^aben nic^t
tiur bic crpen ®efegc ber DIatur, fonbern aud) fd^riftlic^c
5}erjtcl)erungen unb 5}ertrage 6ulbreld)(t i>ergc|Tcn.
©0 wdre ölfo and) ber 3»Nlt ber oben öngefö^rten
britten D^^ummer 6i»Idnglic(; gcftd)ert, wenn irgenb etwa«
515
(tc^crn Ulm, waö i\\d)t gerabc gcfd)rtcbencr SSertrag i(I. Unb
fct)on fc{)ltmm genug, iveun Die 6ac^e alö 53ertrag betrachtet
werben foUe, bag bic Causa3 majores neb(i ben 5Ba^I?@a^
c^en bcr Donw^^trc^en unb bcr bcm ^cü. @tu^l unmittelbar
untern?orfencn ^loftcr fclerlld) öu^genommen ftnb, ^Icr ge^»
rabe begegnen mir un^, warum c6 mir nid^tö weniger als
glcidjgültig fc^eint, ob man blefc ^öaelcr 2)ecretc nH Z\)ük
cineö orbentlic^en, mit bem ^ab\t errid)tcten ^Sertragö anfielt,
ober nur alö allgemeine ^\ird)en * ©efel^e annimmt, unb war^
um id) aud) glaube, ba^ bic le^terc ^axtk, bei ber man,
wie id) gezeigt bßbe, nicfet^ berlicrt, fogar noc^ gcwinm^oller
für bic Srci(>eitcn bcr S)cutfd)en ^'v:dn fetjn muffe»
Unftrcitig ftnb tn hcn occcptirten 23aöler 2)ccreren ^k
unb ba nod) fel)r ftarFe 6^urcn ^>feubiftborifd)er ©runbfage;
unüerfennbare SKeliquien eineö ^ircbcnred)tö , ta$ ftc^ auf
falfd}c ^iftorifcbe ©uppojttioncn grunbcte. ©er alfo jene
alöDeutfc^e ?Rdd)^f unb ^trc^en^^efe^e anfte&t, alö orbent*
^Jic^e mit bem^abjt errid)tete 53crtrdgc anficht, ber gibt auc^
^^en inficirten (Stellen berfelben eine beilige Unöcrle^lid)^
feit, bie feine !ritifct)e 53crbefl[ernng ^uldgt; benn fe(^ unb un*
j?erbrud)lid) hUihtf m^ einmal in bcm wec^felöweife Derabre»
beten 53crtragc ftefjt, ob aud) bic Q:iM entbecften, ha^ ber
^ contrabirenbe ©rogbatcr auf eine unrid)tige ^rdmiffe bi"/- bic
er nic^t binldngüc^ ^n-ufte, in mand)t Slrtifel jeneö ?öertrage5
gewilliget \)ahe»
Sßie anber^ aber, wenn man bicfe SSaöler 2)ecrete blog
öl^ allgemeine ^irc^cn*©cfc^e annimmt, bic öon einer allgc^
meinen @t)nobe, jum 2:beU anerfannt t>om ^abjl, jum ^^beil
unter wirflicfeer S[l?ttwir!ung beö ^abfc^, errichtet worben
ftnb, ^in ®efel^, ba^ ber ©efel^geber fid;tbar in alleiniger
S5e5iebung auf eine falfc^e ^rdmijTe gab, bebt ftcfe t^on fclb(l
Wieber, fobalb bic Unrid)ttg!eit jener ^rdmijfe t>5llig enthüllt
©pittler^ fämmtl. SBerfe viil. «BD. 33
514
ift. Ul\ä)t fo bie ^Smibi'öFcit eincö ^Bcrtrögl, vocil immer crft
tiocfe beiricfen Ji^erbcn mügte, \va^ imwa^x xüd)t leicht ill ju
bettjetfen, baß bcr contra^irenbe Zlnil tU \Ximd)ÜQhit jener
^rdmiffe nic^t fjabe ciitbecfeu fonnem
Die Untcrtl>anen, benen üor 3a&rf;unberten ein foIc()eö
G^feg gegeben würbe, liatten bamalö feine ^fii^t, bk S3un^
bigfeit b^ 9}?otiDen, öu^ tüelc^en haß ©efej^ i&crflog, tjorlauffg
5u v^rufen, 9^id}t fo bei einem SJertrage, wo cß erfre ^flicl;t
jebeö contrajirenben Zf)dlß if!, bie ^rdmijjen, in bercn SQoxf
öuöfe^ung er fcl}liegr, forgfditig ^u :grüfen. Die Untertjönen
^aUn fic^ burd) einen nod) fo lange bauernben ©c^orfam
gegen ein ©efet^ bicfer 2Irt für hk 3uf«nft nid)t0 vergeben,
xüd)ti für ben glucflidjen 5l}?oment vergeben, trenn fie nun ein^
mal ^ur ^'ntbecfung ber falfc^en ^rdmiffe gelangen, ©iej^oi*
rcn öuf, fobalb jene ^'ntbedfung gemacht ifi, jene auf falfd;c
53orau^fe§ung fi'c^ be^ie^enbcn (^teilen beö ©efe^eö $\x erfüllen,
unb e^ i(! ntd)t Untreue gegen baö ©efc^, nid)t Unge^orfam ge*
gen ben ©efe^gcber, iDenn fie ton nun an blog bi^ ©teilen nod)
bcobac{)ten, hk nic^t au^ jenen falfd)en ^rdmiffen Jerfloßcn,
@o ifi'ö alfo n?efentlid)cr Unterfd)ieb, ob man biefeS3a^^
ler Decrete aU allgemeine ^irc^eu * ©efel^c önpefet ober al^
SIrtifel eine^ bcfonberen ^Bertragö, ben Deutfd)lanb mit bcm
9^omifd;en (Stuhle gefc^lojTem 60 i|! bie erfle Partie vrcit
bie gen?innt)ollere, benn mir er^clten burcb fte in ber %l)at^
alle^, wai mir burd) ben eingenommenen befonbern 53ertrag
5u gewinnen glauben , unb mir behaupten benn haß 9\ed)t
nocb, nicbt ^er^id;)! tbun ^u mufl"en auf bk beffere Sluffldrung
unfereö Zeitalter«» Sffiir (freidjen ^inmeg anß bem alten ^ir^
c6en^Q5efc^e, ma5, mie mir gemi§ miffen, blog burc^ Unmif?
fenbeit be^ ©cfe^geberö jener Reiten f)ineinfanu SSir ucrei^
nt^en bie 53ort^eilc ber grcimur^igfeit unfercr 53oreltcrn mit
t?«n Sportteilen bcr ^luffldrung unfcr^ Zeitalter«. SBir finb
515
ungcbunbcne Seutc, fclb(! öudf) öuf tcn göü, trenn t)ie SJorfeJ*
ung noc^ me^r Sid)t nnt> nod; mönd)e, öud) im ^irct)enrcctte,
neu aufflarcnbc Jtfiorlfd)c ^iitbecfuiig fc^cnfcn foUte*
Sn bcr Jüagc, in bcr trir mit bem ^abfte ftnb, unb \d) mhd)ti
fa|! fagcn, t)on je()cr «jörcn, ^at möu fiel) t)or nic^tö me^r
5u ^uten, al6 t)or einem orbentIid)en 53ertrage. ^r ftrirt gu
t>icl unfer 5ßer^dltnig ^u bem 9\omif(^en SpU, ojne bag ftd)
bcr ^ab\l, in feinem ^Scr^dltnifl'e ^u un6, gleich böuernb
firircn lagt* SBa^ wir in jebem Vertrage, ber gefcfelojfe«
iüirb, augeben ober nad;gcben, \:>a^ wirb öIö ©clbf^befenntnigi
öngenommen, ta^ wirb ol3 eigen ^ugefronbcne ^flic&t genom^
men, wenn el öud) noc^ fo grogmut^ige 9^ad)giebigfeit war;
unb Mbd bod) nid}t üergeflTen, nuc^ ütca^ ju nehmen ober
3u forbern, x\)a^ uaä) (Irengcm 9f^ed;te nie geforbert werben
fonnte.
^in feierlicher 53ertrag firirt ^u ml d'^c feierliche 53er*
trage ba^wifc^en famen, (jarte unfer «Bcr^dltnig jum fRomU
fd;en Jpofe, wie alleö waö blog burd) allmd&lic6 entj^e-fenbe
C^bfcrbanj wirb, einen gliicflic^en »IBectjfel M me^r unb min*
ber fcft angebogenen, unb eine wunberbare S3ilbfamfeit, tik
freiließ ber ^abj! felbfl aud) oft genug benugte, tk ober
aud) wir manchmal nugcn fonnten, unb t)k unö mit bem
gortgange ber Sa^r^unberre ftetö benutzbarer geworben
Ware« Unfer gan^ea ^er^dünig ^um Oiomifc^en ^ofe war
ein Äinb ber 3eit unb ber Um(?dnbe, SBa^ fo geworben ifi,
ilitbt gerabe auc^ fo wieber am Ieid)re(!en ah, SSenn wir
nie einen «öertrag mit bem iJ^omifcfeen X?ofe gefc^Ioflen W^
tcn, fo waren wir i>ieaeic^t mc geitlang mebr mig^anbclt
worben, al$ nun gefc^e^en ij!, aber ^umlafiQ würbe un^
auc|) t^a^ Srciwerben leichter, aU cß nun ij!.
5(uö biefem ©tanbpunfte betrachtete ic& bie gan^e ©ac^e,
616
aU id) biegröge aufwörf: ob c^ i\\d)t Bcflcr tt?are, jene$8aö^
Jer Decrctc Mog ölö ongemeiiic ^irc()en^©cfe§e an^ufc^en;
tenit öla ^?öuptartl!cl eineö mit bcm ^^öbjl 9efcl)Io|Tenen,
orbentllc^cn ^ertragö, !OTtr ivar I;alb iriüfommen, ^u ftiii»
bcn, bog ble )?dbftllc{)cn ^^cgociöteurö bei 2H)fö(Twn3 ^^^
5Ifd)affenbur9er Sieccjfee folc&e Srrglijl gebraud)t Rotten, ble
einen fejlen ^en?elö uuferer t^om ^abj^ öuf etvig^in aU
gültig aiievfa nuten 5lfcceptation bcr S3öeler 25ecrcte un*
moglicö mad)t» Die ^rgllf!, ble unö t)or Diertftalb 3a^r()iui*
berten fcfeabcn fodtc unb unö tt)trflic^ aud) fnf! i)iertf;ölb 3a|)v;
l^unberte lang gefc^öbet f)at, bk foüte nun, ^um rechten Jicle
gelenfr, xvk biüig tt?ar, i^ren eigenen ^crrn treffen,
Unfer I5eutfc()eö gcle^rte^ ^ublüum fd)eint ober nirgenbö
it>en?ger, qU gerabe in folc^en anttcuriölifiifc^en gorfc^ungen,
an frttifc^e unb ^i(Iorifd)e 25ebac^tfam!eit genjo^nt ju fci)n.
3d) hin eö ^wav f;oc|)(id) aufrieben, bog enblid) eiumöl nud) flir
ben ^abj! ^örte Reiten gefommen iint>, benn er f)at funrn^r
un^ Deutfd)en knge genug ^arte geiten gemocht; ober fclbjl
öud) mit i^m, bem grüßten geinbe uuferer greiE)eit, lagt un^
nad) Urt^eil unb 3^ec^t »erfahren; bie grage ift nicfct allein:
xvaß xv'iv i^ra f($u(big finb, fonbern aucfc, voa^ trir unö felbfl
fd)ulbig fuib.
gur^probc, \vk rcir Jjergeflfen fennen, baß irir eine ganj
unpnrteiifd)c Unterfud)u,ng uuö fclb}l fc^ultig ftub, fo fe^r
njir aud) berftc^ert fet)n bfirften, bag gerabe tk aüerunpar*
teiifdjffe Uuterfudjung uu^ am allerg iinllfgilen fa;" muffe.
J5er gelehrte J?err '^j.Vofeffor Xpebberid) in Sßonn, einer un^
ferer bortrefflic^ften unb fd)arffinnigffen ^anoniflen, ^at in
einer jungft erfd)ienenen Diffcrtation -"0 mehrere ^inirurfe gegen
*) De jurihus Ecclesia? Germanicap in conventu Emsano expH-
catia et de jure Avchiepiscoporiim circa beneficia mensiuin
517
meine ^ijpotdcfe in SInfcJjung ber $8aMer I^ecrcte gemad&f,
unb feinen leisten, bringenbf^en ^Jöuptsß'innjuvf öuö einem
aSriefc beö ^cneaö (gt)lDiu^ hergenommen; t>u (Stelle, trie
er fte gibt, \\t folgenbe :
Fuit denique compositio facta, in qua nos imperato-
rio noraine interfuimus. Eam certam legem declit deinde
inviolabiliter observandam , per quam aliqua ex decretis
Concilii preedicti (Basileensis) recepta sunt, et aliqua
rejecta,
Unb tnenn freiltd) ^cnea^ ©^It)iu^ 1457 an ben '^ahxf
5ifd)en (San^ler fÜJartin 5?Zci)er biefe SBorte gcfd}rieben iatUr
fo tt)drc ^k gan^c (Streitfrage entfcl)ieben» SSer belfcr, all
Öleneaö ©i^biul, fonnte ben ganzen §ergang ber ©ac^e ttjif^
fen? 5öer beffer, aU er, alleö ?3er6anbelte fummarifc() anßf
briadcn? Ser glaubnjurbigcr, a(6 er, bie tJorn^abiT auf e\rig?
Jin alö gültig anerkannte 2Jcceptation ber S3a6ler ^ccrete öer^
jtd)ern ?
^eitt g^eifel foUte entfielen fonnen, baß hu ©teile bei
Qlenea^ (Si)luiuö ivtrüic^ fo laute, afö ^crr ^cbbcricfe fte an^
gibt, benn er lieg bie ©teile gan^ abbrucfcu; er fear fte bem
ttjiberlegten ©egner, ber tk (Stelle gcwig üor^er gefannt ^at,
unb wenn er fte nicl)t gefaunt Jdttc, gcttjig nacfefd)[ug, al5
bal tre(fenb(!e ^?aupt ? SIrgument entgegengcfcBt; er ^ar jTc^
in einer ©treitigfeit barauf berufen, bie gegenivdrttg mehrere
unb Vod)ft t)erfd;icben geftnnte Sorfd)er befdjdftigt; unb n>a6
allein fcfeon für bie genaue)1e 2led)t^eit beö (^itaH bürgen
fann — jperr Jpebberid) i)l ein reblic^er, gcrabbieberer DD^nn*
inaequalium in specie ad illiistrandum praecipue Iiiijiis con-
veutiis art. 15, 16, et art. V. S» 26. Pacis Osuabrug. Bonuae
1788. 4.
518
S?oc& tt?ofur fo t)tde SKortc; mx volvb mä)t öu3 aUhthmf
tcn S3ud}crn , t>olIenb^ wenn er ble ©teile gana auefcbrcibr,
gan^ genau clrlren?
Sei) bemerfc eö ungevne, ober ba6 SSeifpiel 1(1 mir ^u
n?{ll!ommen, gerabe trcil cö 23eifpiel eineö unüerbruc^lid) reb*
liefen SJianne^ i(?. ^eneaö 6i;lt>iuö I;at nid;t fo gefcfjricben,
vrie jperr J?ebberid) önfu^rt» 2)aö J^auptrcort ber ganzen
©teile ift gednbert« ^eneaö ©plDtuö fcl)ricb: aliqua ex de-
cretis Concilii Basileensis recepta videntur^ S^iXX ^eb?
bertd) lägt i&n fc^rclben: recepta sunt.
©efegt auc&, bag cö gleichgültig irdre: recepta vlden-
tur unb recepta sunt, fo if! eö boc^ nid)t loblicf), bei öu^*
fü^rlic^er 2lnfi4l;rung beö entfd)eibenbflcn ditaH önbere, ouc^
gleid)gelrenbc SBorrc gu fub|lttuirem Unb trem ifl*ö gleid;*
gültig recepta videntur ober recepta sunt? SScm ifl'5
gleichgültig, gerabe irenn bic grage tt^ax, ob e^ nic^t mit je^
ner com ^ahft gefct)cl;cnen Anerkennung unfcrer Slcceptötioii
ber ^33a^ler Decrete auf ein bloge^ videtur tinau6!omme,
ober ob fte trirllid; flar unb beutlic() tra^r fep?
^er 9J?ain5ifc^e ^an^ler Wlaxtin 5D?ej?cr '^atU feinem
greunbe unb ©onner SIeneoö ©i)lt)iu^ geklagt, ta^ ber ^ab(t
bie Decrete ber Sa|clfd;en ©ijnobc nic^t Jalte, 2)er fd^laue
SIcneaö ©öloiuö ergebt fogletc() cim ©egen!lage, wie unge*
geredet biefe S5efctwerbe fe)f). 9^id;t, bag er ^u behaupten
Suj! gebabt ^dtte, bie 2)ecrete ber 55afclfc^en ©i;nobe würben
wirflic^ t>om g)ab|! gebalten, D^icl^t aber auc^, H^ er c$ gerabe^u
gewagt b^tte, ^u erfldren, bie $Safelfc^c ©^nobc ffahc gar
«icbtö 55erpflic^tenbcö für ben^abfl. 9lod) waren boc^ nicf?t
tolle cilf Salyre tjerfloiJcn, feit ber ülfd)affenburger 9^eceß ge^
fd)lo|Te« worben; nod; lebte tk gan^e Generation, mit weh
cjer unb unter welci^er Sleneaö @i)lt>iu^ ben Slfc^affenburger
519
SReccß negociirt iatU*, noc^ ttjäre e3 gerabc bamaU, ha ofnc^
t>k^ neue ©afjrung in ber Seutfc^ ^^bmifcftcn Spi(vaxd)k rvav,
]^od)(! gcfd^rlid) geirefen, offenherzig ^u fagcn, wie ^n^eibeutig
bie öermeintc ^^ibftlici^e 2Inerfennung ber ^afelfd;en X^tcrcu
fet), vok wenig ftc& ein vollgültiger Q3etreiö jener 2Iner!ennung
geben löffe* ©einem greunbe ^c^cv fonntc Sleneaö (^\)U
x>M t)iel fagen, ober bod) nicbt ölleö fagen, bcnn fo t^eil^j
ue^mcnb üertröut trar er mit i^m nicfet, aU mit SoJönii
t>on Spfurö, mit bem er gerabe bnmalö burd) (S^iffern cor^
refponbirte ^')- ^^ ^^^ ^^^) "^^ ojfen^er^ig genug, bag et
i^m erfidrte, felbjl mit jener Der trag (3 mag igen STncrfcn»
nung einiger 25aöler Decrete, i>on ber ttroa öllein noc&
bk grage fci;n Tonnte, felbft mit berjenigen, Don vt»eld;cr boc()
CRtemanb beffer wijfen fonne, aU er felbfl, burd) bej]en^?anb
ölleö gieng, felbß mit biefer laufe c6 öm ^'nbe öuf ein bIogc$
videtur JinauS.
2)od) feinSBort mejr über bie j)auptfrage bcr^ontroöerfe
felbf!, fo Diel ftd) aud) noc^ fagcn laffcn würbe, wenn ölleö
prenge gcficbtet werben foUte, waß man oft ^aufenvreife ^u 33ertdti^
gung ber gewo&ulid;en3}^einung anfuhren 5u fonnen glaubte '•"••')♦
*) 6. (Jcirb. sreneaö @t)(öiu^ 95v{ef m 5ol)antt »on Stjfuta »om
3. ?R0ü. 1457, iiiter Epp. Aeneae Sylvii ii. 320. Per AVigan-
diim Secretariiim Moguntiiii misimiis tibi alphabetum, et nunc
diiplicabimiiSj si forsitan illud non recepisti. Poteris scribere
menüs tuae conceptiim, et consulere ecclesise necessiiaii.
3c^ l)abe biefe ©teile anber^ interpungtrt, <\Ü fie in beti
geiDöl)nlirf)en Olu^gaben ilel)t, beren ^nterpunctipu Ifeiuen red):
ten ©iun ^iht
^*) 3d) Wt^ irgenbwo m ntcfner »oricjen 2lH)anblung nebenl)er
bemerft, baj? c^ tn ber 95ufle (Jugend iv. ni^t l)ci^c: vei an-
te r fuerit concordatum, lüie .^err DDu ^orix anfül)rte, fonbern
blo^ vei fuerit concordatiim. gjjatt ^c^U mir l&ievauf entgegen,
520
a^ fd){en mctwdnm, cU ob id) bie <Ba6)c M ^öbft^ gegen
bic 2)eutfd)c ^irclje fuhren trollfc; ein gall, trobei id) felb^
öud; t>en @d)eii] bajlTc. 9lur nod) eine ^emcrfung über bic
(Sirculfltion unferer btflorifd)*!anonifd)en Sitreratnr, luie fte
ftd) mir barbot gerabe auö ©eh-gent^cit biefer Unterfud)ung.
S^Un |)at ftd) in ganj Dcutfcl)lLinb gefreut, ta ipcrr öon
^orir t)or 24 Si^^r^" niit ber ^'ntbccfung auftrat, bö^ eigent^
lid) bie jSaelcr Dccrete unfer wahret gunbamentöUCSoncorböt
mit bem ^^abft feigen* Wlan bot bann enblic^ angefangen, bic
neuü (Jntbccfung bie unb ha in Sebrbud)er einzutragen, unb
überall, iro fte gcbraud)t unb eingetragen n^urbe, über bic neue
(Jntbecfung trium^^birt, 9^un ^ci^t S^cn Äebberid) burd) ein
weitiduftgce ^vccrpt öuö einer fd)Dn 1735 erfcbicncnen Dcf
buctiLMi, baf5 mön fd)on bamal^ auf ^aälcr Decrcte ali gun^
bamcnraU(5oncorbate mit bem pdbrtlid)fn ©tu^l ficö belogen,
ba0 eö nict)t bieg g(cid)fam im Vorbeigehen, fonbern rcd)t
gefltflTentltd) unb mit gü^rung eine^ forgfditigen !3en3eifeö gc:?
fd)ebcn fc^), ta^ bk I^ebuction, bie bcn S5cn?eiö entbielt, bem
S^eid)ö?.^pofratb t^crgelegt \vorbcn, unb bag auc^ fd)on ta^
mali bcr 3^etd;öj jpofratf) barnac^ gefprod)cn b^be,
i)crrn dpu S}oxit bleibt immer nod) fein eigentbümficbe^
grogcö Verbiaift; er f)Cit ^ucrfi eine vöid^tige, ber ^Sollftanbii;^
feit be^ 33circifcö nod) febfenbe Urfunbe fupplirt; er bat bie
gan^e ^'ntwicfliing bcä ^enjcifcö btcl mcbr gefid)ert; er bat
jjiele lihd)Ü fd)d^bare 9^eben^^uffldrungcn t>erfcbafft; boc^
brcigtg ^abre fd)on früher, obne ta^ aber irgenb ein Deutj^
fd)er feclebrtcr, ein prDteflantifd)er ober fatbolifd^er ^anonifte,
baüon 9]oti5 nabm, breigig 5öbre frübcr tvar fcbon bie ganje
^ntbedfung gemad)t, unb t)a fdjon einem ber bbd)rtcn ©e?
tid)te beö 9ictd)ö aH guribamentaU Datum einer geforberten
tic^terlid)en <Senteni vorgelegt trorbcn»
M "bod) Qleneaö @i)linüs in feiner 5KeIatton an ben Äaifer
CBaluzii Misce 1. L. VII. p. 525) au^brüdlid) fnc^e vel ali-
ter fuerit coiicordadim. S^efro fcblimmer für unö ^eutfcbf,
unb beflo fixerer ein neuer ^ctxu<[ be^ 9^iJnüfcf) Äaiferliiten
^egociateur^, ii^enn je an bem äöorte aiiter bier et-
xoa^ lieqen foUte. !5enn in ber päbülidH-n 35u((e, alfo
in ber Urfunbe fel&il, auf bie e^ am C-nbe bort) ankommt, Mt
baö 5Sort nicht; unb 5lenea^ @i)Iüiu^ referirt fo, al^ ob man
ntit bem ^abjl über biefen fo beilimmteu Stu^bruce übereinge«
fommen tpare.
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